Das Reiselogbuch des «Kepiting Batu» (auch bekannt als Robin Locher) 18.3. – 4.4.2026
Nach zehn erlebnisreichen Tagen an Land sind wir wieder auf See. Hinter uns wird die Südküste Borneos langsam blasser und verschwindet schlussendlich ganz. Gelegentlich umkreisen uns ein paar Möwen auf der Suche nach einem gemütlichen Rastplatz – ansonsten wird es ruhig auf der Lupina. Wir setzen Kurs auf eine Ansammlung kleiner, abgelegener Inselgruppen, entlang derer wir gegen Südosten segeln wollen. Strecke und gemütliches Inselhüpfen in einem, soweit der Plan.Pulau Matasiri, der erste Inselstopp, hält nicht zurück mit Postkartenromantik. Zwei Nächte ankern wir in einer malerischen Bucht in der Nähe eines Fischerdorfes. Das Wasser aber ist sehr trüb, die Sicht beträgt etwa 3m. Ohne Erwartungen wage ich eine Schnorchelei und siehe da, das Glück ist mir hold! Direkt unter der Lupina kreist gemächlich ein riesiger Schwarm Fische mit Exemplaren bis zu 80cm. Ich denke, es ist ein Schwarm junger Gelbflossen-Barracudas. Sie scheinen sich im Schatten der Lupina auszuruhen. Entlang der Ankerkette klettere ich soweit mir möglich runter und lasse mich dann zurück an die Oberfläche treiben – mitten hindurch durch den Schwarm. In der Luft über uns kreisen zwei Seeadler.Am dritten Tag verlegen wir den Anker an einen wunderschönen Flecken an der Nordspitze von Matasiri. Diesen abgeschiedenen Strand hatten wir bereits bei der Ankunft angesteuert, wurden aber von lokalen Fischern weiter in die Bucht gelotst. «Nicht gut» hatten sie signalisiert. Heute wollen wir es trotzdem versuchen. Das Ankern gelingt und wir schnorcheln ausgiebig die naheliegenden Korallenköpfe ab. Pia schwimmt unterdessen zum Strand. Dort entdeckt sie seltsame Schleifspuren, vom Wasser bis ins Unterholz, wo sie prompt einen etwa 1.5m langen Drachen erspäht: einen Waran! Strandputz: Bewaffnet mit einer Kühltasche voll Bier setzen wir etwas später zum Strand über – in grösstmöglicher Distanz zum Drachen (der sich nicht mehr blicken lässt), versteht sich. Gelegentlich und an wirklich abgelegenen Orten machen Pia und Köbi ein Feuer am Strand und widmen sich dem grossen Elefanten im Raum, der auf Ferienfotos nie aufzutauchen scheint: dem schier endlos anwachsenden Berg aus Plastikmüll, der sich unaufhörlich über den ganzen Erdball verteilt. Auf einem Teilstück des Strandes sammeln wir das Schwemmgut ein und übergeben es unserem möglichst heissen Lagerfeuer. Es ist eine Art privates Ritual der Beiden und unweigerlich beginnen wir zu diskutieren. Was soll man tun? Welches ist besser, wilde Verbrennung oder Mikroplastik? Wo sind die grossen Hebel, Produktion oder Entsorgung? Bei wem liegt die Verantwortung?Laut Wetterbericht sollte der Wind stimmen. Damit wir zu geeigneter Zeit an der nächsten Station ankommen, wird es erneut eine Nachtfahrt. Nach kurzer, guter Fahrt fällt der Wind aber arg zusammen. Gemeldet waren bis 13 Knoten Windstärke, bei uns kommt aber gerade mal ein laues Lüftchen mit 4 Knoten an. Mit knapp gefüllten und schlagenden Segeln schaukeln wir in die Nacht hinein. Aber es wird nicht besser. Zu allen Seiten reihen sich Gewitterzellen am Horizont und der Wind beginnt beliebig die Richtung zu wechseln. Der Regen hat uns eingeholt und die Windanzeige (der Verklickerer) dreht sich nun im Kreis, wie die Zeiger einer Uhr im Zeitraffer. Die Strömung treibt uns vom Kurs ab und wir haben zu wenig Fahrt um Gegensteuer zu geben: Die Lupina kommt ins Trudeln. Nach Mitternacht muss für ein paar Stunden der Motor ran.Pulau Masalima erreichen wir gegen Mittag. Die flache Insel ist rundherum von flachgründigen Riffen umgeben und die Seekarte ist uns keine Hilfe. Köbi konsultiert die Satellitenbilder und findet einen traumhaften Ankerplatz auf einer knappen Sandbank. Jetzt erst mal ein Ankerbier mit gebratenen Reisplätzli à la Chabischopf.Das Schnorcheln vor Masalima ist der helle Wahnsinn! Nach aussen hin steil abfallende, blendend weisse Sandbänke vor ausgedehnten Riffen. Wir sehen duzende bunter Fischarten, graue Rochen, Rochen gepunktet wie ein Gepard in schwarz-weiss, eine stattliche Moräne, Steinfische (sehr giftige Stacheln – Lebensgefahr!), einen farbwechselnden Tintenfisch und zum Abschluss noch eine Geigenroche (wie ein Haifisch, der den Kopf in den Sand steckt). Selbstverständlich haben wir heute keine GoPro dabei, also bekommt ihr hier eine spätere Aufnahme von diesen seltsamen farbigen «Meeressocken» serviert. Auch nicht übel, schliesslich sind wir hier nicht bei Netznatur!Bis hier hin lief alles einigermassen nach Plan. Damit ist nun Schluss. Nach Masalima steuern wir Pulau Tobotobo an. Unterwegs kommen aber Zweifel auf und wir lassen die Insel links liegen: zu schwierig scheint der Ankergrund, zu gering die Windabdeckung durch die Insel (Stichwort Seegang). Wir stellen uns auf eine weitere Nachtfahrt ein und gegen zehn Uhr morgens des Folgetages erreichen wir Pulau Jailamu, eine Mini-Insel am Nordende der Sabalana Inseln. Köbi führt das Logbuch nach, Pia lädt den aktuellen Wetterbericht runter und sucht nach geeigneten Ankerplätzen für die kommenden Tage. Rollende Planung. Die Insel Jailamu erhebt sich steil aus der Javasee. Eine starke Meeresströmung umfliesst das Eiland und formt auf der abgewandten Seite eine lange Sandbank. Hinter dieser suchen wir Schutz vor dem Schwell. Erst einmal sieht alles rosig aus. Etwa 4.5 Meter über feinstem Sandboden lassen wir den Anker fallen. Dieser schlägt mit einer Staubwolke auf Grund auf, so klar ist das Wasser! Aber zu früh gefreut. Gegen Abend steigt das Wasser mit der Flut und schwappt über unsere schützende Sandbank. Rechts im Bild sieht man die mittlerweile überspülte Sandbank. Die Strömung wird immer stärker und Gewitter mit Sturmböen ziehen auf. Die Ankerwache (ein Programm, das die Bewegung des Schiffes am Anker aufzeichnet) erzeugt Pirouetten um den Anker und gibt Alarm. Wir driften samt Anker. Fluchtartig verlassen wir Jailamu und setzen die Segel für eine dritte Nachtfahrt in Folge. Neues Ziel: Südsulawesi. Langsam gehen die frischen Nahrungsmittel aus, höchste Zeit für die Angelrute. Tatsächlich beisst bald ein richtiger Brocken an – ein stattlicher Barracuda. Aufgrund des Risikos einer Ciguatera-Vergiftung durch Algentoxine, die sich in diesen Fischen am Ende der Nahrungskette anreichern, wird vom Verzehr grösserer, tropischer Barracudas abgeraten. Leider hat sich unser Fisch im Überlebenskampf aber den Kiefer derart verletzt, dass wir ihn dennoch mit Schnaps betäuben, töten und bei der Gelegenheit auch filetieren. Wir lesen, dass in Bali der Barracuda eine Delikatesse ist, sofern der Fisch nicht zu gross ist. Unser Fang ist sehr gross. Nach einigem Abwägen entscheiden wir uns gegen den Verzehr – eine allfällige Vergiftung weit abgeschieden auf hoher See käme höchst ungelegen.Zwischen zwei bewaldeten Inseln vor der Westküste von Pulau Jampea (Selayar Inselgruppe) finden wir einen traumhaften Ankerplatz. Nach unserer Ankunft stoppt der Wind für mehrere Tage und das Meer wird spiegelglatt.Allabendlich beschert uns die Sonne einen Untergang, bei dem kein Auge trocken bleibt. Wir rehydrieren mit dem obligaten «Sundowner» und Salznüsschen. Zeit um die Seele baumeln zu lassen. Im Indonesischen Heidiland: Die hügeligen Inseln sind unwegsam und stark bewaldet. Hie und da nestelt sich ein Fischerdörfchen in eine Bucht. Im Uferbereich wechseln sich Mangroven mit felsigen Abschnitten ab, manchmal ist das Wasser trüb, manchmal klar. Auf unserer Entdeckungsfahrt mit dem Dingi halte ich heimlich nach Krokodilen Ausschau … würden diese bis zur Lupina hinausschwimmen und mir beim Schnorcheln zuschauen? Bei den Anlegestellen zwischen den Mangroven sehen wir mehrmals Bambuszäune und im Unterholz finden wir sauber abgegraste Stellen: Waldweiden mit Bambuskoppeln zum Verladen von Kleinvieh – Weidwechsel per Boot! Später erspähen wir tatsächlich eine kleine Ziegenherde, samt Glöcklein. Das beruhigt mich: wohl keine Krokodile hier!Bei glatter See verlegen wir den Anker weiter hinaus auf eine vorgelagerte Sandbank in etwa sechs Metern Tiefe. Sozusagen auf offener See schnorcheln wir tagsüber ausgiebig die umliegenden Riffe ab. Abends geniessen wir das Lichtschauspiel am Horizont. Dabei funkeln erst einmal die Augen, dann die Sterne.In den schönen Unterwasserlandschaften rund um die Lupina treffen wir auf Seegurken, Riffhaie, Papillionfische und viele bunte Korallen. Wir erspähen einen riesigen Steinfisch von einem guten halben Meter Länge und hinter dem nächsten massiven Korallenkopf schwimmen wir beinahe in eine riesige Meeresschildkröte! Minutenlang beobachten wir sie aus nächster Nähe beim Arbeiten, bevor sie uns entdeckt und unverzüglich davonzischt. Leider, wie oft in solchen Momenten, ist die Kamera nicht dabei. Der geneigte Leser wird sich auch hier mit einer Roche zufriedengeben.Das Brettspiel «Brändidog» gehört auf der Lupina seit Jahren fix zum Abendprogramm. Käpt’n Köbi und Herausforderer Kepiting Batu in verbissener Zuversicht. Aber gute Karten sind noch nicht alles!Schön war’s in Sulawesi! Ein neuerlicher Abschied, morgen geht’s weiter.Wieder unterwegs, diesmal von Sulawesi nach Flores. Im Gegensatz zur flachgründigen Javasee fällt die Floressee an den tiefsten Stellen bis zu 5’000 Meter ab. Hier könnte man «z Horu» (Matterhorn) komplett versenken und in der Hörnlihütte müssten die Lampen auch tagsüber brennen!Die «Mattini» (Zermatter) im Publikum haben jetzt bestimmt grösste Mühe, sich etwas derartig blasphemisches bildlich vorzustellen. Voila, in etwa so würde das aussehen. Einfach immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel, wa’?!Pünktlich zum Sonnenaufgang erreichen wir die Insel Flores. Köbi dreht bei und erst einmal gibt’s eine Tasse Kaffee. Wir haben es geschafft! Gemächlich tuckern wir die letzten Meilen entlang der Küste Richtung Labuan Bajo.Labuan Bajo ist ein umtriebiges Städtchen an der Westküste von Flores. Der Tourismus hat Einzug gehalten. Im Hafenquartier reihen sich die Tauchschulen an Reisebüros, welche vorrangig Exkursionen ins famose Naturschutzgebiet Komodo organisieren. Entlang der Küstenpromenade bringen Fischer ihren Fang zu den Marktständen, welche zugleich auch immer Imbissbuden sind. Markt hinten, vorne zum Meer hin Tische und Bänke.Ahoi Kammeraden …Kepiting, der alte Pirat, hat Lupina’s Schiffsbauch regelrecht leergefuttert! Jetzt heisst es: Neues Futter bunkern! Dazu gibt es keinen besseren Ort als den lokalen Frischwarenmarkt.«Das sollte doch reichen!» meint dieser Händler.Wir verbringen unsere letzten gemeinsamen Tage vor Anker bei einem kleinen Resort, nördlich von Labuan Bajo.
In wenigen Tagen muss ich mir wieder Landbeine zulegen! Kepiting Batu verabschiedet sich vom Lupina-Blog und übergibt an die neuen Gäste aus der Schweiz. Ihr dürft euch also auf baldige Abenteuer aus Flores und Komodo freuen: Traumhafte Inseln, hinreissende Tauchplätze und urzeitliche Drachen mit der SY Lupina!
Überblick über die Strecke, die wir während den letzten drei Berichten zurückgelegt haben.Liebe Pia, lieber Köbi. Tausend Dank für die unvergesslichen gemeinsamen Erlebnisse, die ihr mir geschenkt habt. Möget ihr noch unzählige Meilen mit der Lupina segeln, die Nase im Wind, den Versprechen neuer Kontinente entgegen. Hin zu weiteren Begegnungen mit unbekannten Gewässern und sicheren Ankerplätzen, die unser Leben bereichern. Merci!!
Das Reiselogbuch des «Kepiting Batu» (auch bekannt unter Robin Locher) 7.3. – 17.3.2026
Die Insel Borneo hat es in sich. In zehn kurzen Tagen haben wir eine üppige Vielzahl unterschiedlichster Eindrücke eingesammelt. Ich hoffe nun, der Leser möge sich für unsere Erlebnisse in Kalimantan (indonesischer Teil von Borneo) ebenso begeistern wie wir, auch wenn dieser Bericht etwas länger ausgefallen ist.
Die Miniinsel Ayam, unser letzter Stopp in Küstennähe von Belitung. Hier beginnt die zweite Etappe meiner Reise auf der Segelyacht Lupina. Zwei Tage und zwei Nächte soll die nächste Fahrt dauern – meine erste Doppelnachtfahrt. Im Dämmerlicht verwandelt sich unsere liebliche Insel mit ihren hohen Kokospalmen in ein «Krokodil auf Stelzen», das uns den Weg in die Javasee weist, Richtung Borneo. Welch ein sinniger Abschied!Die Javasee zeigt sich erst einmal von ihrer unruhigen Seite. Lange Zeit bläst der Wind mit über 20 Knoten, am Wind Kurs 60° aufs Schiff. Wir hissen das die Fock, das Segel für starke Winde. Bei Manövern auf Deck sichert sich Köbi mit Schwimmweste und Leine.Am Tag darauf erreichen wir die Südküste Borneos. Die Windabdeckung durch die Landmasse im Norden schenkt uns eine total ruhige See. Beinahe ohne Wind sind nur noch kleine Kringel auf der Wasseroberfläche zu sehen. Ein Gefühl des Schwebens stellt sich ein, bei glattem Meer. Doldrums, Doldrums, Doldrums. Streckenweise gleiten wir unter Motor durch das diesige Licht, welches die Horizontlinie rund um uns verschwimmen lässt.Unser erstes Ziel in Kalimantan ist die Stadt Kumai, von wo aus wir eine drei tägige Bootsexkursion in den Tanjung Puting Nationalpark unternehmen wollen. Von der Meeresmündung fahren wir etwa 15 Meilen den breiten Kumai-Fluss hinauf, vorbei an malerischen Frachtern, bis vor die Stadt. Majid, unser Tourorganisator und Urheber dieses Bildes, offeriert uns ein Nachtessen in seinem Hotel. Wir nehmen gerne an, es mundet vorzüglich. Zum selber Googeln: Hotel Majid, Kumai.Das Ankern im Fluss hat seine Tücken: Bei Flut ändert sich die Fliessrichtung und das Meerwasser drückt hoch in den Flusslauf und kurz nach unserer Ankunft rupft ein Gewitter mit 30 Knoten Wind an der Lupina. Nach einer ersten Nacht sind wir zuversichtlich, dass der Anker hält. Atman, hier im Bild, wird während unserer Abwesenheit auf der Lupina Wache halten, sollte doch etwas schiefgehen. Merci Adi, für den sagenhaften Tropenexkursionshut! 😉Los geht der Spass! Eine Handvoll Flussboote verlässt heute mit uns den Kumai-Fluss und biegt in einen Zubringer, der uns zu den drei Orang-Utan-Futterstellen im Nationalpark bringen soll. Nördlich des Zubringers breiten sich weite Palmölplantagen aus, weiter oben am Fluss werden Goldminen betrieben und auf der Südseite erstreckt sich der Tanjung Puting Nationalpark bis hinunter ans Kapp. In unseren drei Tagen und zwei Nächten auf dem Fluss bekommen wir nur den nördlichsten Rand des Schutzgebietes zu Gesicht.Ein paar erlesene Fakten zum Naturpark.Die Flussboote (Klotoks) sehen je nach Tourenanbieter ein bisschen anders aus, der Service scheint aber bei allen derselbe zu sein. Unser Tourguide und Übersetzer Arya bemerkt, dass zu Spitzentagen bis zu 50 Boote auf die Stecke gehen. In der Nebensaison ist es wunderbar ruhig. Ab und zu winken wir einem vorbeiziehenden Boot. Unser Kapitän zeigt keine Eile.Majid hat uns mit themengerechten T-Shirts ausgerüstet. Sie zeigen eine 500-Rupia-Note mit Orang-Utan-Emblem. Heutzutage ist die Note nicht mehr im Gebrauch – aufgrund der Entwertung ausgestorben, sozusagen. Wir freuen uns tierisch auf die Menschenaffen (Fachausdruck: Hominide)!Und da sind sie, die Waldmenschen (Indonesisch: orang = Mann, hutan = Wald)! Sie kennen die Fütterungszeiten und erwarten uns. Zügig aber elegant wandern sie über unseren Köpfen von Ast zu Ast, von Baum zu Baum. Die Orang-Utans springen nicht, wie ihre kleineren Verwandten, sie schaukeln sich an einem Ast oder Baum solange hin und her, bis sie den Nächsten zu greifen bekommen.Ein Weibchen mit Nachwuchs: Die Verbindung Mutter-Kind ist äusserst ausgeprägt. Das Junge bleibt die ersten beiden Lebensjahre stets bei seiner Mutter und lässt sich überallhin tragen. Für bis zu sieben Jahre wird es von der Mutter in den Lebenstechniken unterwiesen, sei es bei der Futterbeschaffung, der medizinalen Wirkung von Pflanzenteilen, bis hin zum Nestbau für die Nacht.Das Alpha-Männchen, territorial, lebt meist solitär und kümmert sich nicht um die Kindererziehung. Die bezeichnenden Gesichtswülste und Halslappen entwickeln sich erst beim Erwachsenwerden, etwa ums 18. Lebensjahr. Mächtige Beisser haben sie auch! Disclaimer: Jegliche Ähnlichkeit mit (euch) bekannten Personen, haben sich diese selbst zuzuschreiben.Pondok Tanggui ist eine von mehreren Futterstationen. Warum werden die Orang-Utans überhaupt gefüttert, und warum mit Bananen, Maiskolben oder anderen Kulturpflanzen? An diesen Stellen wurden zur Arterhaltung Orang-Utans aus Zoobeständen ausgewildert. Um ihnen den Einstieg in die Wildnis zu erleichtern und ihre Entwicklung zu beobachten, wurden sie anfänglich gefüttert. Die Population hat sich gut entwickelt und die Fütterungen wären nicht mehr nötig. Unser Tourführer Arya ergänzt, dass die tägliche Fütterung um 15 Uhr vor allem aus touristischen Gründen weitergeführt wird. Nicht von ungefähr ist der Tanjung Puting Nationalpark Kalimantans berühmteste Touristendestination (laut Lonely Planet).Ein Alpha-Männchen besetzt das Buffet. Arya erklärt weiter, dass die spezifische Weise, wie die ausgewilderten Orang-Utans eine Banane zu vertilgen pflegen, in den Rehabilitierungszentren erlernt wurde. Seither lernen es die Jüngeren von der vorangehenden Generation.Vorhang auf im Camp Leakey! Das Ganze hat etwas von einer Impro-Theater-Aufführung. Weder Schauspieler noch Zuschauer wissen, was noch alles passiert. Zu den Stars der Manege gesellt sich hier ein kleinerer, flinker Gibbon-Affe (er sitzt oben im Baum, leider schwerlich zu erkennen) und mischt die Szenerie auf!Zurück auf dem Klotok geht’s weiter zum nächsten Posten. Unser Kapitän Yon ist der Stimmungsgarant auf dem Boot. Good vibes, Yon!Das Küchenteam Rossi und Ruby: Sie zaubern uns 3x täglich ein Kunstwerk. Schnippeln direkt über dem Motor, wo es laut und heiss ist. Kein Zuckerschlecken!Selbstverständlich geht es bei der Flussfahrt nicht nur um die Orang-Utans. Rudi hält Ausschau nach Krokodilen, Nasenaffen, Makaken, Kingfisher, Uhus, Wasserschlangen, Anlegestellen und Gewitterwolken.Während unser Klotok weiter den Sekonyer-Fluss hinauftuckert, wird unter Deck gewerkelt und gekocht. Rudi und Arya machen das Boot mit zwei Leinen an einem Büschel Pandanus-Sträucher fest und wir werden zum Znacht mit Kerzenlicht gerufen. Auf einer Nachtexkursion finden wir Fledermäuse, Insekten, Riesenameisen, Glühwürmchen und Baumpilze, deren Sporen wie dicke Rauchschwaden aus dem Dickicht aufsteigen. Hier ein Kingfisher, erstarrt zur Salzsäule im Blendelicht unserer Taschenlampen.Am Morgen darauf ist Köbi wieder früh auf. Die Sonne ist noch mild, die Fauna auf allen Seiten aktiv und das Licht stimmt für das erste von tausend täglichen Fotos…Unser Dschungeltour neigt sich dem Ende zu – leider viel zu schnell. Pia mit Rossi und Ruby auf dem unteren Deck. Die anfängliche Zurückhaltung ist einer Herzlichkeit gewichen. Am letzten Morgen hockt sich die Crew zu uns aufs Touristendeck und wir führen radebrechend Gespräche über die Arbeit, den Ramadan, das Leben in Kumai und den Schnee in der Schweiz, halt so gut wie’s geht. Endlich kann ich wieder jemandem mit meinen ach so spannenden Fotos meiner Trockenmauerprojekte zu Leibe rücken. Ich bin in Hochstimmung!Von links nach rechts: Pia, Chef Ruby, Kapitän Yon, Assistenz Rudi, Köbi und Robin, Guide Arya. Vielen Dank für alles! Bei Interesse: Majid Hotel in KumaiZurück in Kumai: am späteren Nachmittag ist mächtig was los, die Leute erledigen ihre Besorgungen und die Warungs (kleine Restaurants) bereiten die Abendmahlzeiten vor. Es ist noch immer Ramadan, zwischen 4 Uhr morgens und 18 Uhr wird nicht gegessen!Eine Momentaufnahme: der kleine Frachter wird beladen und ein heimgekehrter Fischer reinigt seine Utensilien.Wir wollen uns für die nächste Doppelnachtfahrt mit dem Nötigsten eindecken. In der Nähe des Fährhafens finden wir den Lebensmittelmarkt. Eine Familie hat ihren eigenen, mobilen Stand vor der Markthalle aufgestellt.In der Fischabteilung der Markthalle wird der heutige Fang ausgenommen und feilgeboten.Pia und Köbi in der Fruchtabteilung. Zahlenbeträge werden mittels Taschenrechneranzeige kommuniziert. Ich freue mich aufs obligate Müesli morgen früh.Handtasche von Gutschi oder Luis Wuiton? Indonesien mit seinen gut 285 Mio. Einwohnern (viert grösstes Land der Welt) verfügt über einen riesigen Binnenmarkt. Uns fällt auf, dass wir – ausser dem allgegenwärtigen Coca-Cola – selten ausländische Produkte sehen, vieles scheint in Eigenmarke produziert zu werden. Apropos: Hat jemand schon mal Zigaretten mit Colageschmack probiert? Gibt’s hier.Am darauffolgenden Tag sind wir wieder unterwegs, den Kumai Fluss runter bei Ebbe, dann südwärts entlang der Küste des Nationalparkes. Eine starke Gewitterbildung über der Landmasse beschert uns einen Wind aus dem Südwesten, wir müssen aufkreuzen. Pia und Köbi beim Znacht vor dem Eindunkeln. Die Schichten für die Nachtwache sind eingeteilt und wir sind bereit für die erste von zwei Nächten unter Segeln.
