Jamaica – yeh mon!!

Am 2. März 2020 sind wir mit unserer Lupina in Port Antonio eingelaufen. Wir haben unsere Abfahrt aus Haiti extra so geplant, dass wir nicht am Wochenende, sondern erst am Montag früh eintreffen. So müssen wir nicht die Behörden in ihrer Sonntagsruhe stören. Die Bucht, in der die Marina liegt, ist sehr gut geschützt und das Anlegen an einem Fingerdock verläuft problemlos. Noch bevor wir aber die Leinen festgemacht haben, instruiert uns der Marina-Angestellte, dass wir nicht vom Boot dürfen, bis der Mann vom Gesundheitsamt uns überprüft hat. Das ist neu! Wir erhalten einen dicken Stapel von Papieren, die wir ausfüllen müssen. Kaum erledigt, klopft der Mann vom Gesundheitsamt ans Schiff. Er informiert uns, dass in der Dom Rep, dem Land in dem wir vor Haiti waren, der erste Corona Fall aufgetreten ist. Deshalb zählen wir nun zur Risikogruppe. Da wir aber alle seine Fragen zu seiner Zufriedenheit beantworten können (keinen Kontakt zu italienischen Touristen, in den letzten zwei Wochen nicht in Santo Domingo gewesen, etc.), dürfen wir bleiben und die gelbe Q-Flagge (Q steht für Quarantäne) runter holen. Er bittet uns, dies nun auch sofort zu tun, denn das sei für die anderen Behörden (Immigration und Zoll) das Zeichen, dass sie nun ihrerseits ihres Amtes walten dürfen. Jeder kommt persönlich auf das Schiff und das Prozedere geht freundlich und speditiv über die Bühne. Wir sind einklariert und dürfen nun an Land, wo uns sogleich die süsslichen Cannabis Rauchschwaden allgegenwärtig in die Nase steigen. Wir sind in Jamaica – yeh mon!
(yeh mon bedeutet in der lokalen Sprache so viel wie: hallo / gut / ok / einverstanden / …)

Die Bucht von Port Antonio im Nordosten von Jamaica. Sie ist zwar gegen Nordwesten offen, die Wellen werden aber von einem vorgelagerten Riff sehr gut aufgehalten. Ankern (Schiffe im Hintergrund) oder Boje kosten hier 25.-USD pro Tag. Das ist ungewöhnlich und teuer 🙁
Wie fast überall in der Karibik findet man auch hier noch Spuren der verschiedenen katastrophalen Hurrikane. Leider werden hier Besitzer oder deren Versicherungen nicht dazu angehalten, die Schiffswracks zu bergen und ordentlich zu entsorgen. Wir stellen fest: wenn’s mit den alten Autos nicht klappt, dann klappt es mit den Schiffen erst recht nicht
Wir geben für unsere Lupina etwas mehr Geld aus und gönnen ihr ein schönes Plätzchen in dieser Marina: Errol Flynn Marina
Die Marina ist nach dem in den 1950er Jahren sehr bekannten Schauspieler Errol Flynn benannt. Jamaika wurde zur Zeit der Machtübernahme von Fidel Castro und Ché Guevara in Kuba strategisch wichtig für die USA. Es flossen viele Gelder hierher und betuchtere Amerikaner kauften sich Land und Feriendomizile. 1946, bei einem heftigen Sturm, strandete Errol Flynn mit seiner Luxusyacht «ZaZa» vor Port Antonio und verliebte sich sofort in diese kleine Hafenstadt. Er kaufte sich Navy Island, eine der Marina vorgelagerte Insel. Später soll er damit geprahlt haben, dass er die Insel in einem mit viel Rum getränkten Pokerspiel gewonnen habe. Hierhin flüchtete er vor dem Medien- und Starrummel um seine Person und fand seine zweite Heimat
Direkt hinter der Marina beginnt der Tropenwald
Was bei uns kleine Zimmerpflanzen sind, findet sich hier als Riesengewächs. Ein wohltuend intensives Grün
Es ist wieder mal Zeit für einen Rigg-Check. Pia zieht Köbi im Bootsmannsstuhl am Spi-Fall in die Mastspitze hoch. Alle Drahtseile, Anschlüsse und Verbindungen müssen gereinigt und auf Verschleiss oder Schäden kontrolliert werden. Köbi’s Befund: alles i.O. 😊
Bei der Einfahrt in die Marina werden wir von vielen Leuten am Ufer beobachtet. Sie wissen: da kommen neue «Kunden». So sind wir nicht überrascht, dass wir beim Verlassen des abgeriegelten Marina Bereiches sofort von allen Seiten mit irgendwelchen preislich total überrissenen Angeboten eingedeckt werden. Wir wehren uns mit Händen und Füssen – freundlich aber bestimmt. Dieser Mann, Noel, war aber erfolgreich und verkaufte uns eine CD mit guter Reggae Musik, wie er uns versprach. Er sei schon mal als Musiker ein Jahr lang in der Schweiz gewesen und kenne unser Land gut. Nun ja, ob es stimmt? Jedenfalls scherbelt die CD auf unserem Abspielgerät, und der Crew eines französischen Schiffes, das nach uns einlief, erzählte er eine ähnliche Geschichte. Da sie aber keine CD wollten, drehte er ihnen erfolgreich ein paar Gramm Marihuana an 😊 😊
Auf dem lokalen Markt, nur ein paar Fussschritte von der Marina entfernt, decken wir uns mit Früchten und Gemüse ein
Metzger und Fleischhändler im Markt. Zu unserem Erstaunen riecht es nicht und wir sehen nirgendwo Fliegen, obwohl der Raum nach aussen offen ist
Nebst dem Markt gibt es sehr viele Strassenhändler, die ihre Ware feilbieten. Dieser Stand hier steht direkt vor dem Eingang zu einer Schule und wird rege von den Schülern für Süssigkeiten benutzt
Dann gibt es noch die «mobilen» Strassenverkäufer, die ihre Waren auf Trottoirs oder auch mitten auf der Strasse verkaufen. Das Gefährt, das sie dazu benutzen, ist ein selber gebastelter, steuerbarer Schubkarren
Diese einfachen Gefährte sieht man hier überall. Sie sind sehr vielseitig einsetzbar, wie etwa zum Transport von Baumaterial
Wollen wir mal nicht auf der Lupina essen, wird es, zumindest anfänglich bis wir uns etwas auskennen, schwierig. Wo finden wir ein gutes Restaurant? Hier?? …
… oder hier?? (Küche des nächsten «Restaurantes»)
… oder doch besser von diesem Imbisstand?? Solche aus alten Fässern hergestellten Jerk-Chicken Grills finden wir an jeder Strassenecke. Sie sind typisch für Jamaika
Uns fällt auf, dass viele Einheimische sehr oft Imbissbuden benutzen. Und was diese auftischen ist zum Teil echt gut! Wir werden immer fündig und finden feines lokales Essen
Typisch jamaikanisches Essen: Jerk-Chicken und Festival. Das Fleisch ist perfekt gewürzt, meist etwas scharf. Festival, das sind die kleinen Rollen. Sie schmecken ähnlich wie bei uns die Fastnachtsschenkel (sorry, ich kenne den richtigen Deutschen Ausdruck dafür nicht), einfach nicht so süss

