Maupiha’a liegt rund 105 Seemeilen westlich von Maupiti. Ein Zwischenhalt hier verkürzt die Segelstrecke zu den Cook Inseln (unser nächstes Ziel) und macht es ein wenig leichter, ein dafür passendes Wetterfenster zu finden. Es ist die am westlichsten gelegene Insel in Französisch-Polynesien, welche mit unserem Schiff angelaufen werden kann.
Das Atoll Maupiha’a wurde 1998 durch Zyklon Martin komplett zerstört. 75% der Bäume und anderen Vegetation sowie alle Häuser bis auf eines wurden von den Flutwellen weggerissen. Alle Leute konnten rechtzeitig durch das Militär evakuiert werden und zum Glück gab es keine Opfer zu beklagen. Ein Teil der über Jahrhunderte von Wind und Meer angehäuften Insel wurde weggespült, so dass heute nur noch etwa die Hälfte des Riffes von Motus umsäumt ist. Im Nordwesten gibt es eine Einfahrt, die unter Seefahrern als sehr gefährlich eingestuft wird. Der Pass, der «Boys zu Männern macht»!So präsentiert sich die Passdurchfahrt auf unserer Seekarte. Die mit einem roten Punkt und weissem Kreuz versehenen Seezeichen wurden beim Zyklon weggefegt und sind nicht mehr vorhanden. Links und rechts vom Pass lauern scharfe Korallenbänke (grün eingezeichnet), die bis knapp unter die Wasseroberfläche ragen. Der Pass verläuft zwar ziemlich gerade, ist aber sehr eng (rund 20 Meter breit). Wer die Durchfahrt begonnen hat, muss durch. Ein Wendemanöver wäre fast ein sicherer Crash. Es braucht einen zuverlässigen Motor, viel Mut und gute Nerven.Wir wagen es! So präsentiert sich die Einfahrt in Realität. Die weissen Schaumkronen links und rechts signalisieren das Aussenriff. Der Einfahrtsbereich im offenen Meer ist sehr turbulent. Es gibt viele Verwirbelungen, Unter- und Überströme und es ist unmöglich, hier das Boot auf geradem Kurs zu halten. In solchen Verhältnissen ein Schiff in die nur 20 Meter breite Fahrrinne des Passes (Bildmitte) zu manövrieren ist nicht ganz einfach, aber machbar. Einmal im Pass drin wird die Strömung regelmässig. Mit rund etwa 4-5 Knoten auslaufend ist sie zwar stark, aber unser Motor schafft das. Im Schneckentempo (1-2 Knoten Fahrt über Grund) schiebt er unsere Lupina langsam aber sicher durch die engste Stelle. Nach knapp 500 Metern sind wir durch.Drinnen am Ankerplatz (es sind noch 3 andere Boote da), zufrieden und auch etwas stolz auf die sichere Ankunft, feiern wir unseren Erfolg mit einem Ankertrunk und lassen den Tag bei einem herrlichen Sonnenuntergang zu Ende gehen.
Nach der vollständigen Zerstörung des Atolls 1998 hat sich die Vegetation in den vergangenen 25 Jahren erstaunlich gut erholt. Von den damaligen Bewohnern wollte niemand mehr zurück. Deshalb wurde von der Regierung ein Programm gestartet, das einige wenige neue Familien motiviert hat, ein Abenteuer zu starten und sich der Copra Ernte zu verpflichten. Für ihren mutigen Entscheid erhalten sie pro Jahr einen fixen Geldbetrag. Die Familien arbeiten in einer Kooperation zusammen. Dabei arbeitet zwar jeder für sich, aber der Transport aufs Schiff, das nur kommt, wenn 40 Tonnen Copra geerntet sind, wird gemeinsam erledigt. Es gibt ein Satelliten-Telefon (früher ein Funkgerät) auf der Insel, damit wird die Kommunikation mit der Aussenwelt aufrecht erhalten. Ansonsten sind die Einwohner komplett auf sich selber gestellt. Heute leben 9 Personen auf dem rund 7km langen Motu. Sie versorgen sich von Maupiti aus und sind dabei auf die Unterstützung von Fischern und Seglern angewiesen. Ein Versorgungsschiff gibt es keines.
Bei unserem ersten Landgang besuchen wir Marcelo und seine Familie (Frau und 1 Tochter). Er ist der Leiter der Kooperation. Er teilt den Familien den Bereich der Insel zu, für den sie verantwortlich sind und wo sie ihre Hütte aufstellen können. Seine Frau verwaltet das Satellitentelefon. Wir bitten ihn um Erlaubnis, vor seinem Teil des Motus vor Anker liegen zu dürfen. Gütig lächelnd willigt er sofort ein. Er ist sehr positiv auf Segler eingestellt. Erst kürzlich wurde er von einem Segler von Maupiti, wo er wegen einer Krankheit einige Wochen medizinische Hilfe benötigt hat, nach Maupiha’a zurück gebracht.Auf Erkundungsfahrt mit dem DinghiAm südöstlichen Ende der Hauptinsel.Auf unserem Landgang am Südostende der Insel begegnen wir Pièrre. Er hat unsere Ankunft mit dem Dinghi schon von weitem gesehen und ist uns gefolgt, um uns auf traditionelle Weise zu begrüssen: mit einer Kokosnuss. Er erklärt uns viel über die Vegetation der Insel und lädt uns für die nächsten Tage zu seinem Haus, das sich etwa in der Mitte der langgezogenen Insel befindet, ein.Am nächsten Tag landen wir unser Dinghi etwa in der Mitte der Hauptinsel und machen uns zu Fuss auf die Suche nach Pièrre. Erstaunlicherweise verläuft über die ganze Länge der Insel ein etwas über 5km langer Weg. Dieser würde nach der Verwüstung 1998 wieder erstellt und dient dazu, die einzelnen Familien miteinander zu verbinden und die Copra Ernte zentral zu sammeln.Auf unserem Weg kommen wir an einigen verlassenen, leeren Hütten vorbei. Aber dort, wo jemand wohnt, da sieht es immer sehr ordentlich und herausgeputzt aus. Bei der Hütte von Isabela sieht es besonders aufgeräumt aus. Sogar die Kokosnussschalen sind fein säuberlich zum Vortrocknen aufgehäuft.Nach gut einer halben Stunde sehr kurzweiligem Fussmarsch gelangen wir zur Hütte von Pièrre. Er hatte uns am Tag vorher versprochen, er wolle uns einen Fisch zubereiten. Mit hängenden Ohren gesteht er uns nun, dass er mit dem Fischen nicht erfolgreich war. Gleichzeitig kehrt ein Strahlen zurück auf sein Gesicht: «ich habe etwas viel Besseres für euch!», meint er. Er greift in einen alten Jutesack und zieht zwei riesige Kokoskrabben hervor.Auch Pia will sich das Tier aus der Nähe anschauen. Die beiden Zangen sind immer unterschiedlich stark ausgebaut. Mit der Kleineren hält die Krabbe eine Kokosnuss fest, mit der Anderen, der Stärkeren, bricht sie die Schalen auf. Kommt ein unachtsamer Menschenfinger in diese starke Zange, wird dieser unweigerlich zerquetscht und zermalmt. Also aufpassen!Nach einem gezielten Messerstich zwischen die Augen mitten ins Herz wandern die beiden Krabben ins heisse Wasser (Meerwasser).An einem anderen Tag besuchen wir Norma und Harry. Beide sind in Maupiti aufgewachsen. Da sei es ihnen nun «zu lärmig und hektisch» geworden. Schaut euch den Sandboden an! Da liegt kein Blatt, rein gar nichts herum. Auch hinter dem Haus sieht es bei den beiden Auswanderern gut aufgeräumt aus.Auf der Insel gibt es 3 Motorfahrzeuge: einen funktionierenden Traktor der Kooperative und 2 Autos, die schon längst nicht mehr benutzt werde. Dieser Land-Rover gehört Harry. Er hat ihn von Maupiti mitgenommen. Nach einiger Zeit sei aber bei der Kupplung etwas kaputt gegangen, wie er uns erklärt, und seither steht er. Falls also ein geschickter Land-Rover Spezialist mitliest – hier ist der perfekte Arbeitsplatz!Toilette mit wunderschöner AussichtHarry sammelt Mützen, die er von Seglern erhält. Darunter sehen wir eine von einem Schiff, das wir auch gut kennen. Wir machen ein Foto und schicken es später, sobald wir wieder Internet haben, an die Crew des Schweizer Schiffes Tanai IIINatürlich werden wir auch von Norma und ihren wunderbaren Kochkünsten verwöhnt. Pia tauscht intensiv Rezepte aus mit ihr.
Wir sind nun fast eineinhalb Jahre in Französisch-Polynesien unterwegs. Unheimlich wie die Zeit vergeht. Französisch-Polynesien erstreckt sich über eine Fläche von 5,5 Millionen km2, die gleiche Grösse wie Westeuropa. Die vier Archipele, die wir besucht haben, sind weit voneinander entfernt und von der Natur her sehr unterschiedlich: die Marquesas mit ihren wilden Bergen und engen Tälern, die flachen Atolle der Tuamotus, die Gesellschaftsinseln mit ihren üppigen, aber oft steilen Hängen und ganz am Anfang Gambier, eine spezielle Mischung zwischen den Marquesas und den Tuamotus.
Überall, wo wir uns bewegt haben, sind wir auf nette, fröhliche und ausserordentlich gastfreundliche Menschen gestossen. Instinktiv haben wir gefühlt: hier bist du sicher. Seit wir in Französisch-Polynesien angekommen sind, war unser Boot nie mehr abgeschlossen. Einzige Ausnahme: Tahiti. Veranlassung dazu waren hier aber eher die vielen anderen Segler (von denen schon mal einer etwas von unserem Schiff brauchen könnte) als die Einheimischen. Maupiha’a ist nun definitiv der letzte Stopp in Französisch-Polynesien. Nun treibt uns der Wind weiter westwärts. Wir dürfen schöne Erinnerungen an wunderbare Menschen mitnehmen.
Die Menschen machen den Unterschied aus. Schon eine geschenkte Zigarre reicht, um jemanden glücklich zu machen.Viel Zeit für Gespräche«Nana!» – «au revoire» – «auf Wiedersehen»
Am 25. Mai 2023, sobald wir gutes Sonnenlicht haben, um die Hindernisse bei der Ausfahrt gut sehen zu können, lichten wir den Anker, winken unseren neuen Freunden ein letztes Mal zu und nehmen Kurs auf Richtung Cook Islands. Wie gelingt und die Ausfahrt durch den Pass, diesmal mit der Strömung? Was erwartet uns am Ziel – können wir da anlegen? Mehr davon im nächsten Bericht. Es bleibt spannend – folge der Lupina im Kielwasser!
Wir schreiben den 7. Mai 2023. Wir sind seit 2 Tagen ausklariert und können Französisch-Polynesien (FP) verlassen. Wir liegen auf Bora-Bora vor Anker und freuen uns darauf, mit unserer Lupina weiter westwärts neuen Abenteuern entgegen zu segeln. Vor uns liegt als nächstes Ziel die Insel Maupiti, die westlichste zivilisierte Insel von FP.
Früh am Morgen, bei den ersten Sonnenstrahlen, lassen wir Bora-Bora hinter uns und nehmen die rund 30 Seemeilen lange Fahrt nach Maupiti in Angriff.Unter sonnigem Himmel weht eine leichte Brise und mit Schmetterlingsbesegelung geht es gemütlich unserem neuen Ziel entgegen – Maupiti mit dem 372 Meter hohen Berg «Teurafa’atiu»Die Einfahrt ins Atoll von Maupiti zählt zu einer der schwierigsten Einfahrten in FP. Sie ist relativ eng (nur 60-80 Meter breit) und es herrscht meist eine starke ausfliessende Strömung. Diese ist weniger von den Gezeiten, als vom Seegang abhängig. Bei hohen Wellen schwappt mehr Wasser übers Riff ins Atoll und fliesst durch den Pass wieder ab. Der Pass ist nach Süden ausgerichtet. Von hier kommt mehrheitlich der Schwell von den starken südlichen Winden. Strömung gegen Welle -eine gefährliche Mischung. Oftmals entstehen dabei hohe stehende Wellen, die sich immer wieder dröhnend brechen. Die Fahrt durch den Pass von Maupiti sollte bei einem Meeresgang mit Wellen höher als 2 Meter vermieden werden. Als wir uns nähern haben wir gerade etwa diese kritische Höhe. Rings um uns brechen tosend die Wellen und hinterlassen im Einfahrtsbereich ein weiss schäumendes Gebrodel.Nach rund 5 Minuten sind wir durch die schlimmsten Turbulenzen durch. Ein Blick zurück zeigt deutlich die mit weissem Schaumwasser überdeckten Riffkanten. Nach der Passage dieser Stelle wird das Steuern wieder einfacher. Aber jetzt ist Geduld gefragt. Nun gilt es, den stärksten Strömungen auszuweichen (bei unserer Einfahrt sind es gerade etwa 4 Knoten) und die Lupina langsam (wir machen nur 1-2 Knoten Fahrt über Grund) aber sicher ins Atoll zu manövrieren. Es klappt einwandfrei.Kurz danach sind wir drin und ankern direkt vor dem Hauptdorf (Vaiea) auf Maupiti. Hier der Blick nach hinten …… und hier nach vorne. Draussen herrscht ein Seegang von rund 2 Metern Welle, im Atoll drin ist das Wasser spiegelglatt.Am Ankerplatz treffen wir die SY Pasito wieder. Den ersten Sundowner auf Maupiti geniessen wir zusammen mit Ruedi und Chris auf der Lupina.
