Nach der Arbeit folgt das Vergnügen: Bocas del Toro

Nach unserer Rückkehr von Costa Rica auf die Lupina schauen wir jeden Tag gespannt auf die Wetterlage. Unser Kurs von Shelter Bay (Colon, Panama) nach Bocas del Toro, unser nächstes Ziel im Nordwesten von Panama, verlangt nach Winden aus allen Richtungen ausser von Nordwesten. Aber es ist, wie es halt oft so ist: entweder hat es keinen Wind, oder dann genau aus der Richtung, in die wir wollen. Wir warten ab und vertreiben die Zeit mit Arbeiten am und um das Schiff.

Als erstes schlagen wir die vom Segelmacher sehr fachmännisch reparierte Fock wieder an. Gutes Training für die Oberarme 😊
Auch das Grosssegel wird wieder montiert. Hier hatten wir nach 3 Jahren Betrieb leichte Verschleissstellen, die wir rechtzeitig erkannt haben und nun einfach reparieren konnten. Köbi setzt hier die Segellatten ein. Diese versteifen den hinteren Rand des Segels, so dass es im Wind weniger flattert
Damit die Segellatten nicht herausfallen können, wird die Montage-Öffnung mit einem Klettband (Velcro) verschlossen (dazu braucht es einen robusten glatten Stab, mit dem das Band in die Tasche geschoben wird
Als letzte grössere Arbeit wartet die Montage des Dinghi Überzuges, den wir von Thailand bestellt hatten. Damit der Überzug auf dem glatten Gummischlauch des Bootes rutschfest hält, wird er mit einem Klettverschluss fixiert. Als erster Arbeitsschritt muss die Position des Klettbandes angezeichnet werden
Danach wird ein Abdeckband ausserhalb des angezeichneten Bereiches geklebt (Bild). Als nächste Arbeitsschritte folgen das Aufrauen des Gummis und das Reinigen mit Verdünner oder Reinigungsalkohol
Nun wird der Spezialkleber für Hypalon (das Material unseres Schlauchbootes) auf den Hypalon Streifen, der hinten auf das Klettband genäht ist, aufgetragen
Als letzter Schritt wird das Klettband auf das Dinghi aufgeklebt – fertig! Nun kommt der schönste Teil der Arbeit: das Montieren des Schutzes. Er passt wie eine zweite Haut – perfekte Arbeit vom Hersteller des Überzuges und von den Klebern 😉
Nach getaner Arbeit wird gefeiert. Vorne rechts die beiden sympathischen Schweizer Andrea und Martin (Segelschiff Charon), deren Reise wir schon länger im Internet verfolgt haben, und die wir nun hier in der Shelter Bay zum ersten Mal persönlich treffen

Als nach fast einer Woche sich immer noch kein günstiger Wind anmeldet, beschliessen wir etwas widerwillig, die rund 145 Seemeilen unter Motor in Angriff zu nehmen. Wir hätten noch länger warten können, aber wir wissen, dass Freunde, die wir treffen wollen, bereits nach Bocas del Toro unterwegs sind und Anfangs Juni dort eintreffen werden. Wir möchten zeitnah mit ihnen dort sein. Ausgerechnet am Tag, an dem wir losfahren wollen, zieht eine riesige Regenfront über uns hinweg und es schüttet aus vollen Kübeln. Das wäre an und für sich kein Problem, die Lupina schwimmt auch bei Wasser von oben. Das Problem ist, dass wir vor der Abfahrt noch unsere Diesel Tanks füllen wollen aber die Tankstelle bei Regen geschlossen bleibt, damit kein Regenwasser in den Diesel kommt. Erst um die Mittagszeit lässt der Regen etwas nach, und wir kriegen unseren Treibstoff. Die Verzögerung wirft uns in unserer Törn-Planung um gut 5 Stunden zurück und es könnte knapp werden mit der Ankunft bei Tageslicht. Wir wissen, wir haben auf der Strecke rund 1 Knoten Gegenströmung und etwa 8-10 Knoten Wind auf die Nase. Entsprechend machen wir zeitweise weniger als 4 Knoten Fahrt (unter Motor, wohlverstanden). Wir rechnen schon damit, dass wir eine zweite Nacht auf See verbringen müssen. Auf der zweiten Hälfte der Reisestrecke dreht jedoch der Wind etwas mehr nordwärts, und wir können die Genua zu Hilfe nehmen. Nun erreichen wir mit Motor und Segel zwischen 6-7 Knoten Geschwindigkeit und wir holen wieder auf, was wir in den ersten 12 Stunden verloren haben. Eine Stunde vor Sonnenuntergang fällt der Anker vor Bocas Town in gut haltendem Sand