Zur Marina Errol Flynn gehört auch ein Boatyard, eine Werft, in der man Arbeiten am Schiff erledigen kann. Da unser Antifouling an einigen Stellen nicht mehr vorhanden ist und das weisse Gelcoat zum Vorschein kommt, wollen wir unserer Lupina neue «Unterwäsche» besorgen. Zu diesem Zweck muss das Schiff aus dem Wasser geholt und für 1-2 Wochen an Land bleiben. Was da alles passiert ist, könnt ihr im folgenden kurzen Video sehen: https://youtu.be/_RZGA5EGjpM

Viele Segler machen diese recht zeitaufwändige Arbeit selber. Wir haben entschieden, dass wir den Einheimischen die Arbeit nicht wegnehmen wollen und vergeben den Auftrag an die Werft. Während der Zeit, wo Lupina an Land steht, können wir in ihr wohnen und einige längst anstehenden Arbeiten im Bootsinneren erledigen. Viel Zeit verbringen wir aber auch, den östlichen Teil von Jamaica mit den berühmten Blue Mountains zu erkunden.

Auf dem Weg zum höchsten Berg in Jamaica, dem 2’256 Meter hohen Blue Mountain Peak. Per Mietauto (rechts gesteuert wie in England) geht es zuerst über die wunderschöne Bergstrasse B1 in Richtung Kingston, und dann über ziemlich abenteuerliche Naturstrassen (eigentlich nur mit Off-Road sinnvoll) an den Ausgangspunkt der Wanderung
Unser Nachtlager (Jay & Hercules Guesthouse, das silbrige Auto oben ist unseres) erreichen wir auf dem letzten Zack. Es hat zu regnen begonnen und die steile, stark ausgewaschene Naturstrasse wird sehr rutschig und fast unpassierbar für uns. Eigentlich wären wir gerne noch rund zwei Kilometer weiter hoch gefahren, aber entscheiden, unser Auto und Nerven (von Pia 😉) zu schonen und hier zu stoppen
Jay & Hercules Guesthouse: einfaches aber sauberes Zimmer. Mit 60.- USD für das Zimmer an der oberen Grenze, aber dies entspricht den lokalen Preisen ☹
Jay & Hercules Guesthouse: Waschplatz und dahinter Dusche und WC. Spartanisch aber auch hier: alles sehr sauber!
Aussicht von der Veranda des Guesthouses. Da oben wäre er, der höchste Berg von Jamaica. Die Regenwolken am Abend versperren uns aber den Blick zum morgigen Ziel, dem Blue Mountain Peak
Die Wetteraussichten für den nächsten Tag sind gut, und nach diesem typischen jamaikanischen Nachtessen (Reis, frittiertes Hühnchen, Gemüsesalat) begeben wir uns früh zu Bett, denn am nächsten Morgen …
… geht es 5 Stunden steil bergauf. Zuerst müssen wir zu Fuss den Rest der Strasse, den wir mit dem Auto nicht mehr geschafft haben, zurücklegen. Dann geht’s entlang von Transportpfaden für die diversen Kaffeefelder, bis diese vom Tropenwald abgelöst werden. Ab da führt ein schmaler Wanderweg bis zum Eingang in den Nationalpark, in dem der höchste Berg liegt
Wir dürfen nicht schreiben wo und wer: irgendwann während unseres Aufstiegs kommen wir bei einem Mann vorbei, der vor seiner Hütte sitzt und gemütlich Cannabis Blüten von einer grossen Plastiktüte in viele kleine Einzeltüten abpackt. Bereitwillig gibt er uns Auskunft und erklärt, dass er eigentlich etwas Illegales macht und der Handel mit Cannabis in Jamaica genau reglementiert ist. Man muss ein Zertifikat dazu haben, das viel Geld kostet (er nennt eine Zahl von mehreren Tausend US Dollars). Soviel Geld hat hier niemand, der ehrlich arbeitet, meint er grinsend, und packt weiter seine Säcklein ab
