Rodrigues und Mauritius – zwei Perlen im Indischen Ozean

17.7. – 8.8.2026

Am Tag der Ankunft am 16.7.2026 lassen wir es noch ruhig angehen und entspannen uns nach dem Einklarieren auf der Lupina. Es liegen noch drei weitere Segelyachten im Hafenbecken, aber es hat genügend Platz für alle.
Das Bild zeigt in grüner Farbe die bereits gefahrene Strecke, gelb die Strecke, die in diesem Bericht geschildert wird und rot die weitere Planung.

Rodrigues ist eine zu Mauritius gehörige Insel, 580 km östlich davon im Indischen Ozean gelegen. Die Hauptstadt des 109 km2 grossen Eilandes ist Port Mathurin die Hauptsprache ist, wie auf Mauritius auch, Französisch. Umgangssprache ist ein französisches Kreolisch, ein Mix aus Französisch, Englisch und Afrikanisch. Amtssprache ist Englisch. Die Insel ist Teil der Inselkette der Maskarenen und ihrerseits von mehreren kleinen Inseln umgeben. Die Insel zählt heute etwa 45’000 Einwohner, die, abgesehen von kleinen europäischen und tamilischen Minderheiten, afrikanischer Herkunft sind.

Die bis im 17. Jahrhundert unbewohnte Insel war schon den Arabern bekannt, aber die Seefahrer, die an ihr auf dem Weg nach Indien vorbeifuhren, zeigten wenig Interesse daran, sich hier niederzulassen. 1691 versuchte eine Gruppe aus Frankreich geflohener Hugenotten eine protestantische Republik namens «Eden» auf Rodrigues zu errichten. Wegen Kämpfen mit den Holländern erreichten aber nur acht Männer, unter der Führung von François Leguat, die Bucht von Mathurin. Die Insel hatte nun erstmals Bewohner, die sich auf der fruchtbaren Insel auch gut ernähren konnten. Nach zwei Jahren gaben sie jedoch aufgrund des Mangels an Frauen auf und setzten mit einer selbstgebauten Barkasse nach Mauritius über. Dort wurden sie von den Holländern als der Spionage verdächtig inhaftiert. Die Männer wurden auf der kleinen vorgelagerten Insel Île aux Fouquets ausgesetzt, starben aber, inselerfahren wie sie waren, nicht wie erwartet. Daraufhin wurden sie nach Batavia (heute Jakarta) gebracht und nach einem kurzen Prozess nach Frankreich abgeschoben. 1708 veröffentlichte Leguat eine Beschreibung seiner insgesamt siebenjährigen Reise mit detaillierten naturkundlichen Beobachtungen. Diese Erzählungen inspirierten die Franzosen 1725 zu einem erneuten Kolonisierungsversuch. Die Kolonisten fingen tausende Riesenschildkröten und verkauften sie vorbeifahrenden Schiffen als Reiseproviant. 1735 entstand die erste feste Ansiedlung, Port Mathurin. (Quelle Wikipedia)

