Im vorliegenden Bericht nehmen wir dich mit auf die Umrundung der Nordspitze von Madagaskar. Es erwartet uns eine raue See mit hohen Wellen und viel Wind. Wir planen, zunächst noch den Schutz von Nosy Sainte-Marie zu nutzen, danach die Bucht «Baie d’ Antongil» zu überqueren und dann in einer Distanz von 5-10 Meilen vor der Küste bis nach Antsiranana zu segeln. Dort wollen wir ein gutes Wetterfenster abwarten für die Umrundung der Nordspitze, bevor es dann auf der Leeseite von Madagaskar gemütlich wieder gegen Süden geht. So der Plan. Wie immer, kommt es anders – aber der Reihe nach.Am 11.9.2026 heisst es «Anker auf» und los geht die Reise. Zunächst in gemütlicher Fahrt auf der Leeseite von Nosy Sainte-Marie entlang nordwärts. Kaum sind wir aus der Abdeckung der Insel heraus, kommt ein grosser Schwell schräg von hinten auf unsere Lupina zu. Da auch der Wind von achterlich bläst, haben wir eine schlechte Seitenführung. Ein starkes Rollen ist die Folge. Ansonsten: herrliches Segeln.Je weiter nördlich wir kommen, desto stärker werden Wind und Welle. Das gemütliche Segeln wandelt sich langsam in ein nasses Segeln. Von allen Seiten spritzt Wasser-Gischt über das Deck.Wir konsultieren laufend das Wetter im Bereich des Nordens. Die von uns geplante Passage führt durch ein Gebiet starker, mitlaufender Strömung (rechtes Bild, die Strömung kann bis zu 4 Knoten erreichen). Da wäre es wünschenswert, wenn der Wind nicht auch noch allzu stark ist. Auf dem linken Bild sehen wir, dass jetzt an der Nordspitze gerade zwischen 20 bis 25 Knoten blasen. Gemäss Vorhersagen wird der Wind dort in den nächsten Tagen auf weit über 30 Knoten zunehmen, und dann mindestens eine Woche so stark bleiben. Nach einer kurzen Lagebesprechung entscheiden wir, auf den Stopp bei Antsiranana zu verzichten und in einer Nachtfahrt direkt ans Cap d’ Ambre zu segeln.Unser Leebett leistet uns bei solch unruhiger Fahrt einen grossen Dienst. Das vorne an der Bettkante befestigte und dann hochgebundene Tuch verhindert, dass die schlafende Person ungewollt aus der Koje kullert.Die Fahrt zum nördlichsten Punkt von Madagaskar, Cap d’Ambre verläuft weiterhin sehr rollig.Einmal kippt bei einer Welle in einem Schrank eine frisch geöffnete Sirup Flasche um. Leider ist der Deckel nicht ganz dicht, und die süsse, klebrige Masse suchte sich ihren Weg in den Schiffsbauch. Bis wir das Unglück bemerken, ist schon die halbe Flasche leer. Die Reinigungsequipe Brem nimmt sich rasch und gekonnt der Sache an. Bald schwindet der Ärger und weicht der Freude darüber, dass nun auch die Bilge wieder mal gründlich geputzt ist.Nach der Nachtfahrt erscheint am nächsten Morgen der Leuchtturm am Cap d’Ambre. Wir halten uns eng an die Küste. Von mit dem Gebiet gut vertrauten Seglern wissen wir, dass Strömung und Wellen nahe am Land viel geringer sind. Es gibt hier auch keine gefährlichen Untiefen, die man fürchten muss.Kaum liegt der Leuchtturm querab, reduzieren sich die Wellen kontinuierlich, und das heftige Rollen weicht einem sanften hin und her Wiegeln. Wir sind erstaunt und gleichzeitig erleichtert, dass die Rundung der Nordspitze so problemlos und elegant verläuft.Zügig und nun fast ohne Rollen geht die Fahrt rund 8 Seemeilen auf der Westseite südlich weiter. In einer tief eingeschnittenen und weit verästelten Bucht finden wir unseren ersten Ankerplatz, seit wir in Nosy Sainte-Marie aufgebrochen sind. Herrlicher Sonnenuntergang bei wolkenlosem Himmel. Wir gönnen uns einen ausgiebigen Ankertrunk und geniessen eine Nacht ohne jegliche künstlichen Lichter – die Gegend ist menschenleer und total einsam.Der angesagte Starkwind erreicht zu unserem Erstaunen auch die Westseite der Insel – obwohl die Wetterkarten das nicht so abbilden. Wir entscheiden, zügig weiter südlich zu segeln, in der Hoffnung, dass dort die breitere Landmasse von Madagaskar den Wind etwas aufhalten kann.Sehr starke Wind im Bereich 45-50 Knoten zerren eine halbe Stunde lang heftig am Rigg und dem Bimini. Unglaublich, was das Schiff aushalten muss. Wir sind froh über unser gut schützendes Mittelcockpit.Unterwegs treffen wir einheimische Fischer an, die offensichtlich an solche Verhältnisse gewohnt sind. Zu beachten das Segel! Ein ausgemustertes Segel einer Segelyacht dient den Fischern noch lange als Antrieb für ihr Holzboot.Die Ankerbuchten gleichen sich. Der Landbereich ist sehr karg und trocken. Es erinnert uns stark an die Inseln in Griechenland. Der Ankergrund ist eine Mischung aus Sand und Schlick und hält unseren Anker jeweils bombenfest. Das Negative bei solchem Ankergrund: der Dreck bleibt an der Kette hängen und versaut uns Winch und Deck. Früher haben wir das immer sofort runter gewaschen. Heute lassen wir es aber zuerst an der Sonne trocknen und kehren es dann einfach weg.Ein weiterer fantastischer SonnenuntergangLeider folgt uns auch der Wind. Das Bild zeigt die über eine Stunde aufgezeichneten Winddaten am Ankerplatz. Während der linke Teil die Windrichtung angibt (TWD = true wind direction, wahre Windrichtung), zeigt der rechte Ausschnitt die Windstärke (TWS = true wind speed, wahre Windgeschwindigkeit). Man sieht, es gibt Böen bis zu 50 Knoten. Der Mittelwert der Windgeschwindigkeit über eine Stunde gemessen beträgt 32.2 Knoten. Für den Laien: bis 15 Knoten Wind sind die Bedingungen am Anker angenehm. Darüber wird es ungemütlich. Ab 30 Knoten wird es heftig.Wir versuchen, dem Wind weiter zu entfliehen. Mit minimalen Segeln (im Bild das Kutter Segel) stechen wir auch bei diesen heftigen Winden in See. Da wir uns auf der Leeseite der Insel befinden, sind die Wellen zum Glück recht flach.Endlich beginnt der starke Wind nachzulassen. Dafür gelangen wir in eine Zone, wo die thermischen Winde überwiegen. Das bedeutet, dass tagsüber der Wind eher vom Meer in Richtung Land weht, in der Nacht dann umgekehrt vom Land aufs Meer hinaus. Eine Herausforderung für das sichere Ankern. Pia sucht hier gerade ein ideales Ankerplätzchen.Überall, wo es in der Nähe des Ankerplatzes Bewohner hat, müssen wir damit rechnen, dass wir Besuch erhalten. Die Einheimischen nutzen die Gunst der Stunde, vielleicht etwas von dem vor Anker liegenden Schiff zu erhaschen. Meist sind es Seile, Taucherbrillen, Flossen oder Köder zum Fischen, worauf sie scharf sind. Meist bringen sie irgendwelche Früchte oder Kokosnüsse mit, um diese einzutauschen. Wir haben immer irgendwelches Material bereit, dass wir nicht mehr brauchen, für die Leute aber noch sehr viel Wert hat.Auf der Insel Nosy Mitsio können wir erstmals unter normalen, sprich Winde unter 20 Knoten, Bedingungen ankern. Die Einfahrt in die weite Ankerbucht wird durch viele kleine Felsinsel abgeschirmt, so dass praktisch kein Schwell einlaufen kann.Das Land auf der Insel Nosy Mitsio ist sehr trocken. Die Hügel sind zu flach, als dass sie Regen aus dem Himmel kitzeln könnten, wie es auf der Hauptinsel etwa 20 Seemeilen weiter östlich der Fall ist. Im Schatten der Palmen und hohen Mangobäume verstecken sich etwa zwei Dutzend kleine mit Palm- oder Pandanus Blättern bedeckte Holzhütten.Lupina (ganz weit hinten im Hintergrund knapp ersichtlich) hat die ganze Bucht für sich alleine. Nur ein paar Fischerboote am Ufer leisten ihr Gesellschaft. Man glaubt es kaum, aber dies ist ein völlig intaktes, gebrauchsfähiges Fischerboot. Angetrieben wird es mit einem primitiven Segel, das mit Hilfe eines kurzen Mastes, einer langen Bambus-Stange und diversen Leinen gesetzt wird. Der äusserst konstante Wind hilft den Fischern bei ihrer täglichen Arbeit: am Morgen weht er aufs Meer hinaus, um die Mittagszeit schläft er ein, dreht seine Richtung und baut sich am Nachmittag in Richtung Land wieder auf. Jeden Tag.An der Südwestspitze von Nosy Mitsio erhaschen wir auf der Weiterfahrt ein kleines Naturphänomen: Basaltsäulen. Diese entstehen durch das Abkühlen und Zusammenziehen von heißer Lavaschmelze unter ganz bestimmten Voraussetzungen. Sind diese Bedingungen ganz optimal, können sich mehrere Meter lange «Orgel-Pfeifen», wie die Säulen auch oft genannt werden, formieren.Die Orgel-Pfeifen etwas näher. Bei der Gestaltung der Säulen wählt die Natur den energetisch günstigsten Weg. Um den Raum optimal zu nutzen und die Spannung gleichmäßig zu verteilen, entstehen meist fünf- oder sechseckige Muster Je langsamer und gleichmäßiger die Lava abkühlt, desto perfekter und länger werden die Säulen.Die nächste Insel auf unserer Fahrt: Tsara Bajina. Wir sind nun endgültig wieder im Gebiet der weissen Sandstrände und des türkisfarbenen Wassers angelangt. Leider ist der Ankerplatz gegen Osten offen, und wird nach dem regelmässigen Winddreher sehr rollig. Wir bleiben nur eine Nacht.Tsara Bajina: ein wunderschön farbiger Sonnenuntergang entschädigt uns für das Rollen, das uns in der Nacht erwartet. Der Rauch vom Abbrennen der Zuckerrohrfelder auf der entfernten Hauptinsel ist für die Farbenpracht verantwortlich.Am nächsten Tag sind wir bei Sonnenaufgang bereits unterwegs. Unser Ziel: Nosy Be, die Ferieninsel. Da der Wind gegen Mittag abstellen soll, wir die ganzen 30 Seemeilen aber segeln wollen, ist ein frühe Start angesagt.Hell-Ville, die Hauptstadt auf Nosy Be, ist eine Hafenstadt. Hier müssen wir uns intern wieder anmelden. Der Gang zu den Behörden ist reine Formsache und es geht hauptsächlich um das Bezahlen von Gebühren. Im ersten Moment sind wir etwas geschockt über den schlechten Zustand der Infrastruktur und der Gebäude. Offensichtlich war das früher einmal anders. Heute wirkt alles etwas runtergekommen aus.Das Leben findet auf der Strasse statt. Hier wird gekocht, Geschirr gewaschen, und der täglichen Arbeit nachgegangen.Einem alten Renault R4 wird neues Leben eingehaucht. Ob es wohl gelingt?Unsere Bordvorräte an frischen Früchten und Gemüse konnten seit unserem Aufbruch von Nosy Sainte-Marie nicht mehr gross ergänzt werden. Einmal konnten wir unterwegs ein altes Seil gegen ein paar Bananen umtauschen, aber die sind mittlerweile auch schon wieder weggefuttert. Höchste Zeit für Nachschub. Den finden wir am sehr guten und reichlich bestückten Markt in Hell-Ville.Üblich auf solchen Märkten: dinge wie Reis, Hirse, Getreide oder Bohnen werden offen verkauft.Getrockneter Fisch – nicht unbedingt unser Ding 😉Dass sich in dieser Gegend der Wind nach der Tageszeit richtet, wurde bereits erwähnt. Wir beobachten, dass immer zur selben Zeit, am späteren Nachmittag, schwer beladene Schiffe unter Segel von der Hauptinsel zur Nosy Be segeln. Geladen sind sie mit Sand, Kies, Backsteinen und anderen Baumaterialien. Das Löschen der Schiffe ist schwerste Handarbeit.Am Ufer dann die Baustoffhändler.Es ist nicht einfach, für unser Dinghi einen guten und sicheren Anlandeplatz zu finden. Irgendwie haben wir kein gutes Gefühl, unser Transportmittel irgendwo unbewacht stehen zu lassen. Wir haben Glück? Francois (Bild) bietet sich an, für umgerechnet 2 Franken auf unser Dinghi aufzupassen. Der Betrag scheint auf den ersten Blick für lokale Verhältnisse sehr hoch. Aber sein Job ist streng. Er muss unser Beiboot regelmässig um parkieren, um Platz für die Fähren und Taxis zu schaffen. Wir machen sicherheitshalber ein Bild von Francois, damit wir beim Empfang des Dinghis nicht einen falschen Mann bezahlen.
