Nach einer Woche Paradies auf Christmas Island zieht es uns weiter. Der Wind ist gut und unter Schmetterling Segeln geht es weiter westwärts. Unser Ziel: das letzte australische Fleckchen Erde: Cocos KeelingCocos Keeling ist, wie ebenfalls Christmas Island, ein Aussenposten von Australien. Es liegt rund 535 Seemeilen südwestlich von Christmas Island. Das Meer ist in diesem Bereich zwischen 4’000-5’000 Meter tief und frei von Gefahrenstellen. Allerdings erzeugen die schmalen, hohen Türme, die vom tiefen Meeresgrund bis ein paar hundert Meter an die Wasseroberfläche reichen (erkennbar an den hellen Flecken auf dem Satellitenbild), ein paar verwirrende Strömungen.Schönes Wetter ist angesagt mit wunderschönen Sonnen Auf- und Untergängen. Die ersten gut Zweidrittel der 535 Seemeilen langen Strecke sind wir schnell unterwegs. Dann, wir haben schon mit der Ankunft am selben Tag gerechnet, bricht der Wind fast komplett ein.Squalls (Regenwolken) beginnen uns zu verfolgen. Es wird ungemütlich.Das Wetter ist wohl auch für diesen gefiederten Freund (Rotfüssiger Tölpel) etwas zu öde, vor allem wird ihm der Wind gefehlt haben. Jedenfalls hat er sich eine ganze Nacht lang auf unserem Dinghi wohl gefühlt.Am Morgen des 4. Tages auf See, am 26. Juni 2026, erreichen wir Cocos Keeling. Same Procedure as always! Zuerst die Hoheitsflagge (auch die gelbe Quarantäne Flagge natürlich, aber nicht sichtbar auf dem Bild) …… dann die Kontrolle durch die Behörden. Alles sehr schnell und unbürokratisch.Wir liegen an einem wunderschönen Ankerplatz hinter der schmalen «Direction Island». Wellenschutz ja, Windschutz leider nein: es sind für die nächsten Tage Windstärken von 20-25 Knoten angesagt.Anders als Christmas Island, das aus einer grossen, hohen Insel besteht, ähnelt Cocos Keeling eher den Atollen in den Tuamotus im Pazifik. Auch hier ist der Ursprung vulkanisch, aber durch langsames Absinken und Erodieren des vulkanischen Sockels hat sich ein Atoll gebildet mit einem ringförmigen Aussenriff und einer geschützten flachen Innenbucht.
Auf Cocos Keeling leben rund 600 Menschen, die sich auf die beiden bewohnten Inseln Home Island (500 Einwohner) und West Island (100 Einwohner) verteilen. Die Geschichte von Cocos ist geprägt von einer feudalen Herrschaft, der Entstehung einer malayischen Kultur und strategischer Bedeutung in den beiden Weltkriegen. Namensgebend war auch hier der Entdecker im Jahre 1609, der britische Kapitän William Keeling, der sich nicht scheute, dem unbewohnten Atoll seinen Namen zu geben. Cocos bleibt lange unbewohnt. Erst 1826 gründete ein Britischer Händler die erste Siedlung mit Sklaven aus Malaysia für seine Copra Plantagen, die er aufzubauen begann. Das Atoll blieb aber auf der Weltkarte lange unbedeutend.
Das änderte sich schlagartig zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als weltweit eine Revolution in der Kommunikation einsetzte. Es war die Zeit, als man begann, Telegraphenleitungen in den Weltmeeren auszulegen, um entlegene Länder mit dieser neuen Technologie miteinander zu verbinden. Im Jahre 1901 wurde auf der unbewohnten Direction Island im Cocos Keeling Atoll eine Verbindungsstation errichtet und Seekabel verlegt. Cocos Keeling war ab diesem Zeitpunkt ein wichtiger Knotenpunkt, welcher Australien mit dem Rest der Welt verband. 10 Jahre später wurde zusätzlich eine Funkantenne errichtet, die es erlaubte, mit vorbeifahrenden Schiffen bis auf eine Distanz von 450km zu kommunizieren. So konnten wichtige Informationen, die über das Kabel weltweit nach Cocos gelangten, zu den vorbeifahrenden Schiffen übermittelt werden.