Der Tourismus ist auf Rodrigues noch ganz spärlich vorhanden. Die Hauptattraktion ist die Natur. Kunstwerke, wie diese in Schiffsform gestaltete Kirche, sind rar.
Rodrigues ist vulkanischen Ursprungs und auf allen Seiten von einer weitläufigen Lagune umgeben. Das Korallenriff, das die Lagune umgrenzt, ist unterschiedlich weit von der Küste entfernt und bietet nur wenige schmale Durchlässe für die Schifffahrt.
Wir besuchen die Riesenschildkröten im François Leguat Reservat. Durch unkontrollierte Brandrodungen und Jagd wurden sie bis ungefähr 1800 komplett ausgerottet. Dank Leguat’s akribischen Aufzeichnungen 1691 und in den folgenden Jahren, sind die damals vorhandenen Pflanzen und Tiere sehr gut bekannt. Die Riesenschildkröten spielen eine sehr wichtige Rolle im Ökosystem der Insel. So gibt es Pflanzen, deren Samen erst austreiben können, wenn sie durch den Verdauungstrakt einer Schildkröte gewandert sind. Nach jahrhundertelanger, hemmungsloser Zerstörung der Natur fand Ende des 20. Jahrhunderts ein Umdenken statt. Heute ist man bestrebt, die vom Aussterben bedrohte ursprünglichen Flora und Fauna zu retten. Da Schildkröten dabei eine entscheidende Rolle spielen, wurde im Jahre 2006 begonnen, den ausgerotteten, ursprünglichen Tieren genetisch Ähnliche von den Seychellen (Aldabra-Riesenschildkröten, Bild) und von Madagaskar (Strahlenschildkröten) einzuführen und zu züchten.
Strahlenschildkröten im François Leguat Reservat
Die Aufzucht der Schildkröten ist sehr erfolgreich. Bis heute ist die Population der Aldabra Riesenschildkröten auf über 3000 Exemplare angestiegen. Ihr Einfluss auf die Vegetation ist sehr positiv. Sie fressen das Unterholz, halten Grasflächen kurz, trampeln Pfade frei und verbreiten über ihren Kot die Samen seltener, einheimischer Bäume, die ohne die Verdauung im Schildkrötenmagen kaum noch keimen würden. Ihre Diät ist offenbar gesund! Wie die Galapagos-Riesenschildkröten gehören sie zu den langlebigsten Kreaturen der Erde. Ein Alter von über 100 bis 150 Jahren ist in freier Wildbahn normal. Einzelne Tiere in Gefangenschaft knackten nachweislich die 200-Jahre-Marke. Männliche Tiere wiegen im Schnitt 150-250 Kilogramm. Weibchen sind etwas kleiner.
Eine weitere Attraktion im François Leguat Reservat: die Grande Caverne (die grosse Höhle)
Auf Rodrigues wurden bisher 9 Höhlensysteme entdeckt. Die Grande Caverne ist die bekannteste und am besten ausgebaute Kalksteinhöhle. Der für Besucher zugängliche Bereich erstreckt sich über rund 500 Meter in einer Tiefe bis zu 50 Metern. Die Grande Caverne ist die einzige elektrifizierte Schauhöhle im südwestlichen Indischen Ozean
Die höchste Erhebung der Insel, der Mont Limon, hat eine Höhe von 398 Metern. Da wollen wir rauf!
Mont Limon, 360 Grad Rundumblick. Gut zu sehen die Kante der vorgelagerten Riffplatte, wo sich die Wellen des tiefen Ozeanes brechen.
Ein weiteres Highlight: Besuch des Grande Montagne Ökologischen Naturreservates. Unter der kundigen Führung des sehr engagierten Leiters des Reservates lernen wir viel über die Natur auf Rodrigues und deren Entwicklung über die letzten Jahrhunderte. In Zusammenarbeit mit verschiedenen internationalen Umweltorganisationen ist hier ein kleines Juwel entstanden. Seit der Gründung im Jahre 2016 ist es gelungen, mit beachtlichem Erfolg invasive Pflanzen zurückzudrängen und die vom Aussterben bedrohten einheimischen, teils endemischen (nur hier vorkommenden) Pflanzen wieder zu fördern. Auch hier spielen Riesenschildkröten eine mittragende Rolle.
Kurzer Schreck beim Blick nach oben – aber unbegründet. Diese Riesenspinnen (Afrikanische Seidenspinnen) schaffen es, ein mehrere Quadratmeter grosses Netz über unseren Köpfen in die Baumwipfel zu spannen. Die grossen Spinnen sind Weibchen, die kleinen die Männchen.
Die Afrikanische Seidenspinne ist ungefährlich für Menschen. Dieses Exemplar hat eine Körperlänge von etwa 3 Zentimetern und Beinspannweite von 10 Zentimetern.
In Rodrigues fällt uns schnell auf, dass das Leben am Morgen stattfindet. Nach dem Mittagessen beginnen die meisten Läden und Geschäfte schon früh mit dem Aufräumen. Spätestens um 16 Uhr ist praktisch alles zu und die Trottoirs leer. Auswärts Abend Essen, das gibt es hier offenbar nicht. Es ist echt schwierig, ein nettes Lokal für unseren Sundowner zu finden. Aber wir wären nicht wir, wenn wir nicht trotzdem etwas finden – auch wenn es jeweils 30 Minuten Fussmarsch bedarf.