Maupiti erinnert uns stark an unsere erste Insel in FP: Gambier. Die Hauptinsel bildet das Zentrum des Atolls. Umsäumt wird sie von 5 Motus, kleine flache Korallen- und Sandinseln direkt am Riff. Die bewohnbare Fläche beträgt nur rund 12km2. Die rund 1’300 Einwohner leben mehrheitlich vom sanften Tourismus (es hat diverse kleine, hübsche Pensionen), Fischfang und Copra. Die Infrastruktur ist gut und die Insel ist mit Fähre von Bora-Bora und per Flugzeug erreichbar. Obwohl die Strasse rings um die Insel nur etwa 10 Kilometer lang ist, hat jeder Haushalt mindestens 1 Auto.
«Maupiti» bedeutet «zwei Berge». Zwei Berge bilden die Hauptinsel und der höchste davon, der 372 Meter hohe «Teurafa’atiu», verspricht eine fantastische Aussicht über das Atoll. Da müssen wir hin! Gemeinsam mit der Crew der SY Pasito nehmen wir den steilen Anstieg in Angriff.Auch für Schweizer Bergziegen geht es nicht ohne Rast im anspruchsvollen Gelände.Schon auf halber Höhe öffnet sich eine grandiose Aussicht auf das Atoll. Unten links das Dorf, in der Bildmitte im Hintergrund die Einfahrt zwischen den 2 Motus.Zuoberst auf dem «Teurafa’atiu» angelangtUnd das ist die Belohnung – 360 Grad Rundumsicht. Hier der Blick Richtung WestenBlick Richtung Süden zum Pass. Hier sieht man gut, wie ein Atoll funktioniert: über den Rand des Riffes (sichtbar an den weissen Schaumkronen im Meer) schwappt frisches Meerwasser ins Atoll hinein. Über den über Tausende von Jahren durch permanente Strömung tief eingeschnittenen Kanal (tiefblaue Farbe) fliesst das Wasser wieder aus dem Atoll.Blick nach Westen über das Dorf Vaiea und unseren Ankerplatz (Bildmitte)Der Abstieg verläuft dann sehr abenteuerlich. Wir folgen dem zunächst noch einigermassen gut markierten Wanderweg auf die Westseite der Insel. Schon nach kurzer Zeit verlieren wir den Pfad jedoch (wahrscheinlich zu wenig benutzt?) und kämpfen uns mutig bergabwärts, unterstützt mit einem GPS-Gerät in der Hand. Nach mühsamen 2 Stunden Kampf durch trockene Flusstäler und entlang von Steilhängen dann die Erleichterung: wir stossen auf frisch aufgehängte Weg Markierungen (rote Bändel). Von da an ist der Rest ein Kinderspiel.Streng war es – aber soo schön!Nach der Wanderung braucht es Stärkung. Frisches Gemüse am 2-mal pro Woche stattfindenden Gemüsemarkt.Gestärkt mit diesen gesunden Vitaminen geht es auf eine Rad-Tour um die Insel (rund 10km einmal rings herum)Verdiente Pause zwischendurch …… und Aussicht geniessen. Die Radtour gefällt uns so gut – wir umrunden die Insel gleich 2 mal: einmal im links herum, einmal rechts herum.Wir sind im Dorf zurück. Irgendwo riecht es gut. Wir hören Musik und gehen hin. «Ein Fest für die Dorfjugend», wird uns erklärt. Passt für uns! Es wird ein fantastisch schöner Abend mit viel Musik, Tanz und Gesang. Schaut euch die Gesichter an – die strahlen vor Fröhlichkeit!Wunderschöne lokale Tänzerinnen! Die Hüften wackeln fast schneller, als die männlichen Augen folgen können (big smile)Verschiedene Gruppen in bunter Reihenfolge. Die Dame in der Bildmitte spielt übrigens ein lokales Instrument: man nehme einen alten Plastikkanister, steckt eine Holzlatte durch den Ausguss und spannt über der Latte eine Schnur – fertig ist der Kontra-Bass.Was das Fest mit der Dorfjugend zu tun haben soll, haben wir nicht wirklich begriffen. Die Zuschauer waren durchwegs älteren Semesters. Die einzigen Jugendlichen, die wir erblicken, sind ein paar wenige Kinder, die Mutter oder Vater zur Aufführung begleiten. Diese Beiden haben ihre helle Freude an unserem komischen Französisch.
Seit Tagen beobachten wir interessiert die Wetterentwicklung. Unser nächstes Ziel sind die Cook Inseln. Da unsere Wunschdestinationen, die Inseln Palmerston und Suwarrow keine Einklarierungsstationen sind, müssen wir zuerst einen der beiden offiziellen Einklarierungshäfen anlaufen. Rarotonga oder Aitutaki. Die Distanz zu beiden Inseln ist mit rund 460 Seemeilen etwa gleich weit, aber Rarotonga liegt viel weiter südlich als Aitutaki. Deshalb entscheiden wir uns für Aitutaki. Wir brauchen also nun ein Wetterfenster mit 4 Tagen gutem, stabilem Wind. Als sich nach einer Woche am Ankerplatz vor dem Dorf immer noch keine geeignete Gelegenheit abzeichnet, verlegen wir noch für ein paar Tage ans Riff in der Nähe des Passes. Hier ist das Wasser viel klarer und die Schnorchel-Möglichkeiten vielfältiger.
Wir fahren mit dem Dinghi nach einem ausgedehnten Schnorchel Ausflug zurück zur Lupina. Als wir weggefahren sind, waren wir mit der Lupina alleine. Nun liegt ein grosser Cat einer Charter-Gesellschaft direkt neben uns. Beim Vorbeifahren ruft die Crew laut und winkt uns zu sich. Es stellt sich heraus, dass die 2, Marie-Claire und Denis (? ich hoffe, die Namen stimmen?) aus der Region Genf kommen, hier gerade eine Yacht mit Besatzung gemietet haben und für rund eine Woche einen Kurztörn unternehmen. Als sie unsere Schweizer Flagge gesehen haben, wollten sie uns «Hallo» sagen. Wir werden von der Besatzung herzlich an Bord willkommen geheissen und mit einem Stück echtem Schweizer Greyerzer Käse, einer Flasche Rotwein und feiner Schokolade beschenkt. Perfekt gelungen!! Vielen Dank!!
Dann ist es endlich da, unser Wetterfenster. Unsere Freunde von der Pasito sind mutig schon einen Tag früher in See gestochen. Wir warten noch einen Tag, bis der Wind etwas stärker wird. Wir brauchen eine gewisse Windstärke, damit die Segel im Wellengang des Meeres nicht dauernd heftig hin und her schlagen. Am 17. Mai scheint es soweit zu sein. Der Wind ist da, allerdings auch nur für 2 Tage. Ganz kurzfristig entscheiden wir uns, auf der letzten noch für unser Schiff zugänglichen Insel in FP, auf dem Atoll Maupiha’a, einen Zwischenstopp einzulegen. Von da aus sind es nur noch etwa 350 Seemeilen bis Aitutaki, was das benötigte Wetterfenster etwas überschaubarer macht.
Unser letzter Sonnenuntergang auf Maupiti. Einmal mehr fällt uns der Abschied schwer. Wir haben hier noch einmal ein wunderbares Französisch-Polynesien erleben dürfen. Nebst Gambier ist Maupiti für uns einer der schönsten Flecken Erde, die wir hier in den letzten anderthalb Jahren besegelt haben. Was für ein schöner Abschied aus FP!
Zum Glück heisst es nun aber doch noch nicht ganz, endgültig Abschied zu nehmen. Es gibt ja jetzt noch dieses Maupiha’a. Was uns da wohl erwartet? Der Pass ins Atoll soll noch gefährlicher sein als in Maupiti!
Aber mehr davon im nächsten Bericht. Es bleibt spannend – folge der Lupina im Kielwasser!
Unsere Freunde, Mandy und Dani Stadelmann, sitzen im Flugzeug nach Hause. Wir schreiben heute Sonntag, den 22. April 2023. Nachdem wir die Beiden mit dem Schiff am Steg abgeliefert haben, verlegen wir noch für eine Nacht in das Bojen Feld vor dem Bora-Bora Yacht Club. Der stürmische Wind, hohe Wellen und immer wieder Regenschauer nehmen uns die Lust, unser Dinghi zu wassern und an Land zu fahren. Nach dem wunderbaren Abschieds-Nachtessen vom Vorabend im «Bloody Mary’s» haben wir eh kein Bedürfnis, schon wieder auswärts zu essen. Die Normalität kehrt wieder ein auf der Lupina.
Die ganze Nacht regnet und stürmt es. Die Bojen auf Bora-Bora sind gut unterhalten (dafür kosten sie auch stolze 40 Dollar pro Tag) und wir schlafen gut und tief. Am nächsten Morgen verabschieden wir uns von Bora-Bora und nutzen den Westwind, um wieder nach Tahaa und Raiatea zurück zu segeln. Wir lassen das triste Wetter in Bora-Bora zurück.Zurück auf Tahaa hat uns die Sonne wieder. Der Westwind vertreibt die Regenwolken, stellt dann nach und nach ab und übergibt das Feld wieder dem hier sonst üblichen Ostwind.Wir geniessen den ersten Ankerplatz auf Tahaa gebührend mit einem Ankertrunk.
Die vergangenen 2 Wochen sind für uns etwas schnell, zu schnell verlaufen. Wir sind im Eilzugstempo von Tahiti, über Moorea, Huahine und Tahaa nach Bora-Bora gesegelt. Deshalb kehren wir nun nochmals nach Tahaa zurück. Wir wollen uns auch Zeit nehmen für die Hauptinsel in dieser Region, Raiatea, welche im gleichen Atoll drinnen liegt wie Tahaa.
Während Tahiti, Moorea und Bora Bora alle touristisch sehr gut erschlossen sind, wird Tahaa (wie auch schon Huahine) oft als „die geheime Insel“ bezeichnet. Alle Inseln verfügen über eine wunderschöne Natur, auch wenn sie unterschiedlich sind. Huahine und Tahaa sind einfach nochmals eine Spur üppiger und authentischer. Etwas mehr als 5’000 Einwohner leben verteilt auf 8 Dörfer auf der 88 km2 grossen Insel. Auch hier nimmt der Tourismus die Hauptstellung ein in der Wirtschaft, aber ein Grossteil der Bevölkerung lebt vom Fischen, von Kopra und von Landwirtschaft.
Das Ende der langgezogenen Bucht von Haamene (Tahaa) – unser Ankerplatz für die nächsten TageDie rund 5 Kilometer tiefe Haamene Bucht bietet sehr guten Schutz vor den meisten Winden. Abends und in den Morgenstunden herrscht Totenstille und das Wasser ist spiegelglatt.Vom Ankerplatz in Haamene mieten wir uns per Internet ein Auto und umrunden damit die Insel Tahaa (rund 70km). Von der Westküste haben wir einen fantastischen Blick rüber nach Bora-Bora, das irgendwo zwischen Meer und Himmel zu schweben scheint.Uns fällt sofort auf: hier nehmen sich die Leute wieder Zeit, die Umgebung ihrer Häuser schön und ordentlich zu halten. Sie sind stolz darauf, schön zu wohnen. Es gibt keine oder wenig hässliche Mauern und Bretterverschläge, welche das Grundstück vor lästigen Blicken abschotten sollen. So gefällt es uns. Zu ihren verstorbenen Angehörigen haben sie ein innigeres Verhältnis als etwa in den Marquesas oder auf den Tuamotus. Hier nehmen die Verstorbenen meist einen prominenten Platz auf dem eigenen Anwesen ein. Das Grab dient als Sitzplatz, Treffpunkt und vermutlich auch als Ort, wo man sich gedanklich und spirituell wieder mit seinen Vorfahren verbindet.Perlenfarmen wie auf Gambier. Sie sind aber eindeutig auf Touristen vorbereitet, die von grossen Hotel Anlagen aus Raiatea und Tahaa mit Booten direkt vor die Türe gefahren werden.Auf Tahaa gibt es 2 Rumfabriken. Die eine, Pari-Pari, ist auf den High-End Tourismus abgestimmt mit entsprechend horrenden Preisen. Die andere Destillerie, Mana’o, präsentiert sich klein und sympathisch. Hier erfahren wir viel über Hintergründe, Motivation und Projekte des noch jungen Unternehmens. Natürlich dürfen wir auch ausgiebig vom mit Bio-Label versehenen Rum degustieren.Nachdem wir Tahaa per Auto entlang der wunderschön angelegten Küstenstrasse «erfahren» haben, wollen wir sie heute zu Fuss von unserer Bucht Haamene aus nordwärts durchwandern. Schon kurz nach dem Start aber dieses Tor, mit einer grossen Kette behangen. Ein genauer Blick zeigt aber, die Kette ist nicht abgeschlossen und das Tor dient wohl lediglich dazu, dass das auf dem Gelände dahinter weidende Grossvieh nicht ausbüchst.
