Überfahrt auf die Kapverden – oder: schnell wie der Wind

Tag 1, Montag, 13.1.2018:
Frühe Tagwache war angesagt. Um 6 Uhr schellte der Wecker und wir schossen unternehmungslustig aus unserer Koje. Nach einem ausgiebigen Frühstück machten wir zuerst uns selber see-tauglich, dann das Schiff: alle Luken dicht, alle Doradenlüfter (das sind die komischen Ohren, die auf dem Schiffsdeck stehen) nach hinten gedreht, damit kein Wasser rein kommt, alles im Schiff so verstaut, dass es nicht herumrutschen oder umfallen kann, Motor kontrolliert, alles was auf Deck nicht benötigt wird sicher verstaut und fest gezurrt. Dann wird der Motor gestartet und das Landstromkabel an Bord geholt. Alle Tanks sind voll, die Batterien auch. Dem Motor gönnen wir wie immer 10-15 Minuten Aufwärmung. In dieser Zeit wollen wir unsere Nachbarn wecken, die am Abend vorher noch mit uns Nachtessen waren und die versprochen hatten, uns am Morgen beim Ablegen zu helfen. Aber sowohl die Crew von „Karl“ als auch die von „Tiger Blue“ kamen auf dem Steg entgegen. Noch eine letzte innige Umarmungen und ein wehmütiges „adieu“ Winken – und los geht’s. Pia am Steuer, Köbi ist Deckmannschaft und versorgt Fender und Festmacherleinen. Nach ein paar Minuten sind wir im offenen Meer, setzen um 8:10 Uhr beide Segel auf Steuerbord, legen Kurs 204 Grad an – und los geht’s. Die Wellen sind gleich nach dem Hafen recht ruppig und unregelmässig. Ruppig aber mit gutem seitlichem Wind geht es rassig gegen Süden. Pia hat zwar etwas gegen Seekrankheit genommen, das Nachtessen kochen in der Pantry (Küche) geht gerade noch, aber war vielleicht doch zuviel: statt sich selber füttert sie zuerst einmal die Fische. Aber wieder zurück an Deck gewinnt der Hunger – und der Magen ist auch wieder zufrieden. Nach dem Nachtessen macht Köbi den Abwasch und den täglichen Rundgang auf dem Schiff, schaut ob alles in Ordnung ist, und übergibt dann das Steuer an Pia, welche die erste Schicht bis Mitternacht fährt. Übrigens: steuern tut bei uns ein Autopilot (unser „Kari“) die ganze Zeit, der macht einen besseren Job wie wir das könnten. Köbi übernimmt ab Mitternacht bis Morgengrauen. Schlafen bei der Überfahrt tun wir beide in einer speziell dafür vorgesehenen Koje, Leebett genannt, im Salon. So haben wir jederzeit gegenseitigen Sichtkontakt. Die erste Nacht verläuft relativ ereignislos, andere Schiffe sind keine unterwegs.
Nach den ersten 24 Stunden haben wir 170sm (Seemeilen) hinter uns – 540sm liegen noch vor uns

Leinen los in La Restinga, El Hierro …
… die Crews von „Tiger Blue“ und „Karl“ winken zum Abschied
So verabschiedet uns der Himmel von La Restinga (El Hierro)
Ein lieber Seglerfreund hatte gesagt, es gibt kein Wind. Ein Blick an den Himmel sagt aber: Passatwind par Excellence (Lehre daraus: die Natur sagt uns mehr als das Internet 🙂 )

Tag 2, Dienstag, 14.1.2018: Wetter nach wie vor schön und tagsüber angenehm warm. Wind ist genau nach Wetterprognose, frischt gegen Abend etwas auf, kommt nun mehr von hinten. Dadurch wird auch die Welle (ca. 1-2 Meter hoch) angenehmer. Wir sichern beide Segel gegen ungewolltes Flattern oder Umschlagen. Das Grosssegel mit dem Bullenstander, das Genua mit dem Spi-Baum. Wir sind nun beide mit dem Schiff vereint, auch Pia hat keine Probleme mehr. Wir geniessen die Fahrt, sitzen die meiste Zeit im Cockpit und schauen Meer, Wind und Wellen zu. Wir nehmen unsere von Angi geschenkte GoPro Kamera erstmals in Betrieb und machen die ersten Filme damit. Mal schauen, ob das etwas wird.
341 sm hinter uns (ETMAL 171sm) / 389 sm vor uns

Jeder Abend wieder ein spezieller Moment: der Sonnenuntergang auf offenem Meer

Tag 3, Mittwoch, 15.1.2018: Wind und Wetter bleiben wie gehabt. Die vergangene Nacht war für Köbi nicht so erholsam. Neben anderen lauten Geräuschen liess ihn ein lautes, wiederkehrendes Knarren nur oberflächlich schlafen. Er sorgte sich um eine Umlenkrolle für das Genua-Schot. In Gedanken sah er schon, wie sie versagt und das Genuasegel wild in den Wind flattert. Es zeigte sich aber dann, dass es die Bananenschale im Früchtenetz war.
Der Tag verlief dann segel-technisch perfekt, energie-technisch haben wir aber ein grosses Problem eingefangen: unser Stromgenerator hat sich automatisch abgestellt, und zeigt eine Fehlermeldung «Failure AC1 Voltage» an. Das hat dann Köbi den ganzen Nachmittag Betriebsanleitungen, Installationspläne und Stromschemas studieren lassen. Er konnte aber die Ursache des Defektes nicht herausfinden. Hätte er doch nur besser aufgepasst in den Elektrotechnik Vorlesungen in der Schule. Kurzfristig machen wir nun mit der Hauptmaschine Strom (Windgenerator und Solarpanelen können auf der langen Überfahrt nicht allen Verbrauch abdecken) und werden versuchen, in den Kapverden Hilfe zu bekommen. Auf die Nacht ist etwas mehr Wind angesagt, etwas weiter achterlich. Wir reffen das Genua, damit es weniger flattert in der Windabdeckung des Grosssegels. Die Wellen schieben uns kräftig voran, lassen uns aber auch intensiv rollen, was sehr unangenehm ist. Alles, was nicht niet- und nagelfest ist, fliegt herum.
Spannung für die Nachtschicht bringt ein anderes Segelschiff auf, das von Osten kam und in unsere Richtung abbog, kurz bevor es in unser Kielwasser gelangte. Mit 53 Fuss ist die «Valentina», wie wir im AIS sehen können, 10 Fuss länger als unser Schiff. Grosse Schiffe sind in der Regel schneller als kleinere. Unser Wettkampffieber ist angestachelt. Pia schaffte es in ihrer 1. Schicht, das Schiff fast auf Distanz zu halten. Im Morgengrauen hat Köbi dann die Distanz sogar wieder etwas vergrössern können. Wir wissen nicht warum, aber kurz vor Tagesanbruch macht die «Valentina» eine Kursänderung, die ihr viel Zeit und Distanz kostet. Dann versucht sie noch einmal, das Rennen aufzunehmen, schwenkt aber nach 3 Stunden endgültig ab. Spannend war’s 😊
526 sm hinter uns (ETMAL 184sm) / 184 sm vor uns

Tag 4, Donnerstag, 16.1.2018: Uns geht es prima, und wir sind «gefrässig». Wie jeden anderen Tag auch gönnen wir uns ein ausgedehntes Frühstück. Danach tätigt Köbi den Check am Schiff, um zu sehen, ob sich in der Nacht irgendwelcher Verschleiss angebahnt, oder ob etwas sich gelöst hat. Danach legt er sich schlafen, und Pia beginnt die Tagesschicht. Heute ist der Wind deutlich stärker (20-25 Knoten von schräg hinten) und die Wellen werden laufend grösser. Viel höher jedenfalls, als in der Vorhersage angekündigt. Gegen Abend haben sie gut 3-4 Meter. Aber Lupina prescht durch die aufgewühlte See und läuft wie auf Schienen, der Autopilot macht nur ganz kleine Korrekturbewegungen. Selten schafft es eine Welle, uns kurz aus dem Kurs zu werfen. Dann knickt Lupina tief auf eine Seite, das Wasser schiesst über die Bordkante und klatscht gegen die Fenster. Aber wie ein Stehaufmännchen richtet sie sich immer wieder auf in den Wind, um aus diesem die Kraft für den Vorschub zu ziehen. Wir surfen die Wellen mit Spitzengeschwindigkeiten bis zu 13 Knoten ab. Nach Erreichen des Wellenscheitels stehen wir aber auf der anderen Seite „am Berg“, da werden wir wieder stark abgebremst. Wir bleiben konstant auf unserem 204 Grad Kurs. Die Segel brauchen keine Korrektur. Wir haben viel Zeit zum Lesen, Nichtstun, Meer und Wellen beobachten. Das Wetter ist nun schon der 4. Tag schön und sonnig, was sich auch positiv auf unsere Gemüter niederschlägt. In der Nacht zum Freitag werden die Wellen noch höher und wilder. Es ist wie ein Rodeo-Reiten, was das Meer mit uns macht. Das Bewegen an Bord wird zum Kampf. Die sicherste Position ist das Sitzen oder Liegen. Jede andere Tätigkeit verlangt eine genaue Planung des nächsten Schrittes, sonst fliegt man gnadenlos durch das Innenschiff.