Der Markt im Zentrum von Port Mathurin bietet tolle Waren an.
Markt in Port Mathurin
Wir sehen öfter in der prallen Sonne aufgehängte Würste. Eine Art Salami, die auf diese Weise getrocknet und haltbar gemacht werden.
Am Markt ergattern wir eine Pampelmuse – eine der Sorte, wie wir sie in Französisch-Polynesien kennen und lieben gelernt hatten. Wir haben auch später auf unserer Weiterreise Pampelmusen gefunden, aber viel kleiner in der Grösse und eher sauer im Geschmack.
Unsere Vorfreude wird enttäuscht! Der Inhalt ist dann schon sehr unter der Erwartung – und geschmacklich kommt sie einer Zitrone verdächtig nahe.
Nun, wir überstehen die saure Pampelmuse und geniessen unseren ruhigen Liegeplatz im Hafen von Port Mathurin.
Nach und nach fühlen wir uns heimisch auf der kleinen Insel, finden sogar ein Lokal, wo auch Abendessen serviert wird. Aber …
… es warten über 350 Seemeilen auf uns. Wir haben schon länger den Wind beobachtet und eine genügend lange Phase mit gutem Wind gesucht. Seit wir in Rodrigues angekommen sind, gab es diese nie. Aber jetzt, am 27. Juli, ist es soweit. Nicht ganz ideal zwar, es hat auch Flaute dazwischen, aber doch einigermassen segelbar. Kurz vor 11 Uhr heisst es: «Anker hoch!», und Lupina schaukelt schön langsam aus dem Hafen uns offene Meer – weiter westwärts der Sonne entgegen.
Kaum geht unterwegs vor uns jeweils die Sonnen unter, erhebt sich hinter uns der Mond. Heute ist Vollmond – die Nacht wird fast zum Tag. Es ist herrlich, nachts zu segeln, wenn man etwas sieht.
Wir erreichen Mauritius morgens um 5 Uhr, es ist noch Nacht. Die Küstenwache hat uns informiert, dass wir nicht bei Tageslicht einfahren dürfen. Wir ankern direkt vor der Hafeneinfahrt und legen uns 2 Stunden schlafen. Bei Sonnenaufgang dann die übliche Zeremonie, die diesmal ganz anders ist: normalerweise setzt Pia in einem neuen Land jeweils die Gastlandflagge und den gelbe Quarantäne Wimpel. Diesmal kann sie die Gastlandflagge hängen lassen, denn Rodrigues und Mauritius haben die gleiche Fahne. Aber obwohl zum gleichen Land gehörend, muss auf beiden Inseln jeweils unabhängig voneinander ein- und ausklariert werden.
Anfahrt zum Hafen von Port Louis, Mauritius.
Im Hafen müssen wir zuerst an den Zoll Steg. Dieser erweist sich als sehr unpraktisch zum Anlanden, da sich keine Poller oder Klampen finden. Aber dank der Hilfe von Passanten gelingt es, Lupina fest zu machen. Auch für die Behörden erweist sich der Platz offenbar als sehr unpraktisch: keiner der Offiziellen übersteigt das feste Geländer und will an Bord kommen, der Gesundheitsbeamte erscheint schon gar nicht! Uns soll es recht sein 😊
Nach dem erfolgreichen Einklarieren verlegen wir in die nahe gelegene Marina. «Marina» scheint in diesem Fall recht übertrieben, denn es handelt sich eigentlich um einen alten Frachtumschlagsplatz. Stege gibt es keine, wir legen längsseits an der Quai Mauer an. Das Schöne: wir treffen hier auf Nathalie und Uwe aus Deutschland. Wir verfolgen unsere Reise gegenseitig schon lange und treffen die Beiden mit ihrer SY Artemis, einer 60 Fuss grossen Amel, zum ersten Mal. Sie liegen schon länger hier und haben uns ein Plätzchen direkt hinter ihnen freigehalten.
Das Tolle an einem Stadthafen: wir liegen mitten im Geschehen!!
Port Louis vom Hausberg aus gesehen. Der rote Kreis markiert unseren Liegeplatz.
Die Wanderung auf den Hausberg erweist sich als sehr kurzweilig und auf dem geteerten Pfad mit konstanter Steigung als sehr mühelos. Einzig die brennende Sonne sticht, aber der Wind trocknet den Schweiss gleich wieder weg. Auf unserer App (MAPS.ME) sehen wir, dass wir vom Aussichtspunkt der Bergkrete entlang rückwärts wandern können und dann einem Flusslauf entlang wieder runter ins Tal gelangen. Eine perfekte Rundwanderung! Auf halbem Weg (Bild) sind wir noch guten Mutes und unternehmungslustig. Auch der Wanderweg ist noch ein Wanderweg.
Das sollte sich aber ein paar Kilometer weiter ändern. Lange finden wir die roten Punkte der Wegmarkierung zwar noch, der Weg selber hat sich aber schon länger verflüchtigt. Rund 2 Kilometer vor dem nächsten brauchbaren Weg hat auch der Wegmarkierer aufgegeben: wir müssen uns Schritt für Schritt durch von hohem Gras überwachsene Gerölllandschaft ins Tal kämpfen. Dorngestrüpp, spitze Agavenblätter und andere stachelige Gewächse finden gefallen an unseren Füssen und Beinen. Verkratzt und mit Dornen bespickt kommen wir entkräftet unten an.
