Nach der sehr anstrengenden und anspruchsvollen Passage rund um die Nordspitze von Madagaskar erhoffen wir uns für die nächsten Tage und Wochen ein etwas geruhsameres Segeln in der Umgebung von Nosy Be.
Wir nehmen dich in diesem Bericht mit zu einer abwechslungsreichen Segeltour in der näheren Umgebung der Insel Nosy Be. Im Vordergrund stehen das Entspannen und vor allem der Austausch mit der lokalen Bevölkerung, sowie das Erleben der Natur.Der erste Schlag nach dem Einklarieren in Hell-Ville führt uns zum Crater Ankerplatz. Es wären nur etwa 5 Seemeilen, also ein Katzensprung, da der Wind aber auf die Nase bläst, kreuzen wir auf. Es hat zum Glück fast keine Wellen, und es wird ein schöner Segeltag. Crater ist der wohl beliebteste Ankerplatz in der ganzen Gegend. Es gibt hier sogar eine kleine Marina und die Möglichkeit, ein Segelboot zu mieten. Im Bild der einzige Anlegesteg der Marina und im Hintergrund das grosse Ankerfeld.Die Differenz zwischen Ebbe und Flut beträgt je nach Mondphase bis zu 3 Metern. So lassen sich leicht Arbeiten am Schiff durchführen, ohne es auswassern zu müssen. Dazu wird es einfach an der Hafenmauer festgemacht und lässt man es auf dem Kiel trockenfallen. So hat man bis zu sechs Stunden Zeit, trockenen Fusses notwenige Arbeiten am Unterwasserschiff durchzuführen.Die Gegend von Crater ist vor allem bekannt für die schönen Strände. Mit seinem internationalen Flughafen gilt Nosy Be als der Touristen Hot-Spot von Madagaskar. Es ist ein sanfter Tourismus, der sich hier entwickelt hat, mit vielen kleinen Pensionen und schmucken Restaurants. Richtig schön!
Als wir in Australien Pia’s Schulkameradin, Esther Lanz besuchten, hat diese uns geraten, dass wir uns wieder melden sollen bei ihr, wenn wir in Madagaskar sind: «ich kenne da jemanden!». Das machen wir, und Esther gibt uns die Kontaktdaten von Edy, einem ausgewanderten Österreicher
Edy und seine madagassische Frau Beza betreiben hier seit vielen Jahren eine kleine Pension, die «Villa Autriche». Es ist eine sehr herzliche und interessante Begegnung mit den Beiden. Wir verabreden uns für ein gemeinsames Mittagessen in den nächsten Tagen.Weit verbreitetes Last-Transportmittel in Madagaskar: vom Zebu gezogene Karren. Wir sind sehr beeindruckt, wie entspannt und friedlich die Menschen umgehen mit dem Aufeinanderprallen vom Leben unter einfachsten Verhältnissen und dem Luxus. 80 Prozent der Madagassen leben von weniger als 2 Franken Einkommen pro Tag!Das häufigste Transportmittel für Menschen ist eindeutig das Tuk-Tuk, nebst Rikscha, Fahrrad und Mopeds. Wir probieren das Tuk-Tuk gleich mal aus. Eine kurze Fahrt kostet umgerechnet etwas mehr als 20 Rappen, eine längere Fahrt knapp 2 Franken pro Person.Am Sonntag treffen wir uns dann wie verabredet mit Edy und Beza (rechts im Bild) zum gemeinsamen Mittagessen. Sie bringen noch ihre langjährigen Freunde (er ebenfalls Österreicher und sie Madagassin) mit. Alles einheimische Kost – lecker, kann ich euch sagen.Edy ist ein begeisterter Zuckerbäcker, und backt gerne Süsses. Er bringt den Kindern der Restaurant Angestellten jeweils etwas Süsses mit. Kein Wunder freuen sie sich jeweils auf den sonntäglichen Besucher.Wir verlegen vom Crater Ankerplatz auf Nosy Be zu einer kleinen, vorgelagerten Insel, Nosy Sakatia. Unsere Lupina liegt hier sicher und stabil in ruhigem Gewässer.Ein typisches Last-Transportschiff in dieser Gegend. Flach und stabil, aus Holz gebaut. Am kurzen Mast kann bei Wind sogar ein grosses Segel angebracht werden.Nosy Sakatia: Endlich können wir mal wieder auf Berge steigen und uns die Welt von oben ansehen. Lupina, ganz für sich alleine, ist noch ganz knapp zu erkennen neben dem letzten Landvorsprung.Der Wanderweg ist gut markiert. Zum Glück, denn er verläuft recht abenteuerlich durch Sumpfgebiet und dann steil bergan.Unterwegs immer wieder eine typische Hütten-Siedlung der Bauern. Die Häuser sind 100% aus Naturprodukten gefertigt.Auf der Nordseite von Nosy Sakatia angelangt, erwartet uns ein weiterer traumhafter Bilderbuchstrand. Die Boote im Hintergrund gehören zu einem kleinen, perfekt in die Natur eingebetteten Resort. Es ist einfach herrlich: wer hier Ferien macht, der ist voll mit der Natur verbunden.Am nächsten Tag verlegen wir in den Süden von Nosy Sakatia. Hier hat es ein kleines Dorf mit einer Schule. Die Kinder der ganzen Insel kommen hier zur Schule. Auf dem Pausenplatz wird, wie bei uns früher auch, intensiv Fussball gespielt. Ich muss einfach staunen, wie die Kinder meist barfüssig flink umherrennen und ohne Zögern kräftig auf die steinharte Lederkugel dreschen. Ich würde mir wohl beim ersten Ballkontakt alle Zehen brechen.Etwas weiter im Dorf treffen wir einen Mann, der sein Haus und die Umgebung perfekt gepflegt hat. Wir kommen mit ihm ins Gespräch. Sein Traum ist, dass er es schafft, im Leben etwas weiter zu kommen. Da er vom Resort auf der anderen Inselseite weiss, dass die Gäste gerne ab und zu mal eine Massage geniessen, will er in diesem Bereich aktiv werden. Stolz zeigt er uns, wie er die Liege dafür selber zusammen schreinert.Auch hier machen wir eine Wanderung quer über die Insel, von Süd nach Nord und zurück, rund 5 Kilometer ein Weg. Der Pfad führt über ein rund 150 Meter hohes Gebirge. Je weiter wir vom Ufer weg sind, umso einfacher und spartanischer werden die Hütten. Hier wird einfache Landwirtschaft betrieben, alles von Hand, Maschinen gibt es keine. Die Menschen sind Selbstversorger und ernähren sich nebst Reis hauptsächlich von Hühnern, Ziegen, Zebus (eine Art von Kühen), Früchten (wie