Der obere Teil des Berges ist sehr oft durch Nebel oder Regenwolken eingehüllt. Das Klima ist schwül und feucht. Alles ist mit Moos und Flechten bedeckt. Es ist wie in einem Märchenwald
Ein Baumfarn: eine Farn Art, die wie ein Baum in die Höhe wächst. Wie bei einer Palme sterben die älteren Farnwedel von unten her ab, die neuen «Blätter» rollen sich von der Mitte der Stammspitze aus
Nach fünf Stunden und mit brennenden Oberschenkeln ist es dann geschafft: Blue Mountain Peak, 2256 Meter über Meer
Der Abstieg ist dann nicht nur für uns eine harte Bewährungsprobe. Köbi’s Wanderschuhe haben zum Glück erst auf dem letzten Kilometer endgültig ihren Geist aufgegeben 😊
Wir werfen die Schuhe aber nicht einfach weg, sondern fragen, zurück in Port Antonio, den Autovermieter, ob er jemanden kenne, der dafür Verwendung hätte. „Natürlich“, meint er, diese seien einfach zu reparieren, und er nahm sie gerne in Empfang. Am nächsten Tag schaut Köbi den Bauarbeitern, die neben der Werft eine Grube trocken halten müssen, genau auf die Füsse. Seine Schuhe sind aber noch nicht wieder im Einsatz 😊

Ein nächstes Abenteuer von Port Antonio aus: River Rafting auf dem Rio Grande. Per Kollektiv-Taxi fahren wir von Port Antonio die rund 10 Kilometer zum Startpunkt der Flussfahrt. Die Rafts sind handgefertigte Bambusflosse, die meist vom Captain selber hergestellt werden. Es gibt den offiziellen (staatlichen) Veranstalter und es gibt die privaten Flossführer, welche die Flussfahrten durchführen. Die Privaten haben aber alle eine Lizenz und arbeiten auch für den staatlichen Betreiber. Der kleine Unterschied: wenn sie die Fahrt privat machen, gehört das ganze Geld ihnen, wenn sie es für den staatlichen Veranstalter machen, erhalten sie nur einen Bruchteil davon als Lohn. Logischerweise ernten wir einiges an Kopfschütteln, als wir an unserem Vorhaben festhalten, unsere Fahrt über den staatlichen Veranstalter zu buchen (zumal die Privaten sogar unter dem offiziellen Preis angeboten haben)

Captain Clive und sein selber gebautes Floss auf dem Rio Grande
Die Flussfahrt ist wirklich eine Empfehlung. Wir geniessen jeden Meter davon
Die Fahrt dauert rund drei Stunden und die zurückgelegte Distanz beträgt etwa 14 Kilometer. Wie kommen die Flosse zurück? Ganz einfach, per Muskelkraft! Dort wo der Fluss nicht allzu schnell fliesst wird mit der Stange flussaufwärts gestachelt, sonst wird das Floss wie auf dem Bild vom Ufer aus gezogen. Wer später einmal selber Captain werden will, muss sich seine Sporen zuerst mit dieser Arbeit abverdienen. Unser Captain, sein Name ist Clive, erklärt uns stolz, dass er das fünf Jahre lang gemacht hat, bevor er Captain wurde
Unterwegs auf dem Rio Grande: Männer beim Waschen ihrer Wäsche
Nervenkitzel auf dem Rio Grande. Im oberen Teil hat es immer wieder Stromschnellen und wir bewundern die Geschicklichkeit unseres Gondolieres. Das leuchtend gelbe Hemd mit der Zahl 113 drauf ist übrigens sein Arbeitshemd. Jeder Captain, der für die staatliche Organisation arbeitet, hat seine eigene persönliche Nummer. Arbeitet er privat und auf eigene Rechnung, muss er es ausziehen und ein anderes tragen

