Auf zur Pirateninsel – Nosy Sainte-Marie (Madagaskar)
29.8. – 10.10.2026
Der Monat August neigt sich langsam dem Ende zu. Wir sind gut im Zeitplan, den wir uns vorgenommen haben, um die beste Wettersituation für die Passage von Madagaskar über den berüchtigten Mozambique Channel nach Südafrika zu nutzen. Im November beginnt über Madagaskar die Zyklon Zeit. Spätestens dann müssen wir weg sein. Aber kurzfristig will das Wetter nicht so richtig mitmachen. Eigentlich wären wir reisefertig, aber eine Front aus dem Süden veranlasst uns, noch ein paar Tage in der sicheren Marina zu bleiben.
Dieses Bild zeigt Wind (linke 2 Bilder) und Wellenhöhe (rechte 2 Bilder). Der Ausschnitt ganz links zeigt den Wind für den Freitag, 28.8. Der rote Bereich ist eine Starkwind Front, die sich von Süden Richtung Norden, also genau über uns hinweg, bewegt. Wir wollen die mit dem Pfeil markierte Strecke segeln. Schon am Montag, 31.8., ist die Lage entspannt. Was uns mehr Sorgen bereitet und uns schlussendlich zum Warten überzeugt, ist die Wellenhöhe, die auf dem Meer zu erwarten ist. Am Samstag, 29.8., ist grossflächig mit sehr hohen Wellen zwischen 5 und 6 Metern zu rechnen (roter Bereich auf den Wellenbildern). Bis am Montag, 31.8. sollten diese aber bei La Réunion auf rund 3 Meter zurück gegangen sein. Wir verschieben unsere Abfahrt auf den Montag, 31.8.2026Die Verzögerung der Abreise um 3-4 Tage verschafft uns die Gelegenheit, wieder einmal unsere Kontakte zu anderen Seglern zu pflegen. Diesen hier, den Einhandsegler Martin von der Segelyacht Comeback, verfolgen wir schon länger auf seinen Blogs. Dass wir ihn in La Réunion treffen, ist für ihn ein Glücksfall. Auf seiner Fahrt gegen Wind und Welle in Richtung Australien ereilt ihn ein Schaden an einem Segel. Er entscheidet, nach La Réunion abzubiegen, um es dort reparieren zu lassen. Unterwegs erkrankt er sehr schwer, er vermutet eine Lebensmittelvergiftung. Angekommen in der Marina, rappelt er sich auf, um sich etwas Essbares zu besorgen. Da treffen wir ihn. Wir merken, etwas stimmt nicht mit ihm. Er ist total geschwächt und hat starke Bauchschmerzen. Wir helfen ihm zurück auf sein Boot- Am nächsten Tag ist sein Zustand schlimmer. Das Bild stammt aus der Notaufnahme des Spitals. Pia hat Martin, der kein Französisch spricht, als Dolmetscherin dorthin begleitet. Diagnose: Gallensteine mit starker Gallenblasenentzündung – Operation am nächsten Tag. Noch 2 Tage länger auf See und es wäre für ihn sehr kritisch geworden. Martin – gute Besserung!!Während Pia für Martin die Krankenschwester und Dolmetscherin spielt, mach ich auf Bootsdoktor und unterziehe Lupina einem gründlichen Gesundheits-Check. Alles gut, bis auf diese schon stark durchgescheuerte Aushole-Leine des Fock-Furlers. Gut ist der Verschleiss rechtzeitig erkannt: Schnell ist der Furler zerlegt und die Fehlstelle an der Leine beseitigt.Wir haben es bereits erwähnt: wir geniessen die Zeit auch, um Kontakte zu pflegen und neue Leute kennen zu lernen. Uwe und seine Partnerin Nathalie sind mit ihrer 60 Fuss Amel SY Artemis auf Weltumrundung. Leider rauschen sie wohl an uns vorbei und wir können ihr Tempo nicht ganz halten. Aber man weiss ja nie! Unsere WhatsApp Gruppe haben wir jedenfalls in «Final Hamburg», der Zielhafen der Beiden, umbenannt.Ein paar Tage unsere Bootsnachbarn in der Marina: Wolf (stehend) und Rolf mit ihrem Alu-Schiff SY Boaty McBoatface. Auch sie wollen zügig weiter in Richtung Heimatland: Deutschland.Und dann, am Tag vor unserer Abreise, fliegt Anke, die Partnerin vom inzwischen erfolgreich operierten aber immer noch hospitalisierten Martin, aus Deutschland ein.Und zum Abschluss unseres Aufenthaltes noch ein rührendes Erlebnis. Es gibt da eine Kneipe mit dem Namen «Le Boucanier», zu Deutsch der Seeräuber. Schön als Piratenschiff dekoriert. Natürlich sind wir mit den Besitzern ins Gespräch gekommen. Er war nach seiner Boxer-Karriere für längere Zeit in der Marine tätig und hat sich so nach und nach eine grössere Sammlung von Schiffsutensilien angelegt. Das meiste davon liegt und hängt nun schön angeordnet in ihrer Bar. Als sie erfahren, dass wir schon 8 Jahre lang mit einem Segelboot die Welt bereisen, sind sie begeistert. Als wir uns von ihnen nach fast 3 Wochen verabschieden wollen, ist er kurz hinter der Theke verschwunden und mit diesem mit Antirutschmaterial beschichteten Servierbrett zurückgekommen. Nun haben wir auf der Lupina zum Kredenzen des feinen La Réunion Rums der Marke «Charrette» eine geeignete Unterlage. Merci beaucoup à vous deux!Dann, endlich geht’s los! Nach einer kurzen, speditiven Zollinspektion kriegen wir die Ausklarierungspapiere in die Hand gedrückt, und los geht’s Richtung Madagaskar. Wir rechnen für die Distanz von rund 400 Seemeilen mit rund 3 Tagen. Die Fahrt führt uns in nordwestliche Richtung, unser Ziel eine der Hauptinsel Madagaskar vorgelagerte, kleine Insel mit dem schönen Namen Nosy Sainte-MarieVor dem Lösen der Leinen zuerst ein kurzer Adrenalinschub beim Skipper Wie immer, wenn wir in einer Marina los fahren, prüfe ich zuerst die Funktion des Propellers, indem ich kurz den Rückwärtsgang und danach den Vorwärtsgang einlege. Diesmal merke ich, der Propeller öffnet die Flügel nicht richtig. Er macht einen höllischen Lärm aber erzeugt keinen Schub. Da gibt’s nur eins: ins Wasser mit einem Schraubenzieher bewaffnet, und die Müschelchen, welche sich in den Zahnrädern eingenistet haben, herauskratzen. Nach einer Viertelstunde ist es dann aber soweit, es kann los gehen. Wie auf Grund von Wettervorhersagen zu erwarten, empfangen uns schon kurz nach der Hafenausfahrt ruppige Wellen, die in den ersten Stunden noch bis gegen 4 Meter zunehmen. Es ist ungemütlich auf der Lupina.Erstaunlicherweise hat Pia diesmal kein Problem mit den Wellen und lacht mich nach der ersten Nachtschicht beim Zubereiten des Frühstücks unternehmungslustig an.Nach der zweiten Nacht auf See lichtet sich endlich auch die dichte Wolkendecke und die Sonne kündet sich mit einem spektakulären Farbenspiel am Horizont an. Die Wellen sind mittlerweile auf unter 3 Meter gesunken. Nach ziemlich genau 3 Tagen erreichen wir die Landesgrenze von Madagaskar.Am frühen Vormittag des 3.9.2026 fällt der Anker vor dem Hauptort der Insel Sainte-Marie. In lokaler Sprache heisst sie eigentlich «Nosy Boraha» und auf Französisch «Ìle Sainte-Marie». Kurzerhand wird sie heute «Nosy Sainte-Marie» genannt. Wir sind noch nicht fertig mit dem Ankermanöver, da rauscht ein Boot der lokalen Marinebehörde heran und fordert uns freundlich auf, doch bitteschön zum Einklarieren an Land anzulegen. Also wieder Anker hoch, um dann nur ein paar hundert Meter weiter seitwärts an den schon daliegenden Schiffen festzumachen. Das Manöver klappt, dank vielen helfenden Händen, problemlos.Nacheinander erhalten wir Besuch von 5 Behörden, alle sehr freundlich und zuvorkommend. Nach knapp einer Stunde sind wir einklariert – bis auf das Tourist-Visa. Das müssen wir uns bei der Police National, welche auch die Funktion der Einwanderungsbehörden wahrnimmt, in der Stadt besorgen.Beim Gang in die Stadt wird uns schnell klar, dass wir hier nach den letzten Inseln mit eher moderneren Standards wieder in eine Welt eintauchen, wie wir sie auch etwa in Vanuatu kennen gelernt haben. Die Leute leben in sehr einfachen Verhältnissen.Handgeschnitzte Einbaum Kanus – ein wichtiges Arbeitsmittel der lokalen FischerWasserleitungen in Häuser gibt es nur für modernere Gebäude in der Stadt. In