Bananen, Mango, Ananas, …) und Gemüse (Bohnen, Kartoffeln, Tomaten, …).Die Erde ist sehr mineralienreich. Dort wo der Mensch den Wald gerodet hat, tritt der farbenprächtige Untergrund zu Tage.Die Landschaft ist sehr abwechslungsreich – ein Genuss für das Auge.Nur ein paar Schritte weiter auf dem Pfad präsentiert sich das Landschaftsbild wieder ganz anders.Zurück von der anstrengenden aber wunderschönen Wanderung geniessen wir den Strand vor unserem Ankerplatz. Es gibt hier eine Handvoll einheimische Restaurants, immer hübsch hergerichtet. Nicht ungewöhnlich für Madagaskar: die Liebe zum Detail erfreut uns immer wieder.Das feine Mittagessen an dieser schönen Lage, bestehend aus grilliertem Fisch, Kokos-Reis und Mango/Tomaten Salat, mundet vorzüglich und füllt unseren Energiespeicher wieder auf.Zum Abschluss des Essens ein Digestive («Verdauerli»). Alles Rum mit verschiedenen Geschmäckern und Zutaten wie Vanille, Mango, Banane, Crevetten und vieles mehr. Zum Glück haben wir es nicht weit bis nach Hause – es schwimmt am linken Seitenrand des Bildes und wartet auf seine beschwipste Crew. Eine rührende Nebengeschichte: unser Dinghi lag am anderen Ende des Strandes, weit draussen, weil die Ebbe eingesetzt hatte, als wir die Wanderung begonnen haben. Nun, 6 Stunden später, beginnt das Wasser wieder zu steigen und das Personal des Restaurants bemerkt, dass wir uns um unser Dinghi kümmern wollen. Sie beschwichtigen uns: «no problem!». Zwei kräftige Jungs signalisieren uns, dass sie unser Dinghi aus rund 500 Metern Entfernung vor das Restaurant holen werden. Was für wunderbare Menschen!Ein paar Tage später auf der südlichen Nachbarinsel von Nosy Be: Nosy Komba. Nur eine kurze Distanz, aber wieder ein ganz anderes Bild. Die Insel wird gerne von Tagestouristen aus Resorts in der Umgebung besucht. Die Einwohner leben hauptsächlich vom Tourismus. Das gibt ihnen ein kleines Einkommen und verschafft ihnen etwas Luxus, wie zum Beispiel Lebensmittel, die sie mit dem Geld kaufen können, oder Kleider. Dieser Junge trägt aus gekauftem Stoff selbst genähte Kleider. Sein Spielzeug ist aus einer alten Motorölflasche, Kanister Deckeln und Holzstäbchen selber zusammengebastelt.Eine ungewöhnliche, aber hier übliche Technik, die Wäsche schnell zu trocknen: sie wird auf den heissen Sand gelegt.Bisher haben wir noch wenig von der einheimischen Tierwelt gesehen, die für Madagaskar so einzigartig ist. Hier, auf der Insel Nosy Komba, haben wir hautnahen Kontakt mit Lemuren, die fast ausschliesslich nur in Madagaskar vorkommen. Lemuren sind Primaten, gehören also zu den Affen, was aber nicht so offensichtlich ist. Ihr Aussehen ist eher marder- oder katzenartig, dennoch teilen sie auf Grund ihrer Anatomie (wie den Greifhänden) eine gemeinsame Abstammung mit den Primaten. Früher wurden sie oft als «Halbaffen» bezeichnet, heute lautet die wissenschaftliche Einordnung «Feuchtnasenprimaten», weil ihre Nase feucht ist (wie zum Beispiel auch beim Hund) im Gegensatz zu den Affen, wo die Nase trocken ist (wie auch beim Menschen).Es gibt unheimlich viele Kinder in Madagaskar. Sie sind die Altersvorsorge für ihre Eltern und Grosseltern. An den Kleidern dieser fröhlichen Jungs zeigt sich, dass der Tourismus doch etwas Wohlstand zu den Menschen bringt.Ein zweiter Ankerplatz auf Nosy Komba, weiter im Südosten. Nur etwa 3 Seemeilen, und schon sind wir wieder im Gebiet, wohin kaum Touristen kommen. Lupina im Hintergrund hat ihren Ankerplatz ganz alleine für sich, nur ein paar Fischerboote schaukeln ihr vom Ufer her zu, während ein Fischer sein Netz wieder vorbereitet für nächsten Fischfang.Schöne Begegnungen mit herzlich guten Menschen. Gut kann die Frau französisch (bei weitem nicht alle Madagassen verstehen Französisch, die Amtssprache von Madagaskar), so können wir sie fragen, was sie hier macht. Die Frau zermalmt getrocknete Kokosnuss zu Mehl, um daraus Gebäck und Brot zu backen. Wer meint, das sei leichte Arbeit – weit gefehlt! Der Mörser, der Holzstab, den sie zum Stampfen verwendet, ist aus robustem Hartholz, gute 8 Kilogramm schwer.Unser nächster Ankerplatz liegt an einem sehr gut vor Wind und Wellen geschützten Plätzchen vor der Insel Mamoko. Das Wasser ist hier sehr klar und endlich ist wieder mal Schnorcheln angesagt.Wir fragen die vorbeifahrenden Fischer, ob wir das Dorf besuchen dürfen. Und wieder finden wir offene, herzensgute Menschen. Dieser Mann zeigt uns, wie er mit einem zu einem Meissel flach geschmiedeten Nagel und einem Hammer aus Hartholz die Verstrebungen für sein neues Dach bearbeitet. Später am Abend kommt er noch mit Früchten bei unserem Schiff vorbei. Jetzt trägt er stolz eine neue Cap von uns – uns war aufgefallen, dass diejenige, welche er auf dem Bild trägt, schon etwas ins Alter gekommen ist.Kaum haben wir das Dorf betreten, eilt dieser Junge auf Pia zu, ergreift vorsichtig ihre Hand und weicht die ganze Zeit nicht mehr von ihr. Rührend!Und hier sehen wir sie wieder: Lemure – ganz aus der Nähe!Hautnah! Lemure mögen Bananen. Damit kann man die wilden Tiere, die keine grosse Scheu vor Menschen zeigen, anlocken. Ohne Zögern springt mir dieser auf die Schulter und klettert dann mit seinen überraschend samtigen Händen und Füssen auf meinen Arm, um sich die leckere Nahrung zu holen.Immer mehr Kinder folgen uns auf unserem Streifzug durchs DorfDer Mann im hellblauen T-Shirt (leider haben wir seinen Namen vergessen) führt uns durchs Dorf, beantwortet unsere Fragen und zeigt uns ein paar ausserordentliche Dinge. Unter anderem 2 Riesenschildkröten, die sein Grossvater