Im Fischnetz gefangen
Mittlerweilen ist es dunkel geworden und plötzlich ist der südliche Horizont vor uns erleuchtet von den Bootslampen der lokalen Fischer. Das Meer ist hier viel flacher als auf der Seekarte vermerkt. Seit einer Weile messen wir nur noch 4.5 bis 5m Wassertiefe und unser Kiel braucht gut zwei Meter. Der Boden ist zwar topfeben und sandig, aber wir sind beunruhigt und behalten die Tiefenanzeige konstant im Auge.
Gegen 19:30 Uhr passiert’s! Ein schabendes Geräusch am Unterwasserschiff lässt uns aufschrecken. Wir verlieren an Fahrt und es ist sofort klar, dass wir etwas eingefangen haben. Schnellstmöglich nehmen wir die Segel runter!
Mit unseren Lampen zünden wir ins mondlose Dunkel und entdecken eine nicht endende Reihe weisser Styropor-Schwimmer mit welchen die Netze der Fischer in der Schwebe gehalten werden. Offensichtlich hat sich das Netz im Ruder oder gar an der Schiffsschraube verhakt. Was kann passieren? Im schlimmsten Fall und bei hohem Seegang kann ein Netz das Ruder abreissen (beschädigen) oder das Heck des Schiffes wird vom Netz soweit hinuntergezogen, dass die Wellen aufs Boot und in den Schiffsbauch laufen können. Ich bemerke, dass ich plötzlich an die Erzählungen über Hunde denken muss, die angeblich bei Stress unverzüglich in einen tiefen Schlaf fallen, also in den «Freeze-Modus» wechseln… wie gern würde ich jetzt unter Deck in meiner Koje liegen und mich weit wegträumen! In geändertem Aggregatszustand hin zu Orten, wo mich keine unbekannten Netze in die dunklen Tiefen einer unruhigen See ziehen!
Zum guten Glück sind Wind und Wetter nicht allzu garstig. Als erstes: Schwimmwesten an! Wir versuchen das Netz mit dem Bootshaken zu greifen. Die tragenden Seile am Netz sind straff gespannt und die Strömung treibt uns weiterhin ins Netz. Einfach Motor an und rückwärts raus ist keine Option. Wir wissen nicht, ob die Schiffsschraube frei ist. Wir werfen den Anker. Die Dunkelheit, die Strömung, die fehlende Fahrt und der Zug des Netzes: Ich habe Mühe mich zu orientieren. Drehen wir uns? Verheddern wir uns weiter? Löst uns eine glückliche Welle oder Strömung aus dem Netz? Leider nicht.
Mit den Lampen versuchen wir uns bei den Schiffen in der Umgebung bemerkbar zu machen. Diese sind nur schwach beleuchtet und bei Nacht ist es schwierig, ihre Entfernung einzuschätzen. Ein Fischerboot antwortet und nimmt Kurs auf uns. Wir entscheiden zuzuwarten, bevor wir uns am Netz zu schaffen machen, schreiben eilig ein paar nützliche Wörter aus dem Indonesisch-Diktionäre heraus, um uns bestmöglich verständigen zu können (musste reichen: tolong = Hilfe, tali = Seil, di bawah = unten, lagi = noch immer und sauh = Anker). Langsam holt das Fischerboot sein Netz ein. Als wir in Rufdistanz sind, signalisieren sie uns, das Netz durchzuschneiden. Darauf haben wir gewartet! Köbi hat bereits alles vorbereitet – bei dem Wellengang ist es trotzdem eine Herausforderung. Das Netz und die Seile rupfen und ziehen, sind schwer zu bändigen. Schliesslich gelingt es uns, dass Netz zu kappen, aber immer noch hängt es ums Ruder fest.
Unterdessen ist ein junger Fischer über die Verbindungsleine zu uns herübergeklettert und hilft dabei, die verhedderten Resten loszuwerden. Am Heck hängend versucht er das Netz am Ruder entlang mit seinen Füssen runter zu strampeln. Das hilft, bald sind wir frei und wir können die verbleibenden Resten losschneiden. Köbi taucht zur Sichtkontrolle mit Schnorchel und Brille unters Schiff und ich zünde von oben her, damit er was sieht.Ruder und Schraube sind endlich wieder frei und nach drei Stunden etwa um 22:30 Uhr haben wir die Segel wieder gehisst. Was für ein Glück, was für eine Erleichterung – aber nee, aus diesem Seemannsgarn knüpf’ ich mir bestimmt keinen Traumfänger!Der folgende Tag sowie die zweite Nachfahrt ziehen – zu unserer Erleichterung – ereignislos an uns vorüber. Wir nähern uns der Mündung des Barito-Flusses und werden Zeugen eines Naturspektakels: kilometerweit strömen das dunkle Meerwasser und das braune Flusswasser einander entlang, ohne sich zu verwirbeln.Ein Spektakel der etwas anderen Art erwartet uns wenig später, näher an der Mündung des Barito Rivers. Der Plotter am Pilotentisch zeigt eine wollknäuelartige Anhäufung grosser Frachter, Schlepper und Barges (nicht-motorisierter Lastkahn). Ein logistischer Knotenpunkt, der selbst den Gewässern vor Singapur Konkurrenz macht! Eine Skyline der Kohlefrachter, wie wir später herausfinden. Hier müssen wir durchzirkeln. Banjarmasin, die Stadt am Barito, liegt wieder einige Meilen flussaufwärts. Wir biegen in die Mündung und reihen uns ein zwischen den Schleppern mit ihren leeren Bargen, die weiter oben am Fluss ihre neue Fracht abholen.Wie überall bisher auf unserer Reise, werden wir von vielen freundlich winkenden Bootfahrern willkommen geheissenWir ankern auf Höhe des Hafens, wo die Kontainerfrachten gelöscht werden. Ein in der Flussmitte liegendes, halbversunkenes Schiffwrack dient uns als Schutz vor den grösseren, vorbeiziehenden Brummern.Frühmorgens um viertel vor vier holt uns Tailah – unser Tourguide für den Tag – per Holzboot direkt bei der Lupina ab. Der alte Kahn hat schon unzählige Anstriche bekommen und wieder verloren. Er ist bunt wie die Schwanzfedern eines Hahnes und sein Motor knattert wie eine Royal Enfield auf Steroiden. Einzig Pia, als echter Reiseroutinier, denkt frühmorgens daran, die Ohrenstöpsel einzupacken. Nach indonesischer Manier geht’s ohne grosses Halli-Hallo gleich los, gut zwei Stunden durch die Kanäle des nächtliche Banjarmasin, hinaus ins Hinterland. Wir besuchen einen schwimmenden Markt.Der schwimmende Markt von Pasar Terapung Lok Baintan: Täglich verkaufen Kleinbäuerinnen ihre Produkte direkt ab Kanu an Händler und Marktfahrer aus der Stadt. Die meisten Deals laufen noch vor Sonnenaufgang. Bei unserem Eintreffen ist die Stimmung unter den Verkäuferinnen entspannt.Tanggui, der grosse Blätterhut mit Überzug, ist Sonnen- und Regenschutz in einem. Wir decken uns ein mit Eiern, Gemüse und Früchten für die kommenden Tage auf See.Pia und ich kriegen je eine für Touristen obligate, persönliche Kanurundfahrt bei zwei der Marktfahrerinnen. «Jalan-jalan!» (spazieren gehen) und rein ins Gewimmel. Der spitze Bug des Kanus fädelt sich ein ins schaukelnde Gewebe aus Rufen in fremder Sprache, Gerüchen reifer Früchte und Feilschereien um Bananenchips. Am Ende war die kleine Spazierfahrt natürlich nicht ganz gratis.Köbi übt sich unterdessen in Kommunikation mit der lokalen Jugend.Mittlerweilen ist die Welt zum Leben erwacht. Ob die Landstrasse ebenso belebt ist wie der Fluss?Zurück in Banjarmasin biegen wir ein ins «Venedig von Kalimantan».Die meisten Häuser stehen auf Pfählen aus sogenanntem «Ironwood». Vorne grenzen sie meist an eine Strasse. Tailah meint, die reinen Baukosten für so ein Haus belaufen sich auf etwa 30 Mio. Rupiah (1’500 CHF!) – sofern ich ihn richtig verstanden habe. Die traditionelle und günstigere Variante ist das schwimmende Haus auf Bambusflossen. Die Bambusunterlage muss etwa alle 5 Jahre erneuert werden.Viele Eindrücke nach wenigen Stunden Schlaf! Die beiden scheinen glücklich und zufrieden. Otto der Fuhrmann ebenso.Zurück auf der Lupina reinigen wir unsere neuen Vorräte von Ameisen und sonstigem Gefläuche. Ich freue mich auf Kürbissuppe und das morgendliche Müesli mit Papaya und Banane! Der Blätterhut «Topi purun» wird zu meinem täglichen Begleiter. Entschuldige Adi.Zum Abschluss bekommen unsere Tourguides noch eine Tour durch die Lupina. Otto kommt ins Schwärmen für die weichen Sofapolster. Von links: Fuhrmann Otto, Guide Tailah und Kollege Yusuf. Merci für den Einblick, das war spannend!Mit der Gezeitenänderung ändert sich die Flussrichtung des Barito wieder zu unseren Gunsten. Unsere Zeit in Kalimantan kommt zu einem Ende und wir starten flussabwärts, vorbei an schwer beladenen Kohleschleppern. Der grösste Teil der indonesischen Kohle wird auf Borneo gescheffelt. Von den Minen im Landesinnern wird sie per Lastwagen zum Flussterminal gefahren, auf die Bargen umgeladen und zum Meer transportiert.
Wer sich zum Thema Kohleabbau im Einzugsgebiet des Barito schlau machen möchte: Public Eye, 2023, «Die schmutzigen Methoden einer Zuger Rohstoffgruppe auf Borneo».
Draussen vor der Flussmündung wird die Kohle auf die Frachter umgeladen. Dies geschieht mittels speziellen schwimmenden Kran-Plattformen (Bild) oder mit Kränen, die direkt auf den Frachtern montiert sind. Richtig grosse Bulldozer stossen das lose Frachtgut auf den Bargen immer wieder flott zusammen, damit ordentlich geräumt werden kann. Von hier aus geht die Kohle auf Weltreise, vor allem nach China, Indien und Thailand.
Wer sich für die Verbindungen der Schweiz mit Indonesien interessiert, findet einen guten Einstieg auf der Seite des CDE der Universität Bern. Stichwort: Handelsabkommen EFTA-Indonesien.
Grüsse an alle die es bis hierhin geschafft haben! Kepiting Batu schliesst sein Logbuch für heute. Die nächste Etappe führt uns weiter ‘gen Südosten: zu abgelegenen Inseln, bunten Unterwasserwelten, über die Javasee nach Südsulawesi und über die Flores-See bis nach Labuan Bajo auf der Insel Flores.
Das Reiselogbuch des «Kepiting Batu» / 18.2. – 6.3.2026
Ich war noch nie auf einem Segelboot. Als mich die positive Antwort von Pia & Köbi erreicht, freue ich mich riesig. Ich hatte über die letzten 8 Jahre ihrer Segelreise immer mal wieder etwas über die Beiden und ihre Reiseroute vernommen. Nun planen sie von Singapur zurück nach Labuan Bajo zu segeln und laden mich dazu ein – für einen Bergler eine Traumvorstellung! Ich soll in Batam, Indonesien an Bord.
Rasch versuche ich mein Büro auf den Stand zu bringen, verschiebe die betroffenen Aufträge und bin weg, hoch in den Lüften Richtung Osten. Winter und Schnee lasse ich hinter mir, tausche die Wollmütze gegen einen tropischen Exkursionshut.
Pia & Köbi bereiten meine Ankunft vor, inklusive offizielle Anmeldung des neuen Crewmitglieds, und treffen mich am Fährhafen. Über Golfplätze und ramponierte Betonstege, entlang einer wildschönen Küste wandern wir zusammen zur Nongsa Point Marina, zur Lupina. Frisch angekommen, willkommen in Indonesien!Die Marina liegt in unmittelbarer Nähe von zwei schicken Resorts. Diese werden vornehmlich von Gästen aus Malaysia oder Singapur besucht, bieten wunderschöne Jettys (ein Steg hinaus ins Meer) inkl. Bar, Schwimmbecken, Restaurants und jeweils eine eigene Band zur musikalischen Unterhaltung. Am Horizont kann man noch die riesenhaften Frachter vor Singapur ausmachen.Der letzte Abend bevor wir in See stechen wird etwas länger als erwartet. Nach einem feinen Nachtessen im Restaurant lädt uns der Manager der Marina auf einen Schlummertrunk an die Bar: Jägermeister mit Redbull. Ganz im Sinne des kulturellen Austausches auf Augenhöhe versuche ich mich als Barmixer mit «Flämmli a la Orangenlikör». Abgerundet wird das Ganze in lokaler Manier mit einer mitternächtlichen Ochsenschwanzsuppe. Wer will es einem übel nehmen, dass der Frischling am ersten Morgen an Deck noch etwas «kopflos» im Mast rumhängt?Pia und Köbi sind wunderbare Gastgeber auf der Lupina. Sie zeigen mir die grundlegenden Abläufe auf der Lupina, weisen mich in die ersten Seglerbegriffe und Kniffe ein, sind aufgestellt und machen lecker’ Frühstück! Ich freue mich, so herzlich willkommen geheissen zu werden.Pia und Köbi äussern ihr dringliches Anliegen, dieses Bild in den Bericht zu nehmen. Jedes Gasti* auf der Lupina ist demnach sanftenst angehalten ein paar Stängel Ragusa mitzubringen – für die Nachtfahrten 😉 * dieser Abschnitt wurde entgendert nach PhettbergDas Zusammenleben auf einer Yacht und in einer Alphütte ähnelt sich doch sehr. Man lebt und funktioniert zusammen, bringt sich ein und nimmt sich zurück, gibt von sich Preis und hört zu, formuliert Regeln und versucht, gemeinsam frei zu sein.Singapur war ein gewichtiger Stopp für die SY Lupina. Feststoffhaltig war anscheinend auch die dortige Luft, denn die Tage in der Grossstadt hinterlassen eine dunkle Schicht auf allen Oberflächen, selbst auf den «Unterflächen»! Was mich betrifft: So wäscht man sich rein ins Vergnügen. Hand gegen Koje.In Tagesetappen von rund 30 Seemeilen segeln wir die nächsten Tage in Richtung Südwesten. Wir ankern an vor Wind und Wellen geschützten Stellen und schlafen mit offenen Luken. Von den umliegenden Moscheen wehen lautsprecherverstärkte Abendgesänge zu uns herüber. Gelegentlich sind es bis zu einem halben Duzend gleichzeitig. Der Ramadan hat begonnen und das Wetter ist uns hold.Die Seglersprache klingt für Laien wie Kauderwelsch mit sieben Siegeln. In diesen ersten Tagen muss ich oft die Ohren gut dicht nehmen, will ich nicht andauernd die Lernkurve reffen müssen. Jedenfalls zeigt mir Köbi hier, wie man das Genoa ausbaumt … Gemäss ehrwürdiger Seemannstradition wird nicht einfach mir nichts dir nichts der Äquator überquert: der Neuling muss getauft werden. Hier sieht man «meine» Äquatorinsel mit dem klingenden Namen Belading. Ich schreibe sie künftig mit doppeltem L.Die Äquatortaufe. Jedes Ritual kennt eine genaue Form. Bei dieser Zeremonie schlüpfen die erfahrenen Seeleute in die Rollen von Neptun und Tethis. Der Neuling – die Kaulquappe – wird von Neptun mit Reis bestreut und mit Wasser getauft. Aus einer Kaulquappe wird «die Steinkrabbe»!Tethis kleidet den Frischgetauften neu ein. Das Piratentuch leistet mir seither wunderbare Dienste, besonders als Kopfbedeckung beim Schnorcheln. Die Augenklappe erlaubt es mir bei langen Überfahrten heimlich auf einer Seite zu dösen! Fertig ist der Pirat Kepiting Batu (Kepiting = Krabbe / Batu = Stein, in indonesischer Sprache)Von der Insel Lingga machen wir eine Nachtfahrt bis Belitung. Die Distanz ist zu gross, als dass sie an einem Tag gefahren werden könnte. Pia macht die erste Schicht bis Mitternacht, Köbi die zweite bis zum Morgen. Die aufgehende Sonne taucht alles ringsum in weiches Licht.Eine Nachtfahrt ist eine spannende Sache. Als Seglerneuling staune ich über die technischen Möglichkeiten der Lupina. Die menschliche Nachtblindheit wird kompensiert. Mit Hilfe von Segelkarten und Radar schauen wir meilenweit voraus und das AIS (Automatic Identification System) versorgt uns mit Informationen, unter anderem zu Position, Fahrtgeschwindigkeit, Typ und Namen der registrierten Schiffe im Umkreis. Schwierig wird es bei den kleinen, hölzernen Fischerbooten. Oftmals sind sie schwach beleuchtet und hier hilft uns nur das Auge. Die Nacht wird immer tiefer, ab und zu ändern wir kurzzeitig den Kurs, um einer möglichen Kollision vorzubeugen. Einmal funkt uns ein Schleppschiffkapitän netterweise gar an: «Lupina Lupina!! Passing starboard to starboard!» Wir bedanken uns und wünschen eine gute Fahrt. So geht das!Belitung begrüsst uns am nordwestlichen Zipfel mit markanten Formationen verwitterter Steine, wie Fabelwesen aus einer imaginären Urzeit, welche sich in die Gegenwart retten konnten. Prominent positioniert sich dieser «Adlerstein» (Batu Garuda) am nordwestlichen Zipfel der Insel. Für mich sieht er eher nach einer «Spitznasenschildkröte» aus. Urteile selbst.Steine ragen wie (etwas abgeschliffene) Haifischzähne aus dem Meer, als sollte jeder unachtsame Segler verschlungen werden. Der zugeneigte Leser möge mir eine etwas tierische Metaphorik nicht übelnehmen, denn als frischgetaufte Steinkrabbe steht mir dies sicherlich zu. Ist es nicht so, dass diese Felsen gleich den Zahnreihen eines Meeresjägers immer plötzlich, immer unerwartet auftauchen? Und in diesen Gewässern sogar oft ohne auf einer Seekarte vermerkt zu sein!Wie jeder verwegene Seefahrer weiss, wird die Gefahr oft von einer äusserst anziehenden Ästhetik begleitet: die Strände sind weiss, das Wasser klar und die Riffe in Schnorcheldistanz! Unweit von unserem Ankerplatz, im Schutze der Steinschildkröte finden wir weitläufige Schnorchelplätze mit Korallen, Schwärmen kleiner bunter Fische, riesigen Seeigel, Anemonen mit drolligen Clownfischen in angenehm tauchbarer Tiefe. Am Dritten und letzten Tag erspähe ich sogar eine Roche, die flink unter den Korallen verschwindet.Unsere Bucht beherbergt duzende bunter Holzschiffe mit Sonnendach, welche manchmal zum nächtlichen Fischen vor der Küste und manchmal bei Schnorchelausflügen oder sogenanntem Inselhüpfen für die meist inländischen Touristen verwendet werden.Landgang: Die Bucht bietet malerische Ausblicke. Hier mit der geankerten Lupina. Aber auch wir scheinen beliebte Fotosujets zu sein. Oft werden wir zu Gruppenfotos eingeladen. Auf diese Weise lernt man spielend von Drei rückwärts zu zählen, und zwar auf Indonesisch. In Sachen Fotos scheinen die Leute hier keine Scheu zu kennen. Gut für meinen Bericht!Neben dem Anlegesteg entlang der Küste reihen sich etliche kleine Verschläge mit Restaurants und schattigen Sitzgelegenheiten. Aber sie warten auf Gäste. Zurzeit sind wir beinahe die einzigen Besucher, wahrscheinlich liegt das am Fastenmonat Ramadan. Keine Ahnung, was die beiden Frauen zubereiten. Aber sieht lecker aus.Die typischen, hölzernen Fischerboote werden in Handarbeit vor Ort gebaut. Die Holzelemente werden genagelt, manchmal kommen auch Holzdübel zur Anwendung. Zwischen die Bretter des Schiffrumpfs wird zur Dichtung ein knautschbares Kunststoffband gelegt.Für die Unterhaltsarbeiten werden die Boote trockengelegt. Hierfür wir das Boot mit jeweils zwei gebundenen Stämmen in der Waage gehalten – einer quer über das Deck und der andere parallel dazu unter dem Rumpf. Hier sehen wir eine Spielart ebendieser Methode.Muss der Rumpf neu bepinselt werden, wird vorerst mit Gasfeuer abgeflammt und mit dem Spachtel die alte Farbe abgeschabt. Dieses Boot wird neben der Fischerei auch als Touristentaxi eingesetzt, man beachte das Sonnendach.Anfänglich wollten wir von hier aus – dem Nordzipfel der Insel Belitung – mit zwei Nachtfahrten direkt nach Kalimantan übersetzen, doch das Wetter macht uns einen Strich durch die Rechnung. Wir beschliessen einen Umweg einzulegen, was uns erlaubt Belitungs West- und Südküste zu erkunden. Die Gewitterwolken auf Borneo sollen sich ohne uns ausregnen. ROT: die Route von Singapur bis zur Insel Belitung. GELB: die anfänglich geplante Route bis Kumai auf Kalimantan. GRÜN: die angepasste Route entlang der Westküste von Belitung, inklusive Ankerplätze.Nach mehreren Stationen entlang der West- und Südküste von Belitung rückt die Überfahrt nach Kalimantan immer näher. Wir nehmen Abschied von dieser schönen und wahrlich steinreichen Region. Beim Ankertrunk besprechen wir jeweils den vergangenen Segeltag, üben Manöverkritik, schmieden Pläne, studieren die Wetter- und Windvorhersagen und sammeln uns für den folgenden Tag.Für den letzten Ankerplatz vor der Überfahrt finden Pia und Köbi einen idyllischen Ankerplatz neben der klitzekleinen Insel namens Ayam. Wir verweilen einen Tag und nutzen die Zeit zum Schreiben, Vorkochen, Putzen, Berichtschreiben, die Route zu planen, etc… Ich packe die Chance beim Schopf, meine Hängematte erstmals auf einer einsamen Insel zwischen Kokospalmen baumeln zu lassen.Köbi zeigt mir, wie man eine Kokosnuss simpel und effizient schält, aufspaltet und das Fruchtfleisch löst. Der Keim, der sich bei reifen Nüssen aus dem Fruchtfleisch bilden kann, ist ein besonderer Schmaus: Fluffig in der Konsistenz, mit einem sanften Kokosaroma.Der neue, alte Bootsjunge liegt mit vollem Pansen flach auf Deck und erträumt sich fantastische Abenteuer, welche in den nächsten knapp vier Wochen noch auf ihn zukommen mögen. Wie es uns Dreien auf Kalimantan ergeht, erfährt ihr im nächsten Bericht der SY Lupina!
