La Palma – die grüne Insel auf den Kanaren

Am 22.10.2018 nutzen wir eine der in dieser Jahreszeit seltenen Südwindlage und lassen uns von La Gomera nach La Palma tragen. Ein wunderschöner Segeltag, sonnig, richtiger Wind von schräg hinten, und wenig Wellengang. So wie es sich die meisten Segler wünschen. Unser erster Eindruck aus der Distanz: da ist ja alles grün! Die Nordostflanken der Insel sind recht steil, aber nicht zu steil so dass sich eine Vegetation an den Bergflanken ankrallen kann. Dank viel Feuchtigkeit aus den Wolken entwickeln sich diese Pflanzen üppig. Dies ist auch die erste Insel, wo es uns verregnet, mehrmals sogar! Ist aber bei 20-22 Grad warmer Luft nicht so schlimm. Hier ist nun die Jahreszeit angebrochen, wo es ab und zu mal regnet und die Pflanzen so grün werden lässt. Für die Einwohner ist der Regen ein willkommenes Geschenk des Himmels.

Auf allen Kanarischen Insel spielt die Seefahrt eine grosse Rolle, auch auf La Palma. Das Schiff hinten besteht aus Beton. Die Holzstruktur ist perfekt aufgemalt, man muss es berühren, um das Material erkennen zu können. In seinem Innern ist ein Schifffahrtsmuseum untergebracht
Die Holzbalkone sind so etwas wie ein Wahrzeichen von Santa Cruz de La Palma (Hauptstadt der Insel, 17’000 Einwohner). Nebst dekorativer Ausschmückung der Hausfassade hatten sie auch einen praktischen Nutzen: die frische Meeresbrise konnte mit ihnen aufgefangen und als willkommene Frischluft in die Räume geleitet werden. Darüber hinaus übernahmen die Balkone eine andere, eher sanitäre Funktion: an den Balkonenden wurde oft die Toilette angebracht. So blieben Geruch und Abwasser ausserhalb des Hauses. Nun wissen wir auch, wieso die Figur im Bild vorher einen so grossen Hut braucht 😊
Santa Cruz De La Palma: schmale Gassen und Häuser. Auch hier markant die hölzernen Balkone
Angenehme und mutige Farben bringen Pep in die Altstadt von Santa Cruz
Plaza España mit Iglesia del Salvador in der Hauptstadt
Innenhof des Ratshauses mit Balkonen aus Holz, das alles aus lokalen Wäldern stammt
Fenster, das unsere Aufmerksamkeit gewonnen hat: sehr zweckmässiger Schutz gegen Sonne (Holzläden) und trotzdem winddurchlässig. Und wenn es einmal etwas mehr Durchlüftung braucht, dann stellt man einfach die beiden Stellläden auf
Immer wieder wollen Tapas probiert werden – am besten schmecken sie in wirklich einheimischen Tavernen
Hier sind wir daran, unsere Reservesegel zu inspizieren. Das aktuell montierte Genua Segel ist schon alt und lädiert. Ob die Schäden daran reparierbar sind, muss ein Segelmacher beurteilen. Zum Glück hat uns der Vorbesitzer des Schiffes einen ganzen Satz neuer Segel zurück gelassen.
Zu Fuss unterwegs zum höchsten Berg von La Palma, dem „Roque de los Muchachos“, 2426m hoch (bis etwa 2350m kann man mit dem Auto fahren😊)
Fantastischer Wanderweg zum Gipfel, ein zirka 1 Meter breiter Pfad mit flachen Steinplatten gepflastert
Oben angekommen
Früh Aufstehen hat sich gelohnt! Der Gipfel ist am Morgen noch nicht in einer Wolke eingehüllt. Ein grandioser Rundumblick eröffnet sich. Richtung Süden sind im Dunst die beiden Inseln La Gomera (links) und El Hierro (rechts) erkennbar
Nach den Kletterstrapazen ein gemütliches Bad in den Felspools von La Fajana. Die Wellen des Meeres lassen immer wieder frisches, kühles Wasser in die Pools schwappen, bei Flut werden sie ganz überspült
Ein wichtiges Produkt der Landwirtschaft: Bananen. Heute werden diese oftmals in grossen Plantagen angebaut, die komplett mit einer netzartigen Folie umgeben und überdacht sind. Immer findet man aber noch die kleineren,terrassenartigen Bananen-Felder, die in mühevoller Arbeit hergerichtet und bepflanzt werden
Die Salinenfelder von Fuencaliente ganz im Süden von La Palma. Sie wurden 1967 in Betrieb genommen und auch heute werden darin noch rund 600 Tonnen Salz pro Jahr produziert. Die rötliche Färbung stammt von einer Alge, welche nur unter extrem hohen Salzkonzentrationen gedeiht
Das Prinzip ist einfach: mit elektrischen Pumpen (früher Windräder) wird Wasser aus dem Meer in ein grosses Becken hoch gepumpt. Ein mit Lehm versiegelter Boden sorgt dafür, dass das Wasser nicht versichert. Nun beginnen Sonne und Wind das Wasser zu verdunsten. Dadurch steigt der Salzgehalt und damit auch das spezifische Gewicht der Flüssigkeit. Das Wasser mit hoher Salzkonzentration sinkt ab, wird abgezapft und in ein leicht tiefer liegendes Becken geleitet. Das wird so lange wiederholt, bis sich Salzkristalle in den kaskadenartig angeordneten Becken abscheiden
Ursprünglich waren die Leitungen und Verbindungskanäle aus Holz (wie im Bild). Reparaturen und Erweiterungen werden heute öfters auch mit Kunststoff ausgeführt
Hier machen wir uns auf die Suche nach den Ureinwohnern der Insel. Dank perfekt ausgeschilderten und dokumentierten Wanderwegen (ich dachte immer, wir Schweizer seien da das Mass der Dinge – aber hier auf den Kanaren werden wir eines Anderen belehrt!) finden wir die entlegensten Ecken. Retour hilft uns dann eine elektronische Wanderkarte ein (App: earthmate) Übrigens, die Insel kann man komplett zu Fuss erwandern, quer, längs, rauf, runter in die hinterste oder höchste Ecke, bewundernswert!!
Zunächst geht’s durch ein früher intensiv landwirtschaftlich genutztes Gebiet. Die Einwohner in dieser Gegend sind entweder schon relativ alt, oder es sind jüngere Leute, die in ihrem Leben einmal etwas anderes machen wollen (früher hätte man das Wort «Aussteiger» benutzt) und hier für wenig Geld ein Stück Land erwerben und wo sie im Einklang mit der Natur leben können. Hier ein sehr schönes Beispiel eines sanierten Bauernhauses
Auf moderne Errungenschaften wird aber nicht mehr verzichtet: Wasserversorgung eines kleinen Weilers. Jedes Haus zieht seine eigene Leitung zum Wasserreservoir
Findet ein verlassenes Haus keinen neuen Nutzer, dann holt sich die Natur ihren Platz nach und nach zurück
In einem Talkessel stossen wir auf viele Erdhöhlen in den Felswänden. Sie sind gut versteckt und von der Distanz kaum erkennbar. Ein steiler Pfad führt zu ihnen hinunter
Neuzeitliche Einwohner (Aussteiger) versuchen, es ihren Vorfahren gleich zu tun
Wir wanden weiter auf der Suche nach der Geschichte. Stossen auf diese alte, verfallende Getreidemühle. Ein Zeuge, dass es hier einmal einen regen Getreide- oder Maisanbau gab
Heute liegen viele Felder brach oder werden anders genutzt, wie in diesem Bild. Hier hat ein junges Paar die einzelnen Terrassenfelder wieder angepflanzt, um sich mit dem Ertrag davon selber ernähren zu können
Und hier ein Beispiel, wie es vor Hunderten von Jahren ausgesehen haben könnte. Zirka 200 Jahre vor Christus gab es die ersten Bewohner in diesen Höhlen. Durch die Seefahrer im 15. Jahrhundert wurden sie vertrieben oder ausgerottet
An den Höhlenwänden haben die Ureinwohner Zeichen eingraviert. Man weiss bis heute nicht genau, was die konzentrischen Kreise, die Labyrinthe und die mäandernden Formen bedeuten sollen
Drachenbaum als Schattenspender beim anstrengenden Aufstieg
La Palma ist die zweitjüngste Insel der Kanaren. Sie ist vor 1.7 Mio Jahren aus einer Meerestiefe von 4000 Meter entstanden im Zuge von mehreren Vulkanausbrüchen. Hier sind wir im Süden von La Palma auf dem Kraterrand des Vulkanes, San Antonio. Gleich dahinter befindet sich der Kegel des neuesten Vulkanes, Volcano Teneguia, der 1971 ausgebrochen war und den Südzipfel von La Palma Richtung Meer um einige Quadratkilometer mit seiner Lavamasse erweitert hat
Im nördlichen Bereich von La Palma, wo die ersten beide Vulkane die Insel aus dem Wasser wachsen liessen, ist durch Erosion bei einem Vulkan die westliche Flanke eingebrochen. Die Resten des Kraterrandes liegen in den Wolken verborgen im Hintergrund, davor eröffnet sich ein über tausend Meter abfallendes, wild zerklüftetes Tal
Steile Hänge, richtiger Boden für die Kiefern (oder sind es Pinien? In den Wandertafeln und Touristenführern wird es nicht so ganz klar. Werni Habermacher, der Förster unseres Dorfes, müsst das mal klären 😊). Das spezielle an diesen Bäumen: durch ihre extrem dicke Baumrinde sind sie sehr gut geschützt. So überstehen sie sogar Waldbrände. Durch das Feuer können zwar die harzhaltigen Nadeln wie Zunder abbrennen, aber das Innere des Baumes wird durch die Rinde vor der extremen Hitze isoliert und schon einige Monate nach einem Feuer beginnen neue Nadeln zu spriessen. Die Nadeln enthalten auch ein Gift, das es verhindert, dass sich am Boden andere Pflanzen entwickeln können. Das Resultat davon – ungewohnt für unser Auge: der Waldboden ist total unbewachsen
Frischer können die Fische nicht sein! Ein Fischer kommt direkt vom Meer, fährt mit seinem Boot vor des Hafenrestaurant der Marina Tazacorte vor und bietet seinen Fang zum Kauf an. Der Koch der Taverna, und sogar einige Gäste direkt selber, wählen aus, und kurz danach brutzelt der Fisch auf dem Grill