An dieser Stelle eine kurze Antwort auf die Frage, wie wir auf fremden Inseln Wanderwege finden und uns nicht jedes Mal verirren. Heute ist das ja ganz einfach. Internet und Mobiltelefone helfen dabei, und ein paar andere Segler, die wir nach Tipps befragen. Wir benutzen ein Programm, das Offline-Karten verwendet und die GPS-Position des Handys. Mit der APP «MapsMe» suchen wir vorher die ganze Insel auf schöne oder vielversprechende Wanderungen ab. Einmal unterwegs können wir dann Dank GPS immer wieder kontrollieren, ob wir auf dem richtigen Weg sind. Technologie macht’s möglich!
Hinter dem Tor erwartet uns ein wunderschöner, sanft ansteigender, alter Pfad, der früher von den Einwohnern benutzt wurde, um auf dem Landweg zur Hauptstadt im Norden der Insel zu gelangen. Er führt gut beschattet von mächtigen Bäumen durch üppigen Urwald.Auf der Bergscheide dann dieser wunderbare Ausblick in den Süden auf «unsere» Bucht, wo die Lupina mit mittlerweile 3 anderen Booten sicher liegt.Nach der rund 10km langen Wanderung erreichen wir die Nordküste von Tahaa. Jetzt müssen wir uns entscheiden: auf demselben Weg zurück oder rund 20km der Küstenstrasse entlang. Wir entscheiden uns für das Letztere. Wir nehmen aber unseren Daumen zur Hilfe und bereits das erste Auto hält an. Ein übers ganze Gesicht strahlender Mann und seine ebenso herzlich lachende Tochter nehmen uns mit ihrem klapprigen Pick-Up Truck die ganze Strecke mit. Mauruuru – vielen Dank!In der Haamene Bucht wartet Lupina auf uns.Regenbogen am Ankerplatz
Am nächsten Tag lichten wir den Anker und segeln rund 8 Seemeilen durch das Atoll zur Hauptinsel der Region im Westen der Gesellschaftsinseln: Raiatea. Raiatea ist rund doppelt so gross, wie Tahaa und galt in der Vergangenheit als Wiege der über tausendjährigen Polynesischen Kultur. Hier sollen sich die ersten Menschen angesiedelt haben und sich dann sternförmig (die Inselbewohner nutzten natürlich als Bild die Arme eines Meerestieres, nämlich das der Krake) mit ihren Pirogen auf die weiteren Inseln in der Umgebung verteilt haben. Der ursprüngliche Name der Insel, Havai’i, bedeutet «grosses springendes Wasser». Hier dürften sowohl die unzähligen, sehr hohen Wasserfälle in den Bergen, als auch das mächtig aufschäumende Meer entlang des Riffes für die Namensgebung verantwortlich sein.
In Raiatea machen wir an einer Boje direkt vor der Marina in Uturoa, der Hauptstadt der Insel, fest. Hier können wir unser Dinghi bei Landgängen sicher an einem leeren Steg in der Marina festmachen. Das glasklare Wasser in der Marina ist beeindruckend.Auch Raiatea «erfahren» wir zuerst, um uns einen ersten Überblick zu verschaffen. Eine auf weiten Strecken direkt am Ufer entlang geführte Strasse bietet wunderschöne Ausblicke auf Meer, Küste und die dahinter liegenden Berge. Das Bild zeigt den grössten Marae (Kultstätte) in ganz Französisch-Polynesien: Marae von Taputapuatea
Als Marae bezeichnet man in den polynesischen Kulturen ein zeremoniellen Zwecken vorbehaltenes, abgegrenztes Areal. In Franz.-Polynesien stellt sich die Zeremonialstätte als architektonische, auf einigen Inseln sogar als monumentale Tempelanlage dar. Meist ist es ein rechteckiger, eingefriedeter Platz, an dessen Ende sich eine steinverkleidete Plattform, auf manchen Inseln mit Statuen, erhebt. Jeder der Plätze hat dabei seine eigene Bestimmung wie: politische Meinungsbildung, religiöse Zeremonien, Begräbnisse, sportliche Ertüchtigung, Opfergaben.
Der Marae Taputapuatea ist ein Küsten-Marae. Im Gegensatz zu den Maraes in den Tälern waren Küsten-Maraes von nationaler Bedeutung und oft einer bestimmten Gottheit gewidmet. Der Marae Taputapuatea zum Beispiel dem Kriegsgott Oro. Auf dem Platz in diesem Bild wurden die Könige ins Amt eingesetzt. Der grosse Stein in der Mitte des Platzes soll dem neu amtierenden König Rückhalt und Standfestigkeit vermitteln.Raiatea ist eine der wenigen Inseln in Franz.-Polynesien, die einen befahrbaren Fluss aufzuweisen hat, den Fluss Faaroa. Also zügig mit der Lupina dahin, Anker werfen in der gleichnamigen Bucht, ins Dinghi gehüpft und los geht’s. Schnell aber wird uns klar: das Unterfangen ist nicht ganz gefahrlos: Es hat zwar keine gefährlichen Tiere wie Würgeschlangen, Krokodile oder Piranhas, aber dafür hat es immer wieder grosse, dicke Bäume, die umgestürzt im etwas getrübten Wasser liegen und deren harte Äste sich auf die Schraube unseres Aussenborders freuen. Um es kurz zu machen: alles ist gut gegangen und wir sind bis ans befahrbare Ende des Flusses gekommen.Der Fluss Faaroa führt an einem grossen Botanischen Garten vorbei, den wir auf dem Rückweg besuchen. Als wir wieder ins Dinghi steigen, winkt uns ein Mann von der anderen Uferseite zu sich herüber. Er stellt sich als André vor und erklärt uns, dass er auch einen Garten habe, und dass er uns diesen auch gerne zeigen würde. Natürlich sind wir neugierig und willigen ein.André führt uns durch seinen wirklich weitläufigen Garten, in dem er allerlei Früchte, Gemüse, Wurzelpflanzen und sogar Getreide anbaut. Alles ohne Chemie oder andere Hilfsmittel von aussen. Er erklärt uns, wie wichtig es für ihn ist, dass er hier draussen alles selber macht, mit den Pflanzen lebt, sie beobachtet und spürt. Nicht mal seine Frau darf ihm bei der Arbeit und Pflege helfen. Er gibt uns von allem etwas zu probieren.Zum Schluss verabschiedet André uns, vollbepackt mit bekannten und unbekannten Früchten, mit einem Bild für seine Fotosammlung.Wir haben von einer schönen Wanderung zu den «Les Trois Cascades» (3 Wasserfällen) gelesen. Sie liegt an unserem Weg zurück nach Uturoa in der Bucht von Vairahi und wir beschliessen, sie zu besuchen. Der Wanderweg ist auf unserer MapsMe APP gut ersichtlich und wir ziehen wohlgelaunt frühmorgens los.Schon bald stossen wir auf diese wuchtige Warntafel. Alles verständliche Regeln, denken wir, bis unser Blick auf das Dreieck «Wandern nur mit Guide» gleitet. Hä – wir und Guide?! Geht gar nicht. Stolz die Brust in den Wind und weiter geht’s!Rund 500 Meter weiter ein schweres Gittertor mit Kette verriegelt und gespickt mit diversen Verbotstafeln. Privatgrund – Zugang ohne Guide verboten. Hmm – doof!! Aber nicht mit uns. Die Kette ist nicht komplett verriegelt. Also Tor auf, durchgeschlüpft, und die Brust wieder stolz in den Wind.
500m weiter folgt ein Haus. Hmm, abschleichen oder mutig den Stier bei den Hörnern packen? Wir wählen den Stier, beziehungsweise die bellende Hundemeute (5 gut trainierte Kampfhunde!). Wir nähern uns dem Haus, die Hunde sind hinter Gittern. Trotz des lauten Bellens zeigt sich kein Mensch – auch der Autoparkplatz ist leer. Also Brust wieder stolz raus und weiter geht’s im Marschtempo. Aber Riesenschreck! Einer der Hunde findet irgendwo einen Ausgang aus seinem Gehege und will uns aufhalten. Mittlerweile sind wir bereits am Haus vorbei und streben schnellen Schrittes den Wasserfällen entgegen. Der Hund zieht das bequeme Heim vor und lässt uns ziehen. Schweissperlen auf der Stirne, aber Brust wieder stolz draussen. Nächsten Wegbiegung, ein Auto. Von weitem sehen wir einen Mann dort arbeiten. Was tun? Wir wählen wieder die Offensive und gehen schnurstracks auf den Mann zu. Es ist ein Gärner der Anlage. Erstaunt fragt er uns, ob das Tor nicht zu war, ob wir die Verbotstafeln nicht gesehen haben, ob die Hunde uns nicht gestoppt hätten? Das Gespräch geht konstruktiv und friedlich weiter. Er erklärt uns, dass der Besitzer des Grundstückes sehr schwierig sei und keinen Spass verstehe. Wir hätten Glück, dass er nicht da sei, sonst hätte er längst die Polizei gerufen. Ich frage, wann der Besitzer denn wieder zurück sei. Am Abend, kommt als Antwort zurück. Unsere Chance, bis dann sind wir längst wieder zurück! Wir erklären dem Gärtner, dass wir es riskieren wollen. Er schüttet nur den Kopf und geht zu seinem Tageswerk über. Auf den nächsten 400 Metern sehen wir mindesten 3 Tafeln mit richterlichen Erlassen und Verfügungen, dass ein Betreten des Gebietes nur mit Führung und Einwilligung des Grundstückbesitzers erlaubt ist. Dann kommt noch ein heftiger Regenschauer dazu und unser Mut ist weg. Mit gekränktem Stolz treten wir widerwillig den Rückzug an. Schade!
Zwei Tage später sind wir bei der Gendarmerie. Nicht etwa wegen des unbefugten Betretens des Grundstückes, nein! Wir haben hier soeben die Ausreisebewilligung aus Französisch-Polynesien erhalten. Für Nicht-Eingeweihte: dieses Papier ist erforderlich, dass man mit seinem Schiff in ein nächstes Land einreisen darf.
Fast anderthalb Jahre Franz.-Polynesien. Eine wunderbare, spannende Zeit neigt sich dem Ende entgegen. Unheimlich viele sehr positive Eindrücke sind in unseren Herzen verewigt. Nun wird es aber Zeit, die Welt weiter zu erkunden und weiter westwärts zu segeln. In der Zwischenzeit sind wir nun wieder von Raiatea nach Bora-Bora gesegelt. Hier warten wir nun auf ideale Winde, die uns die Anfahrt zur nächsten Insel im Westen, Maupiti, erlaubt. Hier soll die Einfahrt durchs Atoll besonders schwierig sein und wir dürfen keine hohen Wellen haben. Morgen Sonntag dürfte es klappen.
Es bleibt spannend – folge der Lupina im Kielwasser!
Nach einem kurzen und zwei laaaaangen Flügen kommen wir morgens um 5 in Tahiti an – puuh, wie mussten wir uns diese Ferien verdienen!! 20 reine Flugstunden sind schon viel, aber zum Glück fliegen mein Mann Dani und ich (Mandy) gerne und viel. Pia und Köbi empfangen uns mit wohlriechenden Blumenkränzen und wir fühlen uns sofort zuhause.