einfacheren Gegenden decken sich die Menschen an diesen Brunnstellen mit dem kostbaren Gut Wasser ein.Zwei Dinge zeigt dieses Bild: es gibt offenbar eine lokale Radiostation und für Sammler von Oldtimer Autos ist unsere erste Station in Madagaskar eine wahre Fundgrube. Vor allem alte französische Marken, wie dieser Renault R4, der mindestens 50 Jahre alt sein dürfte – und noch läuft!Feierlicher Akt im Kommissariat der Police National: wir bekommen unsere VisaKurz danach ein paar Gehminuten weiter setzt mir die freundliche Mitarbeiterin eines lokalen Telefonanbieters eine SIM-Karte ein – wir sind wieder mit dem Rest der Welt verbunden.Angekommen!!Während wir uns einen Ankommens-Drink gönnen, geniesst Lupina das ruhige Wasser ihres Ankerplatzes.Nosy Sainte-Marie war einst beliebt unter Piraten und gefürchtet von Handelsschiffen. Während des goldenen Zeitalters der Seeräuberei – besonders zwischen 1680 – 1720 galt es als das berüchtigtste Piratennest der Welt. Zu Spitzenzeiten lebten über 1’000 Piraten dauerhaft auf dem Eiland. Wir besuchen hier den Friedhof aus dieser Zeitepoche.Wir werden fündig! Diverse Grabsteine tragen das stolze Zeichen der Piraten. Vor allem Kapitäne und andere höherrangige Crewmitglieder fanden hier ihre letzte Ruhe. Auch heute noch können sie die Handelsschiffe vorbeifahren sehen, wie früher, zu ihrer Zeit, als die ersten Handelsflotten die lukrative Handelsroute im Indischen Ozean in ihre Fahrpläne aufgenommen haben. Gut möglich, dass noch einiges von ihrer reichen Beute von damals hier irgendwo versteckt ist und auf seine Entdeckung wartet. Einst ein wunderschönes Haus aus der Zeit der französischen Kolonie (1896 – 1960) – nun nagt der Zahn der Zeit daran.Die Häuser in der Hauptstadt mit dem kaum auszusprechenden Namen Ambodifototra haben kaum höheren Standard wie diejenigen auf dem Land. Was uns sehr angenehm auffällt: die Sauberkeit in den Strassen, auf den Grundstücken – und auch am Strand.Möbelfabrik auf Nosy Sainte-Marie – einfachste Werkzeuge und geschickte Hände.Modernes Möbelhaus mit Ausstellungsraum.Und so sieht das Möbelstück dann im Einsatz aus! Autos gibt es auf der Insel nur ganz wenige. Wer ein Auto besitz, ist entweder Ausländer oder hat mit der Touristenbranche zu tun. Die wichtigsten Transportmittel sind Fahrräder, Rikschas und das Tuk-Tuk.Spielplatz der Kinder. Ach, wie wohltuend zu sehen, wie sie auch ohne viel teures Spielzeug, wie es bei uns zu Hause vermeintlich nicht mehr wegzudenken ist, ihre wahre Freude haben miteinander.Wenn wir schon bei Spielzeugen sind – auch ich finde eines! 😊 Wir mieten uns für einen Tag ein Motorrad (Preis für einen ganzen Tag gerade mal umgerechnet 12 CHF), um die Insel zu erkunden.Auf Nosy Sainte-Marie gibt es nur eine Strasse (rote Linie), die durchgehend geteert ist. Sie führt im Wesentlichen der Westküste entlang, wo die Mehrheit der rund 30’000 Einwohner wohnt. Rund die Hälfte der Bevölkerung lebt in der Hauptstadt Ambodifototra. An der viel raueren, dem ständigen Passatwind ausgesetzten Ostküste, gibt es nur wenige Siedlungen.Erst als wir die Verkehrszeichen beachten müssen, fällt uns auf: die sind alle von Hand gefertigt! Pfosten und Schilder sind betoniert, und das Verkehrssignal von Hand aufgepinselt. Überhaupt treffen wir sehr viele Dinge an, die von Hand gefertigt und vor allem hier in Madagaskar hergestellt werden. Ein Zollstreit, wie er gegenwärtig fast weltweit stattfindet, kann hier niemandem etwas anhaben.Eine schöne Insel hat auch schöne Strände! Das trifft auf der rund 50 Kilometer langen und maximal 7 Kilometer breiten Insel völlig zu. Vor allem auf der windgeschützten Westküste finden sich viele verträumte Sandstrände.Reis ist das Hauptnahrungsmittel. Sogar zum Frühstück wird