hierhergebracht hat, als er das Dorf gründete. Da sie damals noch klein waren, ging das problemlos im Auslegerkanu. Die Tiere kommen sofort aus ihrem schattigen Plätzchen hervor, als unser Führer mit einer Banane winkt. Die Kinder und die Schildkröten scheinen sich gut zu verstehen 😉Wir sehen unseren ersten Baobab Baum aus der Nähe. Madagaskar gilt als die Urheimat des Baobabs (auch Affenbrotbaum genannt). Hier ist die Vielfalt am grössten. Sieben der weltweit total acht Arten wachsen auf der Insel. Sechs davon sind komplett endemisch, existieren also nirgendwo sonst auf der Erde.Wir segeln etwas weiter nordwestlich der Küste entlang und ankern mitten in einem Krater, dessen Rand auf einer Seite gänzlich eingefallen ist und daher der Zugang vom Meer möglich ist. Das einzige Dörfchen auf dieser Kraterinsel, Nosy Ambararata, leuchtet in der Abendsonne.Kaum ist der Anker eingefahren, erhalten wir Besuch von zwei einheimischen Frauen. Ausser einem Kleinkind haben sie nichts dabei. Sie fragen uns, ob wir etwas für sie hätten. Wir fragen zurück: «Was habt ihr für uns?». Erstaunt über unsere Frage blicken sie sich an. Wir helfen auf die Sprünge und schlagen vor: Bananen, Kokosnüsse, Mango. Sie diskutieren kurz, lachen dann erfreut und bedeuten uns, dass sie uns Kokosnüsse holen wollen. Kurz darauf sind sie mit drei grossen Trink-Kokosnüssen zurück. Wir bedanken uns mit T-Shirts, Milchpulver für das Kleinkind, Rohrzucker und einer Trainerjacke von Pia. Von nun an ist die Damenriege Wölflinswil auch auf Madagaskar vertreten 😊Am nächsten Tag besuchen wir das Dorf. Wir hatten die beiden Frauen vom Vorabend gefragt, ob sie uns das Dorf zeigen würden. «Ja, natürlich!» war die spontane Antwort.Es hat zwar ein paar wenige Mangobäume und Kokospalmen, der Boden ist aber zu karg für einen Garten. Das Dorf lebt vom Fischfang. Jede Familie hat irgendwo eine Fläche, wo Fische getrocknet werden. Im Gegensatz zu anderen Gegenden, ist das Fischvorkommen hier enorm. Mit eigenen Augen sehen wir, wie Fischer um unsere Lupina herum im Minutentakt grosse Fische, 30-50cm lang, aus dem Wasser ziehen.Drei Generationen auf einem Bild: die Grossmutter, auf der Treppe sitzend, ist kaum älter als 40 Jahre. Zum Glück hat Pia vorher noch diverse Geschenke in ihren Rucksack gepackt, und wir können allen Familienangehörigen damit grosse Freude bereiten. Es ist unser Dank für die Führung durchs Dorf. An Geld sind sie nicht interessiert, denn hier draussen können sie sich nichts kaufen dafür. Sie haben ja so wenig! Da ist alles, was sie irgendwie brauchen können, etwas sehr Wertvolles. Tolle Begegnungen!Während wir uns an Land das Dorf zeigen lassen, liegt Lupina absolut ruhig mitten im KraterseeNach 2 Tagen verlassen wir den Kratersee und segeln zu unserer nächsten Station, in die Russian Bay. Von anderen Seglern hatten wir erfahren, dass es hier schöne Wanderungen zu machen gibt. Es wurde uns auch geraten, einen lokalen Führer zu engagieren, da die Pfade auf keiner Karte zu finden sind. Diesen Ratschlag befolgen wir gerne. Pauline, eine gut französisch- und englischsprechende, junge Frau, führt uns rund 4 Stunden lang durch eine sehr interessante Natur. Sie ist hier aufgewachsen und kann uns viel über die Geologie, Tierwelt und Pflanzen erzählen.Fernsicht Richtung SüdafrikaBlick über die Russian Bay mit unserer Lupina, zweites Schiff von links. Der Name der Bucht hat eine interessante Geschichte. Im Jahre 1904, während des Russisch-Japanischen Krieges, schickte Russland eine Kriegsflotte von der Ostsee um die halbe Welt, um ihre dort von den Japanern stark unter Druck gesetzte Flotte zu unterstützen. Auf dem Weg dorthin legte ein Teil der Flotte einen zweimonatigen Zwischenstopp an der Westküste von Madagaskar ein, in unserer Bucht. Als der Befehl zum Aufbruch kam, weigerte sich ein Teil der Besatzung, das tropische Paradies wieder zu verlassen und in den Krieg zu ziehen. Sie desertierten mit einem der Schiffe. Dieses versteckten sie tief in den Seitenarmen der Bucht, wo es ein paar Jahre später schliesslich versank. Die desertierten Soldaten blieben auf Madagaskar, bauten Beziehungen auf zur einheimischen Bevölkerung und verbrachten den Rest ihres Lebens hier. Der letzte russisches Seemann dieser Flotte verstarb im Jahre 1936.Etwas Tolles in ganz Madagaskar: es gibt keine giftigen und für den Menschen lebensgefährlichen Tiere – ausser einer Froschart vielleicht, die man aber mit der Zunge ablecken müsste. Dennoch ist die Tierwelt spannend und interessant. Auf unserer Wanderung versucht sich eine fast 2 Meter lange Madagaskarboa (sehr eng verwandt mit der in Mittel- und Südamerika beheimateten Boa Constrictor) vor uns zu verstecken. Pauline hat aber ein wachsames Auge und entdeckt sie für uns.Grosser Madagaskar-Taggecko. Er zeichnet sich durch seine leuchtend neongrüne Farbe und die charakteristischen roten Punkte auf dem Rücken aus. Im Gegensatz zu den meisten anderen Gecko Arten sind Taggeckos – wie der Name schon sagt – tagaktiv.Wir haben die Wanderung früh um 7 Uhr begonnen. Jetzt, 4 Stunden später, brennt die Sonne fast senkrecht vom Himmel. Jedes Schattenplätzchen ist willkommen.Zum Abschluss unserer anstrengenden, aber wunderschönen Wanderung, und zum Abschluss unseres Segeltörns rund um Nosy Be lassen wir es uns noch einmal richtig gut gehen mit einem feinen, lokalen Essen: Salat aus Randen, Gurken und Tomaten, lokalen Fisch vom Grill, äusserst leckerer Gemüseeintopf (Bohnen, Karotten, Kartoffeln, Aubergine und viele Gewürze) und natürlich Reis, viel Reis. Hmm – einfach köstlich!
