Die rund 145 Seemeilen lange Überfahrt von Cayo Largo (Kuba) nach Georgetown auf Grand Cayman verläuft recht entspannt und ohne nennenswerte Vorkommnisse. Wir haben die Abfahrt am Sonntag, 21.2.2021, so geplant, dass wir nicht zu früh starten, über Nacht durchsegeln und unsere Destination am Montagmorgen erreichen. So klappt es denn auch perfekt. Der Wind kommt anfänglich von schräg hinten und dreht im Verlauf der Nacht auf die Backbordseite. Eigentlich alles sehr entspannt. Einzig eine giftige Welle, die ab und zu an die Bordwand knallt und uns nass überspült, und das Wissen im Hinterkopf, dass wir von Grand Cayman trotz mehrmaligem Nachfragen per E-Mail und per Telephon keine Bestätigung haben, stören uns bei der Überfahrt. Während die Welle ab Mitternacht langsam nachlässt, bleibt die Ungewissheit, ob wir einreisen dürfen, auch nach unserer Ankunft am Montag um 8 Uhr früh noch für längere Zeit ungeklärt.
Im Morgengrauen setzt Pia die gelbe Quarantäne Flagge. Es war ursprünglich nicht geplant, auf den Cayman Inseln einen Zwischenstopp einzulegen, deshalb haben wir vorgängig keine Hoheitsfahne von Cayman Islands besorgt. In der Dom Rep und in Kuba konnten wir dann nirgends eine finden – so müssen wir für einmal die Marine-Ethik verletzen und ohne Hoheitsfahne in ein neues Land einreisen
Über Funk melden wir uns, so wie wir es in unserem Cruising Handbuch nachgelesen haben, bei der Port Security an und erbitten einen Mooringplatz (Boje). Die Port Security weiss nichts von einem Einreisegesuch, weist uns aber professionell und unbürokratisch eine Boje zu. Kaum passieren wir die Hafengrenze, schiesst ein Boot der Port Authority auf uns zu und geleitet uns zur Boje. Wir werden instruiert, das Schiff ja nicht zu verlassen und niemanden an Bord zu lassen. Sie wollen unsere Einreiseerlaubnis sehen. Wir zeigen ihnen die Registrierungsnummer unseres Gesuches, das mittlerweile schon fast 14 Tage alt ist. Sie geben es per Funk weiter und weisen uns an, den Funk auf Kanal 16 eingeschaltet zu lassen, um weitere Instruktionen abzuwarten. Darauf rauscht das Boot mit den Offiziellen wieder weg, und wir sind alleine. Dann gibt’s mal ein ordentliches Frühstück.
Unsere Ankunftsboje in Georgetown. Wir sind das einzige Segelboot in Georgetown. Vom Ufer grüssen die ersten Restaurants und Shopping Malls (Grand Cayman ist praktisch frei von COVID Fällen, alles ist offen)
Kaum fertig mit dem Frühstück werden wir per Funk aufgefordert, mit dem Schiff an den Nord Pier des Hafens zu fahren. Zügig legen wir von der Boje ab und begeben uns zum angewiesenen Pier. Nicht ganz einfach: es steht ein grosses Frachtschiff davor und es läuft ein ekliger Schwell in den Hafen. Lupina wird so heftig in die Festmacherleinen geworfen, dass uns Angst und Bange wird um unser Material. Die anwesenden Beamten stellen uns ein paar banale Fragen (die wir schon mehrmals per Funk beantwortet haben) und erklären uns, dass von uns kein Einreisegesuch vorliege. Wir übergeben ihnen den E-Mail Verkehr und die Registrierungsnummer unseres Gesuches. Dann dürfen wir wieder an unsere Boje. Wir sollen unseren Funk eingeschaltet lassen. Bis am späten Montag Nachmittag hören wir nichts mehr. Wir fragen per Funk nach, aber werden auf später vertröstet. Ist das ein gutes oder schlechtes Zeichen? Wir warten ab.
Am Dienstagmorgen kurz vor 8 Uhr werden wir angefunkt und gebeten, wieder mit dem Schiff an den Nord Pier zu kommen. Die schlechten Anlegebedingungen vom Vortag noch im Hinterkopf erbitten wir, mit dem Dinghi an Land kommen zu dürfen. Das wird erlaubt. Als wir ankommen, staunen wir nicht schlecht! Alle Personen, die mit uns heute Kontakt haben, tragen Schutzanzüge, Schutzmasken und Glasschutzschilder vor dem Gesicht, sowie Handschuhe. Nochmals dieselben Fragen wie am Vortag, diesmal aber müssen wir auch Pässe und Ausreisegenehmigung von Kuba abgeben. Nachdem dann auch ein Covid Test vorgenommen ist (oh, wie lieben wir das Gestöber durch die Nase bis ins Gehirn!), dürfen wir zurück auf das Schiff. Wir sind einklariert!! Tag 0 der Quarantäne hat soeben begonnen.
Die Anlandungsstelle für das Einklarieren. Mitten in der Einfahrt noch ein grosser Felsblock, der das Manövrieren erschwert. In diesem Bild vom Dienstag ist praktisch kein Schwell mehr vorhanden. Am Vortag war das Hafenwasser noch so stark bewegt, dass dieser Fels immer wieder vom Wasser überspült wurdeNach dem Einklarieren, zurück auf der Lupina, werden wir von Nadine und Tomas aus Covid sicherer Distanz begrüsst. Das Schweizer Ehepaar hat mit seinem Katamaran «Seaborne» (rechts im Hintergrund) die Covid-Zeit auf den Cayman Inseln verbracht. Mit ihnen pflegen wir seit Beginn unserer Reise vor nun bald 3 Jahren immer wieder einen lockeren Kontakt via Internet. Sie waren es auch, die uns schlussendlich zu einem Stopp auf Grand Cayman bewegt haben: von ihnen wussten wir, dass man ein Gesuch auf Einreise stellen kann, obwohl die Grenzen für Touristen offiziell eigentlich immer noch geschlossen sind
Die Cayman Islands sind eine Gruppierung von 3 Inseln, die isoliert mitten im tiefen Karibischen Meer liegen. Im einstigen Schlupfwinkel der Piraten residieren heute Banken aus aller Welt. Die Cayman Islands, immer noch eine Britische Kolonie, sind wohl eines der bekanntesten Steuerparadiese und es wundert nicht, dass fast jedes namhafte Unternehmen hier einen Geschäftssitz oder zumindest ein Postfach hat. Nicht zuletzt deshalb, aber auch wegen des florierenden internationalen Tourismusgeschäfts sind die Inseln sehr wohlhabend, ganz im Gegensatz zu den anderen Karibischen Inseln, die wir bisher besucht haben.
Nadine und Tomas besorgen uns eine lokale SIM Karte, die wir dann mit dem Dinghi bei der Hafenbehörde abholen dürfen. Damit sind wir wieder mit der Welt verbunden. Eine der ersten Aktionen: via Computer über die hier sehr gut funktionierenden Online-Shops frische Nahrungsmittel bestellenAuslieferung unserer Lebensmittel am Pier. Wir müssen in sicherer Distanz warten, bis der Mitarbeiter des Lieferdienstes sich wieder entfernt hatMit frischen Vitaminen versorgt starten wir voller Elan in unsere 14-tägige Quarantäne. Nebst Lesen nehmen wir uns vor, jeden Tag irgendeine Arbeit, die wir uns schon lange mal vorgenommen haben, zu erledigen. Pia beim Putzen des Kühlschrankes. Der ist soo tief, dass sie fast hineinfällt 😊😊Köbi inspiziert und checkt den Rettungsring. Nach 3 Jahren sind die Batterien der Lampe alle, die Fixierleine stirbt langsam den UV-Licht Tod, und die Fixierlaschen der Aussenhülle hängen buchstäblich nur noch am FadenPia näht die Fixierlaschen der Rettungsringhülle neu anNach getaner Arbeit lässt sich der Sundowner besonders gut geniessen 😉Etwa nach Halbzeit unserer Quarantäne kündet sich ein Sturm an. Wäre an und für sich kein Problem, denn die Boje, an der wir liegen, ist für grössere Schiffe ausgelegt. Das Problem aber ist, dass zumindest während der ersten beiden Tage der Wind vom Meer her kommt und uns das Leben auf dem Schiff ziemlich mühsam machen würde. Die Port Security offeriert uns per Funk, auf die andere Inselseite in eine Bucht verlegen zu können. Diese Bucht bietet Wellenschutz aus allen Richtungen. Ohne Zögern nehmen wir dieses Angebot natürlich gerne an! Wer darf schon in Quarantäne segeln gehen 😉 Es erwartet uns ein gemütlicher Segel Tag. Schon eine Stunde später, noch bei schönstem Sonnenschein und mässigem Wind, verlassen wir die Boje und verlegen in den Governors Creek auf der Nordseite von Grand CaymanDie Einfahrt in den Governors Creek ist sehr flach. An den flachsten Stellen beträgt die Tiefe nur knapp 2 Meter. Unser Schiff hat exakt 2 Meter Tiefgang. Sicher kratzen wir da mit unserem Kiel ab und zu etwas im Sand und Schlamm auf dem Meeresgrund, aber es geht gut und wir gleiten in die sichere BuchtDer Einfahrtskanal erinnert uns sehr stark an Ft. Lauderdale (Florida, USA): entlang des Kanals viele Prunkvillen mit einem oder mehreren Power-Boats am Steg, und auf der anderen Hausseite ein oder mehrere teure Luxusautos in der EinfahrtsalleeAm Tag, nach dem wir im Governors Creek vor Anker gegangen sind, zieht das Sturmtief auf. Die ersten 3 Tage pfeift der Wind mit permanent 25-30 Knoten, danach nimmt er leicht ab. Erst nach fast einer Woche beruhigt sich das Wetter wieder. Dieses Bild ist bei 30 Knoten Wind aufgenommen worden. Gut zu sehen, wie flach das Wasser in der fast rundum von Mangroven geschützten Bucht trotzdem bleibtAm 14. Tag unserer Quarantäne werden wir erneut zum Covid Test aufgefordert. Wir fahren mit dem Dinghi zur nahegelegenen Tankstelle des Cayman Yacht Clubs, wo wir das Prozedere erneut widerwillig über uns ergehen lassen. Die Rückfahrt nutzen wir bereits für eine erste Sightseeing-Tour durch die künstlich angelegten KanäleUnd dann erhalten wir noch am selben Tag positiven Bescheid: der Test ist (wie könnte es auch anders sein!) negativ. Freudig melden sich unsere Liegenachbarn, Nadine und Tomas und laden uns spontan bei sich auf der «Seaborne» zum ersten Begrüssungstrunk ein – es wird ein langer aber kurzweiliger Abend (leider ohne Bilder 😉). Schon am nächsten Tag geht’s dann zum ersten Mal an Land – und endlich gibt’s auch wieder mal EiscremeNadine und Tomas auf unsere Lupina. Sie sind nun schon seit mehreren Monaten auf den Cayman Islands und können uns viele gute Tipps gebenEiner der Tipps von Nadine und Tomas: «Lasst euch doch hier gleich gegen Covid impfen!» Ja, geht das denn als Ausländer und nicht Einwohner? Es geht! Schon am nächsten Tag bekommen wir unsere erste Ration Pfizer. Die Zweite erfolgt dann in 3 Wochen. Das wird uns das Weiterreisen erheblich vereinfachenEs soll einen wunderschönen, gut geschützten Ankerplatz (Kaibo) im Osten des grossen Nord-Sounds (tiefe Bucht im Norden, rund 4 Seemeilen breit) geben. Die Herausforderung aber ist: wie kommen wir mit unserem 2 Meter Tiefgang sicher dorthin, wenn in der ganzen Bucht Wassertiefen von nur 1-4 Meter vorherrschen? Die Navionics Seekarten sind zwar hier sehr genau, aber sich nur darauf abstützen, das wäre uns zu heikel. Deshalb sind wir froh, dass uns die «Seaborne» (der Katamaran hat nur ca. 1m Tiefgang) voraus fährt und den besten Weg zeigtEin besonderes Highlight: Besuch von Stingray-City (= Stachelrochen Stadt), eine flache Sandbank direkt hinter dem Aussenriff, wo früher die Fischer ihren Fang gesäubert und die Abfälle ins Meer geworfen haben. Diese Fischreste haben über viele Jahre Dutzende von Stachelrochen angezogen. Die Fischer sind in der jüngeren Geschichte durch Tausende von Kreuzfahrttouristen abgelöst worden, die täglich an diese Stelle geschippert worden sind. Übrigens: ausserhalb des Riffes (dunkelblau am Horizont) fällt der Meeresgrund auf über 2000 Meter ab!Ein Schwarm Stachelrochen in Stingray-City. Die Touristen sind nun Covid bedingt nicht mehr da. Damit die wild lebenden Rochen nicht abwandern zu neuen Nahrungsgründen, werden sie jetzt von Touristenführern regelmässig gefüttert. Wir haben das Glück, dass gleich nach unserer Ankunft eine solche Fütterung beginnt und es nach kurzer Zeit um uns herum nur so wimmelt von diesen handzahmen TierenWie ein fliegender Teppich gleitet der Rochen über Pia’s Hand. Der Bauch ist ganz weich und samtig. Der Schlund ist verhältnismässig klein und mit kleinen Zähnen bewehrt. Beim Füttern muss man aufpassen, dass die Hand flach und geschlossen bleibt. Ein abstehender Finger könnte sonst schon mal als Tintenfischarm verwechselt werden 😊«Galions»-Damen Nadine und Pia nach einem unvergesslichen Schnorchel-Tag in Stingray-CityNach etwas mehr als einer Woche intensiven Kennenlernens trennen sich unsere Wege bereits wieder. Nadine und Tomas segeln weiter nach Mexico, und wir bleiben noch ein paar Wochen hier. Abschiedsessen in einem Strandrestaurant vor unserem Ankerplatz in KaiboLupina in der Harbour House Marina. Es haben sich wieder einige kleinere Arbeiten angehäuft, die wir hier auf Cayman Island in Angriff nehmen wollen. Unter anderem soll ein neues Bimini her. Das Alte ist immer noch das Original und beginnt, sich langsam zu zerlegen. Zum Ausmessen und für Anpassungsarbeiten verlegen wir in die Werft der Harbour House Marina, wo solche Arbeiten ausgeführt werden können. Die Einfahrt zur Marina ist eine rechte Herausforderung. Teilweise haben wir nur noch 10cm Wassertiefe unter dem Kiel und das bei Flut! Pia war leicht nervös!! 😊Harbour House Marina: direkt uns gegenüber liegen diese beiden Schiffe – nicht gerade vertrauenserweckend für eine Werft 😉
Unser Schiff ist in der Werft nicht gesunken 😊. Mitte der Woche verlassen wir die Harbour House Marina wieder. Die Aufträge sind erteilt und werden voraussichtlich bis Ende März ausgeführt. Wir verlegen wieder an die Westküste nach Georgetown an unsere erste Boje und wollen von da aus die Insel erkunden. Was wir dabei erleben und antreffen berichten wir das nächste Mal.