Während unserer Wanderung auf den höchsten Berg erhalten wir von Köbi’s Bruder Christoph die Nachricht, dass er und seine Frau Irène uns nicht in Jamaica besuchen können. Sie wären nun diese Woche gekommen. Wir hatten schon vorher mitbekommen, dass die USA alle Flüge aus Europa blockiert hat. Da der Flug über Miami geführt hätte, haben wir schon mit dieser Hiobsbotschaft gerechnet. Und da es in den letzten Tagen auch Corona Erkrankungen in Jamaica gegeben hat, ist hier mit gleichen Massnahmen zu rechnen, wie in anderen Ländern. Schade, sehr, sehr schade! Es tut uns sehr leid für die Beiden. Aber wir holen das Skipper-Training für die beiden irgendeinmal nach 🙂

Trotz der Absage wollen wir vorerst an unserem Segelplan festhalten, und die nächsten Wochen in Jamaica verbleiben. Wobei wir uns dauernd informieren müssen, was die Regierung in Sachen Corona festlegt. Im Moment ist die Situation noch einigermassen überschaubar, aber ändert sich laufend (wie überall auf der Welt auch)

Erfahrungsgemäss werden in etwa die selben Massnahmen definiert, wie ein paar Tage vorher in Europa. So sind seit vorgestern auch hier alle Restaurants und Bars geschlossen. Der Informationsfluss ist wahrscheinlich nicht ganz genügend, denn wenn man die Leute fragt, wie lange die Massnahmen gelten, erhält man unterschiedliche Antworten. Was wir hier bisher noch nicht gesehen haben, sind die Hamsterkäufe, wie sie aus Europa berichtet werden. Wenn man einen Lebensmittelladen betritt, ist eigentlich alles normal, bis auf den Mann am Eingang, dem man seine Hände hinhalten muss. Diese besprüht er dann mit einem Desinfektionsmittel. Damit will man wohl verhindern, dass eine Übertragung durch Berührung von Lebensmitteln erfolgen kann. Finden wir gut, und wir fühlen uns sicher. Wir selber versuchen, so gut wie möglich von anderen Menschen fern zu bleiben, waschen unsere Hände regelmässig und intensiv mit Seife und haben unsere Mundmasken griffbereit.

Dürfen wir morgen Freitag Port Antonio Richtung Westen verlassen? Wie geht es hier weiter mit Corona? Dürfen/können wir noch nach Cayman Islands und dann nach Kuba? Bleib der Lupina im Kielwasser!

Abschied von der Dominikanischen Republik – Zwischenstopp in der Vergangenheit

Am 24. Februar, kurz nach Sonnenaufgang, nehmen wir die 65 Seemeilen lange Distanz von Boca Chica nach Las Salinas in Angriff. Der Wind weht gleich nach der Ausfahrt aus der Marina genügend stark, um unsere Lupina in Fahrt zu bringen. Im Verlaufe des Tages nimmt er kontinuierlich zu, und wir können die Distanz in etwas mehr als acht Stunden bewältigen und gegen vier Uhr nachmittags in die Bucht von Las Salinas einfahren und Anker setzen. Die Bucht von Las Salinas ist von allen Seiten perfekt geschützt. Auch hier hat es nur wenige Boote vor Anker. Da es schon gegen 5 Uhr abends geht, bis wir das Schiff gesichert und aufgeräumt haben, müssen wir das Anmelden und den üblichen Papierkram auf den folgenden Tag verschieben. Hier wollen wir auch gleich formell aus der Dom Rep ausklarieren, weil dies die letzte Station ist, wo dies möglich ist.

Am Tag nach unserer Ankunft herrscht herrlicher Sonnenschein. Wir haben gerade ein ausgiebiges Frühstück (wie immer im Cockpit) genossen, als uns von diesem Steg aus, ein Mann mit Pfiffen und Armbewegungen bedeutet, dass wir zu ihm kommen sollen. Wir ahnen schon, dass es ein Offizieller ist und machen uns mit unseren Dokumenten bewaffnet im Dinghi auf den Weg
Perfekter Landeplatz für unser Dinghi. Für einmal muss es nicht ans Ufer gezogen werden
Strohhütte auf dem Steg – das Open Air Büro der Behörden
Hier warten (von rechts nach links) Hafenbehörde, Drogenfahndung, Navy, Immigration und Zoll auf uns

Die Frau vom Zoll und der Drogenfahnder ziehen unverrichteter Dinge wieder ab, als sie erfahren, dass wir nicht ins Land einreisen, sondern ausreisen wollen. Der Immigrationsbeamte drückt uns wortlos seinen Stempel in den Pass, obwohl wir die 30 tägige Aufenthaltsdauer überschritten haben. Wir wollten diese in Boca Chica verlängern, aber der Beamte dort hatte uns beruhigt und versichert: «Ihr seid Touristen, wir schätzen Touristen in unserem Land, macht euch keine Sorgen!» Und genau so ist es auch – wir können uns die je 50 Dollar Verlängerungsgebühr pro Person sparen 😊. Einzig der freundliche Mann der Navy tut etwas kompliziert: er will uns das Despacho (Passierschein) für die Ausreise erst am Abend um 5 Uhr ausstellen. Macht nichts, so haben wir die Gelegenheit den ganzen Tag an Land zu verbringen und dann gegen Abend das Papier bei ihm im Hauptquartier der Navy (er zeigt mit dem Finger in die Ferne an der anderen Küstenseite, da steht ein kleines Gebäude mit drei Räumen und zwei Fahnen vorne dran) abzuholen.

