Bonaire und die wieder gewonnene Freiheit

Am 17. Juni morgens um 8 Uhr haben wir unsere 14-tägige Quarantäne in der Harbour Village Marina in Bonaire angetreten. Während der ganzen Zeit dürfen wir nicht vom Schiff, höchstens ganz kurz auf unseren eigenen Steg um die Leinen, Fender und Stromkabel zu kontrollieren. Besucher dürfen wir keine empfangen. Wir haben genügend Lebensmittel an Bord und wir müssen keinen Hunger leiden. Gemüse und Früchte kriegen wir geliefert und einmal werden wir sogar von Nelly und Allan vom Schweizer Segelschiff SY Meerla mit frischen Berlinern überrascht, die sie in einer lokalen Bäckerei gefunden haben.

Wendy und Silvester, das befreundete Seglerpaar aus Bonaire, bringen uns regelmässig frisches Gemüse und Früchte vorbei. Sie deponieren es jeweils auf dem Steg und wir holen es an Bord, wenn sie wieder in sicherem Abstand sind

Die «aufgezwungene Ruhezeit» geht wie im Fluge vorbei. Wir lesen viel, absolvieren täglich mindestens 1 bis 2 Stunden Spanischlektionen mit Hilfe eines Programmes im Internet (Duolingo), und versuchen, mindestens eine Pendenz pro Tag am und im Schiff zu erledigen. Diese Pendenzen sind alles Dinge, die eigentlich nicht so wichtig sind und keine Rolle spielen für die Sicherheit und den Komfort am Schiff. Es sind eher Dinge, die wir schon immer mal machen oder präventiv erneuern wollten. Jeden Tag schaffen wir uns so ein Erfolgserlebnis und gehen abends zufrieden mit uns und der Welt ins Bett.

Gute Laune an Bord – auch in der Quarantänezeit
Pia fertigt ein Schnittmuster an für unsere Cockpit Sitzkissen. Die alten Überzüge sind abgenutzt und müssen dann nach diesem Schnittmuster neu gefertigt werden
Die Dichtungsfugen im Badezimmer sind alt und teilweise ausgebrochen (zu viel Putzen ist ungesund für diese 😉). Köbi kratzt sie mit einem Spezialwerkzeug vollständig heraus und legt dann neue Fugen. Die ersten gelingen noch nicht so gut, aber bald macht die Übung den Meister

Am 30. Juni ist es dann so weit. Ein Tag bevor die offizielle Quarantäne abläuft werden wir über Funk aufgefordert, ins Büro der Marina zu kommen. Mit Gesichtsmasken natürlich. Dort drückt uns die nette Dame am Schalter einen Telefonhörer in die Hand. Am anderen Ende der Leitung sitzt ein Vertreter des Gesundheitsamtes, der uns ein paar Fragen stellt zu unserem Befinden und Wohlergehen. Da unsere Antworten zufriedenstellend sind, bestätigt uns der Mann, dass wir nun unsere Quarantäne beendet haben und dass wir uns ab sofort frei bewegen dürfen. Da Bonaire als eines der wenigen Gebiete der Erde zurzeit COVID19 frei ist, gibt es gar keine Einschränkungen. 15 Minuten nach dem Telefon mit dem Gesundheitsamt haben wir eine Bestätigung in unserer Mailbox – und damit können wir nun offiziell in Bonaire einklarieren.

Unser erster Gang in die Freiheit – zum Zoll und Immigration zum Einklarieren
Bonaire – wir sind wieder da 😊
Schon am nächsten Tag verlassen wir die Marina und geben Lupina (Bildmitte) einen schönen Aussichtsplatz an einer Mooring (Boje)
Wir liegen direkt vor dem Zentrum von Kralendijk, der Hauptstadt von Bonaire