Pia bei einer wichtige Beschäftigung: sich genügend erholen und entspannen
Köbi’s Lieblingsplätzchen ist der Hecksitz

Ah, noch 2 Ereignisse:
A.) Hätten wir am Donnerstag nicht einem Frachtschiff ausweichen müssen, hätten wir die ganze Überfahrt wohl in 4 Tagen geschafft😊Wir hatten nicht den Mut, das Schiff in nur 0.2 Seemeilen Distanz zu passieren. B.) Wir haben die erste «Leiche» an Bord: ein kleiner Pulpo (Tintenfischart) ist wohl mit einer Welle an Bord gespült worden und hat dann den Abfluss nicht gefunden – schade um das Tier!
739 sm hinter uns (ETMAL 184sm) / 1 sm vor uns

Das Frachtschiff hatte seinen Weg haarscharf an uns vorbei programmiert. Für uns zu riskant – wir weichen aus
Pulpo, durch eine Welle an Deck geschwemmt, erst zu spät von uns gesehen 🙁

5. Tag, Freitag, 17.1.2018: Wir haben unsere Fahrt in der Nacht zum Freitag durch Reffen des Grossegels etwas eingebremst, damit wir nicht in der Nacht in den Hafen einlaufen mussten. Die sehr ungemütliche Fahrt (sehr hohe Wellen mit immer wieder querlaufenden Wellen dazwischen) raubt uns beiden den Schlaf. Alles was nicht fest eingeklemmt oder sonst sicher verstaut ist, macht sich durch Lärm oder durch Herumfliegen bemerkbar. Aber die Aussicht auf das nahe Ziel lässt uns dies geduldig hinnehmen. In der Morgendämmerung erreichen wir unser Ziel und wir ziehen die Segel ein. Dabei entdecken wir Leichen Nummer 2 und 3: 2 tote fliegende Fische, die offenbar in der Nacht unser Boot als Landebahn verwechselt haben.

Kleiner fliegender Fisch auf dem Heck, …
… und ein stattliches Model neben den Wanten. Schade, der hätte frisch gut in die Pfanne gepasst

Bei Sonnenaufgang setzen wir den Anker in Palmeira auf der Insel Sal. Wir geniessen unseren Erfolg mit einer erfrischenden Dusche und einem nahrhaften Frühstück (was denn sonst 😉) bevor wir uns an Land machen, um uns offiziell bei den Behörden anzumelden (= einklarieren). Die Lupina steht derweil mit der gelben Quarantäne-Flagge (= Q Fahne) im Hafen und wartet darauf, dass sie diese wieder los wird.

Pia setzt wie üblich bei der Landesgrenze die Gastlandflagge, Kapverden, und die gelbe Q-Flagge. „Q“ steht für Quarantäne. Das Schiff und dessen Crew muss zuerst von den Behörden inspiziert werden. Je nach Land wird das ganz unterschiedlich gelebt. Hier ist es einfach und vernünftig.Es gibt Länder, da darf man keinen Fuss an Land setzen, bevor das Schiff nicht mit Insektenspray behandelt worden ist
Und so wurden wir heute Morgen von Palmeira, Insel Sal (Kapverden), Willkommen geheissen
Pia bereitet den Anker vor, nach genau 96 Stunden (4 Tage) seit dem Ablegen in El Hierro
Palmeira (Insel Sal): Wir sind angekommen in einem neuen Kontinent: Afrika. Wir freuen uns darauf

Ihr staunt wohl, dass wir den Bericht schon haben. Wir auch! Aber wir haben es doch tatsächlich trotz des wilden Schaukelns geschafft, laufend unterwegs das Erlebte auf dem PC festzuhalten 😊

El Hierro – am südlichsten Punkt Europas angelangt

Am 5. Januar 2019 sind wir im Süden von El Hierro eingetroffen. Im südlichsten Punkt von Europa, dem kleinen Fischerdorf «La Restinga», machen wir die Lupina an einem Fingerponton fest. Hier liegen wir ruhig, auch bei starken Winden. Wir sind noch nicht mal ganz fertig mit dem Festmachen, steht schon der Hafenpolizist vor unserem Boot und will die Papiere sehen. Ganz modern zückt er sein Mobiltelefon, fotografiert alles, und das war’s dann auch schon mit den Formalitäten. Ganz anders die Marina. Das Büro ist wegen Ferienabwesenheit des Chefs geschlossen. Den Schlüssel sollen wir von einem Darío besorgen. Damit wir aber raus können, um den Mann zu suchen, brauchen wir einen Schlüssel – den wir aber noch nicht haben. Da gibt’s 2 Möglichkeiten: warten, bis ein anderer Bootsanlieger rein oder raus will, oder um das Tor klettern. Kurzer prüfender Blick, wir klettern. Geht gut. Wir machen uns auf die Suche des Schlüsselmannes. Alle kennen ihn, haben ihn irgendwo gesehen, aber es dauert dann 2 Tage, bis wir unseren Schlüssel endlich haben. Unsere Frage nach den Büro-Öffnungszeiten quittiert er mit einer kurzen Antwort: „Chef – Ferien!“. Wie lange? So genau weiss er es nicht. Vielleicht ist er nächste Woche da. Ja, und wo zahlen wir denn, wenn wir früher gehen wollen? Die knappe Antwort ist ein Achselzucken und eine klare Handbewegung, die bedeutet: dann geht ihr halt einfach.

El Hierro ist die kleinste der 7 Kanareninseln. Auf den 269 Quadratkilometern leben nur 11’000 Einwohner. Die Hauptstadt, Valverde (das grüne Tal), zählt gerade mal 2’000 Einwohner. Zum Glück ist hier der Tourismus noch nicht gross vorgedrungen. Hotelkomplexe und künstliche Badestrände – Fehlanzeige. Dafür umso mehr unberührte Natur, Wildheit und Abgeschiedenheit. Genau das mögen wir und wir machen uns auf, mit Mietauto (das wir per Bus am kleinen Inselflughafen mieten können) und zu Fuss Insel und Leute kennen zu lernen.