Das erste Ziel unserer Erkundung: die Sanddünen von Calderas. Für einen kleinen Eintrittspreis (rund 2 Dollar) dürfen wir uns frei im Naturpark umsehen. Rasch merken wir aber, dass der Sand viel zu heiss ist, und sogar unsere Flip-Flops die Hitze nicht zu dämmen vermögen. So begnügen wir uns mit einem Erklimmen der Aussichtsplattform mit einem herrlichen Rundblick und geniessen die Eindrücke aus luftiger Höhe
Sanitarische Anlage im Park. Recht ordentliche sanitarische Leitungsführungen, sogar mit Siphon. Einziges Manko jedoch: die Leitungen sind ausserhalb des Häuschens nicht angeschlossen und alles ist knochentrocken. Leider merkt man das erst, wenn man spülen will. Weitere Detailbilder ersparen wir euch 😉
Hier sind wir im Dorf Las Salinas vor einer Baustelle, wo ein neues Haus entsteht. Alles Handarbeit, bis auf die Betonmischmaschine, wie wir sie noch aus den 1960-er Jahren kannten
Das Salzwerk, das dem Dorf den Namen gab
In den Salzfeldern draussen schaufeln die Männer das Salz auf kleine Kübelwagen auf Schienen. Eine kleine Lokomotive sammelt die vollen Wagen ein und schiebt sie zu dieser Rampe. Die Wagen werden dann einzeln an einem Drahtseil hochgezogen und oben von Männern in Empfang genommen. Diese drehen den vollen Wagen auf einer Drehscheibe und schieben ihn dann auf die Seitenrampe um ihn dort auszukippen. Bis auf Lokomotive und Seilwinde: alles Handarbeit

Kurz vor 5 Uhr abends holen wir dann wie mit dem Navy Kommandanten abgemacht unser Despacho ab. Natürlich muss er das erst noch ausfüllen, und die Pässe will er auch noch einmal sehen. Aber sonst ist er ein lieber 😊. Offiziell ausklariert begeben wir uns zurück auf die Lupina und geniessen dort beim Nachtessen einen wunderschönen Sonnenuntergang. Am nächsten Morgen ist früh Tagwache, denn unser nächstes Ziel ist die Isla Beata, der südlichste Punkt der Dom Rep, etwa 70 Seemeilen entfernt. Ein herrliches Segeln mit Wind von schräg hinten und wenig Welle. Da wir ausklariert sind, dürften wir eigentlich nicht mehr im Hoheitsgebiet der Dom Rep anlegen. Da es ganz im Westen des Landes aber keine Möglichkeit zum Ausklarieren mehr gibt, drückt die Navy meist ein Auge zu uns lässt Segler wie uns gewähren. Falls aber trotzdem eine Kontrolle kommt muss man halt eine Ausrede bereit haben: müde, krank, technisches Problem, etc.

Dank einer lokalen SIM Karte können wir unterwegs noch unsere Mails verarbeiten und uns auf das nächste Land, das wir nach der Dom Rep anlaufen wollen, einlesen. Auch die neuesten Wetterdaten rufen wir ab und vergleichen sie mit unserem weiteren Reiseplan. Wir wollen noch bis am Freitag in der Dom Rep bleiben und dann direkt nach Jamaica weitersegeln. Als wie aber die neuesten Wetterdaten anschauen, sind wir gezwungen, unseren Plan zu ändern. Weil genau dann, wenn wir segeln wollen, kein Wind weht, davor und danach aber prima Windverhältnisse angesagt sind, entschliessen wir, direkt weiter zu segeln bis auf die Insel «Ile à Vache» auf Haiti. Dort wollen wir die Schwachwindphase abwarten und dann nach Jamaica weiter segeln, wenn der Wind wieder günstig ist. Diese Entscheidung fällt uns nicht leicht, denn die Dom Rep ist uns mit ihren freundlichen Leuten ans Herz gewachsen. Im Westen verpassen wir 2-3 wunderbare, einsame Ankerplätze, auf die wir uns schon lange gefreut haben, und wo wir in aller Ruhe von der Dom Rep Abschied nehmen wollten. Nun verlassen wir das Land fast «fluchtartig». Schade, aber so ist halt das Seglerleben: der Wind entscheidet, wann und wohin es geht 😉