Unser Schiff ist nun schon fast 2 Wochen in der Werft. Die Arbeiten machen gute Fortschritte. Wir sind mit dem Yard sehr zufrieden. Alles läuft nach Plan und wie vereinbart. Weniger Freude haben wir an der Volvo Vertretung «Pamarine», die uns falsche Teile liefert und viel zu hohe Arbeitskosten verrechnen will. So müssen wir kurzerhand umdisponieren und die Werft mit dem Ersatz der Wellendichtung und der Motorfundamente beauftragen. Diese macht dann auch einen ausgezeichneten Job in weniger als der halben Zeit, wie «Pamarine» veranschlagt hatte.
Singapur, Marina Bay Sands und Bayfront by Night. Der gute Service der Werft ermöglicht es uns, viel Zeit in der Stadt zu verbringen und Singapur weiter zu erkunden.Mit den Silentblöcken (Motorfundamente, roter Kreis auf dem Bild), die extra von Volvo in Schweden bestellt werden mussten, haben wir Glück. In weniger als einer Woche erreichen sie die Werft und können von dieser umgehend eingebaut werden, noch vor den einwöchigen Betriebsferien anlässlich des chinesischen neuen Jahres am 17. Februar.Wir nutzen die Gelegenheit, um Sachen zu reparieren oder zu ersetzen, die schon länger auf unserer Projektliste stehen. So haben wir zum Beispiel in Fiji wegen Mangels an Ersatzteilen die Endkappe unseres Auspuffwassersammlers (am Boden liegend), welche total verrostet war, reparieren müssen. Wir haben dann bei unserem nächsten Urlaub in der Schweiz einen neuen Wassersammler besorgt, und führen diesen seither auf dem Schiff mit. Nun wird der Neue eingebaut.Die Reparatur der Endkappe in Fiji hat 2 Jahre gehalten. Dass es nun aber höchste Zeit wurde für den Austausch, zeigt dieses Bild: die Korrosion ist deutlich fortgeschritten.Wir lassen uns von der Werft dazu überreden, unseren Propeller mit einem speziellen Lack zu beschichten, welcher den Bewuchs von Muscheln und anderen Lebewesen verhindern soll. Wäre super, wenn es funktioniert!Seit wir unsere Lupina besitzen, hat die manuelle Bilgenpumpe nicht richtig funktioniert. Bisher haben wir diesem Problem kein grosses Augenmerk geschenkt, da sie einerseits sehr eng verbaut ist und andererseits ja noch eine automatische Pumpe vorhanden ist. Zudem ist unsere Bilge eigentlich immer trocken und die Pumpe kommt fast nie zum Einsatz. Das Problem mit der tropfenden Wellendichtung hat uns aber gezeigt, dass es schon noch gut wäre, wenn auch die Handpumpe funktionieren würde. Ich nutze also die Gelegenheit in der Werft, baue das Ding aus und zerlege es.Eine kleine Überraschung: die Austrittsklappe der Pumpe ist verkehrt herum eingebaut. Ich drehe sie um, so dass die flache Seite richtig abdichten kann. Siehe da, das Teil funktioniert jetzt einwandfrei.Eine Woche früher als geplant sind alle Arbeiten bis auf den hydraulischen Achterstag-Spanner in der Werft erledigt. Unsere Lupina wird in die Hebegurten des Liftes gehängt und für die Fahrt ins Wasser vorbereitet.Das Einwassern des Schiffes ist immer ein kitzliger Moment: ist alles dicht? Der Chauffeur des Travel-Liftes scheint sehr zuversichtlich zu sein.Lupina auf dem Weg ins Wasser. Alles dicht! Auch der darauffolgende Seatrial (Probefahrt) verläuft positiv. Lupina ist bis auf den oben erwähnten Achterstag-Spanner wieder reisefertig. Dieser braucht neue Dichtungen und ist von der Werft an eine auf hydraulische Geräte spezialisierte Firma vergeben worden. Kein Problem, wir haben ja die Marina noch für eine Woche gebucht, und das Teil kann auch eingebaut werden, wenn das Schiff am Steg schwimmt.Das Einwassern der Lupina kommt gerade rechtzeitig zu Pia’s Geburtstag.
Nach einer gründlichen Reinigung des Schiffes zügeln wir vom Hotel wieder auf die Lupina. Kurz vor dem Wochenende wird auch der revidierte hydraulische Achterstag-Spanner angeliefert. Böse Überraschung: er funktioniert nicht mehr richtig, es kann kein Druck aufgebaut werden. Das Handbuch meint für diesen Fall: Luft im System oder zu wenig Öl. Kein Problem, meint der Spezialist und nimmt ihn wieder mit. Er verspricht, ihn Anfangs der folgenden Woche wieder zu bringen. Wir sind zuversichtlich.
Nach getaner Arbeit, das Vergnügen. Erneut fahren wir in die Stadt, diesmal zu den Gärten an der Bay, «Gardens by the Bay». Das Bild zeigt den Libellen Teich mit einer der vielen Skulpturen, im Hintergrund das Marina Bay Sands GebäudeEin weiteres Wahrzeichen von Singapur: die künstlichen Bäume. Im Wald der Super Bäume (Supertree Grove) steigen wir in die Baumkronen und besuchen das Observatorium.Teil des Parks sind die beiden riesigen Gewächshäuser «Cloud Forest» und «Flower Dome». Wir entscheiden uns für den Ersten, insbesondere auch, weil hier kürzlich der Jurassic Park Einzug gehalten hat. Eine riesige, geschlossene Glaskuppel überspannt einen Berg, der von Pflanzen aus dem tropischen Regenwald bewachsen ist. Der Zugang auf den Berg und in sein Inneres erfolgt über kühn geschwungene Brücken und Rampen. Echte Wasserfälle, künstliche Wolken und sich bewegende Saurier versetzen einem in eine andere Welt.Diverse Saurier entrücken uns mitten in den Jurassic Park. Wir sind froh, ist dieser T-Rex zwar naturgetreu, aber nicht echt.Nach dem Bummel durch die Natur zieht es uns ins moderne Singapur. Die Hotel Lobby des Marina Bay Sands Hotel ist gewaltig.Die «Helix Brücke» – eine Fussgängerbrücke – hat die Form einer DNA Doppelhelix, inspiriert von der genetischen Struktur des Lebens selbst.Der Merlion – Singapurs Wahrzeichen. Die Statue mit dem Kopf eines Löwen und dem Körper eines Fisches steht an der Marina Bay und spritz Wasser aus ihrem Mund. Der Name Merlion kommt von Meerjungfrau (Mermaid) und Löwe (Lion). Der Löwe signalisiert Stärke und Mut und passt als Symbol perfekt zu Singapur, der Löwenstadt (Singha = Löwe, Pura = Stadt). Der Legende nach ist Singapur zu ihrem Namen gekommen, als ein indonesischer Prinz hier einen der seltenen Löwen gesehen haben will. Er sei von der Begegnung so beeindruckt gewesen, dass er in der Folge den Ort Singapur nannte.Chinatown: Der Bazar wird dominiert vom chinesischen neuen Jahr. Ins Auge stechen einem dabei die Farbe Rot und der Mandarinenbaum. Rot ist die Glücksfarbe schlechthin im chinesischen Kulturkreis. Der Mandarinenbaum verkörpert Wohlstand und Reichtum. Die Früchte symbolisieren mit ihrer runden Form Vollkommenheit und Einheit in der Familie. Sie stehen für Frische und einen guten Start ins neue Jahr.Chinatown: yummie!! Leckeres chinesisches Essen. Und schau dir mal die Preise an!! (1 Singapur Dollar entspricht etwa 0.6 Schweizer Franken)Singapur – eine Stadt der Gegensätze: hier eine top moderne Shopping Mall mit allen namhaften Marken ….… und direkt um die Ecke ein einfacher Schuhmacher, der mit Arbeit gut ausgelastet ist.Hochzeit im «The Fullerton Bay Hotel». Ich geb’s ja zu: die Autos haben mich mehr beeindruckt als die Braut😊
Unsere Marina liegt am westlichen Rand von Singapur. Direkt vor dem Marina Gelände befindet sich die Endstation der Ost-West Bahn. Der öffentliche Verkehr ist effizient und sehr preiswert. Wir nehmen die rund einstündige Fahrt ins Stadtzentrum jeweils gerne in Kauf. Da unsere Pendenzen auf der Lupina bis auf den Achterstag-Spanner erledigt sind, können wir die Tage unbeschwert geniessen. Aber ….
… auch nach dem 5. Versuch, das Gerät richtig zu entlüften und mit Hydraulik Öl zu befüllen: es funktioniert nicht mehr. Beim 6. und letzten Versuch bin ich persönlich dabei und beobachte jeden Schritt. Wir bekommen es nicht hin! Ich vermute, irgendwo ist ein der neu eingesetzten Dichtungen falsch oder fehlerhaft. Da unsere Visa ablaufen, beschliessen wir, das Achterstag mit Gewindestangen zu sichern. Zur Sicherheit kommt noch ein Spannset dazu. Das nun defekte Gerät nehmen wir an Bord und lassen es bei nächster Gelegenheit von einem anderen Fachspezialisten nochmals prüfen.Letzter Ausflug in die City. Wunderbare Abendstimmung über das Business Center.Den letzten Tag vor unserer Abreise sind wir mit Bunkern von Frischwaren (Gemüse / Früchte) beschäftigt. Den Sonnenuntergang über der malaysischen Stadt Kampung geniessen wir vom Pier der Raffles Marina.Am Valentinstag (14. Februar) klarieren wir aus und verlassen Singapur in Richtung Indonesien. Dabei müssen wir eine der am dichtest befahrenen Seestrassen der Welt, die Singapur Strait, überqueren. Spannend! Alles läuft ohne Probleme. Der Blick in Richtung unseres Kielwassers zeigt einen regen Schiffsverkehr.Wir sind glücklich! Nach rund 3 Monaten in Singapur sind wir endlich wieder unterwegs.Am 16. Februar klarieren wir in der Nongsa Point Marina in Batam (Indonesien) ein. Wie immer übernimmt Pia die Aufgabe, Gastlandflagge und gelben Quarantänewimpel zu setzen.Da der Marina Besitzer ein Chinese ist, wird auch hier das chinesische neue Jahr gefeiert. Ideales Timing für uns: am Vorabend des neuen Jahres findet bei uns auf der Marina Pier (Bild) ein grosses Fest mit Buffet statt …… und am Neujahrestag, dem 17. Februar, findet ein ähnliches Fest mit traditionellem Löwentanz (Bild) in einem rund fünf Gehminuten entfernten Resort statt, das ebenfalls dem Besitzer der Marina gehört.Einer unserer Lieblingsplätze in Batam: die Turi Island Bar verwöhnt uns mit ihren Happy Hour Drinks.Am 18. Februar heissen wir Robin (rechts im Bild), den Sohn von guten Walliser Freunden, auf unserer Lupina willkommen. Er heuert für die nächsten rund 8 Wochen als Crewmitglied auf der Lupina an. Die ersten Fahrten hat er hinter sich und er scheint Freude daran zu haben.
Für die Weiterreise ab Batam haben wir einen Törn über Borneo (wir hoffen, dort eine Expedition zu den Orang-Utans machen zu können) und Sulawesi nach Flores vorgesehen. Unser neues Crewmitglied, Robin, scheint seetauglich zu sein. Die Fahrt südwärts durch die Chinese Sea bis zur Insel Belitung hat er bereits erfolgreich absolviert. Ist er auch seefest über die ungemütliche Java See? Wir werden es bald aus seiner eigenen Feder erfahren. Ich darf als Schreiberling nun für die nächsten Wochen Pause machen 😊
Es bleibt spannend! Folge der Lupina im Kielwasser!
Wie geplant steigen wir am 15. Januar 2026 spät abends ins Flugzeug, das uns, Zeitverschiebung von 7 Stunden eingerechnet, pünktlich am nächsten Abend in Singapur abliefert.
Damit auf der Reise alles gut klappt, und dass auch unser Gepäck gefüllt mit Ersatzteilen fürs Schiff heil ankommt, haben uns die Enkelkinder Glückskäfer aus Schokolade mit eingepackt. Sie haben perfekt geholfen: Reise gut, Gepäck gut.In Singapur (hier eines seiner Wahrzeichen: Marina Bay Sands Hotel) erwartet uns das beste Wetter. Es herrscht zwar jetzt bis Anfangs April Monsunzeit mit viel Regen, aber wir haben Glück: tagsüber scheint meist die Sonne, erst am Abend oder in der Nacht regnet es kurz und heftig.Kaum haben wir uns in der Raffles Marina wieder auf dem Schiff installiert und alle Systeme überprüft (alles in bester Ordnung vorgefunden – nur beim Probelauf des Generators haben wir festgestellt, dass dieser heiss läuft), wird die Lupina für diverse Arbeiten aus dem Wasser gehoben.
Wir sind ja im November des letzten Jahres in aller Eile nach Singapur gefahren, weil unsere Wellendichtung nicht mehr sauber abdichtete. Wir habe Singapur gewählt, weil dieser Stadtstaat ein Hauptknotenpunkt des internationalen Transportes darstellt. Teile zu beschaffen ist nirgends einfacher und schneller als hier. So unsere Annahme, die sich im Laufe der kommenden Wochen auch mehrfach bestätigen sollte. Für Segler unter euch, und auch fürs Schifffahrtsamt in Basel, das jeweils für die Erneuerung der Schiffspapiere genau wissen will, welchen Unterhalt wir in letzter Zeit vorgenommen haben, seien hier die wichtigsten Projekte aufgelistet:
Durchgeschmortes Elektroteil der SOLARA-Solarzellen auf dem Dach ersetzen
Service am Hauptmotor Volvo-Penta, Austausch des Turboladers (zu grosses Lagerspiel, Ölleckage und abgenutzte Turbine und Verdichter)
Silentblöcke (Abstützung des Motors) ersetzen
Generator: Austausch der Wasserpumpe (Ursache für die Überhitzung)
Alle Diesel Filter ersetzen
Reparatur der Handbilgenpumpe
Wartung und Dichtungswechsel des hydraulischen Achterstag-Spanners
Kutter-Segel: Ersatz des verschlissenen Sonnenschutzes
…. und viele diverse kleinere Dinge auf der Pendenzen-Liste
Diese Liste ist zwar lang, aber wenn man bedenkt, dass das Schiff dieses Jahr 20 Jahre alt wird, und welchen Bedingungen wir es dauernd aussetzen, dann ist das eigentlich gar nicht so viel. Auch unsere Lupina hat ab und zu mal eine Spezialbehandlung verdient 🙂
Zu unserem Erstaunen hat sich auch nach über 6 Wochen Liegezeit in der Marina nicht allzu viel Bewuchs an unser Schiff geheftet. An den weissen Stellen sieht man aber gut, dass der blaue Schutzanstrich nicht mehr überall vorhanden ist.Als eine der ersten und für die Sicherheit des Schiffes sehr wichtigen Tätigkeiten, werden die Seeventile überprüft. Das machen wir auch unterwegs immer wieder. Deshalb haben wir auch vor dem Auswassern bereits entschieden, dass das Seeventil des vorderen WC’s ersetzt werden soll. Beim Ausbau ist es abgebrochen, und man sieht deutlich an der Bruchfläche, dass der Entscheid für den Ersatz genau richtig war.Die Kombination von verschiedenen Metallen und aggressiven Medien (Salzwasser), denen ein Seeventil ausgesetzt ist, sorgt oft schnell für Korrosion, Materialveränderungen und Undichtheiten: das Bild zeigt das vergammelte, alte Seeventil und den steinhart gewordenen Verbindungsschlauch.Das kritische Seeventil ersetzen wir mit einem Neuen aus Faserverbundwerkstoff (korrodiert nicht mehr), für die Bedienungs-Hähnen (Bild) wählen wir aus Gründen der Passung das bisherige Design für den Austausch.Die erste Arbeitswoche vergeht äusserst schnell. Wir sind hauptsächlich damit beschäftigt, Teile, die ersetzt werden müssen aber noch nicht an Bord sind, zu beschaffen. Internet ist da Gold wert. Abends plumpsen wir müde ins Bett. Aber an den Wochenenden nehmen wir uns Zeit für Stadtbesichtigung und Ausflüge. Für einen schnellen Überblick gönnen wir uns ein Tagesticket für den Hop-on Hop-off Bus. Dieser fährt an allen Sehenswürdigkeiten vorbei, und über Kopfhörer bekommt man die wichtigsten Informationen dazu. Hier fahren wir gerade durch «Little India»Singapur: nicht nur ein Gewusel von vielen Menschen, sondern auch eine enorme Vielfalt von Kulturen und Religionen, die hier friedlich und entspannt nebeneinander leben.Wir sind angetan von der grandiosen Architektur! Was da in den letzten Jahrzehnten auf dem neu gewonnen Land (viel Baufläche ist durch Aufschüttungen geschaffen worden) hochgezogen wurde, ist einfach fantastisch.Ein weiteres Beispiel der spannenden Architektur: Parkroyal Collection Pickering, das «Hotel im Garten», ein revolutionäres Konzept. Das Gebäude weist über 15’000 Quadratmeter bepflanzte Fläche auf, mit hängenden Gärten, Wasserbecken und begrünten Wänden. Es wirkt wie ein tropischer Wald mitten in der Stadt.Natürlich halten wir auch immer Ausschau nach anderen Seglern. Und siehe da, eines Tages weht da eine weitere Schweizer Fahne in der Marina. Caroline und Jean-Luc (nicht im Bild, musste leider weg und Ersatzteile besorgen – was denn sonst, schmunzel) aus der Westschweiz sind nun auch schon einige Jahre mit ihrem Katamaran «Droitdevan» auf Weltreise.Bei der Durchführung des Services am Motor entdecken wir viel Öl im Ladeluftkühler. Auch haben wir in letzter Zeit bemerkt, dass unser Motor neuerdings Öl verbraucht. Untrügliche Zeichen, dass der Turbolader (Bild) eine Leckage aufweist. Da wir bereits vom letzten Service in Fiji wissen, dass sowohl Turbine als auch Verdichter deutliche Verschleissspuren zeigen, entscheiden wir uns für einen Ersatz. Volvo bietet uns als günstigste Variante einen revidierten Turbolader für sündhaft teure Preise an. Dank Internet können wir direkt vom lokalen Vertreter des Originalherstellers (IHI in Japan) einen fabrikneuen Lader zu einem mehr als 3 mal günstigeren Preis eruieren.Der Ausflug nach «Chinatown» ist eigentlich nichts Besonderes, denn rund 70% der Bevölkerung Singapurs hat chinesischen Hintergrund. Der Gegensatz von den eher kleinen Häusern dieses Viertels zu den Hochhäusern in der Marina Bay Gegend (Hintergrund) ist aber faszinierend.Auf unserem Ausflug werden wir uns bewusst, dass bald das Chinesische Neue Jahr beginnt. Das Jahr des Feuer-Pferdes beginnt am 17. Februar 2026. Wir wissen, dass in dieser Woche – wie bei uns ja zu Hause auch über die Neujahrszeit – niemand arbeitet. Ups! Ein kleiner Schwierigkeitsgrad in unserer Arbeitsplanung.Wer Goldschmuck kaufen will, der ist in Singapur genau richtig – insbesondere bei den Indern. Die Goldläden sind meist gut frequentiert, das Geschäft brummt. Das verwundert nicht. Die Preise hier sind ebenso gut wie in den Vereinigten Arabischen Emirate, und die Qualität der Schmuckstücke ist tadellos.Vor der National Gallery finden viele Veranstaltungen statt. Es ist immer etwas los. Als wir vor den ehrwürdigen Gebäuden vorbeischlendern, führen gerade junge Trommler eine Kostprobe ihres Könnens vor …… und auf einer Nebenstrasse findet gerade ein Wettbewerb im Schnellzeichnen statt.Mittlerweile ist das Schiff gewaschen und die noch vorhandene Farbe angeschliffen. Damit es bei den Stützen nachher auch Farbe hat, werden direkt neben den Stützen bereits kleine Felder vorgemalt. Hier im Bild werden die Stützen nun neu auf diese bereits fertig bemalten Stellen verschoben.Bei allen bisherigen Anstrichen wurde die Farbe mit einem Roller aufgebracht. In Singapur wird sie zum ersten Mal aufgespritzt. Die Mitarbeiter der Werft arbeiten sehr sauber und zügig. Hier decken sie die Partien des Schiffes ab, welche keine Farbe abbekommen sollen.Die erste Lage besteht aus schwarzer Farbe. Die zweite Schicht wird dann dunkelblau, ebenso die dritte Schicht, die zusätzlich an den Stellen mit hohem Abrieb (Bug, Leitkanten von Kiel und Ruder, Wasserlinie) aufgetragen wird. Falls du dich fragst, warum wir unterschiedliche Farben verwenden, hier die Antwort: da beim Segeln durch das Wasser die Farbe abgenutzt wird, hilft es zu wissen, wieviel Farbe noch vorhanden ist. Sobald Schwarz erscheint, wissen wir, dass wir an einen neuen Anstrich denken müssen.Natürlich ein Muss für jeden Besuch in Singapur: ein Besuch auf das oberste Deck des Marina Bay Sands Hotel, eines der weltberühmtesten Hotels. Es ist 57 Stockwerke (226 Meter) hoch. 2’561 Hotelzimmer, verteilt auf 3 Türme, die oben mit einem schiffsartigen Körper verbunden sind. Das Schiff soll an Singapurs Geschichte als wichtiger Handelshafen erinnern. Nebst der fantastischen Aussicht von ganz oben kann man ebenfalls einen Blick erhaschen auf das Highlight des Gebäudes: den riesigen, 150 Meter langen Infinity Pool auf der 57. Etage.Über Internet beschaffen wir uns ein Ticket für die öffentlich zugängliche Aussichtsplattform des Sands Hotels. Um die Besucherströme zu steuern, erhalten wir eine vordefinierte Besuchszeit am Nachmittag. Perfekt, das gibt uns gerade Gelegenheit, einen der schönsten Parks der Welt, «Gardens by the Bay», zu besuchen. Der Park bedeckt eine Fläche von 101 Hektaren – riesig! Die 15 künstlichen Riesenbäume aus Stahl (Bild) sind das Wahrzeichen des Parks. Sie sind zwischen 25 bis 50 Meter hoch und bepflanzt mit echten Pflanzen und Blumen. Tagsüber sind sie grün und lebendig, nachts ein Lichterwunder erzeugt von bunten LEDs.Nebst den Riesenbäumen überrascht der Park mit verschiedenen Themengärten wie Kräutergarten, Blütengarten, Bauerngarten und vielen anderen, interessanten Themen. Im Kunstgarten scheint die Schwerkraft aufgehoben zu sein: die Baby-Statue aus Bronze und Stahl wiegt satte 7 Tonnen. Trotzdem wirkt sie leicht und schwerelos.Am frühen Nachmittag ist es soweit: wir dürfen aufs Aussichtsdeck des Marina Bay Sands. Das Bankenviertel im Hintergrund strebt nach Grösse und ExtravaganzAussicht auf den Park «Gardens by the Bay», im Hintergrund unzählige Frachtschiffe auf Reede.Und hier ein Geheimtipp: mit korrekter Kleidung (geschlossene Schuhe, Hemd mit Kragen, lange Hosen) darf man gratis mit dem Hotellift in die Hotelbar im 57. Stock und kann sich direkt am Rand des Infinity Pools mit einem leckeren Drink verwöhnen.Nur von der Hotelbar aus gelangt man in die Nähe des sagenhaften Pools, der ausschliesslich für Hotelgäste reserviert ist.Unseren neuen Turbolader (ähnlich wie der im Bild) holen wir genau 4 Tage nach Bestellung persönlich beim Lieferanten ab. Ein perfekter Kundendienst.Natürlich ist Singapur auch eine Stadt für Feinschmecker. Es gibt praktisch alles, was irgendwo sonst in der Welt auch als Spezialität angeboten wird. Wir lassen es uns gut gehen und kosten viele unterschiedliche asiatische Küchen. Hier gerade befinden wir uns in einer japanischen Sushi Bar: auf einem Förderband fahren unzählige Teller mit japanischen Köstlichkeiten vor dir durch. Du brauchst nur deine Hand auszustrecken und die Delikatesse auf dem Teller gehört dir.Mitte dieser Woche ein Highlight für mich: Besuch meiner ehemaligen Arbeitskollegen in Singapur. Zu meiner Zeit hiess die Firma noch ABB Turbocharger. Neue Manager in der ABB waren aber der Meinung, dass so banales Geschäft mit Metallteilen nicht zu ihrem Portfolio passe. Der Geschäftsbereich der Turbolader kam an die Börse und wurde verkauft. Der neue Name der Firma: Accelleron (Beschleunigung). Der Aktienwert hat sich seit der Gründung mehr als verdreifacht und die Aussichten sind weiterhin fantastisch. Zurück zu meinen Kollegen von damals: Jonah Cheng (rechts), Chefassistentin, ist ein absolutes Organisationstalent – es gibt nichts, was sie nicht in die Gänge bringen könnte. Cheefai Wong – einer der besten Technical Advisor (Technischer Kundenberater), der für uns gearbeitet hat. Die Beiden heissen uns willkommen und zeigen uns den heutigen Betrieb.Wie bei der Turbolader-Familie in Singapur üblich organisieren sie für uns Gäste einen traditionellen chinesischen Lunch. Nebst Jonah und Cheefai begleiten uns weitere ehemalige Arbeitskollegen zum Essen ein. Schön wars wieder mal zurück zu schauen.Nick Yong, der Accelleron Chef in Singapur (ganz links), ist einer der vielen tollen Service Stellen Leiter, die durch ihre Kundennähe das Turbolader Geschäft vorangetrieben haben. Ihn kenne ich schon über 20 Jahre. Zur Feier des Wiedersehens lädt er uns am Abend in seinen Club ein, wo wir, wie man sieht ein paar Drinks kredenzen.