In der Russian Bay drehen wir nun um und kehren zurück nach Hell-Ville auf Nosy Be. Morgen Sonntag sind wir noch von unseren neuen Bekannten, Beza und Edy, zu einer Geburtstagsfeier eingeladen. Am Montag früh klarieren wir dann aus und beginnen unsere Fahrt nach Südafrika. Der Mozambique Kanal und die Küstengewässer von Südafrika zählen zu den schwierigsten und gefährlichsten Passagen weltweit. Der Agulhas-Strom mit seinen gefürchteten Wirbeln und starker Strömung, die extrem schnellen Wetterwechsel und unberechenbare Wellen lassen jeden Segler nervös werden. Auch wir haben grossen Respekt vor diesem Abschnitt unserer Reise. Entsprechend haben wir einschlägige Literatur studiert und beobachten seit einiger Zeit andere Schiffe bei ihrer Passage sehr intensiv. Auch haben wir uns die Dienste eines mit diesen Gewässern vertrauten Wetter-Routers gesichert. Dieser wird uns aus der Distanz helfen, die beste Route und den idealen Zeitpunkt für die Fahrt zu bestimmen.
Lupina ist bereit – wir auch! Am Montag, 19.10.2026, geht es los. Zunächst noch in Tagesetappen der Westküste von Madagaskar entlang südwärts, dann, im Bereich der engsten Stelle, über den Mozambique Kanal und anschliessend der afrikanische Küste entlang in den ersten Hafen von Südafrika: Richards Bay.
Komm, steig ein und verfolge unsere Reise. Mit diesem Link Noforeignland kannst du den Fortschritt unserer Reise zeitnah verfolgen.
Es bleibt spannend! Folge der Lupina im Kielwasser!
Im vorliegenden Bericht nehmen wir dich mit auf die Umrundung der Nordspitze von Madagaskar. Es erwartet uns eine raue See mit hohen Wellen und viel Wind. Wir planen, zunächst noch den Schutz von Nosy Sainte-Marie zu nutzen, danach die Bucht «Baie d’ Antongil» zu überqueren und dann in einer Distanz von 5-10 Meilen vor der Küste bis nach Antsiranana zu segeln. Dort wollen wir ein gutes Wetterfenster abwarten für die Umrundung der Nordspitze, bevor es dann auf der Leeseite von Madagaskar gemütlich wieder gegen Süden geht. So der Plan. Wie immer, kommt es anders – aber der Reihe nach.Am 11.9.2026 heisst es «Anker auf» und los geht die Reise. Zunächst in gemütlicher Fahrt auf der Leeseite von Nosy Sainte-Marie entlang nordwärts. Kaum sind wir aus der Abdeckung der Insel heraus, kommt ein grosser Schwell schräg von hinten auf unsere Lupina zu. Da auch der Wind von achterlich bläst, haben wir eine schlechte Seitenführung. Ein starkes Rollen ist die Folge. Ansonsten: herrliches Segeln.Je weiter nördlich wir kommen, desto stärker werden Wind und Welle. Das gemütliche Segeln wandelt sich langsam in ein nasses Segeln. Von allen Seiten spritzt Wasser-Gischt über das Deck.Wir konsultieren laufend das Wetter im Bereich des Nordens. Die von uns geplante Passage führt durch ein Gebiet starker, mitlaufender Strömung (rechtes Bild, die Strömung kann bis zu 4 Knoten erreichen). Da wäre es wünschenswert, wenn der Wind nicht auch noch allzu stark ist. Auf dem linken Bild sehen wir, dass jetzt an der Nordspitze gerade zwischen 20 bis 25 Knoten blasen. Gemäss Vorhersagen wird der Wind dort in den nächsten Tagen auf weit über 30 Knoten zunehmen, und dann mindestens eine Woche so stark bleiben. Nach einer kurzen Lagebesprechung entscheiden wir, auf den Stopp bei Antsiranana zu verzichten und in einer Nachtfahrt direkt ans Cap d’ Ambre zu segeln.Unser Leebett leistet uns bei solch unruhiger Fahrt einen grossen Dienst. Das vorne an der Bettkante befestigte und dann hochgebundene Tuch verhindert, dass die schlafende Person ungewollt aus der Koje kullert.Die Fahrt zum nördlichsten Punkt von Madagaskar, Cap d’Ambre verläuft weiterhin sehr rollig.Einmal kippt bei einer Welle in einem Schrank eine frisch geöffnete Sirup Flasche um. Leider ist der Deckel nicht ganz dicht, und die süsse, klebrige Masse suchte sich ihren Weg in den Schiffsbauch. Bis wir das Unglück bemerken, ist schon die halbe Flasche leer. Die Reinigungsequipe Brem nimmt sich rasch und gekonnt der Sache an. Bald schwindet der Ärger und weicht der Freude darüber, dass nun auch die Bilge wieder mal gründlich geputzt ist.Nach der Nachtfahrt erscheint am nächsten Morgen der Leuchtturm am Cap d’Ambre. Wir halten uns eng an die Küste. Von mit dem Gebiet gut vertrauten Seglern wissen wir, dass Strömung und Wellen nahe am Land viel geringer sind. Es gibt hier auch keine gefährlichen Untiefen, die man fürchten muss.Kaum liegt der Leuchtturm querab, reduzieren sich die Wellen kontinuierlich, und das heftige Rollen weicht einem sanften hin und her Wiegeln. Wir sind erstaunt und gleichzeitig erleichtert, dass die Rundung der Nordspitze so problemlos und elegant verläuft.Zügig und nun fast ohne Rollen geht die Fahrt rund 8 Seemeilen auf der Westseite südlich weiter. In einer tief eingeschnittenen und weit verästelten Bucht finden wir unseren ersten Ankerplatz, seit wir in Nosy Sainte-Marie aufgebrochen sind. Herrlicher Sonnenuntergang bei wolkenlosem Himmel. Wir gönnen uns einen ausgiebigen Ankertrunk und geniessen eine Nacht ohne jegliche künstlichen Lichter – die Gegend ist menschenleer und total einsam.Der angesagte Starkwind erreicht zu unserem Erstaunen auch die Westseite der Insel – obwohl die Wetterkarten das nicht so abbilden. Wir entscheiden, zügig weiter südlich zu segeln, in der Hoffnung, dass dort die breitere Landmasse von Madagaskar den Wind etwas aufhalten kann.Sehr starke Wind im Bereich 45-50 Knoten zerren