Noch vor Einbruch der ersten Nacht werden wir beim Ankertrunk kurz aufgeschreckt. Wir liegen direkt vor der Landebahn des lokalen Flughafens, und die Flieger rauschen mit nur ein paar Meter Reserve zu unsern Mastspitzen über unsere Köpfe hinweg. Wir merken dann rasch, dass der Flugverkehr sehr minim ist und die Lärmbelastung ertragbar ist. Alles gut!

Die Provinz Bocas del Toro (zu Deutsch: Münder des Stieres) liegt etwa 50 Kilometer von der Grenze zu Costa Rica und entwickelt sich rasch und stetig zu einem touristischen Hot-Spot von Panama. Der Archipel wird von 2 grossen Buchten, acht grossen Inseln, 51 bewohnten kleineren Inseln und über 200 unbewohnten Eilanden geformt. Dank einem in grossen Teilen geschlossenen vorgelagerten Riff ist das Wasser meist sehr ruhig, auch wenn es auf dem offenen Meer tobt und stürmt. Entdeckt wurde die Region, wie kann es anders sein, durch Christoph Columbus. Obwohl er gemäss Überlieferungen von der Region begeistert gewesen sein soll, dauerte es bis ins 19. Jahrhundert, bis eine grosse Welle von Einwanderern das Land bevölkerte, hauptsächlich ehemalige Sklaven aus der USA und den nahegelegenen Inseln St. Andres und Providencia. Die heutige Bevölkerung ist eine bunte Mischung aus farbigen Kreolen, Chinesen (!) und den verschiedenen Indianerstämmen. Die lokale Sprache ist «guariguari», eine Mischung aus Afro-Antillischem Englisch, Spanisch, einigen Indianischen Wörtern, abgerundet mit etwas französischem Einfluss. In entlegenen Gegenden leben auch heute noch Indianerstämme.