Wir sind weiter mitten in den Arbeiten. Die Temperaturen im Schiff sind heiss und der Schweiss rinnt literweise von unseren Körpern. Am Abend sind wir jeweils nudelfertig und wir fallen früh ins Bett, das wir für die Zeit der Arbeiten ins Hotel der Marina verlegt haben. In der kommenden Woche erwarten wir nun die letzten Teile. Wenn alles optimal läuft könnten wir Ende Woche wieder im Wasser sein.
Es bleibt spannend! Folge der Lupina im Kielwasser!
Bevor wir Nagar Ujong westwärts verlassen, erkundigen wir uns im Internet und auf einer WhatsApp Gruppe, wo wir unser Problem mit der undichten Wellenabdichtung gelöst bekommen können. Um die Dichtung zu ersetzen, muss das Schiff aus dem Wasser genommen werden. Bei dieser Gelegenheit wollen wir gleich noch andere periodische Unterhaltsarbeiten, wie etwa ein neues Antifouling (Anstrich des Unterwasserschiffes) und Ersatz einzelner in die Jahre gekommene Borddurchlässe ausführen. Wir schreiben 2 Volvo Vertreter in Jakarta und 2 in Singapore an. Volvo deshalb, weil es der Hersteller der Wellendichtung ist und auch der Motor mal wieder eine Wellnesskur verdient hat. Beide Vertretungen aus Singapore melden sich umgehend, von Jakarta niemand. Schlechte Referenz für Jakarta. Wir hoffen immer noch, dass es in Jakarta klappen könnte, und fahren in Nagar Ujong zusammen mit unserem befreundeten Boot SY Kama los entlang der Nordküste von Flores westwärts.
Der erste Teil der Reise wird zum Tageshüpfen entlang von Flores. Wir freuen uns auf Komodo und Lombok. In Lombok hätten wir nach ursprünglicher Planung das Schiff über Weihnachte stehen lassen und wären in die Schweiz gereist. Wegen dem Wassereinbruch wird nun nichts daraus. Die neue Planung sieht nun vor, zügig in Richtung Jakarta, oder, wenn sich da niemand meldet, der uns helfen kann, direkt weiter nach Singapore zu fahren.Uns fällt positiv auf, dass in vielen Teilen von Indonesien die Fischer ihr Handwerk nach alten Traditionen ausüben. Das war leider nicht immer so, denn es gab Zeiten, da wurde in Indonesien die Natur mit Dynamit und industrieller Grundfischerei systematisch zerstört. Das scheint nun aber Geschichte zu sein. Je nach Region sind die Boote anders gebaut. Dieses hier hat auf beiden Seiten Ausleger, die in der Schiffsachse an Stangen aufgehängt sind. Aus der Distanz könnte man meinen, es laufe eine Spinne übers Wasser.Auf der kleinen, vorgelagerten Insel Bampa Barat ankern wir für eine Nacht und geniessen mal wieder einen Spaziergang an einem einsamen Strand mit anschliessendem Schnorcheln zurück auf das Schiff.Anders als in Australien kann man hier gefahrenlos auch bei Sonnenuntergang um das Schiff schwimmen. Herrlich!Die Nordküste von Flores ist touristisch praktisch nicht entwickelt. Einzig der westliche Bereich ist vor allem bei einheimischen Touristen als Ausgangspunkt für eine Tour zur benachbarten Komodo Insel sehr beliebt. Auch hier, im bekanntesten Ort der Gegend, Labuan Bajo, findet man aber keine protzigen Hotelbauten, sondern sanften Tourismus. Die Ausflugsschiffe, die zum Teil auch mehrtägige Touren unternehmen, sind praktisch alle noch aus Holz gebaut. Ein Werkstoff, der vor Ort wächst, und den die Einheimischen noch sehr gut zu verarbeiten wissen – ein seit Generationen überliefertes Handwerk.In den Strassen von Labuan Bajo herrscht ein wuseliges Treiben. Wir erfahren, dass immer noch viel im Tauschhandel funktioniert. So zum Beispiel wird hinter diesen Fischständen in einem gemeinschaftlich betriebenen Restaurant direkt gegessen, was Fischer in der Nacht gefangen und Landwirte auf dem Feld geerntet haben. Jeder trägt auf diese Weise etwas zum üppigen Abendessen bei.Hier fasziniert uns einerseits die Strassenbautechnik, aber am meisten bestaunen wir die Sonnenhüte der Bauarbeiter!Nicht unsere Idee! Die Kinder sind uns nachgerannt und wollten, dass wir ein Bild machen von ihnen – fröhliche, unbeschwerte Jugend!Natürlich geniessen wir auch immer wieder die leckere einheimische Kost: hier frittierte Calamari und Fisch.Abendstimmung in Labuan Bajo. An vielen Orten ist dem Ufer ein Korallengarten vorgelagert. Damit trotzdem Schiffe anlanden können, haben Hotels und Resorts lange Landestege ins Meer hinaus gebaut. Dieser ist deutlich über hundert Meter lang und sehr robust gebaut.Von Jakarta haben wir 1 Woche nach unserer letzten Anfrage immer noch keine Antwort erhalten. Wir beschliessen deshalb, von Labuan Bajo aus möglichst zügig durch die Flores See in Richtung Java See zu segeln. Es ist nun der 1. November, und es sind ab jetzt bereits die ersten Monsun Einflüsse zu erwarten. Würden wir länger hierbleiben und müssten dann tatsächlich direkt bis Singapore durchsegeln, hätten wir sowohl starke Winde wie grosse Strömung gegen uns. Die ersten Tage der Weiterfahrt sind sehr angenehm, da es fast keine Wellen hat und einigermassen genug Wind zum Segeln. Das Grosssegel bleibt immer auf Backbordseite, die Genua wechseln wir öfter hin und her zwischen ebenfalls Backbordseite oder dann Steuerbordseite mit Spi-Baum.Nach ein paar Tagen kündet sich ein Wetterwechsel an. Der Wind dreht und kommt nun aus westlicher Richtung, am Horizont künden sich schwere Regenwolken an – typisches Monsun Wetter.Es geht nicht lange und wir erleben die ersten Gewitter. Diese beginnen meist mit sich riesig auftürmenden, dunklen Wolken, dann mit einem raschen, heftigen Windanstieg. Am Tag ist das weniger ein Problem, da warnen einem die weissen Schaumkronen auf den Wellen und man kann rechtzeitig reffen. In der Nacht hilft uns das neue Radar, die Regenzellen zu erkennen und entsprechend zu reagieren. Kurz nachdem dann der Regen einsetzt, fällt der Wind zusammen und nach einer halben Stunde ist der ganze Zauber wieder vorbei. Leider sind die Unwetter in dieser Gegend immer öfter von heftigem Blitz und Donner begleitet. Da würden wir gerne unseren 20 Meter hohen Mast einziehen können. Leider geht das nicht, und es bleibt uns effektiv nicht viel anderes übrig, als auf unser Glück zu vertrauen. Blitzeinschläge sind von Seglern sehr gefürchtet, weil es keine nachweislich brauchbaren, zuverlässigen Blitzableiter gibt.Mit dem Einsetzen der ersten Monsun Ausläufer beginnt eine anspruchsvolle Phase. Die Hauptströmung im Meer fliesst nun von Nordwest nach Südost. Das Bild vom Wetter App «Windy» zeigt die Strömung in der Java See. Der blaue Punkt stellt unsere aktuelle Position dar. In diesem Bereich haben wir mit rund 2 Knoten Gegenstrom zu rechnen.Bei wenig Wind oder gar Gegenwind wird das Vorankommen in einer Gegenströmung schwer. Wir versuchen in die schwächere Strömung nahe der Küste entlang auszuweichen, um beim Aufkreuzen einigermassen gute Wendewinkel zu erzielen. Wir kommen nur langsam vorwärts. Zum Glück lässt die Strömung im 6 Stunden Takt jeweils nach oder dreht sogar um, das hilft uns mindestens zeitweise beim Vorwärtskommen.Je näher wir uns im Küstenbereich aufhalten, umso häufiger treffen wir Fischerboote an. Diese sind vor allem nachts von den Seglern gefürchtet, weil sie auf Radar schlecht oder gar nicht zu erkennen sind, weil sie immer wieder unerwartete Richtungswechsel durchführen, und weil sie manchmal mehrere hundert Meter lange Netze hinter sich herziehen.Dies Typen von Fischerbooten sind sehr schnell. Gefährlich sind sie vor allem, weil man sie auch bei Tageslicht nur schlecht sieht und sie lange Schleppleinen hinter sich herziehen.Diese kleinen Fischerboote machen uns weniger Sorgen.Im Kampf gegen Wind und Strom brauchen wir unseren Motor viel häufiger, als geplant. Das letzte Mal haben wir in Australien Diesel gebunkert. Ein Schiff aufzutanken ist in Indonesien recht schwierig. Zum Glück haben wir seit Australien nun auch Starlink an Bord und können vom Schiff aus ins Internet. Dort finden wir heraus, dass wir angeblich auf der Insel Bawean Treibstoff kriegen können. Am 8. November erreichen wir die kleine Insel in der Java See und ankern direkt neben diesen schön bunten Fischerbooten.Bereits am nächsten Morgen liefert uns Bung Dj Gaul – kurz «Dj» genannt – mit seinen 3 Helfern 400 Liter Treibstoff. Es ist kein Diesel, wie wir ihn kennen, sondern ein aus alten Pneus durch chemische Zersetzung hergestellter Treibstoff, hier «Bio Solar» genannt. Wir waren sehr skeptisch und hatten uns vorher über Internet Foren erkundigt, ob dieser Brennstoff von unserem Motor verwertbar ist. Die Informationen waren durchwegs positiv, jedoch müsse man sehr auf die Sauberkeit achten. Nun, ich lache zwar auf dem Bild, aber 2 Kanister (insgesamt 75 Liter) muss ich schlussendlich zurückweisen, weil es nach meinem Dafürhalten zu viel Dreck und Wasser in der Flüssigkeit hat.Bei Dj (Mann im Bild) buchen wir für den nächsten Tag eine eintägige Tour. Das Ganze kostet uns umgerechnet 35 Schweizer Franken und beinhaltet ihn als Führer, Auto, Fahrer, Mittag- und Abendessen. Dj ist auf Bawean aufgewachsen und weiss uns viel zu erklären. Es gibt viele Moscheen in Indonesien. Uns fällt aber auf, dass nicht überall der islamische Gebetsruf gleich oft und in der gleichen Intensität vom Minarett aus über die Dächer schallt. Dj erklärt uns, dass in einigen Gegenden die Gläubigen sehr viel Rücksicht nehmen aufeinander, andersgläubige Menschen respektieren. Hier in Bawean erinnern die Muezzins mit ihrem Aufruf zum Gebet nur bei Tageslicht, und nicht auch noch in späten Abendstunden und mitten in der Nacht. Ihr Gebetsgesang tönt auch viel schöner und harmonischer als andernorts.Baugerüst auf indonesische Art. Bambus ist zwar sehr stabil und tragfähig, trotzdem scheint uns das etwas wackelig.Das Leben auf dem Land ist sehr einfach.Nicht ganz SUVA konform: Reparatur einer elektrischen Leitung über einem Bachbett.Der Ausflug führt uns zu einem bei den Einheimischen als spiritueller Ort bekannten Wasserfall (Gherujhukan Laccar).Mittagessen beim Wasserfall bestehend aus gebratenem Hühnchen, Reis und Gemüse. Gegessen wird traditionell auf einer Holzbühne, die man überall vor Häusern, in Parks und an Ausflugszielen antrifft. Auf dem Bild unser Fahrer (vorne rechts) und Dj.Das Leben mag noch so einfach sein – die Indonesier sind sehr sauber.Die Reisfelder werden sehr sorgsam gepflegt und unterhaltenUnser Abendessen (oder eigentlich ist es ein spätes Nachmittagsessen) hat Dj an unserem letzten Ausflugsziel, einem See, eingeplant. Ganz nach indonesischer Gepflogenheit besorgt er unser Essen in einem Restaurant am Strassenrand. Eigentlich ist es ein Imbissstand mit spartanischer Küche, aus der aber sehr schmackhafte Grillade (in unserem Fall Fisch) gezaubert wird.Die Besitzerin des Restaurants möchte ein Bild machen mit uns – dafür zieht sie sich extra ein Kopftuch über.Unser letztes Ausflugsziel, der Lake Danau Kastoba, ein über hundert Meter tiefer Kratersee.Zum Abschluss möchte uns Dj noch sein Haus und seine Familie zeigen. Wir spüren förmlich, dass es ihm sehr wichtig ist, dass wir seiner Einladung Folge leisten. Sein aus Stein und Beton gebautes Haus ist relativ neu. Möbel gibt es noch keine, dazu hat das Geld bisher nicht gereicht. Die grüne Wolldecke wird extra für uns auf dem Boden ausgebreitet, denn nach indonesischer Sitte gebührt einem Besucher der beste Platz im Haus. Ein bewegender Moment: Dj’s Frau ergreift die Hand von Pia und sucht die Nähe zu ihr.
Noch auf Bawean entscheiden wir, dass wir die Reparatur der undichten Welle und die geplanten Unterhaltsarbeiten nicht in Jakarta, sondern definitiv in Singapur durchführen wollen. Jakarta wäre uns zwar lieber gewesen, da näher und wohl billiger, aber die fehlende Reaktion auf unsere Anfragen lässt uns daran zweifeln, dass es dort klappen würde. Das bedeutet für uns, statt nur noch 350 Seemeilen westwärts bis Jakarta mit einem gut segelbaren Am-Wind Kurs, doppelt so viele Seemeilen genau gegen Wind und Strömung. Also viel Motoren! Noch vor der Weiterfahrt wissen wir, dass wir unterwegs vermutlich nochmals einen Stopp einlegen müssen, um weiteren Treibstoff zu bunkern.
Proviant haben wir genügend an Bord – und dank flacher See fällt Pia auch das Brotbacken unterwegs nicht so schwer.Für den zweiten Tankstopp auf der ungeplanten Reise nach Singapore wählen wir eine Insel direkt auf unserer Strecke aus: Belitung, eine für die Bewohner der Grossstädte auf Java beliebte Feriendestination.Belitung ist bekannt für seine grossen Granitfelsen, die überall wie Skulpturen aus dem Meer ragen.Findige und geschäftstüchtige Einheimische haben erkannt, dass viele ausländische Yachten auf ihrer Weltumsegelung hier vorbeikommen und einen Zwischenhalt einlegen. Kurzerhand haben sie eine Yacht-Club gegründet und bieten ihre Unterstützung und Dienste an. Für uns organisieren die beiden «Unternehmer» Erwan und Eddie zum Beispiel Diesel in bester Qualität, direkt aufs Schiff geliefert. Wir werden gebeten, uns auf ihrer Besucherwand zu verewigen, was wir gerne machen.Eddie ist ganz stolz auf ein Bild mit Pia
Das Ausklarieren aus Indonesien nach Singapore haben wir in Batam, einer Nachbarinsel zu Singapore geplant. Bei einer Anfrage dort erfahren wir, dass die lokalen Behörden auf den Beizug von «Agenten» bestehen, die ihre «Unterstützung» anbieten zu einer unanständig hohen Geldsumme, die etwa 2 Monatslöhnen eines durchschnittlichen Arbeiters entspricht. Das ist reine Korruption, denn gemäss offiziellen Informationen der Regierung ist der Beizug von Agenten zum Ein- oder Ausklarieren nicht erforderlich. Wir lassen es die Behörden von Batam wissen, dass wir ihr Handeln als illegal betrachten. Wir entscheiden uns, bereits in Belitung auszuklarieren. Ein perfekter Entscheid!
Mit Hilfe eines von Eddie gemieteten Motorrollers klappern wir alle 4 erforderlichen Ämter (Gesundheit, Zoll, Immigration und Hafenmeister) ab.Beim Zoll werden wir sogar mit einem frisch gebrühten indonesischen Kaffee verwöhnt, während wir auf die Dokumente warten.Soeben sind wir zum Belitung Yachtclub zurückgekehrt, ausklariert und bereit für das letzte Teilstück nach Singapur. 350 anstrengende und anspruchsvolle Seemeilen warten auf uns – aber die Moral der Crew ist gut!Die Strecke nach Singapore (schwarze Linie) verläuft entlang der Ostküste von Sumatra durch die Natuna See. Hier erwarten uns starke Strömungen und flaches Wasser mit vielen Untiefen und Inseln. Das Bild zeigt die Strömung in diesem Gebiet zu einer bestimmten Zeit, wobei Grün leichte Strömung, Gelb mittlere und Rot starke Strömung bedeuten. Mit Gezeiten und Windstärke verändern sich deren Richtung und Stärke. Wir wissen: die meiste Zeit ist die Strömung gegen uns, der Wind ist es in dieser Jahreszeit immer. Aber: da der Wind eher schwach ist dürften die Wellen nicht zu hoch sein. Immerhin etwas!Je mehr wir uns Singapore nähern, umso intensiver wird der Schiffsverkehr. Die grossen Frachter bereiten uns keine Sorgen. Mühsamer sind da eher die Fischerboote aus Holz, die man auf dem Radar nicht erkennen kann, oder dann diese Schleppverbände: ein relativ kleiner Schlepper, der in einem Abstand von ungefähr 500 Metern ein riesiges Floss hinter sich herzieht. Geraten wir da mit unserem Segelboot dazwischen – dann wird’s lebensgefährlich.Nebst den oben beschriebenen Herausforderungen plagen uns auch immer wieder heftige Gewitter, die für diese Region in dieser Jahreszeit ganz normal sind. Unsere Aufmerksamkeit wird stark beansprucht.Ein kleiner Nebeneffekt unserer unplanmässigen Reise nach Singapore: wir haben keine Gastlandflagge an Bord. Kurzerhand schnappt sich Pia eine andere an Bord befindliche Flagge, schnippelt da den blauen Teil weg, so dass nur noch die rote und weisse Fläche übrigbleiben, und näht dann darauf aus weissen Stofffetzen Mond und Sterne, welche die Singapore Fahne zieren.Am 27. November 2021 haben wir auf dem Weg von Panama nach Galapagos den Äquator von Norden nach Süden überquert. Seither haben wir uns auf der Südhalbkugel aufgehalten. Nach ziemlich genau 4 Jahren, am 18. November 2025, überfahren wir den Äquator erneut, diesmal von Süd nach Nord – wir sind zurück auf der Nordhalbkugel. Der Pfeil zeigt den Moment, wo wir bei 104 Grad und 12.656 Minuten östliche Länge über die Nulllinie fahren.Letzter Sonnenuntergang, die letzte Nacht auf See beginnt. Die Fahrt von Belitung nach Singapore verläuft absolut problemfrei, und trotzdem wird sie eingehen in eine unserer unbeliebtesten Fahrten, denn praktisch die ganze Zeit brauchen wir den Motor. Ohne dessen eisernen Schub würden wir uns jetzt noch mit Aufkreuzen abmühen. Einmal mehr sind wir uns bewusst, welche enormen Leistungen die Segler vor der Motorisierung vollbracht haben.Bei Tagesanbruch legen wir vor der Einfahrt in die sehr stark befahrenen Verkehrsgebiete von Singapore einen kurzen Zwischenstopp ein und lassen uns treiben: die Gastlandflagge von Singapore und die gelbe Q Flagge (Quarantäne) wollen gesetzt werden.Am 19.11.2025, um 9 Uhr, erreichen wir nach fast 70 Stunden Motorfahrt den Hafen von Singapore. Das Bild zeigt den markanten Leuchtturm der Raffles Marina mit der malaysischen Stadt Johar im Hintergrund.Während wir die Arbeiten für unsere Lupina und die Flüge für unsere Weihnachtspause in der Schweiz organisieren, bleibt uns genügend Zeit, die Infrastruktur einer der berühmtesten Marinas zu geniessen.