In Französisch-Polynesien werden Besucher mit Blumenkränzen empfangenAuf der Lupina, die in der Marina von Papeete liegt, gibt’s erst mal ein gediegenes Sektfrühstück – diesmal nicht zu unseren Ehren – Köbi hat Geburtstag! Nach einem Spaziergang durchs Städtchen und dem obligaten Apéro feiern wir den besonderen Tag mit einem wunderbaren Nachtessen im traumhaft schönen Marina Restaurant.Marina Promenade in PapeeteRestaurant Meherio, eines der Top-Restaurants in Papeete direkt am Pier
Nach einem weiteren Tag in Papeete den wir mit Shoppen und einigen Besuchen in verschiedenen Beizli verbringen, verlassen wir Tahiti in Richtung Moorea. Die Nachbarinsel gefällt uns sehr gut und so verbringen wir dort 4 Nächte an zwei verschiedenen Ankerplätzen und feiern das Südseeleben mit Baden, Schnorcheln, Dinghi Touren, SUPlen und einem extrem eindrücklichen Besuch in Stingray City, wo wir mit gaaaaanz vielen Schwarzspitzhaien und Stachelrochen schwimmen.
Sundowner in PapeeteMoorea. Wir ankern in der Cooks Baie und in der Opunohu BaieEine herrliche Unterwasserwelt erwartet uns in MooreaFür Touristen ein Highlight: Stingray City, direkt hinter dem Riff bei der Opunohu Baie. Hier kann man im Wasser stehend Stachelrochen beobachten und auch berührenWohl angelockt durch das Futter, dass die Tour-Führer den Stachelrochen verabreichen, schwimmen Schwarzspitzen-Haie mitten durch die im Wasser stehenden Touristen. Viele sehen sie nicht malWeniger bekannt, aber sehr eindrücklich: die im Meer versenkten Tikis
Am letzten Tag kommt sogar ein Kreuzfahrtschiff an – die «Norwegian Spirit» – und da Pia wohl weiss, dass ich eine Shopping Queen bin, fahren wir sofort zum Anleger, wo die Einheimischen viele Verkaufsstände mit tollen Sachen aufgestellt haben. Die Tour ist ausgesprochen erfolgreich und wir kommen gut beladen wieder zur Lupina zurück.
Verkaufsstand der Einheimischen. Alles ist aus lokalen Produkten von Hand hergestellt. Man beachte den wunderschönen Kopfschmuck («Couronne») der Frau
Am Nachmittag legen wir ab – eine Nachtfahrt nach Huahine steht bevor. Köbi hat schon vorgewarnt – eigentlich gibt es zu wenig Wind – aber wir haben ja einen Plan und müssen weiter. Erst dümpeln wir mit 3 – 4 Knoten langsam vor uns hin, dann flacht der Wind sogar ab …. aber als Pia und ich nach dem Nachtessen unsere erste Wachschicht übernehmen, frischt es plötzlich auf und zeitweise düsen wir sogar mit 7 – 8 Knoten unserem Ziel entgegen. Als dann um Mitternacht Köbi übernimmt, fällt der Wind komplett zusammen und die Lupina wird immer langsamer. Aber zum Glück bekommt Köbi um halb 2 Unterstützung von Dani und so wird die Nacht nicht ganz so langweilig. So oder so kommen wir morgens in Huahine an und fahren direkt zu unserem Ankerplatz von dem kleinen Hauptstädtchen Fare …. direkt gegenüber dem Yachtclub, was die ganze Crew sehr freut, denn ab 17 Uhr ist Happy Hour!!
Dani in seinem neuen Job als Steuermann der LupinaMandy und Pia geniessen die gemütliche FahrtDer Morgen nach der Nachtfahrt nach Huahine, kurz vor der Ankunft: alle sind guter LauneRechtzeitig zur Happy Hour im Yachtclub von Fare, Huahine
Vorher haben wir aber noch was zu tun – den Ort zu erkunden und für den nächsten Tag ein Mietauto zu organisieren. Wir wollen die Insel umrunden und uns einen Eindruck von Land aus machen. Es ist traumhaft schön und ich brauche gar keine Worte zu benutzen… die Bilder sprechen für sich!
Eine schöne Geschichte: Wir wollen ein Auto mieten. Das Büro ist geschlossen, aber es hängt ein Zettel dran mit 3 Telefonnummern. Hmm – doof! Mit unserer lokalen SIM-Karte können wir nicht telefonieren. Pia fragt diese Frau, ob sie vielleicht helfen kann. Ohne zu zögern zückt sie ihr Handy, tippt die erste Nummer ein und drückt Pia das Telefon in die Hand. Et voilá – wir haben unser Auto
Einen Zwischenstopp zum Apéro und Mitagessen halten wir im wunderbaren Restaurant «Chez Tara» wo ich UNBEDINGT hin wollte, denn unsere Tochter heisst Tara und ich MUSSTE ihr einfach ein paar Fotos von «ihrem» Platz in Huahine schicken. Eine gute Wahl, denn das Ambiente und das Essen sind fantastisch und wir geniessen zwei volle Stunden dort.
Nach einem Stopp beim Flughafen und Beobachten eines ankommenden Fliegers, kommen wir genau richtig zur Happy Hour im Yachtclub und kehren dann erschöpft aber überglücklich zur Lupina zurück.
Auch heute verwöhnt uns Pia wieder mit einem wunderbaren Nachtessen aus der kleinen aber feinen Lupina-Küche.
Wir beschliessen, jetzt mit der Lupina in die Tara Bucht zu fahren und verbringen einen weiteren «lazy day» mit schwimmen und schnorcheln und SUPlen …
Dann geht’s weiter – 40 Meilen zur Insel Tahaa. Leider spielt auch hier der Wind nicht wirklich mit, und so dümpeln wir vor uns hin – aber kein Problem – wir haben Zeit. Zwischen der Insel Raiatea und Tahaa kommt schon bald ein Funkspruch: Hallo, hallo – hier ist die SY Pasito – wir sehen euch schon! Und super spontan wie wir sind, machen wir einen schnellen Schlenker in die Bucht und machen an der Boje direkt neben ihnen an… es ist Nachmittag um zwei. Unserer Einladung folgend kommen Ruedi und Chris sofort zu uns herüber – und um 21 Uhr abends!!! verabschieden sie sich wieder – nach Ankertrunk, Apéro, Sundowner, einem wunderbaren Abendessen aus Pia’s Küche (Spaghetti Carbonara) und einem Abschiedstrunk … und gaaaaanz vielen tollen und spannenden Gesprächen …
Nach einem weiteren Abstecher in eine Bucht von Tahaa, einer Schnorchel Tour durch den eindrücklichen Korallengarten und einem «Wassertag» brechen wir am nächsten Morgen auf Richtung Bora Bora.
Schnorcheln im Coral Garden auf Tahaa
Bora Bora: Ich will da unbedingt hin – Pia und Köbi nicht so sehr … zu viele Touristen – zu viel Kommerz. Aber ich finde, es muss einen Grund geben, dass gerade diese Insel so berühmt ist und «Perle des Pazifiks» genannt wird. Tatsächlich ist es die älteste Insel der Südsee und schon von weitem beeindruckend durch die zwei prägnanten Bergspitzen. Wir haben guten Wind und kommen zügig voran und wollen eigentlich gleich nach der Passeinfahrt vor dem Hauptörtchen Vainatu an einer Boje anlegen. Doch wir sehen sofort: viele Schiffe – alles voll. Und so fahren wir der Küste entlang weiter Richtung Süden und halten Ausschau nach einer Boje.
Wie es der Zufall will, finden wir eine direkt vor dem bekannten Restaurant «Bloody Mary’s». Ich hatte davon in diversen Reisführern gelesen, war begeistert und hatte schon beschlossen, Pia und Köbi zu unserem Abschiedsessen am Freitag dorthin einzuladen! Aber zum Glück ist erst Mittwoch und wir können schon mal rekognoszieren und die Happy Hour geniessen.
Bloody Mary’s auf Bora Bora: gegründet 1979 und seitdem besucht von vielen Berühmtheiten dieser Welt. Am Eingang befinden sich dieses Tafeln mit den Namen aller berühmten Besucher
Am Donnerstag mieten wir ein Auto und fahren um die Insel – und jetzt wird uns langsam klar, warum dieser eigentlich wunderschöne Ort bei Seglern gar nicht so beliebt ist: die Strassen sind eng und ohne Parkmöglichkeiten, die Infrastruktur sehr bescheiden und selbst Läden muss man richtiggehend suchen. Die Häuser der Einheimischen sind überraschend ärmlich und von Chaos und Müll umgeben. Und -ausser am Marita Strand – gibt es zu Köbis Entsetzen kaum Beizli!
Triste Hotelanlagen – eigentlich eine wunderbare Szenerie, aber meist sehr abgelegen und es wirkt alles tot.Marita Strand
Wir kommen bald dahinter: hier ist alles auf die 5-Sterne Luxusresorts aussen auf den Motus ausgerichtet. Und dort kommt man als «Normalo» gar nicht hin! Diese Resorts sind ausserdem so eingerichtet, dass man sie die ganze Ferienzeit nicht verlässt und so bietet Bora Bora uns eigentlich wenig.
Ausser dieses Bloody Mary’s: da wir am Abend natürlich noch in die Happy Hour «müssen», sitzen wir einsam an einem Tisch und sehen einen Mann gemütlich den Sand rechen – wir kommen ins Gespräch – und so typisch kleine Welt: es ist Julien, der Besitzer des Restaurants und – er ist Schweizer!! In Bulle geboren, mit 2 Jahren mit seiner Mutter nach Bora Bora gezogen (sie hatte einen Job im Perlenbusiness angeboten bekommen) kehrte er nach dem Baccalauréat nach Lausanne zurück und absolvierte die Hotelfachschule. Inzwischen gehört ihm wie gesagt die angesagteste Prominentenbeiz der Insel…und er fliegt jedes Jahr einmal in seine geliebte Schweiz zurück.
Tiki im Bloody Mary’s
Der Wind hat aufgefrischt, die See ist unruhig und auf dem Nachhause Ritt mit einem hüpfenden Dinghi erwischt uns auch noch ein Squall (Regenschauer) – huh, alle sind pflotschnass, von unten und von oben! Aber lustig und mit Gelächter kommen wir doch sicher zurück. Zum Glück ist dann noch Zeit ein Brändi Dog zu spielen – sehr zu Pia’s Freude.
Wir geniessen also am Freitag nach einem letzten gemütlichen Tag auf der Lupina ein tolles Abschiedsessen in der «Bloody Mary».
Am folgenden Mittag verlassen wir mit einem Tränchen Pia und Köbi und das Schiff. Während sie weiterziehen, fliegen wir zurück nach Tahiti, wo wir noch zwei Nächte verbringen, bevor es nach drei unglaublich ereignisreichen, fantastischen, sonnigen und abenteuerlichen Wochen dann wieder in die kühle Heimat geht.
Die SY Lupina zieht weiter westwärts.
Nachtrag vom Schreiberling: Vielen Dank, Mandy, für deine Zeilen. Schön, dass ihr bei uns wart, die Zeit mit euch war sehr kurzweilig und ging viel zu schnell vorbei. Wir lösen nun morgen die Leinen und segeln etwas zurück nach Osten. Wir wollen noch die beiden Inseln Tahaa uns Raiatea und vielleicht sogar noch einmal Huahine besuchen. Dann wird es Zeit, uns von Französich-Polynesien zu verabschieden. Wir wollen weiter westwärts.
Es bleibt spannend – folge der Lupina im Kielwasser!
Am 29.3.2023, noch vor 7 Uhr, starten wir den Motor und ziehen den Anker hoch. Diesmal hat sich die Kette wieder mal um einen Stein gewickelt. Das haben wir aber schon durch Schnorcheln entdeckt (ich schnorchle immer Anker und Kette, um mich zu vergewissern, wie sich der Anker eingegraben hat und wo die Kette liegt) und somit wissen wir ungefähr, wie wir beim Einziehen der Kette unseren Bug ausrichten müssen, um die Kette vom Stein zu lösen. Nach ein paar kräftigen Zügen von Hand an der Kette gibt sie der Stein frei und wir können losfahren in Richtung Ausfahrt von Manihi. Diese erreichen wir nach knapp einer Stunde, ziemlich genau zum Gezeitenwechsel wo fast keine Strömung vorhanden ist. In kurzer Zeit sind wir durch, setzen nach dem Pass gleich die Segel und nehmen Kurs auf nach Ahe, für uns das letzte Atoll vor Tahiti.
Bei schönem Ostwind segeln wir unter Genua gemütlich nach Ahe. Zuerst haben wir zwar eklige, seitliche Wellen, die uns immer wieder ins Rollen bringen. Dann, als wir langsam weiter ostwärts und dann um die Insel herum südlich drehen können, kommt die Welle von hinten und es wird absolut ruhig. Die Überfahrt verläuft bei schönem Wetter ereignislos und wir erreichen das Atoll von Ahe, in Begleitung einer Gruppe von kleinen Delphinen, etwa 1 Stunde vor dem Gezeitenwechsel. Wir verlangsamen und fahren erst durch den Pass, kurz bevor die Strömung umkehrt. Auch hier klappt alles bestens und kurz danach setzen wir beim einzigen Dorf der Insel (200 Einwohner) den Anker. Hier hat es besonders viele Steine und Korallen am Grund und das Wasser ist trüb. Keine Chance, Kette oder Anker beim Schnorcheln zu sehen. Kein Zweifel, dass sich auch hier die Kette um Steine wickelt, sollte sich der Wind am Ankerplatz drehen. Da wir nur schwachen Wind erwarten, senken wir nur wenig Kette auf den Meeresboden ab und lassen den Rest an unseren bewährten Bojen schweben, die wir seit Gambier an Bord mitführen.