Meine Wanderschuhe haben nach dieser strengen Wanderung auch genug!
Wie üblich mieten wir uns auch auf Mauritius ein Auto und erfahren die Insel. Im Südwesten erhebt sich dieser alleinstehende Koloss, der 556 hohe «Le Morne Brabant». Er gehört zu den Wahrzeichen und schönsten Postkartenmotiven der Insel. Neben seiner natürlichen Schönheit besitzt er eine tiefe und tragische historische Bedeutung. Im 18. und frühen 19. Jahrhundert diente der schwer zugängliche Berg als Versteck für entflohene Sklaven. Die Legende besagt, dass sich nach der Abschaffung der Sklaverei Soldaten dem Berg näherten, um den Menschen ihre Freiheit zu verkünden. Aus Angst vor erneuter Gefangennahme stürzten sich viele Sklaven voller Verzweiflung vom Berg in den Tod. Mit einem Monument, das wir hier besuchen, wird an diese Tragödie erinnert.
Nicht unser Ding, gehört aber auf Mauritius dazu: Touristenstrände.
Im Süden, bei St. Aubin, finden wir ein sehr schön erhaltenes Plantagenhaus aus der Koloniezeit. Das «Colonial House», das einstige Wohnhaus des Plantagebesitzers, wird heute als Restaurationsbetrieb geführt inmitten einer schönen Parklandschaft, umgeben von weiten Zuckerrohrfeldern.
Der «Eden Garden Culture & Entertainment Square» am nördlichen Stadtrand von Port Louis. Ein sehr markantes Gebäude. Es ist Teil eines grossen, von chinesischen Investoren finanziertes «Smart City» Projektes und wurde als Kultur- und Unterhaltungszentrum konzipiert. Der Bau fand zwischen 2016 und 2018 statt. Da der Innenausbau aus finanziellen Gründen bis heute nicht fertiggestellt ist, steht das ganze Gebäude und seine Umgebung bis zum heutigen Tag leer.
Die Mangal Mahadev Statue am Eingang zum Grand Bassin, einem heiligen Kratersee im Süden von Mauritius. Mit 33 Metern das höchste Monument des Inselstaates. Die Statue zeigt Shiva mit seinem Dreizack. Der heilige Kratersee ist ein Pilgerort, der jährlich anlässlich des Maha Shivaratri Festes (übersetzt die grosse Nacht von Shiva) von mehreren Hunderttausend Hindus besucht wird, die hier heiliges Wasser für Shiva aus dem See schöpfen.
Das Grand Bassin (in lokaler Sprache «Ganga Talao») wird von den Gläubigen als verlängerter Arm des heiligen Flusses Ganges angesehen. An seinem Ufer befinden sich unzählige kleine Tempel und Statuen, welche jede für sich wieder ihre Bedeutung hat.
Ausserhalb des Maha Shivaratri Festes (das abhängig vom Vollmond im Monat Februar oder März stattfindet) pilgern das ganze Jahr über gläubige Hindus zum Kratersee, um bei von ihnen ausgewählten Statuen Opfergaben zu deponieren.
Die ursprünglichen Urwälder auf Mauritius sind längst verschwunden. Die grosse Bevölkerungsdichte (über 640 Einwohner pro Quadratkilometer – die Schweiz hat gerade mal etwas mehr als 230) hat in der Vergangenheit zu grossen Abholzungen geführt. Heute versucht man mit grossem Aufwand in Reservaten und Naturparks, wieder ein Stück der so wichtigen ursprünglichen Natur zurückzuholen.
Der Chamaral-Wasserfall – mit einer Fallhöhe von knapp 100 Metern der höchste einstufige Wasserfall auf Mauritius. Er stürzt spektakulär über eine Kante aus Jahrmillionen altem, vulkanischem Gestein inmitten eines dichten Urwalds in eine bewaldete Schlucht.
Die «Siebenfarbige Erde» – ein seltsames Naturphänomen erstreckt sich über eine Fläche von 7’500 m2. Es ist das Ergebnis eines natürlichen, geologischen Prozesses, der mit der vergangenen vulkanischen Aktivität der Insel und der fortschreitenden Verwitterung des Basaltbodens zusammenhängt. Es sind vorwiegend Eisen- und Aluminiumoxide, welche für die verschiedenen Farben im lockeren, tonhaltigen Gestein an der Erdoberfläche sorgen.
Im Jahre 1598 landeten 5 holländische Schiffe auf der damals herrenlosen und unbewohnten Insel. Zu Ehren ihres damaligen Prinzen nannten sie die Insel nach seinem Namen «Mauritius». Die Holländer versuchten hier an dieser Stelle im Südosten der Insel Fuss zu fassen. Sie richteten hier 1638 einen Hafen ein, heute «Vieux Grand Port» genannt. Diesen schützten sie gegen äussere und innere Feinde (es gab mehrere Sklavenrevolten in dieser Zeit) mit einer Festung, Fort Frederik-Hendrik. Es soll das älteste Gebäude auf der Insel sein.