Der Hafen von La Restinga mit 2 Schwimmstegen. Gut geschützt bei allen Wetterlagen durch
ein vorgelagertes Riff und eine grosse Hafenmauer, von wo aus das Bild geschossen wurde. Die Küste in dieser Gegend steht unter Naturschutz. Deshalb kommen hier Fischarten vor, die an anderen Orten ausgerottet sind. Der felsige Meeresboden sorgt für glasklares Wasser. La Restinga gilt als das Tauchparadies der Kanaren. 2011 wurde es international berühmt, als vor der Küste ein Unterwasservulkan aktiv wurde.
Lupina ist das weisse Schiff vorne links
Der südlichste Punkt von Europa – wer von euch war schon hier?
Direkt neben dem Hafen peitscht die Brandung gegen die Felsen. Heute ist schönes Wetter, kein starker Wind. Wie sieht das wohl bei Sturm aus?
Auch auf El Hierro gibt es viele Wanderwege, einige davon sehr spektakulär entlang von sehr steilen Abhängen. Informationstafeln geben gute Auskünfte
Alles mit schönen Holzschildern markiert. Die so beschilderte Disco haben wir übrigens aber vergeblich gesucht 😊
Tipp für jemanden, der die Ruhe und Abgeschiedenheit sucht. Das Kleinstdörfchen «Pozo de las Calcosas» im Norden der Insel. Warnung: es ist wirklich seeehr einsam!
«Pozo de las Calcosas»: ein Lavaausfluss hat eine Plattform geschaffen, auf dem kleine Häuschen gebaut wurden. Mit Naturpool vor der Haustüre
Einsamkeit kann inspirierend sein. Hier hat ein Künstler gewirkt
Deutsche Sprach – swierige Sprach 😊 Immer wieder trifft man auf herrliche Übersetzungen (korrekt wäre: Zutritt verboten)
Auch auf El Hierro hat der berühmte Architekt von Lanzarote, César Manrique, ein spektakuläres Panoramarestaurant gebaut. Der «Mirador de la Peña» im Nordwesten der Insel zählt zu den absoluten landschaftlichen und architektonischen Highlights der Insel. Nach Westen fällt hier das Land abrupt über 600 Meter steil zum Meer in die weit geschwungene Bucht El Golfo ab. Das Gebäude ist fast gänzlich aus Naturmaterialen wie Holz und Vulkangestein gebaut und gliedert sich einzigartig in die Natur ein. Schon aus kleiner Distanz kann man das Gebäude an der Felsklippe nicht mehr ausmachen
Im Inneren des Panoramarestaurants bietet sich ein spektakulärer Rundblick über die Bucht El Golfo
Über 600 Meter tiefer die Bucht El Golfo. Entstanden ist diese ca. 15 km lange Bucht durch eine Serie von massiven Erdbeben vor mehreren 10’000 Jahren, wo ein grosser Teil des riesigen Kraters ins Meer weggebrochen ist
In diesem unwirtlichen Gelände aus Lavastein und Sand gibt es auch immer wieder die kleinen Wunder der Natur. Hier eine Pflanze, die sich teppichartig ausbreitet, den Boden beschattet und so die Wurzeln vor der sengenden Hitze schützt. Im Winter blüht sie herrlich gelb
Im Zentrum der Insel, westlich von El Pinar, gibt es ausgedehnte Kieferwälder. An diesem Stamm gut ersichtlich die extrem dicke und robuste Rinde
Es gibt viele Kiefern, die unten am Stamm ausgebrannt sind. Vermutlich durch einen oder gar mehrere Waldbrände, oder dann durch von Menschenhand im Windschatten des Baumes entfachtes Feuer. Diese Kieferart ist robust genug, um das verkraften zu können
Mit ihrem starken Wurzelwerk, das tief in die Steine vordringt, und dem weichen Nadelteppich schützen die Kiefern die Hänge vor einer schnellen Erosion. Schön zu sehen die «sauberen» Waldböden: die Kiefernadeln geben ein Gift ab, das keine anderen Pflanzen aufkommen lässt
Auf einem der vielen Berggipfel mit 360° Rundumpanorama – einfach zum Geniessen
Während der Süden von El Hierro sehr karg ist, strotzen im Norden allerlei grüne Pflanzen
Die Mandelbäume beginnen gerade zu blühen, dieses Jahr etwas früher wie sonst. Das Summen der Bienen ist von Weitem zu hören
Im Norden gibt es viel Landwirtschaft – Kleinbauernbetriebe, die nebst Selbstversorgung auch ein Teil ihrer Produkte auf dem lokalen Markt verkaufen können
Und sogar fruchtbare Erde für Ackerbau
Im Süden der Insel. Zur Zeit auch grün, aber meist Kakteen und andere Sträucher, die Trockenheit und extreme Hitze ertragen können
Das Wahrzeichen der Insel El Hierro: «El Sabinal». Dieser Wacholder Baum, der den permanent starken Nordwinden ausgesetzt ist, hat sich über die Jahrhunderte in seine heutige Form gebeugt. Seine Wurzeln haben sich fest und tief in Gestein und Erdreich festgekrallt
Auch dieses Exemplar hat wahrscheinlich schon viele Stürme erlebt. Zum Grössenvergleich steht Pia hinter einer der mächtigen Wurzeln. Diese Bäume waren früher wegen ihres sehr wertvollen Holzes sehr gefährdet. Wegen seiner Zähigkeit und der besonderen Eigenschaft, dass das natürliche Gift im Holz Holzwürmer und andere Insekten auf natürliche Weise abblockt, war es sehr beliebt für die Herstellung von Werkzeugen und im Bau
Aussichtspunkt «Mirador de Bascos»: prächtige Aussicht in nordöstliche Richtung über El Golfo
Küste westlich von La Restinga
In der Nähe des Leuchtturmes «Faro de Orchilla» auf einem Lavafeld. Deutlich ist der Lavakanal mit seinen versteinerten Wänden sichtbar
In diesem Lavafeld gab es auch mehrere Einbrüche in tiefere Lavakanäle. Köbi klettert durch eine dieser Öffnungen etwa 10 Meter hinunter in eine Höhle, welche durch einen Lavafluss erzeugt worden war. Mit dem Licht seines Handy’s wagt er sich in den unterirdischen Kanal hinein. Nach rund 200 Metern führt ihn dann dieser Ausstieg aus der Tiefe wieder ans Tageslicht. Pia fällt ein Stein vom Herzen
Leuchtturm «Faro de Orchilla»
Punta Grande, einst das kleinste Hotel der Welt (nun gibt es ein noch Kleineres)
Auf dem höchsten Berg der Insel: Pico de Malposo ,1’501 Meter hoch
Auch hier ist ein 360 Grad Rundblick garantiert. Und ja, keine Fotomontage, wir sind tatsächlich mit dem Auto direkt bis ganz oben gefahren 😉
Valverde – die einzige Inselhauptstadt der Kanaren, die nicht am Meer, sondern im Hochland auf 500-700 Metern liegt
Am 10. Januar noch stehen geblieben: das Weihnachts-Festzelt über dem Stadtplatz von Valverde
Valverde: jedes Haus hat Meerblick, sogar die angebaute Toilette
Und dann packt uns doch noch einmal die Wanderlust, bevor wir dann für mehrere Tage mit unserem Schiff auf dem Meer sitzen. Unser Weg führt uns durch eine einmalige Landschaft
Zuerst geht’s stramm bergauf …
… aber Silke vom Nachbarschiff Karl spornt uns dabei an. Ihr Mann Hans brachte uns mit dem Auto an den Startpunkt, und holt uns dann wieder ab
Und hier der Beweis: wir haben es auch zu Fuss auf den höchsten Berg von El Hierro geschafft
Gipfel erklommen, frisch verpflegt – nun freut sich das Wanderteam (Pia, Köbi und Silke) auf den Abstieg entlang des Kraterrandes
Die Gratwanderung entlang der Krete ist phantastisch
Und die sich immer wieder bietende Aussicht ist einfach Erholung pur

Unser Resumé: wir haben viel mehr Zeit in den Kanaren verbracht, als ursprünglich geplant war. Aber es hat sich absolut gelohnt. Wir haben viel mehr Interessantes und Schönes von den Inseln gesehen, als wir erwartet haben. Und wir haben auch viele interessante Menschen kennen gelernt, nicht nur, aber vor allem, in Seglerkreisen.

Etwas haben wir in dieser Zeit auch gelernt: Geduld zu haben und zu warten. So wie wir auf die Ersatzteile in Las Palmas oder das Segel in Teneriffa gewartet haben, so warten wir jetzt geduldig auf konstanten Wind, so dass wir ohne Flaute (wir wollen ja möglichst wenig den Motor brauchen zum vorwärts Kommen!) bis ans nächste Ziel gelangen. Wenn der Wind passt sind wir in 5-7 Tagen in den Kapverden. Morgen Montag früh ist es soweit. Gemäss Windvorhersagen baut sich ein konstanter Nordostwind auf und es heisst endlich wieder: Leinen los in den Süden!

Wir winken noch ein letztes Mal aus den Kanaren
Am Montag, 14.1.2019 verlassen wir nun Europa endgültig für längere Zeit und freuen uns auf neue, spannende Abenteuer!!

Warten auf das Segel und Silvester in Teneriffa

Im letzten Bericht haben wir geschrieben, dass wir in der Marina von San Miguel, Teneriffa, auf unser Segel warten. Es wurde am 29. November an TNT (international bekannte Transportfirma) übergeben für den Transport von China nach Teneriffa. Gleich zu Beginn lag es dann 8 Tage in Hong Kong, keiner weiss warum. Dann gelangte es über Frankreich nach Madrid, wo TNT auch wieder 12 Tage brauchte. Schlussendlich wurde es auf ein Schiff geladen, welches das Paket am 21. Dezember nach Teneriffa brachte. Von da an war es in der Zollabfertigung blockiert, weil TNT es nicht schaffte, die verlangten Dokumente über die Festtage bereit zu stellen 🙁
Als wir am Freitag, dem 28. Dezember, das Segel immer noch nicht hatten, entschieden wir uns, in San Miguel zu bleiben und Silvester hier zu feiern.