Ursprünglich wollten wir das Schiff gleich nach unserer Ankunft aus dem Wasser holen. Die Leckage an der Welle hat sich aber in den letzten Tagen deutlich reduziert, und die automatische Bilgen Pumpe fördert das eindringende Wasser mühelos und zuverlässig aus dem Schiffsbauch. Hauptgrund für die Planänderung ist aber eine blockierte Bankzahlung. Verständlicherweise verlangen Unternehmen in der Schifffahrtsbranche eine Anzahlung, bevor sie mit ihrer Arbeit beginnen. Diese haben wir via Bankzahlung auch getätigt, aber das Geld ist nicht beim Unternehmen eingetroffen. Unsere Nachforschung ergibt, dass eine bankinterne KI-Software unsere Zahlung als mögliche Umgehung eines Embargos gegen Syrien identifiziert hat, da die Buchstaben SY nebst Segel Yacht auch als Abkürzung für Syrien stehen. Die Amerika hörige Grossbank UBS lässt grüssen – bis heute ist es uns nicht gelungen, die Zahlung frei zu bekommen.
Lupina bleibt bis zu unserer Rückkehr Mitte Januar 2026 in der Raffles Marina, Singapore. Erst dann wird sie aus dem Wasser geholt für die Reparatur der Wellendichtung und den geplanten Unterhalt.
An dieser Stelle schliessen wir das Segeljahr 2025 ab und freuen uns auf ein paar Wochen mit unseren Familien und Freunden in der Schweiz. Euch allen wünschen wir einen schönen Rest des Jahres und freuen uns darauf, euch auch im kommenden Jahr mit an Bord nehmen zu dürfen. Als kleines Geschenk an euch werden wir in der Festtagszeit das bisher nicht veröffentlichte Video unserer Landreise ins Herz von Australien hochschalten.
Es bleibt spannend! Folge der Lupina im Kielwasser!
In diesem Bericht nehmen wir dich mit auf die Überfahrt von Darwin (Australien) nach Indonesien. Die Kleinstadt Kupang auf West Timor ist unsere erste Anlaufstelle, wo wir das Einklarieren vornehmen wollen. Danach segeln wir zunächst weiter nordwärts, schlängeln uns durch die Inseln östlich von Flores durch, um dann westwärts abzubiegen und der Nordküste von Flores zu folgen.Aber alles der Reihe nach. Lupina freut sich über unsere Rückkehr vom Landausflug ins rote Zentrum des Australischen Kontinentes und liegt ruhig am Pier der Cullen Bay Marina in Darwin (Schiff links am Pier). Sie wartet allerdings mit einer Überraschung auf uns: der Kühlschrank kühlt nicht mehr. Kurzer Schock, denn wir haben unsere Ausklarierung mit den Behörden auf den kommenden Dienstag, 7.10.2025 festgelegt. Nur ein Woche Zeit um den Kühlschrank zu reparieren! Ob das reicht?Über das Marina Büro erhalten wir eine Telefon Nummer, wo wir Hilfe bekommen können. Wir haben Glück! Noch am selben Tag unseres Anrufes kommt ein Service-Techniker vorbei. Schnell findet er heraus, dass unser Verdampfer (das rechteckige Kühlelement im Bild) eine Leckage hat und ersetzt werden muss. Der Hersteller hat eine Vertretung in Australien und der hat tatsächlich ein Ersatz an Lager. Per Express wird das Teil innerhalb weniger Tage nach Darwin geschickt und am Freitag vor unserer Abreise eingebaut.Der Kühlschrank ist wirklich im richtigen Ort ausgestiegen. Der Techniker, der uns das Gerät repariert, ist ein absoluter Profi. Er hat von Angang an alles nötige Werkzeug dabei. Das Problem, das ihm der Hersteller gemacht hat, löst er nach kurzer Rücksprache meisterlich: die Anschlüsse des neuen Gerätes haben eine andere Dimension. Kurzerhand trennt es diese ab und lötet die Leitungen einfach zusammen. System neu befüllt und auf Druckverlust und Leckage getestet – alles gut. Am Samstagnachmittag ist unser Kühlschrank repariert – der Abreise steht nichts mehr im Wege.Trotz der Hektik um den Kühlschrank können wir das Zusammensein mit anderen Seglern, die wir hier in der Marina treffen, geniessen. Marianne und Uwe sind wie wir mit ihrem Segelschiff «Pangaea» auf Weltreise. Über andere Segler sind sie auf uns aufmerksam geworden und haben uns angeschrieben. Nun treffen wir das sympathische Paar, das in der Schweiz lebt, in Darwin zum ersten Mal und verstehen uns gleich auf Anhieb.Dann ist es soweit: der letzte Sonnenuntergang in der Cullen Bay Marina. Morgen, am 7.10.2025, geht es los!Bei Sonnenaufgang werden bekanntlich die Fahnen gehisst. Ist auch bei uns so. Heute, am Tag der Abreise, wird aber die Alte, die uns über ein Jahr gedient hat, durch eine Neue ersetzt.
Pünktlich um 9 Uhr erscheinen die Behörden, aber das Ausklarieren in Darwin wird zur Tortur: über eine Stunde lang durchwühlen 4 Beamte der Australischen Zollbehörde unsere Lupina. Sie sind zwar sehr freundlich und erklären uns bereitwillig, warum sie jedes Schiff so genau untersuchen müssen. So richtig begreifen tun wir es bis heute nicht, denn beim Einklarieren in Gold Coast kam nur ein Beamte kurz an Bord und hat gar nichts angeschaut. Wie wenn wir etwas aus Australien illegal entführen wollten. Egal: nachdem wir gut eine Stunde auf dem Pier neben der Lupina gestanden sind (wir durften während der Wühlaktion nicht an Bord sein), geben uns die Beamten das Schiff zurück und wir dürfen endlich lossegeln. Unseren Freunden von der SY Kama, die direkt nach uns ausklarieren, ergeht es genau gleich: auch sie erleben eine einstündige, akribische Durchsuchung des Schiffes.
Kühlschrank läuft – gestempelte Ausklarierungspapiere in der Hand – 500 Seemeilen warten auf uns. Aber der Wind lässt uns im Stich! Die ersten Stunden können wir zwar segeln, jedoch kommt der Wind mehrheitlich auf die Nase und wir müssen aufkreuzen. Bei wenig Wind ist das aber nicht so schlimm. Kurz nach Mitternacht des ersten Tages fällt der Wind dann ganz zusammen und wir müssen unseren Kari, den Motor, starten. Auch bei Sonnenaufgang (Bild) zeigt sich kein Lüftchen, dafür ist das Meer absolut flach.Wir wählen absichtlich eine nördliche Route, weil uns da die Wetterprogramme Wind versprechen. Fehlanzeige! Rund 32 Stunden lang brummt der Motor gemütlich vor sich hin. Ein Frust für einen Segler! Aber alles hat auch seine guten Seiten: in unserem Fall ist es eine fantastisch gute Rösti, die Pia bei ruhigem Seegang von der Bordküche auf den Tisch zaubert.Dann endlich, gegen Abend des 2. Tages auf See kräuseln sich die Wellen, der Himmel klart auf und Wind setzt ein.Von nun an geht die Reise unter Segeln weiter. Nicht schnell zwar, aber immerhin, wir können segeln. Im Morgengrauen des 4. Tages auf See erscheint Timor am Horizont.Hatten wir bei den letzten längeren Überfahrten immer Glück und sind jeweils ohne Probleme und Ausfälle durchgekommen, gibt es bei dieser Überfahrt zwei bösere Überraschungen. Bei einer Routinekontrolle entdecke ich, dass die Wellendichtung defekt ist und ihre Aufgabe nicht mehr erfüllt: Wassereintritt!! (deutlich zu sehen im Bild). Nach kurzem Schock setzt das rationale Denken wieder ein. Das Schiff geht nicht gleich unter deswegen. Das Wasser läuft dem Boden entlang in die Bilge, dem tiefsten Punkt im Schiff. Dort ist eine elektrische Pumpe installiert, die sich automatisch einschaltet, wenn ein bestimmtes Niveau erreicht ist. Kurzer Check: ja, sie funktioniert. Somit können wir vorerst weiter Segeln, müssen die Entwicklung aber genau verfolgen.Ich habe von zwei bösen Überraschungen gesprochen. Nun, die Zweite ist nicht so gefährlich wie die Erste, und wir können eine Lösung finden. Der «Mastervolt» Stromtransformer (montiert im Motorraum, markiert mit dem gelben Pfeil) gibt unterwegs mit einem lauten Knall den Geist auf. Das Gerät brauchen wir, um von 12 Volt der Batterie 220 Volt für unsere Verbraucher (zum Beispiel die Computer) zu bekommen. Ich finde eine Lösung bei unseren Ersatzteilen. Ich habe mal einen 110 Volt Transformer gekauft, den ich nun wieder aktiviere. Alle Geräte, die den Strom von 220 Volt mit Ladegeräten wieder runter auf 5 Volt, oder was auch immer sie brauchen, transformieren, funktionieren auch mit 110V. Probleme vorerst umschifft und wir sind in der Zieleinfahrt – die gute Laune ist zurück.Es ist Zeit, die Indonesische und die gelbe Quarantäne Flaggen zu hissen.Beim ersten Kontakt mit Indonesiern merken wir: wir sind in einem anderen Land! So schön – hier winken einem die Leute wieder zu, lachen einem an. Etwas, was uns in Australien sehr gefehlt hat.In Kupang angekommen werden wir von der Quarantäne-Behörde aufgefordert, sie am Land abzuholen und mit unserem Dinghi zum Schiff zu bringen. Es herrsch ein emsiges Treiben. Zwischen zwei trocken gefallenen Fischerbooten können wir an Land gehen. Wir treffen einen Service an, denn wir noch nie hatten: der Mann im roten Hemd nimmt uns gleich in Empfang, befestigt unser Dinghi an einem seiner Steine und bewacht es die ganze Zeit, in der wir an Land sind. Bei einem Tidenhub von rund zwei Metern eine sehr beruhigende und willkommene Dienstleistung.Die zwei Männer der Quarantäne haben ihren Papierkram an Bord schnell erledigt, und wir tauschen sie mit unserem Dinghi gegen die Beamten vom Zoll aus. Im Gegensatz zu den ersten Besuchern erledigen diese ihren Auftrag sehr professionell.Zum Abschuss der Kontrolle ein Gruppenbild. Selfies machen ist eine ausgeprägte Leidenschaft der Indonesier, wie wir schnell merken werden.
Die Kontrollen an Bord sind abgeschlossen, nun geht es weiter mit den Behördengängen an Land. Im Verlaufe der nächsten zwei Tage geht es der Reihe nach zum Zoll, zur Quarantäne, zur Immigration, zurück zum Zoll und zum Abschluss dann zum Hafenmeister. Jedes Amt stellt diverse Dokumente aus und macht sie mit Stempel und schwungvollen Unterschriften gültig. Auf allen Papieren, die wir einreichen, erwarten sie den Schiffsstempel und meine Unterschrift. Einen Schiffsstempel haben wir natürlich nicht, aber Pia hat mal einen privaten Stempel machen lassen. Damit sind die Behörden auch zufrieden.
Die Büros der Behörden liegen mehrere Kilometer auseinander, befinden sich am Flughafen oder im Handelshafen. Wir liegen irgendwo dazwischen. Zu weit und zu heiss, um die Behördengänge zu Fuss zu absolvieren. Wir mieten uns ein Taxi und geniessen es, entspannt die Strassenszenen zu beobachten.Darauf haben wir uns gefreut: die Frucht- und Gemüsehändler. Direkt bei der Anlegestelle für unser Dinghi finden wir auch gleich die von uns heiss geliebten Mangos – frisch vom Baum.Wasser und andere Getränke? Nein – aufgepasst! Hier handelt es sich um Benzin für die Mopeds. Für den Personentransport und zum Fischen werden Langboote von unterschiedlicher Grösse verwendet. Alle sind aus Holz gebaut und verlangen entsprechenden Unterhalt. Das Bild zeigt eine typische Werft für solche Boote. Das Schiff in der Mitte erhält gerade einen neuen Aufbau. Andere Schiffe warten auf die Ausschlachtung und die Wiederverwendung noch brauchbarer Teile.Etwas mehr als zwei Tage nach dem Besuch der Quarantänebeamten erhalten wir den letzten Stempel mit Unterschrift. Mit seinem Papier bestätigt der Hafenmeister, dass wir von allen Behörden geprüft und als gut befundet worden sind. Somit sind wir offiziell einklariert und dürfen uns nun frei in indonesischen Gewässern bewegen. Ein fast feierlicher Moment 😉Gleich am nächsten Tag nutzen wir unsere wieder erlangte Freiheit. Bei herrlichem Wetter, leichtem Wind und flachem Meer lichten wir den Anker und segeln weiter. Unser Ziel ist die Nordküste der Insel Flores. Dazu müssen wir von Kupang aus zuerst nordwärts über die Savu See und durch eine von vier möglichen Passagen durch eine Zeile von Vulkaninseln hindurch in die Flores See. Weil wir starke Strömungen erwarten, wählen wir den breiten Durchgang von «Selat Boleng». Die Fahrt führt uns an typischen Vulkankegeln vorbei.Die ganze Strecke beträgt etwas mehr als 130 Seemeilen. Es ist eine Nachtfahrt erforderlich. Obwohl wir uns vorgenommen haben, dass wir in Indonesien keine Nachtfahrt machen wollen (viele unbeleuchtete Schiffe, Fischnetze und andere in der Nacht unsichtbaren Hindernisse), geht es nicht anders. Wir planen die Fahrt aber so, dass wir während der Nacht das Durchfahrtsgebiet der grossen Frachtschiffe passieren. Hier erwarten wir keine dieser von Seglern gefürchteten Hindernisse anzutreffen. Alles geht gut und wir erreichen nach rund 35 Stunden Fahrt unseren Ankerplatz auf der Insel Adonara.Am nächsten Tag verholen wir 5 Meilen westwärts in die grosse Bucht von Sagu. Hier gibt es ein kleines Dorf und wir freuen uns auf einen Landgang.Wir wandern auf einem Fussweg dem Ufer entlang. Bei einem kleinen Fluss hören wir schon von Weitem Stimmen und Kindergeschrei. Wir kommen näher und bevor wir die Waschfrauen im Fluss richtig sehen können, rufen sie uns zu: «Hello Mister! Come, come!». Ach, was für ein fröhlicher Empfang. Die Frauen unterbrechen ihre Tätigkeit und umringen uns. Sie freuen sich sichtlich über dieses aussergewöhnliche Ereignis und an einer willkommenen Pause. Eine junge Frau reicht uns unbekannte, rote Früchte und bedeutet uns, dass wir sie essen sollen. Die süss-saure Frucht schmeckt ausserordentlich erfrischend.Wir brauchen nicht darum zu bitten – sie fordern uns selber auf, doch bitte Fotos zu schiessen. Ein der Frauen schnappt meine Sonnenbrille und wirft sich neben Pia in Pose. Nach meinem Bild wollen auch alle anderen noch ein Selfie von der Gruppe schiessen. So herrlich!Typische Langboote. Diese hier werden als Fähren benutzt. Das Knattern der Motoren (vermutlich grossvolumige Einzylinder-Maschinen) erinnert an einen Presslufthammer oder an die alten Einachser der Bauern in unserem Dorf vor 60 Jahren.Wir sind definitiv eine Attraktion im Dorf. Die Kinder folgen uns auf Schritt und Tritt. Unterhalten können wir uns – der Technologie sei gedankt – mit einem Übersetzungsprogramm auf unseren Handys. Unsere ins Gerät diktierte Frage «spielt ihr gerne Fussball?» wird über Lautsprecher in für uns unverständlichen Worten wider gegeben, worauf die Jungs mit einem lautem Bestätigungsgeschrei antworten: «Messi! Messi! – Ronaldo! Ronaldo!». Die Welt ist hier noch in Ordnung.Leider bedeutet Segeln auch immer wieder Abschied nehmen. Am Tag nach unserem Besuch im Dorf geht’s schon wieder weiter westwärts. Auf dieser Fahrt bestätigt sich auch, was wir schon öfters gelesen hatten. Überall schwimmen solche rund ein Kubikmeter grosse Klötze im Wasser. Manchmal sind es auch zwei Meter grosse Flosse aus Bambus. Alle haben denselben Zweck: durch ihren Schatten kleine Fische anziehen. Diese wiederum locken grössere Raubfische an, die dann, so hoffen die Fischer, in ihren Netzen hängen bleiben. Schon tagsüber schlecht sichtbar, sind solche FAD («Fisch Attracting Devices») in der Nacht gefährliche Hindernisse, die Schäden am Rumpf oder Ruder verursachen können.Die Fischer in ihren kleinen Kanus beobachten das Wasser sehr intensiv. Wellen, Vögel und Geräusche verraten ihnen, wo sie das Netz auslegen sollen.Am 19. Oktober setzen wir über auf die Insel Flores. Die ersten eineinhalb Stunden der 55 Seemeilen langen Fahrt herrscht absolute Windstille. Die Wolken über den Bergen deuten aber bereits an, dass bald ein Küstenwind einsetzen wird.Der Wind bläst mittlerweile querab und wir machen nun unter Segeln gute Fahrt. Kurz vor Sonnenuntergang erreichen wir unseren Ankerplatz.Gut ausgeschlafen geht es am nächsten Tag bereits wieder weiter. Diesmal sind es «nur» 40 Seemeilen. Auch heute wieder: am Morgen früh noch kein Wind, aber sobald die Thermik an der Küste entlang zu funktionieren beginnt, können wir segeln. Am neuen Ankerplatz, in der Batu Boga West Bucht, leben Fischer mit ihren Familien. Die besuchen uns auch gleich mit dem Kanu und fragen uns nach Taucherbrillen und T-Shirts. Im Gegenzug kommen frische Kokosnüsse auf die Lupina.In einem kurzen Hüpfer geht es weiter zum nächsten Ankerplatz, nach Nagar Ujong. Eigentlich hat es seit mehreren Tagen keinen Wind, aber das hohe Vulkangebirge hilft uns. Dank der Thermik weht am Morgen ein Wind vom Land zum Meer. Im Verlaufe des Tages dreht dieser und bläst vom Meer zum Land. Für uns bedeutet dies wunderbare Segelbedingungen mit leichten Winden querab und flache See. Bei solchen Verhältnissen macht es auch nichts, wenn ein Ankerplatz, wie derjenige von Nagar Ujong, einem auflandigen Wind ausgesetzt ist. Der Schwell bleibt flach und der schwache Wind reisst nicht an der Kette.Eine Fähre rauscht an unserem Ankerplatz vorbei. Der Anker liegt bereits bereit und die Kinder freuen sich auf einen Sprung ins kühlende Nass.Den Ankerplatz von Nagar Ujong haben wir gezielt angesteuert, weil sich von hier aus gut ein Ausflug zum Kelimutu Nationalpark organisieren lässt. Auf der Insel Flores gibt es 14 aktive Vulkane. Obwohl letztmals 1968 ausgebrochen zählt auch der Vulkan Mount Kelimutu dazu. Das Spezielle hier sind die drei Kraterseen, welche ständig ihre Farbe wechseln.Der Aufstieg zum Rande des Hauptkraters auf rund 1’600 Metern über Meer ist kurz und einfach.Der Gipfel des Kelimutu ist erreicht. Leo, der Fahrer, der uns für umgerechnet 75 Schweizer-Franken einen ganzen Tag lang mit seinem Auto über die Insel fährt und uns verschiedene Sehenswürdigkeiten zeigt, hält den Moment für unser Album fest.Auf dem Gipfel des Kelimutu. Unter uns 2 der 3 Kraterseen. Der eine blau, der andere leicht gelblich. Die unterschiedlichen Farben ergeben sich aus verschiedenen Mineralien und Schwebstoffen, unterschiedlichen Temperaturen und Mikroben, die das Licht unterschiedlich reflektieren. Die Farben wechseln über die Jahre, je nachdem, wie sich das Wasser zusammensetzt. Die Seen können weiss, blau, grün, rot oder schwarz sein.Bei unserem Besuch ist die Farbe des 3. Kratersees gerade schwarz.Nach dem Nationalpark fahren wir zu einem Wasserfall. Der Wasserfall selbst ist zwar nicht so spektakulär, aber der Weg dorthin entpuppt sich als kleiner Geschicklichkeitsparcours. Pia schafft es locker – auch meine Füsse bleiben trocken.Geschicklichkeitsparcours überwunden: Pia und Margrit von der SY Kama, die mit ihrem Mann Ernst unseren Ausflug mitmacht, sind sichtlich erleichtert.Sattgrüne Reisfelder unterwegs im Landesinnern.Die Strassen und vor allem die Fahrzeuge und deren Zustand darf man ruhig als abenteuerlich bezeichnen. Einmal sehen wir unterwegs einen Kleinbus, der vom Chauffeur absichtlich in den Strassengraben gesteuert wurde. Die Bremsen hatten versagt und nur so konnte er sein Fahrzeug stoppen. Der LKW auf dem Bild hatte einen so stark abgelaufenen Reifen, dass dieser einfach geplatzt ist.Der Besuch eines traditionellen Dorfes wird zum Highlight unseres Landausfluges. Im Dorf Wologai halten die Einwohner an ihren seit Generationen überlieferten Bräuchen und Gepflogenheiten fest. Zum Zeitpunkt unseres Besuches bereiten die Männer gerade ein Fest vor.Die Häuser sind komplett aus Holz gebaut, vorwiegend Bambus und Zedernholz. Jeder Clan besitzt ein eigenes Haus, das jeweils nach dem Tod des Oberhauptes der nächsten Generation weitergegeben wird. Die Gebeine des Oberhauptes werden am Fuss der Eingangstreppe vergraben. So kann es auch nach dem Tode dafür sorgen, dass es dem Clan gut geht.Die Wickelröcke von Mann und Frau haben unterschiedliche Farben. Auch die Aufgaben sind klar geregelt: während die Männer das Fest, an dem nur Männer teilnehmen dürfen, vorbereiten, sorgen die Frauen für das leibliche Wohl.Leo, der Sprecher des Dorfes und in der Hierarchie nach dem Chief die Nummer Zwei im Dorf, spricht zu unserem Erstaunen recht gut Englisch. Er kann uns viel über die Geschichte des Dorfes und seine Einwohner erzählen. Die Verzierungen und Schnitzereien auf den Holzbalken sagen etwas über den Clan aus, der in diesem Haus lebt.Interessiert werden wir Fremdlinge auf Schritt und Tritt beobachtet.Zum Abschluss der Dorfbesichtigung lädt uns Sprecher Leo sogar in sein Haus ein. Ein traditionelles Haus besteht im Grunde aus einem einzigen Raum, der durch Tücher und Holztafeln flexibel unterteilt werden kann. Auch die Küche, eine einfache Feuerstelle (Bild) befindet sich in diesem Raum. Die hohe Dachform erlaubt es dem Rauch, nach oben zu entweichen.Auch im traditionellen Dorf reagieren die Leute sehr positiv, wenn man um ein Foto bittet. Sprecher Leo, unser Dorfführer, setzt sich jedenfalls ohne zu Zögern bereitwillig zu uns für ein Gruppenbild (Margrit und Ernst, SY Kama; Sprecher Leo und wir).