Die Holländer waren mit ihren Besiedelungsversuchen nicht erfolgreich und zogen 1710 wieder ab. Die Festung und eingeschleppte Sklaven liessen sie zurück. 12 Jahre später, 1722, kamen die Franzosen und begannen mit der Entwicklung zuerst auch an dieser Stelle. Sie merkten aber bald, dass ein anderes Gebiet um die heutige Hauptstadt Port Louis besser geeignet war. Danach ist die Geschichte von Mauritius geprägt durch den Wechsel verschiedener europäischen Kolonialmächte, und die Insel entwickelte sich zur multikulturellen Nation. Geprägt durch Sklaverei, den Anbau von Zuckerrohr und die Einwanderung indischer Vertragsarbeiter erreichte Mauritius im Jahr 1968 seine Unabhängigkeit.

Mauritius hat geologisch betrachtet rein vulkanischen Ursprung. Seine Entstehung begann vor rund 8 Millionen Jahren und lief in 3 Phasen ab. Die letzte Phase endete vor etwa 25’000 Jahren. Dabei bedeckte ein Spaltenvulkan fast 70% der Insel mit einer dünnen Schicht aus sehr flüssiger Basaltlava. Der sanft abfallende Norden sowie markante, flache Krater, wie der «Trou aux Cerfs» (Bild), blieben davon als Zeugen zurück.
Der markante Berg «Trois Mamelles» ist Zeitzeugen aus der ersten Phase der Entstehung von Mauritius. In dieser Phase bildete sich ein riesiger Schildvulkan mit einem Durchmesser von über 40 Kilometern. Ein massiver Einsturz der Magmakammer schuf eine gigantische Caldera. Die heutigen Bergketten sind die Überreste dieses ursprünglich imposanten Kraterrandes.
Und jetzt wird es spannend! Ein auf dem Dach liegendes Haus? Ein Sturmschaden?? Nein, es ist das «verhexte Haus»! Wir sind mutig und statten ihm einen Besuch ab.
Der Beuch ist absolut lohnenswert. Nichts ist so, wie es scheint – und nichts sieht so aus, wie es ist.
Der Spieltrieb ist geweckt – die Phantasien angeregt.
Zum Abschied von Mauritius eine schöne Überraschung. Bei unseren treuen Leserinnen und Lesern ist mittlerweile bekannt, dass wir bei Überfahrten jeweils die erduldeten Strapazen täglich mit einem Ragusa belohnen. Eine uns unbekannte Freundin vom Genfer Seglerpaar Jocelyne und Roland (SY Croix Du Sud) wohnt zeitweise auf Mauritius. Sie wurde von unseren Freunden, die sich gerade in Fiji aufhalten, gebeten, uns eine Stange der leckeren Schokolade zu bringen. Merci beaucoup!! Merci beaucoup, Christiane, de l’avoir livré !!