Lupina wartet geduldig im Hafen von San Miguel (Teneriffa) auf ihr neues Genua-Segel. Hinten weht die Schweizer Fahne, vorne die frisch gewaschene Wäsche
Immer wieder treffen wir in Häfen „Langlieger“ an. Dies sind Schiffe, die nur noch als Wohnung dienen, aber kaum mehr gefahren werden. Je günstiger die Liegegebühren, umso mehr hat es von dieser Sorte Schiffe. Oftmals gehören sie Leuten, die einmal einen Traum hatten, aber dann irgendwie aus dem Tritt gekommen sind. Dieses Schiff lag direkt neben uns. Der Besitzer offensichtlich ein Sammler, bewegt es seit Monaten nicht mehr
Über die Festtage hatten wir durchwegs schönes Wetter. In der Nacht für unseren Geschmack mit 15-17°C schon etwas kühl, tagsüber an der Sonne aber angenehm warm. Ideal für ausgedehnte Spaziergänge in die Berge oder, wie hier, der Küste entlang (im Hintergrund unsere Marina San Miguel)
Öfters ein Ziel unserer Spaziergänge: Hafen von Los Abrigos mit sehr feinen Restaurants und idyllischem Hafenbild

Als es klar wurde, dass das Segel nicht mehr im alten Jahr ausgeliefert wird, informierten wir sofort die Crews von „Karl“ und „Tiger Blue“, die immer noch in Las Palmas auf Gran Canaria lagen. Nicht unglücklich über diese News entschieden beide, auch nach Teneriffa zu kommen und den Jahreswechsel gemeinsam mit uns zu feiern. Die Marina San Miguel ist gross, da lässt sich gut eine kleine Neujahrsparty veranstalten! Dachten wir!
Schon ab Donnerstag Abend, 28. Dezember, begannen sich die leeren Plätze zu füllen. Am Tag danach war die Marina voll. Kein Problem – wir waren ja vor Ort. Fast heldenhaft (zwinker) konnten wir für beide Schiffe Liegeplätze fast direkt neben uns freihalten. Dies brachte Köbi den Ehrentitel „Hafenmeister“ ein.

Silke und Hans haben von ihrem Berufsleben 1 Jahr Auszeit genommen und sind mit Karl, einer Moody 33.6, unterwegs. Sie hatten wir erstmals in La Coruna, Spanien, getroffen
Martina und Christian haben ebenfalls ein 1-jähriges Sabbatikal genommen und sind mit Tiger Blue, einer gut ausgestatteten 10.7 Meter langen Nauticat, von Hamburg aus gestartet. Sogar ein Kompressor zum Tauchflaschen füllen ist vorhanden (beide sind begeisterte Taucher)
Wir haben ein Genaker an Bord, das wir bisher noch nie benutzt haben. Ein Genaker ist ein Segel, das man bei leichtem achterlichem (= von hinten) Wind vor das Schiff spannen kann. Wenn man weiss, wie das genau geht, ist es relativ einfach. Christian und Hans (beides Segler mit langjähriger Erfahrung) agieren hier als Segelinstruktoren, und Köbi als Lehrling
Nach 2-3 mal Probieren im Hafen steht das Segel recht gut. Nun freuen wir uns auf die nächste Gelegenheit, wo wir dieses Segel auf dem Wasser verwenden können
Nach der „strengen“ Arbeit wird der Erfolg in der Hafenkneipe begossen

Für Silvester hatten wir abgesprochen, unsere 3 Schiffe als Partymeile zu nutzen. Jede Crew bekam den Auftrag, für 2 Gänge des Silvesteressens zu sorgen. Getränke wurden vom jeweiligen Schiff genommen. So hatten wir einen sehr kurzweiligen uns spannenden Silvesterabend. Den Jahreswechsel haben wir ob dem fröhlichen Treiben fast verpasst – aber nur fast 🙂

Die erste Station unserer Silvesterparty war „Karl“, wo Gastgeberin Silke und Küchenchef Hans uns mit Apéro und dem 1. Hauptgang verwöhnten. Martina und Christian freuen sich hier auf die Gemüsequiche und den feinen Fisch …
… 2 Doraden, von Hans sehr fein zubereitet, schmeckten sehr lecker
Die 2. Station der Silvesterparty war Tiger Blue, wo Martina unter Beobachtung von Christian einen aromatischen Salat und als 2. Hauptgang Gulasch mit Nudeln auf den Tisch zauberte
Die 3 Skipper (vl): Christian, Köbi und Hans
Silvesterparty Gag: jeder Person wurde ein Tatoo zugelost und die Stelle, wo es hin musste 😉
Die beiden Frauen Silke und Pia agieren mit viel Spass, Hans trägt’s mit Fassung
Dritte und letzte Station: die Lupina. Pia verwöhnte unsere Gäste mit einer feinen Schokoladen-Mousse als Dessert. Und die würzige Zwiebelsuppe zum Neujahr gab uns allen den nötigen frischen Wind für’s 2019 🙂
Christian, Martina und Silke freuen sich über die Silvester-Scherzartikel
Glücklich ins 2019 gestartet! Allen Lesern wünschen wir ein erfolgreiches und schönes Jahr.
Am 1. Januar klopft es am Schiff. Blick nach hinten zum Steg – niemand da. Es klopft nochmals. Blick nach vorne zum Bug, vielleicht ist ja jemand mit dem Gummiboot da. Auch niemand. Es klopft wieder, diesmal etwas lauter. Woher kommt das?? Blick nach unten – ein Taucher! Christian, ein angefressener Taucher, wünscht uns guten Morgen
Am nächsten Tag lädt mich Christian spontan zu einem Tauchgang in der Hafennähe ein. Noch so gerne! Mit ihm als ehemaligem Tauchlehrer kann ich mein noch dürftiges Können vertiefen. Vielen Dank, Christian!
Hier mache ich gerade den Druckausgleich und halte mir dazu die Nase zu
Nach dem Tauchgang wird Köbi einfach zum Trocknen aufgehängt 🙂
Endlich ist es da, das neue Genua-Segel! Der Segelmacher Thomas (gelernter Bootsbauer in der Schweiz, hat sein Segelmacher-Wissen bei einem namhaften Französischen Segel-hersteller erworben, lebt schon seit Jahren auf den Kanaren) prüft nochmals das Rigg…
… und dann wird das neue Segel hochgezogen. Passt perfekt!
Natürlich wollte Köbi auch in den Mast (20 Meter hoch) – mit Kamera bewaffnet. So sieht unsere Lupina von ganz oben aus

Hans Böller fragt in seinem Kommentar: Ja Hallo! Wie kommt man 20m hoch…. wie geht dies …..ich staune einfach….mir ist ja schwindlig wenn ich dieses einmalige Foto anschaue… Und noch etwas: Runter muss man ja auch noch….hat hier der TV Wölflinswil eine gewisse Vorreiterrolle gespielt.
Lieber Gruss, Hans

Hier die Antwort auf die Frage von Hans: ganz einfach, man setzt sich in eine eigens dafür bestimmtes Gurtensystem, den sogenannten Bootsmann-Stuhl (fast ähnlich wie ein Kletter-Harness, einfach bequemer und zum Sitzen, 3 Bilder weiter oben ist er abgebildet) bindet diesen an eine der ganz nach oben gehenden Seile (zum Beispiel Spi-Fall, oder Dirk) und lässt sich von der unten bleibenden Person hochkurbeln. Normalerweise kurbelt die starke Person die leichte Person hoch, also ich Pia. Da wir eine elektrische Winsch haben, braucht Pia nur den Knopf zu drücken, und ab geht’s mit mir wie in einem Lift.

Abschied nehmen von unseren neuen Freunden. Von links: Martina, Pia, Köbi Christian, Hans

Nachdem nun endlich das Segel gekommen ist, sind alle offenen Punkte erledigt und wir bereit für die Weiterreise. Nachdem wir uns am Vorabend von unseren neuen Freunden Silke/Hans und Martina/Christian verabschiedet haben (sie bleiben auf den Kanaren und gehen dann von hier wieder zurück Richtung Europa), segeln wir am 4. Januar 2019 mit vollen Tanks und vollen Batterien los Richtung El Hierro, der südwestlichsten Insel der Kanaren. Nach einem Zwischenstopp im Süden von La Gomera (wegen dem Schwell eine sehr schauklige Nacht!) sind wir nun gestern in El Hierro angekommen. Hier werden wir rund eine Woche bleiben, Insel besuchen, Proviant auffüllen, und Strandleben geniessen.
Und dann geht es endlich ab in die Wärme der Kapverden!

Immer noch in den Kanaren, aber auf dem Weg nach Süden

Die Ersatzteile für unseren Wassermacher sind endlich in Las Palmas angekommen. Nachdem die lokale Firma, ROLNAUTIC, 2 Wochen lang wenig unternommen hatte, um an die Teile zu kommen, ist der Einbau dann aber sehr fix und schnell ausgeführt worden. Nun läuft die Maschine perfekt und wandelt Salzwasser zu gutem Trinkwasser um. Rund 60 Liter in der Stunde. Damit sind wir nun autonom und nicht mehr auf eine gute Wasserversorgung im Hafen angewiesen. Der Wassermacher, der unter 12 Volt Strom betrieben wird, saugt Meerwasser von aussen an, pumpt es zur Reinigung durch diverse Filter und presst es dann durch 2 lange Zylinder, wo das Wasser osmotisch entsalzt wird. Bevor das so entstandene Süsswasser dann in den Wassertank gelangt, wird es noch elektrisch entkeimt. Bei unserem Wasserverbrauch werden wir die Anlage zirka alle 2-3 Tage benutzen.