In den letzten 14 Tage haben wir reichlich Seemeilen zurückgelegt. Über 500 sind es geworden, und dies zum Teil unter sehr widrigen Umständen. Nun wollen wir es etwas gemütlicher angehen und in den nächsten Wochen die Ankerplätze in der Umgebung von Nosy Be erkunden. Auch wollen wir versuchen, noch mehr über Land und Leute zu erfahren. Madagaskar soll ja angeblich das Land des Pfeffers und der Vanille sein. Zudem gibt es viele exotische Tiere, die nur hier vorkommen, wie etwa das Chamäleon.
Es bleibt spannend! Folge der Lupina im Kielwasser!
Der Monat August neigt sich langsam dem Ende zu. Wir sind gut im Zeitplan, den wir uns vorgenommen haben, um die beste Wettersituation für die Passage von Madagaskar über den berüchtigten Mozambique Channel nach Südafrika zu nutzen. Im November beginnt über Madagaskar die Zyklon Zeit. Spätestens dann müssen wir weg sein. Aber kurzfristig will das Wetter nicht so richtig mitmachen. Eigentlich wären wir reisefertig, aber eine Front aus dem Süden veranlasst uns, noch ein paar Tage in der sicheren Marina zu bleiben.
Dieses Bild zeigt Wind (linke 2 Bilder) und Wellenhöhe (rechte 2 Bilder). Der Ausschnitt ganz links zeigt den Wind für den Freitag, 28.8. Der rote Bereich ist eine Starkwind Front, die sich von Süden Richtung Norden, also genau über uns hinweg, bewegt. Wir wollen die mit dem Pfeil markierte Strecke segeln. Schon am Montag, 31.8., ist die Lage entspannt. Was uns mehr Sorgen bereitet und uns schlussendlich zum Warten überzeugt, ist die Wellenhöhe, die auf dem Meer zu erwarten ist. Am Samstag, 29.8., ist grossflächig mit sehr hohen Wellen zwischen 5 und 6 Metern zu rechnen (roter Bereich auf den Wellenbildern). Bis am Montag, 31.8. sollten diese aber bei La Réunion auf rund 3 Meter zurück gegangen sein. Wir verschieben unsere Abfahrt auf den Montag, 31.8.2026Die Verzögerung der Abreise um 3-4 Tage verschafft uns die Gelegenheit, wieder einmal unsere Kontakte zu anderen Seglern zu pflegen. Diesen hier, den Einhandsegler Martin von der Segelyacht Comeback, verfolgen wir schon länger auf seinen Blogs. Dass wir ihn in La Réunion treffen, ist für ihn ein Glücksfall. Auf seiner Fahrt gegen Wind und Welle in Richtung Australien ereilt ihn ein Schaden an einem Segel. Er entscheidet, nach La Réunion abzubiegen, um es dort reparieren zu lassen. Unterwegs erkrankt er sehr schwer, er vermutet eine Lebensmittelvergiftung. Angekommen in der Marina, rappelt er sich auf, um sich etwas Essbares zu besorgen. Da treffen wir ihn. Wir merken, etwas stimmt nicht mit ihm. Er ist total geschwächt und hat starke Bauchschmerzen. Wir helfen ihm zurück auf sein Boot- Am nächsten Tag ist sein Zustand schlimmer. Das Bild stammt aus der Notaufnahme des Spitals. Pia hat Martin, der kein Französisch spricht, als Dolmetscherin dorthin begleitet. Diagnose: Gallensteine mit starker Gallenblasenentzündung – Operation am nächsten Tag. Noch 2 Tage länger auf See und es wäre für ihn sehr kritisch geworden. Martin – gute Besserung!!Während Pia für Martin die Krankenschwester und Dolmetscherin spielt, mach ich auf Bootsdoktor und unterziehe Lupina einem gründlichen Gesundheits-Check. Alles gut, bis auf diese schon stark durchgescheuerte Aushole-Leine des Fock-Furlers. Gut ist der Verschleiss rechtzeitig erkannt: Schnell ist der Furler zerlegt und die Fehlstelle an der Leine beseitigt.Wir haben es bereits erwähnt: wir geniessen die Zeit auch, um Kontakte zu pflegen und neue Leute kennen zu lernen. Uwe und seine Partnerin Nathalie sind mit ihrer 60 Fuss Amel SY Artemis auf Weltumrundung. Leider rauschen sie wohl an uns vorbei und wir können ihr Tempo nicht ganz halten. Aber man weiss ja nie! Unsere WhatsApp Gruppe haben wir jedenfalls in «Final Hamburg», der Zielhafen der Beiden, umbenannt.Ein paar Tage unsere Bootsnachbarn in der Marina: Wolf (stehend) und Rolf mit ihrem Alu-Schiff SY Boaty McBoatface. Auch sie wollen zügig weiter in Richtung Heimatland: Deutschland.Und dann, am Tag vor unserer Abreise, fliegt Anke, die Partnerin vom inzwischen erfolgreich operierten aber immer noch hospitalisierten Martin, aus Deutschland ein.Und zum Abschluss unseres Aufenthaltes noch ein rührendes Erlebnis. Es gibt da eine Kneipe mit dem Namen «Le Boucanier», zu Deutsch der Seeräuber. Schön als Piratenschiff dekoriert. Natürlich sind wir mit den Besitzern ins Gespräch gekommen. Er war nach seiner Boxer-Karriere für längere Zeit in der Marine tätig und hat sich so nach und nach eine grössere Sammlung von Schiffsutensilien angelegt. Das meiste davon liegt und hängt nun schön angeordnet in ihrer Bar. Als sie erfahren, dass wir schon 8 Jahre lang mit einem Segelboot die Welt bereisen, sind sie begeistert. Als wir uns von ihnen nach fast 3 Wochen verabschieden wollen, ist er kurz hinter der Theke verschwunden und mit diesem mit Antirutschmaterial beschichteten Servierbrett zurückgekommen. Nun haben wir auf der Lupina zum Kredenzen des feinen La Réunion Rums der Marke «Charrette» eine geeignete Unterlage. Merci beaucoup à vous deux!Dann, endlich geht’s los! Nach einer kurzen, speditiven Zollinspektion kriegen wir die Ausklarierungspapiere in die Hand gedrückt, und los geht’s Richtung Madagaskar. Wir rechnen für die Distanz von rund 400 Seemeilen mit rund 3 Tagen. Die Fahrt führt uns in nordwestliche Richtung, unser Ziel eine der Hauptinsel Madagaskar vorgelagerte, kleine Insel mit dem schönen Namen Nosy Sainte-MarieVor dem Lösen der Leinen zuerst ein kurzer Adrenalinschub beim Skipper Wie immer, wenn wir in einer Marina los fahren, prüfe ich zuerst die Funktion des Propellers, indem ich kurz den Rückwärtsgang und danach den Vorwärtsgang einlege. Diesmal merke ich, der Propeller öffnet die Flügel nicht richtig. Er macht einen höllischen Lärm aber erzeugt keinen Schub. Da gibt’s nur eins: ins Wasser mit einem Schraubenzieher bewaffnet, und die Müschelchen, welche sich in den Zahnrädern eingenistet haben, herauskratzen. Nach einer Viertelstunde ist es dann aber soweit, es kann los gehen. Wie auf Grund von Wettervorhersagen zu erwarten, empfangen uns schon kurz nach der Hafenausfahrt ruppige Wellen, die in den ersten Stunden noch bis gegen 4 Meter zunehmen. Es ist ungemütlich auf der Lupina.Erstaunlicherweise hat Pia diesmal kein Problem mit den Wellen und lacht mich nach der ersten Nachtschicht beim Zubereiten des Frühstücks unternehmungslustig an.Nach der zweiten Nacht auf See lichtet sich endlich auch die dichte Wolkendecke und die Sonne kündet sich mit einem spektakulären Farbenspiel am Horizont an. Die Wellen sind mittlerweile auf unter 3 Meter gesunken. Nach ziemlich genau 3 Tagen erreichen wir die Landesgrenze von Madagaskar.Am frühen Vormittag des 3.9.2026 fällt der Anker vor dem Hauptort der Insel Sainte-Marie. In lokaler Sprache heisst sie eigentlich «Nosy Boraha» und auf Französisch «Ìle Sainte-Marie». Kurzerhand wird sie heute «Nosy Sainte-Marie» genannt. Wir sind noch nicht fertig mit dem Ankermanöver, da rauscht ein Boot der lokalen Marinebehörde heran und fordert uns freundlich auf, doch bitteschön zum Einklarieren an Land anzulegen. Also wieder Anker hoch, um dann nur ein paar hundert Meter weiter seitwärts an den schon daliegenden Schiffen festzumachen. Das Manöver klappt, dank vielen helfenden Händen, problemlos.Nacheinander erhalten wir Besuch von 5 Behörden, alle sehr freundlich und zuvorkommend. Nach knapp einer Stunde sind wir einklariert – bis auf das Tourist-Visa. Das müssen wir uns bei der Police National, welche auch die Funktion der Einwanderungsbehörden wahrnimmt, in der Stadt besorgen.Beim Gang in die Stadt wird uns schnell klar, dass wir hier nach den letzten Inseln mit eher moderneren Standards wieder in eine Welt eintauchen, wie wir sie auch etwa in Vanuatu kennen gelernt haben. Die Leute leben in sehr einfachen Verhältnissen.Handgeschnitzte Einbaum Kanus – ein wichtiges Arbeitsmittel der lokalen FischerWasserleitungen in Häuser gibt es nur für modernere Gebäude in der Stadt. In einfacheren Gegenden decken sich die Menschen an diesen Brunnstellen mit dem kostbaren Gut Wasser ein.Zwei Dinge zeigt dieses Bild: es gibt offenbar eine lokale Radiostation und für Sammler von Oldtimer Autos ist unsere erste Station in Madagaskar eine wahre Fundgrube. Vor allem alte französische Marken, wie dieser Renault R4, der mindestens 50 Jahre alt sein dürfte – und noch läuft!Feierlicher Akt im Kommissariat der Police National: wir bekommen unsere VisaKurz danach ein paar Gehminuten weiter setzt mir die freundliche Mitarbeiterin eines lokalen Telefonanbieters eine SIM-Karte ein – wir sind wieder mit dem Rest der Welt verbunden.Angekommen!!Während wir uns einen Ankommens-Drink gönnen, geniesst Lupina das ruhige Wasser ihres Ankerplatzes.Nosy Sainte-Marie war einst beliebt unter Piraten und gefürchtet von Handelsschiffen. Während des goldenen Zeitalters der Seeräuberei – besonders zwischen 1680 – 1720 galt es als das berüchtigtste Piratennest der Welt. Zu Spitzenzeiten lebten über 1’000 Piraten dauerhaft auf dem Eiland. Wir besuchen hier den Friedhof aus dieser Zeitepoche.Wir werden fündig! Diverse Grabsteine tragen das stolze Zeichen der Piraten. Vor allem Kapitäne und andere höherrangige Crewmitglieder fanden hier ihre letzte Ruhe. Auch heute noch können sie die Handelsschiffe vorbeifahren sehen, wie früher, zu ihrer Zeit, als die ersten Handelsflotten die lukrative Handelsroute im Indischen Ozean in ihre Fahrpläne aufgenommen haben. Gut möglich, dass noch einiges von ihrer reichen Beute von damals hier irgendwo versteckt ist und auf seine Entdeckung wartet. Einst ein wunderschönes Haus aus der Zeit der französischen Kolonie (1896 – 1960) – nun nagt der Zahn der Zeit daran.Die Häuser in der Hauptstadt mit dem kaum auszusprechenden Namen Ambodifototra haben kaum höheren Standard wie diejenigen auf dem Land. Was uns sehr angenehm auffällt: die Sauberkeit in den Strassen, auf den Grundstücken – und auch am Strand.Möbelfabrik auf Nosy Sainte-Marie – einfachste Werkzeuge und geschickte Hände.Modernes Möbelhaus mit Ausstellungsraum.Und so sieht das Möbelstück dann im Einsatz aus! Autos gibt es auf der Insel nur ganz wenige. Wer ein Auto besitz, ist entweder Ausländer oder hat mit der Touristenbranche zu tun. Die wichtigsten Transportmittel sind Fahrräder, Rikschas und das Tuk-Tuk.Spielplatz der Kinder. Ach, wie wohltuend zu sehen, wie sie auch ohne viel teures Spielzeug, wie es bei uns zu Hause vermeintlich nicht mehr wegzudenken ist, ihre wahre Freude haben miteinander.Wenn wir schon bei Spielzeugen sind – auch ich finde eines! 😊 Wir mieten uns für einen Tag ein Motorrad (Preis für einen ganzen Tag gerade mal umgerechnet 12 CHF), um die Insel zu erkunden.Auf Nosy Sainte-Marie gibt es nur eine Strasse (rote Linie), die durchgehend geteert ist. Sie führt im Wesentlichen der Westküste entlang, wo die Mehrheit der rund 30’000 Einwohner wohnt. Rund die Hälfte der Bevölkerung lebt in der Hauptstadt Ambodifototra. An der viel raueren, dem ständigen Passatwind ausgesetzten Ostküste, gibt es nur wenige Siedlungen.Erst als wir die Verkehrszeichen beachten müssen, fällt uns auf: die sind alle von Hand gefertigt! Pfosten und Schilder sind betoniert, und das Verkehrssignal von Hand aufgepinselt. Überhaupt treffen wir sehr viele Dinge an, die von Hand gefertigt und vor allem hier in Madagaskar hergestellt werden. Ein Zollstreit, wie er gegenwärtig fast weltweit stattfindet, kann hier niemandem etwas anhaben.Eine schöne Insel hat auch schöne Strände! Das trifft auf der rund 50 Kilometer langen und maximal 7 Kilometer breiten Insel völlig zu. Vor allem auf der windgeschützten Westküste finden sich viele verträumte Sandstrände.Reis ist das Hauptnahrungsmittel. Sogar zum Frühstück wird Reis gegessen. Viele Menschen leben von Eigenversorgung. Irgendwo haben sie ein Reisfeld (Bild), einen Gemüsegarten und Bananenstauden. Der Boden ist fruchtbar und das Klima erlaubt es, das ganze Jahr über zu produzieren und ernten. Einfuhr von Nahrungsmitteln ist nicht notwendig.Auf der Fahrt quer über die Insel an die Nordostküste durchqueren wir hügelige Weidelandschaft mit einfachsten Unterkünften für die Hirten. Die Wäsche wird zum Trocknen am Boden ausgelegt oder über Sträucher gehängt.Nordosten von Nosy Sainte-Marie. Obwohl die Kokospalme heute das Landschaftsbild vieler madagassischer Küsten prägt, gehört sie zu den eingeführten Nutzpflanzen. Sie stammt ursprünglich aus der Südsee und wurde erst durch australische und melanesische Seefahrer aus dem Raum Melanesien eingeführt.Die wilde Ostküste. Hier peitscht der starke Passatwind unaufhörlich hohe Wellen ans Ufer. Baden ist in den meisten Gebieten zu gefährlich – ausser in «Piscines Naturelles»: natürlich geformte Pools, die durch solch vorgelagerte Felsenbänder vor der Brandung abgeschirmt werden.Immer wieder entdecken wir etwas, dass uns einen ein Rückblick in die Vergangenheit erlaubt. Hier ein Steinbrecher, der von Hand mit einem Hammer grosse Steine zerkleinert zu Kies einer bestimmten Grösse. Diesen Kies kann er dann zur Herstellung von Beton verkaufen und so ein kleines Einkommen generieren.Besuch beim Coiffeur. Et voilà – es darf gelacht werden 😊 Aber: ich erfahre, ich sei mit meiner neuen Frisur voll im Trend – ein klassischer Undercut.Vor einer Woche sind wir auf Nosy Sainte-Marie, der Pirateninsel, angekommen. Ein wunderbarer Einstieg in eine uns völlig unbekannte Welt, Madagaskar. Ein weiteres Mal beeindrucken uns die Menschen. Sie leben mit Wenig, machen das Beste daraus und sind glücklich. Neid und Missgunst, Habgier und andere schlechte Eigenschaften kennen sie nicht. Sie sind offen und ehrlich, der Kontakt zu ihnen einfach und immer sehr herzlich.
