Die letzten Tage auf Mauritius verbringen wir hauptsächlich mit Flanieren, Büroarbeiten (die Anträge für die Einreisebewilligungen in Madagaskar müssen gestellt werden) und Putzen. Ja, der Liegeplatz direkt am Stadtquai ist zwar super bequem. Mit jedem kräftigen Windstoss fliegen aber Staub, Strassendreck und Sandkörner auf unser Deck. Unser Staubsauger ist fast im Dauereinsatz.
Am 11.8.2026 passt dann das Wetter und es heisst wieder einmal «Leinen los!». Zuerst müssen wir aber noch ausklarieren. Freundlicherweise erlauben uns die Behörden (Immigration und Zoll) ohne Schiff bei ihnen vorbei zu kommen. Wir sind froh darüber, denn es herrscht gerade Spring-Ebbe, das heisst, der Wasserstand ist infolge des Mondstandes (Neumond) besonders niedrig. Es wäre am Zollsteg sehr knapp geworden. Kurz vor 10 Uhr sind wir klar und können unsere Lupina aus dem engen Parkfeld manövrieren (Bild verdankt an SY Pajé).Pia räumt noch die letzten Leinen und Fender weg, während Lupina sich durch die Hafeneinfahrt schlängelt und sich auf das offene Meer freut (Bild verdankt an SY Artemis)Letzter Blick zurück auf Mauritius.
Es liegen rund 135 Seemeilen vor uns. Gemäss Wetterprognose haben wir anfänglich sehr schwachen Wind, der dann in den ersten Stunden etwas zunehmen und dann bis 20 Meilen vor dem Ziel konstant bleiben soll. In der Realität stimmt es dann in etwa so. Zum Glück ist der Wind sogar leicht stärker, als angesagt. Von der Küste weg, noch ohne Wellen, ist die Lupina ab 5 Knoten Wind schräg achterlich gerade noch segelbar. Mit Wellen würden die Segel zu stark schlagen. Je weiter wir von Mauritius wegkommen, umso mehr frischt der Wind auf (10-12 Knoten), leider aber auch die Wellen. Da kurz und steil sind diese überraschend aggressiv. Es dauert nicht lange, meldet sich bei Pia eine leichte Übelkeit an, insbesondere als bei einem heftigen Squall (kurzes Gewitter) noch ein wenig Anspannung ins Spiel kommt. Da wir nur einen Tag unterwegs sind, beeinträchtigt uns das nicht. Für mich als Nachtmensch ist eine verlängerte Nachtschicht eh kein Problem.
Anfahrt von La Réunion in den frühen Morgenstunden des nächsten Tages.Beim Setzen von Gastlandflagge und Q-Fahne kann Pia schon wieder lachen. Ja, du siehst richtig: wir setzen die französische Fahne, die offizielle Flagge von La Réunion. Später erfahren wir, dass es sehr wohl eine lokale Flagge gibt. Sie zeigt einen roten Vulkan mit 5 Sonnenstrahlen auf blauem Grund. An Land bekommen wir ein Exemplar mit der Zahl 974. Es ist die offizielle französische Postleitzahlen-Kennung und Nummer des Übersee-Départements. Jetzt trägt Lupina stolz die Flagge von La Réunion.Wir sind noch etwas zu früh. Die Küstenwache hat uns per Funk mitgeteilt, dass wir erst ab 8:30 Uhr ins Hafenbecken einfahren dürfen. Also rollen wir einfach alle Segel weg, lassen uns treiben und geniessen ein kräftigendes Frühstück. Um 8 Uhr starten wir dann den Motor und legen die letzten 4 Meilen unter Maschine zurück. Genügend Zeit, um Festmacherleinen und Fender vorzubereiten.Marina Pointe de Galets, Le Port: Das professionellste und speditivste Einklarieren, das wir bisher erlebt haben. Ein Mitarbeiter der Marina und sein Helfer nehmen unsere Leinen in Empfang und machen diese fachkundig fest. Kaum ist der Motor aus, wird mir, dem Skipper, ein Willkommenspaket in die Hand gedrückt, das unter anderem auch einen Stadtplan, eine WiFi Karte und Zugangsschlüssen beinhaltet. Kaum ist der Marinero mit seiner Begrüssung fertig stehen die Behörden am Steg, stellen ein paar Fragen und keine 15 Minuten nach der Einfahrt in die Marina sind wir vollständig einklariert – ohne einen einzigen Gang in irgendein Büro! Wow!!Da alles so schnell erledigt ist, haben wir den ganzen Tag Zeit für erste Entdeckungen. Mit dem Stadtplan der Marina bewaffnet machen wir uns auf den Weg. Uns ist nach Grün, Natur und Park zu Mute. Im Parc Boise sind wir auch schnell im grössten Park der Stadt, merken hier aber schnell: er trifft nicht unbedingt den Geschmack der Bewohner von Le Port – der Park ist fast menschenleer.
Die Stadt Le Port ist sehr industriell geprägt und hat als wirtschaftliches Herzstück und einziger Industrie- und Handelshafen der Insel enorme Bedeutung. Im Gegensatz zu den touristischen Badeorten an der Westküste ist Le Port eine reine Arbeiter- und Industriestadt, die am Reissbrett geplant wurde. Die Stadt wurde Ende des 19. Jahrhunderts gezielt rund um den Hafenbau gegründet. Heute wickelt der Hafen (Grand Port Maritime) fast den gesamten Warenverkehr der Insel ab.
