Im vorliegenden Bericht nehmen wir dich mit auf die Umrundung der Nordspitze von Madagaskar. Es erwartet uns eine raue See mit hohen Wellen und viel Wind. Wir planen, zunächst noch den Schutz von Nosy Sainte-Marie zu nutzen, danach die Bucht «Baie d’ Antongil» zu überqueren und dann in einer Distanz von 5-10 Meilen vor der Küste bis nach Antsiranana zu segeln. Dort wollen wir ein gutes Wetterfenster abwarten für die Umrundung der Nordspitze, bevor es dann auf der Leeseite von Madagaskar gemütlich wieder gegen Süden geht. So der Plan. Wie immer, kommt es anders – aber der Reihe nach.Am 11.9.2026 heisst es «Anker auf» und los geht die Reise. Zunächst in gemütlicher Fahrt auf der Leeseite von Nosy Sainte-Marie entlang nordwärts. Kaum sind wir aus der Abdeckung der Insel heraus, kommt ein grosser Schwell schräg von hinten auf unsere Lupina zu. Da auch der Wind von achterlich bläst, haben wir eine schlechte Seitenführung. Ein starkes Rollen ist die Folge. Ansonsten: herrliches Segeln.Je weiter nördlich wir kommen, desto stärker werden Wind und Welle. Das gemütliche Segeln wandelt sich langsam in ein nasses Segeln. Von allen Seiten spritzt Wasser-Gischt über das Deck.Wir konsultieren laufend das Wetter im Bereich des Nordens. Die von uns geplante Passage führt durch ein Gebiet starker, mitlaufender Strömung (rechtes Bild, die Strömung kann bis zu 4 Knoten erreichen). Da wäre es wünschenswert, wenn der Wind nicht auch noch allzu stark ist. Auf dem linken Bild sehen wir, dass jetzt an der Nordspitze gerade zwischen 20 bis 25 Knoten blasen. Gemäss Vorhersagen wird der Wind dort in den nächsten Tagen auf weit über 30 Knoten zunehmen, und dann mindestens eine Woche so stark bleiben. Nach einer kurzen Lagebesprechung entscheiden wir, auf den Stopp bei Antsiranana zu verzichten und in einer Nachtfahrt direkt ans Cap d’ Ambre zu segeln.Unser Leebett leistet uns bei solch unruhiger Fahrt einen grossen Dienst. Das vorne an der Bettkante befestigte und dann hochgebundene Tuch verhindert, dass die schlafende Person ungewollt aus der Koje kullert.Die Fahrt zum nördlichsten Punkt von Madagaskar, Cap d’Ambre verläuft weiterhin sehr rollig.Einmal kippt bei einer Welle in einem Schrank eine frisch geöffnete Sirup Flasche um. Leider ist der Deckel nicht ganz dicht, und die süsse, klebrige Masse suchte sich ihren Weg in den Schiffsbauch. Bis wir das Unglück bemerken, ist schon die halbe Flasche leer. Die Reinigungsequipe Brem nimmt sich rasch und gekonnt der Sache an. Bald schwindet der Ärger und weicht der Freude darüber, dass nun auch die Bilge wieder mal gründlich geputzt ist.Nach der Nachtfahrt erscheint am nächsten Morgen der Leuchtturm am Cap d’Ambre. Wir halten uns eng an die Küste. Von mit dem Gebiet gut vertrauten Seglern wissen wir, dass Strömung und Wellen nahe am Land viel geringer sind. Es gibt hier auch keine gefährlichen Untiefen, die man fürchten muss.Kaum liegt der Leuchtturm querab, reduzieren sich die Wellen kontinuierlich, und das heftige Rollen weicht einem sanften hin und her Wiegeln. Wir sind erstaunt und gleichzeitig erleichtert, dass die Rundung der Nordspitze so problemlos und elegant verläuft.Zügig und nun fast ohne Rollen geht die Fahrt rund 8 Seemeilen auf der Westseite südlich weiter. In einer tief eingeschnittenen und weit verästelten Bucht finden wir unseren ersten Ankerplatz, seit wir in Nosy Sainte-Marie aufgebrochen sind. Herrlicher Sonnenuntergang bei wolkenlosem Himmel. Wir gönnen uns einen ausgiebigen Ankertrunk und geniessen eine Nacht ohne jegliche künstlichen Lichter – die Gegend ist menschenleer und total einsam.Der angesagte Starkwind erreicht zu unserem Erstaunen auch die Westseite der Insel – obwohl die Wetterkarten das nicht so abbilden. Wir entscheiden, zügig weiter südlich zu segeln, in der Hoffnung, dass dort die breitere Landmasse von Madagaskar den Wind etwas aufhalten kann.Sehr starke Wind im Bereich 45-50 Knoten zerren eine halbe Stunde lang heftig am Rigg und dem Bimini. Unglaublich, was das Schiff aushalten muss. Wir sind froh über unser gut schützendes