In Bocas del Toro werden wir von Nora und Hacko (SY Anixi, ein 35 Fuss grosses Aluminium Boot der Marke Ovni) erwartet. Sie haben wir erstmals in Bonaire getroffen, und dann in Barahona (DomRep) mit ihnen zusammen die Weihnachtstage verbracht. Wir freuen uns riesig darauf, mit der Anixi das Insellabyrinth der Provinz Bocas del Toro zu besegeln und zu erkunden
Es herrscht Regenzeit in diesem Teil der Erde. Kein Grund für Trübsal! 😊
Ausser den landenden Flugzeugen und dem Wasser vom Himmel finden wir in Bocas alles, was das Herz begehrt! Wunderschöne, offene Kneipen …
… und eine voll funktionierende Infrastruktur. Sogar dieses Feuerwehrauto aus der Zeit des ersten Weltkrieges (Baujahr 1916, extra ausgerüstet mit einer Salzwasser tauglichen Pumpe!) funktioniert noch
Uns fällt auf: alle Häuser sind auf Pfähle gebaut. Der Untergrund ist meistens flach und sumpfig, und so zieht man es vor, die Häuser in die Luft zu bauen. Und wer etwas vom Land auf das Wasser hinaus baut, hat mehr kühlenden Wind und weniger Insekten im Haus
Sehr oft findet man Liebe zu den Details …
… dann aber auch wieder achtlose Nachlässigkeit (wer bei diesem Bild denkt, das Haus sei nicht mehr bewohnt, der liegt falsch: doch, es ist bewohnt!)
Ein Handwerk, das hier noch gelebt wird: der Bau von einfachen Holzschiffen / Kanus
Das Holz Kanu – immer noch ein weit verbreitetes Transportmittel der lokalen Bevölkerung
Sie lieben bunte und schrille Farben
Speisekarten sind in Spanisch geschrieben. Das verstehen wir mittlerweile recht gut. Aber wenn dann lokale Menüs mit den hier gebräuchlichen Ausdrücken auf der Karte stehen, dauert es schon etwas länger, bis wir kapieren, was es zu futtern gibt
Die Leute sind unheimlich zufrieden, fröhlich und nett
Hier beschenkt uns ein Angestellter der «Floating Bar» (bekannter Treffpunkt der Segler) mit feinen Bananen
Floating Bar: Macho Gehabe? Gewichtiges Argument der Damen? Oder einfach eine schräge Situation? 😊😊
Lupina vor Bocas Town in halber Fahrt. Wir verlagern für ein paar Tage in die zahlreichen Buchten an der Westküste der Insel Colon
Das Wasser um die Inseln ist meist flach und durchspickt mit Untiefen wie Sandbänken und Korallenköpfen. Bei gutem Licht ist das Navigieren einigermassen einfach. Sobald aber, wie jetzt in dieser Jahreszeit, der Himmel bewölkt und grau ist, sieht man diese Untiefen nicht. Wir verwenden zwar elektronische Karten mit GPS, merken aber bald, dass die nicht immer sehr genau sind. Das Bild zeigt eine der zahlreichen Durchfahrten. Die weissen Flächen sind mehr als 10 Meter tief, blau ist weniger, ab da wird es kritisch
Wir sind froh, haben wir die Anixi! Sie hat schwenkbare Ruder und Kiel und kann ihren Tiefgang auf 90 Zentimeter verringern. An den kritischen Stellen fährt sie uns vor. Nur einmal fahren wir auf eine Sandbank auf, weil diese sehr schnell aus der Tiefe auf weniger als 2 Meter Wassertiefe ansteigt und unser Kiel eine gut 20 Zentimeter tiefe Furche gräbt, bis das Schiff zum Stillstand kommt. Kurzer Adrenalinschub bei der Crew, aber volle Kraft retour, und wir kriegen wieder die berühmte Handbreit Wasser unter den Kiel
Wir folgen mit der Lupina dem Fahrwasser der Anixi (Foto: Anixi)
Unser Kiel ist 2 Meter tief. Damit wir beim Ankern immer sicheren Abstand zum Grund haben, wollen wir mindestens 3 Meter Wassertiefe. Angekommen am neuen Ankerplatz fahren wir jeweils in langsamer Fahrt einen grossen Kreis und tasten die Wassertiefe ab. Wir versuchen dabei, der 3 Meter Wassertiefenlinie zu folgen. In den Mangroven kann man dabei oft sehr nahe ans Ufer
So sieht dann ein Ankerplatz aus der Luft aus. Oben die Lupina, unten die Anixi (Foto: Anixi)
Wir erkunden die Umgebung unserer Ankerplätze mit SUP, Kanu, oder wie hier mit dem Dinghi
Um die Antriebsschraube nicht an Wurzeln oder umgefallenen Bäumen zu beschädigen, ziehen wir in Kanälen, die in die Mangrovenwälder führen, den Motor hoch und nehmen die Ruder zu Hilfe
Es ist richtig abenteuerlich und wild. Hat es Krokodile oder Riesenschlangen (z.B. Boa Constrictor) im trüben Wasser? Hängt irgendwo auf Kopfhöhe eine Giftschlange herunter? Finden wir den Ausgang wieder? -> es ist alles gut gegangen, wir sind wieder heil raus gekommen 😊