Nach dem sehr interessanten und lehrreichen Landausflug geht es nun wieder weiter der Nordküste von Flores entlang. Die Wasserleckage an der Wellendichtung haben wir vorläufig im Griff, versuchen aber intensiv, eine Möglichkeit zu finden, wo wir das Schiff aus dem Wasser holen können für eine Reparatur. In diesem Teil von Indonesien findet sich jedoch nichts. Also geht es mit diesem Handicap vorläufig weiter westwärts.
Es bleibt spannend! Folge der Lupina im Kielwasser!
Nach den stressigen Tagen, die uns die Biosecurity Behörde in Darwin bescherte bevor wir mit unserer Lupina in die Marina durften, verläuft die Übernahme des reservierten Campers wie geschmiert. Mit einem Uber lassen wir uns die rund 18 Kilometer von der Marina zur Autovermietung fahren.
Der Empfang bei der Mietfirma ist sehr sympathisch. Auch der ganze Papierkram ist schnell erledigt und viel schneller als erwartet sind wir mit unserem Camper unterwegs.Unser fahrbarer Untersatz und Wohnung für die nächsten zwei Wochen. Ein Fiat Ducato mit Küche, Bett für zwei Personen, Dusche und WC.Leider erleben wir beim ersten Stopp eine unangenehme Überraschung. Unsere unter Zusatzgebühr gebuchte «Outdoor-Ausrüstung» entpuppt sich als wertloser Schrott. Die Stühle sind das Billigste vom Billigen – und bereits beschädigt. Wir müssen Neue kaufen. Bis zum Schluss der Reise kommen noch einige Dinge dazu (Wasserpumpe fällt aus, Wassertank undicht, Tempomat funktioniert nicht, Türscharniere der Einbaukästen fallen ab, …).
Von Darwin aus wollten wir die Nationalparks (NP) Litchfield und Kakadu besuchen, und dazwischen einen Abstecher südlich bis Katherine machen (rote Route auf dem Bild unten). Aber es kommt anders. Am Vorabend unserer Reise treffen wir Margrit und Ernst von der SY Kama, die gerade von ihrer Reise ins Outback zurückgekommen sind. Als wir über unsere Reisepläne sprechen, meint Ernst schulterzuckend: «Ja, die Wasserfälle sind schön, aber einmal hat man sie gesehen.» Noch am selben Abend schaue ich mir die Karte zum wiederholten Mal an. Und da ist er wieder, der Uluru (bis 1993 Ayers Rock genannt). Schon immer wollte ich irgendeinmal in meinem Leben dorthin. Aber über 3’300 Kilometer Umweg? Für mich kein Problem, ich fahre sehr gerne Auto. Aber Pia – ob sie das mitmacht? Da ist Taktik und Strategie gefragt. Am Abend des 2. Tages im ersten Nationalpark mit wunderschönen Wasserfällen und fantastischer Natur erwähne ich ganz beiläufig meine verrückte Idee, bis zum Uluru zu fahren. Ich stelle das einfach mal so in den Raum und unterlasse es tunlichst, das Thema weiter zu diskutieren. In der folgenden Nacht schläft Pia sehr unruhige, denkt nach und träumt sogar vom Uluru. Beim Frühstück am nächsten Morgen wird die verrückte Idee zum gemeinsamen Plan: Wir machen einen Abstecher zum Uluru.
Mit dem Camper bereisen wir den gelb umrandeten Bereich. Ursprünglich waren nur der Litchfield und der Kakadu NP geplant (rot umrandetes Gebiet) Tipp: schau dir unsere bebilderte Reise in der gratis APP «POLARSTEPS» an (www.polarsteps.com) Nun der Reihe nach! Unsere Reise führt uns zunächst wie ursprünglich geplant Richtung Litchfield NP. Unterwegs fällt uns schon bald auf, dass offenbar viele Wälder von Waldbränden betroffen waren. Überall sehen wir deutliche Zeichen: angesengte Baumstämme, abgebranntes Unterholz und Gras. Wir erfahren, dass die Brände absichtlich von Menschenhand gelegt werden, um brennbares Material zu entfernen, solange es noch in geringer Menge vorhanden ist. Würde man das nicht machen, gäbe es viel mehr trockenes Holz und Gras. Ein etwa durch Blitzschlag entfachter Waldbrand würde dann schnell zu einer unkontrollierbaren, verheerenden Feuersbrunst ausarten. Schon bei den Ureinwohnern war es Tradition, zu Beginn der Trockenzeit kontrollierte Feuer zu legen, um auf diese Weise ihren Lebensraum gezielt zu pflegen und zu schützen. Die hier heimischen Pflanzen und viele Tiere haben sich an solche kleinere Feuer angepasst und können es überleben.Unser erster Stopp im Litchfield NP gilt der stillgelegten Zinn Miene von Bamboo Creek. Hier wurde in den 1940er Jahren während rund 12 Jahren unter härtesten Bedingungen Zinn abgebaut. Zwei der drei Besitzer der Miene verstarben Anfang der 50er Jahre an Lungenerkrankungen, die vom Staub in den Mienen verursacht wurden. Nachdem 1952 enorme Regenfälle die Stollen überfluteten, wurde der Zinn Abbau für immer eingestellt. Zurückgeblieben sind ein paar Einrichtungen, wie etwa das Steinbruchgebäude im Bild, wo das Erz mit dem Zinnvorkommen gebrochen und dann wie Gold ausgewaschen wurde.Innerhalb von kurzen Distanzen verändert sich die Landschaft schnell. Ausschlaggebend ist das Wasser. Bei Regenfall saugt der Boden aus Sandgestein das Wasser wie ein Schwamm auf. An der Oberfläche wird es schnell wieder trocken, entsprechend ist die Vegetation spärlich. Entlang von Flüssen und Wasserläufen ist die Vegetation dagegen tropisch und üppig.Das in den Sandfelsen aufgesaugte und gespeicherte Wasser wird an vielen kleinen, weit verstreuten Quellen wieder abgegeben. Auch in der höchsten Trockenzeit fliesst Wasser aus dem natürlichen Speicher. Die Wangi Wasserfälle (Bild) ergiessen sich vom Hochplateau in einen grossen Pool. Der perfekte Ort für ein kühlendes Bad.Bei den meisten Wasserfällen im Litchfield NP ist Baden möglich, da Krokodile die Höhendifferenz vom Meer und den tiefer gelegenen Sumpflandschaften schlecht überwinden können und deshalb in den höheren Gegenden selten sind. Allerdings, ohne Reptilien geht es auch hier nicht. Vor uns rennt dieser rund 1.2 Meter lange Gelbfleck-Waran ins Wasser.Ein paar Kilometer weiter im Litchfield NP folgen die Tjaetaba Wasserfälle. Das Besondere hier: die Quellen für diesen Wasserfall befinden sich nur unweit der oberen Kante und sind über einen kurzweiligen Wanderweg bequem erreichbar.Aus der Quelle oberhalb des Tjaetaba Wasserfalles sprudelt glasklares, kühles Wasser. Wunderbar für ein Fussbad. Ich bin mit Pia am Plaudern, als mich an den Füssen etwas kitzelt. Immer mehr. Nach kurzer Zeit krabbeln mehrere kleine Flussgarnelen an meinen Füssen herum und zupfen alte Hautreste weg. Eine perfekte Fusspflege.Pia verzichtet auf die Fusspflege.Das Gebiet der Tolmer Wasserfälle ist deshalb spannend, weil man hier sehr schön sieht, wie die Natur über mehrere Millionen Jahre gearbeitet hat. Das ganze nordaustralische Gebiet war einmal unter Wasser. Die Steinplatte ganz oben auf dem Berg ist ein Überbleibsel des damaligen Meeresbodens. Durch Wind, Wasser und Hitze der Sonne ist viel von den Sedimentschichten abgetragen worden. Das Regenwasser sickert durch Ritzen in den Boden bis zu wasserundurchlässigen Schichten, fliesst dann an deren Oberfläche entlang, bis es am Hang als Quelle wieder an die Oberfläche tritt. Dieses im Untergrund fliessende Wasser verursacht im Berginneren kleinere Hohlräume und Höhlen, die dann, sind sie einmal gross genug, zu Einbrüchen führen. Was bleibt, sind zerklüftete Berge und Schluchten mit plattenförmigem oder blockartigem Gestein.Tolmer Wasserfall. Das Wasser gelangt durch eine tief eingeschnittene Schlucht zur oberen Kante des Falles und stürzt dann 42 Meter in die Tiefe.Wir sind unterwegs zum Buley Rockhole (Litchfield NP). Auch hier wurde der Wald kürzlich durch Feuer von trockenem Gras und Holz befreit. Für unser Auge sehr öde. Nichts deutet darauf hin, dass schon in ein paar Monaten, wenn die Regenzeit (wet season) einsetzt, alles wieder grün sein soll.So sieht ein Pandanus Baum nach dem Feuer aus …… und so vorher. Der Aufbau des Stammes macht den Baum feuerresistent.Der Papier-Baum ist ebenfalls sehr widerstandsfähig. Seine mehrschichtige, papierartige Rinde, mehrere Zentimeter dick, schützt den Stamm vor Feuer, aber auch vor Insekten und anderen Tieren, die sich gern an Holz gütlich tun.Die rund 1.5 Kilometer lange Wanderung über verbrannte Erde lohnt sich. Wir gelangen zum Florence River mit mehreren aufeinander folgenden Pools mit glasklarem Wasser.Eine willkommene kühle ErfrischungIm ganzen nordaustralischen Territorium gibt es eine Regenzeit (wet season, November – April) und eine Trockenzeit (dry season, Mai bis Oktober). Die Pflanzen müssen sich sehr gut anpassen, um mit diesen grossen Unterschieden auszukommen. Dieser Farn auf den Felsen um uns herum kann das harsche Klima überleben, indem er 2 verschieden Arten von Blättern produziert. Während der Regenzeit wachsen die für Farne bekannten langen, leuchtendgrünen Wedel, die Sporen bilden und die Vermehrung der Pflanzen ermöglichen. Dies fallen während der Trockenzeit ab und es verbleiben nur die im Bild gezeigten papierartigen, braunen «Nestwedel». Obwohl sie nicht nach viel aussehen, sind sie die «Brotverdiener» der Pflanze. Sie fangen herabfallendes Laub, Staub, und andere Dinge auf, die dem Farn Nahrung liefern.Etwas weiter flussabwärts folgen die Florence Falls. Ein herrlich schöner, grosser Pool lockt uns noch einmal ins Wasser.Auf der Weiterfahrt entdecken wir riesige Termitenhügel. Dreiviertel aller Termitenarten (in Australien gibt es über 350 verschiedene Arten) sind unsichtbar, das heisst sie leben unterirdisch oder in Bäumen. Die Kathedral-Termite baut Hügel, die bis zu 5 Meter gross sein können. Eine eindrückliche Leistung für ein nur 5mm grosses Tierchen.Ähnlich wie die Ameisen haben auch Termiten ein sehr gut funktionierendes Kastensystem mit Königin (Fortpflanzung), Arbeiterinnen (Ernährung), Soldaten (Verteidigung) und Larven, die später als beflügelte Tierchen ausschwärmen und für die Verbreitung sorgen (Nachwuchs). Wer in welcher Kaste landet, das wird über die Nahrung und den Platz im Hügel gesteuert.Ein Friedhof mit Grabsteinen? Nein! Termitenhügel, die sehr flach sind und in ihrer Form Grabsteinen ähneln. Sie sind ausnahmslos von Nord nach Süd ausgerichtet. Forscher haben herausgefunden, dass diese Form und Ausrichtung in dieser Gegend die kühlsten Innentemperaturen ergeben. Die erste Vermutung, dass die Termiten sich beim Bau an der Sonne ausrichten, mussten schnell verworfen werden: die Bau-Arbeiterinnen sind blind. Also hat man ein künstliches Magnetfeld angelegt – und siehe da: die fleissigen Termiten haben die Ausrichtung korrigiert. Deshalb ihr Name: Kompass oder Magnet Termiten.Wir verlassen den Litchfield NP in Richtung Stuart-Highway, der von Darwin im Norden quer durch den ganzen Kontinent nach Süden bis Adelaide verläuft. Bis wir aber zu dieser sehr gut ausgebauten Strasse gelangen, müssen wir zuerst einige Kilometer quer durch die Outbacks auf diesen typisch roten Staubpisten bewältigen.Herrlicher Camping Platz mitten in der Wildnis bei den Robin Falls, direkt am Fluss. Wir werden immer mutiger!Die Robin Falls selber sind praktisch trocken.Stuart-Highway – unsere Strasse für die nächsten 1’500 KilometerDas Land ist mehrheitlich flach. Entgegen unserer Erwartung treffen wir nicht eine öde Wüstenlandschaft an, sondern sehr abwechslungsreiche Steppen und Savannen mit vielfältiger Vegetation.Wir sind in der Trockenzeit unterwegs. Die häufigen Warnschilder am Strassenrand (Gefahr von Überflutung) erinnern daran, dass offenbar in der Regenzeit das Gebiet grossflächig überschwemmt sein kann.Viel davon gehört und darüber gelesen. Die «Road-Trains» in Australien! Sie sind halt einfach der Traum eines jeden leidenschaftlichen Chauffeurs. Ein Sattelschlepper mit 4 Aufliegern – 17 Achsen – 66 Rädern – bis zu 53.5 Meter lang und 150 Tonnen schwer.Dieses Fahrzeug ist etwas in die Jahre gekommen – Fahrer und Beifahrer ebenfalls 🙂Nach zwei Tagen auf dem Stuart-Highway erreichen wir das Zentrum Australiens (oft auch das Red Centre genannt), Alice Springs. Die riesigen Flächen im Innern von Australien haben keine Abflüsse in Richtung Meer. Alles Regenwasser, das in der Regenzeit fällt, versickert und speist das Grundwasser. In Alice Springs wurde viel Grundwasser gefunden. Nicht verwunderlich also, dass Alice Springs beim Bau der ersten Telegraphenleitung von Adelaide nach Darwin zu einem wichtigen Stützpunkt wurde.
Im Jahr 1862 durchquerte der Entdecker John McDouall Stuart den Australischen Kontinent von Norden nach Süden und erstellte die Karten für eine Telegraphenleitung und einen Transportweg. In den Folgejahren 1868 bis 1872 wurde die Telegraphenleitung gebaut und ein erster Fahrweg, der als Grundstein für den heutigen Stuart-Highway gilt. Der Hauptschub zum Ausbau der Strasse kam dann erst im Verlauf des 2. Weltkriegs, als Darwin, das von den Japanern angegriffen und schwer bombardiert worden war, mit Nachschub versorgt werden musste.
Obwohl die Trockenzeit ihr Maximum bereits überschritten hat, finden wir im «Red Centre» zu unserem Erstaunen viele Blumen! Das trockene Gras (oben rechts) hingegen, Spinifex, eines der widerstandsfähigsten Gräser auf der Welt, passt da schon eher in unser Bild.Rechtzeitig zum Sonnenuntergang erreichen wir das Ziel unserer langen Reise ins Outback: der Uluru bei Sonnenuntergang (fotografiert zu unterschiedlichen Zeiten)Der Uluru ist ein gewaltiger Sandsteinmonolith. Schätzungen zufolge entstand der Felsriese vor rund 550 Millionen Jahren. Er ragt 318 Meter über die umgebende Wüste, hat einen Umfang von 8 Kilometern und verläuft noch mindestens 2.5 Kilometer in die Erde hinein. Etwas näher betrachtet sind deutlich die schief stehenden Sandschichten erkennbar. Wind, Sonne und Regen haben während Millionen von Jahren daran geschliffen und gefeilt. Die Natur als Bildhauer und Künstler!Die Luft ist sehr trocken – unter 50% Luftfeuchte. Daher kühlt es in der Nacht auch stark ab. Einmal bis auf 13 Grad! Tagsüber steigt das Quecksilber bis auf über 35 Grad. Da kommt ein schattiges Ruheplätzchen doch sehr gelegen.Diese Formation sieht aus wie eine Welle. Solche Aushöhlungen am Uluru wurden von den «traditional owners of the land» (traditionelle Besitzer des Landes) – wie die Aborigines heute oft bezeichnet werden – schon vor über 60’000 Jahren als Zufluchtsort benutzt, wenn Anfangs der Regenzeit heftige Gewitter mit Blitz und Donner über die Ebenen zog.The Teaching Cave: Die Urbevölkerung hatte eine sehr intensive Beziehung zur Natur. Wetter, Tiere, Pflanzen oder Felsen sprachen mit ihnen, gaben ihnen Hinweise, wie sie sich zu verhalten haben und was sie tun sollten. Wichtige Figuren aus ihren von Generation zu Generation überlieferten Geschichten tauchen immer wieder auf. So haben etwa auch die gut erkennbaren Vorsprünge an der sonst glatten Felswand jeder eine Bedeutung, die auch heute unverändert gelten bei den Aborigines. Die Alten sassen mit den Jungen davor zusammen und erklärten ihnen, was die Vorsprünge bedeuten, und was sie einem mitgeben wollen.Kantju Gorge an der Westflanke des Uluru. Das Regenwasser hat hier über Millionen von Jahren eine Einbuchtung in den Felsen geschliffen. Die schwarze Verfärbung an der Wand stammt von Algen, die während der Regenzeit wachsen können. Am Fuss der Felswand befindet sich ein weiteres Wasserloch, das vom Grundwasser gespiesen wird. Auch in der härtesten Trockenzeit ist es mit Wasser gefüllt und versorgt die Bäume mit genügend Lebenssaft. Analysen des Wassers haben ergeben, dass es vor rund 50’000 Jahren vom Himmel gefallen ist.Feuchte und Wärme bedeuten gleichzeitig auch Mücken. Hier sind es aber vor allem lästige Fliegen, die sich intensiv und in grosser Zahl auf Nasenlöcher, Mundöffnung und Augen stürzen. Ein guter Schutz ist erforderlich.Rund 30 Kilometer entfernt in Sichtdistanz vom Uluru ein weiteres Phänomen der Natur: der Kata Tjuta. Eine Gruppe von 36 Felskuppen, von denen der mit 1069 Meter höchste Fels, der Mt Olga, 564 Meter aus der Umgebung herausragt.Kata Tjuta – eben so speziell, ebenso fantastisch wie der Uluru – aber viel weniger bekannt.Kata Tjuta: zwischen den einzelnen Felskuppen immer wieder tief eingeschliffene Schluchten, in denen es Wasservorkommen gibt und sich entsprechend üppige Vegetation ansiedelt.Im Gegensatz zum Uluru, dessen Fels aus feinem, kompaktem Sandstein gebildet ist, zeigt sich der Fels das Kata Tjuta deutlich uneinheitlicher. Faustgrosse, rund geschliffene Kieselsteine sind hier in der Felsmasse eingeschlossen. Sie deuten darauf hin, dass der Berg aus kompakten Schwemmmaterial, wie es bei grösseren Flussausläufen ins Meer oft vorkommt, besteht.
Die Zeit im «roten Zentrum», im Herzen von Australien, ist ein Highlight unserer Australienreise. Wir lernen viel über die Entstehungsgeschichte von Australien, über die mehr als 60’000 Jahre alte Urbevölkerung und über die Natur. Der Abstecher in den Süden erweist sich viel kurzweiliger und interessanter als erhofft. Die Fahrt auf dem sehr gut gepflegten Stuart-Highway ist äusserst entspannend und praktisch ohne Verkehr. Ein wunderbares Erlebnis!
Die Zeit im Uluru-Kata-Tjuta NP geht viel zu schnell zu Ende, aber die Lupina ruft, und wir wollen noch andere Gebiete erkunden.