Ein Haus aus der Anfangszeit der Stadt. Strassenkünstler haben in den letzten Jahren etwas Farbe in die Stadt gebracht.Was wir vorher nicht wussten: wir sind in der EU, in Frankreich! Die Währung ist der Euro, die Flaggen an öffentlichen Gebäuden ist die Trikolore, Autos laufen unter französischen Nummernschildern (Bild), gesprochen wird ausschliesslich Französisch, manchmal etwas Kreolisch aber fast kein Englisch. La Réunion zählt als eine eigene Region von Frankreich, ist voll in den französischen Staat integriert und das Staatsoberhaupt ist der französische Präsident.Einen grossen Unterschied zu Frankreich stellen wir aber schnell fest: die Restaurants und Bars, am Vormittag und über Mittag jeweils rege besucht (Bild), schliessen bereits am frühen Nachmittag. Ab 14 Uhr erscheint die Stadt menschenleer. Erst gegen Abend öffnen vereinzelt Lokale für eine kurze Zeit.Es ist deutlich kälter geworden. Temperaturen am Morgen unter 20 Grad sind keine Seltenheit. Trotzdem frühstücken wir wie immer im offenen Cockpit. Gut eingepackt stört uns das ganz offensichtlich nicht.
Die Vulkaninsel La Réunion entstand vor rund 3 Millionen Jahren im Indischen Ozean. Im Gegensatz zu den meisten Vulkanen der Erde liegt die Insel nicht an den Grenzen von tektonischen Platten, sondern entstand mitten auf der Afrikanischen Platte. Vor etwa 2 Millionen Jahren wuchs der Vulkan so hoch, dass er die Meeresoberfläche durchbrach und als Insel sichtbar wurde.
Aussicht von Cap Noir (Dos d’Âne): Das heutige Erscheinungsbild von La Réunion wurde durch zwei riesige Schildvulkane geprägt. Einer davon ist der Piton des Neiges, mit 3.070 Metern der höchste Berg im Indischen Ozean. Er ist der ältere Vulkan und baute den gesamten Nordwesten der Insel auf. Seine Aktivität endete vor rund 12’000 Jahren. Nach dem Einsturz seiner riesigen Magmakammern und durch starke Erosion entstanden tiefe Talkessel, wie derjenige von Mafate (Bild).Um die Insel zu bereisen mieten wir uns für 5 Tage ein Auto. Schon am ersten Tag, beim Parkieren zu unserer ersten Wanderung bei Cap Noir, passiert ein Missgeschick: der Parkplatz ist voll und ich will, wie andere Autos auch schon, in die Grasnarbe parkieren. Eine abgesägte metallische Halterung eines Schildes, die im 10 Zentimeter hohen Gras versteckt ist, sehe ich nicht. Als es laut zischt ist es zu spät: der rechte Vorderreifen ist hin, an seiner Aussenwand klafft ein grosser Riss.Kurzes Stossgebet (oder so etwas Ähnliches) gegen Himmel und der Entscheid, jetzt zuerst die Wanderung zu machen, sorgen dafür, dass die gute Laune schnell wieder Oberhand gewinnt. Der abenteuerliche, spannende Aufstieg zum Aussichtspunkt lässt den Frust über den platten Reifen definitiv vergessen.Aufstieg nach Cap Noir: Im Hintergrund der Indische Ozean und die Stadt Le Port, im Vordergrund Pia bei Kraxeln.Blick von Cap Noir über das Gebiet von Mafate: eine tief zerklüftete Caldera-Landschaft Der Wanderweg führt teilweise spektakulär auf dem Kamm der Abbruchkante entlang.Moralisch und seelisch gestärkt von der herrlichen Wanderung und den fantastisch schönen Eindrücken, klappt das Wechseln des Rades mit Links. Gelernt ist gelernt 😊Das defekte Rad ist nun im Kofferraum verstaut. Es ist Wochenende und wir wollen niemanden mit dem Ersatz des Pneus belästigen. Von der Autovermietungsfirma haben wir telefonisch 2 Garagen genannt bekommen, wo wir den Pneu ersetzen können. Für den Moment alles gut also. Da bei uns in Le Port das Nachtleben nicht zu existieren scheint, fahren wir in die nahe gelegene Touristenstadt Saint Denis. Im Stadtzentrum werden wir schnell fündig.Am nächsten Tag fahren wir an die Westküste der Insel. Wie üblich bei Schichtvulkanen finden sich der Küste entlang immer wieder Stellen, wo die flüssige Lava ins Meer geflossen ist, wie hier das Trou de Cuisinier bei Saint-Paul. Meist bleiben an den Abbruchkanten die Fliesskanäle der Lava als Höhlen mit glatten Innenwänden zurück.Ausflug zu einem anderen spektakulären Aussichtspunkt, nach Maido. Allein die Anfahrt über eine gut ausgebaute, äusserst kurvenreiche Bergstrasse ist die Reise wert. Je höher wir kommen, umso mehr dominiert ein Strauch mit gelben Blüten: der Europäischen Stechginster. Die Sträucher tragen wunderschöne, leuchtend gelbe Blüten, die in der warmen Sonne intensiv nach Kokosnuss duften. Die Zweige sind jedoch mit extrem spitzen, harten Dornen übersät. Ein schönes Landschaftsbild – denken wir, lesen aber später auf «Wikipedia»: Die Pflanze wurde um 1850 von europäischen Siedlern als natürlicher Weidezaun für das Vieh