Nun sind wir gespannt, wie wir die Menschen auf der Hauptinsel erleben. Das Wetterfenster für eine Weiterfahrt an die Nordostspitze von Madagaskar ist gut. Heute Nachmittag haben wir von der Hafen- und Schifffahrtsbehörde (APMF) die notwendigen Papiere abgeholt, welche uns erlauben, zum nächsten Hafen weiter zu fahren. Ein etwas bürokratischer Prozess – aber das sind halt die Regeln. Morgen Freitag, 11.9.2026, brechen wir auf. Wir haben etwa 320 Seemeilen vor uns, die es vor allem im letzten Bereich in sich haben. Es warten Winde bis 30 Knoten auf uns.
Es bleibt spannend! Folge der Lupina im Kielwasser!
Die letzten Tage auf Mauritius verbringen wir hauptsächlich mit Flanieren, Büroarbeiten (die Anträge für die Einreisebewilligungen in Madagaskar müssen gestellt werden) und Putzen. Ja, der Liegeplatz direkt am Stadtquai ist zwar super bequem. Mit jedem kräftigen Windstoss fliegen aber Staub, Strassendreck und Sandkörner auf unser Deck. Unser Staubsauger ist fast im Dauereinsatz.
Am 11.8.2026 passt dann das Wetter und es heisst wieder einmal «Leinen los!». Zuerst müssen wir aber noch ausklarieren. Freundlicherweise erlauben uns die Behörden (Immigration und Zoll) ohne Schiff bei ihnen vorbei zu kommen. Wir sind froh darüber, denn es herrscht gerade Spring-Ebbe, das heisst, der Wasserstand ist infolge des Mondstandes (Neumond) besonders niedrig. Es wäre am Zollsteg sehr knapp geworden. Kurz vor 10 Uhr sind wir klar und können unsere Lupina aus dem engen Parkfeld manövrieren (Bild verdankt an SY Pajé).Pia räumt noch die letzten Leinen und Fender weg, während Lupina sich durch die Hafeneinfahrt schlängelt und sich auf das offene Meer freut (Bild verdankt an SY Artemis)Letzter Blick zurück auf Mauritius.
Es liegen rund 135 Seemeilen vor uns. Gemäss Wetterprognose haben wir anfänglich sehr schwachen Wind, der dann in den ersten Stunden etwas zunehmen und dann bis 20 Meilen vor dem Ziel konstant bleiben soll. In der Realität stimmt es dann in etwa so. Zum Glück ist der Wind sogar leicht stärker, als angesagt. Von der Küste weg, noch ohne Wellen, ist die Lupina ab 5 Knoten Wind schräg achterlich gerade noch segelbar. Mit Wellen würden die Segel zu stark schlagen. Je weiter wir von Mauritius wegkommen, umso mehr frischt der Wind auf (10-12 Knoten), leider aber auch die Wellen. Da kurz und steil sind diese überraschend aggressiv. Es dauert nicht lange, meldet sich bei Pia eine leichte Übelkeit an, insbesondere als bei einem heftigen Squall (kurzes Gewitter) noch ein wenig Anspannung ins Spiel kommt. Da wir nur einen Tag unterwegs sind, beeinträchtigt uns das nicht. Für mich als Nachtmensch ist eine verlängerte Nachtschicht eh kein Problem.
Anfahrt von La Réunion in den frühen Morgenstunden des nächsten Tages.Beim Setzen von Gastlandflagge und Q-Fahne kann Pia schon wieder lachen. Ja, du siehst richtig: wir setzen die französische Fahne, die offizielle Flagge von La Réunion. Später erfahren wir, dass es sehr wohl eine lokale Flagge gibt. Sie zeigt einen roten Vulkan mit 5 Sonnenstrahlen auf blauem Grund. An Land bekommen wir ein Exemplar mit der Zahl 974. Es ist die offizielle französische Postleitzahlen-Kennung und Nummer des Übersee-Départements. Jetzt trägt Lupina stolz die Flagge von La Réunion.Wir sind noch etwas zu früh. Die Küstenwache hat uns per Funk mitgeteilt, dass wir erst ab 8:30 Uhr ins Hafenbecken einfahren dürfen. Also rollen wir einfach alle Segel weg, lassen uns treiben und geniessen ein kräftigendes Frühstück. Um 8 Uhr starten wir dann den Motor und legen die letzten 4 Meilen unter Maschine zurück. Genügend Zeit, um Festmacherleinen und Fender vorzubereiten.Marina Pointe de Galets, Le Port: Das professionellste und speditivste Einklarieren, das wir bisher erlebt haben. Ein Mitarbeiter der Marina und sein Helfer nehmen unsere Leinen in Empfang und machen diese fachkundig fest. Kaum ist der Motor aus, wird mir, dem Skipper, ein Willkommenspaket in die Hand gedrückt, das unter anderem auch einen Stadtplan, eine WiFi Karte und Zugangsschlüssen beinhaltet. Kaum ist der Marinero mit seiner Begrüssung fertig stehen die Behörden am Steg, stellen ein paar Fragen und keine 15 Minuten nach der Einfahrt in die Marina sind wir vollständig einklariert – ohne einen einzigen Gang in irgendein Büro! Wow!!Da alles so schnell erledigt ist, haben wir den ganzen Tag Zeit für erste Entdeckungen. Mit dem Stadtplan der Marina bewaffnet machen wir uns auf den Weg. Uns ist nach Grün, Natur und Park zu Mute. Im Parc Boise sind wir auch schnell im grössten Park der Stadt, merken hier aber schnell: er trifft nicht unbedingt den Geschmack der Bewohner von Le Port – der Park ist fast menschenleer.
Die Stadt Le Port ist sehr industriell geprägt und hat als wirtschaftliches Herzstück und einziger Industrie- und Handelshafen der Insel enorme Bedeutung. Im Gegensatz zu den touristischen Badeorten an der Westküste ist Le Port eine reine Arbeiter- und Industriestadt, die am Reissbrett geplant wurde. Die Stadt wurde Ende des 19. Jahrhunderts gezielt rund um den Hafenbau gegründet. Heute wickelt der Hafen (Grand Port Maritime) fast den gesamten Warenverkehr der Insel ab.
Ein Haus aus der Anfangszeit der Stadt. Strassenkünstler haben in den letzten Jahren etwas Farbe in die Stadt gebracht.Was wir vorher nicht wussten: wir sind in der EU, in Frankreich! Die Währung ist der Euro, die Flaggen an öffentlichen Gebäuden ist die Trikolore, Autos laufen unter französischen Nummernschildern (Bild), gesprochen wird ausschliesslich Französisch, manchmal etwas Kreolisch aber fast kein Englisch. La Réunion zählt als eine eigene Region von Frankreich, ist voll in den französischen Staat integriert und das Staatsoberhaupt ist der französische Präsident.Einen grossen Unterschied zu Frankreich stellen wir aber schnell fest: die Restaurants und Bars, am Vormittag und über Mittag jeweils rege besucht (Bild), schliessen bereits am frühen Nachmittag. Ab 14 Uhr erscheint die Stadt menschenleer. Erst gegen Abend öffnen vereinzelt Lokale für eine kurze Zeit.Es ist deutlich kälter geworden. Temperaturen am Morgen unter 20 Grad sind keine Seltenheit. Trotzdem frühstücken wir wie immer im offenen Cockpit. Gut eingepackt stört uns das ganz offensichtlich nicht.
Die Vulkaninsel La Réunion entstand vor rund 3 Millionen Jahren im Indischen Ozean. Im Gegensatz zu den meisten Vulkanen der Erde liegt die Insel nicht an den Grenzen von tektonischen Platten, sondern entstand mitten auf der Afrikanischen Platte. Vor etwa 2 Millionen Jahren wuchs der Vulkan so hoch, dass er die Meeresoberfläche durchbrach und als Insel sichtbar wurde.
Aussicht von Cap Noir (Dos d’Âne): Das heutige Erscheinungsbild von La Réunion wurde durch zwei riesige Schildvulkane geprägt. Einer davon ist der Piton des Neiges, mit 3.070 Metern der höchste Berg im Indischen Ozean. Er ist der ältere Vulkan und baute den gesamten Nordwesten der Insel auf. Seine Aktivität endete vor rund 12’000 Jahren. Nach dem Einsturz seiner riesigen Magmakammern und durch starke Erosion entstanden tiefe Talkessel, wie derjenige von Mafate (Bild).Um die Insel zu bereisen mieten wir uns für 5 Tage ein Auto. Schon am ersten Tag, beim Parkieren zu unserer ersten Wanderung bei Cap Noir, passiert ein Missgeschick: der Parkplatz ist voll und ich will, wie andere Autos auch schon, in die Grasnarbe parkieren. Eine abgesägte metallische Halterung eines Schildes, die im 10 Zentimeter hohen Gras versteckt ist, sehe ich nicht. Als es laut zischt ist es zu spät: der rechte Vorderreifen ist hin, an seiner Aussenwand klafft ein grosser Riss.Kurzes Stossgebet (oder so etwas Ähnliches) gegen Himmel und der Entscheid, jetzt zuerst die Wanderung zu machen, sorgen dafür, dass die gute Laune schnell wieder Oberhand gewinnt. Der abenteuerliche, spannende Aufstieg zum Aussichtspunkt lässt den Frust über den platten Reifen definitiv vergessen.Aufstieg nach Cap Noir: Im Hintergrund der Indische Ozean und die Stadt Le Port, im Vordergrund Pia bei Kraxeln.Blick von Cap Noir über das Gebiet von Mafate: eine tief zerklüftete Caldera-Landschaft Der Wanderweg führt teilweise spektakulär auf dem Kamm der Abbruchkante entlang.Moralisch und seelisch gestärkt von der herrlichen Wanderung und den fantastisch schönen Eindrücken, klappt das Wechseln des Rades mit Links. Gelernt ist gelernt 😊Das defekte Rad ist nun im Kofferraum verstaut. Es ist Wochenende und wir wollen niemanden mit dem Ersatz des Pneus belästigen. Von der Autovermietungsfirma haben wir telefonisch 2 Garagen genannt bekommen, wo wir den Pneu ersetzen können. Für den Moment alles gut also. Da bei uns in Le Port das Nachtleben nicht zu existieren scheint, fahren wir in die nahe gelegene Touristenstadt Saint Denis. Im Stadtzentrum werden wir schnell fündig.Am nächsten Tag fahren wir an die Westküste der Insel. Wie üblich bei Schichtvulkanen finden sich der Küste entlang immer wieder Stellen, wo die flüssige Lava ins Meer geflossen ist, wie hier das Trou de Cuisinier bei Saint-Paul. Meist bleiben an den Abbruchkanten die Fliesskanäle der Lava als Höhlen mit glatten Innenwänden zurück.Ausflug zu einem anderen spektakulären Aussichtspunkt, nach Maido. Allein die Anfahrt über eine gut ausgebaute, äusserst kurvenreiche Bergstrasse ist die Reise wert. Je höher wir kommen, umso mehr dominiert ein Strauch mit gelben Blüten: der Europäischen Stechginster. Die Sträucher tragen wunderschöne, leuchtend gelbe Blüten, die in der warmen Sonne intensiv nach Kokosnuss duften. Die Zweige sind jedoch mit extrem spitzen, harten Dornen übersät. Ein schönes Landschaftsbild – denken wir, lesen aber später auf «Wikipedia»: Die Pflanze wurde um 1850 von europäischen Siedlern als natürlicher Weidezaun für das Vieh eingeführt. In den Höhenlagen hat sie sich jedoch zu einer hochinvasiven Art entwickelt, welche die langmütige, heimische Flora regelrecht erstickt.Der Piton Maido ist einer der spektakulärsten und meistbesuchten Aussichtspunkte auf La Réunion. Er liegt auf rund 2.200 Metern Höhe im Westen der Insel und wird wegen seiner atemberaubenden Kulisse oft als der „Balkon von La Réunion“ bezeichnet. Er bietet ein fantastisches Zwei-Seiten-Panorama.Blickt man gegen Westen, breiten sich vor einem die sanft abfallenden Hänge der Westküste aus, die bis hin zu den weissen Sandstränden und Korallenriffen des Indischen Ozeans reichen.Dreht man sich um, öffnet sich einem der tiefe, stark zerklüftete Vulkankessel des Piton des Neiges.Von einer hölzernen Aussichtsplateau blickt man senkrecht an einer fast 1.000 Meter tiefen Steilwand hinab in den isolierten Talkessel Mafate. Man sieht die winzigen, abgelegenen Dörfer (Inselchen oder Ìlets genannt), die wie Vogelnester auf engen Hochebenen ihren Platz gefunden haben.Am Montag früh stehen wir vor dem Pneu-Haus und lassen den defekten Pneu ersetzen. Da sie dieselbe Pneu Marke nicht vorrätig haben, müssen wir in den sauren Apfel beissen und auch den noch guten Pneu auf der Vorderachse ersetzen. Die ist eine gesetzliche Bestimmung und betrifft die Sicherheit – auch in der Schweiz.