Am Tag, an dem wir die Marina verlassen, dürfen auch wieder die ersten Touristen per Flugzeug einreisen. Allerdings nur aus ein paar wenigen Ländern aus Europa oder den anderen Ländern der Holländischen Antillen. Wenn ein Tourist nach Bonaire kommen will, muss er zuerst einen Corona-Test bestanden haben der nicht älter als drei Tage alt ist. Auch das Einreisen mit einem Segelboot von ein paar Inseln mit wenig oder keinen aktiven COVID19 Fällen wird wieder ohne Quarantäne möglich. Viele Segler möchten sehr gerne nach Bonaire kommen, aber hier ist es momentan sehr voll. Die Marina ist mit den Quarantäneschiffen ausgelastet, und die rund 50 Mooring Plätze sind restlos belegt. Da bis zum 1. Juli die Grenzen nur bedingt offen waren, wird die Aufenthaltszeit vor diesem Datum nicht den erlaubten Aufenthaltstagen (für die meisten Nationen 90 Tage, für Holländer und US-Bürger 180 Tage) angerechnet. So kommt es, dass es viele «Langlieger» gibt, die an ihrer Mooring «kleben» und diese nun schon seit Monaten besetzt behalten.

Die Segler, die schon lange hier sind, haben sich gut organisiert. Fast jeden Abend findet irgendwo ein Anlass statt. Immer mittwochs wird ein BBQ organisiert: jeder bringt Grillbares und Beilagen selber mit, und Grill und Getränke liefert die «Million Dollar Bar» – eine Stehbar an vorderster Front. Nach der Quarantäne geniessen wir die Geselligkeit
Endlich kann Köbi wieder tauchen! Schnell findet er bei den Nachbarbooten Tauchpartner. Direkt vom Schiff taucht er immer mit David, dem Skipper des englischen Nachbarbootes «Mischief» (kleiner Schlingel). Hier macht er gerade einen Tauchgang vom Land aus mit den Amerikanern Jenn und Chris (SV Diva) und ihren beiden Crewmitgliedern Allison und Steward (Engländer)
Bei den Tauchgängen gibt es immer wieder etwas Spezielles zu sehen: eine ca. 70cm lange Wasserschlange (deren Bezeichnung ich leider nicht kenne)
Gefleckte Muräne
Skorpion Fisch (Achtung: dieser Bursche hat hochgiftige Stacheln am Rücken und in den Flossen. Ein Stich ruft starke Schmerzen hervor, die über mehrere Stunden oder gar Tage noch zunehmen können)
Französischer Engelfisch
Königin-Engelfisch
Aus Asien in die Karibik vorgedrungen und gefürchtet, weil er ausser dem Menschen keine natürlichen Feinde kennt: der rote Feuerfisch. Man bejagt ihn aktiv, weil er sich schnell vermehrt und sich vorwiegend von den Bruten anderer Fische ernährt. An seinem Körper verteilt hat er hochgiftige Stacheln. Das macht sein Fangen und Zubereiten etwas schwierig und man braucht dazu eine spezielle Ausbildung und Lizenz. Diese beiden Fische wurden bei einem Tauchgang erlegt, bei dem Köbi mit dabei war. Er konnte live miterleben, wie schwierig das Fangen mit einer speziellen Harpune ist. Einmal harpuniert wird die Beute in einem speziellen Rohr verstaut, um den Taucher vor den giftigen Stacheln zu schützen. Dieser Fisch gilt als leckere Delikatesse. Daher lohn sich für die Einheimischen den mühsamen Fang, da er mit gutem Geld belohnt wird

Unser Programm nach der Quarantäne ist schnell sehr intensiv und nach langer, sehr langer Zeit brauchen wir zum ersten Mal wieder unsere Kalender, um nichts zu vergessen. Kaum an der Mooring angekommen werden wir vom Schweizer Paar Nelly und Allan besucht. Endlich können wir uns nach guter alter Schweizer Art begrüssen und sie auf unserm Schiff empfangen. Pia zaubert feine Häppchen aus der Kombüse und wir stossen mit Rivella (ihr lest richtig! Ein Lebensmittelgeschäft hier verkauft doch tatsächlich Rivella!) auf unser Kennenlernen an. Erst zu später Stunde machen sie sich mit ihrem Dinghi auf den Heimweg zu ihrem Schiff. Ein paar Tage später sind wir auf ihrer neuen Allure eingeladen und lassen uns mit feinem Flammkuchen, selbst gemachten Knoblauchbroten und anderen Leckereien verwöhnen.