eingeführt. In den Höhenlagen hat sie sich jedoch zu einer hochinvasiven Art entwickelt, welche die langmütige, heimische Flora regelrecht erstickt.Der Piton Maido ist einer der spektakulärsten und meistbesuchten Aussichtspunkte auf La Réunion. Er liegt auf rund 2.200 Metern Höhe im Westen der Insel und wird wegen seiner atemberaubenden Kulisse oft als der „Balkon von La Réunion“ bezeichnet. Er bietet ein fantastisches Zwei-Seiten-Panorama.Blickt man gegen Westen, breiten sich vor einem die sanft abfallenden Hänge der Westküste aus, die bis hin zu den weissen Sandstränden und Korallenriffen des Indischen Ozeans reichen.Dreht man sich um, öffnet sich einem der tiefe, stark zerklüftete Vulkankessel des Piton des Neiges.Von einer hölzernen Aussichtsplateau blickt man senkrecht an einer fast 1.000 Meter tiefen Steilwand hinab in den isolierten Talkessel Mafate. Man sieht die winzigen, abgelegenen Dörfer (Inselchen oder Ìlets genannt), die wie Vogelnester auf engen Hochebenen ihren Platz gefunden haben.Am Montag früh stehen wir vor dem Pneu-Haus und lassen den defekten Pneu ersetzen. Da sie dieselbe Pneu Marke nicht vorrätig haben, müssen wir in den sauren Apfel beissen und auch den noch guten Pneu auf der Vorderachse ersetzen. Die ist eine gesetzliche Bestimmung und betrifft die Sicherheit – auch in der Schweiz.
Die Geschichte mit den Pneus sollte dann noch weiter gehen, unschön, und bis jetzt noch ohne Ende: Die Mietwagenfirma will einen Vorteil aus der Situation ziehen, indem sie darauf besteht, dass die beiden Reifen auf die ursprüngliche Marke zu wechseln sind. Dafür haben sie 400 Euro von der Kaution zurückbehalten. All dies erst nach der Fahrzeug Rückgabe. Bei der wurde uns nämlich noch schriftlich bestätigt, dass mit dem Fahrzeug alles in Ordnung sei. Erst spät in der Nacht kam dann das Schreiben wegen der «falschen» Marke – gleich zusammen mit der Rechnung. Wir haben dann noch telefonisch versucht, eine Einigung zu erzielen. Fruchtlos.
Der Gang zur lokalen Polizei und ein gepfeffertes Telefonat des zuständigen Beamten mit den Betrügern sorgte dann kurzfristig für Hoffnung bei uns. Grand merci à la Police National!! Leider aber hat die Autovermietung die 400 Euro bis heute noch nicht zurückerstattet. Wir bleiben dran!Mit neuen Vorderpneus geht es weiter, diesmal in den Süden, ins Gebiet des zweiten Vulkanes. Der Piton de la Fournaise ist noch aktiv. Er entstand vor etwa 500’000 Jahren im Südosten der Insel auf den Ausläufern des Piton des Neiges. Er gehört zu den aktivsten Vulkanen der Erde und bricht fast jedes Jahr aus, letztmals im Februar 2026. Da das Wetter schlecht ist, entscheiden wir uns für eine Fahrt ins Gebiet des stark zerklüfteten Vulkankessels, der in Richtung Südosten ausläuft. Hier sind die Talhänge besonders steil und die Gegend ist bekannt für ihre unzähligen Wasserfälle, die manchmal direkt irgendwo aus der Felswand sprudeln, wie hier im Gebiet Cascades de Takamaka.Einer von vielen wunderschönen Wasserfällen17. August 2026 – ein Tag zum Feiern: 3’000 Tage unterwegs mit der SY Lupina, 6. HochzeitstagWir versuchen es noch einmal mit dem Piton de la Fournaise. Der Tag bricht gerade an, als wir von der Lupina losfahren. Nicht das kleinste Wölklein ist am bereits stahlblauen Himmel zu finden. Perfekte Bedingungen also, den aktiven Vulkan zu besuchen. Aber genau als wir von der Hauptstrasse auf die Zufahrtsstrasse zum Vulkan abbiegen, schiebt sich vom Meer her eine dünnen Wolkenschicht in unsere Richtung. Wir sind noch nicht ganz oben angelangt, befinden wir uns in dichtem Nebel, aus dem es sogar leicht regnet. Vulkanstrasse. Bei solchen Löchern im Belag geht es nur noch im SchritttempoWir befinden uns auf 2’200 Metern mitten in der Wolkendecke. Es ist mittlerweile kalt geworden, gerade mal 10 Grad! Keine Aussichten auf Besserung. Nebel ist also alles, was wir vom Vulkan zu sehen bekommen ☹So könnte es bei schönem Wetter aussehen (Google-Bild)Mittlerweile regnet es über der ganzen Insel. Stört uns nicht! Gerne würden wir davon etwas in die Schweiz schicken, von wo wir traurige Bilder erhalten. Sainte-Rose an der Ostküste zieht uns wegen seiner Geschichte an. Ein Denkmal (auf der Anhöhe hinter der Marina) erinnert hier an die koloniale Rivalität zwischen Frankreich und Grossbritannien zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Im August 1809 unternahm die britische Marine mit einer Fregatte und zwei Korvetten den Versuch, die damals französische Île Bonaparte (heute La Réunion) über den Hafen von Sainte-Rose zu überfallen und zu