Auf Direction Island lebten zu Spitzenzeiten rund etwa 50 Leute, die alle für die Übermittlungsstation arbeiteten. Sie mussten sich selber ernähren, denn nur alle paar Monate kam ein Versorgungsschiff vorbei. Die beiden bewohnten Inseln, Home Island und West Island, durften sie nicht betreten oder nur zu speziellen Anlässen. Der sehr dominante und herrschsüchtige Plantagenbesitzer wollte nicht, dass es zu Kontakten kommt mit seinen Arbeitern.
Cocos Keeling spielte in beiden Weltkriegen eine wichtige Rolle:
– Im ersten Weltkrieg wurde hier ein deutsches Kriegsschiff, die SMS Emden, abgefangen, das damals die ganze Seefahrt in diesem Bereich des Indischen Ozeans verunsicherte. In den ersten 12 Wochen des 1. Weltkrieges eroberte oder versenkte die Emden 26 Handels- und Kriegsschiffe. Der Kapitän der Emden wollte die Übermittlungsstation zerstören und schlich sich bei Dunkelheit an. Eine von der Station aufgeschnappte Funkkommunikation zwischen der Emden und einem ihrer Begleitboote warnte die Leute an Land. Es gelang ihnen noch, über die Kabelleitung die Alliierten zu informieren und über die starke Funkantenne ein Kriegsschiff der Australischen Navy um Hilfe zu rufen. Nun, die Funkstation konnte von der deutschen Besatzung der Emden zerstört werden (es gab dabei aber keine Toten!), aber bis die Emden wieder losfahren konnte, war der australische Zerstörer HMAS Sydney vor Ort. Während dem nun folgenden, kurzen Kanonengefecht wurde die Emden so stark beschädigt, dass der Kapitän entschied, zur Rettung von Menschenleben das Schiff am Ufer auf Grund laufen zu lassen. Das war das Ende der berüchtigten SMS Emden – nicht aber der Übermittlungsstation: das Stationspersonal war bestens vorbereitet. In aller Eile hatten sie die wichtigsten Geräte und alle Ersatzteile im Wald versteckt. Innert kürzester Zeit war die Station wieder funktionsbereit.
– Im 2. Weltkrieg waren es die Japaner, die ihre Krallen nach der Insel ausstreckten. Auch diesmal gelang es der Besatzung der Anlage, die Einrichtung mit einer List zu retten: nach einem ersten Angriff japanischer Flugzeuge, deren Bomben ihre Ziele weit verfehlt hatten, mahlten die Leute Bombeneinschlage und Zerstörung auf Tücher und legten diese über die Dächer. Gleichzeitig übermittelten sie uncodiert nach Java, dass die ganze Anlage zerstört und nicht mehr einsatzfähig sei. Die Japaner schnappten diese Fake News (ja, es gab sie damals schon 😊!) ab, und glaubten das Märchen. Bis sie merkten, dass Cocos Keeling immer noch funktionierte, war der Krieg schon bald vorbei. Die Station überlebte auch diesen Weltkrieg.
Die Übertragungsstation musste im Verlaufe der Zeit moderner, drahtloser Übermittlung weichen. Heute dient Direction Island vor allem als Übungscamp für das australische Militär und als Naherholungsgebiet für die Einheimischen. Das erklärt diesen massiven Anlegesteg. Zwei Mal pro Woche gibt es eine Fähre, die Leute am Morgen auf die Insel bringt und sie am Abend wieder zurückholt.Typisch Australien! Du kannst noch so weit weg von der Zivilisation sein: es braucht ein ordentliches WC – inklusive Behinderten gerechtem Zugang. Ob das hier Sinn macht – frag nicht!Cocos Keeling ist die letzte Insel, bevor es dann westwärts in den offenen Indischen Ozean geht. Viele Segler, die diese sogenannte Südroute wählen (die Nordroute führt über Sri Lanka und die Malediven) legen hier einen Zwischenstopp ein und ruhen sich aus, bevor es in die schwierige Passage Richtung Mauritius geht. Viele verewigen sich mit ihrem Namen – wir finden auch denjenigen der Marisol, einem uns bekannten Schiff, dessen Reise wir regelmässig verfolgen.Blick von Direction Island südwärts in Richtung Home Island. Es ist gerade Ebbe. Deutlich ist der Durchfluss durch das Riff erkennbar. Meist sind solche Durchflüsse sehr interessant zum Schnorcheln und Tauchen, aber der seit Tagen