Die Reise geht bald weiter! Die nächste Insel ruft: La Réunion. Seit gestern beobachten wir das Wetter und suchen ein gutes Fenster für die Fahrt zur rund 135 Seemeilen westwärts gelegenen Insel. Im Laufe der kommenden Woche ist es soweit.

Es bleibt spannend! Folge der Lupina im Kielwasser!

Tempofahrt über den Indischen Ozean

4.7. – 16.7.2026

Im Moment befindet sich unsere Lupina im Langfahrten Modus. Und bisher meistert sie das sehr gut. Bereits befinden wir uns 1’135 Seemeilen von Indonesien weg im Indischen Ozean. In den nächsten Tagen wartet nun die Königsetappe auf uns: 2’020 Seemeilen von Cocos Keeling nach Rodrigues (gelbe Strecke). Es wird ein Verschleisskampf für Material und Mensch, denn dieser Teil des Indischen Ozeanes ist bekannt für starke Winde und vor allem für seine aggressiven Wellen. Es herrscht ein dauernder Grundschwell von 3-4 Metern aus der Antarktik im Süden. Dieser trifft fast im rechten Winkel auf die normalen Windwellen, die mit 2-3 Meter auch nicht gerade gering sind. Ein richtiges Sprudelbad wartet auf uns.
Am 4.7.2026 gehen wir Anker hoch. Über Tage haben wir das Wetterfenster beobachtet und eine Windphase abgewartet, wo es beim Start nicht allzu stark bläst, so dass wir nicht gerade vom Start weg im Kampfmodus beginnen müssen. Danach erwartet uns für eine Woche kräftiger Wind aus Südost, was sehr gut ist, leider aber auch viel Regen. Aber da müssen wir halt durch.
Wir sind den auch kaum aus dem Atoll draussen, haben Segel gesetzt und den Kurs aufgenommen, als sich die ersten düsteren Regenwolken am Horizont aufbauen.
Es dauert nicht lange, sieht es aus unserem Cockpit Fenster so aus. Wir sind zum wiederholten Mal richtig froh um unser festes Cockpit: es schützt uns einfach wirklich sehr gut vor Wind und Nässe.
Dauerregen und starker Wind fegen über uns hinweg.
Zusätzlich zum schlechten Wetter kommt in der ersten Nacht ein Problem dazu! Wie immer mache ich vor Tagesende einen Kontrollrundgang und finde im Motorraum viel Wasser am Boden, auch die Wände sind verspritzt. Ein Geschmackstest auf der Zunge bestätigt: Salzwasser. Ich bin für den Moment geschockt. Nach intensiver aber vergeblicher Suche will ich den Motorraum schon wieder verlassen, als es bei einer starken Welle von der Decke spritzt. Schnell ist die Ursache, und zum Glück auch eine Lösung gefunden. Die starken Wellen und vor allem die schnelle Fahrt erzeugen im Wellenrohr einen hohen Wasserdruck. Die in Singapur eingebaute neue Wellendichtung meistert das problemlos. Über die Entlüftungsleitung der Dichtung wird aber bei diesem starken Druck Wasser bis an die Decke hochgedrückt. Mit einem Holzzapfen schliesse ich die Leitung. Problem vorerst gelöst!
Endlich: nach 2 Tagen Licht am Horizont – oder zumindest mal wieder die Sonne. Leider nur gerade in den frühen Morgenstunden.
Auch am 3. Tag auf See: viele Wolken am Himmel. Aber: der Wind bleibt konstant hoch und wir machen schnelle Fahrt.
Um unsere Flagge vor Verschleiss zu schützen bleibt sie während der ganzen Fahrt weggebunden.
Die Wellen bleiben hoch und ungemütlich. Allerdings werden sie allmählich etwas länger und damit weniger aggressiv. Trotzdem müssen wir uns immer gut verkeilen, um nicht von der Sitzbank zu fliegen. Als Pia ziemlich am Anfang unserer Reise helfen wollte, die Kuchenbude zu installieren, hat sie den Halt verloren und ist rückwärts mit dem Rücken an die Kante des Cockpits geschleudert worden. Dabei hat sie sich eine schmerzhafte Prellung und eine angerissene Rippe (wie ein Röntgenbild nach unserer Ankunft auf Rodrigues zeigen sollte) zugezogen. Also absolut verständlich, wirkt hier ihr Lachen etwas gequält. Aber sie schlägt sich für den Rest der Reise sehr tapfer!
Abendrot am 5. Tag auf See. Die Zonen mit Schlechtwetter werden kürzer und der Himmel klart allmählich auf. Immer noch schiebt der Wind uns kräftig voran. Wir haben jetzt eine stabile Lage und wir brauchen fast keine Anpassung der Segelstellung vorzunehmen.