besetzen. Der Angriff wurde erfolgreich zurückgeschlagen.Bei jedem Vulkanausbruch fliesst Lava über die Hänge hinunter und überzieht alles, was darunter liegt, mit einer über 1’200 Grad heissen, glühenden Teigmasse, die, wenn sie abgekühlt ist, alles unter einem schwarzen, harten Steinmantel versteckt. Wie ein Wunder ist diese Kirche bei einem Ausbruch im April 1977 zwar von Lava umflossen worden, aber ihre Steinmauern hielten dem Druck stand. Einzig die fest verriegelte Holztüre verkohlte, und eine geringe Menge der Lava konnte in die Kirche gelangen. Der angerichtete Schaden blieb aber sehr gering.Weiter im Süden, nahe der Küstenstrasse, erneut Wasserfälle, die scheinbar aus den Felsen fliessen. Das stille Rauschen des Wassers und das wohltuende Grün wirken sehr beruhigend und erzeugen positive Gefühle.An der Südostküste vergrössert sich La Réunion auch heute noch. Bei jedem neuen Vulkanausbruch lassen erkaltende Lavaströme die Landmasse stetig weiter in den Ozean hineinwachsen. Auch entlang der Südküste existieren viele Stellen, wo sich Lava und Meer getroffen haben. Kannst du dir vorstellen, wie es dabei zischt und dampft? Wie sich durch das schockartig gekühlte Gestein klirrend und knallend Risse bilden? Ein Kampf Wasser gegen Stein – wer gewinnt?Die Stelle, wo die Lava beim neuesten Ausbruch im Februar 2026 über die Küstenstrasse floss. Die Strasse wurde erst wieder vor ein paar Wochen repariert und über den entstandenen Steinteppich gebaut. Die Oberfläche sieht jetzt noch glatt aus, wie eine Teigmasse. Dieses Material ist sehr porös und wird schnell verwittern. Die enthaltenen Mineralien sorgen für einen nährreichen Boden. Schon nach nur 3 Jahren werden die ersten Pflanzen darauf wachsen können und nach 30 Jahren wird alles schon übergrünt sein.Während wir uns auf der Insel erkunden, liegt unsere Lupina sicher in der Marina.Zurzeit hat es keinen Wind – das Meer ist spiegelglatt – vorerst werden wir also noch einige Tage in La Réunion bleiben. Nach dieser Aufnahme mit der Drohne eine Schrecksekunde für mich …… zum 2. Mal passiert es mir nun, dass die Steuerkonsole (graues Teil) ihren Geist aufgibt. Vor etwas mehr als einem Jahr, nach einem Software-Update, als ich die Drohne starten wollte – plötzlich kein Strom mehr auf dem Gerät. Jetzt mit einer anderen Konsole, die ich seit knapp einem Jahr in Betrieb habe, passiert das Gleiche, aber diesmal im Flug! Maximaler Adrenalinausstoss: wie krieg ich die Drohne wieder heil aufs Schiff? Zum Glück ist sie so programmiert, dass sie zum Startpunkt zurückkehrt. Nur gibt es auf dem Schiff keinen wirklich geeigneten Landeplatz und viele Hindernisse. Mit einem Fischernetz bewaffnet gelingt es mir, die Drohne rechtzeitig abzufangen, bevor sie mit dem Rigg kollidiert. Sollte zufällig jemand mitlesen, der sich mit DJI-Drohnen auskennt: ich brauche eine neue Steuerung, die mit einer Mavic Air 2 zusammen funktioniert. Jeder Tipp ist willkommen.Den Frust über den Ausfall der Drohnen-Steuerung spülen wir in einer unserer zwei Lieblingsbars runter. Ja, richtig gelesen: mittlerweile haben wir Lokale gefunden, die nicht schon am Mittag Luken dicht machen 😉 Dieses passt besonders gut zu uns, «Le Boucanier» oder zu Deutsch: der Seeräuber.Wir sind nun bereits 2 Wochen auf La Réunion, und so langsam steigt die Reiselust wieder. Das merke ich vor allem dann, wenn Pia Kochpläne schmiedet und beginnt Frischwaren, für eine Überfahrt zu bunkern. Was feine Früchte und frisches Gemüse anbelangt, ist La Réunion ein Schlaraffenland. Am jeweils Mitte der Woche stattfindenden Markt können wir uns üppig eindecken.Auch auf La Réunion gibt’s den Sankt Nikolaus 😉Unser nächstes Ziel ist Madagaskar. Wir warten noch die uns passenden Windverhältnisse und vor allem Wellenhöhe ab. Auf dieses Wochenende ist eine Front angesagt, die 6 Meter hohe Wellen aus dem Süden zu uns schickt. Das wollen wir uns nicht zumuten. Aber sobald die Verhältnisse für uns stimmen, heisst es wieder: «Leinen los und auf zu neuen Ufern!» Bis dahin pflegen wir noch Seglerfreundschaften (diese Woche sind 3 uns bekannte Schiffe eingetroffen) und geniessen einfach das Leben auf der Insel mit dem so wohlklingenden Namen «La Réunion»
Am Tag der Ankunft am 16.7.2026 lassen wir es noch ruhig angehen und entspannen uns nach dem Einklarieren auf der Lupina. Es liegen noch drei weitere Segelyachten im Hafenbecken, aber es hat genügend Platz für alle.Das Bild zeigt in grüner Farbe die bereits gefahrene Strecke, gelb die Strecke, die in diesem Bericht geschildert wird und rot die weitere Planung.