Auf dem ganzen Atoll Ahe verteilt leben etwas mehr als 500 Einwohner, die hauptsächlich von Perlenzucht leben. Im Gegensatz zu anderen Atollen ist die 145 km2 grosse Lagune von Ahe nur sehr flach und mit vielen gefährlichen Korallenblöcke bespickt. Wir wagen es nicht, uns mit der Lupina weiter im Atoll umzusehen und beschränken uns auf Landausflüge zum Dorf Tenukupara vom Ankerplatz aus.
Obwohl im Dorf Tenukupara bloss 200 Einwohner leben ist die Infrastruktur beachtlich, wie man auf diesem Wegweiser erkennt, der gleich an der Anlandestelle steht: es hat eine Schule, ein Gemeindehaus, eine Krankenpflegestation, 2 Läden, eine Snack-Bar, und je ein Büro der Fluggesellschaft und des Telefonproviders.
Ahe ist für uns nun die letzte Zwischenstation vor Tahiti. Am 5. April wollen wir spätestens dort sein, denn am 7. April fliegt Besuch ein. Schon seit Tagen beobachten wir die Wind Situation. Das Wetter entwickelt sich nicht so, wie wir es gerne hätten. Ein ausgeprägtes Hochdruckgebiet formiert sich über unserer Gegend, das den sonst zuverlässigen Passatwind fast völlig einbremst. Schon seit Tagen sehen wir diesen Trend, hoffen aber immer wieder, dass sich das Ganze langsamer, oder schneller abwickelt. Unser Wunschdenken erfüllt sich aber nicht.
Die PredictWind Windvorhersage für den 1. April. Unser Startpunkt Ahe oben rechts, das Ziel Papeete unten links. Die Striche zeigen die optimalen Fahrtrouten, welche die verschiedenen Vorhersagemodelle (deshalb unterschiedliche Farben der Linien) anhand der Windprognose berechnet. Die blau eingefärbte Fläche bedeutet, dass man in dieser Zone mit rund 5 Knoten Wind rechnen kann. Das ist der Wind, der uns für die Überfahrt nach Papeete erwartet. Seeeehr wenig, fast zu wenig!Das ist der Wind, den wir gerne hätten: 15 Knoten (gelbe Farbe) über fast das ganze Gebiet. Leider baut sich dieser erst ab dem 6. April auf, zu spät also für uns.
Da wenig Wind vorausgesagt wird, starten wir bereits am 31. März, 2 Tage früher als geplant, mit unserer rund 270 Seemeilen langen Fahrt nach Papeete (Tahiti). Der Anker kommt trotz vielen Korallen relativ gut hoch. Tauchen hier wäre schwierig gewesen (trübes Wasser!). Unter Segel über die Lagune, mit Motor eine Stunde vor Flut (also bei Gegenstrom) durch den Pass, dann sofort die Segel hoch und ab geht’s auf direktem Kurs nach Papeete.
Langsam aber gemächlich segeln wir Tahiti entgegen. Das Meer ist zum Glück flach, die Segel schlagen nicht. Da der Wind fast von hinten kommt fahren wir die meiste Zeit mit den Segeln in «Schmetterling»-Stellung: Das Hauptsegel auf der einen Seite (mit einer Leine am Ende des Baumes nach vorne gebunden, so dass es bei dem schwachen Wind nicht plötzlich auf die andere Seite überschlägt), und das Genua Segel auf die andere Seite mit dem Spi-Baum ausgespannt.Der Windgenerator hat für einmal Pause. Dieser beginnt normalerweise so ab 5 Knoten Wind auf das Schiff zu drehen. Da der Wind auf das Schiff über eine sehr lange Distanz unter diesem Schwellwert verharrt, bleibt der Propeller stehen. Gut für die Tölpel, die nun gefahrlos versuchen können, auf den Flügeln zu landenIrgendwie fühlen die Vögel aber, dass der Windgenerator nicht der ideale Landeplatz ist. Schlussendlich entscheiden sie sich für unser Dinghi, um die Nacht hindurch ohne Anstrengung Richtung Südwesten gefahren zu werden.
Die meiste Zeit haben wir wenig aber genügend Wind, dass wir die Segel stehen lassen können und Meile um Meile gemächlich Richtung Tahiti treiben. Wir brauchen auf der ganzen Strecke den Motor nur für insgesamt etwa 10 Stunden, verteilt auf einzelne Stunden. Dies meist um Strom zu produzieren (der Windgenerator arbeitet ja nicht!) oder um uns bei absoluter Windstille nach einem Squall aus der Flaute raus zu schieben. Die Squalls (Grosse Regenwolke, die zuerst viel Wind, dann meist einen starken Regenschauer bringt und von einer längeren Flaute gefolgt wird) beschäftigen uns immer mehr, je näher wir an Tahiti kommen. Sie werden häufiger und heftiger. Immer wieder müssen wir die Segelstellung anpassen, Segel schiften (= Seite Wechseln) und wieder der neuen Windstellung anpassen. Nach dieser Fahrt sind wir wahre Regattasegler 😊
Am 4. Tag unserer Reise frischt der Wind aus Norden auf fast 10 Knoten auf. Die Segel füllen sich, blähen sich auf und ziehen die Lupina mit 6-7 Knoten durch das Wasser, fast doppelt so schnell wie unsere bisherige Durchschnittsgeschwindigkeit! Dadurch erreichen wir Tahiti 2 Tage früher als erwartet. Am Ziel werden wir von schönstem Wetter empfangen. Beim Pointe Venus, mit seinem schwarzen Sand einer der bekanntesten Strände von Tahiti, setzen wir den Anker.Am nächsten Tag, es ist mittlerweile der 4. April, fahren wir zur Marina von Papeete und suchen uns ein leeres Plätzchen. Normalerweise ist das hier sehr schwierig, denn es hat viele Jahresmieter, meist Charter-Gesellschaften, die ihren Platz dauergemietet haben. Als Neuankömmling weiss man das aber nicht vorher. Wir haben bei unserem letzten Aufenthalt den Liegeplan fotografiert und wissen bei unserer Ankunft genau, welches reservierte Plätze sind und welche frei sind.Lupina im Hafen von Papeete. Die Kreuzfahrtschiffe sind wieder zurück im Geschäft, wie man siehtSonnenuntergang über Moorea, der Nachbarinsel von TahitiDa wir etwas früher als notwendig zurück in Papeete sind, können wir auch noch Dinge unternehmen, für die wir sonst keine Zeit mehr gehabt hätten. Hier ist es ein Besuch in einem Perlengeschäft. Der Schreiberling durfte dabei seinen Geldbeutel etwas entlasten 😉Oder Verzierung der Bordperle mit einem weiteren Tattoo am Handgelenk. Der Künstler Lywaii Hikutini und seine Frau America interessieren sich sehr für unser Seglerleben und wir laden sie spontan zu uns aufs Schiff ein.Der übliche Sundowner am Abend. Dabei kann es in den Tropen gut passieren, dass man sich sein Getränk mit anderen Durstigen teilen muss.Wir verbringen viel Zeit mit Schiff putzen, Bug Koje für unsere Gäste herrichten und, als letzte Aktion, Einkaufen und Bordreserven ergänzen (Bild).Am 6. April, dem Vorabend zu meinem Geburtstag, sind wir bereit für Mandy und Daniel Stadelmann, unsere Asylgeber, wenn wir in der Schweiz sind. Sie besuchen uns nun bis Ende Monat und landen am 7. April frühmorgens in Papeete. Wir holen sie am Flughafen ab und feiern zusammen meinen Geburtstag. Vielen Dank für all die vielen Gratulationen, die ich via soziale Medien weltweit zu meinem Geburtstag empfangen durfte.
Morgen, Ostersonntag, geht es nun endlich wieder los für Lupina. Wir lösen unsere Leinen in Tahiti und segeln nach Moorea. Ob unsere Besucher wohl seetauglich sind – und wie reagieren sie beim Schnorcheln auf die Haifische?
Wir wünschen euch alle frohe Ostern!! Es bleibt spannend – folge der Lupina im Kielwasser!
Es ist der 16. März 2023 kurz nach 10 Uhr am Morgen. Wir sind soeben nach einer langen Reise aus der Schweiz via Paris, Los Angeles und Papeete in Hiva-Oa auf den Marquesas (Franz.-Polynesien) gelandet. Nach 5 herrlichen Wochen in der Schweiz mit Skifahren (die Grosskinder wollten Opi zeigen, dass sie nun schneller sind – hat aber noch nicht geklappt 😉), Verwandte und Freunde besuchen, Gartenarbeiten erledigen, Steuererklärung ausfüllen (ja, wir sind immer noch in der Schweiz angemeldet), Ersatzteile fürs Boot beschaffen und vielen anderen Tätigkeiten freuen wir uns nun sehr, wieder auf die Lupina zu kommen.
Fünf schöne Wochen mit viel Zeit für unsere Grosskinder liegen hinter uns. Auch rund 30°C Temperatur Unterschied – bei der Reise in die Schweiz waren es sogar 40°C – durften wir bewältigen.Zurück in Atuona, dem Hauptort auf Hiva-Oa, erwartet uns herrliches Wetter bei 30°C. Auch das Meer ruft!Wir sind sehr gespannt, wie unsere Lupina die Zeit an Land überstanden hat. Zu unserer Erleichterung treffen wir sie in tadellosem Zustand an. Wir finden keinen Schimmel, keine Insekten (Kakerlaken und dergleichen) und keine Ratten auf dem Schiff. Alles Eindringlinge, mit denen man rechnen muss, wenn man nicht selber auf dem Schiff haust.An Land im Yard ist es sehr heiss und wir wollen so schnell wie möglich ins Wasser. Zuerst gibt es aber noch einige Dinge zu erledigen. Prioritäten haben dabei die Arbeiten, die nur ausgeführt werden können, wenn das Schiff an Land steht. Im Bild montiere ich gerade neue Ring-Anoden am Gori-Faltpropeller. Diese schützen den teuren Propeller und die Welle vor Elektrokorrosion.Auch die Anode am Propeller des Bugstrahlruders wird gewechselt. Sie sieht zwar nicht allzu schlecht aus, aber sie ist doch schon fast zu 50% wegkorrodiert. Das ist ein gutes Zeichen, denn so wissen wir, dass sie ihre Funktion erfüllt.Dann, der treue Mitreiser (Leser) erinnert sich, muss die geschrottete Solarpaneele durch eine neue ersetzt werden. Diese hat uns der Yard während unserer Abwesenheit besorgt und auf dem Schiff deponiert. Wir haben Glück: Dimensionen und Stecker sind absolut identisch und somit der Anbau flugs erledigt.Das Schot-Horn an der Genua ist vom Segelmacher im Yard fachmännisch und perfekt wieder angenäht worden. Die weissen Bänder sind breiter als die alten und sollten ihren Dienst noch besser erfüllen können.Ich kontrolliere die Batterien und nutze die Gelegenheit, das neue Expansionsgefäss (blauer Zylinder), welches ich im freien Raum neben der Batteriebank verstaut hatte, auszugraben. Das Expansionsgefäss dient dazu, im Wasserversorgungssystem an Bord einen konstanten Wasserdruck zu halten. Das alte Gefäss habe ich schon 2-mal reparieren müssen – nun fliegt es endgültig über Bord und das neue kommt zum Zug.Der defekte Wagen für den Genuaschot-Niederholer muss ersetzt werden. Nicht ganz trivial, denn der Wagen ist auf Kugeln gelagert und diese fallen raus, wenn man es nicht richtig macht. Zum Glück kenne ich das Problem und weiss, wie die mitgelieferte Montageschiene (blaues Teil) zu verwenden ist.Als schönste Arbeit wartet die Montage unseres neuen Faches für den Feldstecher. Von Turnkamerad Stefan Treier aus Fricktaler Eichenholz perfekt auf Mass gefertigt. «holzberührt.ch» berührt auch uns – vielen Dank Stefan, das «Chischtli» sieht super gut aus!!Und dann, 4 Tage nach unserer Ankunft auf der Lupina, ist es soweit! Sie darf wieder ins Wasser. Zentimeter um Zentimeter holt uns der Schlepper aus dem engen Parkfeld hervor und zieht uns aus dem Yard.Und schon ein paar Minuten später ist der Bauch der Lupina wieder nass und sie ist wieder in ihrem liebsten Element.Alles ist perfekt: der Motor startet auf Anhieb, Wellendichtung und alle Seeventile sind dicht, und auch die elektrischen Systeme funktionieren einwandfrei. Einzig der Wassermacher ist noch konserviert und nicht getestet. Das machen wir erst, wenn wir in sauberem Wasser liegen, was hier im Hafen nicht der Fall ist. Also los! Nichts hält uns mehr hier, das Meer ruft. Gleich nach dem Einwassern setzen wir Segel und fahren noch am gleichen Tag rund 8 Seemeilen zu einer uns gut bekannten Bucht auf der Nachbarinsel Tahuata.