An unserem letzten Abend in La Palma werden wir spontan von der Crew eines Nachbarschiffs, der INVIA, zu einem Apéro eingeladen. Wir sind noch nicht lange auf dem erst ein Jahr jungen, sehr geräumigen Katamaran, als ein heftiges Gewitter riesige Regentropfen auf das Verdeck trommeln lässt. So wird der Apéro mit gegenseitigem Erfahrungsaustausch halt etwas länger 😉. Vielen Dank an Dorothee und Stefan für die Gastfreundschaft und den Regenschirm, der uns trocken wieder auf unser Schiff brachte.

Gestern Sonntag, 28.10.2018, sind wir unter zum Teil heftigem Wind und sehr kabbeliger See südöstlich nach Teneriffa gerauscht. Hier haben wir in einer Bucht südlich von Los Christianos geankert und heute suchen wir nun einen Hafen, wo wir unser Genua Segel, das schon etwas ramponiert ist, von einem guten Segelmacher reparieren oder ersetzen lassen können. Und dann kommt morgen Nelly, eine langjährige Freundin von Pia zu Besuch. Sie wird uns die nächsten Tage begleiten.

 

La Gomera – eine runzelige Dame

Nach der ruppigen Überfahrt von Mogan ganz im Südwesten von Gran Canaria sind wir in der Hauptstadt von La Gomera, San Sebastian, eingelaufen. Der Hafen ist durch eine grosse äussere Hafenmole geschützt, an der die Kreuzfahrtschiffe und Fähren anlegen, und durch eine innere, die uns vor dem Schwell schützt, den die grossen Dampfer erzeugen. Unsere Lupina liegt sehr ruhig hier

Hafen von San Sebastian de La Gomera. Strand mit dunklem Sand (wie bei den meisten Stränden hier in den Kanaren stammt der Sand vom Vulkangestein und ist deshalb teilweise fast schwarz), daneben der Yachthafen (unten links)
Wie schon oft auf unserer Reise ist wieder ein Fest im Gang. Es hat religiösen Hintergrund und dauert vom 13. September bis 8. Dezember. Jedes Wochenende wird eine kleine Maria-Statue mit Booten von einem Ort zum anderen gefahren, begleitet mit Partys und Anlässen auf Booten und an Land
Teil der Festivitäten ist eine rund anderthalb stündige Flamenco-Tanz Vorführung im öffentlichen Amphitheater des Stadtparks – kostenlos! Für uns wunderschön zum Geniessen und für die drei Tänzer eine sportliche Spitzenleistung
Ein Bild aus der Kirche Nostra Señora de la Asuncion. Die Kirche wurde um 1440 als einfaches Gebetshaus aus Bruchsteinen und Ziegeln gebaut. Will man den Chronisten glauben, soll Kolumbus und seine Mannschaft in dieser Kirche die Heilige Maria um ihren Segen für ihr Vorhaben gebeten haben, bevor sie mit letztem Proviant und frisch gefüllten Wasserfässern in unbekanntes Gewässer aufgebrochen sind. Seitdem wurde sie wieder und wieder durch die ständigen Piratenangriffe geplündert, abgefackelt, und zerstört. Auch unachtsame Verwaltung und korrupte Küster (kostbare flämische Orgelpfeifen wurden nach Gewicht an den lokalen Schmied verkauft, Chorgestühl als Brennholz verhökert). Das Bild zeigt einen Angriff der Königlichen Flotte von England im Jahre 1743 auf San Sebastian. Bis anhin fanden fremde Flotten und Piraten nur friedliebende Fischer und Bauern auf la Gomera vor, die keine Ahnung hatten vom Kämpfen. So war es immer ein Leichtes, die Dörfer zu plündern und Zeugen des Überfalles zu ermorden. Die Gomerianer hatten aus der Vergangenheit gelernt und diesmal war es anders: man hatte nun ein Warnsystem eingerichtet. Als die Flotte sich San Sebastian näherte, eilten von der ganzen Insel die starken Burschen und Männer den Einwohnern der Stadt zu Hilfe und schlugen die stolze Flotte erfolgreich in die Flucht
Steine, so weit das Auge reicht! Durch Erosion stark zerklüftete Berglandschaft. Die Sonnenhänge sehr karg, die Schattenhänge von zum Teil üppiger Vegetation bewachsen
Vor 20 Millionen Jahren begannen die vulkanischen Aktivitäten und die Insel La Gomera stieg nach und nach aus dem Meer. Zu unterschiedlichen Zeiten bei unterschiedlichen Ausbrüchen kam Schicht auf Schicht. Einige davon farblich ganz unterschiedlich. Diese rote Schicht trifft man immer wieder auf der Insel, entweder als stark erodierte Oberfläche, oder wie hier, kompakt eingepackt als ein 1-2 Meter mächtiges Band
eine fantastische Formation: die «Orgelpfeifen» ganz im Norden der Insel, nur per Schiff sichtbar
La Gomera ist ein lebendes Schaufenster, wie sich Natur und Mensch erfolgreich einem Lebensraum anpassen können, der nur aus Stein besteht. In jedem Ecken der Insel, und ist er noch so steil und verborgen, trifft man auf endlose Beispiele, wie sich der Mensch über zig Generationen in unvorstellbar mühevoller und sicher auch gefährlichen Handarbeit Wohnraum, Ställe für Tiere, Felder für Anbau von Getreide und Gemüse, Arbeitsflächen und Verbindungswege der Steinwüste abgewonnen hat. Das Bild zeig, wie dem steilen Hang mit Hilfe der weggeräumten und zu Mauern aufgeschichtete Steinen kleine, ebene Pflanzfelder abgerungen wurden
Der Zahn der Zeit nagt (das rostige Teil ist gemeint 😊): die heutigen Transportmöglichkeiten haben vieles verändert. Die importierten landwirtschaftlichen Produkte sind heute meist billiger als die lokal produzierten. Deshalb liegen heute viele Felder brach. Verarbeitungs- und Verpackungsfabriken stehen leer und zerfallen. Hafenanlagen, wo früher Kräne die Waren auf Schiffe verladen haben, werden nach und nach vom Meer zurückerobert
Es braucht viel Mut, mit dem Auto diese Strasse zu befahren
Die vulkanischen Aktivitäten haben vor rund 2 Millionen Jahre gestoppt. Seitdem wirken Sonne, Regen und Wind als Bildhauer. Die meist nordöstlichen Winde bringen viel feuchte Luft an die Nordostseite der Insel. Hier gibt es genügend Niederschlag für eine üppige Vegetation
Satt grünes Moos und Flechten lassen Bäume und Böden ganz weich aussehen
Der südliche/westliche Bereich der Insel ist trocken bis wüstenartig, da hier nur selten Regen fällt. Wir hatten das Glück, das es ein paar Tage vorher geregnet hat. Vermeintlich verdorrte Pflanzen werden wieder grün – grossartige Natur!
Im Jahr 2012 gab es das letzte grössere Feuer auf der Insel (Blitzschlag oder Menschenhand? Man weiss es nicht so genau). Einige Pflanzen haben mit ihrem Wurzelwerk das Feuer überlebt und kämpfen sich erfolgreich wieder zurück. Andere stehen im Moment noch als verdorrende, stumme Zeugen des verheerenden Grossbrandes darüber
Auf dem höchsten Berg der Insel: Alto de Garajonay, 1487m. 360° Rundumblick. Einfach zum Geniessen
Bei perfektem Wetter sieht man von hier aus alle Kanarischen Inseln. Wir hatten Glück! Im Hintergrund schwebt Teneriffa mit seinem 3718 Meter hohen Teide aus dem Dunst
Mirador de Abrante, luftige Aussichtsterrasse mit Glasboden (wegen Riss in einer Platte leider bei unserem Besuch gesperrt) schwebt mehr als 600 Meter über dem Abgrund. Unten einer der drei Ortsteile von Agulo
Unsere Lupina wartet geduldig im Hafen, bis sie endlich wieder durchs Wasser schiessen darf