Karlu Karlu (von den Weissen «Devil’s Marbles», die Murmeln des Teufels genannt) ist eine heilige Stätte der Ureinwohner etwa auf halbem Weg zurück in den Norden. Ein weiteres Wunder der Natur. Diese Felsen aus Granit wurden über Millionen von Jahren ganz langsam von Wind, Regen und vor allem durch die extreme Hitze der Sonne bearbeitet. Dabei wurde Schicht für Schicht wie bei einer Zwiebel abgetragen und die Felsen in ihre heutige Form gestaltet. Das Werk der Natur zeigt sich sehr schön an diesem gespaltenen Exemplar.Der letzte grosse Park auf unserer Reise ist gleichzeitig der grösste Park in Australien. Der Kakadu NP, fast halb so gross wie die Schweiz, ist wohl einer der Parks, welche dem Besucher die Kultur der Urbevölkerung am nächsten bringt. Er grenzt direkt an ein riesiges Territorium (Arnhem Land), das sich weiter ostwärts bis zum Golf von Carpentaria ausdehnt und fast ausschliesslich von Aborigines bewohnt wird. Der Zutritt für nicht Einwohner ist nur mit einer speziellen Bewilligung erlaubt. Der Kakadu NP deckt ein riesiges Übergangsgebiet zwischen dem Meer und einem Hochplateau ab: flaches, sumpfiges Schwemmland geht über in felsiges Flachgebirge – schön zu sehen im Bild. Entsprechend sind Natur und Lebewesen extrem vielfältig und spannend.Typisches Bild kurz vor Ende der Trockenzeit. Die Wassermassen in den Ebenen sind verschwunden. Es sind nur noch kleine Teiche (Billabong genannt) zurückgeblieben, an denen sich die Tiere, welche auf das Wasser angewiesen sind, immer dichter drängen. In der Regenzeit liegt das ganze Gebiet meterhoch unter Wasser.Je nach Region kennen die Aborigines 5 oder 6 Jahreszeiten, die einzig und alleine durch die Natur bestimmt werden. So beginnt zum Beispiel «Bang Gerreng» («knock ‘em down season»), die Periode nach der Regenzeit («Gudjeuk»), dann, wenn die ersten Gewitter auftreten. Was genau ausschlaggebend ist in der Natur, die Bedeutung und wie man sich verhalten soll wird von den Alten, erfahrenen Leuten den Kindern und Jugendlichen weitergegeben, oftmals in Form von Zeichnungen (wie auf dem Bild)Das Gebiet von Nordaustralien hat eine lange und interessante geologische Geschichte. Hier findet man das älteste Oberflächengestein der Erde. Es entstand vor rund 2’500 Millionen Jahren, als sich an der Oberfläche der Erde die ersten Erstarrungen formten. Diese Gegend ist besonders wegen der sehr grossen Konzentration an Schwermetallen (unter anderem Gold oder Uran) einzigartig in der Welt. Vulkanische Aktivitäten, wiederholte Absenkungen und Verwerfungen der entstehenden Erdkruste, gefolgt von grossen Schwankungen des Meeresspiegels, haben die heutige Landschaft geprägt. Hier fand man Spuren der ersten Einwohner, die über 60’000 Jahre alt sind. Unsere Suche nach diesen Spuren führt uns ins bis zu 300 Meter höher gelegene felsige Hochland, wohin sich die als Nomaden lebenden Aborigines aus dem Schwemmland jeweils zurückzogen und die Regenzeit verbrachten.Die Aborigines betrachten Tiere, Pflanzen und Landschaft, die Natur insgesamt, wie eine lebende Person. Das Leben mit der Natur ist für sie gleichbedeutend wie das Leben in der Familie. Für uns «Balandas» (Nicht-Aborigines Menschen) eine Beziehung, die wir schon lange verloren haben. All das Wissen, die Fähigkeiten und Erfahrungen sind in Geschichten verpackt, welche mittels Zeichnungen an vom Wetter gut geschützten Felswänden von Generation zu Generation weitergegeben werden. Diese Geschichten beinhalten Gesetze, Instruktionen und wichtige Erkenntnisse, wie man untereinander und mit dem Land umgehen soll. Im Kakadu NP finden sich viele sehr gut erhaltene Felszeichnungen. Etwas Besonderes: nach der Tradition der Aborigines dürfen bestehende Zeichnungen nicht restauriert, nachgemalt oder ausgebessert werden. Das würde die Bedeutung, die Seele der Zeichnung verändern. Hingegen dürfen problemlos andere Zeichnungen darüber gemalt werden. Das verändert das ursprüngliche Bild nicht. Auf der Zeichnung im Bild, das als oberstes Motiv eine Tanzszene von einem Clan Treffen darstellt, sind deutlich andere, ältere Zeichnungen zu erkennen.Die Felskünstler stellten Geschichten dar, von denen man heute zum Teil nicht mehr genau weiss, was sie bedeuten sollen. Das ist aber durchaus in Ordnung. Ähnlich wie bei unseren Sagen werden Geschichten auf diese Weise im Verlaufe der Zeit verändert, der Erzähler dichtet etwas dazu, schmückt weiter aus – oder die Geschichte geht einfach vergessen, wenn sie ihre Bedeutung verloren hat. Die Zeichnung hier ist relativ neu und die Bedeutung noch einigermassen bekannt. Es stellt das Erscheinen des Lightening Man (Donnergott, oben) dar, der zusammen mit seiner Frau (Bildmitte) und den Kindern (welches in der Überlieferung leuchtend orange Grillen sind, gezeichnet rechts vom Donnergott) am Himmer erscheinen. Die Regenzeit wird abgelöst durch die Zeit der Stürme. Zeit für die Menschen, mit ihren Vorräten unter Felsvorsprüngen Schutz zu suchen.Wir stehen auf Felsen, wie bereits Tausende von Jahre vor uns die Aborigines. Eine ganz intensive und spezielle Vorstellung.Bei Sonnenaufgang starten wir eine Schifffahrt mit Yellow Water Cruise durch das Schwemmland im Oberlauf des South Alligator Rivers. Der Fluss hat eigentlich eine falsche Bezeichnung. Alligatoren gibt es hier nämlich keine. Aber der Geologe, der die Gegend hier erstmals kartographierte, kannte den Unterschied zwischen Krokodil und Alligator nicht. Als er die vielen Krokodile sah, gab er dem Fluss den falschen Namen, der sich bis heute hielt.Auge in Auge mit den SalzwasserkrokodilenDie Fahrt auf dem Schiff am frühen Morgen bringt uns sehr nahe an die Tierwelt heran. Vor allem Vögel drängen sich in dieser Jahreszeit in rieseigen Scharen und grosser Vielfalt eng ans restlich vorhandene Wasser. Im Bild: Weissbauch-Seeadler.Die Kammblatthühnchen werden auch «Jesus Vogel» genannt, weil sie mit ihren grossen Füssen scheinbar übers Wasser laufen können. Im Vergleich zur Körpergrösse ist es der Vogel mit den grössten Füssen.Königslöffler (gehört zur Familie der Ibisse)Blauer Zwergfischer (australische Eisvogelart)Australischer Schlangenhalsvogel beim SonnenbadEin Highlight unserer Tour durch den Kakadu NP: Cahill’s Crossing. Hier endet der Park und die Fahrt über den East Alligator River ist nur gestattet mit einer speziellen Erlaubnis. Die abenteuerliche Durchfahrt ist nur bei Niedrigwasser möglich. Das ist aber nicht das Highlight, sondern die Krokodile! Der Fluss wird hier durch eine Furt durchquert. Je nach Gezeitenstand im Meer gelangt die Flut bis zu diesem Übergang.Auf diesem Bild, es ist gerade kurz vor maximaler Flut, fliesst nun das salzhaltige Wasser flussaufwärts und überquert die Furt von links nach rechts. Ähnlich wie die Lachse gibt es hier «Baramundi» (eine Fischart aus der Familie der Riesenbarsche) die vom Meer her flussaufwärts wollen. Sie sind müde und werden auf der anderen Seite der Furt von hungrigen Krokodilen (dunkle Linien im Wasser) erwartet. Wir zählen mindestens 30 Stück im Nahbereich der Furt.Etwas Seltsames, das sonst bisher nirgendwo anders beobachtet wurde: Beim Fischfang halten die Krokodile ihre Vorderkrallen aus dem Wasser – wie um uns zuwinken zu wollen. Forscher vermuten, dass dies den Krokodilen hilft, mithilfe ihrer Sensoren auf der Hautoberfläche die Fische im trüben Wasser besser aufzuspüren zu können.Schon nach kurzer Zeit ein Erfolgserlebnis. Ein fantastisches Schauspiel – direkt vor unseren Augen.Angeblich hat es viele Wasserbüffel in dieser Gegend. Diese nicht ungefährlichen Tiere, die von den ersten Siedlern aus dem asiatischen Gebiet hierhergebracht wurden, und dann ausgewildert sind, haben sich stark vermehrt. Wir finden in der freien Wildbahn nur Spuren von ihnen, sind auch froh, denn sie können sehr aggressiv sein. Die zahme Version der Wasserbüffel sind die Banteng (Bild). Charakteristisch sind ihre weissen «Socken». Die Weibchen und jungen Tiere sind braun – einzig die Stiere bekommen ein dunkles Fell. Ursprünglich in Südostasien zu Hause brachten 1849 die ersten europäischen Siedler 20 Exemplare nach Australien in dieses Gebiet. Infolge des sehr schwierigen Lebensraumes sind die Siedler aber bald weitergezogen, die Tiere wurden ausgesetzt. Heute gibt es in dieser Gegend rund 4’000 Tiere, das grösste Vorkommen, das es noch gibt auf der Welt.Fast ein Jahr ist es her, seit wir in Australien angekommen sind. Wir sind an der Ostküste zwischen Sydney bis hoch zum Cape York an der nördlichsten Spitze des Kontinentes, und dann westwärts bis Darwin gesegelt. Total 3’500 teilweise anspruchsvolle Seemeilen. Leider, wie schon mehrmals erwähnt, hatten wir wegen der gefährlichen Tiere (Krokodile, Haie, Quallen, Seeschlangen) nur wenig Gelegenheit, ins Wasser zu hüpfen. Aber wir haben eine sehr spannende und für uns mit vielen neuen Erfahrungen gespickte Zeit in Australien verbracht. Nun wird es Zeit, uns zu verabschieden, und uns neuen Abenteuern zu widmen.
Navionics, unser bisherige Seekarten Lieferant, lässt uns und viele andere Segler weiterhin hängen. Der Urheber-Rechtsstreit mit Indonesien ist noch nicht beigelegt und die so dringend benötigten Karten sind immer noch nicht erhältlich. Wir sind gezwungen, auf eine andere Marke umzusteigen. Ärgerlich, weil wir extra mehr als ein Monat darauf gewartet haben und so das idealste Zeitfenster für die Fahrt nach Indonesien verpasst haben. Damit nicht genug! Nach unserer Rückkehr vom Outback auf die Lupina streikt der Kühlschrank und wir brauchen ein neues Kühlelement. Ob wir den auf die Schnelle wieder reparieren können? Drückt uns die Daumen, denn mit den Australischen Behörden ist unsere Abreise für den kommenden Dienstag, 7.10.2025 festgelegt.
Es bleibt spannend! Folge der Lupina im Kielwasser!
Gewusst? Der Uluru ist nicht der grösste Fels auf der Welt. Das ist ein anderer Berg in Australien: der Mount Augustus, der etwa doppelt so gross. Hingegen ist Uluru der weltgrösste freistehende Fels der Welt
In diesem Bericht nehmen wir dich mit auf die Fahrt von Thursday Island durch die Torres-Strasse und weiter westwärts via den Golf von Carpentaria in die Arafura See und dann durch den Van Diemen Golf nach Darwin.
Die Torres-Strasse war früher berüchtigt und gefürchtet. Sie galt als äusserst gefährliche Passage, weil sie von Untiefen und Riffen gespickt ist, und weil sehr starke Meeresströmungen es dem Steuermann erschweren, seinen Kurs zu halten. Dank der heutigen GPS unterstützten Navigation weiss der Segler immer genau, wo er ist und in welche Richtung sich das Schiff bewegt. Trotzdem bleibt die Passage recht anspruchsvoll und muss gut geplant werden. So entscheiden wir auf Grund starker Strömungen zum Beispiel, nicht vor der Thursday Island zu ankern, sondern vor der Insel gegenüber, Horn Island. Hier ist die Strömung auch ordentlich, aber deutlich geringer, und der Ankerplatz ist besser vom Wind geschützt.
Wir wissen, dass es entlang der Nordküste von Queensland und an der ganzen Küste der Nord-Territorien entlang Salzwasserkrokodile gibt. Gesehen in freier Wildbahn haben wir aber noch keine. Nun, von unserem Ankerplatz nur etwa 100 Meter entfernt können wir sie jeden Tag beim Sonnenbaden beobachten. Sich im erfrischenden Nass etwas abzukühlen kommt definitiv nicht in Frage.Bevor wir weiter ziehen möchten wir die Thursday Insel doch noch sehen. Wir lassen unsere Lupina am Anker und nehmen die Schnellfähre, welche die beiden Nachbarinseln verbindet.Thursday Island: Auf unsere Karte entdecken wir mehrere Wanderwege und entscheiden uns für einen, der uns zu einem Aussichtspunkt führt. Der Weg ist zwar gut markiert und einigermassen unterhalten, der Aussichtspunkt dann aber eher enttäuschend, weil er schon stark zugewachsen ist. Trotzdem können wir gut die Nachbarinsel Horn und den davor vorgelagerten Ankerplatz erspähen.Am 24.8.2025 lichten wir den Anker, lassen den Ankerplatz (Bild) achterlich zurück und starten unsere Reise Richtung Darwin. Die Nordküste Australiens ist wenig zum Fahrtensegeln geeignet: die See ist unruhig mit kurzen, steilen Kabbelwellen, das Wasser durchwegs trüb und die Ankerplätze sind meist weit weg von der Küste, da das Wasser im Küstenbereich sehr flach wird und die Gezeiten über 5 Meter betragen. Segler, die diese Passage absolvieren, entscheiden sich deshalb oft für eine nonstop Fahrt bis Darwin. Wir planen aber, diverse Stopps einzulegen und möglichst viele Tages-Tripps zu machen. Irgendwie müssen wir ja die Zeit überbrücken, bis die Navionics Seekarten von Indonesien wieder verfügbar sind. Da die Marinas in Darwin wegen einer Rally ausgebucht sind, können wir auch nicht früher dort einchecken.Unsere erste Etappe wird die längste. Sie führt uns rund 340 Seemeilen von Horn Island über den Golf von Carpentaria zu den Wessel Islands. Wir haben guten Wind, aber die anfänglich kabbelige See lässt Lupina und Crew heftig hin und her, rauf und runter tanzen. Erst gegen Abend des ersten Tages auf See beruhigen sich die Wellen, und wir können entspannt der untergehenden Sonnen entgegen segeln.
Nach zwei Nachfahrten erreichen wir unseren ersten Ankerplatz erst spät gegen Mitternacht der dritten Nacht. Das war nicht so geplant, aber die Strömung hat uns einen gewaltigen Strich durch die Rechnung gemacht. Bei der Umrundung des Cape Wessel schauen wir ungläubig auf die Logge. Unsere Geschwindigkeit ist innerhalb kurzer Zeit von über 5 Knoten zusammen gefallen auf weniger als 2 Knoten. Und sie sinkt weiter. Mit Hilfe des Motors schaffen wir es, Lupina im Schritttempo um das Kapp zu schieben. Erst als wir gut eine Meile weiter in die Abdeckung des Inselbandes gelangen, steigt die Geschwindigkeit langsam wieder an. Und so kommt es, dass wir anstatt kurz vor Sonnenuntergang erst gegen Mitternacht den Anker fallen lassen können. Zum Glück sind wir gut vorbereitet und haben für den Fall einer Ankunft bei Nacht einen gut anzulaufenden Ankerplatz auf der Marchinbar Island ausgewählt.
Am nächsten Morgen können wir unsere Umgebung bestaunen. Das Land ist, wie übrigens die ganze Nordküste Australiens, sehr flach. Kaum Berge oder grössere Erhebungen. Gut zu erkennen, der plattenförmige, schieferartige Aufbau des Bodens.Der Ankerplatz in der Two Island Bay auf Marchinbar ist sehr gut geschützt vor Wind und Welle. Spontan entscheiden wir, eine Segelpause einzulegen und uns wieder mal um den Haushalt zu kümmern.Das Segeln entlang der Wessel Islands ist wunderbar angenehm: der leichte Wind kommt quer auf unser Schiff, und da wir auf der Leeseite der Inseln fahren, hat es praktisch keine Wellen. Ein herrliches Segeln.Entlang der Wessel Islands hüpfen wir von Ankerplatz zu Ankerplatz gemächlich weiter westwärts. Im Bild: Lagoon Bay, Marchinbar Island. Gut erkennbar, wir sind mehr als 800 Meter vom Ufer entfernt. Näher können wir mit unserem Tiefgang von 2 Meter leider nicht.
Obwohl wir unterwegs immer wieder an wunderschönen, einladenden Sandstränden vorbeikommen, bleibt unser Dinghi die ganze Zeit fest verzurrt auf dem Schiff. Das hat zwei Gründe. Da ist einmal die Schwierigkeit, bei den hohen Gezeitenunterschieden und dem sehr flachen Meeresgrund anlanden zu können. Fahren wir bei Hochwasser an Land, steht unser Dinghi schon nach kurzer Zeit weit weg vom Wasserrand, und wir hätten Probleme, es wieder einwassern zu können. Optimal wäre, eine Stunde vor Hochwasser so weit wie möglich ans Land zu fahren, und das Dinghi dort mit einem Anker zu sichern. Dann hätten wir zwei Stunden später wieder genau denselben Wasserstand. Das bringt uns aber zum zweiten und wesentlichen Grund, weshalb wir keine Landgänge machen: die Krokodile! Wir müssten durch das seichte, trübe Wasser stapfen, wo es unmöglich ist, eine allfällige Gefahr rechtzeitig zu erkennen.
Also lassen wir Landgänge schweren Herzens bleiben und vertrösten uns halt mit ausgedehnten Ankerbieren und/oder Sundownern.Die Küstenbilder verändern sich fast nicht. Gelblich weisse Sandstrände wechseln sich ab mit schieferartigen Felsplatten.Versank die Sonne entlang der australischen Ostküste öfters hinter einem Gebirgszug an Land, versinkt sie im Norden meist im Meer. Fantastisch schön ist jeweils der intensiv rot leuchtende Abendhimmel.Auf unserem Weg westwärts zur Refuge Bay auf der Elcho Insel werden wir mehrmals von einem kleinen Flugzeug überflogen. Es fliegt so knapp über uns, dass Pia um unseren Mast bangt. Noch fragen wir uns, was das zu bedeuten hat, als wir in der Ferne dieses Boot sehen. Wir sind noch mit unserem Fernglas beschäftigt, als sich von hinten ein schwarzes Zodiac mit 3 maskierten Männern nähert. Erleichtert erkennen wir die Küstenwache.Offenbar war das Flugzeug ebenfalls von der Küstenwache. Da wir nicht auf seine Aufrufe über Funk reagiert haben (unser Gerät war auf den falschen Kanal eingestellt), wurden die Männer mit ihrem Zodiac losgeschickt, um uns zu kontrollieren. Freundlich aber bestimmt stellen sie uns ein paar Fragen, die wir umgehend beantworten. Schon nach kurzer Zeit rauschen sie beruhigt wieder ab zu ihrem Mutterschiff.Da das Küstengebiet zwischen den Wessel Islands und der Halbinsel von Cobourg stellenweise zu flach ist für unsere Lupina, entscheiden wir uns, die rund 210 Seemeilen direkt mit einer Nachtfahrt zu bewältigen. Der Wind ist gut, treibt uns mit seinen rund 15-20 Knoten schnell voran, baut umgekehrt aber auch eine ordentliche See auf. Obwohl die Bedingungen eigentlich gut sind, rollen wir kräftig, da der Wind platt von hinten bläst und wir so mit der Schmetterlingsbesegelung eine schlechte Seitenführung haben.In der Nacht lässt der Wind etwas nach und gegen Morgen ist dann das Meer fast flach. Wir geniessen einen herrlichen Start in den neuen Tag.Es war uns schon früher ab und zu aufgefallen, etwa an der Ostküste von Queensland, und jetzt kurz vor Croker Island wieder. Eine grossflächige braune Verfärbung des Wassers. Bei einer flüchtigen Betrachtung könnte man meinen, es schwimme Sägemehl auf dem Wasser. Bei genauerem Hinsehen erkennen wir, dass diese rotbraunen Partikel auch weiter unten im Wasser schweben, also nicht nur an der Oberfläche. Worum es sich dabei genau handelt, weit draussen im offenen Meer, ist uns bisher schleierhaft geblieben.Vor Anker in der Somerville Bay, Croker Island. Wieder einer dieser unbeschreiblich schönen Sonnenuntergänge.Waren die Küstenufer bisher meist grau oder braun, werden sie mit dem Fortschritt unserer Reise gegen Westen immer röter, eisenhaltiger. Auch wird der Bewuchs immer intensiver.Mittlerweile sind wir bis zur Halbinsel von Cobourg gehüpft und umrunden nun das Cape Don (Bild), um in den nicht einfach zu besegelnden Van Diemen Golf zu gelangen. Nicht einfach deshalb, weil Einfahrt und Ausfahrt relativ eng sind und von starken (3-4 Knoten) Gezeitenströmungen beeinfluss werden. Die Passage will sehr gut geplant sein.Die Strömung in der Dundas Strait, der nördlichen Zufahrt in den Van Diemen Golf, schiebt uns zügig vorwärts. Leider hilft der Wind nur wenig und stellt kurz darauf ganz ab. Wir müssen fast die ganze Strecke bis zum nächstgelegenen Ankerplatz auf der Melville Island Motoren. Das Positive daran: dass Meer ist flach wie ein Teich …… und die Co-Skipperin kann ihre Wache ohne nerventötendes Rollen absolvieren.Sind wir bisher auf der ganzen Strecke seit der Torres Strasse bis auf die Küstenwache kaum einer menschlichen Seele begegnet, wird es im Van Diemen Golf richtig betriebsam. Diverse Schiffe kreuzen unseren Weg. Im Bild ein Fischerboot, das wir mit gebührendem Abstand passieren.Am 6.9.2025 erreichen wir die weite offene Shoal Bay. Es ist Samstag Nachmittag. Vom Ufer, von dem wir auch wieder weit weg ankern müssen, tönt Motorenlärm an unsere Ohren. Die Jungs sind mit ihren aufgemotzten Off-Roadern und Motocrossmaschinen daran, den weit ausladenden Sandstrand zu einer Rennpiste umzufunktionieren. Wir drehen uns auf die andere Seite und geniessen, was wir so gerne bestaunen: einen feuerroten Abendhimmel.
Mittlerweile sind wir in der Fannie Bay, direkt vor Darwin angelangt. Von hier aus wollen wir in die Cullen Bay Marina und haben auch ab dem 10.9.2025 einen Liegeplatz reserviert. Bei der Bestätigung durch die Marina wurden wir informiert, dass Schiffe, die von der Ostküste Australiens kommen und in eine Marina wollen, auf bestimmte Bio-Organismen untersucht werden müssen. Worum es dabei genau geht, erfahren wir zunächst nicht. Und wieso nur Schiffe inspiziert und allenfalls gegen diese Organsimen behandelt werden, die in eine Marina wollen, verstehen wir erst recht nicht. Inspektion und Behandlung werden von einem speziell dafür ausgebildeten Taucher ausgeführt – zurzeit kostenlos für den Bootsbesitzer.