Es ist herrlich, wieder im Wasser zu sein! Die Bucht, in der wir ankern, ist bekannt für klares Wasser und guten Ankergrund. Auch ist das Wasser bei der herrschenden Windlage sehr ruhig, es hat fast keinen Schwell. Wir schlafen wie Murmeltiere, sanft durch das sachte Schaukeln in einen Tiefschlaf versetzt. Am kommenden Tag wollen wir gegen Mittag den Anker lichten und die rund 500 Seemeilen, die uns vom Atoll Manihi in den Tuamotus trennen, in Angriff nehmen. Nach dem Frühstück holen wir zuerst nach, was wir als Einziges noch nicht erledigt haben: den konservierten Wassermacher wieder in Betrieb nehmen. Eine einfache Sache, die durch Drücken ein paar elektrischer Knöpfe automatisch erledigt werden kann. Aber es kommt anders: eine Fehlermeldung stoppt den Prozess. «Service Filter» heisst es lapidar auf der Anzeige. Die hatte ich doch erst noch in Gambier gewechselt!? Nun, auch kein Beinbruch, wir haben reichlich Ersatz an Bord und flugs sind die 3 vorhandenen Filter gewechselt. Aber die Fehlermeldung bleibt! Es ist Zeit für eine Konsultation des Manuals, aber da steht nur drin, was ich schon gemacht habe: tausche die Filter! Ich komme nicht weiter, die Filter sind ja neu! Es muss an der Elektronik liegen. Ich klopfe noch etwas auf den Drucksensoren rum und prüfe die elektrischen Kabel, aber ich kriege die Steuerung nicht dazu, ihre Arbeit aufzunehmen.
Eine kurze Situationsanalyse zeigt: wir haben noch etwa 150 Liter Wasser im Tank und 20 Liter Wasser in Kanistern. Das reicht locker für die Fahrt nach Manihi, ja im Notfall sogar bis Tahiti. Die Windvorhersage sagt für die nächsten 4 Tage 8-12 Knoten Wind aus Osten voraus. Nicht viel, aber perfekt für uns. Wir entscheiden uns also für die Losfahrt, obwohl unser Wassermacher nicht funktioniert. Später während der Überfahrt, studiere ich das Manual noch einmal gründlich. Es gelingt mir durch Umhängen von Leitungen den Wassermacher manuell zu steuern und zu bedienen. Auch finde ich die Teilenummern von neuen Drucksensoren, die wir nun bestellen werden.
Überfahrt nach Manihi in die Tuamotus – 500 Seemeilen. Wir rechnen mit 3 Tagen und haben noch eine Reserve von einem halben Tag eingeplant. Der Wind lässt innerhalb der ersten Stunden deutlich nach und ist allgemein viel schwächer als angesagt. Über weite Strecken haben wir nur 3-5 Knoten Wind. Trotz Gennaker (Bild, unser grösstes Segel aus speziell leichtem Stoff, so dass es auch bei wenig Wind stehen kann) dümpeln wir die ersten Tage nur mit 2.5-3.5 Knoten dahin. Statt 150 Seemeilen pro Tag schaffen wir nur etwa die Hälfte ☹ Trotzdem ist es ein herrliches Segeln! Das Wasser ist absolut flach und das Schiff gleitet lautlos über den tiefen (an einigen Stellen über 5’000 Meter tief) Ozean, wie von Geisterhand gezogen. Es fühlt sich auf dem Schiff an wie an einem ruhigen Ankerplatz. Das Wetter ist fantastisch und die farbenprächtigen Sonnenuntergänge lassen uns vergessen, dass wir eigentlich vorwärts kommen wollen.Natürlich haben wir immer genügend Proviant an Bord und wir laufen nicht Gefahr, wegen der langsamen Fahrt irgendwann mal nichts mehr zu Essen zu finden. Frisches Brot backen ist bei diesen Segelverhältnissen sogar ein richtiges Vergnügen.So wie die Sonnenuntergänge sind auch die Aufgänge: einfach wunderschön und inspirierend.Nach 4 Tagen kommt Wind auf. Nicht viel mehr, aber er bleibt stabil und wir machen ab jetzt gute Fahrt: 6-7 Knoten! So erreichen wir am 5. Tag Manihi und können das Zeitfenster für die Passdurchfahrt am frühen Nachmittag nutzen. Am 26. März 2023, um 16 Uhr lokale Zeit, fällt der Anker am Ankerplatz im Südwesten des Atolls. Wir sind das einzige Segelschiff hier.Unser Ankerplatz (linke Bildmitte im Hintergrund) liegt direkt bei einem kleinen Wasserdurchbruch im Atoll. Flaches, absolut glasklares Wasser fliesst hier vom offenen Meer ins Atoll hinein. Wir machen uns immer wieder auf, dieses bachartig fliessende Wasser nach Lebewesen zu durchforschen. Manchmal treffen wir sogar kleine, etwa armlange Baby-Haie an.Eine Landschaft, die uns eingeprägt bleiben wird. Die wild zerklüfteten, scharfkantigen Aussenriffe in den Tuamotus. Wer hier strandet und kein ordentliches Schuhwerk dabei hat, ist auf verlorenem Posten.Im einzigen Örtchen finden wir mühelos einen Anlegeplatz für unser Dinghi. Einmal mehr stossen wir hier auf wunderbar offene, fröhliche und zufriedene Menschen. Auf dem Atoll Manihi leben nur etwa 300 Personen, wovon fast 100 Kinder sind (unnötig zu erwähnen, dass es keine Fernseher hat 😉)Wie auf den meisten Atollen leben auch hier viele Leute von der Perlenzucht. Die Boote, die verwendet werden, um zügig über die flache Lagune zu fahren, sind meist sehr stark motorisiert und haben den Führerstand vorne. Dies ist sehr wichtig, denn nur die erhöhte Lage vorne am Bug erlaubt es dem Steuermann, Untiefen und Korallenköpfe rechtzeitig zu erkennen und auszuweichen.Wir sehen auch das eine oder andere Auto auf Manihi (obwohl keine der befahrbaren Strassen länger als 1 Kilometer ist!) – das nebst Booten am häufigsten verwendete Transportmittel sind Fahrräder.Die Bevölkerung hat sich links und rechts des einzigen Passes auf Manihi angesiedelt. Eine kleine Fähre, die auf Abruf funktioniert, sorgt für die Verbindung.Es braucht nicht viel um fröhlich und zufrieden zu sein!!Jeden Abend sehen wir dieses Boot an unserer Lupina vorbeirauschen – fast schneller als wir unser Dinghi fahren können. 6 kräftige und ausdauernde Frauen trainieren jeden Tag für die nationalen Pirogen-Meisterschaften, die irgendeinmal im Spätsommer stattfinden.Auch hier fällt uns das Überangebot an Kirchen auf. Auf nur 300 Einwohner kommen mindestens 3 Gotteshäuser (so viele haben wir selbst gesehen, wahrscheinlich hat es aber noch mehr). Bei diesem Exemplar gefällt uns das schlichte Design des Glockenturmes 😉
Die Tuamotus zählen einfach zum Fantastischsten, was wir bisher auf unserer Reise angetroffen haben. Die spezielle Geologie, die wunderbaren Einwohner, der Einklang von Natur und Mensch. Wir wollten unbedingt nochmals hierher zurückkehren, auch wenn es nur für ein paar Tage ist. Bis zum 7. April müssen wir in Tahiti sein: wir erhalten Besuch und der Schreiberling hat da was zu feiern. Bis dahin sind es etwa 300 Seemeilen. Die Herausforderung wird wieder einmal der Wind sein. Die Vorhersagen für die nächsten 10 Tage zeigen unisono wenig Wind und sogar Wind von Westen an (genau dahin wollen wir aber). Gute Segeltaktik ist gefragt. Vielleicht ist ja jemand unter unseren Lesern ein versierter Wind-Guru und kann uns aus der Ferne beraten.
Lupina ist startklar und wartet im Atoll Manihi auf weitere Abenteuer.
Wir planen nun morgen mal ein Stückchen weiter zum nächsten Atoll (Ahe) zu segeln und von da aus zu verfolgen, was die Windgötter noch so alles mit uns vorhaben.
Es bleibt spannend – folge der Lupina im Kielwasser!
Es ist Montag, der 16. Januar 2023. Wir laden noch ein letztes Mal Wetterdaten herunter, kaufen noch 1 Kiste Bier ein (nicht für unterwegs! Da gibt’s keinen Alkohol! Aber fürs Ankerbier beim Ankommen 😉), und verabschieden uns von Mangareva Yacht Service (Tituan und Juliette, die uns immer sehr zuvorkommend unterstütz haben). Zurück auf der Lupina kommt die Limelight Crew noch kurz zu uns, um uns auf Wiedersehen zu sagen. Dann geht’s los. Ich am Anker, Pia am Steuer. Ehrenrunde um die Limelight, dann zirkeln wir die Lupina durch die Korallenbänke vor Rikitea. In tieferem Wasser werden sofort die Segel gesetzt. Wir sind anfänglich zwar sehr langsam, aber wir haben Wind und der schiebt uns von hinten gemächlich aus Gambier hinaus. Auch ausserhalb des Atolls sind die Wellen flach, und wir machen bei auffrischendem Wind gute Fahrt.
Der Wind ist zwar schwach (5-8 Knoten), aber er weht etwa aus 60 Grad von Steuerbord aufs Schiff. Zusammen mit der Fahrtgeschwindigkeit von 5-6 Knoten, beträgt der Wind, der schlussendlich auf die Segel wirkt, rund 10-12 Knoten. Ein schöner Segeltag! Wir versuchen mal etwas Neues, setzen vorne neben der Genua parallel auch das Kuttersegel (kleines Segel in der Bildmitte). Wir haben das noch nie gemacht, sind eigentlich gar nicht so sicher, ob das etwas bringt. Tatsächlich! Wenn wir die Segel schön parallel ausrichten, dann machen wir gut 0.5 bis 1 Knoten mehr Fahrt! 😊Die Überfahrt zur rund 800 Seemeilen entfernten Insel Hiva Oa auf den Marquesas verläuft sehr ruhig und fast erholsam. Je weiter wir nach Norden vorstossen, umso mehr dreht der Wind nach Osten, also mehr seitlich aufs Schiff, was auch von der Schräglage angenehmer ist.Etwa auf halber Strecke ein wunderschöner Sonnenuntergang. Noch ahnen wir nichts vom Wetterwechsel, der uns nach Mitternacht bei meiner Schicht überrascht.
Etwa um 2 Uhr in der Nacht nimmt der Wind deutlich zu, in Böen sogar bis fast 30kn. Da es mittlerweile rings um uns herum blitzt am Himmel und Gewitter drohen, rollen wir die Genua ein und setzen die Fock. Kurz darauf dreht der Wind nach nordnordost (also wieder mehr von vorne) und flaut ab. Schlussendlich schläft er ganz ein und kommt fast aus der Richtung, wo wir hin wollen. Für ein paar Stunden muss der Motor ran, bis wir wieder genügend Wind zum Segeln haben. Im Verlaufe des 2. Segeltages setzt konstanter Ostwind ein, und ab da tragen uns die wieder kräftig gefüllten Segel zügig über das Meer in Richtung Marquesas.