eine halbe Stunde lang heftig am Rigg und dem Bimini. Unglaublich, was das Schiff aushalten muss. Wir sind froh über unser gut schützendes Mittelcockpit.Unterwegs treffen wir einheimische Fischer an, die offensichtlich an solche Verhältnisse gewohnt sind. Zu beachten das Segel! Ein ausgemustertes Segel einer Segelyacht dient den Fischern noch lange als Antrieb für ihr Holzboot.Die Ankerbuchten gleichen sich. Der Landbereich ist sehr karg und trocken. Es erinnert uns stark an die Inseln in Griechenland. Der Ankergrund ist eine Mischung aus Sand und Schlick und hält unseren Anker jeweils bombenfest. Das Negative bei solchem Ankergrund: der Dreck bleibt an der Kette hängen und versaut uns Winch und Deck. Früher haben wir das immer sofort runter gewaschen. Heute lassen wir es aber zuerst an der Sonne trocknen und kehren es dann einfach weg.Ein weiterer fantastischer SonnenuntergangLeider folgt uns auch der Wind. Das Bild zeigt die über eine Stunde aufgezeichneten Winddaten am Ankerplatz. Während der linke Teil die Windrichtung angibt (TWD = true wind direction, wahre Windrichtung), zeigt der rechte Ausschnitt die Windstärke (TWS = true wind speed, wahre Windgeschwindigkeit). Man sieht, es gibt Böen bis zu 50 Knoten. Der Mittelwert der Windgeschwindigkeit über eine Stunde gemessen beträgt 32.2 Knoten. Für den Laien: bis 15 Knoten Wind sind die Bedingungen am Anker angenehm. Darüber wird es ungemütlich. Ab 30 Knoten wird es heftig.Wir versuchen, dem Wind weiter zu entfliehen. Mit minimalen Segeln (im Bild das Kutter Segel) stechen wir auch bei diesen heftigen Winden in See. Da wir uns auf der Leeseite der Insel befinden, sind die Wellen zum Glück recht flach.Endlich beginnt der starke Wind nachzulassen. Dafür gelangen wir in eine Zone, wo die thermischen Winde überwiegen. Das bedeutet, dass tagsüber der Wind eher vom Meer in Richtung Land weht, in der Nacht dann umgekehrt vom Land aufs Meer hinaus. Eine Herausforderung für das sichere Ankern. Pia sucht hier gerade ein ideales Ankerplätzchen.Überall, wo es in der Nähe des Ankerplatzes Bewohner hat, müssen wir damit rechnen, dass wir Besuch erhalten. Die Einheimischen nutzen die Gunst der Stunde, vielleicht etwas von dem vor Anker liegenden Schiff zu erhaschen. Meist sind es Seile, Taucherbrillen, Flossen oder Köder zum Fischen, worauf sie scharf sind. Meist bringen sie irgendwelche Früchte oder Kokosnüsse mit, um diese einzutauschen. Wir haben immer irgendwelches Material bereit, dass wir nicht mehr brauchen, für die Leute aber noch sehr viel Wert hat.Auf der Insel Nosy Mitsio können wir erstmals unter normalen, sprich Winde unter 20 Knoten, Bedingungen ankern. Die Einfahrt in die weite Ankerbucht wird durch viele kleine Felsinsel abgeschirmt, so dass praktisch kein Schwell einlaufen kann.Das Land auf der Insel Nosy Mitsio ist sehr trocken. Die Hügel sind zu flach, als dass sie Regen aus dem Himmel kitzeln könnten, wie es auf der Hauptinsel etwa 20 Seemeilen weiter östlich der Fall ist. Im Schatten der Palmen und hohen Mangobäume verstecken sich etwa zwei Dutzend kleine mit Palm- oder Pandanus Blättern bedeckte Holzhütten.Lupina (ganz weit hinten im Hintergrund knapp ersichtlich) hat die ganze Bucht für sich alleine. Nur ein paar Fischerboote am Ufer leisten ihr Gesellschaft. Man glaubt es kaum, aber dies ist ein völlig intaktes, gebrauchsfähiges Fischerboot. Angetrieben wird es mit einem primitiven Segel, das mit Hilfe eines kurzen Mastes, einer langen Bambus-Stange und diversen Leinen gesetzt wird. Der äusserst konstante Wind hilft den Fischern bei ihrer täglichen Arbeit: am Morgen weht er aufs Meer hinaus, um die Mittagszeit schläft er ein, dreht seine Richtung und baut sich am Nachmittag in Richtung Land wieder auf. Jeden Tag.An der Südwestspitze von Nosy Mitsio erhaschen wir auf der Weiterfahrt ein kleines Naturphänomen: Basaltsäulen. Diese entstehen durch das Abkühlen und Zusammenziehen von heißer Lavaschmelze unter ganz bestimmten Voraussetzungen. Sind diese Bedingungen ganz optimal, können sich mehrere Meter lange «Orgel-Pfeifen», wie die Säulen auch oft genannt werden, formieren.Die Orgel-Pfeifen etwas näher. Bei der Gestaltung der Säulen wählt die Natur den energetisch günstigsten Weg. Um den Raum optimal zu nutzen und die Spannung gleichmäßig zu verteilen, entstehen meist fünf- oder sechseckige Muster Je langsamer und gleichmäßiger die Lava abkühlt, desto perfekter und länger werden die Säulen.Die nächste Insel auf unserer Fahrt: Tsara Bajina. Wir sind nun endgültig wieder im Gebiet der weissen Sandstrände und des türkisfarbenen Wassers angelangt. Leider ist der Ankerplatz gegen Osten offen, und wird nach dem regelmässigen Winddreher sehr rollig. Wir bleiben nur eine Nacht.Tsara Bajina: ein wunderschön farbiger Sonnenuntergang entschädigt uns für das Rollen, das uns in der Nacht erwartet. Der Rauch vom Abbrennen der Zuckerrohrfelder auf der entfernten Hauptinsel ist für die Farbenpracht verantwortlich.Am nächsten Tag sind wir bei Sonnenaufgang bereits unterwegs. Unser Ziel: Nosy Be, die Ferieninsel. Da der Wind gegen Mittag abstellen soll, wir die ganzen 30 Seemeilen aber segeln wollen, ist ein frühe Start angesagt.Hell-Ville, die Hauptstadt auf Nosy Be, ist eine Hafenstadt. Hier müssen wir uns intern wieder anmelden. Der Gang zu den Behörden ist reine Formsache und es geht hauptsächlich um das Bezahlen von Gebühren. Im ersten Moment sind wir etwas geschockt über den schlechten Zustand der Infrastruktur und der Gebäude. Offensichtlich war das früher einmal anders. Heute wirkt alles etwas runtergekommen aus.Das Leben findet auf der Strasse statt. Hier wird gekocht, Geschirr gewaschen, und der täglichen Arbeit nachgegangen.Einem alten Renault R4 wird neues Leben eingehaucht. Ob es wohl gelingt?Unsere Bordvorräte an frischen Früchten und Gemüse konnten seit unserem Aufbruch von Nosy Sainte-Marie nicht mehr gross ergänzt werden. Einmal konnten wir unterwegs ein altes Seil gegen ein paar Bananen umtauschen, aber die sind mittlerweile auch schon wieder weggefuttert. Höchste Zeit für Nachschub. Den finden wir am sehr guten und reichlich bestückten Markt in Hell-Ville.