Die Geschichte mit den Pneus sollte dann noch weiter gehen, unschön, und bis jetzt noch ohne Ende: Die Mietwagenfirma will einen Vorteil aus der Situation ziehen, indem sie darauf besteht, dass die beiden Reifen auf die ursprüngliche Marke zu wechseln sind. Dafür haben sie 400 Euro von der Kaution zurückbehalten. All dies erst nach der Fahrzeug Rückgabe. Bei der wurde uns nämlich noch schriftlich bestätigt, dass mit dem Fahrzeug alles in Ordnung sei. Erst spät in der Nacht kam dann das Schreiben wegen der «falschen» Marke – gleich zusammen mit der Rechnung. Wir haben dann noch telefonisch versucht, eine Einigung zu erzielen. Fruchtlos.
Der Gang zur lokalen Polizei und ein gepfeffertes Telefonat des zuständigen Beamten mit den Betrügern sorgte dann kurzfristig für Hoffnung bei uns. Grand merci à la Police National!! Leider aber hat die Autovermietung die 400 Euro bis heute noch nicht zurückerstattet. Wir bleiben dran!Mit neuen Vorderpneus geht es weiter, diesmal in den Süden, ins Gebiet des zweiten Vulkanes. Der Piton de la Fournaise ist noch aktiv. Er entstand vor etwa 500’000 Jahren im Südosten der Insel auf den Ausläufern des Piton des Neiges. Er gehört zu den aktivsten Vulkanen der Erde und bricht fast jedes Jahr aus, letztmals im Februar 2026. Da das Wetter schlecht ist, entscheiden wir uns für eine Fahrt ins Gebiet des stark zerklüfteten Vulkankessels, der in Richtung Südosten ausläuft. Hier sind die Talhänge besonders steil und die Gegend ist bekannt für ihre unzähligen Wasserfälle, die manchmal direkt irgendwo aus der Felswand sprudeln, wie hier im Gebiet Cascades de Takamaka.Einer von vielen wunderschönen Wasserfällen17. August 2026 – ein Tag zum Feiern: 3’000 Tage unterwegs mit der SY Lupina, 6. HochzeitstagWir versuchen es noch einmal mit dem Piton de la Fournaise. Der Tag bricht gerade an, als wir von der Lupina losfahren. Nicht das kleinste Wölklein ist am bereits stahlblauen Himmel zu finden. Perfekte Bedingungen also, den aktiven Vulkan zu besuchen. Aber genau als wir von der Hauptstrasse auf die Zufahrtsstrasse zum Vulkan abbiegen, schiebt sich vom Meer her eine dünnen Wolkenschicht in unsere Richtung. Wir sind noch nicht ganz oben angelangt, befinden wir uns in dichtem Nebel, aus dem es sogar leicht regnet. Vulkanstrasse. Bei solchen Löchern im Belag geht es nur noch im SchritttempoWir befinden uns auf 2’200 Metern mitten in der Wolkendecke. Es ist mittlerweile kalt geworden, gerade mal 10 Grad! Keine Aussichten auf Besserung. Nebel ist also alles, was wir vom Vulkan zu sehen bekommen ☹So könnte es bei schönem Wetter aussehen (Google-Bild)Mittlerweile regnet es über der ganzen Insel. Stört uns nicht! Gerne würden wir davon etwas in die Schweiz schicken, von wo wir traurige Bilder erhalten. Sainte-Rose an der Ostküste zieht uns wegen seiner Geschichte an. Ein Denkmal (auf der Anhöhe hinter der Marina) erinnert hier an die koloniale Rivalität zwischen Frankreich und Grossbritannien zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Im August 1809 unternahm die britische Marine mit einer Fregatte und zwei Korvetten den Versuch, die damals französische Île Bonaparte (heute La Réunion) über den Hafen von Sainte-Rose zu überfallen und zu besetzen. Der Angriff wurde erfolgreich zurückgeschlagen.Bei jedem Vulkanausbruch fliesst Lava über die Hänge hinunter und überzieht alles, was darunter liegt, mit einer über 1’200 Grad heissen, glühenden Teigmasse, die, wenn sie abgekühlt ist, alles unter einem schwarzen, harten Steinmantel versteckt. Wie ein Wunder ist diese Kirche bei einem Ausbruch im April 1977 zwar von Lava umflossen worden, aber ihre Steinmauern hielten dem Druck stand. Einzig die fest verriegelte Holztüre verkohlte, und eine geringe Menge der Lava konnte in die Kirche gelangen. Der angerichtete Schaden blieb aber sehr gering.Weiter im Süden, nahe der Küstenstrasse, erneut Wasserfälle, die scheinbar aus den Felsen fliessen. Das stille Rauschen des Wassers und das wohltuende Grün wirken sehr beruhigend und erzeugen positive Gefühle.An der Südostküste vergrössert sich La Réunion auch heute noch. Bei jedem neuen Vulkanausbruch lassen erkaltende Lavaströme die Landmasse stetig weiter in den Ozean hineinwachsen. Auch entlang der Südküste existieren viele Stellen, wo sich Lava und Meer getroffen haben. Kannst du dir vorstellen, wie es dabei zischt und dampft? Wie sich durch das schockartig gekühlte Gestein klirrend und knallend Risse bilden? Ein Kampf Wasser gegen Stein – wer gewinnt?Die Stelle, wo die Lava beim neuesten Ausbruch im Februar 2026 über die Küstenstrasse floss. Die Strasse wurde erst wieder vor ein paar Wochen repariert und über den entstandenen Steinteppich gebaut. Die Oberfläche sieht jetzt noch glatt aus, wie eine Teigmasse. Dieses Material ist sehr porös und wird schnell verwittern. Die enthaltenen Mineralien sorgen für einen nährreichen Boden. Schon nach nur 3 Jahren werden die ersten Pflanzen darauf wachsen können und nach 30 Jahren wird alles schon übergrünt sein.Während wir uns auf der Insel erkunden, liegt unsere Lupina sicher in der Marina.Zurzeit hat es keinen Wind – das Meer ist spiegelglatt – vorerst werden wir also noch einige Tage in La Réunion bleiben. Nach dieser Aufnahme mit der Drohne eine Schrecksekunde für mich …… zum 2. Mal passiert es mir nun, dass die Steuerkonsole (graues Teil) ihren Geist aufgibt. Vor etwas mehr als einem Jahr, nach einem Software-Update, als ich die Drohne starten wollte – plötzlich kein Strom mehr auf dem Gerät. Jetzt mit einer anderen Konsole, die ich seit knapp einem Jahr in Betrieb habe, passiert das Gleiche, aber diesmal im Flug! Maximaler Adrenalinausstoss: wie krieg ich die Drohne wieder heil aufs Schiff? Zum Glück ist sie so programmiert, dass sie zum Startpunkt zurückkehrt. Nur gibt es auf dem Schiff keinen wirklich geeigneten Landeplatz und viele Hindernisse. Mit einem Fischernetz bewaffnet gelingt es mir, die Drohne rechtzeitig abzufangen, bevor sie mit dem Rigg kollidiert. Sollte zufällig jemand mitlesen, der sich mit DJI-Drohnen auskennt: ich brauche eine neue Steuerung, die mit einer Mavic Air 2 zusammen funktioniert. Jeder Tipp ist willkommen.Den Frust über den Ausfall der Drohnen-Steuerung spülen wir in einer unserer zwei Lieblingsbars runter. Ja, richtig gelesen: mittlerweile haben wir Lokale gefunden, die nicht schon am Mittag Luken dicht machen 😉 Dieses passt besonders gut zu uns, «Le Boucanier» oder zu Deutsch: der Seeräuber.Wir sind nun bereits 2 Wochen auf La Réunion, und so langsam steigt die Reiselust wieder. Das merke ich vor allem dann, wenn Pia Kochpläne schmiedet und beginnt Frischwaren, für eine Überfahrt zu bunkern. Was feine Früchte und frisches Gemüse anbelangt, ist La Réunion ein Schlaraffenland. Am jeweils Mitte der Woche stattfindenden Markt können wir uns üppig eindecken.Auch auf La Réunion gibt’s den Sankt Nikolaus 😉Unser nächstes Ziel ist Madagaskar. Wir warten noch die uns passenden Windverhältnisse und vor allem Wellenhöhe ab. Auf dieses Wochenende ist eine Front angesagt, die 6 Meter hohe Wellen aus dem Süden zu uns schickt. Das wollen wir uns nicht zumuten. Aber sobald die Verhältnisse für uns stimmen, heisst es wieder: «Leinen los und auf zu neuen Ufern!» Bis dahin pflegen wir noch Seglerfreundschaften (diese Woche sind 3 uns bekannte Schiffe eingetroffen) und geniessen einfach das Leben auf der Insel mit dem so wohlklingenden Namen «La Réunion»
Am Tag der Ankunft am 16.7.2026 lassen wir es noch ruhig angehen und entspannen uns nach dem Einklarieren auf der Lupina. Es liegen noch drei weitere Segelyachten im Hafenbecken, aber es hat genügend Platz für alle.Das Bild zeigt in grüner Farbe die bereits gefahrene Strecke, gelb die Strecke, die in diesem Bericht geschildert wird und rot die weitere Planung.
Rodrigues ist eine zu Mauritius gehörige Insel, 580 km östlich davon im Indischen Ozean gelegen. Die Hauptstadt des 109 km2 grossen Eilandes ist Port Mathurin die Hauptsprache ist, wie auf Mauritius auch, Französisch. Umgangssprache ist ein französisches Kreolisch, ein Mix aus Französisch, Englisch und Afrikanisch. Amtssprache ist Englisch. Die Insel ist Teil der Inselkette der Maskarenen und ihrerseits von mehreren kleinen Inseln umgeben. Die Insel zählt heute etwa 45’000 Einwohner, die, abgesehen von kleinen europäischen und tamilischen Minderheiten, afrikanischer Herkunft sind.