Rodrigues ist eine zu Mauritius gehörige Insel, 580 km östlich davon im Indischen Ozean gelegen. Die Hauptstadt des 109 km2 grossen Eilandes ist Port Mathurin die Hauptsprache ist, wie auf Mauritius auch, Französisch. Umgangssprache ist ein französisches Kreolisch, ein Mix aus Französisch, Englisch und Afrikanisch. Amtssprache ist Englisch. Die Insel ist Teil der Inselkette der Maskarenen und ihrerseits von mehreren kleinen Inseln umgeben. Die Insel zählt heute etwa 45’000 Einwohner, die, abgesehen von kleinen europäischen und tamilischen Minderheiten, afrikanischer Herkunft sind.
Die bis im 17. Jahrhundert unbewohnte Insel war schon den Arabern bekannt, aber die Seefahrer, die an ihr auf dem Weg nach Indien vorbeifuhren, zeigten wenig Interesse daran, sich hier niederzulassen. 1691 versuchte eine Gruppe aus Frankreich geflohener Hugenotten eine protestantische Republik namens «Eden» auf Rodrigues zu errichten. Wegen Kämpfen mit den Holländern erreichten aber nur acht Männer, unter der Führung von François Leguat, die Bucht von Mathurin. Die Insel hatte nun erstmals Bewohner, die sich auf der fruchtbaren Insel auch gut ernähren konnten. Nach zwei Jahren gaben sie jedoch aufgrund des Mangels an Frauen auf und setzten mit einer selbstgebauten Barkasse nach Mauritius über. Dort wurden sie von den Holländern als der Spionage verdächtig inhaftiert. Die Männer wurden auf der kleinen vorgelagerten Insel Île aux Fouquets ausgesetzt, starben aber, inselerfahren wie sie waren, nicht wie erwartet. Daraufhin wurden sie nach Batavia (heute Jakarta) gebracht und nach einem kurzen Prozess nach Frankreich abgeschoben. 1708 veröffentlichte Leguat eine Beschreibung seiner insgesamt siebenjährigen Reise mit detaillierten naturkundlichen Beobachtungen. Diese Erzählungen inspirierten die Franzosen 1725 zu einem erneuten Kolonisierungsversuch. Die Kolonisten fingen tausende Riesenschildkröten und verkauften sie vorbeifahrenden Schiffen als Reiseproviant. 1735 entstand die erste feste Ansiedlung, Port Mathurin. (Quelle Wikipedia)
Der Tourismus ist auf Rodrigues noch ganz spärlich vorhanden. Die Hauptattraktion ist die Natur. Kunstwerke, wie diese in Schiffsform gestaltete Kirche, sind rar.Rodrigues ist vulkanischen Ursprungs und auf allen Seiten von einer weitläufigen Lagune umgeben. Das Korallenriff, das die Lagune umgrenzt, ist unterschiedlich weit von der Küste entfernt und bietet nur wenige schmale Durchlässe für die Schifffahrt.Wir besuchen die Riesenschildkröten im François Leguat Reservat. Durch unkontrollierte Brandrodungen und Jagd wurden sie bis ungefähr 1800 komplett ausgerottet. Dank Leguat’s akribischen Aufzeichnungen 1691 und in den folgenden Jahren, sind die damals vorhandenen Pflanzen und Tiere sehr gut bekannt. Die Riesenschildkröten spielen eine sehr wichtige Rolle im Ökosystem der Insel. So gibt es Pflanzen, deren Samen erst austreiben können, wenn sie durch den Verdauungstrakt einer Schildkröte gewandert sind. Nach jahrhundertelanger, hemmungsloser Zerstörung der Natur fand Ende des 20. Jahrhunderts ein Umdenken statt. Heute ist man bestrebt, die vom Aussterben bedrohte ursprünglichen Flora und Fauna zu retten. Da Schildkröten dabei eine entscheidende Rolle spielen, wurde im Jahre 2006 begonnen, den ausgerotteten, ursprünglichen Tieren genetisch Ähnliche von den Seychellen (Aldabra-Riesenschildkröten, Bild) und von Madagaskar (Strahlenschildkröten) einzuführen und zu züchten.Strahlenschildkröten im François Leguat ReservatDie Aufzucht der Schildkröten ist sehr erfolgreich. Bis heute ist die Population der Aldabra Riesenschildkröten auf über 3000 Exemplare angestiegen. Ihr Einfluss auf die Vegetation ist sehr positiv. Sie fressen das Unterholz, halten Grasflächen kurz, trampeln Pfade frei und verbreiten über ihren Kot die Samen seltener, einheimischer Bäume, die ohne die Verdauung im Schildkrötenmagen kaum noch keimen würden. Ihre Diät ist offenbar gesund! Wie die Galapagos-Riesenschildkröten gehören sie zu den langlebigsten Kreaturen der Erde. Ein Alter von über 100 bis 150 Jahren ist in freier Wildbahn normal. Einzelne Tiere in Gefangenschaft knackten nachweislich die 200-Jahre-Marke. Männliche Tiere wiegen im Schnitt 150-250 Kilogramm. Weibchen sind etwas kleiner.Eine weitere Attraktion im François Leguat Reservat: die Grande Caverne (die grosse Höhle)Auf Rodrigues wurden bisher 9 Höhlensysteme entdeckt. Die Grande Caverne