Arbeit in Tahiti – Vergnügen in Moorea

Am 22. September 2022 morgens früh klettern wir nach rund 36 Stunden Reisezeit aus der Schweiz kommend in Papeete wieder auf die Lupina. Es geht ihr gut! Es hat in unserer Abwesenheit zwar immer wieder mal stark geregnet, und die Luftfeuchtigkeit in Tahiti ist relativ hoch, aber der von vielen gefürchtete Schimmel hat uns auch diesmal wieder verschont. Auch der Bewuchs am Schiffsrumpf hält sich sehr in Grenzen, da das Wasser in der Marina aussergewöhnlich sauber ist. Wir sind glücklich, wieder auf der Lupina zu sein. Schnell sind die Koffer mit den persönlichen Effekten ausgepackt. Auch der Koffer mit den Ersatzteilen wird ausgeladen und für einen kurzen Moment sieht es bei uns im Salon wie in einem Eisenwarengeschäft aus.

Als erste Aktion gilt es, uns mit frischen Lebensmitteln einzudecken. Das machen wir auf dem lokalen Markt, wo wir Gemüse und Früchte in Hülle und Fülle finden.
Auf dem Markt in Papeete immer präsent: Blumenverkäuferinnen.
Fische und Krustentiere direkt vom Fischer selber.
Und dann beginnen wir, die mitgebrachten Ersatzteile zu verbauen. Als erstes nehmen wir uns der Arbeit an, vor der wir am meisten Respekt haben. Der Entwässerungsschlauch des Cockpits ist durchgerostet. Ja, du liest richtig! Zur Verstärkung ist ein Draht im Schlauch eingelassen. Dieser hat zu korrodieren begonnen und den Schlauch zum Platzen gebracht (siehe Bild). Weiter nicht schlimm, aber der Schlauch verläuft durch den Motorraum und die Platzverhältnisse sind äusserst eng. Ob wir den alten Schlauch wohl von seinen Anschlüssen losbringen? Mit der Trennscheibe schneide ich den defekten Schlauch vorsichtig auf und mit einer grossen Zange kann ich ihn dann vom Anschluss losbrechen. Der Einbau des neuen Schlauches geht dann ohne Probleme.
Nach der schweisstreibenden Arbeit erholen wir uns bei einem Spaziergang durch die Stadt. Im Zentrum von Papeete verteilt hat es rund 20 registrierte Wandmalereien. Bunt und fantasievoll. Als Beispiel dafür das Bild «die liegende Frau»
Als nächstes kommt die Ankerkette dran. Eine neue Kette ist bestellt, aber sie wird es nicht in nützlicher Zeit nach Papeete schaffen und wir lassen sie uns nach Gambier nachschicken. Wir entscheiden uns, die alte Kette zu drehen, so dass der am meisten von Korrosion befallene Teil im Ankerkasten liegen bleibt. So können wir sie noch benutzen, bis wir die neue Kette erhalten. Hier baue ich den Anschluss der Kette am Anker auseinander …
… drehe dann die Kette um und befestige sie im Ankerkasten
Zwischendurch immer wieder einen Erholungstag einschalten. Wir haben Zeit, der Rigger für die Reparatur der angerissenen Wanten hat sich erst auf den 30. September angemeldet. Hier machen wir eine Wanderung zu einem nahen Aussichtspunkt (Croix jubilaire, Papeete) mit schöner Sicht über das Hafenbecken von Papeete und zur Nachbarinsel Moorea.
Und dann geht’s plötzlich schneller als gedacht. Ein Job ist ausgefallen und der Rigger zieht uns vor. Drei Tage früher als geplant kommt er morgens früh mit den neuen Wanten auf unser Schiff.
Der Chef und sein Mitarbeiter gehen sehr systematisch und präzise vor. Sie arbeiten sauber, schnell und sicher (der eine ist ein Grossteil der Zeit hoch oben im Mast!). Nach etwas mehr als einem halben Tag sind alle 4 Unterwanten und die beiden Hauptwanten ersetzt, das ganze Rigg nachgespannt und richtig eingestellt. Diese Firma, «Fenua Rigging», können wir nur empfehlen.