Die Wartezeit für die Ersatzteile wird auch für andere Unterhaltsarbeiten genutzt. Hier wird gerade die Dichtung der Frontlucke ersetzt. Bei ganz schwerem Seegang hat hier immer etwas Wasser reingedrückt

Die Wartezeit in Las Palmas haben wir mit vielen Spaziergängen durch die Stadt verkürzt und uns selber dabei „entschleunigt“. Angela, Pia’s Tochter, die in Bonaire lebt, meinte augenzwinkernd zu uns: „Welcome to the real world – nun könnt ihr euch auf das Leben in der Karibik vorbereiten“

Geräucherte und getrocknete Beinschinken vom Schwein, Rind oder Lamm warten auf den Verkauf. Super Trockenfleisch! Es gibt extra Halterungen und Fleisch-Hobel dafür, so dass zu Hause das Abschneiden einfach von der Hand geht
Donnerstag Abend in der Altstadt von Las Palmas ist immer Tapas-Abend. Die Strassen sind ziemlich voll mit hungrigen und durstigen Menschen – ein riesen Lärm hallt zwischen den alten Hausmauern
Mit den Crews von 2 anderen Segelschiffen kämpfen wir uns durch die Mengen und kosten hier und da die unterschiedlichsten Tapas. Silke (vorne) / Hans (2.v.l.) (Segelschiff Karl) und Martina (Mitte) / Christian (1.v.l.) (Segelschiff Tiger Blue)
Am 22. Dezember, kurz nach Sonnenaufgang, verabschieden wir uns endgültig von Las Palmas (Gran Canaria) in Richtung Teneriffa, wo wir die Weihnachtstage verbringen wollen
Unser erstes Ziel: Santa Cruz. Hier waren wir vor rund 2 Wochen schon mal, damals noch mit der Fähre von Gran Canaria her. Die Stadt hat uns gut gefallen und wir wollten noch mehr sehen davon. Hier ein schöner Kachel-Brunnen auf dem Plaza Weyler
Natürlich ist in der Weihnachtszeit alles speziell beleuchtet. Hier der Sitz der Inselregierung direkt vor der Marina in weihnächtlicher Beleuchtung
Sogar die Haustiere tragen Weihnachtsdekoration …
… da will Frau natürlich auch 🙂

Schon länger haben wir uns darauf gefreut, Weihnachten auf der Lupina zu verbringen – nur wir Zwei – ganz gemütlich. Pia kocht sehr gerne (und gut!) und hat mich, den Schreibenden, und sich mit einem genussvollen 5-Gang Menü verwöhnt. Mehrmals in den Tagen vor Weihnachten konnte man sie antreffen, wie sie über alte Kochbücher gebeugt sich von den vielen feinen Sachen inspirieren liess.

So sah es dann bei uns am Vormittag und frühen Nachmittag des 24. Dezembers aus: Pia verbringt mehrere Stunden in der Kombüse (Seemannsausdruck für Küche) und bereitet ein 5-Gang Menü vor. Köbi fiel die Pflicht zu, immer wieder von den feinen Schlemmereien zu kosten zu müssen 🙂
Und das ist das Ergebnis von Pia’s wirken. Der 2. Gang: Lauchcrème-Suppe mit Koreander, dazu feierliche Musik und romantische Stimmung. Vielen Dank Pia für das tolle Menü!!

Am 25. Dezember dann segeln wir die rund 35 Seemeilen nach Süden in den Hafen von San Miguel. Hier lagen wir Ende Oktober schon mal und haben vom lokalen Segelmacher, Thomas Studer, einem ausgewanderten Schweizer aus dem Bernbiet, ein neues Genua-Segel bestellt. Dies wollen wir uns abholen und gleichzeitig auch noch den 3000 Stunden Service am Volvo Motor machen lassen. Eigentlich hätten wir auch 1 oder 2 Tage später segeln können, aber am 25. Dezember haben wir viel Wind, müssen zwar aufkreuzen, können aber den grössten Teil der Strecke segeln.

Unterwegs angetroffen: Erdöl auf den Kanaren?? Schon in Las Palmas lagen sehr viele Bohrplattformen vor Anker. Auch hier im Süden von Teneriffa liegen solche Ungetüme vor Anker. Da im Moment die Erdölpreise tief sind, investiert niemand in die Erdölsuche. Auf den Kanaren, insbesondere in den von der Regierung betriebenen Häfen, sind die Liegegebühren sehr tief. So wurden diese Ungetüme kurzerhand auf die Kanaren verfrachtet und warten nun hier auf Aufträge – oder auf ihre Verschrottung
San Miguel: ein relativ neuer Hafen, der zu einem Golfgelände gehört. Etwa 2 Kilometer daneben ein altes Fischerdorf, das durch den neu gewonnenen Touristenstrom zu profitieren scheint. Dieser Neubau ist aber wohl noch etwas zweckentfremdet
Köbi in der Werkstatt der lokalen Volvo Vertretung. Der Inhaber, Marc, ist ein Holländer, der mit seiner österreichisch-kanarischen Crew professionelle und kompetente Arbeit leistet. Hier testen wir gerade unseren hydraulischen Achterstag-Spanner, der schon länger etwas Öl verloren hat und nun neu abgedichtet worden ist.

Die Servicearbeiten am Motor sind erledigt und wir wären bereit, weiter südwärts zu ziehen. Aber das neue Segel, das seit Ende November in den Händen von TNT, einer international bekannten Transportfirma, liegt, ist noch nicht da. Anfragen beim Kundendienst und der Zollabfertigungsabteilung dieser Firma verlaufen ins Leere. Hotline Nummern werden nicht beantwortet – bei Mails wird automatisch der Empfang bestätigt, dann Funkstille. Wirklich ein Frust – unglaublich, dass sich eine Transportfirma diesen lausigen Kundendienst leisten kann. Aber wie sagte doch Angi auf Bonaire: „welcome to the real world – ein gutes Training für die Karibik!“

Also, wir üben Geduld und warten 🙂
Eigentlich war unser neuester Plan, Neujahr in El Hierro, der südlichsten Insel in den Kanaren, zu verbringen. Dieser Plan braucht wohl demnächst eine Revision. Die Crews von „Karl“ und „Blue Tiger“ sind nicht unglücklich darüber. Wir haben mit ihnen am Tapas Abend in Las Palmas abgemacht, dass wir Neujahr zusammen feiern wollen. Nun müssen sie vielleicht nicht so weit segeln, um mit uns zu feiern.
Schaun wir mal 🙂

Warten auf Ersatzteile in Las Palmas – die Zweite

Noch immer lässt uns ROLNAUTIC so ziemlich hängen und kümmer sich wenig bis nicht um unsere fehlenden Ersatzteile. Zum Glück haben wir nun direkten Kontakt und können mit dem Lieferanten vereinbaren, dass die Teile in einem Paket zusammengefasst von der USA direkt nach Las Palmas geschickt werden, und nicht wie sonst üblich über ihr Zentrallager für Europa in Deutschland. Im Tracking Tool der Firma sehen wir, dass das Paket heute morgen in Gran Canaria eingetroffen ist. Die Chancen steigen also, dass wir noch diese Woche von Las Palmas aufbrechen können.

In der Zwischenzeit wird es uns aber nicht langweilig. Wir bunkern weiter nicht verderbliche Lebensmittel und Getränke (Wein und Bier, Wasser brauchen wir nicht, das können wir ja selber produzieren), Früchte und Gemüse

Am täglichen Markt in Las Palmas decken wir uns mit frischem Gemüse und Früchten ein
Alles, was verderblich ist, wird eingefroren wie es ist, oder für die Überfahrten vorgekocht (Bild) und in Portionen abgepackt in den Tiefkühler gesteckt oder in Gläser heiss eingefüllt
Und dann hat auch uns etwas die Weihnachtszeit umschlungen. Von zu Hause kriegen wir viele Bilder aus den heimischen Backstuben. Das motiviert Pia dazu, auch uns mit feinen Weihnachtsguezli zu verwöhnen. Nicht ganz so einfach, wenn alle Zutaten auf Spanisch angeschrieben oder zum Teil hier gar nicht bekannt sind. Für Pia kein Problem, sie findet immer etwas, was sich backen lässt
In unserer „Stammbeiz“ direkt vor unserem Pier, der „Sailor’s Bay“, treffen wir regelmässig Mitsegler und alte Bekannte. Als Schlummertrunk darf der Barraquito nicht fehlen
Der frühere Besitzer der Lupina hat seine ganze Anglerausrüstung an Bord gelassen. Während Pia Guezli bäckt, sortiert Köbi das Angler-Material und lässt sich von Christian, Skipper der Tiger Blue (die wir hier nach Vilana do Castelo, unserem ersten Hafen in Portugal, zum 2. Mal treffen), ein paar wichtige Ratschläge geben, wie die Köder zu verwenden sind

Wir hatten ursprünglich eigentlich nicht mehr geplant, grössere Touren auf der Insel Gran Canaria zu unternehmen, da wir diese in den vergangenen Jahren schon mehrmals bereist haben. Als sich dann aber im Verlaufe der Vorwoche abzeichnete, dass die Teile erst am Mittwoch diese Woche eintreffen werden, haben wir spontan noch 2 Tage ein Auto gemietet und einen Ausflug in die Erinnerungen unternommen. Es ist immer wieder spannend, Bilder aus der Vergangenheit mit dem realen Bild heute zu vergleichen. Einige Orte erkennen wir kaum wieder, andere sind noch genau gleich. Uns ist aufgefallen, dass vor allem im Strassenbau sehr viel modernisiert wurde und vermutlich Dank viel Euro Geldern mit richtig grosser Kelle angerichtet wurde.