Mit windgefüllten Segeln rauschen wir an der Südspitze der Dom Rep (Isla Beata) vorbei und erreichen nach einer Nachtfahrt am 27. Februar am frühen Nachmittag Port Morgan auf der Ile à Vache. Wir sind ungeplant in Haiti gelandet und machen eine Zeitreise in die Vergangenheit. Ausser Menschen- und Tierstimmen aus dem Palmenwald ist es wohltuend still in dieser wunderschönen Bucht
Ein Fischerboot, wie es schon seit Generationen gebaut und genutzt wird. Draussen auf dem Meer wird bei Wind gesegelt, sonst gerudert. In flächerem Wasser wird das Boot mit einem langen Stab (Stachel genannt) vom Mann am Ruder, das er zwischen den Beinen führt, vorangestossen. Die Boote sind sehr schmal und dadurch erstaunlich schnell
Ile à Vache: beim Ansteuern unseres Ankerplatzes werden wir sofort von «Boat-Boys» erspäht und besucht. Dieser Junge fährt eines der traditionellen Baumboote. Sie sind aus einem Holzstamm herausgeschnitzt. Risse werden mit Fasern der Kokosnuss und Baumharz abgedichtet. Aus eigener Erfahrung wissen wir, dass das Balancieren auf einem SUP nicht so einfach ist, aber das Gleichgewicht in diesem schmalen Boot zu behalten, sogar bei ordentlichen Wellen, ist ein wahres Kunststück
Es wohnen rund 2’000 Leute auf der Insel. Eine geregelte Arbeit mit einem regelmässigen Lohn hat praktisch keiner. Daher ist es nicht erstaunlich, dass jeder versucht irgendeine Dienstleistung anzubieten. Noch bevor wir richtig geankert haben, werden wir von allen Seiten «belagert»
Der Mann mit der Brille hat schnell erkannt, dass wir keine Flagge von Haiti führen. Den Stopp hier hatten wir bei unserer Wegfahrt aus der Dom Rep ja eigentlich auch nicht vorgesehen. Für ein Schnäppchen bietet er uns eine kleine Fahne an. Beim genaueren Hinschauen entpuppt es sich dann als dünnes Tüchlein. Egal – es muss ja nur 2-3 Tage halten – und es kommt schnell zum Deal
Die Flagge von Haiti. Die Farben Rot und Blau sind von der Französischen Fahne übriggeblieben. Nachdem die Franzosen 1804 Haiti in die Selbständigkeit entlassen haben, wollten die Haitianer nichts mehr mit den weissen Herren zu tun haben und schnitten kurzerhand den weissen Streifen heraus und gestalteten so ihre eigene Flagge. Haiti war das erste Land, das die Unabhängigkeit erlangt hat, ist heute aber leider, mit Abstand, das ärmste Land in der ganzen Karibik

Einem der Jungen übergeben wir unser gebrochenes Dinghi Ruder zur Reparatur. Wir erklären, wie wir es machen würden. Er macht es anders und bringt es uns mit Leim zusammengeklebt zurück. Später beim Gebrauch bricht dann die geleimte Stelle schnell wieder – Pech gehabt ☹
Ein anderer Mann besorgt für uns auf dem Markt Gemüse und Früchte. Das klappt gut, aber beim Preis müssen wir dann tüchtig nachverhandeln. Wir zahlen gerne etwas mehr als die Einheimischen aber sicher nicht das Vierfache!

Drei andere Männer machen einen besseren Job. Für umgerechnet 15 Dollar waschen (Vildor) und polieren (David und Jeff) sie den weissen Kunststoff auf unserem Oberdeck gründlich und mit gutem Ergebnis
David (links) und Jeff (rechts) arbeiten gründlich und speditiv. Wir belohnen ihre Leistung nebst dem vorher vereinbarten Lohn auch mit je einer secondhand Hose und T-Shirt. Als wir Jeff noch einen alten Handykopfhörer überreichen, schenkt er uns ein Strahlen wie von einem Kind unter dem Weihnachtsbaum. Am nächsten Tag bringt er uns zum Dank zwei Kokosnüsse. Schöne Erlebnisse!!
Nach dem Polieren des Schiffes machen wir uns am Nachmittag auf zu einem Streifzug durch das Dorf. Dieser Pfad gilt als die Dorfstrasse
Autos gibt es auf der Insel keine. Ein paar Jüngling sind irgendwie zu Motorrädern gekommen. Vermutlich wurden diese von Hilfsorganisationen nach Erdbeben und Hurrikanen hier als Transportmittel benutzt und dann einfach stehen gelassen. Wunderschöne Idyllik!
Wer weiss, was das ist? Antwort: eine Tankstelle für Motorräder
Fliessendes Wasser gibt es auf Ile à Vache nicht. Es gibt aber mehrere Wasserlöcher, wie dieses hier, wo meist Kinder und Frauen ihren Bedarf mit Kanistern nach Hause tragen
Der kleine Junge hat grosse Freude, dass ihm Köbi die Last abnimmt und bis vor sein Haus trägt