Auch wir können es nun etwas gemütlicher angehen und kommen viel zum Ruhen.
Das Schaukeln und Rollen begleitet uns aber fast über die ganze Strecke, wie das Bild des Wasserstrahles in der Küche gut zeigt.
Unsere häufigste Segelstellung bei der Querung des Indischen Ozeanes. Bei Winden von hinten bis etwa 120 Grad schräg auf die Backbordseite (linke Seite des Schiffes) segeln wir mit der sogenannten Schmetterling-Segelstellung. Dabei zeigt das Grosssegel nach Steuerbord und des Genua Segel nach Backbord.
Dreht der Wind weiter zu Seite oder gar nach vorne wird die Genua auf die gleiche Seite geschiftet wie das Grosssegel. In dieser Segelstellung machen wir die schnellste Fahrt. Auch liegt die Lupina so am stabilsten im Wasser.
Ein Snapshot unserer Fahrt bei Wind aus südlicher Richtung. Er trifft mit über 21 Knoten aus etwa 90-100 Grad auf die Backbordseite des Schiffes (linkes Anzeigeinstrument). Zum Zeitpunkt des Bildes saust die Lupina gerade mit 12 Knoten (rechte Anzeige) eine Welle hinunter. Auf flachem Wasser würden wir bei diesem Wind etwa 8 Knoten machen, was auch sehr schnell ist für ein Schiff unserer Grösse.
Nach nicht ganz 6 Tagen haben wir die Hälfte der Strecke zurückgelegt. Bergpreis – das muss gefeiert werden! Wir haben uns extra dafür 2 Bunda»berg» aufgespart – alkoholfreies Gingerbier aus Australien.
Bei einer Distanzfahrt sind meine Sinne immer besonders angespannt. Jedes unbekannte Geräusch oder dessen Veränderung kann bedeuten, dass irgendwo ein Verschleiss oder sogar ein Defekt eingetreten ist. Je früher man dies erkennt, umso grösser sind die Chancen, noch grössere Probleme abzuwenden. Während der schnellen Fahrt nehme ich immer wieder ein lautes Knarren aus dem Heckbereich wahr. Da befindet sich das Ruder! Also muss ich nachschauen. Unter erschwerten Bedingungen – es rollt und stampft im Dauerbetrieb – grabe ich mich im Heckbereich unter unsere Kojen, um zu kontrollieren, ob ich irgendetwas erkennen kann. Zu meiner Erleichterung stelle ich fest, dass an der Lagerung des Ruders und an seinem Verstellmechanismus alles in Ordnung ist. Das Knarren rührt von den Holzverstrebungen im Rumpf des Bootes. Diese unterliegen bei dieser Belastung natürlich grösseren elastischen Bewegungen, was das Knarren erklärt. Entwarnung also!
Ein vielleicht historisches Bild unserer Weltreise: am 11. Juli 2026 legen wir innerhalb 24 Stunden eine Distanz von 201.1 Seemeilen (373 Kilometer) zurück. Eine solche Distanz innerhalb 24 Stunden hat Lupina noch nie zurückgelegt. Obwohl die Bedingungen nicht gerade komfortabel sind, braust Lupina ungestüm Richtung Westen. Wind, Wellen und eine uns gutgesinnte Strömung unterstützen sie dabei. An diesem Tag beträgt die durchschnittliche Geschwindigkeit 8.4 Knoten (15.6 km/h) und einmal waren wir sogar 14.3 Knoten (26.5 km/h) schnell, vermutlich bei einer sehr hohen Welle.
Das Wetter bessert sich immer weiter auf, wir haben in dieser Phase nun kaum noch Regen. Auch der Wind reduziert sich etwas.
Leider fällt der Wind dann fast einen Tag lang so weit zusammen, dass unsere Segel immer wieder stark schlagen, wenn uns eine grosse Welle hin und her wirft. Unser Sportlerherz weigert sich, die Segel einzurollen und den Motor zu starten.
Solche Perioden mit schwachem Wind sind immer gefährlich, denn es gibt dabei sehr viel Bewegungen im Rigg. Regelmässig steige ich auf Deck, um nachzuprüfen ob alle Leinen noch fest sind, oder ob das Segel irgendwo scheuert.
Bei schlechtem Wetter bleiben wir konsequent im Cockpit und steigen nur bei Bedarf an Deck. Nun hat sich das Wetter so weit gebessert, dass «Ausflüge» auch ohne besonderen Grund möglich werden.
Sogar für ausgiebige Körperpflege sind die Bedingungen gut genug.
Der letzte Sonnenaufgang auf hoher See.
Wie immer feiern wir eine erfolgreiche Nachtfahrt mit …? Ja mit was denn??
Ja, natürlich: mit einem RAGUSA!!