Die bis im 17. Jahrhundert unbewohnte Insel war schon den Arabern bekannt, aber die Seefahrer, die an ihr auf dem Weg nach Indien vorbeifuhren, zeigten wenig Interesse daran, sich hier niederzulassen. 1691 versuchte eine Gruppe aus Frankreich geflohener Hugenotten eine protestantische Republik namens «Eden» auf Rodrigues zu errichten. Wegen Kämpfen mit den Holländern erreichten aber nur acht Männer, unter der Führung von François Leguat, die Bucht von Mathurin. Die Insel hatte nun erstmals Bewohner, die sich auf der fruchtbaren Insel auch gut ernähren konnten. Nach zwei Jahren gaben sie jedoch aufgrund des Mangels an Frauen auf und setzten mit einer selbstgebauten Barkasse nach Mauritius über. Dort wurden sie von den Holländern als der Spionage verdächtig inhaftiert. Die Männer wurden auf der kleinen vorgelagerten Insel Île aux Fouquets ausgesetzt, starben aber, inselerfahren wie sie waren, nicht wie erwartet. Daraufhin wurden sie nach Batavia (heute Jakarta) gebracht und nach einem kurzen Prozess nach Frankreich abgeschoben. 1708 veröffentlichte Leguat eine Beschreibung seiner insgesamt siebenjährigen Reise mit detaillierten naturkundlichen Beobachtungen. Diese Erzählungen inspirierten die Franzosen 1725 zu einem erneuten Kolonisierungsversuch. Die Kolonisten fingen tausende Riesenschildkröten und verkauften sie vorbeifahrenden Schiffen als Reiseproviant. 1735 entstand die erste feste Ansiedlung, Port Mathurin. (Quelle Wikipedia)
Der Tourismus ist auf Rodrigues noch ganz spärlich vorhanden. Die Hauptattraktion ist die Natur. Kunstwerke, wie diese in Schiffsform gestaltete Kirche, sind rar.Rodrigues ist vulkanischen Ursprungs und auf allen Seiten von einer weitläufigen Lagune umgeben. Das Korallenriff, das die Lagune umgrenzt, ist unterschiedlich weit von der Küste entfernt und bietet nur wenige schmale Durchlässe für die Schifffahrt.Wir besuchen die Riesenschildkröten im François Leguat Reservat. Durch unkontrollierte Brandrodungen und Jagd wurden sie bis ungefähr 1800 komplett ausgerottet. Dank Leguat’s akribischen Aufzeichnungen 1691 und in den folgenden Jahren, sind die damals vorhandenen Pflanzen und Tiere sehr gut bekannt. Die Riesenschildkröten spielen eine sehr wichtige Rolle im Ökosystem der Insel. So gibt es Pflanzen, deren Samen erst austreiben können, wenn sie durch den Verdauungstrakt einer Schildkröte gewandert sind. Nach jahrhundertelanger, hemmungsloser Zerstörung der Natur fand Ende des 20. Jahrhunderts ein Umdenken statt. Heute ist man bestrebt, die vom Aussterben bedrohte ursprünglichen Flora und Fauna zu retten. Da Schildkröten dabei eine entscheidende Rolle spielen, wurde im Jahre 2006 begonnen, den ausgerotteten, ursprünglichen Tieren genetisch Ähnliche von den Seychellen (Aldabra-Riesenschildkröten, Bild) und von Madagaskar (Strahlenschildkröten) einzuführen und zu züchten.Strahlenschildkröten im François Leguat ReservatDie Aufzucht der Schildkröten ist sehr erfolgreich. Bis heute ist die Population der Aldabra Riesenschildkröten auf über 3000 Exemplare angestiegen. Ihr Einfluss auf die Vegetation ist sehr positiv. Sie fressen das Unterholz, halten Grasflächen kurz, trampeln Pfade frei und verbreiten über ihren Kot die Samen seltener, einheimischer Bäume, die ohne die Verdauung im Schildkrötenmagen kaum noch keimen würden. Ihre Diät ist offenbar gesund! Wie die Galapagos-Riesenschildkröten gehören sie zu den langlebigsten Kreaturen der Erde. Ein Alter von über 100 bis 150 Jahren ist in freier Wildbahn normal. Einzelne Tiere in Gefangenschaft knackten nachweislich die 200-Jahre-Marke. Männliche Tiere wiegen im Schnitt 150-250 Kilogramm. Weibchen sind etwas kleiner.Eine weitere Attraktion im François Leguat Reservat: die Grande Caverne (die grosse Höhle)Auf Rodrigues wurden bisher 9 Höhlensysteme entdeckt. Die Grande Caverne ist die bekannteste und am besten ausgebaute Kalksteinhöhle. Der für Besucher zugängliche Bereich erstreckt sich über rund 500 Meter in einer Tiefe bis zu 50 Metern. Die Grande Caverne ist die einzige elektrifizierte Schauhöhle im südwestlichen Indischen OzeanDie höchste Erhebung der Insel, der Mont Limon, hat eine Höhe von 398 Metern. Da wollen wir rauf!Mont Limon, 360 Grad Rundumblick. Gut zu sehen die Kante der vorgelagerten Riffplatte, wo sich die Wellen des tiefen Ozeanes brechen.Ein weiteres Highlight: Besuch des Grande Montagne Ökologischen Naturreservates. Unter der kundigen Führung des sehr engagierten Leiters des Reservates lernen wir viel über die Natur auf Rodrigues und deren Entwicklung über die letzten Jahrhunderte. In Zusammenarbeit mit verschiedenen internationalen Umweltorganisationen ist hier ein kleines Juwel entstanden. Seit der Gründung im Jahre 2016 ist es gelungen, mit beachtlichem Erfolg invasive Pflanzen zurückzudrängen und die vom Aussterben bedrohten einheimischen, teils endemischen (nur hier vorkommenden) Pflanzen wieder zu fördern. Auch hier spielen Riesenschildkröten eine mittragende Rolle.Kurzer Schreck beim Blick nach oben – aber unbegründet. Diese Riesenspinnen (Afrikanische Seidenspinnen) schaffen es, ein mehrere Quadratmeter grosses Netz über unseren Köpfen in die Baumwipfel zu spannen. Die grossen Spinnen sind Weibchen, die kleinen die Männchen.Die Afrikanische Seidenspinne ist ungefährlich für Menschen. Dieses Exemplar hat eine Körperlänge von etwa 3 Zentimetern und Beinspannweite von 10 Zentimetern.In Rodrigues fällt uns schnell auf, dass das Leben am Morgen stattfindet. Nach dem Mittagessen beginnen die meisten Läden und Geschäfte schon früh mit dem Aufräumen. Spätestens um 16 Uhr ist praktisch alles zu und die Trottoirs leer. Auswärts Abend Essen, das gibt es hier offenbar nicht. Es ist echt schwierig, ein nettes Lokal für unseren Sundowner zu finden. Aber wir wären nicht wir, wenn wir nicht trotzdem etwas finden – auch wenn es jeweils 30 Minuten Fussmarsch bedarf.Der Markt im Zentrum von Port Mathurin bietet tolle Waren an.Markt in Port MathurinWir sehen öfter in der prallen Sonne aufgehängte Würste. Eine Art Salami, die auf diese Weise getrocknet und haltbar gemacht werden.Am Markt ergattern wir eine Pampelmuse – eine der Sorte, wie wir sie in Französisch-Polynesien kennen und lieben gelernt hatten. Wir haben auch später auf unserer Weiterreise Pampelmusen gefunden, aber viel kleiner in der Grösse und eher sauer im Geschmack.Unsere Vorfreude wird enttäuscht! Der Inhalt ist dann schon sehr unter der Erwartung – und geschmacklich kommt sie einer Zitrone verdächtig nahe.Nun, wir überstehen die saure Pampelmuse und geniessen unseren ruhigen Liegeplatz im Hafen von Port Mathurin.Nach und nach fühlen wir uns heimisch auf der kleinen Insel, finden sogar ein Lokal, wo auch Abendessen serviert wird. Aber …… es warten über 350 Seemeilen auf uns. Wir haben schon länger den Wind beobachtet und eine genügend lange Phase mit gutem Wind gesucht. Seit wir in Rodrigues angekommen sind, gab es diese nie. Aber jetzt, am 27. Juli, ist es soweit. Nicht ganz ideal zwar, es hat auch Flaute dazwischen, aber doch einigermassen segelbar. Kurz vor 11 Uhr heisst es: «Anker hoch!», und Lupina schaukelt schön langsam aus dem Hafen uns offene Meer – weiter westwärts der Sonne entgegen.Kaum geht unterwegs vor uns jeweils die Sonnen unter, erhebt sich hinter uns der Mond. Heute ist Vollmond – die Nacht wird fast zum Tag. Es ist herrlich, nachts zu segeln, wenn man etwas sieht.Wir erreichen Mauritius morgens um 5 Uhr, es ist noch Nacht. Die Küstenwache hat uns informiert, dass wir nicht bei Tageslicht einfahren dürfen. Wir ankern direkt vor der Hafeneinfahrt und legen uns 2 Stunden schlafen. Bei Sonnenaufgang dann die übliche Zeremonie, die diesmal ganz anders ist: normalerweise setzt Pia in einem neuen Land jeweils die Gastlandflagge und den gelbe Quarantäne Wimpel. Diesmal kann sie die Gastlandflagge hängen lassen, denn Rodrigues und Mauritius haben die gleiche Fahne. Aber obwohl zum gleichen Land gehörend, muss auf beiden Inseln jeweils unabhängig voneinander ein- und ausklariert werden.Anfahrt zum Hafen von Port Louis, Mauritius.Im Hafen müssen wir zuerst an den Zoll Steg. Dieser erweist sich als sehr unpraktisch zum Anlanden, da sich keine Poller oder Klampen finden. Aber dank der Hilfe von Passanten gelingt es, Lupina fest zu machen. Auch für die Behörden erweist sich der Platz offenbar als sehr unpraktisch: keiner der Offiziellen übersteigt das feste Geländer und will an Bord kommen, der Gesundheitsbeamte erscheint schon gar nicht! Uns soll es recht sein 😊Nach dem erfolgreichen Einklarieren verlegen wir in die nahe gelegene Marina. «Marina» scheint in diesem Fall recht übertrieben, denn es handelt sich eigentlich um einen alten Frachtumschlagsplatz. Stege gibt es keine, wir legen längsseits an der Quai Mauer an. Das Schöne: wir treffen hier auf Nathalie und Uwe aus Deutschland. Wir verfolgen unsere Reise gegenseitig schon lange und treffen die Beiden mit ihrer SY Artemis, einer 60 Fuss grossen Amel, zum ersten Mal. Sie liegen schon länger hier und haben uns ein Plätzchen direkt hinter ihnen freigehalten.Das Tolle an einem Stadthafen: wir liegen mitten im Geschehen!! Port Louis vom Hausberg aus gesehen. Der rote Kreis markiert unseren Liegeplatz.Die Wanderung auf den Hausberg erweist sich als sehr kurzweilig und auf dem geteerten Pfad mit konstanter Steigung als sehr mühelos. Einzig die brennende Sonne sticht, aber der Wind trocknet den Schweiss gleich wieder weg. Auf unserer App (MAPS.ME) sehen wir, dass wir vom Aussichtspunkt der Bergkrete entlang rückwärts wandern können und dann einem Flusslauf entlang wieder runter ins Tal gelangen. Eine perfekte Rundwanderung! Auf halbem Weg (Bild) sind wir noch guten Mutes und unternehmungslustig. Auch der Wanderweg ist noch ein Wanderweg.Das sollte sich aber ein paar Kilometer weiter ändern. Lange finden wir die roten Punkte der Wegmarkierung zwar noch, der Weg selber hat sich aber schon länger verflüchtigt. Rund 2 Kilometer vor dem nächsten brauchbaren Weg hat auch der Wegmarkierer aufgegeben: wir müssen uns Schritt für Schritt durch von hohem Gras überwachsene Gerölllandschaft ins Tal kämpfen. Dorngestrüpp, spitze Agavenblätter und andere stachelige Gewächse finden gefallen an unseren Füssen und Beinen. Verkratzt und mit Dornen bespickt kommen wir entkräftet unten an.Meine Wanderschuhe haben nach dieser strengen Wanderung auch genug!Wie üblich mieten wir uns auch auf Mauritius ein Auto und erfahren die Insel. Im Südwesten erhebt sich dieser alleinstehende Koloss, der 556 hohe «Le Morne Brabant». Er gehört zu den Wahrzeichen und schönsten Postkartenmotiven der Insel. Neben seiner natürlichen Schönheit besitzt er eine tiefe und tragische historische Bedeutung. Im 18. und frühen 19. Jahrhundert diente der schwer zugängliche Berg als Versteck für entflohene Sklaven. Die Legende besagt, dass sich nach der Abschaffung der Sklaverei Soldaten dem Berg näherten, um den Menschen ihre Freiheit zu verkünden. Aus Angst vor erneuter Gefangennahme stürzten sich viele Sklaven voller Verzweiflung vom Berg in den Tod. Mit einem Monument, das wir hier besuchen, wird an diese Tragödie erinnert.Nicht unser Ding, gehört aber auf Mauritius dazu: Touristenstrände.Im Süden, bei St. Aubin, finden wir ein sehr schön erhaltenes Plantagenhaus aus der Koloniezeit. Das «Colonial House», das einstige Wohnhaus des Plantagebesitzers, wird heute als Restaurationsbetrieb geführt inmitten einer schönen Parklandschaft, umgeben von weiten Zuckerrohrfeldern.Der «Eden Garden Culture & Entertainment Square» am nördlichen Stadtrand von Port Louis. Ein sehr markantes Gebäude. Es ist Teil eines grossen, von chinesischen Investoren finanziertes «Smart City» Projektes und wurde als Kultur- und Unterhaltungszentrum konzipiert. Der Bau fand zwischen 2016 und 2018 statt. Da der Innenausbau aus finanziellen Gründen bis heute nicht fertiggestellt ist, steht das ganze Gebäude und seine Umgebung bis zum heutigen Tag leer.Die Mangal Mahadev Statue am Eingang zum Grand Bassin, einem heiligen Kratersee im Süden von Mauritius. Mit 33 Metern das höchste Monument des Inselstaates. Die Statue zeigt Shiva mit seinem Dreizack. Der heilige Kratersee ist ein Pilgerort, der jährlich anlässlich des Maha Shivaratri Festes (übersetzt die grosse Nacht von Shiva) von mehreren Hunderttausend Hindus besucht wird, die hier heiliges Wasser für Shiva aus dem See schöpfen.Das Grand Bassin (in lokaler Sprache «Ganga Talao») wird von den Gläubigen als verlängerter Arm des heiligen Flusses Ganges angesehen. An seinem Ufer befinden sich unzählige kleine Tempel und Statuen, welche jede für sich wieder ihre Bedeutung hat.Ausserhalb des Maha Shivaratri Festes (das abhängig vom Vollmond im Monat Februar oder März stattfindet) pilgern das ganze Jahr über gläubige Hindus zum Kratersee, um bei von ihnen ausgewählten Statuen Opfergaben zu deponieren.Die ursprünglichen Urwälder auf Mauritius sind längst verschwunden. Die grosse Bevölkerungsdichte (über 640 Einwohner pro Quadratkilometer – die Schweiz hat gerade mal etwas mehr als 230) hat in der Vergangenheit zu grossen Abholzungen geführt. Heute versucht man mit grossem Aufwand in Reservaten und Naturparks, wieder ein Stück der so wichtigen ursprünglichen Natur zurückzuholen.Der Chamaral-Wasserfall – mit einer Fallhöhe von knapp 100 Metern der höchste einstufige Wasserfall auf Mauritius. Er stürzt spektakulär über eine Kante aus Jahrmillionen altem, vulkanischem Gestein inmitten eines dichten Urwalds in eine bewaldete Schlucht.Die «Siebenfarbige Erde» – ein seltsames Naturphänomen erstreckt sich über eine Fläche von 7’500 m2. Es ist das Ergebnis eines natürlichen, geologischen Prozesses, der mit der vergangenen vulkanischen Aktivität der Insel und der fortschreitenden Verwitterung des Basaltbodens zusammenhängt. Es sind vorwiegend Eisen- und Aluminiumoxide, welche für die verschiedenen Farben im lockeren, tonhaltigen Gestein an der Erdoberfläche sorgen.Im Jahre 1598 landeten 5 holländische Schiffe auf der damals herrenlosen und unbewohnten Insel. Zu Ehren ihres damaligen Prinzen nannten sie die Insel nach seinem Namen «Mauritius». Die Holländer versuchten hier an dieser Stelle im Südosten der Insel Fuss zu fassen. Sie richteten hier 1638 einen Hafen ein, heute «Vieux Grand Port» genannt. Diesen schützten sie gegen äussere und innere Feinde (es gab mehrere Sklavenrevolten in dieser Zeit) mit einer Festung, Fort Frederik-Hendrik. Es soll das älteste Gebäude auf der Insel sein.