Auf dem Bild oben ist eine breite Strasse zu sehen. Dazu eine Bemerkung: diese Strasse verbindet Port Morgan mit einem anderen Ort, Madame Bernard. Madame Bernard ist der grösste Ort auf der Insel. Bis vor ein paar Monaten gab es nur Fusswege zwischen Port Morgan und Madame Bernard. Dann kam (gemäss Angaben der lokalen Bevölkerung) ein ausländisches Konsortium mit Baumaschinen und hat einfach quer durchs Land eine Strasse gebaut. Die Leute wussten nichts davon. Es wird uns bei Gesprächen (die lokale Sprache ist Kreolisch, aber fast alle können gut Französisch und einige auch Englisch) nicht klar, wer dahinter steckt. Da es aber einige wunderschöne Sandstrände und bereits ein kleines Hotel mit internationalen Touristen gibt, würde es uns nicht erstaunen, dass der Auftraggeber in dieser Branche zu suchen ist.

John-John (stehender Mann mit weissem Shirt) ist schon am Morgen beim Schiff vorbeigekommen und hat uns die Menükarte seines «Restaurants» in die Hand gedrückt: Languste (Lobster), Reis, Salat, Pommes Frites und gebackene Banane für 15 Dollar pro Person. Das überzeugt uns und wir besuchen am Abend das Restaurant von John-John. John-John ist ein überzeugender Verkäufer 😊: neben uns sind noch die Crews der beiden anderen Schiffe, die zur Zeit auch in der Bucht vor Anker liegen, zum Nachtessen gekommen
Küche des Restaurants mit Solarpanelen. Stromversorgung gibt es auf der Insel nicht. Wer Strom haben will, muss sich selber versorgen. Übrigens ist der Wohnraum, die Küche und das «WC» immer in getrennten «Häusern» untergebracht
Susi (SY Distant Drummer) ist extra etwas früher gekommen, um sich von der Köchin des Hauses in die Geheimnisse der «Conch» Zubereitung einzuweihen. «Conch» nennt man das Gericht, das von einer der grössten Meeresschnecken mit einem wunderschönen Gehäuse zubereitet wird. Unser Nachtessen steht schon daneben auf der Kühltruhe für uns bereit. Die Baby-Langusten waren vorzüglich, und die Zutaten einfach göttlich zubereitet
Roger (Mann mit blauem Cap), ein Schwede von der SY Solana, den wir am Vorabend beim Nachtessen bei John-John getroffen haben, führt uns am nächsten Tag durch die Umgebung und zeigt uns Dinge, die wir sonst nicht zu sehen bekommen hätten. Er kommt mit seinem Schiff schon seit vier Jahren auf die Ile à Vache, bleibt jeweils für sechs Monate hier und startet mit den jugendlichen des Dorfes diverse Projekte. Fast alle im Dorf kennen ihn und er ist mit einigen von ihnen sehr vertraut. Wenn immer sie ein Problem haben fragen sie ihn zuerst um Rat. Hier kauft er für die Jungs, die uns begleiten, Kokosbrötchen für 50 Cents
Mit Roger auf der «Dorfstrasse», begleitet von einer Schar Jungs. Mädchen gesellen sich keine dazu und so bleibt Pia leider die einzige Frau in unserer Wandergruppe
Eine Handmühle für Mais. Köbi hat es versucht, nach einem Trichter voll Mais kam er schon tüchtig ins Schwitzen 😉
Hier macht uns Roger mit einer Familie bekannt, deren älteren Sohn er schon mal mit seinem Segelschiff mit nach Kuba genommen hat, um ihm das Segeln beizubringen. Das Haus der Familie ist gemauert und mit Blech gedeckt. Es besteht aus zwei Räumen, einem Wohn- oder Aufenthaltsraum und einem Schlafteil. Gekocht und gegessen wird draussen unter freiem Himmel. Die Frau des Hauses erlaubt uns, Bilder zu machen
Vater, Mutter und die ältere von drei Töchtern. Der Vater war lange Jahre Seefahrer und hat etwas Geld verdient. Deshalb können sie jetzt neben dem bestehenden Haus mit dem Bau eines neuen, stabileren Hauses beginnen. Roger erklärt uns, dass so ein Projekt meistens zwischen 5 – 10 Jahre dauert und in Etappen abläuft. Alles an einem Stück ausführen geht meistens nicht: entweder wird das Geld knapp (Bankfinanzierung kennt man hier nicht) oder das Baumaterial geht aus und muss zuerst wieder vom Festland angeliefert werden
Stromverteilung im Haus: die Stromversorgung geschieht über Solarpanelen, die gewonnene Energie wird in einer alten, secondhand Autobatterie gespeichert. Neue oder modernere Batterien kosten über 100 Dollar auf dem Festland, und das kann sich hier fast niemand leisten. Mobile Telefone mit Internetverbindung hat aber fast jede Familie
Die drei Töchter. Die zwei Jüngeren sprechen gut Französisch, die Ältere sogar auch etwas Englisch. Kinder gehen hier ab drei Jahren zur Schule. Die ersten acht Jahre Schule sind gratis. Zu Hause reden die Leute Kreolisch, in der Schule wird Französisch gesprochen. Wer nach der Grundschule noch weiter zur Schule gehen will, muss dafür zahlen. In den bezahlten Schulen wird Englisch gesprochen
David ist 14 Jahre alt. Er begleitet uns auf unserem Rundgang. Seine Familie hat kein Geld, ihn weiter zur Schule zu schicken. Als Pia ihn fragt, ob er keine Schuhe trägt (es hat überall Glasscherben) sagt ein anderer Junge hämisch: «dafür er hat kein Geld». Am Abend übergibt Pia Roger ein paar getragene Crocks von ihr für David. Noch am gleichen Tag in der Nacht klopft es am Schiff: es ist David. Er bringt uns eine Kokosnuss-Süssigkeit und bedankt sich für die Schuhe. Am nächsten Morgen klopft es nochmals an unserem Schiff: es ist wieder David. Diesmal bringt er uns frisch gebackenes Brötchen. Einfach wunderschöne Momente!
Mit Roger auf dem Weg zur Bäckerei
Die Bäckerei und der Einkaufsladen (nun wissen wir, warum ein Laden «Laden» heisst 😉)
Unter dem Dach wird der Teig hergestellt und in einer mechanischen Knetmaschine gewalkt. Das ist alles Männerarbeit. Als wir nach Fotoerlaubnis für die Knetmaschine fragen, werden wir relativ schroff abgewiesen. Wir respektieren das
Der Backofen ist nicht geheim – diesen dürfen wir fotografieren 😊