Es bleibt spannend – folge der Lupina im Kielwasser!
Cayo Largo, 25km Traumstrände und glasklares Wasser
So schön warm wie auf dem Bild empfängt uns Cayo Largo nicht! Der nördliche Wind, der uns bei der rund 24-stündigen Überfahrt von Cienfuegos nach Cayo Largo noch freundlich unterstütz hat, lässt uns nun in der Nacht erstmals seit fast 2 Jahren auf den Kap Verden wieder Pullover und lange Hosen tragen. Die Temperaturen fallen in der Nacht auf frische 16 Grad, was doch für kurze Hosen und T-Shirt etwas kühl ist. Zum Glück wechselt der Wind nach 2 Tagen auf West und bringt uns wieder die gewohnten 24 Grad in der Nacht.
Marina Marlin, Cayo Largo. Die Marina hat einen Anlegesteg für die Kubanischen Bootsbesitzer, und einen Anlegesteg für die Ausländer. Früher wurden die Leute recht strikt getrennt, heute ist der Übergang zwischen den Stegen offen. «Unser» Steg ist in normalen Zeiten total überfüllt mit Charter-Booten (fast ausschliesslich Katamarane), jetzt sind wir die Einzigen, die einklarieren wollen. Schade, denn die Gegend hier ist wunderschön!Wir wechseln mit unserem Schiff nach dem Einklarieren direkt an einen Ankerplatz hinter einer Sandbank. Am 3. Tag nach unserer Ankunft kommen dann doch ein paar Charter Schiffe nach Cayo Largo. Sie bleiben für 1-2 Nächte, dann ziehen sie weiter. Der Strand hier ist bekannt dafür, dass man mit dem Schiff direkt an den Strand fahren kann, «beachen» wird das genannt. Hier sind gleich 3 Katamarane angelandetMit der Lupina können wir leider nicht «beachen», der 2 Meter tiefe Bleikiel erlaubt es nicht. Das macht aber nichts, auch sie hat ein wunderbares Plätzchen gleich auf der gegenüberliegenden Seite der 3 KatamaraneCayo Largo, 38km2 gross, hat eigentlich keine einheimische Bevölkerung. Alle Kubaner, die hier leben, arbeiten in der Touristenbranche und kommen von der Hauptinsel. Es hat einige grosse All-Inclusive Hotels, und eben die Marina. Per Flugzeug werden auch Tagestouristen aus Havanna oder Varadero herangeflogen, um hier Ausflüge in die Mangrovenwälder oder Tauchgänge an einem wunderschönen vorgelagerten Riff zu machen. Jetzt ist alles leer – es hat keine Touristen, die Hotels werden von Pflanzen überwachsen und die Touristenschiffe schaukeln traurig im Wasser. Die Zeit wird für Unterhalt, Pflege und Aufbau neuer Attraktionen genutzt – alles in der Hoffnung, dass es bald wieder normal wirdBis auf 1-2 Langfahrtenschiffe (wie wir) sind keine Touristen hier, die mehrere Tage auf Cayo Largo verweilen. Wir haben einen Grossteil der Insel für uns allein. Weil die Versorgung auch hier in den letzten Monaten sehr schwierig geworden ist, erinnern wir uns an Robinson Crusoe und versuchen uns darin, uns von den Geschenken der Natur zu ernähren. Kokosnüsse gibt es in Hülle und Fülle! Sie löschen den Durst …… und spenden herrlich schmeckendes Nussfleisch, das gut zu einem Sundowner passtEin befreundetes Seglerpaar (Anett und Peter von der Annamera), die auch einige Tage hier verweilen, zeigen uns, wie man Chonch-Muscheln findet, diese aus ihren Schalen ziehen kann und dann schmackhaft zubereitetRobinson Leben am Strand mit Grillfeuer, an dem wir die Conch dann bratenEine Polizeistunde (oder «Sperrstunde» auf gut Deutsch) gibt es hier nicht 😉Aber Köbi wäre nicht Köbi, wenn er nicht doch irgend ein angeschriebenes Haus finden würde 😊 Diesmal musste er aber gar nicht so lange suchen: direkt in der Marina hat es eine sehr gut geführte Hafenkneipe mit dem furchteinflössenden Namen: El Pirata. Hier verbringen nicht nur wir einige Stunden (vor allem, um Internet Zugang zu haben), …… auch der Namensgeber hockt wahrscheinlich schon lange hier 😊😊Die Crew der Hafenkneipe überrascht Pia an ihrem Geburtstag mit einem selbst gebackenen Kuchen. Die Überraschung ist gelungenWir verbringen viel Zeit in der Natur draussen. Der Sand hier ist etwas ganz Spezielles, das wir so noch nie erfahren haben. Die Sonne kann noch so brennen – der Sand wird nie heiss. In der Nacht kühlt er dann auch sehr schnell ab. Irgendwie verhält er sich ganz anders wie normaler Sand. Die Körner sind extrem fein, und trotzdem gibt es fast keine Windverfrachtungen. Obwohl die Sandkörner schön rund geschliffen sind, sinkt man in Sand kaum ein. Auch unsere Ankerkette, die bis zu 40 Meter auf dem sandigen Meeresgrund liegt, wird perfekt poliertMit dem Dinghi fahren wir zu einer von vielen nahegelegenen Insel, die einen kleinen Abbruch hat. In den Löchern darin (eines ist ganz am rechten Bildrand zu sehen) hausen Dutzende von LeguanenFantastische Natur – und auch etwas romantisch obendreinEinmal sitzen wir in der Hafenkneipe, da fährt beim Eindunkeln ein Charter-Katamaran in die Marina, legt aber am Steg für Einheimische an. Kurz später schlendert die Crew locker daher und beginnt auf schweizerdeutsch mit uns zu reden. Sie haben bei der Einfahrt unser Schiff mit der Schweizerflagge gesehen. Da wir die einzigen Gäste sind, die nicht einheimisch aussehen, folgern sie richtig, dass wir die Schweizer sind. Wir zeigen ihnen den richtigen Anlegersteg und haben später eine lockere Runde zusammen. Am nächsten Tag kommen sie ebenfalls zum Ankerplatz und wir machen ein «Päcklein» (sie machen ihr Schiff an der Seite von Lupina an)Die Crew der «Tropicana», so heisst das Schiff der Schweizer, hat unterwegs Lobster eingekauft. Für ein paar Dollar haben sie von einheimischen Fischern viel mehr von den Tieren erhalten, wie sie selber essen können. Kein Problem – wir helfen gerne!! 😉 Nach einem Sundowner auf der Lupina zaubern die Köche der Tropicana ein wunderbares Essen in die TellerCorinne, Ueli, Gianni, Beat (von links, alle von der SY Tropicana) und Pia stossen zu später Stunde mit einem feinen Rum-Kaffee auf unser Zusammenkommen anAuch in Cayo Largo treffen wir wieder faszinierende Menschen an. Hier ist es «Pire». Wer schon einmal mit dem Schiff hier war, der kennt ihn. 32 Jahre lang ist er der Hafenmeister in der Marina. Vorher war er als Übersetzer im Militär tätig. Davon zeugt das Bild an der Wand, welches ihn mit Fidel Castro zeigt. Pire ist seit dem Ausbruch von Covid ununterbrochen im Einsatz, weil seine Ablösung, die alle 20 Tage für 10 Tage lang seinen Job übernimmt, aus Havanna nicht einreisen darf. Er strahlt eine Hilfsbereitschaft und Selbstlosigkeit aus, die jedes Problem eines in Not geratenen Seemannes mit einem Augenzwinkern verschwinden lässt. Schön, dass es solche Menschen gibt!
Unsere Zeit in Kuba neigt sich nun dem Ende entgegen. Der Pazifik ruft, Frankreich steht uns aber mit seinem Einreiseverbot in Französisch-Polynesien im Weg. Wäre diese Inselgruppe offen, würden wir direkt von Kuba nach Panama durchsegeln und von da zügig durch den Kanal. Aber die Grenzen sind sicher bis zum 31. März geschlossen, und danach ist die Situation noch völlig unklar. Wir sind hin und her gerissen, ob wir es auf gut Glück nicht doch einfach probieren sollen oder lieber auf Nummer sicher gehen, und noch eine Saison hier auf der karibischen Seite bleiben. Wir versuchen nun seit ein paar Tagen, die Einreiseerlaubnis von den Cayman Islands zu bekommen. Das harzt! Trotz mehrmaligen E-Mails und Anrufen haben wir bis heute keine Bewilligung erhalten. Seit heute weht nun ein idealer Wind, mit dem wir perfekt in Richtung Süden zu den Cayman Islands gelangen könnten. Wir beschliessen, morgen Sonntag die Leinen zu lösen und mit einem soeben erhaltenen negativen Covid-Testergebnis in der Backs-Kiste George Town auf Grand Cayman anzulaufen.
Was erwartet uns im Süden? Werden wir in Cayman Islands reingelassen, oder müssen wir direkt die 750 Seemeilen bis Panama durchziehen? Was geschieht in Polynesien? Wir wissen es noch nicht.
Es bleibt spannend – folge der Lupina im Kielwasser!
Anders als in Santiago ist die Covid Situation in Cienfuegos einiges angespannter. Es gibt in dieser Provinz mehr Fälle (aber verglichen mit Europa oder Amerikanischen Ländern immer noch auf sehr tiefem Niveau), und die Massnahmen sind daher einiges strikter. Die meisten Restaurants sind geschlossen, oder dürfen nur Take-Away anbieten. Bars bleiben geschlossen, ebenso wie Museums und alle Touristen-Attraktionen.
Nach einigem Suchen finden wir ein Restaurant, das Pizza zum Mitnehmen verkauft. Geld- und Pizzaübergabe findet an der Türe statt, aber erst nachdem Hände und Füsse (!!) gereinigt sindDie Flanier- und Einkaufsstrasse in Cienfuegos, sonst von Touristen überflutet, bleibt recht leerMuseen sind geschlossen. Die Zeit wird überall genutzt für Renovationen (hier das Provincial Museum am Parque José Marti)Parque José Marti, Cienfuegos. Die Franzosen, die im 19. Jahrhundert nach dem Sklavenaufstand in Haiti hierher geflüchtet sind und den Zuckerrohraunbau spezialisiert haben, haben ihre deutlichen Spuren (Triumphbogen!) hinterlassenVon der Marina gelangen wir in rund 20 Minuten zu Fuss in die Stadt. Ein schöner Spaziergang zuerst dem Meer entlang und dann unter den schattigen Arkaden der HauptalleeEin Blick von dieser Arkade durch eine der vielen offenstehenden Türen direkt in die Wohnung (diese können noch so einfach sein, sie sind trotzdem immer sehr sauber)Hinter der Hauptallee wirkt alles nicht mehr so prunk- und glanzvoll, dafür herrscht mehr Betrieb durch die EinheimischenDie Fahrradtaxis warten vergebens auf Touristen (obwohl jetzt die Hauptsaison wäre)Der Zugang zum Internet ist etwas schwierig. Man muss zuerst einen Hotspot für das WiFi Signal finden. Oftmals gibt es das auf öffentlichen Plätzen/Parks oder in grösseren Hotels. Dann braucht man eine Zugangskarte für den lokalen Internetanbieter (ETECSA), deren Verkaufsstellen man zuerst finden muss. Dann haben wir für 25 Pesos (=1 Dollar) eine Stunde Internetzugang. Hat man Glück, ist die Übertragungsrate gut, oder dann halt eben Pech, wenn es ein paar Sekunden dauert, bis die nächste Seite aufgebaut ist. Köbi schafft es, den neuen Bericht auf die Home Page zu laden
Innerhalb drei Tagen sind wir erfolgreich, ein Mietauto aufzutreiben. Diesmal ist es ein fast neues Auto von einer renommierten Rental Car Firma (Cubacar), die nur 500 Meter von der Marina eine Station hat. Der Preis mit 55 Dollar pro Tag ist nur unmerklich höher als der vom 31-jährigen Fiat Tipo (die Klapperkiste) in Santiago. Wir sind happy und nehmen eine Rundfahrt ganz in den Westen von Kuba und nach Havanna unter die Räder.