Die Holländer waren mit ihren Besiedelungsversuchen nicht erfolgreich und zogen 1710 wieder ab. Die Festung und eingeschleppte Sklaven liessen sie zurück. 12 Jahre später, 1722, kamen die Franzosen und begannen mit der Entwicklung zuerst auch an dieser Stelle. Sie merkten aber bald, dass ein anderes Gebiet um die heutige Hauptstadt Port Louis besser geeignet war. Danach ist die Geschichte von Mauritius geprägt durch den Wechsel verschiedener europäischen Kolonialmächte, und die Insel entwickelte sich zur multikulturellen Nation. Geprägt durch Sklaverei, den Anbau von Zuckerrohr und die Einwanderung indischer Vertragsarbeiter erreichte Mauritius im Jahr 1968 seine Unabhängigkeit.
Mauritius hat geologisch betrachtet rein vulkanischen Ursprung. Seine Entstehung begann vor rund 8 Millionen Jahren und lief in 3 Phasen ab. Die letzte Phase endete vor etwa 25’000 Jahren. Dabei bedeckte ein Spaltenvulkan fast 70% der Insel mit einer dünnen Schicht aus sehr flüssiger Basaltlava. Der sanft abfallende Norden sowie markante, flache Krater, wie der «Trou aux Cerfs» (Bild), blieben davon als Zeugen zurück.Der markante Berg «Trois Mamelles» ist Zeitzeugen aus der ersten Phase der Entstehung von Mauritius. In dieser Phase bildete sich ein riesiger Schildvulkan mit einem Durchmesser von über 40 Kilometern. Ein massiver Einsturz der Magmakammer schuf eine gigantische Caldera. Die heutigen Bergketten sind die Überreste dieses ursprünglich imposanten Kraterrandes.Und jetzt wird es spannend! Ein auf dem Dach liegendes Haus? Ein Sturmschaden?? Nein, es ist das «verhexte Haus»! Wir sind mutig und statten ihm einen Besuch ab.Der Beuch ist absolut lohnenswert. Nichts ist so, wie es scheint – und nichts sieht so aus, wie es ist.Der Spieltrieb ist geweckt – die Phantasien angeregt.Zum Abschied von Mauritius eine schöne Überraschung. Bei unseren treuen Leserinnen und Lesern ist mittlerweile bekannt, dass wir bei Überfahrten jeweils die erduldeten Strapazen täglich mit einem Ragusa belohnen. Eine uns unbekannte Freundin vom Genfer Seglerpaar Jocelyne und Roland (SY Croix Du Sud) wohnt zeitweise auf Mauritius. Sie wurde von unseren Freunden, die sich gerade in Fiji aufhalten, gebeten, uns eine Stange der leckeren Schokolade zu bringen. Merci beaucoup!! Merci beaucoup, Christiane, de l’avoir livré !!
Die Reise geht bald weiter! Die nächste Insel ruft: La Réunion. Seit gestern beobachten wir das Wetter und suchen ein gutes Fenster für die Fahrt zur rund 135 Seemeilen westwärts gelegenen Insel. Im Laufe der kommenden Woche ist es soweit.
Es bleibt spannend! Folge der Lupina im Kielwasser!
Im Moment befindet sich unsere Lupina im Langfahrten Modus. Und bisher meistert sie das sehr gut. Bereits befinden wir uns 1’135 Seemeilen von Indonesien weg im Indischen Ozean. In den nächsten Tagen wartet nun die Königsetappe auf uns: 2’020 Seemeilen von Cocos Keeling nach Rodrigues (gelbe Strecke). Es wird ein Verschleisskampf für Material und Mensch, denn dieser Teil des Indischen Ozeanes ist bekannt für starke Winde und vor allem für seine aggressiven Wellen. Es herrscht ein dauernder Grundschwell von 3-4 Metern aus der Antarktik im Süden. Dieser trifft fast im rechten Winkel auf die normalen Windwellen, die mit 2-3 Meter auch nicht gerade gering sind. Ein richtiges Sprudelbad wartet auf uns.Am 4.7.2026 gehen wir Anker hoch. Über Tage haben wir das Wetterfenster beobachtet und eine Windphase abgewartet, wo es beim Start nicht allzu stark bläst, so dass wir nicht gerade vom Start weg im Kampfmodus beginnen müssen. Danach erwartet uns für eine Woche kräftiger Wind aus Südost, was sehr gut ist, leider aber auch viel Regen. Aber da müssen wir halt durch.Wir sind den auch kaum aus dem Atoll draussen, haben Segel gesetzt und den Kurs aufgenommen, als sich die ersten düsteren Regenwolken am Horizont aufbauen.Es dauert nicht lange, sieht es aus unserem Cockpit Fenster so aus. Wir sind zum wiederholten Mal richtig froh um unser festes Cockpit: es schützt uns einfach wirklich sehr gut vor Wind und Nässe.Dauerregen und starker Wind fegen über uns hinweg.Zusätzlich zum schlechten Wetter kommt in der ersten Nacht ein Problem dazu! Wie immer mache ich vor Tagesende einen Kontrollrundgang und finde im Motorraum viel Wasser am Boden, auch die Wände sind verspritzt. Ein Geschmackstest auf der Zunge bestätigt: Salzwasser. Ich bin für den Moment geschockt. Nach intensiver aber vergeblicher Suche will ich den Motorraum schon wieder verlassen, als es bei einer starken Welle von der Decke spritzt. Schnell ist die Ursache, und zum Glück auch eine Lösung gefunden. Die starken Wellen und vor allem die schnelle Fahrt erzeugen im Wellenrohr einen hohen Wasserdruck. Die in Singapur eingebaute neue Wellendichtung meistert das problemlos. Über die Entlüftungsleitung der Dichtung wird aber bei diesem starken Druck Wasser bis an die Decke hochgedrückt. Mit einem Holzzapfen schliesse ich die Leitung. Problem vorerst gelöst! Endlich: nach 2 Tagen Licht am Horizont – oder zumindest mal wieder die Sonne. Leider nur gerade in den frühen Morgenstunden.Auch am 3. Tag auf See: viele Wolken am Himmel. Aber: der Wind bleibt konstant hoch und wir machen schnelle Fahrt.Um unsere Flagge vor Verschleiss zu schützen bleibt sie während der ganzen Fahrt weggebunden.Die Wellen bleiben hoch und ungemütlich. Allerdings werden sie allmählich etwas länger und damit weniger aggressiv. Trotzdem müssen wir uns immer gut verkeilen, um nicht von der Sitzbank zu fliegen. Als Pia ziemlich am Anfang unserer Reise helfen wollte, die Kuchenbude zu installieren, hat sie den Halt verloren und ist rückwärts mit dem Rücken an die Kante des Cockpits geschleudert worden. Dabei hat sie sich eine schmerzhafte Prellung und eine angerissene Rippe (wie ein Röntgenbild nach unserer Ankunft auf Rodrigues zeigen sollte) zugezogen. Also absolut verständlich, wirkt hier ihr Lachen etwas gequält. Aber sie schlägt sich für den Rest der Reise sehr tapfer!Abendrot am 5. Tag auf See. Die Zonen mit Schlechtwetter werden kürzer und der Himmel klart allmählich auf. Immer noch schiebt der Wind uns kräftig voran. Wir haben jetzt eine stabile Lage und wir brauchen fast keine Anpassung der Segelstellung vorzunehmen.Auch wir können es nun etwas gemütlicher angehen und kommen viel zum Ruhen.Das Schaukeln und Rollen begleitet uns aber fast über die ganze Strecke, wie das Bild des Wasserstrahles in der Küche gut zeigt.Unsere häufigste Segelstellung bei der Querung des Indischen Ozeanes. Bei Winden von hinten bis etwa 120 Grad schräg auf die Backbordseite (linke Seite des Schiffes) segeln wir mit der sogenannten Schmetterling-Segelstellung. Dabei zeigt das Grosssegel nach Steuerbord und des Genua Segel nach Backbord.Dreht der Wind weiter zu Seite oder gar nach vorne wird die Genua auf die gleiche Seite geschiftet wie das Grosssegel. In dieser Segelstellung machen wir die schnellste Fahrt. Auch liegt die Lupina so am stabilsten im Wasser.Ein Snapshot unserer Fahrt bei Wind aus südlicher Richtung. Er trifft mit über 21 Knoten aus etwa 90-100 Grad auf die Backbordseite des Schiffes (linkes Anzeigeinstrument). Zum Zeitpunkt des Bildes saust die Lupina gerade mit 12 Knoten (rechte Anzeige) eine Welle hinunter. Auf flachem Wasser würden wir bei diesem Wind etwa 8 Knoten machen, was auch sehr schnell ist für ein Schiff unserer Grösse.Nach nicht ganz 6 Tagen haben wir die Hälfte der Strecke zurückgelegt. Bergpreis – das muss gefeiert werden! Wir haben uns extra dafür 2 Bunda»berg» aufgespart – alkoholfreies Gingerbier aus Australien.Bei einer Distanzfahrt sind meine Sinne immer besonders angespannt. Jedes unbekannte Geräusch oder dessen Veränderung kann bedeuten, dass irgendwo ein Verschleiss oder sogar ein Defekt eingetreten ist. Je früher man dies erkennt, umso grösser sind die Chancen, noch grössere Probleme abzuwenden. Während der schnellen Fahrt nehme ich immer wieder ein lautes Knarren aus dem Heckbereich wahr. Da befindet sich das Ruder! Also muss ich nachschauen. Unter erschwerten Bedingungen – es rollt und stampft im Dauerbetrieb – grabe ich mich im Heckbereich unter unsere Kojen, um zu kontrollieren, ob ich irgendetwas erkennen kann. Zu meiner Erleichterung stelle ich fest, dass an der Lagerung des Ruders und an seinem Verstellmechanismus alles in Ordnung ist. Das Knarren rührt von den Holzverstrebungen im Rumpf des Bootes. Diese unterliegen bei dieser Belastung natürlich grösseren elastischen Bewegungen, was das Knarren erklärt. Entwarnung also!Ein vielleicht historisches Bild unserer Weltreise: am 11. Juli 2026 legen wir innerhalb 24 Stunden eine Distanz von 201.1 Seemeilen (373 Kilometer) zurück. Eine solche Distanz innerhalb 24 Stunden hat Lupina noch nie zurückgelegt. Obwohl die Bedingungen nicht gerade komfortabel sind, braust Lupina ungestüm Richtung Westen. Wind, Wellen und eine uns gutgesinnte Strömung unterstützen sie dabei. An diesem Tag beträgt die durchschnittliche Geschwindigkeit 8.4 Knoten (15.6 km/h) und einmal waren wir sogar 14.3 Knoten (26.5 km/h) schnell, vermutlich bei einer sehr hohen Welle.Das Wetter bessert sich immer weiter auf, wir haben in dieser Phase nun kaum noch Regen. Auch der Wind reduziert sich etwas.Leider fällt der Wind dann fast einen Tag lang so weit zusammen, dass unsere Segel immer wieder stark schlagen, wenn uns eine grosse Welle hin und her wirft. Unser Sportlerherz weigert sich, die Segel einzurollen und den Motor zu starten.Solche Perioden mit schwachem Wind sind immer gefährlich, denn es gibt dabei sehr viel Bewegungen im Rigg. Regelmässig steige ich auf Deck, um nachzuprüfen ob alle Leinen noch fest sind, oder ob das Segel irgendwo scheuert.Bei schlechtem Wetter bleiben wir konsequent im Cockpit und steigen nur bei Bedarf an Deck. Nun hat sich das Wetter so weit gebessert, dass «Ausflüge» auch ohne besonderen Grund möglich werden.Sogar für ausgiebige Körperpflege sind die Bedingungen gut genug.Der letzte Sonnenaufgang auf hoher See.Wie immer feiern wir eine erfolgreiche Nachtfahrt mit …? Ja mit was denn?? Ja, natürlich: mit einem RAGUSA!!