Neuer Ankerplatz, ähnliches Bild: viele Mangroven, in etwas höherem Gelände dann Urwald mit grossen Bäumen und riesigen Baumkronen. Lupina unten rechts, Anixi in der Bildmitte (Foto: Anixi)
Nach ein paar Tagen in der Wildnis fahren wir zurück nach Bocas Town, um unseren Proviant an frischen Nahrungsmitteln wieder aufzustocken. Natürlich geniessen wir auch ab und zu die Happy Hour in einer der zahlreichen Bars an der Wasserfront
Abendstimmung in Bocas Town
Typisches Pfahlbau Haus. Zur Wasserversorgung dient Regenwasser, das aus den Dachrinnen gesammelt wird. Die WC Spülung ist biologisch (= direkt ins Wasser). Zur Stromversorgung dient meist ein kleiner Generator, Solarpaneelen sind leider noch sehr rar. Wohlhabendere Leute leisten sich eine Kabelverbindung zum Land
Ruhepause auf unserer Wanderung rund um die Insel Carenero, die direkt gegenüber von Bocas Town liegt
Gästehaus mit Meerblick. In der jetzigen Jahreszeit (Regenzeit) gerade spärlich belegt, aber in der Hochsaison (Wintermonate) sehr gut besucht
Die Crews der Anixi (Nora und Hacko) und der Lupina beim verdienten Bier nach der mehrstündigen Wanderung um die Insel Carenero
Wir sind begeistert von der Geschicklichkeit, wie die einheimische Bevölkerung mit ihren Holzkanus umgehen kann. Das Freibord des Bootes ragt nur ein paar Zentimeter über die Wasserlinie. Die kleinste ungeschickte Bewegung, und Wasser schwappt ins Kanu
Fischende Dorfjugend
Auch die Ladies der Anixi und der Lupina versuchen sich im Kanufahren – alles geht gut! 😉
Im Osten der Insel Bastimentos machen wir eine Wanderung quer über die Insel zum Wizard Beach. Auf der Karte ist der Weg gut eingezeichnet, in der Natur sieht es dann aber anders aus. Der Regen hat den Boden weitgehend aufgeweicht, und statt eines flachen, einfachen Wanderweges erwarten uns glitschige Auf- und Abstiege. Unsere Flip-Flops und Sandalen sind definitiv überfordert und fehl am Platz ☹ Barfuss gehen ist angesagt
Aber wir schaffen es heil an den Wizard Beach. Weil der Rückweg über einen alternativen Pfad mittlerweile zugewachsen ist, müssen wir auf dem gleichen Weg zurück. Macht nichts: wir schaffen es auch ein zweites Mal 😊
Wir geniessen die Zeit mit der Anixi ausgiebig. Eine sehr willkommene Abwechslung zu der sonst eher isolierten Lebensweise auf unserer bisherigen Reise. Wir wechseln uns jeweils ab: einmal verbringen wir den Abend gemeinsam auf der Lupina, dann wieder auf der Anixi (Bild)
Die Cayos Zapatilla bestehen aus zwei Inseln: Zapatilla No.1 und Zapatilla No.2. Beide stehen unter Naturschutz. Bis zu Beginn der Pandemie durfte man noch beide Inseln anlanden. Seit letztem Jahr hat der Nationalpark die Gelegenheit benutzt und Zapatilla No.1 zum Schutz der Natur (hauptsächlich seltene Schildkröten) komplett gesperrt. Ankern darf man nur noch vor Zapatilla No.2, wo es eine Ranger Station gibt, und wo man sich beim Besuch der Insel einschreiben muss
Spätnachmittag auf der Insel Cayo Zapatilla No.2, im Osten von Bocas del Toro
Cayo Zapatilla No.2: ein sehr gut unterhaltener Wanderpfad führt quer über die Insel. Obwohl ein paar Meter über dem Meeresspiegel gelegen, ist zu unserer Überraschung das Innere der Insel vorwiegend Sumpfgebiet
… es gibt schönes Wetter 😊
Lupina vor Anker auf Cayo Zapatilla No.2 (Foto: Anixi)
Wo man auch hinschaut: immer wieder hat es vereinzelte Pfahlbauhütten
Auf der Anixi lernen wir «Brändi-Dog» spielen, und wir bringen Nora und Hacko bei, wie wir in der Schweiz jassen. Natürlich darf bei einem richtigen Schieber ein währschaftes Kaffi Schnapps (Löhrpflaume aus dem Fricktal) nicht fehlen 😉
Es wird dann halt manchmal auch etwas spät und es kann vorkommen, dass es erst in den frühen Morgenstunden nach Hause geht – aber den Alkohol Test haben wir noch immer bestanden 😊😊

Nun sind wir wieder zurück in Bocas Town und machen uns bereit für die San Blas Inseln. Wir müssen Gemüse, Früchte und Obst bunkern und genügend Treibstoff fürs Dinghi, damit wir autonom bleiben. Offiziell sind die San Blas Inseln wegen Covid geschlossen, und deshalb wollen wir gemeinsam mit der Anixi zumindest in den ersten Wochen die unbewohnten Inseln besegeln. Die rund 200 Seemeilen bis zu den San Blas Inseln sind nicht ganz einfach, da die Winde in dieser Gegend sehr unstabil sind. Mal schauen, wie wir das hinkriegen.

Es bleibt spannend – folge der Lupina im Kielwasser!