Nach rund fünfeinhalb Tagen fällt das Eisen frühmorgens in der Bucht von Hanavave auf der Insel Fatu Hiva. Es liegen bereits 2 andere Boote vor Anker in dieser schmalen und windigen Bucht, aber wir haben genügend Platz (Lupina ganz links). Das Ankerbier vor dem Frühstück schmeckt herrlich 😉Für uns ist es ein Wiedersehen mit den spektakulären Felsen und den skurrilen Formen, welche die Natur geformt hat.Den Wanderpfad zum Wasserfall Vaieenui haben wir schon bei unserem ersten Besuch unter die Füsse genommen. Diesmal entscheiden wir uns für die anstrengendere Tour zum Aussichtspunkt über der Bucht. Die Wanderung verläuft etwa 5 Kilometer steil bergan auf der Strasse Richtung Omoa (die Füsse sind auf dem Bild abgeschnitten, stecken aber tatsächlich in Wanderschuhen! 😉)Fast 400 Höhenmeter über unserem Ankerplatz und dem kleinen Hafen von Hanavave – ein fantastischer Ausblick, für den sich die Mühe definitiv gelohnt hatEs ist die Saison der Pampelmusen (in der Schweiz auch Grapefruit genannt). Waren die Früchte in Gambier eher kleiner und noch nicht ganz reif, sind sie hier voll im Saft und laden ein, gegessen zu werden.Spontan spricht der Besitzer der Bäume (Jacques) uns an und schenkt uns ein paar dieser leckeren Früchte. Er erwartet keine Gegenleistung! Etwas dafür zu bezahlen wäre eine Beleidigung, denn in der Polynesischen Sichtweise würde das bedeuten, dass man Gastfreundschaft mit Geld abwimmelt.Als wir im März 2022 hier waren, war alles sehr trocken und braun. Die Bevölkerung erwartete sehnlichst Regen. Dieser ist in der Zwischenzeit eingetroffen und alles ist saftig grün, wie zum Beispiel der Pausenplatz der Schule von Hanavave …… oder die Hänge entlang des tief eingeschnittenen TalkesselsEin einheimischer Fischer und Bauer hat einem anderen Segler am Ankerplatz angeboten, einmal für uns alle ein Abendessen zuzubereiten. Schlussendlich sind wir die Crews von 4 Schiffen, welche die Einladung annehmen und ein typisches Marquesianisches Abendessen serviert bekommen.Es gibt Schweinefleisch in 2 Varianten, Hähnchen, Brotfrucht, Reis und Gemüse. Zum Nachtisch Pampelmusen und leckeren, selbstgebackenen Schokoladekuchen.
Anders als damals im März 2022 herrscht jetzt über Fatu Hiva die ganze Zeit kräftiger Wind und das Meer ist stark aufgewühlt. Immer wieder peitschen kurze, sehr heftige Böen das Tal hinunter und lassen die Lupina heftig am Anker zerren. Wir sind froh, haben wir die neue Kette und müssen keine Bedenken haben, dass diese vielleicht überlastet werden könnte. An das Rollen am Ankerplatz haben wir uns schnell gewohnt. Pia meint gar, so sei sie gut auf die nächste Etappe eingeschaukelt. Nach 3 Tagen lichten wir den Anker und machen uns auf zur rund 45 Seemeilen entfernten Insel Tahuata
Bei der Wegfahrt von Fatu Hiva läuft zuerst alles wie gewünscht. Etwa eine halbe Meile von der Insel weg setzen wir zuerst das Grosssegel, dann die Genua. Beim Festhalten des Manövers im Logbuch kommt plötzlich eine sehr starke Böe (Pia liest 30-35kn vom Wind-Anzeigegerät). Diese Böe lässt unsere Lupina nach vorne in den Wind schiessen und legt das Schiff hart auf die Backbordseite. Die Reeling ist tief im Wasser und das dort befestigte SUP wird von der überströmenden Flut angehoben. Ich eile zum Steuer, reisse es herum und vieren die Genua. Die Böe lässt schon wieder nach – Glück gehabt, vermeintlich. Ein Rundumblick zeigt dann: die Solar-Paneele ist abgerissen (das Bild zeigt den Rest davon). Ich ärgere mich sehr, denn hätte ich mich nicht durch das Logbuch abgelenkt, hätten wir die Böe besser abfangen können! Wieder etwas gelernt ☹! Der Rest der Fahrt nach Vaitahu auf der Insel Tahuata verläuft dann sehr zügig und ohne weitere unangenehme Vorkommnisse.
Auch über Tahuata bläst während der ganzen Dauer unseres Aufenthaltes ein kräftiger Wind (ca. 20 Knoten). Sogar auf der Leeseite der Insel ist der Schwell, den das Meer bei diesen Bedingungen ans Ufer zurückwirft, ungewöhnlich hoch. Das Anlanden mit dem Dinghi an der Hafenmauer von Vaitahu ist sehr ungemütlich, ja sogar gefährlich. Daher beschränken wir uns auf nur wenige Landgänge. Zum Glück treffen wir hier wieder auf Katrin und Hans (SY Esmeralda). Deren Dinghi ist um einiges leichter als unseres und wir können es auf die Hafenmauer ziehen. Da liegt es geschützt und ungefährdet von dem starken Sog, der um die Quai-Mauern herrscht.
Nach 2 Tagen in Vaitahu verlegen wir 3 Seemeilen weiter in die idyllische Bucht von Iva Iva Iti. Hier können wir zwar ausgiebig schnorcheln, aber an das Anlanden mit dem Dinghi ist wegen der sich überschlagenden Wellen im Uferbereich nicht zu denken. Der Einheimische, der am Strand in einer Hütte wohnt, lässt sich jeweils ein paar Meter draussen abladen und schwimmt durch die Brandung ans Ufer.Trotz starkem Wind und Schwell erleben wir einige wunderschöne Sonnenuntergänge. Dieses schöne Bild von der Lupina hat Katrin von der SY Esmeralda aus geknipst.Am 2. Februar 2023, einen Tag früher als geplant, kommt Spannung auf: die Lupina kommt aus dem Wasser. Wir sind am Tag vorher von Tahuata nach Hiva Oa gefahren und haben mit dem Personal vom Yard den Ablauf besprochen. Weil das Wasser bei der Rampe nicht allzu tief ist, wird das Auswassern bei Hochwasser geplant. Hier sind wir bereits in Position und warten auf den Lift.Mit dieser Vorrichtung, eine Art fahrbare Hebebühne, und dem kräftigen Allrad-Zugfahrzeug wird unser Schiff aus dem Wasser gezogen und an Land geschoben. Die Hebebühne ist in der Höhe hydraulisch steuerbar, so dass unsere Lupina während des ganzen Prozesses immer schön in der Waagerechte steht.Die folgenden 2 Tage sind arbeitsintensiv. Alles, was nicht an Deck bleiben muss, wird vor dem gnadenlosen Sonnenlicht, das in diesen Breitengraden herrscht, unter Deck verstaut. Pia repariert das Bimini, dessen Stoff (an der Auflage bei den Eisenrohren) beim Aufenthalt im Spätsommer 2022 in der Marina von Papeete durch die Sonne an 2 Stellen fast durchgebrannt worden ist.Ich inspiziere gründlich alle Winschen, Rollen und Klampen. Bei der backbordseitigen Niederhole-Rolle für das Genua-Schot stelle ich einen gravierenden Defekt fest, der als gefährlich eingestuft werden muss: der Bolzen, der die Rolle fixiert, ist nicht mehr gesichert. Die nietenartige Verstemmung des Materiales ist abgebrochen, vermutlich durch Vibrationen. Der Stift kann sich so axial verschieben und die Rolle könnte sich lösen.Der Yard von Hiva Oa ist momentan randvoll. Viele Segler haben jetzt ihr Boot für die Zyklon-Zeit ausgewassert und sind nach Hause geflogen. Wir sind sehr glücklich, dass wir noch einen Platz bekommen haben.
Die Arbeiten, die wir dringend machen wollten, erledigen sich schnell und ohne negative Überraschungen: Unterwasserschiff abdampfen, Zustand des Antifoulings checken, Anoden am Bugstrahlruder und an Welle sowie Propeller ersetzen, Spiel von Ruder und Verstellmechanismus des Propellers prüfen, Seeventile überprüfen und gängig machen. Zudem gibt es hier einen Segelmacher mit gutem Ruf. Ihm übergeben wir unser Genua-Segel, damit er das ausgerissene Schot-Horn wieder einnähen kann. Es verläuft alles wie am Schnürchen. Wir sind froh, müssen wir nicht stressen mit der Arbeit, denn auf der an Land stehenden Lupina wird es tagsüber sehr heiss. Es weht kaum ein Wind und von unten kühlt kein Meerwasser.
Am Sonntagabend verabschieden uns Katrin und Hans (SY Esmeralda) noch mit einem feinen Nachtessen auf ihrem Schiff (vielen Dank euch Beiden für die vorzügliche Gastfreundschaft) und schon am Montag früh beginnt dann unsere lange Reise in die Schweiz.
Montag, 6.2.2023, die lange Reise in die Schweiz beginnt. Zuerst mit einem dreieinhalb stündigen Flug von Hiva Oa nach Papeete (Tahiti). Der Flughafen auf der Insel ist wohltuend klein und wunderschön eingebettet auf einem Hochplateau zwischen den steilen BergenDer Flug führt uns über die Atolle der Tuamotus. Einige davon haben wir schon besegelt, andere, wie das Atoll Apataki (Bild) werden wir dann auf unserer Weiterfahrt ansegeln.In Papeete müssen/dürfen wir 2 Tage auf den Anschlussflug nach Europa warten. Das ist, wie man sieht, offenbar nicht weiter schlimm: Pia lässt es sich an ihrem 66. Geburtstag gut gehen.
Am 8. Februar geht dann die Reise weiter und einen Tag später kommen wir sicher aber etwas müde in der Schweiz an. Wir wollen nun wieder einmal den Winter geniessen. Zudem wollen die Grosskinder wissen, ob sie bereits schneller sind beim Skifahren als ihr Opi. Ich werde mir alle Mühe geben 😉 Mitte März geht’s dann wieder zurück auf die Lupina. Bis dann macht auch der Schreiberling Pause.
Aber danach wird es wieder spannend – folge der Lupina im Kielwasser!
Vor fast einem Jahr haben wir in Gambier unseren ersten Stopp gemacht in Französisch-Polynesien. Nun sind wir wieder hier. Mehr und mehr lernen wir in der Südsee die Welt mit anderen Augen sehen, mit anderen Sinnen begreifen. Bei einem Schnorchelgang in einem Pass durchs Riff, oder am Aussenriff eines Atolls mit der unfassbaren Menge von Korallen wird einem bewusst, dass diese Ringinseln nichts anderes sind als die grössten Lebewesen der Erde. Ein Kollektiv von einer Riesenanzahl (eine Zahl so gross, die kann ich mir gar nicht vorstellen) von für uns fast gänzlich verborgenen Kreaturen, die Festland produziern. Und wir mittendrin.
