Weihnachts-Insel im Indischen Ozean

11. – 21.6.2026

In diesem Bericht nehmen wir dich mit auf die Reise von Bali (Finger) in die Flying Fish Cove auf der Weihnachts-Insel. Im ersten Teil der Strecke erwarten wir noch viele indonesische Fischerboote. Deshalb fahren wir zuerst rund 10 Meilen von der Küste weg südwärts, bevor wir dann direkten Kurs aufnehmen auf unser Ziel. Gemäss Navigationsgerät warten 592.2 Seemeilen (DTD = distance to destination) auf uns.
Bali Gapura Marina, direkt nach dem Frühstück heisst es: Leinen los und Fender hoch. Hier im Hafenbereich weht kein Lüftchen, das Wasser ist spiegelglatt.
Kaum sind wir aus dem Hafen raus, nimmt der Querabwind (also Wind von der Seite) auf angenehme 8-10 Knoten zu, wir können Segel setzen und von der Küste weg südwärts rauschen.
Kurz vor Sonnenuntergang auf unserem nun direkten Kurs Richtung Weihnachts-Insel. Es war ein sehr angenehmer Segel Tag. In der folgenden Nacht sollten uns aber viele indonesische Fischkutter in angespannter Alarmbereitschaft halten.
Am nächsten Morgen ist die Anspannung während der Nacht vergessen. Motiviert und mit Freude bereitet die Lupina Smutje (Schiffskoch) das Frühstück vor.
Im Laufe des Tages wird der Schwell, der nach einem Sturm in antarktischen Gewässern Richtung Norden ausläuft, intensiver. Die seitlichen Wellen sind nun bis zu 3 Metern hoch und bringen die Lupina auf ihrem Vorwind-Kurs arg ins Rollen.
Nach über 8 Jahren auf dem Schiff gefällt uns das Rollen zwar immer noch nicht, aber es hindert uns nicht mehr an den täglichen Routinen, wie zum Beispiel Wetterdaten abzurufen, oder Logbuch Eintragungen am PC vorzunehmen.
Letzter Sonnenuntergang auf unserer Fahrt. Das Meer ist immer noch kabbelig, aber morgen werden wir ankommen.
Traurig – leider passiert es immer wieder: Fliegende Fische landen auf ihren nächtlichen Flügen auf unserem Deck. Wenn wir sie erst Stunden später finden, ist es zu spät für sie.
Die Winde in dieser Gegend bleiben recht stabil. Diese Bild zeigt in 2 Diagrammen die Windrichtung (links) und die Windstärke (rechts). Die jeweiligen Daten werden über 60 Minuten aufgezeichnet. Die gestrichelte Linie stellt den gemittelten Wert dar. Die mittlere Geschwindigkeit über die letzten 60 Minuten beträgt 17.6 Knoten, und der Wind bläst aus rund 100 Grad. Wir fahren einen Kurs von 263 Grad westwärts, was bedeutet, der Wind kommt leicht schräg achterlich. Ein schöner und stabiler Kurs. Sorry, das war jetzt etwas Segeltechnisches! 😊
Am letzten Tag auf See werden wir wiederum von herrlichem Wetter begleitet.
Kurz vor Ankunft: die Flagge von Christmas Island (wie die Weihnachts-Insel in der lokalen Sprache heisst) wird gehisst.
Angekommen im einzigen Hafen der Christmas Island (kurz CI): Flying Fish Cove. Wir machen unsere Lupina direkt vor dem Pier an einem Mooring (Boje) fest. Ankern ist zum Schutz der Korallen nicht erlaubt. Wäre auch sehr schwierig: schon 50 Meter weiter draussen ist das Wasser zu tief für den Anker.
Auf der rechten Seite des Hafenbeckens sehr schön zu sehen: die Verladestation für Phosphat. CI hat sehr grosse Phosphatvorkommen. Dieses wird im Tagebau abgebaut und hauptsächlich nach China. Malaysia, Indonesien, Australien und Neuseeland verschifft zur Herstellung von wertvollem, natürlichem Pflanzendünger. Das australische Küstenwachschiff «MV Ocean Protector» (links im Bild) bewacht die Anlage während unseres ganzen Aufenthaltes. Ob das etwas mit den Querelen Iran/USA zu tun hat? Möglich, denn nebst Erdöl ist auch Dünger durch die Blockaden betroffen.
CI verdankt ihren Namen dem britischen Kapitän W. Mynors, der die abgelegene und damals unbewohnte Insel am 25. Dezember 1643 entdeckt hat. Anlanden konnte er nicht. Er war in anderer Mission unterwegs und die steilen Ufer sowie ungünstiges Wetter hielten ihn von einem Zwischenstopp ab. Es sollte noch viele Jahre dauern, bis die Britische Krone sie 1888 annektierte, nachdem weitere britische Erkundungen Phosphatvorkommen entdeckt hatten. 1958 im Jahre wurde die Souveränität über die Inseln an Australien übertragen.