Ungeplant sind wir hier auf der Ile à Vache in der Vergangenheit gelandet. Wir sind glücklich, dass wir es gewagt haben, hier einen Zwischenstopp einzuschalten. In Gesprächen mit anderen Seglern wurde uns davor abgeraten wegen der allgemein schwierigen Situation in Haiti. Während unseres Aufenthaltes hat es denn auch in Port au Prince (Hauptstadt von Haiti) Schiessereien und Strassenschlachten zwischen Polizei und Militär gegeben mit den begleitenden Unruhen in der Strasse. Hier merkt man davon gar nichts, hier ist eine andere Welt. Jeder hier hat seine eigenen Sorgen und Probleme und kann sich nicht um Anderes kümmern. Zum Glück haben wir auf Segler gehört, die selbst kürzlich auf der Insel waren und uns einen Zwischenstopp wärmstens empfohlen haben. Die Armut, die wir auf Schritt und Tritt antreffen, ist einerseits beelendend und erdrückend, andererseits ist es aber auch ermutigend und erfreulich zu sehen, wie die Leute damit umgehen. Ile à Vache, wir wünschen dir eine gute Zukunft!

Ile à Vache – eine Reise in die Vergangenheit

Am Sonntag Morgen lichten wir den Anker und segeln nach Port Antonio in Jamaica, unserer nächsten Destination. Der Wind frischt wie vorangemeldet auf. Aber nach zwei Tagen Flaute in dieser Gegend ist das Meer immer noch angenehm ruhig und wir geniessen ein schönes gemütliches Segeln vor dem Wind. Die Vorhersage verspricht zwar 15 Knoten von Nord/Ost, der Wind bläst aber zur Zeit mit 15 Knoten Süd/Ost. Uns ist das egal, beide Windrichtungen treiben uns nach Westen. Nach rund 45 Seemeilen fahren wir aus der Landabdeckung von Haiti ins offene Meer. Der Wind fällt innerhalb nur zwei Minuten komplett zusammen, baut sich neu auf und bläst dann, wie die Vorhersage angekündigt hat, von Nord/Ost. Mit voller Besegelung rauschen wir dem Sonnenuntergang entgegen. Es ist noch nicht Nacht, bedeckt sich der Himmel vom Norden her mit dicken, schwarzen Wolken, der Wind nimmt stark zu und bevor es zu regnen beginnt, haben wir beide Segel auf 60% gerefft (verkleinert). Die See wird sehr unruhig und kabbelig. Innerhalb kurzer Zeit nimmt der Wind noch mehr zu, so dass wir uns nach Mitternacht entschliessen, die Genua ganz einzuziehen und nur noch mit kleiner Gross zu segeln. Bei Windstärke von 30 Knoten und Böen bis 35 Konten wollen wir unser Material schonen. Die Nacht ist sehr unruhig, aber wir kommen zügig voran.

Gestern Montag Nachmittag um 13 Uhr liefen wir in den schützenden Hafen von Port Antonio ein (164 Seemeilen in 28 Stunden). Uff, das war seit langem wieder mal ein hartes Segel, ein richtiger Rodeo Ritt. Wir sind nun tüchtig durchgeschüttelt, aber alles ist heil geblieben, nichts dem Neptun geopfert – wir haben es geschafft!! Nun liegen wir in einer luxuriösen Marina (Errol Flynn Marina) und lassen uns ein wenig verwöhnen.

Bleib der Lupina im Kielwasser