Der Westen ist bekannt für seine TabakfelderÜberall grosse, imposante Scheunen, die zur Lagerung/Trocknung der Tabakblätter dienenArbeiter im TabakfeldLagerhaus und TabakfeldAuch diesmal entscheiden wir uns, jeweils in «Casa Particulares» (= Bed & Breakfast, das aufgestellte blaue «H» ist der Hinweis dazu und gilt in ganz Kuba) zu übernachten. Vor allem in Gegenden, die normalerweise von Touristen besucht werden, sind diese gut markiert. Wir folgen diesem Schild …… und stehen kurz danach vor dieser wunderschönen 😉 Villa – leider schon besetzt von einem CowboyNein, ganz ehrlich: auf unserer bisherigen Reise durch Kuba treffen wir ausschliesslich gut gepflegte, saubere Casa Particulares an. Und dort, wo es die Vermieter schaffen, innerhalb weniger Stunden Material für ein Gästefrühstück zu beschaffen, werden wir auch gut und reichlich verpflegt wie hier …… in einer wundervollen Dschungellandschaft direkt vor unserem Frühstückstisch im Casa Maida in Las TerrazasKleine Wanderung zu den Bädern im San Juan River, Las Terrazas …… und auf den Berg «Mogote de Soroa» mit wunderschönem RundumblickWeiterfahrt ins spektakuläre Valle de Viñales, das normalerweise von Besuchern aus aller Welt durchströmt wird. Hier erheben sich aus flacher, roter Erde gigantische, von Grün überzogene Reste Jahrmillionen alter Kalksteinblöcke: die berühmten «Mogotes»Es ist auch eine Reise 100 Jahre in die VergangenheitStiere oder Ochsen sieht man viel häufiger als TraktorenDie Zeit ist stehen geblieben – und irgendwie scheint es viel mehr dieser wertvollen Zeit zu gebenWer es doch etwas schneller mag, der hat auch schon mal ein etwas moderneres GefährtHavanna darf bei einem Besuch von Kuba nicht fehlen. Das Kapitol
Auch die 3 Millionen Einwohner grosse Hauptstadt von Kuba leidet stark unter dem US-Embargo und den Covid Restriktionen. Auch hier gibt es zurzeit praktisch keine Touristen und leider sind alle Museen (es gibt einige besonders berühmte und schöne – wir hatten diverse Besuche eingeplant) sowie sämtliche Musiklokale geschlossen. Wo sonst überall Musik durch die Strassen hallt, hört man nun das Gurren der Tauben oder das Plätschern der Parkbrunnen. Der Verkehr existiert fast nicht – wir sehen während unserer ganzen Reise keinen einzigen Stau. In den Gassen herrscht ein vielfältiges Kleinunternehmertum, das eigentlich gar nicht so zu einem sozialistischen Staat passt und aufzeigt, was alles möglich ist. Havanna ist im Wandel. Früher einst die wichtigste Handelsmetropole des ganzen Amerikanischen Kontinentes, wo die Eroberer ihre Beute sammelten und auf Schiffe nach Europa verluden, und wo später Al Capone und Konsorten während der Prohibition in der USA ihren Alkohol beschafften, sie ist nach langer revolutionsbedingter Pause und auch wegen der seit dieser Zeit auferlegten Embargos und Handelseinschränkungen regelrecht verkommen. Doch Havanna drängt auf die Weltbühne zurück. Den Rahmen dazu schuf der Stadthistoriker Eusebio Leal mit seiner gross angelegten Restaurierung der Altstadt, die immer noch in vollem Gang ist. Die Hauptattraktion von Havanna ist das von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärte historische «Havanna Vieja». Wir lassen die Bilder sprechen!
Prunkvolle Bauten (hier das Gran Teatro de La Habana)Schön restaurierte KirchenTeatro und Capitol by nightEs gibt aber auch viele Gebäude wie dieses, die noch nicht renoviert sindAuch dieses Haus braucht dringend Renovation (Balkone!)Es wird viel gearbeitet. Gerade jetzt in dieser schwierigen Zeit sorgt der Staat dafür, dass die Leute Beschäftigung habenEs bleibt noch viel zu tun. Oftmals stehen von alten Bauten nur noch die FassadenPflästerung der FussgängerzonenDas Unternehmertum gedeiht erfolgreich in Havanna. Hier eine kleine BierbrauereiWegen Covid gibt es das Bier in der Brauerei nur im Offenausschank zum Mitnehmen. Das Behältnis muss man selber bringen. Haben wir leider nicht. Enttäusch wollen wir uns wieder verabschieden, da zaubert der Barkeeper eine leere Wasserflasche hervor und Köbi kriegt doch noch sein kühles Bier vom Fass😊😊Auf der Rückfahrt von Havanna nach Cienfuegos machen wir einen Umweg über die Schweinebucht, eine Bucht, die in ein Sumpfgebiet mündet. Hier versuchten durch die USA und Exilkubaner angeheuerte Söldner 1961 eine Landung mit ihren Schiffen, um Fidel Castro wieder vom Tron zu stossen. Die Geschichte lehrt uns, dass dieses Unterfangen kläglich scheiterteIn diesen Sümpfen leben noch die letzten kubanischen Krokodile. Dieses hier haben wir nicht selber gefunden, sondern unterwegs in einer Krokodilfarm fotografiert 😉Zum Schluss unserer Rundreise eine Fahrt nach Trinidad, der drittältesten Stadt (1514) von Kuba. Anfang des 19. Jahrhunderts, während des Zucker Booms reich geworden, stoppte die Entwicklung der Stadt nach der Abschaffung der Sklaverei abrupt. Heute gilt sie als wunderschönes Freilichtmuseum und zählt zu einen der wichtigsten Touristenattraktionen KubasKopfsteinpflaster, hohe Holztüren und «Flüstergitter», niedrige Ziegeldächer und barocke Kirchentürme versetzen einem weit zurück in die KolonialzeitDie Vergangenheit wird in Trinidad wiederentdeckt. Alte Singer Nähmaschinen werden als Bistrotische umgenutzt. Zu unserer Freude sind hier die Restaurants und Bars offen, da in dieser Provinz fast keine Covid-Fälle bekannt sindBar-Szene mit Badewanne als Chill-Gelegenheit und alte Fernseher als ClubtischeMomente in Trinidad
Seit Samstag sind wir nun wieder zurück auf der Lupina, haben unser Visum um einen Monat verlängert und warten jetzt auf günstigen Wind, der uns nach Cayo Largo schiebt. Wir werden die fast 80 Seemeilen gemäss aktueller Windprognosen voraussichtlich am Dienstag Abend in Angriff nehmen und werden, wenn alles gut geht, am Mittwoch Vormittag in Cayo Largo ankommen. Dort werden wir wahrscheinlich Anett und Peter von der SY Annameera treffen, die wir aus Bonaire kennen.
Und nun noch ein paar Besonderheiten, die uns bisher in Kuba aufgefallen sind:
Die Kubaner scheinen Anstehen vor Geschäften, Banken und der Post zu lieben. Aber anders als in England stehen sie nicht schön in Schlange, sondern total ungeordnet. Sie haben ihr eigenes System: trifft man auf so eine Menschenansammlung, schreit man einfach laut «Ultimo?». Dann beobachte man genau die Menschmenge. Irgend jemand wird die Hand haben. Man merke sich diese Person, denn das ist die letzte Person in der Schlange. Die Pflicht des «Ultimo» lastet nun auf den eigenen Schultern, bis wieder jemand kommt und ruft «Ultimo?». Das ist ein schöner Moment, denn nun darf man die eigene Hand heben und ist die Pflicht des «Ultimo» los. Jetzt kann man ruhig wieder aus der Schar austreten und irgendwo im Schatten warten, bis man dann meist nach langem Warten endlich an der Reihe ist.
Die hilfsbereite und herzliche Gastfreundschaft der Kubaner macht Fremde zu Freunden
Gastgeber in Havanna
Sauberkeit: wir haben noch nie ein Land gesehen, in dem so viel geputzt, geschrubbt, gewischt, gehegt und gepflegt wird, nicht mal in der Schweiz
Der Mann reinigt den Strassenrand und entsorgt Gras getrennt von anderem Abfall
Fenster: die meisten Gebäude haben Fenster ohne Glasscheiben
Die Museen sind jetzt wegen Covid geschlossen, aber die Türen sind offen und es ist Personal anwesend, um einem zu sagen: «es ist geschlossen!» 😊
Bauhandwerk: die Leute müssen oft mit einfachsten und primitivsten Mitteln arbeiten. Aber was sie abliefern ist von hoher Qualität. Die Kubaner sind sehr gut gebildete und sehr begnadete Handwerker
Nirgendwo in der Karibik haben wir gesehen, dass Strom und Wasserleitung fein säuberlich unter dem Verputz verlegt werden. In Kuba ist das Standard
Der Kubaner wirft nichts weg, das irgendwie noch gebraucht werden kann. Er repariert sich durch das Leben!
Dieses Auto ist noch im Einsatz, der Besitzer ist aber gerade daran, ein neues Armaturenbrett zu basteln, weil das Alte von der Sonne durchgeschmort wurdeWo anders als in Kuba werden noch Schirme repariert? Auf dem Tuch zu Füssen des Schirmflickers liegen tausende von Ersatzteilen
Der Kubaner ist erfinderisch
Kinderschaukel aus alten Fässern
Obst, Gemüse und Früchte zu kaufen ist fast ein Ding der Unmöglichkeit. Warum das so ist, weiss eigentlich niemand, denn das Land wäre durchaus sehr fruchtbar
Gemüse und Obst werden meist in Markthallen angeboten, das Angebot ist aber sehr limitiert und man muss stundenlang anstehen. Das Bild zeigt die Markthalle am Morgen vor der ÖffnungUnd es gibt sie auch (leider aber noch selten)! Ein Bauer bringt sein Gemüse direkt zum Kunden
In Kuba trifft High Tech auf Vergangenheit
Telefonie aus den 60er Jahren und von heute treffen aufeinander
Wir kennen Pferdegespanne und Kutschen noch aus unserer Kindheit. In unserer Erinnerung sehen wir die ganz alten Bauern, wie sie damit umgingen und erwarten deshalb alte Leute, wenn wir Pferdefuhrwerke sehen. Kuba überrascht uns mit sehr vielen jungen Leuten, die mit den Pferden ihrem Tageswerk nachgehen
Nirgends ist die Mobilität so schön und spannend wie in Kuba
Doch! Es funktioniert noch – einfach bloss als LaufradKeine Ahnung, was das mal war – aber jetzt dient es als Taxi in HavannaEine spannende Taxifahrt: nicht etwa bloss ein Plattfuss, nein, hier wird die Aufhängung wieder fixiert. Kuba live!!Und dann überall noch anzutreffen: die schönen, eleganten Schlitten aus den 50er Jahren oder davor
Wir versuchen ein Video des ersten Teiles unserer Reise durch Kuba aufzuschalten. Wenn es klappt, dann ist es unter dem Menü „Videos“ zu sehen.
Morgen Abend segeln wir nun also los nach Cayo Largo. Wie gefällt es uns dort und welche Besonderheiten treffen wir da an? Es bleibt spannend – folge der Lupina im Kielwasser!!
Letzte Idylle bevor wir uns von Santiago verabschieden
Üblicherweise segeln wir Langfahrtensegler von einem sehenswerten Ort zum anderen, um von da aus Landausflüge zu machen. Unser nächstes Ziel, Cienfuegos, rund 315 sm, ca. 2,5 Tage auf See. Dieses Mal entschliessen wir uns für einen gemütlichen Feriensegeltörn, so wie wir das im Mittelmeer ein paar Mal gemacht haben. Kurze Tagestörns, jeden Abend in einer neuen, einsamen Bucht ankern. Das bedeutet aber 11 Tage unterwegs sein ohne einen Landgang und weit weg von jeder Zivilisation! Wir wollen dieses Abenteuer eingehen und nehmen euch gerne mit auf unsere Reise.
Tag 1: Santiago bis Chivirico (33 sm): Das Ausklarieren in Santiago verläuft professionell, speditiv und sehr freundlich. Zu unserem Erstaunen müssen wir bei der Guarda Frontera unterschreiben, dass wir in den Jardines de la Reina (Gärten der Königin) nicht ankern werden. Die Jardines de la Reina ist ein grosses Insellabyrinth, an dem wir auf dem Weg von Santiago nach Cienfuegos vorbeisegeln, und wo wir unsere Zwischenstopps eingeplant haben. Jetzt müssen wir es halt anders machen, wir werden sehen. Einer der drei Hafenmeister gibt uns zum Abschied zwei Grapefruits aus seinem Garten mit auf die Reise und bedankt sich für unseren Besuch. Das hinterlässt bei uns einen weiteren schönen Eindruck dieser Marina und seiner Mitarbeiter.
Die Fahrt nach Chivirico verläuft teils mit Motor, teils unter Segeln. Bei der Einfahrt in die kleine Ankerbucht vergräbt sich unser Kiel im Schlick und die Schraube wirbelt den braunen Schlamm auf. Zu wenig tief für uns. Wir manövrieren Lupina wieder frei und ankern rund 800 Meter vor der Einfahrt nur knapp geschützt hinter einem Riff. Kaum geankert sehen wir am Ufer zwei uniformierte Personen mit einem Auto. Eine Stunde später kommt ein Fischerboot mit einem Beamten der Guarda Frontera vorbei. Wir sollen hier nicht ankern, sie möchten uns in der Ankerbucht haben. Wir erklären, dass wir dort auf Grund gelaufen sind. Der Fischer lacht und bedeutet uns, dass die Fahrrinne viel näher am Ufer ist. Auf unserer Navigationskarte ist es anders angegeben. Er zeigt uns den Weg, indem er ganz langsam vor uns fährt. Und tatsächlich, wir schaffen es ganz knapp in die teichartige, rundum geschützte Bucht. Die Guarda Frontera ist happy – und wir erleben eine der ruhigsten Nächte in dieser kleinen, idyllischen Bucht. Anders als von anderen Seglern geschrieben bettelt uns niemand um irgendetwas an. Einzig der Fischer kommt nochmals vorbei und fragt um Feuer für seine Zigarette. Er strahlt freudig überrascht, als wir ihm das Feuerzeug überlassen.