Mittelcockpit.Unterwegs treffen wir einheimische Fischer an, die offensichtlich an solche Verhältnisse gewohnt sind. Zu beachten das Segel! Ein ausgemustertes Segel einer Segelyacht dient den Fischern noch lange als Antrieb für ihr Holzboot.Die Ankerbuchten gleichen sich. Der Landbereich ist sehr karg und trocken. Es erinnert uns stark an die Inseln in Griechenland. Der Ankergrund ist eine Mischung aus Sand und Schlick und hält unseren Anker jeweils bombenfest. Das Negative bei solchem Ankergrund: der Dreck bleibt an der Kette hängen und versaut uns Winch und Deck. Früher haben wir das immer sofort runter gewaschen. Heute lassen wir es aber zuerst an der Sonne trocknen und kehren es dann einfach weg.Ein weiterer fantastischer SonnenuntergangLeider folgt uns auch der Wind. Das Bild zeigt die über eine Stunde aufgezeichneten Winddaten am Ankerplatz. Während der linke Teil die Windrichtung angibt (TWD = true wind direction, wahre Windrichtung), zeigt der rechte Ausschnitt die Windstärke (TWS = true wind speed, wahre Windgeschwindigkeit). Man sieht, es gibt Böen bis zu 50 Knoten. Der Mittelwert der Windgeschwindigkeit über eine Stunde gemessen beträgt 32.2 Knoten. Für den Laien: bis 15 Knoten Wind sind die Bedingungen am Anker angenehm. Darüber wird es ungemütlich. Ab 30 Knoten wird es heftig.Wir versuchen, dem Wind weiter zu entfliehen. Mit minimalen Segeln (im Bild das Kutter Segel) stechen wir auch bei diesen heftigen Winden in See. Da wir uns auf der Leeseite der Insel befinden, sind die Wellen zum Glück recht flach.Endlich beginnt der starke Wind nachzulassen. Dafür gelangen wir in eine Zone, wo die thermischen Winde überwiegen. Das bedeutet, dass tagsüber der Wind eher vom Meer in Richtung Land weht, in der Nacht dann umgekehrt vom Land aufs Meer hinaus. Eine Herausforderung für das sichere Ankern. Pia sucht hier gerade ein ideales Ankerplätzchen.Überall, wo es in der Nähe des Ankerplatzes Bewohner hat, müssen wir damit rechnen, dass wir Besuch erhalten. Die Einheimischen nutzen die Gunst der Stunde, vielleicht etwas von dem vor Anker liegenden Schiff zu erhaschen. Meist sind es Seile, Taucherbrillen, Flossen oder Köder zum Fischen, worauf sie scharf sind. Meist bringen sie irgendwelche Früchte oder Kokosnüsse mit, um diese einzutauschen. Wir haben immer irgendwelches Material bereit, dass wir nicht mehr brauchen, für die Leute aber noch sehr viel Wert hat.Auf der Insel Nosy Mitsio können wir erstmals unter normalen, sprich Winde unter 20 Knoten, Bedingungen ankern. Die Einfahrt in die weite Ankerbucht wird durch viele kleine Felsinsel abgeschirmt, so dass praktisch kein Schwell einlaufen kann.Das Land auf der Insel Nosy Mitsio ist sehr trocken. Die Hügel sind zu flach, als dass sie Regen aus dem Himmel kitzeln könnten, wie es auf der Hauptinsel etwa 20 Seemeilen weiter östlich der Fall ist. Im Schatten der Palmen und hohen Mangobäume verstecken sich etwa zwei Dutzend kleine mit Palm- oder Pandanus Blättern bedeckte Holzhütten.Lupina (ganz weit hinten im Hintergrund knapp ersichtlich) hat die ganze Bucht für sich alleine. Nur ein paar Fischerboote am Ufer leisten ihr Gesellschaft. Man glaubt es kaum, aber dies ist ein völlig intaktes, gebrauchsfähiges Fischerboot. Angetrieben wird es mit einem primitiven Segel, das mit Hilfe eines kurzen Mastes, einer langen Bambus-Stange und diversen Leinen gesetzt wird. Der äusserst konstante Wind hilft den Fischern bei ihrer täglichen Arbeit: am Morgen weht er aufs Meer hinaus, um die Mittagszeit schläft er ein, dreht seine Richtung und baut sich am Nachmittag in Richtung Land wieder auf. Jeden Tag.An der Südwestspitze von Nosy Mitsio erhaschen wir auf der Weiterfahrt ein kleines Naturphänomen: Basaltsäulen. Diese entstehen durch das Abkühlen und Zusammenziehen von heißer Lavaschmelze unter ganz bestimmten Voraussetzungen. Sind diese Bedingungen ganz optimal, können sich mehrere Meter lange «Orgel-Pfeifen», wie die Säulen auch oft genannt werden, formieren.Die Orgel-Pfeifen etwas näher. Bei der Gestaltung der Säulen wählt die Natur den energetisch günstigsten