CI hat vulkanischen Ursprung. Sie ragt wie ein Kamin über 5’000 Meter vom Meeresgrund bis zu 361 Meter über Meer empor. Die Ufer sind extrem steil. Schon 300 Meter im Meer draussen ist das Wasser 1’000 Meter tief. Im Umkreis von 20 Kilometern beträgt die Meerestiefe überall 5’000 Meter oder mehr. Die Einwohnerzahl der 135 Quadratkilometer grossen Insel pendelt irgendwo zwischen 1’500 und 2’000 – so genau weiss das niemand. Für den Abbau von Phosphat wurden von den Briten vor allem Chinesen und Malayen geholt. Diese stellen auch heute die Mehrheit Bevölkerung dar. Phosphat ist die Lebensader der Insel, die über eine solide und gut ausgebaute Infrastruktur verfügt.

Wir sind positiv überrascht von diesem tropischen Naturparadies im Indischen Ozean. Ähnlich wie die Galapagos Inseln im Pazifik verfügt CI über eine einmalige Tierwelt mit vielen Spezien, die es nur hier gibt. Weltberühmt ist die Insel für ihre jährliche Krabbenwanderung. Millionen von roten Landkrabben wandern im Zeitraum Oktober/November aus den Regenwäldern an die Küste, um ihre Eier im Meer abzulegen. Gesteuert wird ihr Verhalten durch den Mond. Es zeigt auch, dass die Herkunft der Landkrabben eigentlich das Meer ist, denn ohne das könnten sie sich nicht vermehren.