Bucht von Chivirico: Wie ein kleiner Teich, rundum geschützt vor Wind und WelleChivirico: Kurz vor dem Eindunkeln versuchen Fischer noch ihr Glück, dann sind wir alleine
Tag 2: Chivirico bis Marea Del Portillo (48 sm): Gut ausgeruht verlassen wir kurz nach Sonnenaufgang unseren Ententeich und fahren anfänglich unter Motor, gegen Mittag dann mit Segeln weiter westwärts.
Unterwegs unterhält uns eine grosse Delfinfamilie mit ihrem lustigen SpielDie Einfahrt in die Bucht ist diesmal breiter und tiefer. Auch diese Bucht ist auf alle Seiten gut geschützt. Hier fänden viele Schiffe Platz, aber wir sind die EinzigenKurz vor dem Eindunkeln rudert (sie besitzen keine Motorboote!) die Guarda Frontera zu uns, fragt nach Schiffs- und Reisedetails und erkundigt sich nach unserem gesundheitlichen Befinden, danach sind wir wieder mutterseelenalleineWas wohl die Gäste in diesem All-Inclusive Hotel von Kuba sehen werden? Diese kleine Halbinsel (wunderschön gelegen) ist für ein oder zwei Wochen ihr kurzes Reich
Tag 3: Marea del Portillo bis Cabo Cruz (36 sm): Ab jetzt betreten wir Neuland, so weit westlich waren wir mit unserem Segelschiff noch nie! Wegen Mangel an Wind müssen wir fast die ganze Strecke motoren. Aber wir werden mit einem sehr aussergewöhnlichen Ankerplatz belohnt: wir ankern auf der windzugewandten Seite im offenen Meer. Eigentlich ein Ankerplatz, den man nie nehmen würde. Hier ist aber ein Riff vorgelagert, das die Wellen aufhält. Die sich daran brechenden Wellen tosen uns rauschen bedrohlich, bei uns aber ist das Wasser ruhig und flach. Der Anker hält im Grund so gut, dass auch ein kleinerer Sturm problemlos ausgestanden werden könnte. Da es im Moment sowieso kein Wind gibt, können wir das glasklare Wasser bei 28 Grad noch besser geniessen. Die nächsten zwei Tage ist ebenfalls wenig Wind angesagt sind, daher beschliessen wir, hier zwei Tag abzuwarten.
Leuchtturm und Dorf Cabo CruzKaum haben wir geankert, kommt ein Fischer mit dem Beamten der lokalen Hafenbehörde zu uns (die lange Streckte wird auch hier gerudert). Gefragt nach unseren Absichten erklären wir, dass wir gerne zwei Tage hier ankern würden, um auf den Wind zu warten. Höflich aber bestimmt erklärt er uns, dass dies nicht gehe, und dass wir morgen wieder weg sein müssen. Warum? Es gebe am Nachmittag eine Übung, und da seien wir im Weg. Aha! Aus sicherer Distanz und mit Mundschutz geschützt weist er uns an, nicht an Land zu gehen und keinen Kontakt zu den Fischern aufzunehmen (Covid!). Irgendwie haben wir das Gefühl, dass die Leute Angst haben vor uns
Tag 4: Cabo Cruz bis Cayo Media Luna (47 sm): Von nun an geht es in nordwestliche Richtung. Eigentlich war unsere Absicht, zwei Tage in Cabo Cruz zu warten, bis der stabile Nordostwind einsetzt. Da wir nicht bleiben dürfen, ändern wir unseren Plan. Wir beschliessen, mitten durch das Labyrinth des Archipelagos zu fahren, welches Kuba in dieser Zone vorgelagert ist. Das verspricht Adrenalin – denn diese Gegend ist gespickt mit Untiefen und gefährlichen Riffen. Im Morgengrauen heben wir den Anker und nehmen die erste Strecke vorerst mal unter Motor in Angriff.
Hier unsere abgeänderte Reiseroute. Anstatt aussen entlang der Jardines de La Reina wollen wir nun neu innen vor dem Festland durchsegelnDas Meer ist spiegelglatt und verschmilzt fast mit dem Himmel. Wir kommen gut voran und haben Zeit, die Angelrute zu benutzen. Leider beisst nur ein mittelgrosser Barracuda an, denn wir aber wieder in die Freiheit entlassen (wir sind nicht sicher, ob es hier auch Ciguatera gibt, ein Algengift, das sich über die Nahrungskette in den Raubfischen anreichert und für Menschen sehr gefährlich sein kann)Gegen Mittag setzt dann doch ein leises Lüftchen ein, und Köbi kommt endlich dazu, seine Trimmfähigkeiten zu beweisenFischer kurz vor unserem Tagesziel. Es sind die letzten Menschen, denen wir in den nächsten Tagen begegnen werden
Tag 5: Arbeitstag auf Cayo Media Luna: Wir geniessen die fantastische Einsamkeit. Der uns umgebende Mangrovenwald schluckt jeden Lärm auf, den die Brandung erzeugen würde. Es ist so still hier draussen in der Wildnis – keine Geräusche, kein Wasserplätschern, kein Windrauschen, einfach nichts. Einmalig für uns! Auch die beiden Nächte. Unglaublich! Nur die Sterne und wir. Kein einziges andere störende Licht oder Geräusch weit und breit. Wir verbringen den Tag vor Anker mit gut Ausschlafen. Frühstücken, und dann Arbeiten.
Pia versucht sich an den gelben Flecken, die wir uns in Santiago eingehandelt haben. Die diversen Putzmittel, die wir an Bord haben, helfen nichts. Einzig das Mittel (mit Oxalsäure), welches uns die Marina für 6 Dollar verkauft hat, wirkt sehr gutAuf einer der Motorfahrten ist der Motorraumlüfter ausgestiegen. Dieser ist tief in der Staukiste im Cockpit verbaut. Köbi wagt sich an diese ArbeitNachdem noch die Unterkante des Grosssegels repariert (von Hand genäht) und das Unterschiff wieder einmal von Muscheln und anderem Bewuchs gereinigt sind, ist es schon wieder Zeit für einen Sundowner. Erschöpft aber frisch geduscht geniessen wir die wunderbaren Gemälde, die der Himmel für uns zeichnet
Tag 6: Cayo Media Luna bis Cayo Rancho Viejo (26 sm): Beim Heben des Ankers umkreisen plötzlich zwei grosse Delfine unser Schiff und geleiten uns aus der Ankerbucht. Kaum sind wir im offenen Wasser, sind sie auch schon wieder weg. Der Wind ist endlich da und passt perfekt für uns. Es gibt einen Tag mit herrlichem Segeln wie auf einem See. Die Fahrt durch das Labyrinth von kleinen Inselchen mit unzähligen Untiefen und Riffen, alles unter Segeln, erfordert aber unsere volle Aufmerksamkeit
Tag 7: Cayo Rancho Viejo bis Cayo Cuervo (50 sm): Kurzer Adrenalin Kick am Morgen: beim Anker Heben verklemmt sich die Kette in der Rolle, der Anker ist aber bereits lose und schleift über den Meeresgrund. Wir driften langsam über die als Riff markierte Zone, haben aber Glück, dass sich der hängende Anker nicht in den Korallen verfängt. Schlussendlich kriegen wir die Kette wieder frei und den Anker ohne weitere Probleme hoch. Danach erleben wir wieder einen wunderschönen Segeltag.
Auch heute versucht sich Köbi beim Fischen. Diesmal ist ihm der Petri gut gesinnt und es gibt zum Abendessen eine leckere Spanische Makrele
Tag 8: Cayo Cuervo bis Cayo Zaza de Fuera (45 sm): Auch heute brechen wir früh auf. Anfänglich ist die Fahrt bei 18-22kn Wind schräg von vorne aufs Schiff recht ruppig. Nach Kurswechsel etwas abfallend in Richtung Westen wird es aber deutlich gemütlicher, vor allem, als auch der Wind dann etwas nachlässt.
Wie alle Inseln ist auch Cayo Zaza de Fuera von Mangroven überdecktAm Ziel erwarten uns verschiedene Fischerboote. Eines kommt uns näher, bietet uns einen lebendigen Lobster an. Wollen wir nicht, wir haben keine geeignete Pfanne. Also Pescado (Fisch)? OK, wir bieten 5 Dollar an. Geld wollen sie nicht, das können sie offenbar nicht einfach unter sich aufteilen. Sie wollen Rum, den haben wir aber nicht (wir haben es bisher nicht geschafft, diesen in Kuba zu kaufen! Die Läden waren immer leer oder es gab unendlich lange Warteschlangen). Somit kein Deal ☹
Tag 9: Cayo Zaza de Fuera bis Punta Chocolate (bei Casilda, 29 sm): Gut ausgeschlafen und mit Frühstück im Bauch machen wir uns auf den Weg zur zweitletzten Etappe, die uns in die Nähe von Casilda führt. Die Distanz ist kurz und wir können auch etwas schwachen Wind ausharren. Wir setzen nur die Genua. Sehr angenehm, da das Schiff so viel weniger Krängung (=Schieflage) hat. Um die Mittagszeit lässt der Wind dann etwas nach, so dass auch das Grosssegel zum Einsatz kommt. Unterwegs fischen wir. Drei Mal zupft es an der Angelschnur. Das erste Mal kann sich der Fisch wieder befreien, ohne dass wir ihn je zu sehen bekommen. Die beiden anderen Male sind es jeweils zwei kleinere Barracudas, die wir aber wieder frei lassen (Ciguatera). Wir ankern ein letztes Mal in einer weiteren wunderschönen, sicheren Ankerbucht
Tag 10: Punta Chocolate bis Cienfuegos (45 sm): Die Windvorhersage verspricht auf Dreiviertel der Strecke guten Wind, der dann erst gegen Ende der Strecke einschläft. Da müssen wir dann sowieso motoren, weil die Einfahrt in die Bucht von Cienfuegos eng und im Zick-Zack verläuft.
Schon nach drei Stunden bricht der Wind vorzeitig ein, dreht sogar nach nord-nordwest, also genau auf unsere Nase. Zum Glück bleibt er aber schwach. Wir sind zwar enttäuscht, wollten wir doch segeln, werden aber mit einer wunderschönen Küstenkulisse und flachem Meer entschädigt und die Motorfahrt geht schnell vorbei. Zu schnell wahrscheinlich, denn es beisst auf diesem Streckenteil kein Fisch in unsere Beute, die wir mit einer Schleppangel hinter uns herziehenDer markante Leuchtturm vor der Einfahrt in die Bucht von CienfuegosDie Einfahrt nach Cienfuegos ist eng und verläuft im Zick-Zack. Wir hören ein lautes Hornsignal, und nach ein paar Sekunden kommt dieser Tanker um die Ecke. Wir halten uns an den Kanalrand und lassen das grosse Schiff gemächlich an uns vorbei gleiten
Kurz nach drei Uhr mittags laufen wir in Cienfuegos ein. Unsere Anrufe per VHF Funk bleiben zwar unbeantwortet, aber als wir den Stegen der Marina Marlin näher kommen, steht der Marinero schon bereit für uns und hilft uns beim Festmachen. Bien venidos in Cienfuegos!
Wir sind glücklich, den Umweg durch das Insellabyrinth gewählt zu haben. Die Jardines de la Reina haben wir zwischen dem Festland und der Inselgruppe umlaufen. Kurzzeitig waren wir versucht, uns nicht an das Ankerverbot zu halten, haben uns schlussendlich aber doch richtig entschieden. Als wir nämlich in Cienfuegos einklarieren, stellt uns der Beamte ein Papier aus, das als letzten Hafen «Casilda» angibt, unseren letzten Ankerplatz also. Wir merken, wir sind überwacht!
Der weite Weg, mit den vielen Zwischenstopps, hat sich definitiv gelohnt. Es war sehr schön, einfach wieder mal ein anderes Segeln!!
Nun sind wir in Cienfuegos gelandet. Wir wollen von hier aus auf dem Landweg den mittleren Bereich sowie Havanna und dann den Westen von Kuba erkunden. Ob das trotz der Verschlimmerung der Covid-Situation möglich ist? Wir wissen es noch nicht. Es bleibt spannend – bleib der Lupina im Kielwasser.
Die ersten beiden Tage nach der Quarantäne verbringen wir damit, uns zu organisieren. Wir fragen das Nachbarschiff (SY Sissi mit den beiden Deutschen Brüdern Jörg und Jens) nach Tipps und in der Marina bestellen wir ein Mietauto. Bei der Bestellung bleibt es jedoch, denn alle Vermietungsfirmen, die sie anrufen, haben nichts oder beantworten das Telefon schon gar nicht. Später werden wir erfahren, dass es tatsächlich unmöglich ist, bei einer Car Rental Firma ein Auto zu reservieren. Jetzt zum Jahreswechsel sind viele Ex-Kubaner auf Heimaturlaub, und viele Autos sind zurzeit vermietet. Wir stehen vor der Entscheidung, gleich weiter in Richtung Cienfuegos, das rund 320 Seemeilen westlich von Santiago de Cuba liegt, zu fahren oder auf eigene Faust etwas zu organisieren. Wir entscheiden uns für das Bleiben und suchen alternative Lösungen.