Und wieder ein Erholungstag. Diesmal mit der Crew von der SY Pasito, Chris und Ruedi. Wir mieten gemeinsam ein Auto und fahren auf die Nordseite von Tahiti. Da biegen wir bei Papenoo ins Landesinnere ab und fahren so weit, wie es die unbefestigte Strasse erlaubt, dem Papenoo Fluss entlang das Tal hoch. Nach rund 10 Kilometern parkieren wir das Auto und steigen einen Nebenfluss hoch in den «Parc Naturel Te Faa Iti». Ein sehr spannender und abenteuerlicher Wanderweg, der den Fluss insgesamt 10-mal überquert.
Die Steine sind zum Teil glitschig und das Wasser an einigen Stellen hüfthoch. Aber mit vereinten Kräften schaffen wir es gut durch den Dschungel
Die letzte Arbeit ist die schönste: wir verleihen unserer Lupina eine Verzierung. Die Folien dazu hat uns Dani Stadelmann bei unserem Heimurlaub hergestellt. Vielen Dank, Dani!
Und dann ist es soweit: alle geplanten Arbeiten sind ausgeführt, Kühlschränke wieder voll und alle Systeme getestet. Die Lupina ist segelbereit. Wir geniessen den letzten Sonnenuntergang in der Marina von Papeete
Und am nächsten Tag, es ist der 4. Oktober 2022, segeln wir los zur rund 15 Seemeilen entfernten Insel Moorea. Kurz vor dem Ziel werden wir von einem Buckelwal und seinem Jungen überrascht, ja „überrumpelt“ wäre wohl der bessere Ausdruck. Wir sind so fasziniert von den nur knapp 20 Metern neben unserem Schiff auftauchenden Säugetieren, dass wir komplett unsere Kameras vergessen. Dieses Bild eines Buckelwales haben uns dann Segelfreunde zur Verfügung gestellt. Was wir gesehen haben, bleibt für immer in unserer Netzhaut eigebrannt (wie eine Seglerkollegin meint)
In Moorea gehen wir zuerst am Aussenriff der Cooks Bay vor Anker
Moorea ist die kleinere Schwester von Tahiti und liegt in Sichtweite Tahitis, von der Westküste nur durch eine Meerenge von 17 Kilometern getrennt. In der Legende heisst es, Moorea sei die Rückenflosse eines grossen Fisches. Die Insel hat etwa die Form eines auf der Spitze stehenden, gleichseitigen Dreiecks, in dessen nördliche Seite die beiden Buchten Baie de Cook (Cooks Bay) und Baie d’Opunohu tief einschneiden. Ein V-förmiger, durchschnittlich 800 Meter hoher Gebirgszug (Rand des früheren Kraters) teilt die Insel in eine Nord- und Südhälfte und wirkt gleichzeitig als Wasserscheide. Haupteinnahmequelle ist seit den 1960er Jahren der Tourismus. Ein amerikanisches Unternehmen baute 1961 das Bali-Hai-Hotel, das erste Luxushotel von Moorea, an der Nordküste. Seitdem hat der Tourismus beständig zugenommen, sodass mittlerweile – wie in einigen Reiseführern behauptet wird – Moorea angeblich mehr Touristenhotels hat als Tahiti. Dementsprechend ist auch die den Tourismus begleitende Infrastruktur viel präsenter als in Tahiti.
Da wir ein «Ship in Transit» sind konnten wir im Hauptzollamt in Papeete die Bewilligung für das zollfreie Betanken unserer Lupina erlangen. Ein einfacher und unbürokratischer Prozess. Die Bewilligung ist für 6 Monate gültig und reduziert den Säulenpreis um rund 30%. Hier betanken wir unsere Lupina am Mobil-Tankstellensteg in der Cooks Bay, Moorea
Nach 2 Tagen vor Anker am Aussenriff verlegen wir in den Scheitel der Cooks Bay. Die Szenerie ist fantastisch. Das Postkartenmotiv der tiefblauen Bucht mit weissen Segelyachten und dem 830m hohen, dicht bewachsenen Mont Mouaputa im Hintergrund ist wohl das am häufigsten fotografierte Südseebild überhaupt. Auf Moore wurde ein grosser Teil des Filmes «Meuterei auf der Bounty» gedreht.