Den letzten Abend auf La Gomera verbringen wir ganz anders als geplant. Wir sitzen in einer Cervezaria (Biergarten) direkt am Hafen, wo es ein gutes WiFi hat und bearbeiten unsere Mails. Pia hat kalt und geht kurz auf’s Schiff, um sich eine Jacke zu holen. Kurz darauf kommt sie aufgeregt zurück. Neben unserem Schiff hat ein Charterschiff festgemacht mit einer Schweizer Crew an Bord. Diese haben Pia gleich angesprochen, als sie unsere Schweizer Flagge gesehen haben und spontan zu einem Drink eingeladen. Also schliesse ich zügig meinen Computer, zahle die Rechnung und wir gehen zurück auf’s Schiff. Aus dem Drink bei unseren Nachbarn wird ein feines Nachtessen mit interessanten, kurzweiligen Gesprächen. Es ist eine lustig zusammengesetzte Crew aus dem Seeland und Lenzburg: Skipper Erich, Master Ueli und seine Frau Ursula, Co-Skipper Dieter und Monika und der wichtigste Mann an Bord, der Koch Christoph. Sie haben das Boot in Teneriffa vor einer Woche gemietet und sind noch eine Woche unterwegs. Wir erinnern uns an unsere ersten Segeltörns auf dem Meer, als wir noch Meilen sammeln mussten für den Hochseeschein. Nach einem feinen Gemüseragout auf Couscous (oder war es Hirse – Pia weiss es nicht mehr und für Köbi war schlicht und einfach lecker), einer göttlichen Creme brulée, und ein paar Flaschen Rotwein intus verabschieden wir uns von den sympathischen Leuten, nachdem sie noch kurz unsere Lupina besichtigt haben (was Ueli zu der mutigen Aussage hinriss: in 10 Jahren übernehme ich das Schiff von euch! Schauen wir mal 😊). Vielen Dank und Happy Sailing!

Am 22. Oktober sind wir wieder ins Meer gestochen mit Ziel La Palma, wo wir nun die nächsten Tage verbringen werden. Gerne wären wir länger auf La Gomera geblieben, aber wir mussten uns nach dem Wind richten, der gestern ideal war (in dieser Jahreszeit kommt er sonst meist aus der anderen, für uns falschen Richtung) und in den nächsten Tagen fast völlig zusammenbricht.

Von Fuerteventura nach La Gomera

Die Yachten, die dieses Jahr mit der ARC (Atlantic Rally vor Cruisers) über den Atlantik segeln, verlassen Gran Canaria in zwei Gruppen. Die erste (rund etwa 75 Schiffe via Kap Verden) startet am 11. November, die zweite (über 200 Schiffe, direkte Route) zwei Wochen später am 25. November. Bis dann sind die Häfen in und um Las Palmas (Gran Canaria, Starthafen der Rally) sehr stark belegt. Wir haben deshalb entschieden, von Fuerteventura nun zuerst La Gomera, dann La Palma anzulaufen und erst danach via Teneriffa nach Gran Canaria zu segeln. Bis dann sind die ARC Schiffe weg und wir haben wieder Platz in Buchten und Häfen.

Von Fuerteventura bis La Gomera sind es etwas mehr als 150 Meilen. Da es unterwegs schöne Küsten zu sehen gibt, wollen wir die Überfahrt bei Tageslicht machen. Wir unterteilen die Strecke in zwei Etappen. Von Fuerteventura bis Mogan auf Gran Canaria (80 Seemeilen), und dann von Mogan nach San Sebastian de La Gomera (72 Seemeilen). Wir haben immer wieder die Wettervorhersagen konsultiert, um möglichst viel der Strecke unter Segel zurücklegen zu können. Am 17. Oktober ist es so weit. Frühmorgens um 6 Uhr heben wir den Anker vor Morro Jable in Fuerteventura und starten kurz vor der Tagesdämmerung unsere erste Etappe, für die wir rund 12 Stunden eingeplant haben.

Pia hat feinen Kaffee gebraut. Noch ein feines Müesli und 1 Butterbrot dazu und der Skipper ist für den Tag bestens gerüstet
Die Überfahrt verläuft recht zügig. Mit einem guten Wind quer zum Schiff machen wir mehr Fahrt als eingeplant. Die Wellen sind aber leider auch recht stark und schaukeln uns tüchtig durch. Zwei Stunden früher als eingeplant erreichen wir die Südküste von Gran Canaria bei den bekannten Sanddünen von Maspalomas / Playa del Ingles
Rund 5 Meilen weiter westlich hängt Pia mit ihrer Kamera gebannt an der Reeling. Was gibt es da so Interessantes?
Pia fotografiert ein kleines Fischerdorf: Arquinequin. Hier hat ihr Vater nach seiner Pension rund 20 Jahre gelebt. Es ist fast wie ein nach Hause kommen für sie. Das Dorf ist eine der ältesten Siedlungen im Süden von Gran Canaria und hat seinen früheren Charm trotz heute florierendem Tourismus behalten
In Mogan erreichen wir unser Tagesziel, wo wir vor der Marina vor Anker gehen. Wir kennen diesen Hafen von einem Chartertörn im Jahre 2010. Im Hintergrund das stilvolle Hafenbüro. Hier tanken wir unsere Lupina erstmals (!) seit England
0.999 Euro/Liter Diesel! Wir füllen den Tank randvoll – so billig werden wir wohl nie mehr tanken!
Auch am nächsten Tag ist wieder früh Tagwache. Da die Strecke etwas kürzer ist, gönnen wir uns eine Stunde mehr Schlaf als am Vortag. Um 7 Uhr heisst es dann aber «Anker hoch» und ab Richtung La Gomera. Wir werden mit einem wunderschönen Morgenhimmel für das frühe Aufstehen belohnt
Die erste Stunde müssen wir motoren, da wir im Windschatten der Insel keinen Wind haben. Dann aber geht innerhalb fünf Minuten die Post ab und es stehen plötzlich 20 Knoten Wind an. Die Lupina pfeilt mit fast 10 Knoten durchs Wasser Richtung Teneriffa. Schon bald ziehen dunkle Wolken auf und der Wind wird stärker. Wir reffen die Segel. Hinter uns baut sich eine Gewitterfront auf, die schneller vorwärts rückt, wie wir
Wir haben Glück. Die heftige Regenfront streift uns nur knapp, und dahinter bessert sich der Himmel schnell. Was aber bleibt ist ein heftiger Wellengang und ein noch stärkerer Wind als vorher. Beides schüttelt uns so richtig durch
Obwohl wir nun schon gut seetauglich sind, können solche Situationen einen «Klumpen» im Bauch erzeugen. Das beste Gegenmittel: flach hinlegen und Augen zu. Bei Pia hat es offensichtlich geholfen 😊

Nachdem wir dann das Südkap von Teneriffa umschifft haben, spielt der Wind Katz und Maus mit uns. Richtung und Stärke wechseln dauernd. An ein ruhiges Segeln ist nicht zu denken. Mit unserem Volvo-Penta schubsen wir uns aus der Turbulenz, die das Kap erzeugt, in stabilere Windschichten. Dort geht die Post wieder ab. Der Wind weht noch stärker (30 Knoten) als vor Teneriffa und zu unserem Unbill viel mehr von Westen als angesagt. Wir haben nun den Wind fast auf der Nase und müssen dagegen halten. Die Windstärke zwingt uns, die Segel stark zu reffen und es geht viel langsamer vorwärts als uns lieb ist. Lupina stampft heftig, die Wellen heben sie vorne immer hoch aus dem Wasser und gleichzeitig kommt die nächste Welle seitwärts und lässt sie dann kräftig rollen. Aber es geht vorwärts und wir kommen dem Ziel näher und näher. Wir sind sehr froh, als wir nach zwei Stunden Kampf gegen Wind und Welle die schützende Hafenmole von San Sebastian de La Gomera erreichen.