Lupina in der ruhig gelegenen Marina Marlin von Santiago de CubaSchon nach einigen Tagen stellen wir gelbliche Flecken auf der weissen Farbe (Gel Coating) unseres Schiffes fest. Hier der Verursacher! Eine nahegelegene Erdölraffinerie stösst schwefelhaltigen Russ aus seinen Kaminen. Das sich über Nacht absetzende Tauwasser löst diesen Russ auf und hinterlässt dann nach dem Abtrocknen die hässlichen gelben Flecken. Diese lassen sich angeblich nur mit einem speziellen Reinigungsmittel (Oxalsäure) entfernenIn den ersten Tagen fahren wir jeweils um die Mittagszeit mit der Fähre in rund 30 Minuten ins Zentrum von Santiago de Cuba. Im Bild: Haltestelle der Fähre direkt neben der MarinaFähre nach SantiagoAbends um 18 Uhr fährt die letzte Fähre von Santiago zurück. Schöne Abendstimmung am Pier (hinten raucht unser Flecken-Macher!)Transportmittel in Santiago: wunderschöne, meist sehr gut gepflegte Amischlitten, Rikschas …Pferdekutschen (ja, die sehen wir hier viel häufiger als Auto-Taxis)… und die Kubanische Version vom Postauto (Omnibus). Neuere Fahrzeuge sieht man praktisch keineUnser Ausgangspunkt der Stadtbesuche: der Céspedes Platz mit der Kathedrale …… und dem Rathaus von SantiagoCéspedes Platz by night mit der Kathedrale (rechts), dem Hotel «Casa Grande» (Mitte) und dem Museum «Emilio Bacardi» (links)Wir treffen in Santiago auf wunderschön restaurierte Kolonialbauten (hier das Hotel Imperial, nahe beim Céspedes Platz)Und sehen auch, wie die Fassaden renoviert werden. Ein einfachstes Holzgerüst muss es richten. Wir werden in den nächsten Tagen noch oft erleben, wie die Improvisations-Energie der Kubaner fast jedes Problem zu lösen vermagImmer interessant: die Menschen! Wir erleben sehr freundliche, gut gebildete und interessierte Menschen, die das Leben unter freiem Himmel geniessen. Leider sind die Covid Fallzahlen nach den Festtagen wieder deutlich am Steigen (nachdem sie vorher sehr tief waren), und so erleben wir nicht die ausgelassene Fröhlichkeit und die spontanen Strassenkonzerte, wie sie sonst üblich sind – schade!Strassenszene in SantiagoDie gut situierten Kubaner tragen gerne ausgefallene Kleider, Schmuck und gut polierte Lederschuhe …… während die weniger bemittelten Leute sich mit einem sehr einfachen Lebensstil begnügen müssen. Nicht selten findet man gleich neben schön herausgeputzten Kolonialbauten auch einfache Holzbauten, die oft nur einen einzigen Raum habenSehr oft anzutreffen: spielende Leute auf den Plätzen und in den StrassenEs gibt sogar spezielle Hallen zum SchachspielenDas Personal der Marina Marlin ist sehr freundlich und hilfsbereit. Wir übertreiben nicht, wenn wir schreiben, es ist die freundlichste Marina, in der wir je festgemacht haben. Norbert (im Bild mit Köbi) kam in der Neujahrsnacht 5 Minuten nach Mitternacht zu unserem Schiff und wünschte uns persönlich ein gutes Neues Jahr. Er spricht fliessend Englisch und Russisch und interessiert sich sehr für die Länder, aus denen wir Segler kommen. Überhaupt fällt uns auf, dass die Kubaner eine sehr gute Allgemeinbildung haben, im Gegensatz zu den bisher besuchten LändernWir lieben den Kontakt zur lokalen Bevölkerung. Deshalb entscheiden wir uns auch, bei der Rundreise durch den Ostteil von Kuba jeweils privat zu übernachten. Was andernorts Bed & Breakfast heisst, nennt sich hier «Casa Particular» und ist mit diesem blauen Zeichen markiert. Es gibt das Gleiche in roter Farbe, aber diese Häuser dürfen nur von Kubanern besucht werden. Der Unterschied ist die Steuerabgabe an den Staat, welche die Vermieter machen müssen, und somit wohl auch der Mietpreis. Die Preise liegen für uns im Bereich von 15-30 Dollar pro Zimmer und NachtUnsere Casa Particular Gastgeber in Guardalavaca (an der Nordostküste von Kuba). Die Frau arbeitete vor ihrer Pensionierung als Köchin in einem nahegelegenen All-Inclusive Hotel, der Ehemann war Professor an einer Universität. Er ist jetzt zuständig für die Hausreinigung und den Kaffee für die Gäste! Apropos, Sauberkeit: die Casas Particulares, die wir auf unserer Rundreise benützen sind immer sauber und sehr gepflegt. Überhaupt sind die Kubaner ein sehr gepflegtes Volk. Sauberkeit wird hier grossgeschrieben.
Zu unserem Erstaunen gibt es im Casa Particular in Guardalavaca nur Kaffee zum Frühstück. Die Frau entschuldigt sich unzählige Male und erklärt, dass es ihr nicht möglich war, über Nacht etwas Essbares für uns aufzutreiben. In den nächsten Tagen werden wir erfahren, wie schwierig und frustrierend es für die Kubanische Bevölkerung im Moment ist, an Lebensmittel zu gelangen. Frisches Brot bekommt man in den Panaderias (Bäckerei). Davor stehen schon lange vor der Öffnungszeit lange Menschenschlangen. Mit viel Glück hat es noch etwas auf dem Verkaufstisch, wenn man dann endlich vorne steht. Bei Lebensmittelläden stehen ebenfalls grosse Menschenmengen an und drücken sich die Nase an den Fenstern platt. Warum? Sie versuchen, zu erkennen, was heute auf den Regalen steht, und ob sich das Anstehen lohnt. Frisches Obst oder Gemüse?? Um das zu kaufen braucht es sehr viel lokales Wissen und Tipps von Hausfrauen, die wissen, wo es so etwas allenfalls zu erhaschen gibt. Eine Kombination von Boykotten der USA, wegen Covid stillgelegten Fabriken und vom Staat zum Export (der Staat braucht Devisen) reservierten Früchten und Gemüsen hat dazu geführt, dass das tägliche Leben in Kuba aktuell sehr schwierig ist. Wir entscheiden, die Lebensmittel an Bord zu verwenden, und das, was kaufbar ist, den Kubanern zu überlassen.
Überall müssen die Leute oft mehrere Stunden anstehen, wie hier bei einer Bank und links im Bild vor einer Bäckerei Grosser, modern eingerichtete Lebensmittelladen in Baracoa (Nordosten von Kuba). Es gibt rund etwa 10 verschiedene Artikel zu kaufen. Hier das Angebot an Erbsen. Mehr gibt es nicht!Blick in eine Apotheke. Die Regale sind erschrecken leer. Die Einfuhr von Medikamenten leidet sehr stark unter dem Boykott der USA. Kuba hat super gut ausgebildete Mediziner (die medizinische Universität in Havanna ist weltberühmt!), aber sie kommen nicht an die MedikamenteAuch das Angebot in Restaurants und Bars ist oft sehr stark limitiert. Eine Bar hat fast immer Rum, aber die Zutaten für eine Drink Mischung fehlen meistens. Mit viel Glück gibt es BierAber es gibt sie auch, die kleinen Juwelen. In einem Wohnquartier in Guardalavaca finden wir das kleine, schnucklige Restaurant «La Isabella», direkt am Baseball-Trainingsplatz der Dorfjugend. Es zeigt uns deutlich: mit etwas Unternehmergeist ist auch in diesen schwierigen Zeiten vieles möglich in KubaPer 1. Januar gab es in Kuba eine Währungsreform. Bis dahin gab es zwei Währungen in Kuba: für die Touristen galt der CUC, der 1:1 zum US-Dollar gehandelt wurde. Für die Einheimischen galt der CUP, der Kubanische Peso. Ab jetzt gibt es nur noch den CUP. Natürlich ist fast überall der CUC noch angeschrieben, so dass man immer zuerst in CUP umrechnen muss (Multiplikation mit 25). Für uns ist das weniger ein Problem, wir kennen ja nur den CUP. Aber für die Verkäuferinnen und Verkäufer jedes Mal wieder eine Herausforderung. Für uns wird es dann schwierig, wenn die Leute lieber Euro oder Dollar hätten, und wir dann richtig umrechnen müssen 😊
Hier noch ein kleiner Einschub bezüglich Geldes. Wir haben uns vor der Reise nach Kuba mit etwas Euro und Dollar eingedeckt, so dass wir die ersten Ausgaben damit machen können. Daneben haben wir Kreditkarten (AMEX, Visa und Master) sowie Maestro Bankkarten. Schon vor der Reise konnten wir nachlesen, dass AMEX und Maestro Karten nicht akzeptiert werden. Kein Problem, dachten wir, wir haben ja noch zwei andere. Die ersten Versuche, mit Visa oder Masters auf den Kubanischen Bankomaten Geld abzuheben, scheitern jedoch. Zwei Tage später erhält Köbi ein SMS von der Kreditkartenfirma, er solle doch bitte zurückrufen. Das Telefon aus Kuba (Swisscom) kostet uns 30 CHF und ergibt, dass Kreditkarten, die über die Crédit-Suisse (wie unsere) oder andere grössere Schweizer Banken laufen, von Kuba gesperrt sind. Es habe etwas mit den Vereinbarungen der Schweizer Banken mit der USA zu tun, wurde uns mitgeteilt. Da stehen wir nun, mit nur wenig Bargeld an Bord, und wollen Kuba bereisen. Zum Glück gibt es die fantastische Seglergemeinschaft! Die Besatzung unseres Nachbarschiffes (SY Sissi) ist ohne grosse Diskussion bereit, uns mit 1000 Dollar Bargeld aus der Patsche zu helfen, die wir dann wieder per Bankübertragung zurückzahlen.
Zurück zu unserem Problem: Mietauto! Diesen hätten wir sehr gerne gefahren …… schlussendlich wird es aber ein Fiat Tipo, Baujahr 1990. Bei den Anzeigegeräten hat nur die Temperatur funktioniert, sonst nichts. Im Kofferraum fehlen die Gummidichtung, und so lernen wir auf staubigen Strassen bald, dass der Staub seinen Weg ungehindert und frei seinen Weg ins Wageninnere findet. Den starken Dieselmotor hören wir neben dem lauten Geklapper von Radaufhängungen und Kofferraumdeckel praktisch nicht. Aber: wir haben einen fahrbaren Untersatz, und das zählt!!
Wie sind wir zum Mietauto gekommen? Wir sind persönlich selber zu mehreren Mietfirmen gegangen. Überall Absagen. Wir fragen einen Mitarbeiter der letzten Mietfirma, ob er uns sein eigenes Auto vermieten würde. Geht nicht, das ist kaputt. Aber hat einen Freund und der hat über einen anderen Freund und noch einen Freund unser Mietauto vermittelt. Der Preis? Eine Sünde!! 50 Dollar pro Tag für diesen, mit Verlaub gesagt, Blechhaufen, ist definitiv zu viel. Aber wir wollen unsere Rundreise machen, und so willigen wir halt ein.
Bei der Entgegennahme des Mietautos merken wir, dass das Ersatzrad keine Luft hat. Köbi verlangt, dass es vorher geflickt wird. Kein Problem. Der Autovermieter fährt mit uns gleich zur «Gomeria» (Pneu Reparatur Werkstätte), wo es auch umgehend fachmännisch geflickt wirdAuf der Fahrt in den Norden (Baracoa) sehen wir uns um 50 bis 100 Jahre zurückversetzt. Pferde sind Transportmittel Nummer eins, und für schwere Zuglasten sieht man noch überall OchsengespanneAuf der Strasse gibt es immer wieder Identitäts- und Covid Kontrollen. Pässe werden kontrolliert und in eine Liste eingetragen, an manchen Stellen wie hier werden sogar die Räder des Autos desinfiziert (weisser Spraybehälter hinter dem sitzenden Beamten)Fidel Castro ist noch omnipräsent und die Leute verehren ihn überall. In dieser Kirche in Banes heiratete er 1948 standesgemäss die Tochter des damaligen Bürgermeisters. Der ebenfalls aus Banes stammende Diktator Batista gratulierte dem Paar damals mit einem Geschenk. Im 1955, nach Castros Wandlung zum schärfsten Kritiker Batistas, wurde die Ehe wieder geschiedenUnsere Rundreise lässt uns viel erfahren über die Geschichte Kubas in den 50er Jahren, als der Diktator Batista, USA-gesteuerter Marionettenpräsident, von Fidel Castro durch eine Revolution gestürzt wurde. Mit dem Schiff «Granma» ist Fidel Castro mit insgesamt 82 bewaffneten Kämpfern der kubanischen «Bewegung des 26. Juli» (darunter der berühmte «Che» Guevara) still und heimlich aus seinem Exil in Mexico nach Kuba zurückgekommen und hat sich im sehr gebirgigen Osten eine Militärbasis errichtet. Mit der Landung der Granma begann die kubanische RevolutionDie Kubaner sind sehr pflichtbewusst und, ausser beim Anstehen, sehr diszipliniert. Es ist daher kein Wunder, dass die Maskentragpflicht sehr konsequent befolgt wird.
Etwas anderes ist auf diesem und den vielen anderen Bildern auch sehr offensichtlich: es gibt kein saubereres Land als Kuba! Nicht der kleinste Abfall am Strassenrand!