Es liegen jetzt noch etwas mehr als 120 Seemeilen vor uns. Wir vermeiden normalerweise eine Ankunft bei Nacht, aus Gründen der Sicherheit. Von anderen Seglern haben wir aber Wegpunkte erhalten und die Anfahrt zum Ankerplatz ist frei von gefährlichen Hindernissen. Wenn alles gut läuft, dann liegen wir also beim nächsten Sonnenaufgang bereits vor Anker.

Und es läuft gut – sehr gut sogar: 11 Tage und 18 Stunden nach der Abfahrt in Cocos Keeling liegt Lupina sicher auf Rodrigues vor Anker. Genau 2’023 Seemeilen (3’747 Kilometer) liegen hinter uns, welche unsere Lupina mit durchschnittlich 7.1 Knoten (13.1 km/h) durchpflügt hat. Nun hat sie Ruhe verdient. Obwohl 5 Uhr früh Bordzeit (3 Uhr lokale Zeit) lassen wir es uns nicht nehmen, vor der verdienten Bettruhe noch einen Ankertrunk zu geniessen.
Normalerweise setzen wir Gastlandfahne und Q-Flagge, sobald wir ins Hoheitsgewässer eines neuen Land einfahren. Das wäre in der Nacht gewesen. Da traditionsgemäss immer Pia die Ehre zufällt, die Flaggen zu setzen, haben wir die Zeremonie auf die frühen Morgenstunden am Ankerplatz verschoben. Hier hat es keine Wellen und es ist somit sicher für Pia’s angeschlagene Rippe.
Kurz nach Sonnenaufgang werden wir per Funk von der Coast Guard aufgerufen und gebeten, mit dem Schiff an die Hafenmauer zu kommen, um dort die Einklarierung vorzunehmen. Der Reihe nach kommen alle Behörden zu uns aufs Schiff: Gesundheitsbehörde, Coast Guard (Bild), Zoll und Immigration. 2 Stunden später sind wir einklariert und legal im Land.
Nun liegt Lupina sehr gut geschützt im inneren Hafenbecken von Port Mathurin. Es ist aussergewöhnlich, dass ein Segelschiff so nahe beim Hafen ankern darf. Die Behörden sind diesbezüglich sehr entspannt. Sie informieren uns bloss, dass wir kurz Platz machen müssen, wenn ein Frachtschiff anlegen oder abfahren will. Das passiert alle 1-2 Wochen einmal.

Die nächsten 1-2 Wochen wollen wir nun Rodrigues erkunden und Lupina pflegen, bevor es dann weiter geht nach Mauritius. Mehr dazu im nächsten Bericht.

Es bleibt spannend! Folge der Lupina im Kielwasser!