Firgas: Ort im Norden der Insel, der für seine Quellen berühmt ist. Das Mineralwasser von hier ist fast in jedem Supermarkt zu finden. Die Wassertreppe im Zentrum ist ein Besuchermagnet
Galdar: erste Spanische Hauptstadt der Insel und zuvor das Zentrum einer der prähispanischen Reiche der Altkanarier. Die Stadt überrascht uns mit ihrem eigenwilligen, sehr speziellen Weihnachtsschmuck: die ganze Fussgängerzone ist mit bunten Blumenbeeten überdeckt. In diesen Beeten befinden sich Masken und Relikte aus Zeiten der Ureinwohnern
Galdar: statt Weihnachtsmarkt gibt es hier einen Auto-Oldtimer Markt (hier Sektor der Käfer). Köbi’s Autoherz hat gejubelt

Uns ist aufgefallen, dass die Landschaft auf der ganzen Insel, sogar auch im Süden, diesmal viel grüner war als in anderen Jahren. Offenbar hat es in den letzten Wochen oder Monaten deutlich mehr Niederschlag gegeben wie sonst üblich. Wir waren früher schon oft zu den idyllischen Stauseen in den Bergen gefahren, dort meist aber nur trockene Ufer um kleine Wassertümpel angetroffen. Diesmal war es deutlich anders.

Die Stauseen in den Bergen sind zur Zeit gut gefüllt
Stausee Presas Las Niñas im Süden: der Uferbereich, wo sonst alles verdorrt ist, ist zart begrünt, der Pegelstand schön hoch
Und es gibt sie noch, die engen, extrem steilen Bergstrassen. Hier ist das Können des Fahrers noch gefordert. Manchmal braucht es sogar auch noch etwas Mut. Spass pur!
Gewaltiges Panorama mit Blick gegen Süden Richtung  Roque Nublo (höchste Felsnadel in der linken Bildhälfte)
Roque Nublo: 1813m hoch. Er entstand vor 3-5 Millionen Jahren, als sich im Inselzentrum ein gigantischer, mindestens 2500m hoher Schichtvulkan bildete. Dieser Vulkankegel wurde im Laufe der Zeit durch geologische Einwirkungen und Naturkatastrophen stark abgetragen. Nur die Formationen aus härtestem Material blieben bestehen und wurden durch die Erosion auf ihre heutige Form abgeschliffen.
Wir waren schon ein paar mal hier, aber noch nie hatten wir so tolles Wetter
Roque Nublo (1813m): die durch Erosion geschliffene Felsnadel ist 62 m hoch und auf Grund ihrer Lage ein Wahrzeichen von grosser symbolischen Kraft auf Gran Canaria
Blick fom Roque Nublo in Richtung Norden …
… und vom gleichen Aussichtspunkt Richtung Westen. Ganz schwach im Hintergrund der Teide auf Teneriffa
Vom Roque Nublo Blick Richtung Osten zu den höchsten Punkten auf Gran Canaria: Pico de las Nieves (1949 m) und Morro de la Agujereada (1956 m)
2 „Madonnas“ strahlen um die Wette! Die kleine gelbliche, nadelförmigen Felsformation in der Bildmitte erinnert uns an eine Madonna
Kraftübungen erhalten jung und fit

Gestern Dienstag war Waschtag angesagt und Pia hat wie üblich an solchen Tagen ihre Wäscheleine spinnen-netzartig über das Vorschiff gespannt. In der trockenen warmen Luft und bei Sonnenschein trocknet jede Wäsche in Minutenschnelle. Köbi hat sich mit allgemeinen Reparatur- und Unterhaltsarbeiten am Schiff verweilt. Morgen sollen die so sehnlichst erwarteten Teile kommen, und am Donnerstag werden sie dann eingebaut. Drückt uns bitte alle Daumen, dass der Wassermacher nachher perfekt läuft 🙂  

Warten auf Ersatzteile in Las Palmas

Nach unserer Rückkehr aus der Schweiz nach Puerto Rico haben wir alles in bester Ordnung angetroffen auf unserer Lupina. Bereits am nächsten Tag fuhren wir Richtung Arguineguin, wo sich nochmals Besucher angekündigt hatten, und wo Pia’s Mutter, Maria, uns mit einem feinen Nachtessen bei sich verwöhnte (vielen Dank Maria – es war sehr lecker!).

Loni und Manny aus Arguineguin bei uns auf dem Boot

Nach einer gemütlichen Ankernacht im dortigen Hafenbecken fuhren wir unter Motor (den Wind hatten wir genau auf der Nase, und wir wollten möglichst früh am Ziel sein) der Küste entlang nordwärts nach Las Palmas. In Las Palmas gibt es eine Vertretung unseres Wassermachers, den wir seit dem Kauf unseres Bootes noch nie benutzt haben. Dazu muss man wissen, dass ein Wassermacher, der nicht regelmässig betrieben wird, rasch kaputt geht: Dichtungen und Membranen verspröden und reissen, Ventile verhocken, Sensoren verkrusten mit Seewasser. Da in Europa die Wasserversorgung in den Marinas gut funktioniert und man keinen Wassermacher braucht, haben wir schon lange geplant, diesen erst ab den Kanaren zu nutzen und ihn dort nach einem gründlichen Service in Betrieb zu nehmen. Wir wissen nicht, ob es unser Charm, unsere Naivität oder der Arbeitsauftrag für den Wassermacher-Service war, aber wir haben auf Anhieb in der bereits überfüllten Marina einen Platz erhalten. Boote vor und nach uns wurden abgewiesen, mussten meist tagelang vor dem Hafen ankern, bis sie rein durften.

Kaum in der Marina festgemacht wurden wir von den Behörden inspiziert, oder korrekt ausgedrückt «Behörden ausser Dienst»: Viktor, ein ehemaliger Gemeinderatskollege von Wölflinswil, und seine Frau Christine, kamen zur Visite und wollten prüfen, ob alle Bewilligungen korrekt eingeholt worden sind und ob wir auch ein anständiges Leben führen.

Christine und Viktor zu Besuch auf der Lupina in Las Palmas. Sie bestätigen uns: alles ist in bester Ordnung. Christine wollte dann aber doch nicht auf’s Meer hinaus mit uns 🙂

Wir haben damit gerechnet, dass wir für die geplanten Arbeiten ein paar Tage einrechnen müssen. Die Firma „Rolnautic“ war zwar schon vor unserer Reise in die Schweiz vorinformiert worden, aber wir sind ja auf den Kanaren und man weiss nie so genau, was der Tag bringt. Also haben wir noch andere Dinge eingeplant, die wir während unseres Aufenthaltes in Las Palmas erledigen wollen.