Auch die Kleinsten tragen willig ihre MaskenFahrt auf der wunderschönen «Carretera Granma». Die Strasse ist über die ersten 90 Kilometer in Richtung Santiago in einem schlechten Zustand und über lange Distanzen nicht geteert, aber man wird mit einer fantastischen Aussicht belohnt. Kurz nach diesem Bild ist übrigens das Kupplungsseil gerissen. Köbi kann aber die Fahrt bis zur nächsten grösseren Ortschaft rund 70 Kilometer weit fortsetzen und dort mit Draht das Problem provisorisch beheben lassenKöbi beim Nachtanken. Da die Tankuhr nicht funktioniert, sind wir froh um unseren eigenen DieselkanisterZurück in Santiago besuchen wir einige Ausflugsziele in der näheren Umgebung. Die Festung «El Morro» an der Einfahrt zur Bucht nach SantiagoDie Wallfahrts-Kirche «Basilika del Cobre»Basilika del Cobre. Kaum drinnen hat uns diese Kirche ganz in den Bann gezogen. Überwältigt und stark beeindruckt von den Farben, Licht und der leisen im Hintergrund spielender Musik. Wir sind fasziniert wie noch nie von einer KircheUnser letzter Ausflug führt uns auf den mit 1’226 Metern über Meer gelegenen «Pico Gran Piedra». Eigentlich wollten wir auf den höchsten Berg von Kuba, den 1’974 Meter hohen «Pico Torquino», aber als wir am Ausgangspunkt der Wanderung erfuhren, dass der Wanderweg wegen Unterhaltsarbeiten geschlossen ist, mussten wir umdisponierenDie letzten Höhenmeter auf den «Pico Gran Piedra» werden spektakulär über eine steile Treppe erklommen. Leider ist uns die Rundumsicht ganz oben durch dichten Nebel versperrtUnd es gibt sie doch, die Früchteverkäufer! Ganz unerwartet auf der Rückfahrt vom «Pico Gran Piedra» fahren wir an einem kleinen Bergbauernhaus vorbei. Und er macht das, was wir eigentlich überall in Kuba erwarten würden: er verkauft die Früchte, die ihm die freie Natur schenkt
Heute Montag, 11. Januar 2020, ist unser letzter Tag in der Marina Marlin von Santiago de Cuba. Morgen früh holen wir uns die Segelbewilligung für die Weiterfahrt nach Cienfuegos. Wir werden auf der 320 Semmeilen langen Strecke immer wieder mal einen Ankerstopp einlegen und rechnen mit rund 8 bis 10 Tagen, bis wir am Ziel eintreffen. Da wir in der Zwischenzeit keine Internet Verbindung haben werden, melden wir uns für die nächsten Tage hier mal ab.
Falls unsere Position per GPS-Signal nicht übertragen wird, dann sind nicht genügend Satelliten über uns freigeschaltet für Kuba (die USA lässt grüssen ☹). Aber wir werden euch dann von Cienfuegos aus berichten, was gelaufen ist
Es bleibt spannend! Bleib der Lupina im Kielwasser!
Am 28. Dezember früh um 8 Uhr heben wir den Anker in der schönen Bucht von Bahia de las Aguilas (Dominikanische Republik) und drehen unseren Bug in Richtung Westen. Leider weht bis gegen Mittag nur ein laues, unstetiges Lüftchen, das uns kaum voranbringt. Da muss das eiserne Segel raus: Kari, unser 75 PS starke Volvo-Penta schiebt uns stetig mit rund 6 Knoten südlich der Küste von Haiti entlang nach Westen. Gerne würden wir näher am Land segeln und etwas Sightseeing machen, aber gemäss Windvorhersage ist weiter draussen der Wind stärker. Also bleiben wir rund 20 Seemeilen von Haiti weg und werden bald mit herrlich achterlichem Wind belohnt. Lupina macht unter vollen Segeln gute Fahrt.
Rund 20 Seemeilen südlich der Küste von Haiti entlang westwärts. Flaches Meer, Wind schräg von hinten – wunderbares Segeln, so dürfte es immer sein!Köbis 1. Fisch! Eine Goldmakrele (Dorade oder Mahi-Mahi). Bisher haben wir nie selber gefischt aus Mitleid mit den Fischen. Aber eine Kombination aus perfekten Verhältnissen, Lust auf etwas Feines im Teller und Neugier lässt Köbi spontan die Angelrute packen. Es dauert auch nicht lange, bis dieser schöne Fisch Lust verspürt, zu uns auf die Lupina zu kommen. Pia hat aus ihm ein wunderbares Nachtessen gezaubert
Gegen Abend schläft der Wind wieder ein und wir halten mit Hilfe von Kari direkten Kurs auf das Südwestkap von Haiti. Gemäss Windvorhersage dreht der Wind in der Nacht und soll vor allem in Küstennähe von Nordost kommen. Und genau so ist es. Auch diesmal wieder herrlicher Wind von schräg hinten, der uns mit 6-7 Knoten Fahrt um das Süd Kap von Haiti bläst. Im Morgengrauen des 2. Segeltages umrunden wir das Kap und können nun direkten Kurs aufnehmen nach Santiago de Kuba.
Kurz bevor wir die Küste von Haiti verlassen, schiessen vor uns mehrere Fischer mit ihren Holzbooten kreuz und quer durch das Fahrwasser. Der Wind hat mittlerweile kräftig aufgefrischt, aber das scheint die Männer, die mit dem Meer aufgewachsen sind, nicht gross zu beeindrucken. Seelenruhig setzen sie ihre Köder aus und sammeln sie wieder ein, während ihre motorlosen Boote pfeilschnell durch das Wasser preschenSo langsam kommen wir von der Küste Haitis weg und der Wind nimmt zu. 24 Knoten sind angesagt aus Ostnordost. Nicht gerade wenig, aber auch nichts Beunruhigendes. Pia jedenfalls freut sich hier noch. Normalerweise hätten wir auf bessere Windverhältnisse gewartet, aber Kuba hat vor ein paar Tagen angekündet, dass ab dem 1. Januar bei der Einreise ein Covid Test vorgelegt werden muss. Bis dahin wird nur ein Covid Test bei der Ankunft gemacht. Ab Neujahr ist Beides erforderlich. Deshalb wollen wir vor dem 1. Januar in Kuba anzukommenAber dann wird der Wind deutlich stärker als angesagt. Die nächsten 9 Stunden bis um Mitternacht heulen uns rund 30 Knoten (50-60 km/h) aus 60 Grad auf das SchiffDie Wellen türmen sich schon kurz nach Haiti auf etwa 4 Meter auf, angesagt waren gerade mal 2 MeterDie ersten 100 Semmeilen nach Haiti werden sehr nass und eine Ausdauerprobe für Boot, Material und MenschAb Mitternacht lassen Wind und Wellen langsam aber stetig nach, und das Segeln der restlichen 50 Seemeilen nach Kuba wird wieder gemütlicher. Nach Sonnenaufgang passieren wir die Landesgrenzen von Kuba. Pia setzt wie üblich die Hoheitsflagge des Gastlandes und die Quarantäneflagge. Geschafft!!
Über Funk auf Kanal 16 versuchen wir mehrmals die Hafenbehörde, die Küstenwache oder den Zoll aufzurufen, um uns anzumelden. Vergeblich, eine Antwort kommt keine zurück. Dann versuchen wir nach einiger Zeit die Marina Marlin von Santiago direkt auf Kanal 72. Das klappt auf Anhieb und wir erhalten auch umgehend die wichtigen Instruktionen sowie die Erlaubnis, in die Marine zu kommen und am Pier, der uns zugewiesen wird, fest zu machen. Kaum ist die letzte Leine belegt beginnt das Einklarierungsprozedere:
Als erstes kommt eine Ärztin an Bord und macht einen ersten groben Gesundheitscheck. Alles wird fein säuberlich dokumentiert, und wir erhalten eine Kopie des ProtokollsDarauf kommen der Reihe nach der Mann, der einen Covid Test an uns vornimmt (Mann rechts im Bild) und dann der Zoll (links). Alles sehr speditiv und professionell, finden wir. Wir haben vorgängig Crewlisten und Zollpapiere ausgefüllt, die will der Zollbeamte aber nicht sehen. Er füllt die Dokumente selber anhand unserer Pässe und den Schiffspapieren direkt am Computer in seinem Büro aus. Auch unsere Bescheinigung der Krankenkasse, die wir vorgängig extra für Kuba besorgt haben, will hier niemand sehen
Wir sind positiv beeindruckt über die gut funktionierenden Behörden und ihre Korrektheit. Nach rund 2 Stunden um die Mittagszeit ist alles schon erledigt und wir werden angewiesen, das Schiff nicht zu verlassen, bis unsere Testergebnisse vorliegen. Zwei bis drei Tage werden uns angegeben. Für uns bedeutet es, dass wir Silvester und Neujahr isoliert in Quarantäne auf unserem Schiff verbringen müssen. Das wussten wir schon vor der Reise nach Kuba und so ist das für uns kein Problem. Das gibt uns viel Zeit, die Tage nach der Quarantäne zu planen und vor allem, unsere Wunden von der Überfahrt zu lecken.
Wunde 1: Nach rund zwei Stunden im Starkwind ist bei unserer Fock (Starkwindsegel), die wir statt der grossen Genua gesetzt hatten, die untere Festhalteschlaufe gerissen. Verschleiss von früher oder einfach das Alter. Nicht so schlimm, können wir von einem guten Segelmacher reparieren lassenWunde 2: Kurz nachdem sich die Fock verabschiedet hat wurde auch das Bimini zerfetzt. Unser Fehler! Wir hätten es vorher zusammenfalten sollen. Haben wir aus Nachlässigkeit nicht gemacht, weil wir in den letzten Monaten immer damit gesegelt sind, ohne Probleme. Aber jetzt, stundenlang bei 30 Knoten von vorne, das war zu viel. Da wartet Arbeit auf Pia’s neue Nähmaschine!!Wunde 3: Nach der Ankunft haben wir gesehen, dass es den Halter der Winsch-Kurbel, der an den Mast genietet ist, abgerissen hat. Die Kurbel liegt nun irgendwo auf Meeresgrund. Nicht allzu schlimm, werden wir bei Gelegenheit ersetzenAlso, es gibt einiges zu tun in unserer Quarantäne. Und wer sagt, wir seien froh über dieses Zwangspause, der liegt so falsch nicht 😉. Pia setzt sich gleich hinter die Nähmaschine, näht neue Moskitonetze …… und flickt das zerfetzte Bimini …… während Köbi sich mehr um die Sachen an Deck kümmert. Hier ist er gerade daran, das Material aus den beiden Backs-Kisten zu entsalzen. Normalerweise bleibt es trocken, aber diesmal fand das Meerwasser auch hier seinen Zugang
Ihr seht, die Überfahrt nach Kuba war anfänglich wunderschön, wurde aber dann für rund 24 Stunden zum Härtetest für Mensch und Material. Beide haben den Test einigermassen gut überstanden. Die Lupina hat nun ein paar Tage Ruhepause in der Marina verdient, und wir werden nach der Quarantäne (die gestern, 3. Januar 2021, zu Ende gegangen ist) ein paar Tage mit einem Mietauto den östlichen Teil von Kuba erkunden.