Reis gegessen. Viele Menschen leben von Eigenversorgung. Irgendwo haben sie ein Reisfeld (Bild), einen Gemüsegarten und Bananenstauden. Der Boden ist fruchtbar und das Klima erlaubt es, das ganze Jahr über zu produzieren und ernten. Einfuhr von Nahrungsmitteln ist nicht notwendig.Auf der Fahrt quer über die Insel an die Nordostküste durchqueren wir hügelige Weidelandschaft mit einfachsten Unterkünften für die Hirten. Die Wäsche wird zum Trocknen am Boden ausgelegt oder über Sträucher gehängt.Nordosten von Nosy Sainte-Marie. Obwohl die Kokospalme heute das Landschaftsbild vieler madagassischer Küsten prägt, gehört sie zu den eingeführten Nutzpflanzen. Sie stammt ursprünglich aus der Südsee und wurde erst durch australische und melanesische Seefahrer aus dem Raum Melanesien eingeführt.Die wilde Ostküste. Hier peitscht der starke Passatwind unaufhörlich hohe Wellen ans Ufer. Baden ist in den meisten Gebieten zu gefährlich – ausser in «Piscines Naturelles»: natürlich geformte Pools, die durch solch vorgelagerte Felsenbänder vor der Brandung abgeschirmt werden.Immer wieder entdecken wir etwas, dass uns einen ein Rückblick in die Vergangenheit erlaubt. Hier ein Steinbrecher, der von Hand mit einem Hammer grosse Steine zerkleinert zu Kies einer bestimmten Grösse. Diesen Kies kann er dann zur Herstellung von Beton verkaufen und so ein kleines Einkommen generieren.Besuch beim Coiffeur. Et voilà – es darf gelacht werden 😊 Aber: ich erfahre, ich sei mit meiner neuen Frisur voll im Trend – ein klassischer Undercut.Vor einer Woche sind wir auf Nosy Sainte-Marie, der Pirateninsel, angekommen. Ein wunderbarer Einstieg in eine uns völlig unbekannte Welt, Madagaskar. Ein weiteres Mal beeindrucken uns die Menschen. Sie leben mit Wenig, machen das Beste daraus und sind glücklich. Neid und Missgunst, Habgier und andere schlechte Eigenschaften kennen sie nicht. Sie sind offen und ehrlich, der Kontakt zu ihnen einfach und immer sehr herzlich.
Nun sind wir gespannt, wie wir die Menschen auf der Hauptinsel erleben. Das Wetterfenster für eine Weiterfahrt an die Nordostspitze von Madagaskar ist gut. Heute Nachmittag haben wir von der Hafen- und Schifffahrtsbehörde (APMF) die notwendigen Papiere abgeholt, welche uns erlauben, zum nächsten Hafen weiter zu fahren. Ein etwas bürokratischer Prozess – aber das sind halt die Regeln. Morgen Freitag, 11.9.2026, brechen wir auf. Wir haben etwa 320 Seemeilen vor uns, die es vor allem im letzten Bereich in sich haben. Es warten Winde bis 30 Knoten auf uns.
Es bleibt spannend! Folge der Lupina im Kielwasser!
2 Antworten auf „Auf zur Pirateninsel – Nosy Sainte-Marie (Madagaskar)“
Moin aus Hamburg! Wir begleiten euch in Videos und Blogs…und freuen uns , dass wir daran teilnehmen können!
Eine gute „HEIMFAHRT“…
Güsse von Carlo und Martina
Hallo Garlo und Martina, danke für euer Interesse an unserm Blog und den Videos. Das freut uns sehr, dass wir von vielen Interesierten begleitet werden. Und ja, die „Heimfahrt“ ist so eine Sache. Wollen wir das schon? Alles ist noch offen. Wir segeln so lange wie es uns gefällt und natürlich unsere Gesundheit immer schön brav mithält. Lieber Gruss nach Hamburg!! Köbi und Pia mit Lupina
Moin aus Hamburg! Wir begleiten euch in Videos und Blogs…und freuen uns , dass wir daran teilnehmen können!
Eine gute „HEIMFAHRT“…
Güsse von Carlo und Martina
Hallo Garlo und Martina, danke für euer Interesse an unserm Blog und den Videos. Das freut uns sehr, dass wir von vielen Interesierten begleitet werden. Und ja, die „Heimfahrt“ ist so eine Sache. Wollen wir das schon? Alles ist noch offen. Wir segeln so lange wie es uns gefällt und natürlich unsere Gesundheit immer schön brav mithält. Lieber Gruss nach Hamburg!! Köbi und Pia mit Lupina