Unser erste Erfahrungen mit Sturm, heftigen Wellen und starkem Wind. Die Lupina ist super! Sie läuft wie auf Schienen durch die Wogen. Einzige Narbe des Kampfes: Das Vorsegel, noch Original und wohl schon einige Male repariert, sieht etwas ramponiert aus. Hier werden wir uns in den nächsten Tagen entscheiden müssen, ob wir es reparieren wollen oder besser ein Neues beschaffen sollen

In San Sebastian de La Gomera liegen wir in einem angenehmen Hafen, gut geschützt vor Wind und Wellen. Die Hafenangestellten sind sehr freundlich und zuvorkommend und es hat viele interessante andere Langfahrtenschiffe hier. Es waren zwei anstrengende Tage und wir freuen uns nun auf ein paar Tage «gemütlichen Landurlaub».

Fuerteventura – Steinwüsten und Sandstrände

Von der Isla de Lobos ist es nur ein Katzensprung (genau genommen etwa 2 Kilometer) nach Fuerteventura. Ganz im Norden liegt Corralejo, das in den letzten Jahren dank seiner pulverfeinen hellen Sandstrände vom kleinen Fischerdorf zur Ferienstadt mutiert ist. Hier legen wir erstmals Anker und besuchen Hafen und Touristenmeile per Dinghi. Ein Tag später geht es dann weiter der Ostküste entlang südwärts. Eigentlich wollten wir etwa in der Mitte der Küste, in Puerto del Rosario, Halt machen. Der Wind ist aber so gut, dass wir uns weiter wehen lassen bis nach Gran Tarajal, wo wir in der Marina festmachen. Hier können wir unseren fast leeren Wassertank wieder füllen und die Batterien aufladen. Die Erfahrung hat uns mittlerweile gezeigt, dass und ein Wassertank für gut 1 Woche reicht, ohne dass wir uns gross in unserem Wasserkonsum einschränken müssen. Und beim Strom ist es so, dass wir an einem Segeltag rund etwa 10% Batteriekapazität brauchen. Den Strom brauchen wir vor allem für die Navigationsinstrumente und den Autopiloten.

Eine ab und zu notwendige Aufgabe: Schiff waschen und abspülen (Pia macht das sehr gerne). Das Salz des Meerwassers macht die Seile sehr hart und überall an der Reeling und den anderen Oberflächen bilden sich Salzkristalle. Da bildet sich dann Oberflächen-Rost (mineralhaltiger Staub reagiert mit dem Salz und bildet Flugrost), der sich durch Süsswasser meist vom Chromstahl wieder abwaschen lässt
Auch die Scheiben müssen von Salzkristallen befreit werden
Eine andere Arbeit, die ab und zu erledigt werden will: Reinigung des Ankerkastens. Durch die Kette kommen immer wieder Sand, Schlamm und Pflanzenreste in den Ankerkasten. Damit der Wasserablauf des Kastens nicht verstopft, muss dieser ab und zu herausgeputzt werden. Hier ist Köbi gerade an der Arbeit
Wir haben 80 Meter Kette aus rostfreiem Stahl. Hier legen wir diese 80 Meter auf dem Steg aus, um die Kette zu inspizieren. Wir haben kürzlich gelesen, dass rostfreie Ketten unter Umständen in warmem Klima trotzdem stark korrodieren können. Ein regelmässiger Check dieses sicherheitsrelevanten Teiles ist deshalb sehr wichtig. Alle Kettenglieder sind in Ordnung 🙂
Damit es uns einfacher fällt, zu bestimmen, wieviel Kette wir schon gelegt haben, bringe ich alle 5 Meter Farbmarken an. Diese Farbmarken weisen auf kleine Gummimarkierungen hin, die zwischen den Kettengliedern eingeklemmt sind und uns genau die Länge angeben.
Natürlich geniessen wir nebst Segeln und Unterhaltsarbeiten auch das Kulinarische an Land. Hier köstliche Tapas

Von Gran Tarajal aus unternehmen wir 2 Tagesausflüge. Am einen Tag bringt uns der öffentliche Bus in den südlichen Teil der Insel, am anderen Tag fahren wir per Mietauto in den nördlichen Bereich. Es klingt nun vielleicht etwas despektierlich, aber damit hat man die Insel eigentlich schon gesehen. Kurz zusammengefasst besteht die Insel aus Steinen, Steinen und nochmals Steinen, ab und zu aufgelockert durch unzählige, manchmal kilometerlange Sandstrände

Steine, so weit das Auge reicht
Früher war Landwirtschaft eine der Haupteinkommensquellen der Bevölkerung. Damit das eigentlich fruchtbare, aber trockene Land etwas hergab, musste es von Steinen befreit werden und eine ausgeklügelte Bewässerung musste die Pflanzen speisen. Die Monate November bis April gelten als „Regenmonate“. In dieser Zeit kann es schon ab und zu mal regnen. Das Regenwasser wird über Auffangbecken und Kanalsystemen zu den Feldern (als Becken angelegt) geleitet und überflutet diese mehrmals in dieser Periode.
Kilometer lange, pulverfeine Sandstrände sind charakteristisch für Fuerteventura
Überall treffen wir auf phantastische Gesteinsformationen . Hier Sandfelsen mit eingeschlossenen Lavablöcken (dunkle Blöcke)
Oder diese vom Meerwasser schon seit vielen Jahren ausgewaschene Klippenlandschaft
Wenn wir in unserem Reiseführer nachschlagen, was wir in einer bestimmten Ortschaft antreffen, werden wir in den meisten Fällen auch immer wieder auf irgendwelche Kirchen hingewiesen. Diese hier fasziniert durch ihre äusserliche Schlichtheit …
… und innerliche aufgeräumte Schönheit
Im Nordwesten der Insel, wo das Meer bei den meist vorherrschenden Nordwinden oft besonders rau ist, gibt es spektakuläre Formationen in den Klippen. Hier eine grosse Grotte, die über Jahrtausende durch die Gewalt der Wellen aus dem harten Felsen heraus gewaschen wurde
Gebäude der Regierung sind normalerweise immer sehr prunkvoll. Nicht so in der ehemaligen Hauptstadt der Insel  „Betancuria“. Hier hielten sich die Beamten seit jeher bescheiden zurück und bekundeten kein Problem, ihre Sitzungen in leerstehenden alten Häusern oder in Scheunen abzuhalten. Im Bild das Gebäude, in der sich die Gemeindeverwaltung heute mit 3 schlichten Räumen eingemietet hat. Es stammt aus dem 15. Jahrhundert und ist in privatem Besitz. Uns imponierte der schöne Holzbalkon
Zeichen des Tourismus. „Trucker“ (ein Turnkollege von Köbi) würde sich freuen über dieses Gerät 🙂 )
In der grössten Hafenstadt der Insel (37’000 Einw.), Puerto del Rosario, und heutigen Hauptstadt zieren traditionelle und moderne Skulpturen die Hafenpromenade
Gegensätze: wild schäumendes Meer in permanenter Bewegung und stoisch ruhende Lampe

Die Wetterprognosen versprechen in den nächsten Tagen starke Winde aus nördlicher Richtung. Wir wollen diese nutzen, um uns weiter Richtung Westen zu bewegen. Die nächste Insel ist Gran Canaria. Hier sammeln sich in den nächsten 3-4 Wochen viele Schiffe, die mit der ARC den Atlantik überqueren wollen. Deshalb wollen wir zuerst ganz in den Westen der Kanaren, nach Gomera oder sogar La Palma. Der Wind wird uns weisen.