Es bleibt spannend – bleib der Lupina im Kielwasser
Wir waren ja im Januar/Februar 2020 schon einmal in der Dominikanischen Republik (DomRep), damals aber im Südosten des Landes. Nun sind wir ganz im Westen, im Bereich, der an Haiti grenzt. Von Bonaire kommend ist es wie ein kleiner Kulturschock und wir müssen uns zuerst wieder an den Schmutz und Dreck, der uns hier überall begegnet, gewöhnen. Schon bei der Einfahrt in die Ankerbucht schwimmen uns mehr Plastiktaschen und anderer Abfall entgegen, als wir bisher je gesehen haben. Unser Schiff ist nach einer Woche unten total bewachsen und stinkt wie ein faulender Fisch. Nur einmal springt Köbi ins Wasser, nämlich dann, als ihm das Dinghi entgleitet und er es wieder zur Lupina bringen muss. Tüchtig eingeseift riecht er nachher aber wieder fein 😊
Auch an Land sieht man sich in der Entwicklung zurückversetzt. Es gibt hier in Barahona noch viele einfache Holzhäuser, meist mit nur einem oder maximum 2 Räumen. Autos in unterschiedlichen Reparaturzuständen trifft man überall am Strassenrand anTierschutz? Dafür hat hier niemand Verständnis – oder schon gar kein Geld dafürEinkaufen im lokalen Supermarkt. Ein Erlebnis – gelinde gesagt. Schon vor der Ladenöffnung um 8 Uhr morgens stehen rund 200 Leute vor dem Tor, einigermassen diszipliniert in Schlange. Als Corona Schutzmassnahme wird die Temperatur gemessen, Desinfektionsspray gibt es nicht. Drinnen enge Gänge, die schon bald überfüllt sind von Leuten, die wieder an der Kasse anstehen. Wir haben es nie geschafft, in weniger als 45 Minuten einzukaufenEine positive Überraschung dann beim Nachfüllen unserer Gasflasche, die wir in Puerto Rico gekauft haben. Sie hat einen amerikanischen Anschluss, derselbe, den auch unser Mietauto hat. An einer Gas-Tankstelle werden schnell und günstig Gasflaschen aller Formate befüllt – auch unsere. In Bonaire haben wir noch 56 USD bezahlt, hier weniger als 10 USDWir machen diverse Ausflüge. Hier sind wir mit unseren Seglerfreunden der SY Anixi, Nora und Hacko, beim Spazierenfahren mit unseren Dinghis …… erkunden die Halbinsel vor unserer Ankerbucht …… den Mangrovenwald hinter unserer Bucht …… und fahren mit dem Mietauto der Küste entlang in den Süden …… zur Laguna de Oviedo. Wir machen einen Bootsausflug zu den darin gelagerten Inseln mit spezieller Flora und Fauna. Hier besteigen wir gerade unser AusflugsbootDas Wasser ist in der ganzen Lagune sehr trüb, ist aber eigentlich sauber. Die Trübung kommt von Lebewesen (hauptsächlich Algen) die in Wasser von sehr hohem Salzgehalt vorkommenDie Lagune ist sehr flach, vom Meer nur durch eine schmale Landzunge geteilt, hat aber keinen Durchfluss. Der Salzgehalt des Wassers ist 3x höher als im MeerEs ist ein Vogelparadies! Nebst Flamingos (Bild) gibt es dutzende anderer exotischer Wasservögel. Da der Führer nur Spanisch kann, verstehen wir bei vielen seiner Erklärungen auch nur Spanisch (obwohl wir mittlerweile schon recht gut sind im täglichen Gebrauch)Grün in den diversesten AusprägungenWir machen auf einer der vielen Inseln in der Laguna de Oviedo einen kurzen Stopp – hinten: Nora und Hacko, SY AnixiEin der seltenen hier vorkommenden Nashorn-Leguane. Er verdankt seinem Namen einer hornartigen Verknöcherung auf seiner Nase. Er kommt nur auf Hispaniola (Haiti und DomRep) und auf der Puerto-Ricanischen Insel Mona vorGrünes Lagunenwasser, Korallensteine und MangrovenwaldDer Ausflug hat Pia und Hacko Durst gemacht 😉Pia und die berühmte Palme von «Los Patos»Anderer Tag – anderer Ausflug. Diesmal zum 270 km2 grossen Lago Enriquillo, der im Landesinneren zur Grenze nach Haiti liegtSpeziell daran: ähnlich wie das Tal des Todes in Nevada(USA) liegt dieser See tiefer als das Meer. Mit 40m unter Meeresspiegel ist er der tiefste Punkt der Karibik. Vor über 10 Millionen Jahren war das ganze Tal noch vom Meer überflutet. Anhebungen der ganzen Hispaniola Platte hat das Tal aus dem Meer gehoben und den See, der langsam austrocknet, zurückgelassen. Auch dieser See hat einen Salzgehalt, der drei Mal grösser ist als im MeerJimani, Grenzstadt zu Haiti. Hier findet ein reger Handel zwischen den beiden Ländern statt. Die bunten Lastwagen kommen aus HaitiIm Dorf «La Descubierta» ganz im Norden des Lago Enriquillo. Aus den nördlich gelegenen Bergen fliesst während der Regenzeit viel Wasser in den See. Einige wenige Flüsse führen das ganze Jahr über Wasser und werden zur Bewässerung von Landwirtschaftsfeldern genutzt. Bevor es aber über Kanalsysteme in die Felder verschwindet, darf sich hier die Dorfjugend noch daran freuenWir übernachten in einem kleinen, aber feinen Hotel (La Iguana) im Dorf «La Descubierta». Mutter (vermutlich die Inhaberin), Grossmutter und Kinder stimmen lachend einem Foto mit Pia zuWir machen eine Bootsfahrt auf dem Lago EnriquilloExtreme Regenfälle in den Jahren 2006/2007 liessen den Pegel des Sees um mehrere Meter ansteigen. Da der See keinen Abfluss hat, blieb der Pegel auf dem hohen Niveau. Das Wasser erkämpfte sich so einen Teil des über Jahrhunderte an das Land verlorenen Gebietes zurück. In den letzten 14 Jahren ist nun der Pegel langsam wieder um rund vier Meter gesunken. Die Klumpen an den abgestorbenen Bäumen sind versteinerte SalzrückständeDer langsam weiter austrocknende See gibt immer mehr Land wieder preis. Die wegen der Überschwemmung 2006/2007 abgestorbenen Bäume ragen wie skurrile Skelette in den HimmelEine Besonderheit: hier gibt es die einzigen noch in der DomRep vorkommenden Krokodile. Es leben rund 18 Tiere pro Quadratkilometer in diesem Salzsee, die höchste bekannte Dichte an Krokodilen! Das Paradoxe leider: obwohl sie nun geschützt sind, werden sie wohl in den nächsten Jahrzehnten aussterben, weil ihre Lebensgrundlage, der See, immer mehr und mehr austrocknetBootsfahrt zur Isla Cabritos im Lago EnriquilloDer «Ricord» Leguan, eine sehr scheue Leguan Art, die nur noch auf dieser Insel vorkommt. Sie zeichnet sich aus durch einen glatten Kopf und, je nach Lichteinfall, rot schimmernden Augen (leider auf dem Bild nicht ersichtlich)Ah ja, da gabs ja auch noch Weihnachten 😉 Hier die St. Nikolausinnen und Nikolause von links: Marco (Peruanischer Skipper auf einem grossen US Katamaran), Nora und Hacko (SY Anixi), Pia und Köbi (SY Lupina)Weihnachtsessen am 24. Dezember 2020 auf der LupinaUnd dann endlich geht’s wieder aufs Meer hinaus! Am 26. Dezember segeln wir morgens um 8 Uhr, nach einer vorgängigen Schiffsinspektion durch die «Securidad» und einem Soldaten der Armada, aus dem Hafen von Barahona, los zur rund 53 Seemeilen ganz im Süden der DomRep gelegenen Isla Beata. Dort geniessen wir endlich wieder mal einen beherzten Sprung ins glasklare Wasser an einem gut geschützten AnkerplatzUnser hoffentlich letzter Kontakt mit der Armada: auf der Fahrt von der Isla Beata zur Bahia de las Aguilas, unserem letzten Anker Stopp in der DomRep, kommt uns ein Schiff dieser Grenzschutzbehörde in voller Fahrt entgegen. Sie wollen unser «Despacho», eine Art Passierschein, sehen. Zum Glück haben wir den auch tatsächlich besorgt (er kostet nämlich etwas und es gibt Segler, die das Land ohne dieses Papier verlassen). Was uns etwas das Adrenalin ins Blut gejagt hat: sie kommen wie Piraten, also ohne Schiffsidentifikation im AIS und ohne VHF Funk, auf uns zu geschossen. Sie rammen beinahe unsere neu installierten Solarpaneelen. Schlussendlich geht aber alles gut und die Armada Crew winkt uns ein freundliches «bon viaje!» (gute Reise) zu
Wir liegen jetzt am wunderschönen Strand Bahia de las Aguilas vor Anker. Es ist unser letzter Stopp in der DomRep. Morgen früh nehmen wir die rund 300 Seemeilen nach Santiago de Cuba unter den Kiel. Wenn alles gut läuft und das Internet stark genug ist, dann geht dieser Bericht noch vor unserer zwei-tägigen Reise raus. Sonst halt erst in Kuba bei funktionierendem Internet 😉
Was alles auf der Fahrt und später in Kuba geschieht erfahrt ihr im nächsten Bericht. Es bleibt spannend – bleib der Lupina im Kielwasser
Die Lupina Crew wünscht euch allen einen guten Rutsch ins Neue Jahr, viel Glück, gute Gesundheit und immer eine Handvoll Freude im Leben
Unsere Faulenzer-Zeit in Bonaire ist am 14.12.2020 zu Ende. Mit einem weinenden, aber auch einem erwartungsfreudigen Auge verlassen wir Bonaire in Richtung NordenUm 16 Uhr lokale Zeit starten wir den Motor und lösen unsere Leinen von der Boje. Zuerst nur unter Grossegel fahren wir langsam dem ganzen Mooring Feld entlang und verabschieden uns winkend und mit lautstarker Unterstützung unseres Nebelhornes von unseren vielen Seglerfreunden. Vielen Dank an Allan von der SY Meerla für das Bild von unsRalph (SY Lille Venn) verabschiedet uns von seinem Surfboard aus …… während Konny und Martin vom Pier bei Karel’s uns energisch zuwinken
Tschüss alle ihr Lieben, die wir in Bonaire kennen lernen durften. Nun freuen wir uns auf Neues! Beim Mooring Feld vorbei setzen wir auch das Vorsegel (Genua) und nehmen unter windgefüllten Segeln Kurs auf Richtung Nordwestküste von Bonaire. Eine gute Stunde herrliches Segeln, da das Wasser flach ist wie auf einem See und der Wind schräg von hinten kommt und somit das Schiff fast keine Krängung hat. An der Westküste angelangt können wir unseren Kurs auf das Fernziel ausrichten. Nun kommt der Wind aus 40-50 Grad auf das Schiff, also schräg von vorne. Zuerst sind wir noch in der Windabdeckung von Bonaire, der Wind daher noch schwach und unstabil. Träge und gemächlich schiebt sich die Lupina langsam aber stetig an der Küste vorbei immer mehr ins offene Meer hinaus. Die Wellen nehmen auf gut zwei Meter zu und auch der Wind pendelt sich zwischen 15-20 Knoten ein. Lupina nimmt Fahrt auf und läuft jetzt zwischen 6.5 bis 7.5 Knoten durchs Wasser. Gerade noch rechtzeitig bevor die Nacht einbricht kreuzt eine dicke Regenwolke unseren Kurs und wäscht den reichlich vorhandenen Bonaire-Staub von unserem Schiff. Mit inzwischen stark gerefften Segeln zieht Lupina unter Pia’s Aufsicht stampfend und mit unbändigem Vorwärtsdrang in die erste Nacht hinein.
Der Wind bleibt die nächsten zwei Tage ziemlich konstant. Von unserer Wetterzentrale in Deutschland (vielen Dank, Hans!) erhalten wir laufend über unser Satellit-Funkgerät Updates und die Bestätigung, dass wir unseren direkten Kurs halten können. Zuerst hilft uns die Meeresströmung noch und steigert unsere Geschwindigkeit über fast die Hälfte der Distanz mit rund einem Knoten. Erst als wir uns der Dom Rep nähern, lässt diese nach und dreht etwas mehr gegen Westen. Die Wellen werden auf etwa der Hälfte der Distanz krabbelig und oft orientierungslos. Kein Problem für Lupina, die zieht unter Autopilot Steuerung eine schnurgerade Linie durchs Wasser. Aber Pia’s Körper reagiert trotz Stugeron für ein paar Stunden mit starken Kopfschmerzen und flauem Magen. Aber nach einem tiefen, gesundheitsbringenden Schlaf geht es ihr bald wieder besser und sie kann ihren Pflichten weiter ungehindert nachkommen.
Wir wechseln uns in der Nacht bei der Wache ab. Pia fährt die erste Schicht von Sonnenuntergang bis Mitternacht, Köbi ab Mitternacht bis Sonnenaufgang. Tagsüber wechseln wir uns ohne speziellen Plan spontan ab. So kommen wir beide zu genügend Schlaf und zeigen keine ErmüdungsproblemeWir haben unsere Abfahrt so geplant, dass wir bei Tageslicht unser Ziel erreichen. Das klappt perfekt und wir überqueren morgens um 5 Uhr die Hoheitsgrenzen der Dom Rep. Um 7 Uhr sind wir dann kurz vor Barahona in flachem Wasser, und Pia kann die Hoheitsflagge der Dom Rep sowie die gelbe Quarantäne Flagge setzen. Der Wind hat inzwischen nachgelassen und wir legen die letzten sieben Seemeilen unter Motor zurück. Das gibt uns auch die Gelegenheit, vor der Ankunft noch eine erfrischende, warme Dusche zu geniessenUnser persönliches Empfangskomitee: Nora und Hacko vom Segelschiff Anixi. Sie Beide sind seit Anfang Dezember hier und geleiten uns zum AnkerplatzUnser neuer Liegeplatz für die nächsten Tage – Aussicht beim AnkunftskaffeeWir hatten eine wunderbare, zügige Überfahrt ohne irgendwelche Probleme mit dem Schiff. Hier die wichtigsten Eckdaten unserer Reise: zurückgelegte Strecke 414.9 Seemeilen (nm = nautical miles) mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 6.3 Knoten. Ah ja – auch ganz wichtig: unterwegs durften wir unsere ersten 10’000 Seemeilen (18’000 km) auf eigenem Kiel (also mit unserer Lupina) feiern – ein schönes Gefühl 😊Wir sind noch beim Anlegerkaffee, da tuckert ein vollbeladenes Dinghi daher. Es ist Nora, die am Ufer die Einklarierungsbehörden abgeholt hat. Ein eigenes Boot haben sie nicht. Man müsste also mit dem Schiff direkt an die raue Hafenmauer (mit möglichen Kratzern und anderen Schäden am Schiff) oder von sicherem Ankergrund aus sie mit dem eigenen Dingi abholen. Nora hat uns freundlicherweise den Transport abgenommenDer Vertreter der Armada auf unserem Schiff. Respektvoll verzichten wir darauf, ihn aufzufordern, seine schweren Militärstiefel auszuziehen 😉Die Einklarierungsbehörden bei uns am Tisch (von links): der Vertreter der Immigration (Ivan), der Soldat der Armada (Grenzschutz), und der Mann vom Zoll und Drogenfahndung. Wir hatten schon in Bonaire ein Formular heruntergeladen, auf dem man seinen Gesundheitszustand festhalten musste. Dieses Formular haben wir kurz vor der Ankunft ausgefüllt. Das schaut sich der Mann der Immigration kurz an. Dann reicht er uns pro Person je ein kleines Immigrationsformular, das wir ausfüllen müssen. Das ist alles an Formularen. Der Zollbeamte macht dann einen kurzen Rundgang durch das Schiff, macht Fotos von belanglosem Zeugs und ist dann schnell zufrieden. Nach einem kurzen Getränk ist die ganze Einklarierung in weniger als einer halben Stunde zu Ende. Etwas Spezielles wegen Covid? Nichts! Wenn die Herren keine Maske tragen würden, könnte man meinen, es sei alles normal. Welche Bedingungen an Land herrschen, müssen wir später selber an Land oder von Nora und Hacko erfragenAuch wichtig: ein Erinnerungsbild, um das uns der Immigrationsbeamte bittet. An anderen Orten wäre das undenkbar, da würde schon böse geschaut, wenn ein Beamte eine Kamera sieht
Der ganze Einklarierungsprozess läuft also speditiv, unbürokratisch und sehr entspannt ab. All die Geschichten über korrupte Beamte und Forderungen, die angeblich gestellt werden, haben wir weder letzte Saison noch diesmal erlebt. Die Getränke haben wir aus eigenem Antrieb offeriert, aber erst nachdem der Formalismus vorbei war. Der Soldat lehnte sogar ein alkoholisches Getränk ab und bevorzugte stattdessen einen Orangensaft.