Schon in der ersten Woche nach der Quarantäne laden wir Konny und Martin, die wir letztes Jahr hier auf Bonaire getroffen haben, zu uns auf die Lupina ein und segeln mit ihnen rund um Klein Bonaire. Martin erweist sich nach einigen kurzen Einweisungen von Köbi als robuster Steuermann. Er könnte sofort als Crew anheuern. Zurück an der Mooring in Kralendijk erlebt dann das nach Bonaire ausgewanderte Deutsche Ehepaar seinen ersten «Anlegertrunk» auf der Lupina.

Ein ganz besonderer Anlass ist dann die Einladung von Konny und Martin zu sich in ihr sehr geschmackvoll eingerichtetes Haus. Martin ist ein phantastisch guter Koch und er zaubert uns ein Nachtessen auf den Tisch, das manchen Koch in neidvolle Verlegenheit bringen würde. Beide sind sehr belesen und wir reden bis spät in die Nacht über Gott und die Welt. Einfach schön! Es gelingt ihnen auch, Köbi zu überreden, statt auf der Lupina eine Nacht bei ihnen zu schlafen. Das Bild zeigt den reichhaltigen Frühstücksbrunch am nächsten Morgen
Konny und Köbi – eine herzliche Verabschiedung
Nicht nur Vergnügen – auch Arbeit! An einem Deckel unserer beiden Backs-Kisten hat sich ein Stück des Teakdeckes gelöst. Noch in der Marina drin haben wir Henk (SV Bluenose) beobachtet, wie er an seinem Schiff sein Teakdeck repariert hat. Sofort war er bereit, uns zu zeigen, wie das geht und worauf zu achten ist. Hier beobachtet Köbi Henk, wie er mit einem Holzmeissel vorsichtig die losen Holzlatten aus dem Deckel löst, ohne die noch guten Latten zu beschädigen
Nach dem 2. Arbeitsschritt, dem Verlegen und Verleimen der neuen, genau zugeschnittenen Teakstücke, werden im 3. Arbeitsschritt die Fugen mit einer speziellen Dicht- und Klebemasse verleimt
Auch Pia arbeitet fleissig. Während die Männer mit dem Schiff beschäftigt sind, sorgt sie für das leibliche Wohl. Fast täglich fährt sie mit dem Dinghi an Land, um frische Lebensmittel einzukaufen
Der Anlegesteg für Dinghis am Nautica Marina Pier ist tagsüber rappelvoll
Jam-Session der Segler und Seglerfreunde im Divers Diner. Jeden Dienstag Abend gibt es hier zum Teil hochkarätige Darbietungen
Eine neue Seglerfreundschaft: Wolfgang vom Deutschen Segelschiff «Hubbert» (Einhandsegler). Er kam rund zwei Wochen nach uns nach Bonaire und geniesst nun auch wieder seine Freiheit
Nordstrand der Insel «Klein Bonaire». Normalerweise ist der Strand hier überflutet von Touristen. Nun haben wir ihn fast ganz alleine für uns und unsere Seglerfreunde. Die Schweizer Nelly und Allan haben uns spontan angefragt, ob wir auch zum BBQ mitkommen. Das muss man uns nicht zweimal fragen
Ein Nachmittag lang Spiel, Spass und lockere Gespräche beim BBQ
Bonaire ist das Beste, was uns in diesen wirren Zeiten passieren konnte. Wir fühlen uns rundum wohl und sicher hier. Wir geniessen die Gesellschaft, treffen viele neue Leute und geniessen die einmalige Natur
Ein Sonnenuntergang schöner wie der andere

Wie geht es mit dem Segeln weiter? Das weiss eigentlich hier noch niemand. Die meisten Destinationen haben noch geschlossene Grenzen, oder Auflagen, die wir nicht erfüllen können und wollen. Die Lage ist allgemein noch sehr angespannt und unsicher. Es bleibt uns im Moment nichts Anderes übrig als Abzuwarten. Seit dem 1. Juli ist der Flughafen wieder geöffnet und das Aus- und Einreisen ist wieder möglich. Wir haben für Anfangs August einen Flug in die Schweiz buchen können. Wir freuen uns sehr, dass es rechtzeitig geklappt hat und wir so am Hochzeitsfest von Pia’s ältestem Sohn David und Barbara dabei sein können.

Es bleibt spannend – bleib der Lupina im Kielwasser