ist die bekannteste und am besten ausgebaute Kalksteinhöhle. Der für Besucher zugängliche Bereich erstreckt sich über rund 500 Meter in einer Tiefe bis zu 50 Metern. Die Grande Caverne ist die einzige elektrifizierte Schauhöhle im südwestlichen Indischen OzeanDie höchste Erhebung der Insel, der Mont Limon, hat eine Höhe von 398 Metern. Da wollen wir rauf!Mont Limon, 360 Grad Rundumblick. Gut zu sehen die Kante der vorgelagerten Riffplatte, wo sich die Wellen des tiefen Ozeanes brechen.Ein weiteres Highlight: Besuch des Grande Montagne Ökologischen Naturreservates. Unter der kundigen Führung des sehr engagierten Leiters des Reservates lernen wir viel über die Natur auf Rodrigues und deren Entwicklung über die letzten Jahrhunderte. In Zusammenarbeit mit verschiedenen internationalen Umweltorganisationen ist hier ein kleines Juwel entstanden. Seit der Gründung im Jahre 2016 ist es gelungen, mit beachtlichem Erfolg invasive Pflanzen zurückzudrängen und die vom Aussterben bedrohten einheimischen, teils endemischen (nur hier vorkommenden) Pflanzen wieder zu fördern. Auch hier spielen Riesenschildkröten eine mittragende Rolle.Kurzer Schreck beim Blick nach oben – aber unbegründet. Diese Riesenspinnen (Afrikanische Seidenspinnen) schaffen es, ein mehrere Quadratmeter grosses Netz über unseren Köpfen in die Baumwipfel zu spannen. Die grossen Spinnen sind Weibchen, die kleinen die Männchen.Die Afrikanische Seidenspinne ist ungefährlich für Menschen. Dieses Exemplar hat eine Körperlänge von etwa 3 Zentimetern und Beinspannweite von 10 Zentimetern.In Rodrigues fällt uns schnell auf, dass das Leben am Morgen stattfindet. Nach dem Mittagessen beginnen die meisten Läden und Geschäfte schon früh mit dem Aufräumen. Spätestens um 16 Uhr ist praktisch alles zu und die Trottoirs leer. Auswärts Abend Essen, das gibt es hier offenbar nicht. Es ist echt schwierig, ein nettes Lokal für unseren Sundowner zu finden. Aber wir wären nicht wir, wenn wir nicht trotzdem etwas finden – auch wenn es jeweils 30 Minuten Fussmarsch bedarf.Der Markt im Zentrum von Port Mathurin bietet tolle Waren an.Markt in Port MathurinWir sehen öfter in der prallen Sonne aufgehängte Würste. Eine Art Salami, die auf diese Weise getrocknet und haltbar gemacht werden.Am Markt ergattern wir eine Pampelmuse – eine der Sorte, wie wir sie in Französisch-Polynesien kennen und lieben gelernt hatten. Wir haben auch später auf unserer Weiterreise Pampelmusen gefunden, aber viel kleiner in der Grösse und eher sauer im Geschmack.Unsere Vorfreude wird enttäuscht! Der Inhalt ist dann schon sehr unter der Erwartung – und geschmacklich kommt sie einer Zitrone verdächtig nahe.Nun, wir überstehen die saure Pampelmuse und geniessen unseren ruhigen Liegeplatz im Hafen von Port Mathurin.Nach und nach fühlen wir uns heimisch auf der kleinen Insel, finden sogar ein Lokal, wo auch Abendessen serviert wird. Aber …… es warten über 350 Seemeilen auf uns. Wir haben schon länger den Wind beobachtet und eine genügend lange Phase mit gutem Wind gesucht. Seit wir in Rodrigues angekommen sind, gab es diese nie. Aber jetzt, am 27. Juli, ist es soweit. Nicht ganz ideal zwar, es hat auch Flaute dazwischen, aber doch einigermassen segelbar. Kurz vor 11 Uhr heisst es: «Anker hoch!», und Lupina schaukelt schön langsam aus dem Hafen uns offene Meer – weiter westwärts der Sonne entgegen.Kaum geht unterwegs vor uns jeweils die Sonnen unter, erhebt sich hinter uns der Mond. Heute ist Vollmond – die Nacht wird fast zum Tag. Es ist herrlich, nachts zu segeln, wenn man etwas sieht.Wir erreichen Mauritius morgens um 5 Uhr, es ist noch Nacht. Die Küstenwache hat uns informiert, dass wir nicht bei Tageslicht einfahren dürfen. Wir ankern direkt vor der Hafeneinfahrt und legen uns 2 Stunden schlafen. Bei Sonnenaufgang dann die übliche Zeremonie, die diesmal ganz anders ist: normalerweise setzt Pia in einem neuen Land jeweils die Gastlandflagge und den gelbe Quarantäne Wimpel. Diesmal kann sie die Gastlandflagge hängen lassen, denn Rodrigues und Mauritius haben die gleiche Fahne. Aber obwohl zum gleichen Land gehörend, muss auf beiden Inseln jeweils unabhängig voneinander ein- und ausklariert werden.Anfahrt zum Hafen von Port Louis, Mauritius.Im Hafen müssen wir zuerst an den Zoll Steg. Dieser erweist sich als sehr unpraktisch zum Anlanden, da sich keine Poller oder Klampen finden. Aber dank der Hilfe von Passanten