Zwischenstopp auf Isla de Lobos

Von Lanzarote nach Fuerteventura ist es nur ein Katzensprung. Mit etwas Wind dauert der Törn nur ein paar Stunden. Nach einem letzten Schnorchelgang schliessen wir unser Badi an Bord und heben gegen Mittag den Anker vor der Papagayo Bucht ganz im Süden von Lanzarote. Mit vollen Segeln geht’s ab in südwestlicher Richtung. Die Küste von Fuerteventura ist schon von Lanzarote aus sichtbar. Da wir den Wind gegen uns haben, müssen wir aufkreuzen. Macht aber nichts, wir haben ja Zeit. Bevor wir an die Küste von Fuerteventura gelangen, stossen wir auf die kleine Insel Isla de Lobos. Da „Lobos“ eigentlich „Wolf“ bedeutet, müssen wir mit unserer Lupina (zur Erinnerung: kleine Wölfin) unbedingt dort halt machen. Am frühen Nachmittag setzen wir den Anker in einer der wenigen Buchten der Insel und springen gleich wieder ins Wasser. Dieses ist mit etwa 23 Grad angenehm warm und herrlich klar. Da der Untergrund meist felsig ist hat es viele Fische, die uns neugierig mustern. Wahnsinnig, diese Farbenpracht – ich muss unbedingt unsere GoPro Kamera in Betrieb nehmen!

Bucht, wo wir mit der Lupina (mitten im Bild) im Süden der Isla de Lobos liegen
Der Untergrund ist felsig. Die Wellen können keinen Sand aufwirbeln und das Wasser ist deshalb glasklar. Zum Ankern ist es nicht so gut: der Anker kann sich unter den Felsen festklemmen und dann kriegt man ihn nur noch schwer hoch. Zur Hilfe haben wir eine Leine vorne am Anker angemacht mit einem Schwimmkörper. An dieser Leine könnten wir den Anker unter den Steinen hervorziehen. Im Hintergrund eine Handvoll Touristen-Katamarane, welche Hotelgäste vom nahen Fuerteventura zum Tauchen und Schnorcheln hierher bringen
Wir fahren mit unsrem Dinghi an Land
Hier gab es früher ein kleines Dorf mit Fischern. Heute wird die Insel nicht mehr dauernd bewohnt und ist ein Nationalpark
Kurz vor unserm Landgang gab es ein kurzes, heftiges Gewitter. Etwas sehr ungewöhnliches für diese Gegend. Die Pfützen liegen noch in den Wegen
Diese Lagune wird bei Flut mit Salzwasser gefüllt . Hier wachsen ganz seltene Pflanzen, die diese Mischung von Süss- und Salzwasser brauchen
Das Spezielle aber auf der Insel sind ihre unzähligen kleinen Krater. Jeder dieser dunkeln Hügel hat einmal Feuer und Asche gespuckt – eine richtige Miniaturausgabe eines Vulkangebietes
Es gibt aber auch einen grossen Vulkankegel. Hier steht Pia auf seiner Spitze, die auf 127 Meter über Meer liegt. Im Hintergrund wieder viele kleine Vulkane
Isla de Lobos liegt rund 2 Kilometer vor Fuerteventura (im Hintergrund). Obwohl die Küste so nahe ist, beschliessen wir, die Nacht hier vor Anker zu verbringen
Das letzte der Touristenschiffe verlässt die Insel. Nun sind wir, zusammen mit einem anderen Segelschiff, alleine auf der Insel …
… und werden mit einem wunderschönen Sonnenuntergang verabschiedet

 

Lanzarote – in der Einfachheit liegt ihre Schönheit

Unseren erster Landkontakt mit den Kanaren machen wir auf der Insel Graciosa am 29. September morgens um 10 Uhr. Also eigentlich ist es nur unser Anker, der Landkontakt bekommt. Wir bleiben den ganzen Tag auf dem Schiff und geniessen einfach das Nichtstun, schnorcheln viel (Köbi) oder räkeln uns an der Sonne.

Die Insel Graciosa liegt nördlich von Lanzarote und ist nur durch einen rund 1 km breiten Kanal von der Hauptinsel getrennt. Wir haben in einer Bucht ganz links, direkt vor dem dunkel erscheinenden Berg geankert
Dieser dunkle Berg ist ein erloschener Vulkan, der teilweise ins Meer abgebrochen ist und uns mit seiner speziellen Felsformation und den Farben begeistert. Das Wasser hier ist glasklar und dank Naturschutz gibt es einen grossen Fischreichtum. Den Schnorchler freut’s 😊

Nach 2 Tagen Ankern bei Graciosa segeln wir im Uhrzeigersinn um Lanzarote, die östlichste Insel der Kanaren, bis zur Hauptstadt, Arrecife. Über Funk versuchen wir mit der Marina Kontakt aufzunehmen, erhalten aber, wie leider oft schon passiert, keine Antwort. Also fahren wir wie immer in solchen Fällen auf gut Glück in die Marina und beobachten die Leute auf den Stegen. Bald sehen wir einen Angestellten der Marina, der und durch wildes Gestikulieren signalisiert, wo wir anlegen sollen. Wir legen auf Pia’s Lieblingsseite (sie bereitet pflichtbewusst immer alle Fender und Festmacherleinen auf dieser Seite an, und müsste alles auf die andere Seite wechseln), an Backbord an. Zuerst erhalten wir als Antwort: «alles voll, keinen Platz mehr!». Wir wissen, dass die Marinas vor allem im östlichen Teil der Kanaren ab Oktober bis Mitte November durch die Teilnehmer der ARC Rally stark ausgebucht sind. Für kurze Anleger hat es aber meist immer noch Platz. Auch diesmal. Als wir dem Marina-Mitarbeiter mitteilen, dass wir nur 3-4 Tage bleiben wollen: «no problemo!». In den nächsten Tagen erkunden wir die Insel per Mietauto von diesem Stützpunkt aus.

Überall, wo wir bisher gelandet sind, hatten wir den Eindruck: wow, schöner kann es nicht mehr sein! Auch diesmal wieder. Lanzarote gefällt uns auf Anhieb. Wie alle anderen Kanarischen Inseln hat sie vulkanischen Ursprung. In der jüngsten Vergangenheit gab es 2 grössere Ausbrüche. Der eine 1730, dauerte 6 Jahre lang und bedeckte einen Grossteil der Insel mit einer schwarzen Lavaschicht. Der letzte fand 1824 statt und begrub nochmals einen grossen Teil der Insel unter Lava und Asche. Vegetation gibt es in diesen Bereichen praktisch fast noch keine. Erst Mikroorganismen wie Flechten und Pilze beginnen langsam, sich auf dem unwirtlichen, aber sehr mineralhaltigen Gestein zu entwickeln. Dank dieser Einfachheit ist Lanzarote einzigartig in ihrer Schönheit.