Für den Menschen gefährliche Tiere gibt es auf Moorea nicht. Auf unserer ersten Wanderung wollen wir unsere Füsse in einem klaren Bach etwas abkühlen. Erschrecken dann aber ordentlich: unter der Uferböschung und unter dem kleinen Wasserfall hat es zwischen 1.5-2 Meter lange Süsswassermuränen. Mindestens 6 an der Zahl, wo wir ins Wasser steigen wollen. Wir lassen es bleiben 😉
Wir befinden uns auf einer Wanderung zu den Ananas Plantagen, die sich im inneren des Kraters befinden. Da es hier regelmässig regnet ist das Grün der Pflanzen satt und voll. Im Hintergrund der Mont Rotui
Bis zum Ende des zwanzigsten Jahrhunderts wurde auf Moorea noch Kaffee angebaut. Durch den Verfall der Kaffeepreise ist das nicht mehr lohnend und der Anbau landwirtschaftlicher Exportgüter wurde auf die sehr begehrte Tahiti-Vanille und Ananas (Bild) umgestellt. Klima und Boden sind hier nahezu perfekt für diese beiden Pflanzen.
Pizza gibt’s auf der ganzen Welt, auch hier auf Moorea. Chris (SY Pasito) und Pia strahlen um die Wette.
Ich strahle auch, obwohl ich mich da sichtlich abrackern muss. Aber es lohnt sich! In der lokalen Fruchtsaft- und Rum-Fabrik «Rotui» habe ich gerade einen Grosseinkauf getätigt: 2×5 Liter Flaschen braunen Rum 😊😊
Die «Rotui» Fabrik stellt Fruchtsaft für ganz Französisch-Polynesien her.
Nach ein Paar Tagen in der Cooks Bay verlagern wir in die etwas weiter westlich gelegene Baie d’Opunohu. Auch hier zeigt sich ein fantastisches Naturbild.
In der Baie d’Opunohu treffen wir Nico. Er hat während unseren Ferien in der Schweiz aufs Schiff aufgepasst und ist dazu regelmässig mit der Fähre von seinem aktuellen Wohnort auf Moorea nach Papeete gefahren. Hier zeigt er uns seinen Lieblings-Aussichtspunkt auf dem Magic Mountain.
Vom Magic Mountain hat man eine fantastische Aussicht auf die Baie d’Opunohu mit dem Mont Rotui (899m hoch) im Hintergrund
Für die Benutzung des sehr gut ausgebauten Wanderweges auf den Magic Mountain zahlt man einen kleinen Beitrag (rund 2 Dollar pro Person). Im Preis inbegriffen ist eine kleine Degustation von lokalen Früchten und selbst hergestellter Konfitüre. Sehr sympathisch, finden wir.
Neuer Tag, neue Wanderung. Diesmal nur Pia und ich. Wir wandern von der Baie d’Opunohu zum Aussichtspunkt Bellvedere im Innern der Insel. Zuerst führt uns der Weg der topfebenen Talsohle entlang in Richtung Zentrum der Insel.
Nach einer knappen halben Stunde gelangen wir in Dschungelwald und der Weg beginnt sanft anzusteigen.
Auf etwa halber Distanz kommen wir an gut erhaltenen, alten Kultstätten vorbei. Im einst dicht besiedelten Opunohu-Tal errichteten die polynesischen Ureinwohner zahlreiche dieser Kultplattformen (marae)
Aussichtspunkt «Bellvedere». Wir erwandern ihn in knapp 2 Stunden durch wunderschöne Waldlandschaft. Die meisten anderen Besucher kommen mit Bussen, Autos, Quads oder sonstigen Fahrzeugen. Jedem das Seine 😉
Wir haben noch nicht genug, wandern weiter zum nächsten Aussichtspunkt «Trois Cocotiers». Der Höhenweg dorthin führt auch hier durch Urwaldgebiet. Auf etwa halber Strecke hören wir ein rhythmisches Klacken, das beim Näherkommen immer lauter wird. Ein Mann und eine Frau schlagen mit ihrer Machete eine uns nicht bekannte Frucht auf und sammeln die so freigelegten Kerne. Diese seien essbar, antworten die Beiden auf unsere Frage, man müsse sie allerdings 5-7 Stunden kochen. Den Namen der Frucht haben sie uns auch genannt, ist uns aber leider wieder entfallen.