gelingt es, Lupina fest zu machen. Auch für die Behörden erweist sich der Platz offenbar als sehr unpraktisch: keiner der Offiziellen übersteigt das feste Geländer und will an Bord kommen, der Gesundheitsbeamte erscheint schon gar nicht! Uns soll es recht sein 😊Nach dem erfolgreichen Einklarieren verlegen wir in die nahe gelegene Marina. «Marina» scheint in diesem Fall recht übertrieben, denn es handelt sich eigentlich um einen alten Frachtumschlagsplatz. Stege gibt es keine, wir legen längsseits an der Quai Mauer an. Das Schöne: wir treffen hier auf Nathalie und Uwe aus Deutschland. Wir verfolgen unsere Reise gegenseitig schon lange und treffen die Beiden mit ihrer SY Artemis, einer 60 Fuss grossen Amel, zum ersten Mal. Sie liegen schon länger hier und haben uns ein Plätzchen direkt hinter ihnen freigehalten.Das Tolle an einem Stadthafen: wir liegen mitten im Geschehen!! Port Louis vom Hausberg aus gesehen. Der rote Kreis markiert unseren Liegeplatz.Die Wanderung auf den Hausberg erweist sich als sehr kurzweilig und auf dem geteerten Pfad mit konstanter Steigung als sehr mühelos. Einzig die brennende Sonne sticht, aber der Wind trocknet den Schweiss gleich wieder weg. Auf unserer App (MAPS.ME) sehen wir, dass wir vom Aussichtspunkt der Bergkrete entlang rückwärts wandern können und dann einem Flusslauf entlang wieder runter ins Tal gelangen. Eine perfekte Rundwanderung! Auf halbem Weg (Bild) sind wir noch guten Mutes und unternehmungslustig. Auch der Wanderweg ist noch ein Wanderweg.Das sollte sich aber ein paar Kilometer weiter ändern. Lange finden wir die roten Punkte der Wegmarkierung zwar noch, der Weg selber hat sich aber schon länger verflüchtigt. Rund 2 Kilometer vor dem nächsten brauchbaren Weg hat auch der Wegmarkierer aufgegeben: wir müssen uns Schritt für Schritt durch von hohem Gras überwachsene Gerölllandschaft ins Tal kämpfen. Dorngestrüpp, spitze Agavenblätter und andere stachelige Gewächse finden gefallen an unseren Füssen und Beinen. Verkratzt und mit Dornen bespickt kommen wir entkräftet unten an.Meine Wanderschuhe haben nach dieser strengen Wanderung auch genug!Wie üblich mieten wir uns auch auf Mauritius ein Auto und erfahren die Insel. Im Südwesten erhebt sich dieser alleinstehende Koloss, der 556 hohe «Le Morne Brabant». Er gehört zu den Wahrzeichen und schönsten Postkartenmotiven der Insel. Neben seiner natürlichen Schönheit besitzt er eine tiefe und tragische historische Bedeutung. Im 18. und frühen 19. Jahrhundert diente der schwer zugängliche Berg als Versteck für entflohene Sklaven. Die Legende besagt, dass sich nach der Abschaffung der Sklaverei Soldaten dem Berg näherten, um den Menschen ihre Freiheit zu verkünden. Aus Angst vor erneuter Gefangennahme stürzten sich viele Sklaven voller Verzweiflung vom Berg in den Tod. Mit einem Monument, das wir hier besuchen, wird an diese Tragödie erinnert.Nicht unser Ding, gehört aber auf Mauritius dazu: Touristenstrände.Im Süden, bei St. Aubin, finden wir ein sehr schön erhaltenes Plantagenhaus aus der Koloniezeit. Das «Colonial House», das einstige Wohnhaus des Plantagebesitzers, wird heute als Restaurationsbetrieb geführt inmitten einer schönen Parklandschaft, umgeben von weiten Zuckerrohrfeldern.Der «Eden Garden Culture & Entertainment Square» am nördlichen Stadtrand von Port Louis. Ein sehr markantes Gebäude. Es ist Teil eines grossen, von chinesischen Investoren finanziertes «Smart City» Projektes und wurde als Kultur- und Unterhaltungszentrum konzipiert. Der Bau fand zwischen 2016 und 2018 statt. Da der Innenausbau aus finanziellen Gründen bis heute nicht fertiggestellt ist, steht das ganze Gebäude und seine Umgebung bis zum heutigen Tag leer.Die Mangal Mahadev Statue am Eingang zum Grand Bassin, einem heiligen Kratersee im Süden von Mauritius. Mit 33 Metern das höchste Monument des Inselstaates. Die Statue zeigt Shiva mit seinem Dreizack. Der heilige Kratersee ist ein Pilgerort, der jährlich anlässlich des Maha Shivaratri Festes (übersetzt die grosse Nacht von Shiva) von mehreren Hunderttausend Hindus besucht wird, die hier heiliges Wasser für Shiva aus dem See schöpfen.Das Grand Bassin (in lokaler Sprache «Ganga Talao») wird von den Gläubigen als verlängerter Arm des heiligen Flusses Ganges angesehen. An seinem Ufer befinden sich unzählige kleine Tempel und Statuen, welche jede für sich wieder ihre Bedeutung hat.Ausserhalb des Maha Shivaratri Festes (das abhängig vom Vollmond im Monat Februar oder März stattfindet) pilgern das ganze Jahr über gläubige Hindus zum Kratersee, um bei von ihnen ausgewählten Statuen Opfergaben zu deponieren.Die ursprünglichen Urwälder auf Mauritius sind längst verschwunden. Die grosse Bevölkerungsdichte (über 640 Einwohner pro Quadratkilometer – die Schweiz hat gerade mal etwas mehr als 230) hat in der Vergangenheit zu grossen Abholzungen geführt. Heute versucht man mit grossem Aufwand in Reservaten und Naturparks, wieder ein Stück der so wichtigen ursprünglichen Natur zurückzuholen.Der Chamaral-Wasserfall – mit einer Fallhöhe von knapp 100 Metern der höchste einstufige Wasserfall auf Mauritius. Er stürzt spektakulär über eine Kante aus Jahrmillionen altem, vulkanischem Gestein inmitten eines dichten Urwalds in eine bewaldete Schlucht.Die «Siebenfarbige Erde» – ein seltsames Naturphänomen erstreckt sich über eine Fläche von 7’500 m2. Es ist das Ergebnis eines natürlichen, geologischen Prozesses, der mit der vergangenen vulkanischen Aktivität der Insel und der fortschreitenden Verwitterung des Basaltbodens zusammenhängt. Es sind vorwiegend Eisen- und Aluminiumoxide, welche für die verschiedenen Farben im lockeren, tonhaltigen Gestein an der Erdoberfläche sorgen.Im Jahre 1598 landeten 5 holländische Schiffe auf der damals herrenlosen und unbewohnten Insel. Zu Ehren ihres damaligen Prinzen nannten sie die Insel nach seinem Namen «Mauritius». Die Holländer versuchten hier an dieser Stelle im Südosten der Insel Fuss zu fassen. Sie richteten hier 1638 einen Hafen ein, heute «Vieux Grand Port» genannt. Diesen schützten sie gegen äussere und innere Feinde (es gab mehrere Sklavenrevolten in dieser Zeit) mit einer Festung, Fort Frederik-Hendrik. Es soll das älteste Gebäude auf der Insel sein.
Die Holländer waren mit ihren Besiedelungsversuchen nicht erfolgreich und zogen 1710 wieder ab. Die Festung und eingeschleppte Sklaven liessen sie zurück. 12 Jahre später, 1722, kamen die Franzosen und begannen mit der Entwicklung zuerst auch an dieser Stelle. Sie merkten aber bald, dass ein anderes Gebiet um die heutige Hauptstadt Port Louis besser geeignet war. Danach ist die Geschichte von Mauritius geprägt durch den Wechsel verschiedener europäischen Kolonialmächte, und die Insel entwickelte sich zur multikulturellen Nation. Geprägt durch Sklaverei, den Anbau von Zuckerrohr und die Einwanderung indischer Vertragsarbeiter erreichte Mauritius im Jahr 1968 seine Unabhängigkeit.
Mauritius hat geologisch betrachtet rein vulkanischen Ursprung. Seine Entstehung begann vor rund 8 Millionen Jahren und lief in 3 Phasen ab. Die letzte Phase endete vor etwa 25’000 Jahren. Dabei bedeckte ein Spaltenvulkan fast 70% der Insel mit einer dünnen Schicht aus sehr flüssiger Basaltlava. Der sanft abfallende Norden sowie markante, flache Krater, wie der «Trou aux Cerfs» (Bild), blieben davon als Zeugen zurück.Der markante Berg «Trois Mamelles» ist Zeitzeugen aus der ersten Phase der Entstehung von Mauritius. In dieser Phase bildete sich ein riesiger Schildvulkan mit einem Durchmesser von über 40 Kilometern. Ein massiver Einsturz der Magmakammer schuf eine gigantische Caldera. Die heutigen Bergketten sind die Überreste dieses ursprünglich imposanten Kraterrandes.Und jetzt wird es spannend! Ein auf dem Dach liegendes Haus? Ein Sturmschaden?? Nein, es ist das «verhexte Haus»! Wir sind mutig und statten ihm einen Besuch ab.Der Beuch ist absolut lohnenswert. Nichts ist so, wie es scheint – und nichts sieht so aus, wie es ist.Der Spieltrieb ist geweckt – die Phantasien angeregt.Zum Abschied von Mauritius eine schöne Überraschung. Bei unseren treuen Leserinnen und Lesern ist mittlerweile bekannt, dass wir bei Überfahrten jeweils die erduldeten Strapazen täglich mit einem Ragusa belohnen. Eine uns unbekannte Freundin vom Genfer Seglerpaar Jocelyne und Roland (SY Croix Du Sud) wohnt zeitweise auf Mauritius. Sie wurde von unseren Freunden, die sich gerade in Fiji aufhalten, gebeten, uns eine Stange der leckeren Schokolade zu bringen. Merci beaucoup!! Merci beaucoup, Christiane, de l’avoir livré !!
Die Reise geht bald weiter! Die nächste Insel ruft: La Réunion. Seit gestern beobachten wir das Wetter und suchen ein gutes Fenster für die Fahrt zur rund 135 Seemeilen westwärts gelegenen Insel. Im Laufe der kommenden Woche ist es soweit.
Es bleibt spannend! Folge der Lupina im Kielwasser!