Vulkangestein, soweit das Auge reicht. In den durch die letzten Vulkanausbrüche nicht betroffenen Gegenden ist es möglich, Reben, Kakteen, Aloe und ähnlich geeignete Pflanzen zu kultivieren. Damit dies aber möglich ist, müssen die Felder in mühsamer Handarbeit von den Steinen befreit werden. Diese werden zu Mauern und zusammengeschichtet
Ein Grossteil des Landes ist nur schwer zugänglich und liegt unter zum Teil sehr scharfkantigem Lavagestein
Einfach aber schön
Türen und Tore haben es uns angetan. Dies ist Köbi’s Favorit: eine einfache Holztüre sichert die Bank
Dieses Tor gefällt Pia besonders gut. Es ist der Eingang zur Burg San Gabriel in Arrecife (14./15. Jhdt.). Der Schlüssel, der noch täglich verwendet wird, wiegt rund 5 Kilogramm
Jameos del Agua: Hier befinden wir uns an einem speziellen Ort. Ein unterirdischer Lavastrom hat einen rund 6 km langen Tunnel geschaffen. An einigen Orten ist die Decke darüber eingebrochen. Diese Einbruchstellen werden «Jameo» genannt. Das Besondere an der Jameos del Agua ist die Tatsache, dass es in ihrem Inneren Grundwasserseen gibt. Ein lokal sehr bekannter Künstler, César Manrique, schaffte hier eine fantastische Synthese zwischen Natur und Kunst (Böller Hans könnte bei ihm in die Lehre gegangen sein – zwinker). Dieses künstliche Schwimmbad liegt im Zentrum des grössten von 3 Einbruchstellen. Die Palme ist weit über 100 Jahre alt. Beim orangen Sonnensegel links geht’s in den Lavatunnel
Die Abbruchkanten sind senkrecht, der Abstieg zum Grund des «Jameo» ist heute über Treppen einfach möglich
Hier stehen wir nun unter dem orangen Sonnensegel. Über ein weiteres Treppensystem geht es nochmals rund 80 Meter in die Tiefe, wo sich ein Grundwasser See befindet
Das Wasser ist kühl und glasklar. Hier lebt ein ca. 1 cm grosser Krebs, der einzigartig auf der Welt ist. Von der Umwelt total isoliert hat er sich über tausende von Jahren an diesen speziellen Ort angepasst. Die Dunkelheit der Grotte ruft einen Pigmentmangel hervor. Dieses einzigartige Exemplar von weisslicher Farbe dient heute als Symbol der Jameos del Agua
Eine weitere riesige Felsgrotte (Einbruchstelle) in Jameos del Agua
Der Tunnel bietet sogar Platz für eine riesige natürliche Aula, die oft für Konzerte benutzt wird
Der berühmte lokale Künstler, César Manrique, fand seine künstlerische Energie durch Beobachtungen in der Natur. Ihm waren Symbiose von Naturschutz und zugänglich Machen für Touristen ein wichtiges Anliegen. Seine Schaffenskraft findet sich über die ganze Insel verteilt
Eines seiner Werke: der Aussichtspunkt «Mirador der Rio» (von dort stammt das erste Bild dieses Berichtes, das Panoramabild der Insel Graciosa)
Nun etwas ganz anderes – etwas für Sportbegeisterte wie TV/DTV und MTV/FTV: eine super Sportanlage, mit allem, was das Sportlerherz begehrt (sorry, das Bild ist nicht das Beste und die blaue Farbe des Tartan Belages ist schrecklich ☹). Ein riesiges Gelände, mit eigener vorgelagerten Insel, auf der wohl jede Disziplin trainiert werden kann, die es gibt. Wie wär’s mit einem Trainingslager für’s nächste Turnfest? Wer es lieber easy hat: Hotelanlage, Wellness, Pool – alles da!
Nicht auf dem Mond – jüngstes Vulkangebiet von Lanzarote
Der 1824 letztmals ausgebrochene Vulkan (Bildmitte)
Eine von vielen Nebenstellen, wo Lava ausgetreten ist
Scharfkantige Lavakruste überdeckt von Staub und Asche
Ein Künstler könnte es kaum besser – von der Natur geschaffen: Lava-Skulptur
Ein paar Phänomene, die touristisch wirksam immer wieder genutzt werden. Durch Erdspalten gelangt auch heute noch, fast 200 Jahre nach der letzten Eruption, über 200 Grad heisse Luft an die Erdoberfläche. An dieser Stelle wird demonstriert, dass diese austretende Hitze reicht, um einen dürren Busch zum Brennen zu bringen
Wasser in ein Erdloch gegossen, nach rund 30 Sekunden (es dauert immer gleich lang!) – eine riesige Dampffontäne (Geysir)
Letztes Beispiel: über dieser Erdspalte kann Fleisch grilliert werden – rauchfrei!!
Die verschiedenen Mineralien im Lavagestein führen zu den unterschiedlichsten Farben
Nach mehr als einer Woche mit viel Zeit an Land zieht es uns nun wieder auf’s Wasser. Wir haben Arrecife verlassen und liegen nun ganz im Süden von Lanzarote vor Anker
Noch die letzten Schnorchelgänge …
… und den letzten Sonnenuntergang auf Lanzarote geniessen. Morgen segeln wir weiter: Fuerteventura, wir kommen!

Überfahrt nach Lanzarote

Wie geplant, legen wir wieder gegen die Mittagszeit ab. Der Wind meint es gut mit uns, so wie schon am Tag zuvor. Wind aus NNO (Nord-Nord-Ost). Ideal für unser Ziel das südöstlich liegt. Durchschnittlich 15-20 Knoten Wind, da können wir volle Segel setzen und davon rauschen. Wir brauchen weder einen Bullentaille noch einen Spi-Baum zu setzen – die Segel stehen bei diesem Kurs halb-am-Wind von alleine. Kurz vor Mitternacht, Pia schiebt Nachtwache, weckt sie Köbi. Der Wind hat stark zugelegt, mit diesem Tempo würden wir bereits morgens um vier unser Ziel erreichen. Wir entscheiden uns, die Segel zur reffen (Segelfläche verkleinern) um das Tempo zur reduzieren. Es tut schon weh, denn mit fast 9 Knoten sind wir doch so toll in Fahrt! Aber wir ziehen es vor, bei Tageslicht anzukommen. Ankern oder Einfahrt in einen Hafen in unbekanntem Gebiet bei Nacht ist immer anspruchsvoll und ein Gefahrenpotential. Wir wählen den sicheren Weg.

Kaum sind die Segel gerefft, sehen wir auf dem Radar drei Schiffe mit Kurs auf uns zu kommen. Zuerst machen wir mal nichts, weil ein Segelschiff immer Vortritt hat vor den Motorschiffen – seien diese noch so gross. Unheimlich, in dieser dunklen Nacht die Lichter dieser Schiffe immer näher auf uns zukommen zu sehen. Wir beobachten Radar und Bildschirm immer wieder. Nun ist es nur noch knapp eine halbe Meile zu dem grossen Fischerboot, welches keine Reaktion zeigt und genau Kurs auf uns hat. Vortrittsregel hin oder her – wir wollen keine Kollision eingehen und fallen ab. Das heisst, wir gehen etwas vor den Wind und lassen den Fischerkahn vor uns vorbeiziehen. Die anderen zwei Schiffe respektieren unseren Vortritt und ziehen an uns vorbei, ohne dass wir ausweichten müssen. So das wäre geschafft! Mitternacht vorbei, so auch die Schicht von Pia. Köbi übernimmt und Pia legt sich müde in die Koje und schläft wie immer wie ein Murmeltierchen bis Köbi sie dann weckt mit einem lauten «Land in Sicht!!»

Wie immer Pia’s Aufgabe: Wechsel der Landesfahnen von Portugal/Madeira auf Spanien/Kanarische Inseln beim Überqueren der Hoheitsgrenze

Wenn uns jemand fragt, was tut ihr so bei einer Überfahrt (von mehr als 24 Stunden), was antworten wir denn da?

Nachdem wir alle ca. 30 Minuten unsere Aufgaben nach Pflichtenheft (Rundumblick mit Feldstecher, Radar und AIS, Instrumentenkontrolle, Beurteilung Segelstellung, allgemeine Kontrolle, allenfalls Logbucheintrag bei besonderen Vorkommnissen) erfüllt haben, ja dann beobachten wir das Meer und die Wellen. Wie lange sind sie, wo und wie sie sich überschlagen. Ob und wie sie unter dem Schiff durchrollen – beobachten die Reaktion unseres Schiffes

Auch die Beobachtung des Himmels ist immer faszinierend und ein Schauspiel für sich. Wolken ziehen vorüber, formatieren sich, bäumen sich auf wie Blumenkohl, zieht nun ein Gewitter auf? Nein, der Wind zerreisst sie wieder und es formt sich ein neues Wolkenbild. Ein Gesicht mit einer Knollen (mit etwas Phantasie gut auf dem Bild erkenntlich) – auch dieses verschwindet schon bald und wandelt sich in ein Krokodil am Horizont.

Unendlich viele Zeichnungen bietet uns der Abendhimmel und lässt uns immer wieder schwärmen. Wird die Sonne im Meer untergehen oder wird sie von einer Wolke verdeckt? Die Sonnenstrahlen glänzen mit ihrer wunderbaren Kraft durch die Wolken

Faulenzen, auf dem Rücken liegen, Augen schliessen und den so vielfältigen Geräuschen lauschen. Bläst der Wind regelmässig und saust gemächlich über die Lupina oder ist er böig und lässt dann die Segel schlagen?

Geräusche vom Schiff wahrnehmen: das Flattern der Fahne, das Vibrieren der Bänder, an welchen das Bimini (=Sonnendach) fest gezurrt ist oder das Gieren der Leinen, welche mit jedem Wellengang von neuem ächzen.

Das Rauschen der Wellen lässt uns erraten, jetzt wird sie sich überschlagen und mit einer grossen Wucht auf Lupina’s Bug prallen. Das Wasser spritzt hoch, der Wind peitscht es mit voller Wucht über das Deck und lässt es gegen die Scheiben krachen. Dann hören wir das Plätschern des Wassers, welches nun langsam der Schiffskante nach achtern (hinten) zur nächsten Abflussöffnung fliesst.

Wir nehmen eine grosse Welle wahr, sie überschlägt sich nicht, sie rollt sich unter dem Schiff durch und hebt Lupina wie ein Spielzeug auf ihren Kamm, lässt sie einige Meter surfen um sie dann anschliessend in das Wellental zu schubsen. Das bedeutet dann, dass das Schiff nicht nur vorne und hinten stampft, sondern auch seitlich rollt. Es fühlt sich an, als ob wir in einer Hängematte oder Wiege liegen. Und wenn uns das Geschaukel müde macht, geben wir uns einem Nickerchen hin.