Üblich auf solchen Märkten: dinge wie Reis, Hirse, Getreide oder Bohnen werden offen verkauft.Getrockneter Fisch – nicht unbedingt unser Ding 😉Dass sich in dieser Gegend der Wind nach der Tageszeit richtet, wurde bereits erwähnt. Wir beobachten, dass immer zur selben Zeit, am späteren Nachmittag, schwer beladene Schiffe unter Segel von der Hauptinsel zur Nosy Be segeln. Geladen sind sie mit Sand, Kies, Backsteinen und anderen Baumaterialien. Das Löschen der Schiffe ist schwerste Handarbeit.Am Ufer dann die Baustoffhändler.Es ist nicht einfach, für unser Dinghi einen guten und sicheren Anlandeplatz zu finden. Irgendwie haben wir kein gutes Gefühl, unser Transportmittel irgendwo unbewacht stehen zu lassen. Wir haben Glück? Francois (Bild) bietet sich an, für umgerechnet 2 Franken auf unser Dinghi aufzupassen. Der Betrag scheint auf den ersten Blick für lokale Verhältnisse sehr hoch. Aber sein Job ist streng. Er muss unser Beiboot regelmässig um parkieren, um Platz für die Fähren und Taxis zu schaffen. Wir machen sicherheitshalber ein Bild von Francois, damit wir beim Empfang des Dinghis nicht einen falschen Mann bezahlen.
In den letzten 14 Tage haben wir reichlich Seemeilen zurückgelegt. Über 500 sind es geworden, und dies zum Teil unter sehr widrigen Umständen. Nun wollen wir es etwas gemütlicher angehen und in den nächsten Wochen die Ankerplätze in der Umgebung von Nosy Be erkunden. Auch wollen wir versuchen, noch mehr über Land und Leute zu erfahren. Madagaskar soll ja angeblich das Land des Pfeffers und der Vanille sein. Zudem gibt es viele exotische Tiere, die nur hier vorkommen, wie etwa das Chamäleon.
Es bleibt spannend! Folge der Lupina im Kielwasser!
Der Monat August neigt sich langsam dem Ende zu. Wir sind gut im Zeitplan, den wir uns vorgenommen haben, um die beste Wettersituation für die Passage von Madagaskar über den berüchtigten Mozambique Channel nach Südafrika zu nutzen. Im November beginnt über Madagaskar die Zyklon Zeit. Spätestens dann müssen wir weg sein. Aber kurzfristig will das Wetter nicht so richtig mitmachen. Eigentlich wären wir reisefertig, aber eine Front aus dem Süden veranlasst uns, noch ein paar Tage in der sicheren Marina zu bleiben.
Dieses Bild zeigt Wind (linke 2 Bilder) und Wellenhöhe (rechte 2 Bilder). Der Ausschnitt ganz links zeigt den Wind für den Freitag, 28.8. Der rote Bereich ist eine Starkwind Front, die sich von Süden Richtung Norden, also genau über uns hinweg, bewegt. Wir wollen die mit dem Pfeil markierte Strecke segeln. Schon am Montag, 31.8., ist die Lage entspannt. Was uns mehr Sorgen bereitet und uns schlussendlich zum Warten überzeugt, ist die Wellenhöhe, die auf dem Meer zu erwarten ist. Am Samstag, 29.8., ist grossflächig mit sehr hohen Wellen zwischen 5 und 6 Metern zu rechnen (roter Bereich auf den Wellenbildern). Bis am Montag, 31.8. sollten diese aber bei La Réunion auf rund 3 Meter zurück gegangen sein. Wir verschieben unsere Abfahrt auf den Montag, 31.8.2026Die Verzögerung der Abreise um 3-4 Tage verschafft uns die Gelegenheit, wieder einmal unsere Kontakte zu anderen Seglern zu pflegen. Diesen hier, den Einhandsegler Martin von der Segelyacht Comeback, verfolgen wir schon länger auf seinen Blogs. Dass wir ihn in La Réunion treffen, ist für ihn ein Glücksfall. Auf seiner Fahrt gegen Wind und Welle in Richtung Australien ereilt ihn ein Schaden an einem Segel. Er entscheidet, nach La Réunion abzubiegen, um es dort reparieren zu lassen. Unterwegs erkrankt er sehr schwer, er vermutet eine Lebensmittelvergiftung. Angekommen in der Marina, rappelt er sich auf, um sich etwas Essbares zu besorgen. Da treffen wir ihn. Wir merken, etwas stimmt nicht mit ihm. Er ist total geschwächt und hat starke Bauchschmerzen. Wir helfen ihm zurück auf sein Boot- Am nächsten Tag ist sein Zustand schlimmer. Das Bild stammt aus der Notaufnahme des Spitals. Pia hat Martin, der kein Französisch spricht, als Dolmetscherin dorthin begleitet. Diagnose: Gallensteine mit starker Gallenblasenentzündung – Operation am nächsten Tag. Noch 2 Tage länger auf See und es wäre für ihn sehr kritisch geworden. Martin – gute Besserung!!Während Pia für Martin die Krankenschwester und Dolmetscherin spielt, mach ich auf Bootsdoktor und unterziehe Lupina einem gründlichen Gesundheits-Check. Alles gut, bis auf diese schon stark durchgescheuerte Aushole-Leine des Fock-Furlers. Gut ist der Verschleiss rechtzeitig erkannt: Schnell ist der Furler zerlegt und die Fehlstelle an der Leine beseitigt.Wir haben es bereits erwähnt: wir geniessen die Zeit auch, um Kontakte zu pflegen und neue Leute kennen zu lernen. Uwe und seine Partnerin