Es liegen jetzt noch etwas mehr als 120 Seemeilen vor uns. Wir vermeiden normalerweise eine Ankunft bei Nacht, aus Gründen der Sicherheit. Von anderen Seglern haben wir aber Wegpunkte erhalten und die Anfahrt zum Ankerplatz ist frei von gefährlichen Hindernissen. Wenn alles gut läuft, dann liegen wir also beim nächsten Sonnenaufgang bereits vor Anker.
Und es läuft gut – sehr gut sogar: 11 Tage und 18 Stunden nach der Abfahrt in Cocos Keeling liegt Lupina sicher auf Rodrigues vor Anker. Genau 2’023 Seemeilen (3’747 Kilometer) liegen hinter uns, welche unsere Lupina mit durchschnittlich 7.1 Knoten (13.1 km/h) durchpflügt hat. Nun hat sie Ruhe verdient. Obwohl 5 Uhr früh Bordzeit (3 Uhr lokale Zeit) lassen wir es uns nicht nehmen, vor der verdienten Bettruhe noch einen Ankertrunk zu geniessen.Normalerweise setzen wir Gastlandfahne und Q-Flagge, sobald wir ins Hoheitsgewässer eines neuen Land einfahren. Das wäre in der Nacht gewesen. Da traditionsgemäss immer Pia die Ehre zufällt, die Flaggen zu setzen, haben wir die Zeremonie auf die frühen Morgenstunden am Ankerplatz verschoben. Hier hat es keine Wellen und es ist somit sicher für Pia’s angeschlagene Rippe.Kurz nach Sonnenaufgang werden wir per Funk von der Coast Guard aufgerufen und gebeten, mit dem Schiff an die Hafenmauer zu kommen, um dort die Einklarierung vorzunehmen. Der Reihe nach kommen alle Behörden zu uns aufs Schiff: Gesundheitsbehörde, Coast Guard (Bild), Zoll und Immigration. 2 Stunden später sind wir einklariert und legal im Land.Nun liegt Lupina sehr gut geschützt im inneren Hafenbecken von Port Mathurin. Es ist aussergewöhnlich, dass ein Segelschiff so nahe beim Hafen ankern darf. Die Behörden sind diesbezüglich sehr entspannt. Sie informieren uns bloss, dass wir kurz Platz machen müssen, wenn ein Frachtschiff anlegen oder abfahren will. Das passiert alle 1-2 Wochen einmal.
Die nächsten 1-2 Wochen wollen wir nun Rodrigues erkunden und Lupina pflegen, bevor es dann weiter geht nach Mauritius. Mehr dazu im nächsten Bericht.
Es bleibt spannend! Folge der Lupina im Kielwasser!
Nach einer Woche Paradies auf Christmas Island zieht es uns weiter. Der Wind ist gut und unter Schmetterling Segeln geht es weiter westwärts. Unser Ziel: das letzte australische Fleckchen Erde: Cocos KeelingCocos Keeling ist, wie ebenfalls Christmas Island, ein Aussenposten von Australien. Es liegt rund 535 Seemeilen südwestlich von Christmas Island. Das Meer ist in diesem Bereich zwischen 4’000-5’000 Meter tief und frei von Gefahrenstellen. Allerdings erzeugen die schmalen, hohen Türme, die vom tiefen Meeresgrund bis ein paar hundert Meter an die Wasseroberfläche reichen (erkennbar an den hellen Flecken auf dem Satellitenbild), ein paar verwirrende Strömungen.Schönes Wetter ist angesagt mit wunderschönen Sonnen Auf- und Untergängen. Die ersten gut Zweidrittel der 535 Seemeilen langen Strecke sind wir schnell unterwegs. Dann, wir haben schon mit der Ankunft am selben Tag gerechnet, bricht der Wind fast komplett ein.Squalls (Regenwolken) beginnen uns zu verfolgen. Es wird ungemütlich.Das Wetter ist wohl auch für diesen gefiederten Freund (Rotfüssiger Tölpel) etwas zu öde, vor allem wird ihm der Wind gefehlt haben. Jedenfalls hat er sich eine ganze Nacht lang auf unserem Dinghi wohl gefühlt.Am Morgen des 4. Tages auf See, am 26. Juni 2026, erreichen wir Cocos Keeling. Same Procedure as always! Zuerst die Hoheitsflagge (auch die gelbe Quarantäne Flagge natürlich, aber nicht sichtbar auf dem Bild) …… dann die Kontrolle durch die Behörden. Alles sehr schnell und unbürokratisch.Wir liegen an einem wunderschönen Ankerplatz hinter der schmalen «Direction Island». Wellenschutz ja, Windschutz leider nein: es sind für die nächsten Tage Windstärken von 20-25 Knoten angesagt.Anders als Christmas Island, das aus einer grossen, hohen Insel besteht, ähnelt Cocos Keeling eher den Atollen in den Tuamotus im Pazifik. Auch hier ist der Ursprung vulkanisch, aber durch langsames Absinken und Erodieren des vulkanischen Sockels hat sich ein Atoll gebildet mit einem ringförmigen Aussenriff und einer geschützten flachen Innenbucht.
Auf Cocos Keeling leben rund 600 Menschen, die sich auf die beiden bewohnten Inseln Home Island (500 Einwohner) und West Island (100 Einwohner) verteilen. Die Geschichte von Cocos ist geprägt von einer feudalen Herrschaft, der Entstehung einer malayischen Kultur und strategischer Bedeutung in den beiden Weltkriegen. Namensgebend war auch hier der Entdecker im Jahre 1609, der britische Kapitän William Keeling, der sich nicht scheute, dem unbewohnten Atoll seinen Namen zu geben. Cocos bleibt lange unbewohnt. Erst 1826 gründete ein Britischer Händler die erste Siedlung mit Sklaven aus Malaysia für seine Copra Plantagen, die er aufzubauen begann. Das Atoll blieb aber auf der Weltkarte lange unbedeutend.
Das änderte sich schlagartig zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als weltweit eine Revolution in der Kommunikation einsetzte. Es war die Zeit, als man begann, Telegraphenleitungen in den Weltmeeren auszulegen, um entlegene Länder mit dieser neuen Technologie miteinander zu verbinden. Im Jahre 1901 wurde auf der unbewohnten Direction Island im Cocos Keeling Atoll eine Verbindungsstation errichtet und Seekabel verlegt. Cocos Keeling war ab diesem Zeitpunkt ein wichtiger Knotenpunkt, welcher Australien mit dem Rest der Welt verband. 10 Jahre später wurde zusätzlich eine Funkantenne errichtet, die es erlaubte, mit vorbeifahrenden Schiffen bis auf eine Distanz von 450km zu kommunizieren. So konnten wichtige Informationen, die über das Kabel weltweit nach Cocos gelangten, zu den vorbeifahrenden Schiffen übermittelt werden.
Auf Direction Island lebten zu Spitzenzeiten rund etwa 50 Leute, die alle für die Übermittlungsstation arbeiteten. Sie mussten sich selber ernähren, denn nur alle paar Monate kam ein Versorgungsschiff vorbei. Die beiden bewohnten Inseln, Home Island und West Island, durften sie nicht betreten oder nur zu speziellen Anlässen. Der sehr dominante und herrschsüchtige Plantagenbesitzer wollte nicht, dass es zu Kontakten kommt mit seinen Arbeitern.
Cocos Keeling spielte in beiden Weltkriegen eine wichtige Rolle:
– Im ersten Weltkrieg wurde hier ein deutsches Kriegsschiff, die SMS Emden, abgefangen, das damals die ganze Seefahrt in diesem Bereich des Indischen Ozeans verunsicherte. In den ersten 12 Wochen des 1. Weltkrieges eroberte oder versenkte die Emden 26 Handels- und Kriegsschiffe. Der Kapitän der Emden wollte die Übermittlungsstation zerstören und schlich sich bei Dunkelheit an. Eine von der Station aufgeschnappte Funkkommunikation zwischen der Emden und einem ihrer Begleitboote warnte die Leute an Land. Es gelang ihnen noch, über die Kabelleitung die Alliierten zu informieren und über die starke Funkantenne ein Kriegsschiff der Australischen Navy um Hilfe zu rufen. Nun, die Funkstation konnte von der deutschen Besatzung der Emden zerstört werden (es gab dabei aber keine Toten!), aber bis die Emden wieder losfahren konnte, war der australische Zerstörer HMAS Sydney vor Ort. Während dem nun folgenden, kurzen Kanonengefecht wurde die Emden so stark beschädigt, dass der Kapitän entschied, zur Rettung von Menschenleben das Schiff am Ufer auf Grund laufen zu lassen. Das war das Ende der berüchtigten SMS Emden – nicht aber der Übermittlungsstation: das Stationspersonal war bestens vorbereitet. In aller Eile hatten sie die wichtigsten Geräte und alle Ersatzteile im Wald versteckt. Innert kürzester Zeit war die Station wieder funktionsbereit.
– Im 2. Weltkrieg waren es die Japaner, die ihre Krallen nach der Insel ausstreckten. Auch diesmal gelang es der Besatzung der Anlage, die Einrichtung mit einer List zu retten: nach einem ersten Angriff japanischer Flugzeuge, deren Bomben ihre Ziele weit verfehlt hatten, mahlten die Leute Bombeneinschlage und Zerstörung auf Tücher und legten diese über die Dächer. Gleichzeitig übermittelten sie uncodiert nach Java, dass die ganze Anlage zerstört und nicht mehr einsatzfähig sei. Die Japaner schnappten diese Fake News (ja, es gab sie damals schon 😊!) ab, und glaubten das Märchen. Bis sie merkten, dass Cocos Keeling immer noch funktionierte, war der Krieg schon bald vorbei. Die Station überlebte auch diesen Weltkrieg.
Die Übertragungsstation musste im Verlaufe der Zeit moderner, drahtloser Übermittlung weichen. Heute dient Direction Island vor allem als Übungscamp für das australische Militär und als Naherholungsgebiet für die Einheimischen. Das erklärt diesen massiven Anlegesteg. Zwei Mal pro Woche gibt es eine Fähre, die Leute am Morgen auf die Insel bringt und sie am Abend wieder zurückholt.Typisch Australien! Du kannst noch so weit weg von der Zivilisation sein: es braucht ein ordentliches WC – inklusive Behinderten gerechtem Zugang. Ob das hier Sinn macht – frag nicht!Cocos Keeling ist die letzte Insel, bevor es dann westwärts in den offenen Indischen Ozean geht. Viele Segler, die diese sogenannte Südroute wählen (die Nordroute führt über Sri Lanka und die Malediven) legen hier einen Zwischenstopp ein und ruhen sich aus, bevor es in die schwierige Passage Richtung Mauritius geht. Viele verewigen sich mit ihrem Namen – wir finden auch denjenigen der Marisol, einem uns bekannten Schiff, dessen Reise wir regelmässig verfolgen.Blick von Direction Island südwärts in Richtung Home Island. Es ist gerade Ebbe. Deutlich ist der Durchfluss durch das Riff erkennbar. Meist sind solche Durchflüsse sehr interessant zum Schnorcheln und Tauchen, aber der seit Tagen anhaltende Wind sorgt für eine sehr starke Strömung. Wir müssen es bleiben lassen.Direction Island – der Strand zur geschützten Lagune – so feinen Sand haben wir selten gesehen.Pier von Home Island: Hier auf Cocos Keeling wird eine Gebühr erhoben fürs Ankern. Diese Gebühr kann man aber nicht gleich den Behörden bezahlen, die das Einklarieren vornehmen («Es wird nicht gerne gesehen, wenn wir Beamten Geld annehmen!», dies die wortwörtliche Antwort auf Pia’s Frage, ob wir die Gebühr nicht gleich an sie bezahlen können). Bezahlen muss man im Verwaltungsgebäude auf Home Island, rund 25 Franken für eine Woche. Also fahren wir am Montag mit unserem Dinghi die rund 2 Kilometer zur Home Island.Home Island: sehr zweckmässiges Fortbewegungsmittel der Einheimischen.Nummernschilder auf Cocos: «C» für Cocos und eine fortlaufende Nummer. Dies ist das 2004. Fahrzeug, seit der Einführung von Fahrzeugen auf Cocos. «Einkaufszentrum» auf Home Island – mit Apotheke, Supermarkt, Beauty-Salon und Souvenir-Laden. Nicht schlecht für einen Ort mit nur 500 Einwohnern. Auch auf Home Island finden wir Postkarten Strände vor.Home Island ist gerade mal 2 Kilometer lang und an seiner breitesten Stelle rund 1 Kilometer weit. Wir umrunden sie zu Fuss. Auf der dem offenen Meer ausgesetzten Seite machen wir einen interessanten Fund: eine von indonesischen Fischern oft benutzte Markierung von Fischfangstellen. Die hat sich offensichtlich losgerissen und ist hier, über 1’000 Seemeilen weiter westlich, gestrandet. Falls du dich fragst, warum Pia eine lange Hose und Blus trägt: aus Respekt vor den Lokalen, welche alle Malayischer Abstammung und somit Moslems sind.Wir sind gerade mal 3 Tage auf Cocos, hatten am Freitag, unserem Ankunftstag, und am Montag gutes Wetter. Nun, gegen Montagabend nimmt der Wind stark zu und eine Störung schiebt sich über das ganze Gebiet. Es wird ungemütlich – auch am Anker.Während der nächsten Tage huschen unsere Augen immer wieder über die Windanzeige. Aber der Wind lässt nicht locker und die Zahl bleibt hoch. Fast die ganze Woche sinkt der Wind nie unter 20 Knoten, liegt meist um die 25 Knoten, pfeift aber eine beträchtliche Zeit auch mit mehr als 30 Knoten. Für nicht Segler: bei diesem Wind ist es ungemütlich! Denn mit dem Dinghi grosse Erkundungsfahrten zu unternehmen, macht bei Starkwind keinen grossen Spass. Auch das Schnorcheln bringt bei aufgewühltem Wasser nicht sehr viel. Wir sind tagelang ans Schiff gebunden.Ist ja eigentlich auch nicht sooo schlimm. Da wäre ja da noch die Fussball WM, und auch sonst gibt es immer viel zu tun. Einzig das Wäsche Trocknen muss unter erschwerten Verhältnissen durchgeführt werden, denn draussen regnet es immer wieder.Und Bürokram gibt es auch auf einem Schiff zu erledigen 😉Der Regen hat auch seine schönen Seiten!