Nein, langweilig wird es uns nicht!! Dazu bietet uns die Natur viel zu viele schöne und spannende Eindrücke. Auch nachts, wenn es am Horizont dunkel ist, Meer und Himmel sind schwarz in schwarz, auch dann gibt es viel zu beobachten. Sternenbilder, oder sogar Satelliten (Köbi’s Favorit ist die ISS – International Space Shuttle), sind im Nachthimmel regelmässig auszumachen.

Und dann gibt es zig-Bücher, die wir bei uns haben und gelesen werden möchten.

Bücher – das eine gelesen, das nächste liegt schon bereit. Pia schafft sogar ein Buch während einer Nachtwache

Und natürlich belohnen wir uns immer mit etwas Feinem, wenn wir dann nach einer langen Fahrt sicher und gesund angekommen sind.

Einfaches aber feines und gesundes Frühstück nach der Ankunft auf der Insel La Graciosa/Lanzarote

Zwischenstopp auf Salvagem Grande

Von Madeira bis nach Lanzarote benötigen wir ca. 48 Stunden. Auf halber Strecke liegen die Islas Salvagem. Diese Inseln bestehend aus einer grösseren, zwei kleineren und vielen hervorstehenden Felsblöcken mitten im Atlantik bieten uns zwei kürzere Etappen mit Pause dazwischen, welche wir gerne zum Ausruhen nutzen. Und wenn wir etwas haben, dann ist es Zeit, viel Zeit – wir sind nicht in Eile!! Bei beiden Etappen legen wir jeweils gegen Mittag ab. Egal wie der Wind bläst, stärker oder schwächer, wir kommen dann so bestimmt bei Tageslicht am nächsten Tag an. Wir steuern die grösste der Inseln, Salvagem Grande an. Anlegen auf dieser Insel ist nicht einfach. Überall Steilklippen, mit nur ein paar wenig windgeschützten Buchten, wo keine wilde Brandung das Schiff zerschmettert. Zum Glück gibt es in der Bucht, wo wir anlegen wollen, zwei Bojen, an der wir unsere Lupina festmachen. Der Meeresgrund ist felsig und steinig. Zum Ankern würde es schon gehen, aber es bleibt immer ein ungutes Gefühl: hält der Anker, sollen wir noch mehr Kette legen obwohl wir schon nahe an den Klippen sind? Braucht es eine Ankerwache (das heisst, es muss immer jemand regelmässig nachschauen, ob das Schiff noch am gleichen Platz ist) schieben? Oder verkeilt sich der Anker zwischen den Felsplatten und lässt sich am nächsten Tag nicht mehr heben? Wir sind froh um die Boie!!

Die Islas Salvagem haben wie fast alle Inseln in diesem Teil des Atlantik vulkanischen Ursprung. Sie gehören zu Portugal und bilden somit den südlichsten Punkt dieses Landes. Nach ihrer Entdeckung im 15. Jahrhundert gab es immer wieder Besiedlungsversuche. Aber ihre wilde Natur, unwirtliches Klima und die Distanzen zum Festland liessen das Vorhaben der Besiedelung immer wieder scheitern. Die ursprüngliche Natur war aber durch die hergebrachten Tiere wie Ziegen oder vor allem Kaninchen, fast weitgehend zerstört. Seit einigen Jahren stehen die Inseln und die Gewässer um die Inseln unter Naturschutz. Nun wird hier beobachtet, wie Flora und Fauna sich in diesem recht wilden Umfeld entwickeln. Um die Inseln betreten zu dürfen, braucht es eine spezielle Bewilligung von den zuständigen Behörden. Wir haben um diese Bewilligung für die Insel Salvagem Grande angefragt und sie (fast etwas zu unserem Erstaunen) innerhalb Tagesfrist erhalten. Die Anfahrt ist, wie oben schon beschrieben, nicht ganz ungefährlich: ist doch das Meer um die Inseln herum mit zahlreichen felsigen Untiefen «verseucht». Gute Beobachtung des Wassers ist unbedingt erforderlich.

Anfahrt von Salvagem Grande: Vorsicht ist geboten – in der unruhigen See verstecken sich gefährliche Unterwasserfelsen. Wir halten uns strickte an die Seekarten und verlassen uns auf unser Auge und das Echolot (Tiefenmesser)
In sicherem Abstand zu den schroffen Klippen machen wir die Lupina fest
Steilküste mit der Unterkunft für die 5 köpfige Besatzung (2 Ranger / 2 Polizisten / 1 Mechaniker) und einem Hund mit Name „Salvagem“

Nach unserem erfolgreichen Bojen-Manöver melden wir uns kurz vor 12 Uhr per Funk bei dem Ranger, die nebst zwei Polizeibeamten und einem Mechaniker die Insel permanent bewohnen. Freundlich werden wir eingeladen, uns nach der Mittagspause, also um 16 Uhr (!), mit dem Dinghi an Land zu kommen. Pünktlich legen wir an und werden zuerst von einem der Polizeibeamten überprüft. Der mag uns (= alle Dokumente sind in Ordnung), und wir dürfen zusammen mit einem Ranger und ihm als Schutzbegleitung die Insel erforschen.

Der Ranger führt uns über die rund 2.5 Quadratkilometer grosse Insel, die geprägt ist durch Steilküste und einer Hochebene. Hund «Salvagem» darf auch immer mit. Er kennt die Insel wohl am besten. Während die menschliche Besatzung alle 2 Wochen ausgetauscht wird, bleibt er als Einziger immer hier
Sehr geduldig und ausführlich, mit viel Fachwissen, zeigt er uns die Besonderheiten, die es hier gibt. Auf dem nächsten Bild ist zu sehen, was ich hier auf der Kamera festhalte
Eine Besonderheit ist der Madeira Sturmvogel. Dieser Vogel zählt zu einer der meist gefährdeten Vogelarten der Welt. Sein Feind war, wie kann es anders sein,  wie immer der Mensch. Da seine hühnergrossen Eier als Delikatesse galten wurden sie von Fischern immer wieder eingesammelt. Heute ist der Madeira Sturmvogel geschützt und entwickeln sich auf Salvagem Grande prächtig. Die Brut besteht jeweils aus nur einem Ei. Nach rund 60 Tagen Brutzeit schlüpft das einzige Jungtier. Es wächst für die nächsten rund 5 Monate am Boden in Erd- und Felshöhlen auf (von denen es hier im vulkanischen Gestein sehr viele gibt). Dann lernt es an den Steilküsten das Fliegen. Diejenigen, die diesen «Sturzflug» erfolgreich überleben, fliegen auf die Ozeane hinaus, wo sie sich ausschliesslich durch Fische und andere Meerestiere ernähren. Das Land suchen diese Vögel nur während der Fortpflanzungsperiode auf, die nach 7 Jahren erstmals einsetzt. Forscher haben herausgefunden, dass die Tiere immer wieder an ihren eigenen Geburtsort, sogar zum selben Nest zurück kommen, um sich fortzupflanzen
Auf der Insel gibt es zwei Reptilien. Zum Einen eine auch auf anderen Inseln in dieser Gegend weit verbreitete kleine Eidechse, und dann ein nur auf dieser Insel vorkommendes Gekko. Der Ranger wusste genau, unter welchen Steinen er suchen musste
Diese Pflanze ist ein wahrer Überlebenskünstler: die Feuchtigkeit bezieht sie ausschliesslich aus der Luft, speichert diese in harzartigen Tropfen auf ihrer Oberfläche und schützt sich mit einem Säurefilm vor Insekten und anderen Feinden
Über den rund 50 bis 100 Meter hohen Klippen breitet sich auf der Insel diese Hochebene aus
Stolz posiert Hund «Salvagem» mit uns für’s Fotoalbum …
… und etwas später macht es ihm unser Guide nach. Muito obrigado (vielen Dank) für die tolle Führung und die tolle Natur, die wir hier erleben durften

Wer gerne mehr über die Insel wissen will gibt es hier den Link zu einem Youtube Film:
https://www.youtube.com/watch?v=Ha4_E_WiqRA&feature=share

Até logo Madeira – bye bye Portugal

Die letzten paar Tage haben wir in der Marina von Calheta verbracht. Wir wissen, dass mittlerweile einige Segler mitlesen, deshalb einfach soviel: für uns die idealste Marina in Madeira, echt zu empfehlen: grosszügig angelegt, viele freie Plätze (nicht eng und überbelegt wie Funchal), gute Infrastruktur (Supermarkt gleich nebenan, viele Restaurants in der Marina, Mietauto zu guten Preisen). Von hier aus haben wir nun den Westteil der Insel erkundigt. Dazu haben wir uns für 2 Tage ein Auto gemietet und sind den Strassen nachgefahren, die im Reiseführer als empfehlenswert beschrieben waren. Natürlich waren auch die Wanderschuhe dabei und wurden rege benutzt.