Typische Küstenlandschaft im Westen von CI. In dieser Jahreszeit ist das Meer auf dieser Seite der Insel ruhig. Zur Monsun-Zeit tobt hier die See
Die Küste im Norden. Hier brandet das Meer das ganze Jahr in seiner ganzen Heftigkeit auf das Festland. Hier möchtest du als Schiffbrüchiger nicht angespült werden.
Obwohl es nur sehr wenig Tourismus gibt auf der Insel, ist die Infrastruktur dazu vorhanden. Wir finden herrliche, perfekt hergerichtete und gut unterhaltene Wanderwege.
Nur ab und zu öffnet sich eine kleine Bucht mit einladendem Sandstrand. Aber Vorsicht ist angesagt! Die Strömungen um CI sind stark und unberechenbar.
Dieses Strassenschild sehen wir zum ersten Mal. Es warnt die spärlichen Automobilisten vor dem Überfahren der roten Landkrabben. Während der Phase der Krabbenwanderung werden viele Küstenstrassen für den Verkehr komplett gesperrt.
Man braucht nicht danach zu suchen – sie sind einfach überall! Die nur auf CI vorkommenden roten Landkrabben.
CI ist ein Paradies für Vogelbeobachter. Die Tiere zeigen scheinbar absolut keine Scheu und lassen die Kamera sehr nahe an sich ran. Es gibt 7 Landvogelarten und 3 Seevogelarten, die nur auf CI vorkommen, so wie etwa dieser schwarz gefiederte Tölpel mit blauem Schnabel, der es und gleichtut und mit seinem Küken ebenfalls auf dem Wanderweg spazieren geht.
Wenn wir schon bei Vögeln sind: eine herrliche Vogelperspektive von einem Aussichtspunkt weit über dem Golfplatz. Dieser Platz hat eine dunkle Vergangenheit. Als CI im 2. Weltkrieg von den Japanern besetzt wurde, war der Nachschub von Lebensmitteln nicht mehr gewährleistet. In der Not wurde das Gebiet des heutigen Golfplatzes gerodet, um Gemüse anzubauen. Ein nach dem Krieg entlassener Kriegsgefangener erfüllte sein Versprechen und machte daraus 1955 einen Golfplatz.
Ein Zeitzeuge der Phosphatabbaugeschichte wird von der Natur zurückgeholt. Im letzten Jahrhundert wurde das Phosphat per Eisenbahn zur Verladestation transportiert. Heute erledigen die typischen Trucks, Australien Size, diesen Job. Die Bahnschienen wurden ins Ausland verkauft, der Rest der Bahnanlagen verschwindet im Urwald.
Angeschwemmtes Übel. Dieser Unrat an der Ostseite der Insel stammt sicher nicht von CI, aber er wird hier bleiben, da er nicht mehr aus der Bucht rauskommt. Schlimm zu sehen, wie die Plastikteile durch die Brandung wie in einer Mühle zu Mikropartikeln zermahlen werden.
Am Startpunkt des Pfades zum Strand wird darum gebeten, man soll doch bitte etwas von dem Müll einsammeln und im Dorf ordentlich entsorgen. Machen wir!!
Südküste von CI. Auch diese Küste ist einer starken Brandung ausgesetzt. Seit seiner Entstehung ist CI in mehreren Schüben in die Höhe gedrückt worden. Jede Terrasse war ursprünglich ein Korallenriff unterhalb der Meeresoberfläche. Nun der Sonne, dem Wind und den Gezeiten ausgesetzt, erodieren die toten Korallen langsam, zurück bleibt ein schroffes, messerscharfes Gestein.
Entlang der Südküste gibt es in diesem erodierenden Korallenboden viele Blowholes («Blaslöcher»), aus denen es immer wieder zuerst zischt und faucht, dann mit einem Ausspucken von Gischt und Wasserfontänen endet. Unterirdische Verbindungen zum Meer sorgen dafür, dass die Dynamik der Wellen immer wieder Wasser und Luft durch diese Kanäle an die Oberfläche pumpen kann.
Nebst der berühmten roten Landkrabbe gibt es noch über 20 weitere Krabbenarten. Eine davon ist der «Palmendieb» (birgus latro), die grösste Landkrabbe der Welt. Dies Krabbe kann bis zu 4 Kilo schwer werden und hat eine Lebenserwartung von 50 Jahren. Er ist ein Allesfresser und beseitigt unter anderem auch gerne andere tote Tiere. Wie es sein Name aber erahnen lässt: Lieblingsnahrung sind Kokosnüsse und totes Palmenholz. Im Gegensatz zur agilen, schnellen Roten Landkrabbe ist der Palmendieb eher langsam. Sein Verhalten bei Gefahr: Warten. Auf der Strasse eine gefährliche Strategie! Dieses Exemplar stellt sich uns mutig in den Weg!
Ich bin auch mutig, pack das Tier und trage es an den sicheren Strassenrand. Ihm und mir ist nichts passiert 😊
Christmas Island – CI – eine Perle im Indischen Ozean. Wir sind glücklich, hier auf unserer Reise westwärts einen Zwischenstopp eingelegt zu haben. Nun warten weitere Entdeckungen auf uns. Wir freuen uns darauf!

Es bleibt spannend! Folge der Lupina im Kielwasser!

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