anhaltende Wind sorgt für eine sehr starke Strömung. Wir müssen es bleiben lassen.Direction Island – der Strand zur geschützten Lagune – so feinen Sand haben wir selten gesehen.Pier von Home Island: Hier auf Cocos Keeling wird eine Gebühr erhoben fürs Ankern. Diese Gebühr kann man aber nicht gleich den Behörden bezahlen, die das Einklarieren vornehmen («Es wird nicht gerne gesehen, wenn wir Beamten Geld annehmen!», dies die wortwörtliche Antwort auf Pia’s Frage, ob wir die Gebühr nicht gleich an sie bezahlen können). Bezahlen muss man im Verwaltungsgebäude auf Home Island, rund 25 Franken für eine Woche. Also fahren wir am Montag mit unserem Dinghi die rund 2 Kilometer zur Home Island.Home Island: sehr zweckmässiges Fortbewegungsmittel der Einheimischen.Nummernschilder auf Cocos: «C» für Cocos und eine fortlaufende Nummer. Dies ist das 2004. Fahrzeug, seit der Einführung von Fahrzeugen auf Cocos. «Einkaufszentrum» auf Home Island – mit Apotheke, Supermarkt, Beauty-Salon und Souvenir-Laden. Nicht schlecht für einen Ort mit nur 500 Einwohnern. Auch auf Home Island finden wir Postkarten Strände vor.Home Island ist gerade mal 2 Kilometer lang und an seiner breitesten Stelle rund 1 Kilometer weit. Wir umrunden sie zu Fuss. Auf der dem offenen Meer ausgesetzten Seite machen wir einen interessanten Fund: eine von indonesischen Fischern oft benutzte Markierung von Fischfangstellen. Die hat sich offensichtlich losgerissen und ist hier, über 1’000 Seemeilen weiter westlich, gestrandet. Falls du dich fragst, warum Pia eine lange Hose und Blus trägt: aus Respekt vor den Lokalen, welche alle Malayischer Abstammung und somit Moslems sind.Wir sind gerade mal 3 Tage auf Cocos, hatten am Freitag, unserem Ankunftstag, und am Montag gutes Wetter. Nun, gegen Montagabend nimmt der Wind stark zu und eine Störung schiebt sich über das ganze Gebiet. Es wird ungemütlich – auch am Anker.Während der nächsten Tage huschen unsere Augen immer wieder über die Windanzeige. Aber der Wind lässt nicht locker und die Zahl bleibt hoch. Fast die ganze Woche sinkt der Wind nie unter 20 Knoten, liegt meist um die 25 Knoten, pfeift aber eine beträchtliche Zeit auch mit mehr als 30 Knoten. Für nicht Segler: bei diesem Wind ist es ungemütlich! Denn mit dem Dinghi grosse Erkundungsfahrten zu unternehmen, macht bei Starkwind keinen grossen Spass. Auch das Schnorcheln bringt bei aufgewühltem Wasser nicht sehr viel. Wir sind tagelang ans Schiff gebunden.Ist ja eigentlich auch nicht sooo schlimm. Da wäre ja da noch die Fussball WM, und auch sonst gibt es immer viel zu tun. Einzig das Wäsche Trocknen muss unter erschwerten Verhältnissen durchgeführt werden, denn draussen regnet es immer wieder.Und Bürokram gibt es auch auf einem Schiff zu erledigen 😉Der Regen hat auch seine schönen Seiten!
Jetzt, für das kommende Wochenende, zeichnet sich eine kurze Wetterbesserung ab. Der Wind fällt unter 20kn und der Himmel soll sich aufhellen. Diese Gelegenheit wollen wir nutzen, um die 2’000 Seemeilen nach Rodrigues (Nachbarinsel von Mauritius), unserem nächsten geplanten Stopp in Angriff zu nehmen. Wir wissen von anderen Seglern und aus diversen Segelbüchern, dass es eine ungemütliche und schwierige Passage sein soll.
Wir werden also morgen Samstag, 4. Juli 2026, Anker hoch gehen und die Reise starten. Diesen Bericht schliesse ich noch vor unserer Abreise ab – ich weiss ja nie ob es von unterwegs klappen wird. Wenn du diese Zeilen also liest, sind wir schon seit ein paar Tagen im Indischen Ozean. Wenn du wissen willst, wie weit wir schon sind:
Unsere Position auf Explore (diese aktualisiert sich, auch wenn wir kein Internet haben)
Unsere Position auf Noforeignland (dazu brauchen wir Internet – wir schalten dieses 2x pro Tag ein)
Es würde uns freuen, wenn du uns auf unserer Reise begleitest. Es bleibt spannend! Folge der Lupina im Kielwasser!