Wenn man von der steilen Südküste von Madeira hochfährt, kommt man oft durch Gebiet, dass vor einiger Zeit dem Feuer zum Opfer viel. Eindrücklich für uns, dass es Pflanzen gibt, die zwar abbrennen, aber immer noch fähig sind, weiter zu leben und neues Leben zu entwickeln. Aus den scheinbar toten Bäumen beginnt sich wieder Laub zu entwickeln.

Im Westen der Insel sind die Bewässerungskanäle (Levadas) besonders eindrücklich, weil hier die Berge am steilsten sind, und das Netz an Kanälen am dichtesten ist. Wir wollten es noch einmal wissen, und haben im Tal der 25 Quellen unsere Wanderschuhe geschnürt.

Über mehrere Kilometer schlängelt sich diese Levada (Bewässerungskanal) den steilen Abhängen entlang. Unser Freund im Wallis, Herbi, hätte seine helle Freude daran
Der Wanderweg entlang einer Levada ist meist recht flach. Ab und zu sind aber recht ruppige Steigungen zu überwinden. An solchen Stellen ist das Wasserkanal in einer Druckleitung verschwunden
Wanderung nur für Schwindelfreie empfohlen – oder trittsichere Bergziegen 🙂 Links geht’s ein paar 100 Meter steil nach oben, rechts ein paar 100 Meter schroff nach unten
Ab und zu stossen wir auf Arbeiter, die den Kanal auch in unwegsamen Gelände sauber halten und Pflanzen sowie Steine daraus entfernen
Auch die Wanderwege brauchen Pflege. Mit viel liebevoller Handarbeit werden die Pfade gepflastert oder mit Steinplatten belegt. Die Steine dazu werden vor Ort gesucht und zugeschlagen …
… oder mit vor Ort zusammengebauten Seilwinden und Hängebahnen den Hang hinunter oder hinauf gefahren
In den Bergen in diesem Bereich der Insel sprudelt das Wasser in unzähligen Quellen aus den Bergflanken hinaus und wird in den Levadas aufgefangen
Hier unterquert die Levada einen Wasserfall
Einfach eine sagenhaft schöne, wilde Natur!
Viele Levadas queren die Berge von Norden nach Süden durch Tunnels. Auch auf unserer Wanderung hatten wir einen solchen Tunnel zu durchqueren. Im Bild der Eingang dazu. Gross und gut ersichtlich das Portal. Der eigentliche Tunnel ist gerade etwas höher als ein Mensch und ist in der Mitte als schwarzes Loch erkenntlich. Mehr als 1 Kilometer geht’s abenteuerlich durch den Berg, Taschenlampe ein Muss!!
Ein erfrischendes Fussbad nach der Wanderung tut gut. Die Quelle des Wassers haben wir gerade besucht und liegt viele Kilometer nordwärts
Nächstes Ziel der Reise: „Stinklorbeerwald“. Wie es der Name besagt, sollen die Bäume stinken – wir aber fanden den Duft dieser total verknorpelten Bäumen gar nicht schlimm
Stinklorbeer ganz nah – Duft gar nicht mal so übel
Im letzten Bericht hatten wir geschrieben, dass es auf Madeira nur rauf oder runter geht und horizontale Flächen nicht existieren. Nun, diese Behauptung müssen wir korrigieren! Es gibt tatsächlich eine Hochfläche, die sich über 2-3 Kilometer erstreckt. Easy Job für die Strassenbauer!
Wer hat’s erfunden? Ich war bisher stolz auf unsere Mini-Bibliothek in einer ehemaligen Telefonkabine auf dem Dorfplatz in Wölflinswil. Dachte, wir seien die Einzigen in einer ausgedienten Telefonkabine . Nun, offenbar nicht 🙂
Hier nun ein Geheimtipp für frisch Verliebte oder für Hochzeitspaare. Jardim do Mar: nur 250 Einwohner, unzählige wunderschöne Pensionen und kleine Hotels
Idyllische, lauschige Plätzchen im Hintergarten
Überall sind die Gärten gefüllt mit Bananenstauden
Jeder Weg und jedes Strässchen in Jardim do Mar, sei er noch so klein, ist perfekt gepflastert und beschriftet
Im nordwestlichsten Zipfel der Insel liegt Porto Moniz. Hier findet sich eine grosse Ansammlung von Naturschwimmbecken, die bei Flut vom Meer überspült werden. Bei Ebbe aber laden sie mit ihrem erfrischenden Meerwasser zum Baden ein

Wir sind nun schon 2 Wochen auf Madeira. Eine wirklich schöne Insel, auf der wir noch länger verweilen könnten. Aber wie bei den Zugvögel – es zieht uns weiter! Weiter zu den Kanaren.

Gestern haben wir den Hafen von Calheta verlassen und sind nach Funchal zurückgekehrt, um hier noch die schon lange sehnlich erwartete GPS Antenne des AIS Systemes zu ersetzten.

Wenn es auf eine längere Strecke geht, muss Proviant gebunkert (= eingelagert) werden. In Calheta haben wir Glück! Ein Supermarkt befindet sich nur ein paar 100 Meter neben dem Schiff. Manchmal müssen wir sonst unsere Lebensmittel kilometerweit schleppen. Hier geht’s bequem mit dem Einkaufswagen
Wir merken, dass wir in wärmeren Gefilden sind. Noch in Lissabon haben wir ein Sonnensegel fertigen lassen und nun in Calheta erstmals ausprobiert. Noch ein paar Falten, aber die kriegen wir auch noch weg 😉
Zurück in Funchal haben wir Glück. Zuerst melden sie uns über Funk, der Hafen sei voll, wir sollen aber trotzdem kommen. Machen wir. Als wir da sind – perfekt! Es ist eine Lücke frei geworden. Mit dem Heck zum Steg parkieren wir die Lupina retour in die Lücke. In der Fachsprache liegen wir in „Moorings“. Das Schiff wird hinten mit 2 Leinen befestigt …
… und vorne an den sogenannten Moorings. Das sind Leinen, die vor dem Schiff an einem schweren Betonklotz oder Ketten im Hafengrund befestigt sind und das Schiff nach vorne fixieren, so dass es nicht rückwärts in die Hafenmauer knallt. Diese Leinen sind oft sehr schmutzig und stinken fürchterlich, da sie sehr lange im Schlickwasser des Hafens liegen, dafür aber unser Schiff gut zurückhalten
Damit das Heck frei ist und wir retour anlegen können, müssen wir zuerst das Dinghi neben oder vorne am Schiff befestigen
Die GPS Antenne (kleines weisses Teil rechts neben der TracVision Antenne) wird ersetzt. Uns fällt auf, dass die Handwerker oft ohne Werkzeug kommen. Zum Glück haben wir alles an Bord. Sogar eine Bockleiter müssen wir provisorisch errichten!  Gemeinsam geht es aber gut und sind wir bereit
Viele andere Schiffe machen hier letztes Mal Halt, bevor sie dann Richtung Kanaren weiter ziehen. Hier sehen wir ein altes Holzschiff neben einem sehr modernen Segelboot. Die meisten sind sehr gut ausgerüstet für Langfahrten und füllen hier nochmals Tank, Wasser und Proviant.

Rund in einer Stunde setzten wir Segel Richtung Lanzarote. Bevor wir aber Portugal verlassen, haben wir noch etwas ganz Spezielles vor. Wir haben bei der Portugiesischen Verwaltung angefragt, ob es möglich sei, auf den Islas Selvagens Halt zu machen. Das ist ein kleines Naturreservat, bestehend aus 3 kleineren Inseln, das zwischen Madeira und den Kanarischen Inseln liegt. Zu unserer positiven Überraschung ist die Bewilligung postwendend innerhalb Tagesfrist gekommen. Vielen Dank an Hanspeter von der SY Shiva, der uns diesen Tipp gegeben hat.

Da wir in dieser Gegend vermutlich kein AIS Signal absetzen können: nicht unruhig werden! Wir denken, dass wir Sonntag oder Montag in Lanzarote sind. Até logo – nov vemos pronto