Nathalie sind mit ihrer 60 Fuss Amel SY Artemis auf Weltumrundung. Leider rauschen sie wohl an uns vorbei und wir können ihr Tempo nicht ganz halten. Aber man weiss ja nie! Unsere WhatsApp Gruppe haben wir jedenfalls in «Final Hamburg», der Zielhafen der Beiden, umbenannt.Ein paar Tage unsere Bootsnachbarn in der Marina: Wolf (stehend) und Rolf mit ihrem Alu-Schiff SY Boaty McBoatface. Auch sie wollen zügig weiter in Richtung Heimatland: Deutschland.Und dann, am Tag vor unserer Abreise, fliegt Anke, die Partnerin vom inzwischen erfolgreich operierten aber immer noch hospitalisierten Martin, aus Deutschland ein.Und zum Abschluss unseres Aufenthaltes noch ein rührendes Erlebnis. Es gibt da eine Kneipe mit dem Namen «Le Boucanier», zu Deutsch der Seeräuber. Schön als Piratenschiff dekoriert. Natürlich sind wir mit den Besitzern ins Gespräch gekommen. Er war nach seiner Boxer-Karriere für längere Zeit in der Marine tätig und hat sich so nach und nach eine grössere Sammlung von Schiffsutensilien angelegt. Das meiste davon liegt und hängt nun schön angeordnet in ihrer Bar. Als sie erfahren, dass wir schon 8 Jahre lang mit einem Segelboot die Welt bereisen, sind sie begeistert. Als wir uns von ihnen nach fast 3 Wochen verabschieden wollen, ist er kurz hinter der Theke verschwunden und mit diesem mit Antirutschmaterial beschichteten Servierbrett zurückgekommen. Nun haben wir auf der Lupina zum Kredenzen des feinen La Réunion Rums der Marke «Charrette» eine geeignete Unterlage. Merci beaucoup à vous deux!Dann, endlich geht’s los! Nach einer kurzen, speditiven Zollinspektion kriegen wir die Ausklarierungspapiere in die Hand gedrückt, und los geht’s Richtung Madagaskar. Wir rechnen für die Distanz von rund 400 Seemeilen mit rund 3 Tagen. Die Fahrt führt uns in nordwestliche Richtung, unser Ziel eine der Hauptinsel Madagaskar vorgelagerte, kleine Insel mit dem schönen Namen Nosy Sainte-MarieVor dem Lösen der Leinen zuerst ein kurzer Adrenalinschub beim Skipper Wie immer, wenn wir in einer Marina los fahren, prüfe ich zuerst die Funktion des Propellers, indem ich kurz den Rückwärtsgang und danach den Vorwärtsgang einlege. Diesmal merke ich, der Propeller öffnet die Flügel nicht richtig. Er macht einen höllischen Lärm aber erzeugt keinen Schub. Da gibt’s nur eins: ins Wasser mit einem Schraubenzieher bewaffnet, und die Müschelchen, welche sich in den Zahnrädern eingenistet haben, herauskratzen. Nach einer Viertelstunde ist es dann aber soweit, es kann los gehen. Wie auf Grund von Wettervorhersagen zu erwarten, empfangen uns schon kurz nach der Hafenausfahrt ruppige Wellen, die in den ersten Stunden noch bis gegen 4 Meter zunehmen. Es ist ungemütlich auf der Lupina.Erstaunlicherweise hat Pia diesmal kein Problem mit den Wellen und lacht mich nach der ersten Nachtschicht beim Zubereiten des Frühstücks unternehmungslustig an.Nach der zweiten Nacht auf See lichtet sich endlich auch die dichte Wolkendecke und die Sonne kündet sich mit einem spektakulären Farbenspiel am Horizont an. Die Wellen sind mittlerweile auf unter 3 Meter gesunken. Nach ziemlich genau 3 Tagen erreichen wir die Landesgrenze von Madagaskar.Am frühen Vormittag des 3.9.2026 fällt der Anker vor dem Hauptort der Insel Sainte-Marie. In lokaler Sprache heisst sie eigentlich «Nosy Boraha» und auf Französisch «Ìle Sainte-Marie». Kurzerhand wird sie heute «Nosy Sainte-Marie» genannt. Wir sind noch nicht fertig mit dem Ankermanöver, da rauscht ein Boot der lokalen Marinebehörde heran und fordert uns freundlich auf, doch bitteschön zum Einklarieren an Land anzulegen. Also wieder Anker hoch, um dann nur ein paar hundert Meter weiter seitwärts an den schon daliegenden Schiffen festzumachen. Das Manöver klappt, dank vielen helfenden Händen, problemlos.Nacheinander erhalten wir Besuch von 5 Behörden, alle sehr freundlich und zuvorkommend. Nach knapp einer Stunde sind wir einklariert – bis auf das Tourist-Visa. Das müssen wir uns bei der Police National, welche auch die Funktion der Einwanderungsbehörden wahrnimmt, in der Stadt besorgen.Beim Gang in die Stadt wird uns schnell klar, dass wir hier nach den letzten Inseln mit eher moderneren Standards wieder in eine Welt eintauchen, wie wir sie auch etwa in Vanuatu kennen gelernt haben. Die Leute leben in sehr einfachen Verhältnissen.Handgeschnitzte Einbaum Kanus – ein wichtiges Arbeitsmittel der lokalen FischerWasserleitungen in Häuser gibt es nur für modernere Gebäude in der Stadt. In einfacheren Gegenden decken sich die Menschen an diesen Brunnstellen mit dem kostbaren Gut Wasser ein.Zwei Dinge zeigt dieses Bild: es gibt offenbar eine lokale Radiostation und für Sammler von Oldtimer Autos ist unsere erste Station in Madagaskar eine wahre Fundgrube. Vor allem alte französische Marken, wie dieser Renault R4, der mindestens 50 Jahre alt sein dürfte – und noch läuft!Feierlicher Akt im Kommissariat der Police National: wir bekommen unsere VisaKurz danach ein paar Gehminuten weiter setzt mir die freundliche Mitarbeiterin eines lokalen Telefonanbieters eine SIM-Karte ein – wir sind wieder mit dem Rest der Welt verbunden.Angekommen!!Während wir uns einen Ankommens-Drink gönnen, geniesst Lupina das ruhige Wasser ihres Ankerplatzes.Nosy Sainte-Marie war einst beliebt unter Piraten und gefürchtet von Handelsschiffen. Während des goldenen Zeitalters der Seeräuberei – besonders zwischen 1680 – 1720 galt