Köbi macht einen Tauchkurs, um im weiteren Verlauf der Reise eventuell einen blockierten Anker freitauchen oder das Unterwasserschiff inspizieren und reinigen zu können
Pia füllt unser Schiff mit Proviant. Hier beim Einkauf von Lebensmitteln, die von Mitarbeitern des Ladens in Kisten gepackt und direkt zum Schiff gebracht werden. Das nennen wir einen super Service!
Pia inmitten des eingekauften Proviants (Teigwaren, Reis, Getränk, Gemüse, Müesli, ….)
Verderbliches, wie Gemüse und derlei, wird direkt vorgekocht, …
… und in Frischhaltegläser sterilisiert. So müssen wir unterwegs, wenn es mal heftiger schaukeln sollte, keine gefährlichen Arbeiten wie schälen, schneiden, usw., ausüben und nicht lange unter Deck in der Küche stehen
Und natürlich wird auch des Nachtleben in Las Palmas genossen. Immer abgerundet mit einem Barraquito, einem feinen Kaffee, der schichtweise mit süsser Kondensmilch, Likör, Kaffee und Milchschaum aufgegossen wird. Schmeckt lecker und es lässt sich prima schlafen danach 🙂
Weihnachtsschmuck mal ohne Tannenbäume – kitschig zwar aber irgendwie doch schön
Unserem Schiff verpassen wir in Las Palmas den letzten Schliff – das gleiche versucht Pia hier vergebens mit ihren Schuhen
Wir Drei wären nun bereit für den nächsten Schritt

Aber leider fehlen uns Ersatzteile für den Wassermacher. Die Inspektion/Service hat ein gerissenes Plastikröhrchen und einen defekten Durchflussmesser zu Tage gebracht. Der lokale Vertreter (Rolnautic) hat diese Teile nicht an Lager. Zu unserem Erstaunen ist er auch nicht in der Lage, die Bestellnummer für die Teile zu identifizieren. Als nach mehr als einer Woche immer noch nicht klar ist, was zu bestellen ist und wann es hier vor Ort verfügbar sein wird, beschliessen Pia und Köbi kurzerhand, die Wartezeit mit einem Ausflug nach Teneriffa zu verkürzen. Da wir Gran Canaria schon öfters bereist haben, wollen wir lieber die uns noch unbekannte Nachbarinsel, die grösste Insel des Archipels, bereisen.

Mit der Katamaran-Fähre von Fred Olsen lassen wir uns mit 65 km/h in weniger als 2 Stunden Fahrt nach Teneriffa bringen
Kaum in Santa Cruz de Tenerife angekommen treffen wir im Hafengelände die Handschrift von Schweizer Star-Architekten an. Herzog & De Meuron haben hier einen neuen Hafen entworfen. Die Umsetzung des Projektes wurde 2006 gestartet, ist im Fussgängerbereich schon fast fertig, dauert aber im Wasserbereich wohl noch einige Jahre an
Auch in Santa Cruz ist unverkennbar Weihnachtszeit. Hier glitzern exotische Vögel anstelle unserer pausbackigen Engel vom Sternenhimmel

Am Vortag unserer Reise nach Teneriffa wurden wir via E-Mail von einer jungen Dame aus Holland kontaktiert. Sie stellte sich als Tochter eines ehemaligen Postauto-Chauffeurs vor, der früher im Betrieb meines Vaters gearbeitet und mit dem ich mich immer gut verstanden hatte. Sie hatte in der AZ (Aargauer Zeitung) von uns gelesen und war gerade auf Teneriffa in den Ferien. Wir freuten uns sehr über diese spontane Kontaktaufnahme und verabredeten uns noch für den Abend unserer Ankunft in Santa Cruz zu einem gemeinsamen Abendessen.

Tanja Bucher und ihr Ehemann Urs treffen uns in Santa Cruz zum Abendessen. Die beiden sind für 3 Jahre nach Den Haag (Holland) gezogen, wo die Frickerin am Internationalen Gerichtshof arbeitet. Wir plaudern intensiv über gemeinsame Bekannte und alte Zeiten. Euch beiden herzlichen Dank für den spannenden Abend
Am nächsten Morgen geht’s los mit dem Mietauto zur Erkundigung der Insel. Spektakuläre Natur im Anaga Gebirge (Nordosten der Insel) teilweise nur über halsbrecherische Strassen erreichbar. Im Sommer wohl kahl und braun, jetzt im Winter in leuchtendem Grün
Über Jahrtausende stark erodierte und zerklüftete Lavamasse. Schroffe Bergkämme und steil abfallende Flanken stellen kaum überwindbare Hindernisse dar
Wo die Bergflanken flacher sind wird Landwirtschaft betrieben
Südlich ans Anaga Gebirge grenzt eine Hochebene, die vor Jahrmillionen aus einem erstarrten Lavasee entstanden ist. Sie ist gekennzeichnet durch fruchtbare Böden und, dank genügend Wasservorkommen in diesem Teil der Insel, durch eine üppige Vegetation
Eine Stickerin, die ihre Arbeiten an einem der unzähligen Aussichtspunkte an Touristen anbietet, wird von potentiellen Kundinnen umzingelt. Pia, gelernte Damenschneiderin, mustert genau und attestiert ihr gute Qualität, kauft aber trotzdem nichts (unsere gegenseitige Abmachung wirkt: nur wenn etwas Altes weggeht, darf etwas Neues gekauft werden)
In Icod de los Vinos, einem bekannten Winzerdorf an der Nordwestküste von Teneriffa, treffen wir auf diesen besonderen Drachenbaum. Als «Drago Milenario» – tausendjähriger Drachenbaum – wird er bezeichnet. Wie alt er tatsächlich ist, weiss man allerdings nicht so genau, jedenfalls dürfte er kaum die 400 Jahre überschritten haben – dennoch ein beeindruckendes Alter
Am 8. Dezember, vorweihnächtliche Stimmung in Icod de Vinos: Dorffest (mit viel Wein) zur Erinnerung an Maria Empfängnis
Marronis haben auf Teneriffa eine lange Tradition und fehlen an keinem Fest in dieser Jahreszeit. Hier Marroni-Ofen in Puerto de la Cruz
Punta de Teno, Bucht am westlichsten Zipfel von Teneriffa. In dieser Bucht haben wir am 1.11.2018 geankert, als Nelly an Bord war und wir nachher nach Gomera übergesetzt haben. Um Unfällen und Verkehrsstaus vorzubeugen ist die Zufahrt zu dieser Landzunge stark beschränkt. Wir haben den öffentlichen Bus gewählt. Distanz rund 10 Kilometer über eine spektakuläre Küstenstrasse hoch über dem Abgrund , hin und zurück: 2 Euro pro Person
Köbi hat sich in die tollkühnen Bergstrassen Teneriffa’s verliebt. Eine der schönsten Strecken verläuft quer durch das Teno Gebirge, von Buenavista del Norte nach Santiago del Teide. Zwischendrin liegt das malerische Bergdorf Masca
Masca: Das kleine Bergdorf im Teno Gebirge (Nordwesten von Teneriffa) war bis 1960 nur über Saumpfade zugänglich
«Der» Berg auf Teneriffa! Unverkennbar wie das Matterhorn oder der Fujiama. Mit 3’718m ist der Teide der höchste Berg von Spanien (zur Erinnerung: die Kanarischen Inseln gehören zu Spanien) und stand somit schon lange auf unserer Wunschliste. Und ja, 
das Weisse auf dem Bild ist tatsächlich Schnee!
Die Anfahrt am frühen Morgen kurz nach Sonnenaufgang

Der alles überragende Pico de Teide ist ein Vulkan, der sich Schicht für Schicht durch wiederkehrende Eruptionen aus einem zentralen Schlot aufgebaut hat. Seit 500 Jahren wächst er aber nicht mehr nach oben, sondern nach Westen. Ok, wir geben es zu, wir sind mit der Luftseilbahn vom obersten Autoparkplatz (2’356m) zur Bergstation (bei 3’555m) gefahren. Leider braucht es für den restlichen Weg zum Gipfel (3’718m) eine vorgängige Bewilligung, die man übers Internet beantragen kann. Die Anzahl Bewilligungen ist beschränkt und bis Mitte Januar 2019 bereits komplett ausgebucht. Unser Versuch, die Bewilligung direkt vor Ort zu erhalten, scheitert leider kläglich

Oben auf dem Teide winkt ein phantastisches 360° Panorama. Hier der Blick in Richtung La Gomera und El Hierro, mit dem Krater des Pico Viejo im Zentrum (entstand vermutlich 1492)
Ein Gipfelbild ist natürlich ein Muss. Pia lässt sich als Paparazza anheuern
Irgendwo packt uns dann doch noch etwas der Ehrgeiz und wir steigen die knapp 10km lange Strecke zu Fuss wieder ab zu unserem Auto (im Hintergrund Gran Canaria). Zunächst geht’s durch messerscharfes, rabenschwarzes Lavagestein …
…. das bald abgelöst wird durch gelbrötlich bunte Lavamasse

Zum Abschluss ein Bild von Pia. Sie hat Freude gefunden an den speziellen Toren, die wir immer wieder antreffen. Einmal ist ein Tor schlicht und einfach gestaltet, dann wieder pompös und prunkvoll. Das Bild unten symbolisiert unsere aktuelle Situation. Wir sind seit gestern wieder retour auf der Lupina. Rolnautic, die lokale Firma, die uns die Ersatzteile für den Wassermacher bestellen sollte, hat in der Zwischenzeit keinen Fortschritt erreicht. Seit dem 26. November sind die Teile, die wir brauchen ausgebaut und bei ihnen. Sie versuchen uns glauben zu lassen, dass sie dauernd versuchen aber keine Antwort erhalten vom Lieferanten. Köbi hat nun verlangt, dass wir den ganzen Mailverkehr erhalten. Den hat er nach wiederholtem persönlichem Vorsprechen gestern Abend endlich bekommen und festgestellt, dass seit dem 4. Dezember kein schriftlicher Kontakt mehr stattgefunden hat zwischen den Firmen. Zum Glück haben wir nun den direkten Kontakt zum Technischen Kundendienst des Deutschen Lieferanten, welcher die Anfragen behandelt. Da hat er nun bereits ein Mail geschrieben und ruft an, bis die Teile eruiert und unterwegs sind. Bis es soweit ist, stehen wir vor einem verriegelten Tor, sehen zwar Licht am Horizont, aber eben, können nicht weiter. Wir bleiben guten Mutes. Sicher geht’s bald aufwärts, das heisst dann für unseren Fall: westwärts 😊
Zuerst haben wir nun aber gesehen, das SY Karl, mit seiner Crew Silke und Hans auch hier eingelaufen sind. Wir freuen uns auf ein Wiedersehen.