Der Aussichtspunkt «Trois Cocotiers» selber enttäuscht uns dann ein wenig, da die so viel gerühmte Aussicht recht stark durch Bäume eingeschränkt ist. Umso mehr begeistert uns aber der üppige Wald mit seiner unglaublich grossen Artenvielfalt. Hier sind wir bereits auf dem Rückweg.
Dort oben, am Fusse dieses Berges (Mont Mouaroa, 880m hoch), also etwa beim Hutrand, war er, unser Aussichtspunkt.
Schön war sie, die Wanderung, aber anstrengend – vor allem für unsere Schuhe! Beide haben wir unsere Schuhsohlen verloren. Zum Glück konnten wir sie unterwegs behelfsmässig fixieren und ohne Probleme bis zur Lupina zurückkehren.
Und natürlich gibt’s ja auch noch das Meer. In der Bucht drin ist es etwas weniger interessant zu schnorcheln, weil der Grund schlammig ist und das Wasser daher sehr dunkel wirkt. Deshalb verlagern wir zum Schluss unseres Aufenthaltes auf Moorea noch zum Tiki Ankerplatz.
Dieser Ankerplatz ist mitten im Riff draussen und heisst so, weil hier Tiki Figuren im Wasser versenkt sind. Diese Figuren wurden von lokalen Künstlern um die Jahrtausendwende hergestellt und dann hier im Meer versenkt. Einerseits üben sie heute eine touristische Anziehung aus, andererseits sollen sie an ihre Vorfahren erinnern. Als Polynesien nämlich von Europäischen Missionaren überrannt wurde, wurden die Einwohner ihrer eigenen Religion beraubt. Sie mussten alle ihre «abergläubischen» Kulturgüter vernichten, so auch die Tikis. Die schlauen Mooreaner versenkten ihre Tikis in den Einfahrten durch das Riff – in der Überzeugung, dass sie ihnen in Zukunft sichere Passagen durch die gefährlichen Gewässer bringen würden.
Schnorchel- oder Tauchgänge garantieren hier die Sichtung von Rochen …
…Schildkröten …
… Haifischen (Schwarzspitzen-Riffhai) …
… und Touristen. Dieses männliche Exemplar wird gerade von seiner Frau mit den Füssen auf den Meeresboden gedrückt, so dass er diesen handzahmen Stachelrochen auf Augenhöhe fotografieren kann 😊

Obwohl es hier auf Moorea noch viele Dinge zu erforschen, erwandern oder geniessen gäbe, zieht es uns weiter. Spätestens im Dezember, zu Beginn der Zyklon-Zeit, wollen wir ausserhalb der gefährlichen Zone sein. Für uns soll Gambier dieser sichere Hafen sein. Bis dorthin werden wir uns über 1’400 Seemeilen südöstlich durch die Tuamotus hangeln, in die Richtung also, aus welcher der Wind mehrheitlich bläst. Nicht einfach, aber machbar, wenn wir die Wetterfenster der für uns günstigen Winde nützen können. So ein Wetterfenster öffnet sich morgen Samstag. Unser nächstes Ziel, das Atoll Makatea, liegt 140 Seemeilen in nordöstlicher Richtung. Der Wind weht ab Samstag aus südöstlicher Richtung, ein direkter Kurs könnte also drin liegen. Ob es klappt kannst du direkt live auf «unserer Position» verfolgen.

Es bleibt spannend – folge der Lupina im Kielwasser!

Auf geht’s in neue Abenteuer!!