es als das berüchtigtste Piratennest der Welt. Zu Spitzenzeiten lebten über 1’000 Piraten dauerhaft auf dem Eiland. Wir besuchen hier den Friedhof aus dieser Zeitepoche.Wir werden fündig! Diverse Grabsteine tragen das stolze Zeichen der Piraten. Vor allem Kapitäne und andere höherrangige Crewmitglieder fanden hier ihre letzte Ruhe. Auch heute noch können sie die Handelsschiffe vorbeifahren sehen, wie früher, zu ihrer Zeit, als die ersten Handelsflotten die lukrative Handelsroute im Indischen Ozean in ihre Fahrpläne aufgenommen haben. Gut möglich, dass noch einiges von ihrer reichen Beute von damals hier irgendwo versteckt ist und auf seine Entdeckung wartet. Einst ein wunderschönes Haus aus der Zeit der französischen Kolonie (1896 – 1960) – nun nagt der Zahn der Zeit daran.Die Häuser in der Hauptstadt mit dem kaum auszusprechenden Namen Ambodifototra haben kaum höheren Standard wie diejenigen auf dem Land. Was uns sehr angenehm auffällt: die Sauberkeit in den Strassen, auf den Grundstücken – und auch am Strand.Möbelfabrik auf Nosy Sainte-Marie – einfachste Werkzeuge und geschickte Hände.Modernes Möbelhaus mit Ausstellungsraum.Und so sieht das Möbelstück dann im Einsatz aus! Autos gibt es auf der Insel nur ganz wenige. Wer ein Auto besitz, ist entweder Ausländer oder hat mit der Touristenbranche zu tun. Die wichtigsten Transportmittel sind Fahrräder, Rikschas und das Tuk-Tuk.Spielplatz der Kinder. Ach, wie wohltuend zu sehen, wie sie auch ohne viel teures Spielzeug, wie es bei uns zu Hause vermeintlich nicht mehr wegzudenken ist, ihre wahre Freude haben miteinander.Wenn wir schon bei Spielzeugen sind – auch ich finde eines! 😊 Wir mieten uns für einen Tag ein Motorrad (Preis für einen ganzen Tag gerade mal umgerechnet 12 CHF), um die Insel zu erkunden.Auf Nosy Sainte-Marie gibt es nur eine Strasse (rote Linie), die durchgehend geteert ist. Sie führt im Wesentlichen der Westküste entlang, wo die Mehrheit der rund 30’000 Einwohner wohnt. Rund die Hälfte der Bevölkerung lebt in der Hauptstadt Ambodifototra. An der viel raueren, dem ständigen Passatwind ausgesetzten Ostküste, gibt es nur wenige Siedlungen.Erst als wir die Verkehrszeichen beachten müssen, fällt uns auf: die sind alle von Hand gefertigt! Pfosten und Schilder sind betoniert, und das Verkehrssignal von Hand aufgepinselt. Überhaupt treffen wir sehr viele Dinge an, die von Hand gefertigt und vor allem hier in Madagaskar hergestellt werden. Ein Zollstreit, wie er gegenwärtig fast weltweit stattfindet, kann hier niemandem etwas anhaben.Eine schöne Insel hat auch schöne Strände! Das trifft auf der rund 50 Kilometer langen und maximal 7 Kilometer breiten Insel völlig zu. Vor allem auf der windgeschützten Westküste finden sich viele verträumte Sandstrände.Reis ist das Hauptnahrungsmittel. Sogar zum Frühstück wird Reis gegessen. Viele Menschen leben von Eigenversorgung. Irgendwo haben sie ein Reisfeld (Bild), einen Gemüsegarten und Bananenstauden. Der Boden ist fruchtbar und das Klima erlaubt es, das ganze Jahr über zu produzieren und ernten. Einfuhr von Nahrungsmitteln ist nicht notwendig.Auf der Fahrt quer über die Insel an die Nordostküste durchqueren wir hügelige Weidelandschaft mit einfachsten Unterkünften für die Hirten. Die Wäsche wird zum Trocknen am Boden ausgelegt oder über Sträucher gehängt.Nordosten von Nosy Sainte-Marie. Obwohl die Kokospalme heute das Landschaftsbild vieler madagassischer Küsten prägt, gehört sie zu den eingeführten Nutzpflanzen. Sie stammt ursprünglich aus der Südsee und wurde erst durch australische und melanesische Seefahrer aus dem Raum Melanesien eingeführt.Die wilde Ostküste. Hier peitscht der starke Passatwind unaufhörlich hohe Wellen ans Ufer. Baden ist in den meisten Gebieten zu gefährlich – ausser in «Piscines Naturelles»: natürlich geformte Pools, die durch solch vorgelagerte Felsenbänder vor der Brandung abgeschirmt werden.Immer wieder entdecken wir etwas, dass uns einen ein Rückblick in die Vergangenheit erlaubt. Hier ein Steinbrecher, der von Hand mit einem Hammer grosse Steine zerkleinert zu Kies einer bestimmten Grösse. Diesen Kies kann er dann zur Herstellung von Beton verkaufen und so ein kleines Einkommen generieren.Besuch beim Coiffeur. Et voilà – es darf gelacht werden 😊 Aber: ich erfahre, ich sei mit meiner neuen Frisur voll im Trend – ein klassischer Undercut.Vor einer Woche sind wir auf Nosy Sainte-Marie, der Pirateninsel, angekommen. Ein wunderbarer Einstieg in eine uns völlig unbekannte Welt, Madagaskar. Ein weiteres Mal beeindrucken uns die Menschen. Sie leben mit Wenig, machen das Beste daraus und sind glücklich. Neid und Missgunst, Habgier und andere schlechte Eigenschaften kennen sie nicht. Sie sind offen und ehrlich, der Kontakt zu ihnen einfach und immer sehr herzlich.
Nun sind wir gespannt, wie wir die Menschen auf der Hauptinsel erleben. Das Wetterfenster für eine Weiterfahrt an die Nordostspitze von Madagaskar ist gut. Heute Nachmittag haben wir von der Hafen- und Schifffahrtsbehörde (APMF) die notwendigen Papiere abgeholt, welche uns erlauben, zum nächsten Hafen weiter zu fahren. Ein etwas bürokratischer Prozess – aber das sind halt die Regeln. Morgen Freitag, 11.9.2026, brechen wir auf. Wir haben etwa 320 Seemeilen vor uns, die es vor allem im letzten Bereich in sich haben. Es warten Winde bis 30 Knoten auf uns.
Es bleibt spannend! Folge der Lupina im Kielwasser!