Die Überraschung kommt dann aber am Nachmittag. Beim Gang an Land machen wir unser Dinghi beim Hafen der Armada an. Als wir wieder aufs Schiff wollen winkt uns ein Soldat zu sich und teilt uns mit, dass wir keine ordentlichen Dokumente hätten. Es folgt ein langes Gespräch mit mehreren Offiziellen und uns – alles auf Spanisch, das wir so irgendwie hinkriegen. Und was ist das Problem? Beim Ausklarieren in Bonaire hatten wir noch die Absicht, direkt nach Kuba zu segeln. So steht es auf dem Ausklarierungsdokument drauf. Unsere Planänderung haben wir erst kurz vor dem Auslaufen gemacht. Nach einer tüchtigen Standpauke des lokalen Chefs der Armada und einem reuigen Blick in unseren Augen, lächelt er uns zu und signalisiert, dass nun alles OK sei 😊
Unser erster Besucher an Bord nach der EinklarierungSchon am frühen Nachmittag werden wir im Club Nautico in fröhlicher Runde willkommen geheissen. Der Mann ganz hinten am Tisch ist Peruaner und seit März in Barahona blockiert. Er ist zusammen mit einem anderen Skipper von einem 84 jährigen Amerikaner auf seinem Katamaran als Crew angeheuert. Bei Ausbruch von Corona ist der Amerikaner in die USA geflogen. Ob er jemals wieder zurückkommt, weiss niemand. Nun sitzen die Peruaner hier fest, weit weg von ihren Familien. Schicksale, die einem aufwühlen. Wir merken, reden tut diesen Leuten gut – und Köbi hört gerne zu. Wunderschöne Momente!Lupina in Barahona
Wir werden Weihnachten hier in Barahona verbringen und ab dann ein Wetterfenster suchen, das uns gut nach Kuba bringt.
Ob wir es diesmal schaffen, in der wunderschönen Bucht, Bahia de Aguila, ganz im Westen der Dom Rep einen Zwischenstopp einzulegen? Es bleibt spannend – bleib der Lupina im Kielwasser
Lange ist es her, seit wir uns zum letzten Mal gemeldet haben. In der Zwischenzeit ist eigentlich wenig passiert und auch bei den Seglern, die hier auf Bonaire an den Bojen liegen, ist wenig Bewegung zu spüren. Erst seit Ende November, wo die Hurrikan Zeit offiziell zu Ende ist, und daher die Versicherungen die Schiffe wieder versichern, kommt Bewegung auf. Einige Boote segeln nun in Richtung des östlichen Karibik Bogens (St. Martin, Antigua, Martinique, etc.), oder weiter westwärts nach Panama. Umgekehrt kommen nun einige Schiffe zurück aus Aruba oder Curaçao. Sie waren dort die letzten Wochen oder gar Monate meist an Land sicher aufbewahrt, sind nun wieder im Wasser und wollen zurück in die Antillen. Für uns in Bonaire heisst das, dass einerseits zwar etwas Bewegung ins Bojenfeld gekommen ist, andererseits aber immer noch alles voll belegt ist. Zum Glück gibt es nur ganz wenige Covid Fälle auf Bonaire, und so ist das Leben an Land eigentlich ganz normal mit praktisch keinen Einschränkungen für die Bewohner. Was macht man in so einer «langweiligen» Situation? Man geniesst Freunde, die Natur und das Leben!!
Fast jede Woche fahren wir mit unserem Mietauto, das wir uns mit ein paar anderen Schiffen teilen, zur Hang-Out Bar am Sorobon Beach und chillen, was das Zeugs hältDie Drinks sind einfach herrlichWarum wohl stecken da die Flamingos ihren Kopf ins Wasser? …Hier die Antwort! Seit Wochen schüttet es immer wieder riesige Wassermengen vom Himmel. Der El Nino Effekt sorgt für alle rund vier Jahre dafür, dass es zu grösseren Niederschlägen auf Bonaire kommt. Hatten wir letztes Jahr noch den Eindruck, die Insel sei sehr dürr und trocken, lernen wir jetzt, dass es auch anders sein kann. Nicht selten regnet es mehrere Stunden pro Tag. Unsere neuen Sonnenpaneelen kriegen da leider nur wenig ArbeitDas soeben neu renovierte Trockendock der Werft steht mehrere Tage komplett unter WasserAuch die Strassen sind immer wieder grossflächig überflutetSahen wir vor Jahresfrist die Kakteen noch auf ödem, trockenen Grund stehen, sind sie heute von vielen grünen Pflanzen umgebenSogar die Tiere passen sich dem frischen, leuchtenden Grün der Pflanzen anDie Kakteen werden von anderen grünen Pflanzen bedrängt wo sie noch vor einem Jahr völlig unbedrängt ihr Dasein fristetenAb und zu machen wir kleine Wanderungen. Pia unter einem Schatten spendenden Divi-Divi Baum nahe beim Aussichtspunkt «Seru Largu»Im Gegensatz zu letztem Jahr, wo wir praktisch die einzigen Deutsch sprechenden Segler auf Bonaire waren, sind es jetzt mehrere Boote. Es liegt auf der Hand, dass es einmal ein BBQ Nachmittag auf Klein Bonaire mit dieser Sprachgemeinschaft gibtImprovisierter Grill am «No Name Beach» in Klein BonaireImmer wieder geniessen wir Besucher auf unserem Boot. Manchmal erlaubt Pia ihnen sogar, unsere Küche benutzen zu dürfen 😉 Nora vom Schiff Anixi bereitet uns hier gerade ein sehr feines Fischgericht zuDann haben wir das Vergnügen, an mehreren Geburtstagsfeiern teilnehmen zu dürfen. Einmal ist es Wendy, vom Segelschiff Mischief (= Lausbub) …… ein anderes Mal Sylvester (SY Tween), …… und dann Barbara (SY Lille Venn) die uns an ihrem Wiegenfest teilhaben lassenEines der bekanntesten Lokale hier, Karel’s, hat viel zu viel Corona Bier eingekauft. Einerseits bleiben die Kreuzfahrtschiffe mit den vielen Touristen weg, andererseits animiert der Name im Moment nicht gerade zum Genuss dieses Getränkes. Köbi macht ein paar Hilfeaufrufe im regelmässig stattfindenden Cruisers Net und kauft selbst ein paar Kisten davon. Nach kurzer Zeit ist der Wirt Dank den Seglern sein Problem los und seither ein guter Freund von KöbiWer schon mal in Bonaire war und gerne Eis mag, der kennt Gio’s. Und wer uns kennt weiss, dass Gio’s sehr schnell zu einem unserer Lieblingslokale wurdeThanksgiving ist für die Amerikaner ein besonderes Fest. Da werden alle guten Freunde und Bekannte zu einem ausgiebigen Essen eingeladen. Hier dürfen wir auf dem Schiff «Diva» diesen Anlass geniessen. Alles beginnt mit einem lockeren Aperitif …… gefolgt von einem reichhaltigen Essen, dessen Hauptteil Truthahn ist. Da dieser aber auf der Insel nicht zu bekommen war, dürfen wir grillierte Steaks geniessen. Die vielen Zutaten (Bild) werden meist von den Besuchern gebrachtJenn, die Gastgeberin auf der SY Diva
Wer nun meint, wir sind dauernd am Essen und Party machen, liegt nicht sooo falsch, aber es gibt auch immer wieder Arbeit, die meist unerwartet auftaucht und zu erledigen ist. Bei einer routinemässigen Kontrolle des ganzen Riggs stellen wir fest, dass eine der Unterwanten gebrochene Drähte aufweist. Wir haben das ganze Rigg vor etwas mehr als zwei Jahren erneuert und so etwas dürfte eigentlich noch nicht auftreten.
Das Bild zeigt klar die gerissenen Drähte. Die Wante muss ersetzt werden. Aber woher kriegen wir diese? Zum Glück gibt es einen Jungunternehmer auf Bonaire, der soeben neu als Rigger begonnen hat. Innerhalb weniger als zwei Wochen ist die Wante in den USA bestell und bereits erfolgreich ersetztEinmal stellt Köbi fest, dass die Träger unseres Davids (Halter für das Dinghi) gerissene Schweissnähte haben. Bei einem lokalen Spezialisten für Schweissen von rostfreiem Stahl finden wir HilfeFür die Wiedermontage der Halterungen sind wir auf die Unterstützung eines Seglerfreundes angewiesen, da Köbi’s Rücken solche Verwindungen noch nicht zulässt. Hacko von der SY Anixi muss sich tief in unsere Backskiste winden, um die Schrauben montieren zu könnenTauchen beansprucht einen grossen Teil von Köbi’s Freizeit. Hier macht er sich mit seinen Tauchfreunden auf zu einem TauchgangTauchen – Schweben unter WasserDie verrücktesten Dinge machen bekanntlich am meisten Spass, das ist hier offensichtlich: Surfboard-Skiing mit einem Dinghi. Ralph von der SY Lille Venn macht im Hintergrund eine echt gute FigurSankt Nikolaus auf Bonaire. Schon gut ein Monat vor dem Termin kommt der weissbärtige Mann mit einem grossen Auto-Konvoy daher. Seine Mission ist einfach: Party, Lärm und viele Drinks. Was da wohl die Kinder lernen sollen?Unser nächstes Ziel wird Kuba sein. Da trifft es sich gut, dass unsere Freunde von Bonaire, Konny und Martin, schon mal auf dieser Insel in den Ferien waren und uns an einem gemütlichen Sonntag Nachmittag Land und Leute anhand ihrer Fotos etwas näher bringen könnenFeines Nachtessen auf der SY Lille Venn. Barbara und Ralph aus Möhlin liegen mit ihrem Katamaran direkt vor dem Dinghi Steg. Strategisch optimal gelegen für uns. Es sind sehr interessante und kurzweilige Gastgeber …… und auch ihre Küche mundet uns perfekt! 😉Auch auf der SY Meerla sind wir mehrmals zu Gast. Nelly und Allan (hinten am Tisch) sind mit ihrem Allure Aluminium Schiff in Bonaire auf ihrer Weltreise eingebremst worden. Bald aber geht’s auch bei ihnen weiter. Am 6. Dezember laden sie uns und die Crew von der SY Lille Venn (Barbara + Ralph, links am Tisch) zu einem Samichlaus-Brunch ein. Mit vollgeschlagenen Bäuchen verweilen wir uns dann mit Brändi-Dog, eine Art «Eile mit Weile», aber viel spannender und strategischer. Zu unserem Erstaunen gab es trotz hitzigem Schlagabtausch auf dem Spielbrett keine blutigen Nasen und wir mögen uns immer noch 😊
Köbi hat auf Bonaire so richtig Lust am Tauchen bekommen. Da Pia aber nicht tauchen will (die schwere Gerätschaft und der Zeitaufwand halten sie davon ab) sucht sich Köbi immer unter den anderen Seglern einen Tauchpartner. Mit David vom Schiff Mischief hat er einen idealen Partner gefunden. David ist auch erst hier auf Bonaire so richtig auf den Geschmack gekommen, hat nun diverse Kurse besucht und benutzt fast jede Gelegenheit, unter Wasser zu sein. Als er sich seinem 100. Tauchgang nähert, wird rege diskutiert, wie man das am besten feiern soll. Der Vorschlag von Köbi, dass er einen Nackt-Tauchgang machen könnte, findet bei den Tauchkolleginnen und -kollegen spontan regen Anklang. Nun, David, ein Engländer der sehr gerne sportliche Herausforderungen annimmt, konnte nicht mehr anders …
… und absolviert den ganzen einstündigen 100. Tauchgang lediglich mit seiner Taucherausrüstung bekleidet. Den Moränen, Barracudas und anderen Raubfischen begegnet er diesmal aber mit einem besonders respektvollen AbstandNach dem 100. Tauchgang stossen wir alle mit dem nun wieder bekleideten David (neben Köbi an der Bar stehend) auf seine tolle Leistung anDavid, Pia, Köbi und Wendy (von links) in der Hang-Out Bar. David und Wendy wollen auch in den Pazifik und wer weiss, vielleicht absolviert Köbi dann seinen 100. Tauchgang auch wieder mit David zusammen 😉Bonaire war für uns eine Notlösung, als wir im Juni aus der Hurrikan Zone flüchten mussten. Im Nachhinein gesehen war und ist es ein Glücksfall. Wir durften unheimlich viele schöne Momente erleben …… ganz liebe Leute kennen lernen …… und nach langer Zeit Wiedersehen mit Pia’s Tochter Angela und Freund Ralf feiernMit Angi und Ralf auf einem Törn um Klein Bonaire herum. Eine gute Gelegenheit für uns, alle Systeme an Bord wieder mal im Einsatz zu testen. Sogar den Autopiloten darf ich kurz auf seine korrekte Funktion prüfen, bevor Ralf wieder ans Steuer willDie Zeit in Bonaire geht für uns nun dem Ende entgegen. Wir könnten es hier noch lange geniessen und noch länger bleiben …… aber Fernweh und Abenteuer rufenWir sind bereit für NeuesFür einmal: Lupina im Glas
Wir haben auch noch einen kleinen Film über Bonaire gemacht. Folge diesem Link auf und unter dem Wasser in Bonaire oder klick oben im Menü auf «Videos»
Heute Montag, 14.12.2020, fahren wir am Nachmittag los nach Barahona auf der Dominikanischen Republik. Ursprünglich wollten wir direkt nach Kuba, aber dann haben uns Nora und Hacko (SY Anixi) angeschrieben. Sie sind vor ein paar Tagen dort angekommen und motivieren uns, einen kurzen Umweg zu segeln und mit ihnen Weihnachten zu verbringen. Wir haben Zeit – und Kuba läuft uns nicht weg 😉. Mit einem Klick oben im Menü «aktuelle Position» kannst du unsere Überfahrt live mitverfolgen.
Es bleibt spannend – bleib der Lupina im Kielwasser