Wir sitzen fest in Las Palmas

Ferien in der Schweiz

Am 14. November sind wir in die Schweiz geflogen und gestern wieder zurück. Bevor wir nun Europa endgültig den Rücken zukehren, wollten wir unsere Familien nochmals besuchen und unsere Wohnung definitiv räumen. Mit Bus, Flugzeug, Bus, Zug und nochmals Bus kamen wir gegen Mitternacht zu Hause in Wölflinswil an. Regine, Köbi’s Schwester, hat so lange ausgeharrt und war die Erste, die uns begrüsste.

In den folgenden Tagen hatten wir ein sehr kurzweiliges und interessantes Tätigkeits- und Besuchsprogramm.

Erwartet wurden wir von einer herrlichen Herbstlandschaft (Blick aus unserer Wohnung)

Farbenfroher Herbstschmuck (bei Jasmin, Jan und Jael)

Am 1. Abend hatte uns Jasmin, Köbi’s Nichte, zur Feier ihres 18. Geburtstages eingeladen. Eine wirklich tolle junge Frau, die schon mit beiden Füssen im Leben steht. Köbi nutzte die Gelegenheit und gab ihr im Verlauf der Woche die ersten Fahrstunden. Kupplung und Anlasser des Autos wurden kräftig getestet, aber nach rund 2 Stunden fuhr sie schon recht gut. Nur das Auto stinkte förmlich zum Himmel, hatte die junge Fahrschülerin doch auf den Nebenstrassen liegende Pferdeäpfel und Kuhmist immer wieder punktgenau getroffen.

In den nächsten Tagen waren wir dann voll ausgelastet mit Einkaufsarbeiten für unsere Lupina, Büroarbeiten, feinem Wine & Dine Anlass im Restaurant Ochsen, Besuchen von Familien, Geburtstagsfest bei Mandy und vor allem mit unserem Grosskind Jael.

Waldspielplatz mit Drachenreiterinnen Jael und Pia

Zum Fleisch Grillieren braucht es Holz

Dann kamen noch Regine und Moritz und liessen ihre Alphörner erklingen. Perimuk (so heisst der Drache), schaut mit grosser Ehrfurcht zu

Auch für uns ein schönes Ständchen – herzlichen Dank!

Nach einem ereignisreichen Tag: Batterie leer 🙂

Pia wird geliebt von Mücken! Dies Liebe ist aber sehr einseitig – gelinde ausgedrückt 🙂  Deshalb nimmt sie die Mühe auf sich, massgeschneiderte Mückennetze für die Seitenfenster von Lupina anzufertigen. An den Rändern näht sie einen Beutel für Sand, damit der Wind die Netze nicht wegblasen kann

Natürlich wollte Köbi auch wieder mal in den Männerturnverein gehen. Danke Sepp für die unterhaltsame Turnlektion (Köbi hatte zu seiner Überraschung danach keinen Muskelkater)

Nach sehr kurzweiligen und vielen schönen Begegnungen mit unseren Angehörigen und Freunden haben wir dann gestern unser Haus definitiv verlassen. Den Mietern unserer Wohnung, Elsbeth und Freddy, wünschen wir von ganzem Herzen eine Schöne Zeit.

Unser Haus. Für die nächsten Jahre tauschen wir es mit der Lupina aus

Nun sind wir wieder auf der Lupina und geniessen die warmen Temperaturen, obwohl die wunderbare Herbstlandschaft mit ihren bunten Blättern und seinen mystischen Nebelschwaden uns auch verzaubert hat.
Morgen geht’s dann endlich wieder weiter.

 

Gran Canaria – Besucher auf der Lupina

Wer im Moment unsere Reise auf dem Bildschirm verfolgt wird sich vielleicht wundern: die gefahrene Strecke sieht wie ein Wollknäuel aus. Wir befinden uns im Süden von Gran Canaria und segeln oder motoren vor der Südküste hin und her. Der Grund ist ein einfacher: Gran Canaria ist eine ausgeprägte Feriendestination für diese Jahreszeit und es hat viele Bekannte von uns, die gerade ihren Urlaub hier verbringen. Wir nutzen die Gelegenheit, um einige davon zu treffen und ihnen die Lupina zu zeigen.

Kein Strickmuster, sondern Schnappschuss unserer Reiseroute in den letzten paar Tagen. Im Moment liegen wir vor Anker in Arguineguin

Hubert, der Bruder von Pia, heuert für 2 Tage als Matrose an. Das Rollen des Schiffes vor Anker wiegelt auch ihn am Abend in einen tiefen Schlaf

Im Fischerhafen von Arguineguin holen wir zusammen mit Hubert unsere nächsten Passagiere ab …

Zita (links, eine Cousine von Pia) und Hansruedi (2. von rechts) begleiten uns für einen Tag

Erste praktische Segelschule für Hansruedi. Er schafft es auf Anhieb, unter Segel auf Kurs zu bleiben. Er könnte sofort als Steuermann anheuern

Zita, Hansruedi, Pia, Köbi – zufriedene und glückliche Gesichter. Ein schöner Segeltag

Am nächsten Tag erwarten uns eine neue Mannschaft am Pier und hält unser Manöver mit der Kamera fest

Lisa und Roland verbringen gerade ihren Urlaub in Arguineguin. Mit ihnen fahren wir via Mogan nach Tasarte. Hier gibt es ein sehr abgeschiedenes Fischrestaurant (links im Bildhintergrund), das sie schon öfters auf dem Landweg besucht haben. Wir ankern in der Bucht davor und geniessen einen feinen Ankertrunk «riche»

Pia und Lisa – auch diesmal wieder rundum glückliche Gesichter

Die Besucher sind von Bord gegangen, nun muss ich wieder selber ans Steuer 😊

Die letzten Nächte haben wir in der Nähe von Arguineguin und heute Nacht direkt im Hafenbecken von Arguineguin vor Anker verbracht. Wie in einem früheren Bericht erwähnt ist Arguineguin eines der ältesten Fischereidörfer im Süden von Gran Canaria. Es war in den letzten Jahren infolge des grossen Touristenströme etwas heruntergekommen. Nun scheint es sich aber aufgefangen zu haben und es wird viel in die Verbesserung der Infrastruktur gesteckt. Der Hafen selber ist aber fast ausschliesslich von Fischereibooten und Fähren belegt. Für Segler wie uns gibt es keine Anlegemöglichkeiten. Macht aber nichts. Ein solides Ankergeschirr und ein taugliches Dinghi kompensieren diesen Nachteil für uns problemlos, was obendrein auch unsere Bordkasse schont.

Das renovierte Naturschwimmbecken von Arguineguin. Nun ist es wieder sicher und es macht Spass, hier zu baden

Bausünden von früher erhalten dank verschärften Baugesetzen nach und nach wieder ihr ursprüngliches Aussehen und werten das Stadtbild auf

Lupina vor Anker in Arguineguin

Wir verabschieden uns nun für 10 Tage in die Schweiz, wo wir unsere Familien und Freunde besuchen werden. Am 25. November kommen wir zurück auf das Schiff. Es war nicht ganz einfach, für diese Dauer einen guten und sicheren Stellplatz für unsere Lupina zu finden, weil im Moment diverse Transatlantik Törns auf Gran Canaria starten und deshalb alle Häfen überbelegt sind. Andere Segler, die wir getroffen haben, hatten es auch vergeblich versucht und sind deshalb auf andere Inseln ausgewichen oder früher Richtung Kap Verden abgereist.  Aber wo ein Wille ist, ist auch ein Weg! Dank unseren Bemühungen, unsere Anfrage in der Landessprache Spanisch zu formulieren und Pia’s Bestellungen im Universum können wir unser Boot nun sicher in der Marina von Puerto Rico, welches von Anfang an unsere Wunsch-Marina war, stationieren.

Hasta luego – bis bald