Mondfinsternis in der Nacht vom 7. auf den 8.9.2025. Ein einmaliges Schauspiel bei schönstem Nachthimmel. Dreimal dürft ihr raten, wer von uns Beiden wieder einmal die Nacht durchgemacht hat 🙂
Am Tag, bevor wir in die Marina einfahren wollen, findet die Bio-Inspektion statt. Wir wurden am Tag vorher aufgefordert, uns um 8 Uhr morgens am für diesen Zweck vorgesehenen Pier vor der Marina einzufinden. Pünktlich sind wir da und sofort wird mit der Untersuchung gestartet. Zuerst müssen wir Angaben zum Boot und die bisherige Reiseroute abgeben. Dann interessiert sich der Taucher für die Borddurchlässe und erstellt nach meinen Schilderungen eine kleine Skizze. Mit dieser bewaffnet macht er sich an die Arbeit. Nach einer halben Stunde taucht er wieder auf. «Ich habe eine schlechte und eine sehr schlechte Nachricht! Welche zuerst?» ruft er uns zu. Es stellt sich heraus, dass wir irgendwelche Muscheln am Schiff haben, die hier nicht erwünscht sind, und dass wir mit unserem Schiff so nicht in die Marina dürfen. Wir verstehen die Welt nicht! Geduldig erklärt uns der Taucher, dass sich die lokalen Marinas gegen bestimmte Organismen schützen wollen, die ihnen den Betrieb aufwändig und kostspielig machen würden. Da sie alle mit Schleusen vom offenen Meer abgetrennt sind, macht das noch einen gewissen Sinn. Kurze Aufruhr und Bord gefolgt von emotionalen Wallungen, Wut, Trauer und Verzweiflung bei einem Teil der Crew. Aber schnell hat der Skipper die Lage wieder unter Kontrolle. Vom Taucher erfragen wir die möglichen Werften, die unser Schiff aus dem Wasser holen und das Unterschiff reinigen könnten. Er rollt die Augen und meint, dass die wohl alle ausgebucht sind. Er gibt uns trotzdem zwei Adressen, bei denen ich mich unverzüglich melde. Wir haben Glück im Unglück! Eine der Werften hat für den folgenden Tag Kapazität frei.
Der Haken daran: die Zufahrt zum Spot On Boat Yard (Werft) ist sehr seicht und für uns nur bei Hochwasser befahrbar. Bei Niedrigwasser fällt die ganze Strecke sogar trocken (alle grünen Felder fallen bei Ebbe trocken).Lupina wird ausgewassert – so schlecht sieht das Unterwasserschiff ja gar nicht aus!Ein Biosecurity Manager des Departments of Agriculture und Fisheries (Landwirtschaft und Fischerei) wurde am Tag vorher bereits informiert und begutachtet nun vor der Hochdruckreinigung die Tierchen Vielfalt, die da am Bauch unserer Lupina herumtollt. Eine eigentlich sehr interessante und eindrückliche Sache. Der Beamte ist äussert zuvorkommend und nett und erklärt uns viel. Er erwähnt auch, dass er nichts Kritisches finden kann. Aber wie heisst es doch so schön: Vorbeugen ist besser als Heilen!Die Reinigung des Schiffes mit Hochdruckabdampfanlage verfolgen wir dann nicht mehr. Stattdessen verbringen wir den Rest des Tages damit, der sengenden Sonne möglichst aus dem Weg zu gehen, herrschen doch tagsüber in diesen Breitengraden bereits über 30 Grad im Schatten. Wir packen die Gelegenheit beim Schopf und besuchen am «East Point» von Darwin das sehr interessante und gut bestückte Militärmuseum, das wir erst am Nachmittag wieder verlassen.Die Werft hat einen guten Job gemacht. Ausser Farbe befindet sich nichts mehr an unserem Unterwasserschiff.
Das Einwassern am Abend kurz vor Flut verläuft problemlos und kurz nach 8 Uhr machen wir unsere «dreckige» Lupina (so haben die Leute der Marina unser Boot Scherzes halber tatsächlich genannt!), die jetzt wieder sauber ist, an einem Steg in der Cullen Bay Marina fest. Geschafft! Was für eine Last fällt uns vom Herzen, nun können wir die 2 nächsten Wochen den schon lange reservierten und bezahlten Camper doch wie geplant in Empfang nehmen und damit das Outback erkunden. Mehr dazu im nächsten Bericht.
Es bleibt spannend! Folge der Lupina im Kielwasser!
In diesem Bericht nehmen wir dich mit auf die Fahrt durch das Great Barrier Reef, von der Woody Island (Low Island Group) bis zur Thursday Island in der Torres Strasse.
Um es gleich vorweg zu nehmen: diese Strecke ist sehr anspruchsvoll und entspricht nicht unbedingt unserer Vorstellung vom Barfuss-Segeln. Da ist einmal das riesige Labyrinth von Riffen, Untiefen und Sandbänken, die nur darauf warten, dass ein unaufmerksamer Segler in seine Fänge gerät. Dann ist da der permanent starke Wind, der zwar konstant aus südöstlicher Richtung heult, aber kurze, steile Wellen aufbaut und heftig am Schiff zerrt. Da es unterwegs nur sehr wenige Ankerplätze gibt, die sowohl vom Wind als auch von den Wellen effizienten Schutz bieten, entscheiden sich viele Segler, den ganzen nördlichen Teil von Queensland in 2-3 Tagen direkt in einem Stück zu überwinden. Trotz der genannten Herausforderungen entscheiden wir uns für Tagesfahrten. Das hat für uns den entscheidenden Vorteil, dass wir die vielen nötigen Kurswechseln, bei denen auch die Segelstellung geändert werden muss, sicher und bequem bei Tageslicht ausführen können. Ein nicht zu vernachlässigender Sicherheitsaspekt.
Nach drei herrlichen Tagen gut geschützt vor Anker auf Woody Island, die wir mit Inselspaziergängen und Schnorcheln verbringen, lichten wir am 3.8.2025 den Anker und nehmen Kurs auf zum Mackay Reef. Wir erwischen tolle Segelbedingungen. Unterwegs fahren wir immer wieder an kleineren Riffen vorbei, die meist auf ihrer Leeseite eine kleine Erhebung aufweisen, oftmals nur eine kleine Sandinsel. Diese hier dient einem Taucher gerade als Landeplatz für seinen privaten Heli.Unser Ankerplatz auf Mackay. Die Insel ist auf ihrer Leeseite nicht grösser als die paar Sandinseln, die wir unterwegs gesehen haben. Der Wind bläst ungehindert über sie hinweg. Einzig die Wellen werden sehr gut vom Riff und der Insel aufgehalten. Wir liegen trotz des starken Windes relativ ruhig. Auch hier finden wir eine dieser super bequemen und sehr sicheren, öffentlichen Bojen (Mooring, blauer schwimmender Kegel), so dass man viel näher am Riff festmachen kann, wie mit dem Anker.Da wir bei unserer Ankunft Tourboote vom nahen Festland sehen, nehmen wir an, dass es hier keine lebensbedrohenden Lebewesen im Wasser hat. Auch wir geniessen ein paar Stunden im Aquarium. Wir haben sie schon ein paar Mal in Pärken oder in Gärten von Fischern gesehen. Riesenmuscheln, weit über einen Meter gross. Aber noch nie haben wir eine solche lebend gesehen. Hier entdecken wir gleich mehrere dieser stummen Riesen, deren Muschelschale bei guten Lebensbedingungen pro Jahr um bis zu 1 Zentimeter wachsen kann.Die Grosse Riesenmuschel (Giant Clamp) ist die grösste aller bekannten Muschelarten. Sie kann eine Länge bis zu 140cm und eine Körpermasse von 400kg erreichen. Die Muschel lebt mit Symbiose Algen zusammen, die in ihren Mantellippen leben (weissliche Flecken im Bild) und sie mit organischer Substanz und Sauerstoff versorgen.Wir haben uns lange gegen dauerndes Internet an Bord gesträubt. Das eigentlich perfekte System «Starlink» von Elon Musk kam sowieso nicht in Frage, nachdem uns bei seinem Intermezzo in der US Administration Zweifel an seinem Geisteszustand aufkamen. Nun, das ist zum Glück Geschichte. Da dieser Teil des Kontinentes nur sehr dünn besiedelt ist und wir damit rechnen mussten, dass es keine Telefonsignale für unsere SIM-Karten gibt, haben wir uns gemeinsam durchgerungen und unsere Haltung geändert. Seit Cairns besitzen wir nun eine «Starlink-Mini» Anlage. Somit haben wir auch auf dem offenen Meer eine Verbindung mit der Aussenwelt. Nur so ist es Pia möglich, ihre beliebten Videos auch in diesem Teil der Welt ins Netz zu stellen.Nächster Ankerplatz: Hope Island. Auch hier finden wir eine der bequemen Moorings vor – leider wird es die letzte sein, die wir auf unserem Weg antreffen. Diese Sandbank ist bereits bewaldet. Die ersten Samen zur Begrünung wurden angeschwemmt (z.B. Kokosnüsse), oder von Vögeln im Bauch und Gefieder mitgebracht.Nach zwei Tagen auf Hope Island (Hoffnungsinsel) ziehen wir weiter und segeln zum Festland rüber. Es sind starke Winde (25-30 Knoten) angesagt und wir versprechen uns vom Festland einen etwas besseren Windschutz als im Great Barrier Reef draussen. Die Überfahrt ist schnell, aber rollig.Zu unserer Enttäuschung müssen wir feststellen, dass die ganze Landzunge von Cape Bedford sehr flach ist. Einzig das meerseitige Ende der Halbinsel wird von zwei rund 200 Metern hohen Bergen gebildet. Auf der Leeseite brettert der Wind aber fast ungebremst über den flachen, sandverwehten Mangrovenwald. Nun, zumindest kommt kein Schwell zum Ankerplatz, und wir können trotzdem einen wunderschönen Sonnenuntergang geniessen und in der Nacht sehr gut schlafen.Vom Cape Bedford aus geht’s wieder hinaus nordöstlich ins Great Barrier Reef zur Lizard Island (Echseninsel). Auch diese Insel war, wie viele der hohen Vulkaninseln aus Granit im Great Barrier Reef, früher Teil des Festlandes. Das der Küste vorgelagerte Flachland wurde aber nach dem Ende der letzten Eiszeit vor etwa 9’000 Jahren infolge des sich anhebenden Meeresspiegels überschwemmt. Um die so langsam im Meer versinkenden Inseln entstanden Saumriffe, die für den Fischreichtum der Gegend so wichtig sind. In einer tief in die Westseite von Lizard Island eingeschnittenen Bucht finden wir einen perfekten Ankerplatz. Dieser scheint sehr bekannt und beliebt zu sein, denn wir sind für einmal nicht die einzigen Segler hier.Wie alle Inseln im Great Barrier Reef ist auch Lizard Island Teil des Nationalparkes. Zudem gibt es auf der Insel einen private Luxusresort mit wunderschönen, der Natur gut eingegliederten Bungalows. Diesen beiden Umständen können wir es verdanken, dass es ein paar sehr gut unterhaltene Wanderwege mit interessanten Informationen gibt. Das nehmen wir doch sehr gerne an, schnüren unsere Flip-Flops und gehen auf Erkundung. Der «Pandanus Track» führt über einen Boardwalk entlang eines Sumpfes (Bild), und verläuft dann entlang der Flugpiste, die quer über die Insel gebaut wurde, auf die östliche Inselseite.Auf der Ostseite von Lizard Island erwartet uns die Blue Lagoon – die Blaue Lagune.Ach, was würde ein Land am Mittelmeer hergeben für einen solchen Strand. Menschenleer und schneeweisser Sand so fein wie Puder.An einigen Stellen ist der Strand durch Felsbänder aus Granit unterbrocken. Sie sind stumme Zeugen der Entstehungsgeschichte dieser Inseln, die vor etwa 300 Millionen Jahren durch vulkanische Aktivitäten geformt wurden. Geschmolzenes Magma im Innern der Erde erstarrte zu hartem Granit. Sonne, Wind und Meer liessen weicheres und spröderes Material wegerodieren und schafften das, was wir heute sehen. Es macht uns richtig Spass über dieses wilde Gelände der Küste entlang zu klettern.Über dem offenen Meer im Südosten kündet sich ein tropischer Regenschauer an. Zeit für die Umkehr und den nach Hause Weg.Das private Resort öffnet jeweils Dienstag und Freitag die Bar am Strand für externe Gäste. Solche Gelegenheiten gibt es für uns nördlich von Cairns entlang des Great Barrier Reefs fast keine mehr. Natürlich nutzen wir sie, so wie auch die Crews der meisten anderen Yachten vor Anker. Hier treffen wir Yolanda und Ad (vorne im Bild) von der holländischen Segelyacht Windsong zum ersten Mal persönlich. Sie segeln eine ähnliche Route wie wir, und unsere Kielwasser haben sich schon öfter gekreuzt.Wer im Pazifik segelt, der begegnet immer wieder Spuren vom britischen Kartografen und Seefahrer James Cook, dem berühmten Entdecker. Auf der Suche nach einer sicheren Ausfahrt aus dem Great Barrier Riff stieg er im August 1770 auf den höchsten Punkt (heute Cook’s Look genannt) der Lizard Island (roter Pfeil) und erstellte von da oben eine Skizze, die ihm später helfen sollte, sein Schiff Endeavour unbeschadet wieder durch das Riff ins offene Meer zu steuern.
Auf der Skizze von James Cook ist uns ein Eintrag aufgefallen: «On this Ledge the Ship laid 23 Hours and received much damage» (auf diesem Felsvorsprung lag das Schiff 23 Stunden lang und wurde stark beschädigt). Einmal mehr ist uns bewusst geworden, wie privilegiert wir heute doch sind mit all den Seekarten, den GPS-Empfängern und den modernen Kommunikationsmitteln. Man muss sich das vorstellen! Da ist ein Schiff unterwegs weit und breit alleine auf dem blauen Ozean. Weit in der Ferne erblickt der Ausguck hoch oben im Mast etwas, das aussieht wie Land. Mehr als 40 Kilometer vom Land entfernt ist das Meer noch über 2’000 Meter tief. Dann plötzlich, in der Nacht, rund 20 Kilometer vom Festland entfernt, hört die Crew das Rauschen einer Brandung. Es ist aber nicht wie sonst eine Insel, die man umfahren kann, sondern eine 2’300 Kilometer lange Mauer von Nord nach Süd, die sich da fast senkrecht vom Meeresboden dem Schiff entgegen stellt. Unmöglich, das Schiff vor dem Wind zu stoppen. Trotz aller der damals möglichen Notmanöver gelingt es nicht mehr, die Endeavour vom Riff wegzusteuern und sie kracht mit voller Gewalt auf die Mauer aus Felsen und Korallen. Unglaublich! Cook und seine Leute (darunter zum Glück auch sehr erfahrene Schiffsbauer) haben es 23 Stunden später (ich vermute bei der nächsten hohen Flut) geschafft, das Schiff wieder frei zu kriegen und hinter dem Riff eine nahe Insel anzusteuern (diese heisst heute Hope Island – Hoffnungsinsel), wo das Schiff notdürftig repariert werden konnte. Erst ein paar Tage später in einem Fluss, der heute «Endeavour River» heisst, konnte das Schiff trockengelegt und richtig repariert werden. Was für Helden!!
Wie im August 1770 James Cook machen auch wir uns auf, um vom Cook’s Look unsere Augen über die blaue Umgebung streifen zu lassen. Wir sind glücklich, unser Schiff, die Lupina, unbeschadet und sicher weit unter uns vor Anker zu sehen (Schiff in der Mitte des Bildes).Blick über Lizard Island und den Flughafen in Richtung Osten. Der Himmel ist heute zu dunstig, um das Aussenriff auf dem Bild erkennen zu können. Cook muss einen herrlichen Tag erwischt haben, als er seine Skizzen anfertigen konnte.Eine wunderschöne, aber anstrengende Wanderung. Sehr eindrücklich, wenn man seine Geschichte noch kennt.Auf dem Rückweg merken wir auch noch, warum Cook die Insel «Lizard Island» (Eidechseninsel) benannt hat. Hier gibt es erstaunlich grosse Eidechsen. Das Exemplar, dass unseren Weg kreuzt, misst mindestens 1.5 Meter.Nach vier Tagen auf Lizard Island zieht es uns weiter nordwärts. Je näher wir dem Äquator kommen, umso stärker blasen die vorherrschenden Winde. Das bringt uns zwar schnell voran, aber es wird immer schwieriger, einen ruhigen Platz für die Nacht zu finden. Hier ankern wir wieder im Riff draussen auf der Insel Bewick. Weil meist um die Inseln Korallen wachsen, müssen wir relativ weit weg vom Ufer ankern und können so leider nicht vom Windschutz der Büsche und Bäume profitieren.Die Fahrt nach Norden bringt uns immer wieder nahe an die Küste des Festlandes. Meist sind es weisse Sandstrände, manchmal aber auch diese rot leuchtenden Felsformationen.Nicht nur die Felsen am Ufer sind rot, auch der Abendhimmel auf Stanley Island leuchtet in dieser Farbe.Von Tag zu Tag wird das Meer wilder. Das 15-20 Semmeilen weiter ostwärts gelegene Aussenriff blockt zwar die grosse, langgezogene Dünung des offenen Meeres ab, aber dafür baut sich innerhalb des Great Barrier Reefs eine kurze, steile Welle auf, die unsere Lupina kräftig tanzen lässt.Nicht nur die Atolle und Riffe verlangen grosse Aufmerksamkeit beim Segeln, auch der Schiffsverkehr, der sich vor der Küste von Australien bewegt, muss berücksichtigt werden. Auch wenn die Schiffe hier noch weit entfernt scheinen …… sind sie nach ein paar Minuten schon in einem Umkreis, in dem sie nicht mehr gross ausweichen könnten. Wir werden mehrere Male von Kapitänen angefunkt und nach unserer Kursabsicht gefragt. Finden wir gut – das gibt auch uns eine Sicherheit.In Portland Road ankern wir wieder mal vor dem Festland. Hier macht die Küste eine Einbuchtung, die uns guten Schutz gewährt. Leider ist die Bucht aber so flach, dass wir auch hier wieder weit weg vom Windschutz ankern müssen. Dafür sind wir sehr gut vor dem Schwell geschützt und liegen trotz starkem Wind einigermassen ruhig. Die Batterien freut es: über Nacht arbeitet unser Windgenerator so unaufhörlich und fleissig, dass sie am Morgen voll geladen sind.Einmal mehr ein fantastischer Abendhimmel, wie man ihn nur auf dem Meer zu sehen bekommt.Eine der kleinsten Insel, die wir auf unserem Weg nach Norden zum Ankern ansteuern: Bushy Island. Für uns ist es eine akzeptable Notlösung, denn dazwischen gibt es fast gar nichts Besseres. Hier stösst auch die SY Kama wieder zu uns, die uns seit ein paar Tagen verfolgt hat.Es wird langsam Zeit, dem Pazifik auf Wiedersehen zu sagen. Die kleine Sandinsel Bushy Island ist unsere letzte Station vor der Einfahrt in die berühmte Torres Strasse. Die Torres Strasse stellt die Verbindung dar vom Pazifik zum Indischen Ozean. Vor fast vier Jahre haben sich in Panama für uns die Schleusentore in den Pazifik geöffnet. Nun öffnet uns die Torres Strasse den Weg in den Westen. Aber zuerst müssen wir sie heil überwinden. Sie ist nämlich berüchtigt für ihre starken Strömungen und Verwirbelungen.Das Meer zwischen Australien und Papua-Neuguinea ist eng und mit vielen Untiefen gespickt. Die Strömungen sind oft sehr stark und Turbulenzen unberechenbar. Schon manches Schiff mussten wieder umkehren, um bessere Bedingungen abzuwarten. Unsere Lupina scheint sich jedoch in den brodelnden Wellen wohl zu fühlen.Unser nächstes Ziel, die Mount Adolphus Island, liegt bereits mitten in der Torres Strasse. Nach der zum Teil etwas ruppigen und rolligen Fahrt sind wir glücklich, eine auf der Leeseite der Insel tief eingeschnittene, ruhige Bucht als Ankerplatz vorzufinden. Der Wind rüttelt zwar immer noch ab und zu in heftigen Böen an unserem Rigg, aber wir liegen ruhig und sicher vor Anker. Auch unsere Schweizer Freunde, die SY Kama (rechts am Bildrand), wählt diese Bucht als Zwischenstopp.Wir stossen auf das Erreichen der Torres Strasse anNach zwei Tagen vor Anker setzen wir Segel Richtung Südwesten: wir wollen nochmals zurück auf den Kontinent, genau gesagt zum nördlichsten Punkt des Festlandes: Cape YorkCape York: die Zufahrt um die vorgelagerten Inseln an den Ankerplatz ist nicht ganz einfach und ungefährlich. Es gibt nur einen engen Fahrkanal, der tief genug ist. Genau da aber ist die Strömung am stärksten, und die vielen Verwirbelungen machen die Ansteuerung auch nicht einfacher. Aber schlussendlich schafft es unsere Lupina an den vorgesehenen Platz. Wir sind weit und breit das einzige Schiff.Das Anlanden mit dem Dinghi will gut geplant werden. Wir entscheiden uns, eine Stunde vor Ebbe anzulegen. Dann müssen wir das Dinghi nicht weit an Land ziehen. Mit einem Anker sichern wir es an einem Wrackteil eines Schiffes, das am Strand liegt. Nun haben wir genau zwei Stunde Zeit, bis das Wasser wieder den gleichen Stand hat, wie bei der Ankunft.Das Cape York ist auch per Auto zu erreichen – allerdings nur mit Geländefahrzeug über eine 350km lange Abenteuerpiste durch Flüsse, Sümpfe und Felsgebirge. Die Fahrzeuge, die hier auf dem Parkplatz stehen, sind alle sehr gut ausgerüstet, und haben es bis hierher geschafft.Der Fussmarsch zum Kap führt an riesigen Termitenhügeln vorbei.Ein Meilenstein auf unserer Reise ist erreicht: das Cape YorkEin schönes, dann aber auch bedenkliches Erlebnis: ein Australier beobachtet uns, wie wir ein Selfie machen wollen. Schnell drückt er Pia eine Aussie Flagge in die Hand und mir ein lokales Bier und schiesst dieses Bild von uns. Das ist das schöne Erlebnis. Dann aber beobachten wir ihn, wie er aus seiner Tasche ein schwarzes Klebeband klaubt und auf der Tafel die Worte «on the land of the Gudang Yadhaykenu people Pajinka» überklebt. Erst dann dürfen wir ihn und seine Frau ebenfalls vor der Tafel ablichten. Nicht das erste Mal erleben wir, dass Rassismus in Australien leider immer noch ein allgegenwärtiges Thema ist.Nach unserem Besuch des Cape Yorks setzen wir am nächsten Tag Segel zur Thursday Island, unserem lange geplanten Ausgangspunkt für die Weiterreise nach Westen. Ursprünglich wollten wir auf Thursday ausklarieren und nach Indonesien weiterfahren. Die Seekarten von Indonesien sind aber immer noch wegen eines Rechtsstreites mit Indonesien blockiert, und so werden wir von Thursday aus westwärts nach Darwin weiter segeln.Wir freuen uns auf neue Abenteuer!
Es bleibt spannend! Folge der Lupina im Kielwasser!
Gewusst? Das Great Barrier Reef ist das grösste Riff der Welt. Es erstreckt sich über 2300 Kilometer entlang der Küste von Queensland, einer von nur 6 Bundesstaaten in Australien. Das Riff ist so gross und ausgedehnt, dass es auch vom Mond aus noch erkennbar ist.