Jetzt, für das kommende Wochenende, zeichnet sich eine kurze Wetterbesserung ab. Der Wind fällt unter 20kn und der Himmel soll sich aufhellen. Diese Gelegenheit wollen wir nutzen, um die 2’000 Seemeilen nach Rodrigues (Nachbarinsel von Mauritius), unserem nächsten geplanten Stopp in Angriff zu nehmen. Wir wissen von anderen Seglern und aus diversen Segelbüchern, dass es eine ungemütliche und schwierige Passage sein soll.
Wir werden also morgen Samstag, 4. Juli 2026, Anker hoch gehen und die Reise starten. Diesen Bericht schliesse ich noch vor unserer Abreise ab – ich weiss ja nie ob es von unterwegs klappen wird. Wenn du diese Zeilen also liest, sind wir schon seit ein paar Tagen im Indischen Ozean. Wenn du wissen willst, wie weit wir schon sind:
Unsere Position auf Explore (diese aktualisiert sich, auch wenn wir kein Internet haben)
Unsere Position auf Noforeignland (dazu brauchen wir Internet – wir schalten dieses 2x pro Tag ein)
Es würde uns freuen, wenn du uns auf unserer Reise begleitest. Es bleibt spannend! Folge der Lupina im Kielwasser!
In diesem Bericht nehmen wir dich mit auf die Reise von Bali (Finger) in die Flying Fish Cove auf der Weihnachts-Insel. Im ersten Teil der Strecke erwarten wir noch viele indonesische Fischerboote. Deshalb fahren wir zuerst rund 10 Meilen von der Küste weg südwärts, bevor wir dann direkten Kurs aufnehmen auf unser Ziel. Gemäss Navigationsgerät warten 592.2 Seemeilen (DTD = distance to destination) auf uns.Bali Gapura Marina, direkt nach dem Frühstück heisst es: Leinen los und Fender hoch. Hier im Hafenbereich weht kein Lüftchen, das Wasser ist spiegelglatt.Kaum sind wir aus dem Hafen raus, nimmt der Querabwind (also Wind von der Seite) auf angenehme 8-10 Knoten zu, wir können Segel setzen und von der Küste weg südwärts rauschen.Kurz vor Sonnenuntergang auf unserem nun direkten Kurs Richtung Weihnachts-Insel. Es war ein sehr angenehmer Segel Tag. In der folgenden Nacht sollten uns aber viele indonesische Fischkutter in angespannter Alarmbereitschaft halten.Am nächsten Morgen ist die Anspannung während der Nacht vergessen. Motiviert und mit Freude bereitet die Lupina Smutje (Schiffskoch) das Frühstück vor.Im Laufe des Tages wird der Schwell, der nach einem Sturm in antarktischen Gewässern Richtung Norden ausläuft, intensiver. Die seitlichen Wellen sind nun bis zu 3 Metern hoch und bringen die Lupina auf ihrem Vorwind-Kurs arg ins Rollen.Nach über 8 Jahren auf dem Schiff gefällt uns das Rollen zwar immer noch nicht, aber es hindert uns nicht mehr an den täglichen Routinen, wie zum Beispiel Wetterdaten abzurufen, oder Logbuch Eintragungen am PC vorzunehmen.Letzter Sonnenuntergang auf unserer Fahrt. Das Meer ist immer noch kabbelig, aber morgen werden wir ankommen.Traurig – leider passiert es immer wieder: Fliegende Fische landen auf ihren nächtlichen Flügen auf unserem Deck. Wenn wir sie erst Stunden später finden, ist es zu spät für sie.Die Winde in dieser Gegend bleiben recht stabil. Diese Bild zeigt in 2 Diagrammen die Windrichtung (links) und die Windstärke (rechts). Die jeweiligen Daten werden über 60 Minuten aufgezeichnet. Die gestrichelte Linie stellt den gemittelten Wert dar. Die mittlere Geschwindigkeit über die letzten 60 Minuten beträgt 17.6 Knoten, und der Wind bläst aus rund 100 Grad. Wir fahren einen Kurs von 263 Grad westwärts, was bedeutet, der Wind kommt leicht schräg achterlich. Ein schöner und stabiler Kurs. Sorry, das war jetzt etwas Segeltechnisches! 😊Am letzten Tag auf See werden wir wiederum von herrlichem Wetter begleitet.Kurz vor Ankunft: die Flagge von Christmas Island (wie die Weihnachts-Insel in der lokalen Sprache heisst) wird gehisst.Angekommen im einzigen Hafen der Christmas Island (kurz CI): Flying Fish Cove. Wir machen unsere Lupina direkt vor dem Pier an einem Mooring (Boje) fest. Ankern ist zum Schutz der Korallen nicht erlaubt. Wäre auch sehr schwierig: schon 50 Meter weiter draussen ist das Wasser zu tief für den Anker. Auf der rechten Seite des Hafenbeckens sehr schön zu sehen: die Verladestation für Phosphat. CI hat sehr grosse Phosphatvorkommen. Dieses wird im Tagebau abgebaut und hauptsächlich nach China. Malaysia, Indonesien, Australien und Neuseeland verschifft zur Herstellung von wertvollem, natürlichem Pflanzendünger. Das australische Küstenwachschiff «MV Ocean Protector» (links im Bild) bewacht die Anlage während unseres ganzen Aufenthaltes. Ob das etwas mit den Querelen Iran/USA zu tun hat? Möglich, denn nebst Erdöl ist auch Dünger durch die Blockaden betroffen.CI verdankt ihren Namen dem britischen Kapitän W. Mynors, der die abgelegene und damals unbewohnte Insel am 25. Dezember 1643 entdeckt hat. Anlanden konnte er nicht. Er war in anderer Mission unterwegs und die steilen Ufer sowie ungünstiges Wetter hielten ihn von einem Zwischenstopp ab. Es sollte noch viele Jahre dauern, bis die Britische Krone sie 1888 annektierte, nachdem weitere britische Erkundungen Phosphatvorkommen entdeckt hatten. 1958 im Jahre wurde die Souveränität über die Inseln an Australien übertragen.
CI hat vulkanischen Ursprung. Sie ragt wie ein Kamin über 5’000 Meter vom Meeresgrund bis zu 361 Meter über Meer empor. Die Ufer sind extrem steil. Schon 300 Meter im Meer draussen ist das Wasser 1’000 Meter tief. Im Umkreis von 20 Kilometern beträgt die Meerestiefe überall 5’000 Meter oder mehr. Die Einwohnerzahl der 135 Quadratkilometer grossen Insel pendelt irgendwo zwischen 1’500 und 2’000 – so genau weiss das niemand. Für den Abbau von Phosphat wurden von den Briten vor allem Chinesen und Malayen geholt. Diese stellen auch heute die Mehrheit Bevölkerung dar. Phosphat ist die Lebensader der Insel, die über eine solide und gut ausgebaute Infrastruktur verfügt.
Wir sind positiv überrascht von diesem tropischen Naturparadies im Indischen Ozean. Ähnlich wie die Galapagos Inseln im Pazifik verfügt CI über eine einmalige Tierwelt mit vielen Spezien, die es nur hier gibt. Weltberühmt ist die Insel für ihre jährliche Krabbenwanderung. Millionen von roten Landkrabben wandern im Zeitraum Oktober/November aus den Regenwäldern an die Küste, um ihre Eier im Meer abzulegen. Gesteuert wird ihr Verhalten durch den Mond. Es zeigt auch, dass die Herkunft der Landkrabben eigentlich das Meer ist, denn ohne das könnten sie sich nicht vermehren.
Typische Küstenlandschaft im Westen von CI. In dieser Jahreszeit ist das Meer auf dieser Seite der Insel ruhig. Zur Monsun-Zeit tobt hier die SeeDie Küste im Norden. Hier brandet das Meer das ganze Jahr in seiner ganzen Heftigkeit auf das Festland. Hier möchtest du als Schiffbrüchiger nicht angespült werden.Obwohl es nur sehr wenig Tourismus gibt auf der Insel, ist die Infrastruktur dazu vorhanden. Wir finden herrliche, perfekt hergerichtete und gut unterhaltene Wanderwege.Nur ab und zu öffnet sich eine kleine Bucht mit einladendem Sandstrand. Aber Vorsicht ist angesagt! Die Strömungen um CI sind stark und unberechenbar.Dieses Strassenschild sehen wir zum ersten Mal. Es warnt die spärlichen Automobilisten vor dem Überfahren der roten Landkrabben. Während der Phase der Krabbenwanderung werden viele Küstenstrassen für den Verkehr komplett gesperrt.Man braucht nicht danach zu suchen – sie sind einfach überall! Die nur auf CI vorkommenden roten Landkrabben.CI ist ein Paradies für Vogelbeobachter. Die Tiere zeigen scheinbar absolut keine Scheu und lassen die Kamera sehr nahe an sich ran. Es gibt 7 Landvogelarten und 3 Seevogelarten, die nur auf CI vorkommen, so wie etwa dieser schwarz gefiederte Tölpel mit blauem Schnabel, der es und gleichtut und mit seinem Küken ebenfalls auf dem Wanderweg spazieren geht.Wenn wir schon bei Vögeln sind: eine herrliche Vogelperspektive von einem Aussichtspunkt weit über dem Golfplatz. Dieser Platz hat eine dunkle Vergangenheit. Als CI im 2. Weltkrieg von den Japanern besetzt wurde, war der Nachschub von Lebensmitteln nicht mehr gewährleistet. In der Not wurde das Gebiet des heutigen Golfplatzes gerodet, um Gemüse anzubauen. Ein nach dem Krieg entlassener Kriegsgefangener erfüllte sein Versprechen und machte daraus 1955 einen Golfplatz.Ein Zeitzeuge der Phosphatabbaugeschichte wird von der Natur zurückgeholt. Im letzten Jahrhundert wurde das Phosphat per Eisenbahn zur Verladestation transportiert. Heute erledigen die typischen Trucks, Australien Size, diesen Job. Die Bahnschienen wurden ins Ausland verkauft, der Rest der Bahnanlagen verschwindet im Urwald.Angeschwemmtes Übel. Dieser Unrat an der Ostseite der Insel stammt sicher nicht von CI, aber er wird hier bleiben, da er nicht mehr aus der Bucht rauskommt. Schlimm zu sehen, wie die Plastikteile durch die Brandung wie in einer Mühle zu Mikropartikeln zermahlen werden. Am Startpunkt des Pfades zum Strand wird darum gebeten, man soll doch bitte etwas von dem Müll einsammeln und im Dorf ordentlich entsorgen. Machen wir!!Südküste von CI. Auch diese Küste ist einer starken Brandung ausgesetzt. Seit seiner Entstehung ist CI in mehreren Schüben in die Höhe gedrückt worden. Jede Terrasse war ursprünglich ein Korallenriff unterhalb der Meeresoberfläche. Nun der Sonne, dem Wind und den Gezeiten ausgesetzt, erodieren die toten Korallen langsam, zurück bleibt ein schroffes, messerscharfes Gestein.Entlang der Südküste gibt es in diesem erodierenden Korallenboden viele Blowholes («Blaslöcher»), aus denen es immer wieder zuerst zischt und faucht, dann mit einem Ausspucken von Gischt und Wasserfontänen endet. Unterirdische Verbindungen zum Meer sorgen dafür, dass die Dynamik der Wellen immer wieder Wasser und Luft durch diese Kanäle an die Oberfläche pumpen kann.Nebst der berühmten roten Landkrabbe gibt es noch über 20 weitere Krabbenarten. Eine davon ist der «Palmendieb» (birgus latro), die grösste Landkrabbe der Welt. Dies Krabbe kann bis zu 4 Kilo schwer werden und hat eine Lebenserwartung von 50 Jahren. Er ist ein Allesfresser und beseitigt unter anderem auch gerne andere tote Tiere. Wie es sein Name aber erahnen lässt: Lieblingsnahrung sind Kokosnüsse und totes Palmenholz. Im Gegensatz zur agilen, schnellen Roten Landkrabbe ist der Palmendieb eher langsam. Sein Verhalten bei Gefahr: Warten. Auf der Strasse eine gefährliche Strategie! Dieses Exemplar stellt sich uns mutig in den Weg!Ich bin auch mutig, pack das Tier und trage es an den sicheren Strassenrand. Ihm und mir ist nichts passiert 😊Christmas Island – CI – eine Perle im Indischen Ozean. Wir sind glücklich, hier auf unserer Reise westwärts einen Zwischenstopp eingelegt zu haben. Nun warten weitere Entdeckungen auf uns. Wir freuen uns darauf!
Es bleibt spannend! Folge der Lupina im Kielwasser!