Weg. Um den Raum optimal zu nutzen und die Spannung gleichmäßig zu verteilen, entstehen meist fünf- oder sechseckige Muster Je langsamer und gleichmäßiger die Lava abkühlt, desto perfekter und länger werden die Säulen.Die nächste Insel auf unserer Fahrt: Tsara Bajina. Wir sind nun endgültig wieder im Gebiet der weissen Sandstrände und des türkisfarbenen Wassers angelangt. Leider ist der Ankerplatz gegen Osten offen, und wird nach dem regelmässigen Winddreher sehr rollig. Wir bleiben nur eine Nacht.Tsara Bajina: ein wunderschön farbiger Sonnenuntergang entschädigt uns für das Rollen, das uns in der Nacht erwartet. Der Rauch vom Abbrennen der Zuckerrohrfelder auf der entfernten Hauptinsel ist für die Farbenpracht verantwortlich.Am nächsten Tag sind wir bei Sonnenaufgang bereits unterwegs. Unser Ziel: Nosy Be, die Ferieninsel. Da der Wind gegen Mittag abstellen soll, wir die ganzen 30 Seemeilen aber segeln wollen, ist ein frühe Start angesagt.Hell-Ville, die Hauptstadt auf Nosy Be, ist eine Hafenstadt. Hier müssen wir uns intern wieder anmelden. Der Gang zu den Behörden ist reine Formsache und es geht hauptsächlich um das Bezahlen von Gebühren. Im ersten Moment sind wir etwas geschockt über den schlechten Zustand der Infrastruktur und der Gebäude. Offensichtlich war das früher einmal anders. Heute wirkt alles etwas runtergekommen aus.Das Leben findet auf der Strasse statt. Hier wird gekocht, Geschirr gewaschen, und der täglichen Arbeit nachgegangen.Einem alten Renault R4 wird neues Leben eingehaucht. Ob es wohl gelingt?Unsere Bordvorräte an frischen Früchten und Gemüse konnten seit unserem Aufbruch von Nosy Sainte-Marie nicht mehr gross ergänzt werden. Einmal konnten wir unterwegs ein altes Seil gegen ein paar Bananen umtauschen, aber die sind mittlerweile auch schon wieder weggefuttert. Höchste Zeit für Nachschub. Den finden wir am sehr guten und reichlich bestückten Markt in Hell-Ville.Üblich auf solchen Märkten: dinge wie Reis, Hirse, Getreide oder Bohnen werden offen verkauft.Getrockneter Fisch – nicht unbedingt unser Ding 😉Dass sich in dieser Gegend der Wind nach der Tageszeit richtet, wurde bereits erwähnt. Wir beobachten, dass immer zur selben Zeit, am späteren Nachmittag, schwer beladene Schiffe unter Segel von der Hauptinsel zur Nosy Be segeln. Geladen sind sie mit Sand, Kies, Backsteinen und anderen Baumaterialien. Das Löschen der Schiffe ist schwerste Handarbeit.Am Ufer dann die Baustoffhändler.Es ist nicht einfach, für unser Dinghi einen guten und sicheren Anlandeplatz zu finden. Irgendwie haben wir kein gutes Gefühl, unser Transportmittel irgendwo unbewacht stehen zu lassen. Wir haben Glück? Francois (Bild) bietet sich an, für umgerechnet 2 Franken auf unser Dinghi aufzupassen. Der Betrag scheint auf den ersten Blick für lokale Verhältnisse sehr hoch. Aber sein Job ist streng. Er muss unser Beiboot regelmässig um parkieren, um Platz für die Fähren und Taxis zu schaffen. Wir machen sicherheitshalber ein Bild von Francois, damit wir beim Empfang des Dinghis nicht einen falschen Mann bezahlen.
In den letzten 14 Tage haben wir reichlich Seemeilen zurückgelegt. Über 500 sind es geworden, und dies zum Teil unter sehr widrigen Umständen. Nun wollen wir es etwas gemütlicher angehen und in den nächsten Wochen die Ankerplätze in der Umgebung von Nosy Be erkunden. Auch wollen wir versuchen, noch mehr über Land und Leute zu erfahren. Madagaskar soll ja angeblich das Land des Pfeffers und der Vanille sein. Zudem gibt es viele exotische Tiere, die nur hier vorkommen, wie etwa das Chamäleon.
Es bleibt spannend! Folge der Lupina im Kielwasser!
2 Antworten auf „Umrundung der Nordspitze von Madagaskar“
Be we emmer mitgseglet, mit Pia mitglitte bem schaukle, ond fascht s gliche sonnige Wätter gha wie ehr!
Liebi Grüess a euch
Annelis
Be we emmer mitgseglet, mit Pia mitglitte bem schaukle, ond fascht s gliche sonnige Wätter gha wie ehr!
Liebi Grüess a euch
Annelis
Ja liebe Annelies, es ist sooo schön, wie du immer mit uns segelst und mit mir die rolligen Stunden „überlebst“ Danke für dein lange Treuee