Kurz nach Weihnachten ist sie endlich da, unsere neue Kette für die Lupina. Der Staplerfahrer des Frachtschiffes ist so nett und stellt uns die 150kg schwere Kiste direkt an den Rand des Piers. Hier können wir unserer Lupina festmachen, nachdem das Frachtschiff wieder weg ist.Die Freude über die neue Kette (80 Meter lang, 8mm Stärke, Edelstahl der Güte 318LN Duplex, elektropoliert) ist gross. Mit vereinten Kräften wird die Kette Meter für Meter in den Ankerkasten verfrachtet, und dann am Anker befestigt.Die alte Kette wird mit der Trennscheibe in Stücke geschnitten, wobei wir die stark korrodierten Elemente jeweils heraustrennen.So zerstückelt wartet nun die alte Kette auf neue Anwendungszwecke. Ein Stück davon wechselt rüber zur SY Limelight für den Heckanker, eines dient in Zukunft in unserem Dinghi als Ankerkette und Diebstahlschutz.Wir benutzen die Gelegenheit am Pier, die Genua, an welcher der Ring am Schot-Horn ausgerissen ist, runter zu holen und fachgerecht zusammenzufalten. In Hiva-Oa soll es einen tüchtigen Segelmacher geben, der das Schot-Horn wieder korrekt einnähen kann.Unsere Ersatzgenua steht gut – sie ist allerdings etwas kleiner geschnitten (für Fachleute: 100% im Vergleich zu 110%) als das defekte Segel und hat somit ein paar Quadratmeter weniger Fläche, aber sie steht gut und zieht uns zügig durchs Wasser.Dann ist es endlich wieder mal Zeit für einen Ausflug: Zusammen mit Anette und Michael von der SY Limelight fahren wir zur Insel Akamaru und ankern dort für ein paar Tage. Mit unseren Beibooten erkunden wir die Umgebung.Gemeinsame Wanderung auf die kleine Insel Mekiro (liegt direkt neben Akamaru).Das Inselchen Mekiro ist nur knapp 60 Meter hoch, aber von da hat man einen wunderbaren Rundumblick über die Lagune und die Insel Akamaru. Unten rechts am Sandstrand ruhen unsere Dinghis.Das hat uns bei unserem ersten Besuch im Januar 2022 erstaunt und auch jetzt wieder, fast ein Jahr später: die wenigen Bewohner (es sind rund etwa 10 Personen) hegen und pflegen ihre Insel wie einen Park. Der Weg vom Meer zur Kirche ist perfekt gemäht, und die Blumen und Hecken tadellos geschnitten. Es macht richtig Freude, barfuss über die Insel zu schlendern.Silvester, den Jahresabschluss feiern wir dann auf der Insel Taravai, wieder bei Valérie (rote Blume im Ohr) und Hervé (vorne im Bild). Mit von der Partie ist die Crew der SY Esmeralda, Katrin (neben Pia) und Hans (links von mir), und natürlich Anette (links am Tisch) und Michael (hinter der Kamera – vielen Dank fürs Bild!)Den Jahreswechsel feiern wir dann, wie auch schon mal (siehe Kanarische Inseln 2018/19), auf 3 verschiedenen Schiffen. Apéro und Vorspeise gibt’s auf der SY Esmeralda (von links: Katrin, Pia, Anette und Michael) …… die Hauptspeise dann auf der SY Limelight (von links: Michael, Anette, Katrin, Köbi, Pia, Hans)
Von der Nachspeise (hmm! leckere Mousse au Chocolat à la Pia) und dem Anstossen aufs Neue Jahr auf der SY Lupina gibt es leider keine brauchbaren Bilder – wahrscheinlich hat die Kamera die Kommandos des Benutzers (ich) nicht mehr richtig entziffern können 😉
Am Neujahrstag machen wir mal zuerst das, was die meisten Leute auch tun: ergiebig ausschlafen. Das Neue Jahr soll ja gut beginnen! Danach geht’s gleich wieder von unseren Schiffen rüber an Land zu Valérie und Hervé zu einen mehrstündigen Neujahresbrunch. Wir treffen dort auch Freunde und Cousine von ihnen an, die mit einem Pirogen-Boot (langes, flaches und daher schnelles Boot) von der Hauptinsel Mangareva zu Besuch sind. Der stehende Mann erzählt mir später, dass er der Besitzer der Insel Kamaka ist, und dass er jemanden suche, der dort wohnen will und bereit ist, als Gegenleistung Haus, Anlagen und Umgebung zu pflegen. Ein fast paradiesisches Angebot, aber unsere Lupina lassen wir nicht im Stich – und die will noch weiter in die Welt hinaus 😉 Falls aber jemand unter euch Lesern Lust verspürt, sich in die Südsee abzumelden – wir vermitteln gerne!Gemeinsamer Abwasch nach dem Neujahres-BrunchWieder zurück in Rikitea mieten wir uns vom neuen «Mangareva Yacht Service» zwei Fahrräder und machen uns auf, die Insel zu umrunden (fast 30 Kilometer). Die Ausrüstung der Drahtesel ist äusserst spartanisch: Rücktrittbremse und sonst nichts. So erstaunt es nicht, dass wir bei den kurzen steilen Anstiegen absteigen und schieben müssen. Pia hat das Pech, dass ihre Rücktrittsbremse immer sofort blockiert, wenn sie benutzt wird. So bleibt es ihr nicht erspart, auch bergabwärts vom Velo zu steigen und zu schieben. Wer jetzt denkt, ich sei aber nun wirklich kein Gentleman, dem sei gesagt, dass ich Pia mehrmals vergeblich angeboten habe, die rollbaren Untersätze zu tauschen.
Die Fahrrad Tour ist übrigens nicht nur wegen des Schiebens etwas schweisstreibend, sondern auch infolge eines ungeplanten Ereignisses: nach einer längeren Rast sind wir bereits wieder fast 5 Kilometer gefahren, als ich von einer schönen Perlenfarm ein Bild schiessen will. Gewandt greife ich wie üblich nach meinem Handy in die Hosentasche und finde: nichts!! Wo ist mein Handy?? Rausgefallen auf der letzten stark schüttelnden Abfahrt. Kurz gehe ich gedanklich die letzten Kilometer durch und versuche mir vorzustellen, wie und vor allem wo es raugefallen sein könnte. Nach intensivem Nachdenken weiss ich, dass ich es das letzte Mal bei unserer Rast verwendet habe. Es bleibt mir nichts anderes übrig, als mich auf die Suche zu machen. Tatsächlich werde ich dann auch fündig: auf dem Stein, wo wir bei unserer Rast gesessen sind!
Zur Erholung dann ein romantisches Dinner am Strand. Das möchten diesmal aber auch winzig kleine Ameisen, die irgendwie den Weg in den Trinkbecher unserer Kühlflasche gefunden haben. Genau in dem Moment, als das Bild gemacht wird, entdecken wir sie 😊Ich glaube, ich habe es schon mal erwähnt: Restaurants gibt es auf Gambier nicht. Nur improvisierte Imbiss-Buden, wo Einheimische auf Bestellung ihr Nachtessen abholen können und es dann zu Hause verdrücken. Erstaunlicherweise wird davon rege Gebrauch gemacht. Wir aber möchten gerne mal auswärts essen. Hilfsbereit, wie die Polynesier sind, stellt uns die Familie, welche die Imbiss-Bude betreibt, kurzerhand ihren eigenen Küchentisch und ein paar Stühle zur Verfügung. Unter offenem Himmel geniessen wir Hühnchen, Pommes, Mah-Meh und Fisch – lecker! Getränke müssen wir selber mitbringen (von links: Michael, Hans, Katrin, Anette, Pia).Nach der grossen Schlemmerei über die Festtage ist wieder mal etwas körperliche Tätigkeit angesagt. Mit Buschmesser und gutem Schuhwerk (ja, für einmal tauschen wir die Flip-Flops gegen die Wanderschuhe aus 😉) machen wir uns auf der Insel Taravai auf, um einen der höchsten Punkte der Insel zu besteigen. Von hier hat man einen herrlichen Ausblick auf unseren Ankerplatz und die Hauptinsel Mangareva im Hintergrund. Gut erkennbar zwischen den Inseln, die breite Passeinfahrt ins Gambier ArchipelIrgendwie zieht es uns Schweizer halt doch auch immer auf die Berge 😊😊Nach der anstrengenden Wanderung durch das zum Teil dichte Dickicht und scharfe Schilf geniessen wir bei Valérie und Hervé eine Erfrischung und den verspäteten Dreikönigs-Kuchen. Im Kuchen ist eine kleine Muschel versteckt. Wer diese entdeckt ist für einen Tag lang König. Hervé, der oberste Inselbewohner, wird heute nun auch offiziell zum König.Damit es uns nicht langweilig wird, wieder einmal etwas Arbeit. Diesmal ist es der Plotter, der unsere Aufmerksamkeit erheischt: der Stecker für die Speicherkarte, auf der unsere Navigationskarten gespeichert sind, ist defekt und muss ersetzt werden. Von früher haben wir noch ein altes Gerät an Bord, bei dem der Bildschirm ausgestiegen ist. Von diesem defekten Gerät können wir den guten Stecker umbauen. Ich bin dankbar für die Unterstützung von Michael. Er hat kürzlich in einem Video auf YouTube eine ähnliche Reparatur dokumentiert.
Mit einem Segelschiff die Welt zu bereisen bedeutet auch immer wieder, loslassen zu müssen. Es gibt noch viel mehr zu sehen auf dieser Welt, und wir sind nach wie vor neugierig auf das, was noch kommt. Seit Tagen verfolgen wir intensiv die Wetterentwicklung und warten auf ein Windfenster, das uns nordwärts in die Marquesas segeln lässt. Am 3. Februar 2023 soll in Hiva-Oa die Lupina für ein paar Wochen aus dem Wasser gehoben werden, um ein paar Unterhaltsarbeiten am Unterwasserschiff zu tätigen. Bevor es dann weiter westwärts geht, wollen wir noch für einen Monat in die Schweiz reisen, um vor allem unsere Grosskinder wieder zu sehen.
Die Lupina und Crew sind bereit! Heute Montag, 16.1.2023, setzen wir Segel und nehmen die 800 Seemeilen nach Fatu-Hiva (Marquesas) unter den Kiel. Vor allem der erste Drittel der Strecke dürfte spannend werden, denn kurz nach Gambier ist der Wind schwach und kommt aus allen Richtungen.
Wie entwickelt sich der Wind unterwegs? Wird es wieder so eine ruppige Überfahrt wie die Anfahrt nach Gambier. Wie wird das Wiedersehen mit der Insel Fatu-Hiva, unserem ersten Ziel? Falls du Lust hast kannst du online mitsegeln: https://share.garmin.com/EPXFV
Es bleibt spannend – folge der Lupina im Kielwasser!
Die Ausfahrt aus dem Atoll Makemo will gut geplant sein. Am besten für uns ist auslaufende Strömung. Diese sollte aber nicht zu stark sein, sonst gibt es draussen beim Übergang ins Meer eine stehende Walze, die vor allem bei Gegenwind sehr gefährlich sein kann. Im Internet gibt es ein Berechnungsprogramm, das einem erlaubt, für fast jedes Atoll in den Tuamotus die ideale Ein- und Ausfahrtszeit zu bestimmen. Für Mittwoch, 7.12.2022, berechnet dieses Programm für uns die beste Zeit zwischen 10 und 11 Uhr. Genügend Zeit, um auszuschlafen, gemütlich das Frühstück zu geniessen und dann schön langsam loszufahren. Mit dieser Vorstellung gehen wir am Vorabend ins Bett. Kurz nach Sonnenaufgang (der hier bereits um ca. 5 Uhr stattfindet) am nächsten Morgen jedoch hören wir Stimmen auf dem Pier. Jemand ruft nach uns. Schlaftrunken recken wir unseren Kopf aus dem Niedergang. Ein Mann der Gendarmarie steht am Pier und informiert uns, dass in der nächsten Stunde ein Versorgungsschiff eintreffen wird. Wenn das grosse Frachtschiff am Pier festmacht, dann ist für uns die Wegfahrt blockiert. Hmm – blöd! Nun wird’s nichts mit gemütlich ausschlafen. In einer Feuerwehrübung machen wir uns vom Pier los und verlegen die Lupina ein paar Meter ausserhalb des Hafens an den Anker. Hier warten wir nun auf die ideale Ausfahrtszeit nach 10 Uhr. Schlussendlich ist es nicht schlecht: so haben wir genügend Zeit, unsere Festmachertrossen und alle Fender zusammen zu räumen und gut zu verstauen.
Versorgungsschiff am Pier von Pouheva auf Makemo
Kurz vor 10 Uhr starten wir dann unsere Reise nach Gambier. Gambier liegt rund 650 Seemeilen in südöstlicher Richtung. Ideal wäre somit ein Wind aus nördlicher oder sogar aus westlicher Richtung. Wir haben lange das Wetter beobachtet. Die letzte solche Wetterlage war vor rund 3 Wochen. Nun zeigt sich in einigen Wetterprogrammen eine leichte Tendenz ab, dass vielleicht in den nächsten 2-4 Tagen der Wind nach Norden dreht. Danach ist wieder für längere Zeit eine stabile Ostwindphase angezeigt. Nicht ideal, aber zumindest scheint es machbar. Unsere Strategie ist es, zuerst eine gewisse Zeit mit dem Ostwind nach Norden von Makemo weg zu segeln, und dann nach rund einem Tag mit der Winddrehung nach Norden eine Wende zu fahren und so hart wie möglich am Wind gegen Südosten zu segeln. Wir wissen aber jetzt schon, dass es knapp wird. Denn falls wir unser Ziel nicht innerhalb 5 Tagen erreichen sollten, dann kommen wir in eine Starkwindphase, die uns genau entgegen blasen wird.
Diesen Wind wollen wir vermeiden: rund 20 Knoten aus südöstlicher Richtung. Die verschiedenen Linien auf dem Bild sind die optimalen Routen, die mit verschiedenen Windprogrammen gerechnet werden. Wenn wir mit dem Schiff bis Sonntagabend am Ziel sind, ist alles gut. Danach kommen die 20 oder mehr Knoten Wind (das Bild zeigt den erwarteten Wind im Bereich von Gambier – roter Punkt – für den Montag)
Gleich nach der Passausfahrt setzen wir volle Segel und rauschen los nordostwärts. Wegen einer leichten Strömung, die uns nach Westen schiebt, können wir nur einen Kurs von rund 30 Grad fahren. Blöd! Damit uns nachher das nächste Atoll nicht in die Quere kommt, müssen wir bereits nach 2 Stunden eine Wende fahren, 6 Stunden lang nach Südosten steuern um dann nochmal gegen Nordosten zu halten, bis dann der Wind nördlich dreht.
Unser Zick-Zack Fahrt in den ersten 3 Tagen der Reise. Unser Kurs wird bestimmt von Wind, Strömung und Atollen.
Vor allem in der Startphase herrscht eine eklige Kreuzsee. Von einer Kreuzsee redet man, wenn Wellen von der einer Richtung auf Wellen einer anderen Richtung treffen. Das Meer brodelt dann richtig und ein leichtes Schiff, wie die Lupina eines ist, wird in alle Richtungen hin und her geschleudert. Es fühlt sich zeitweise an wie auf einem dieser Rodeo-Bullen auf dem Jahrmarkt. Zum Glück haben wir genügend Wind. Dieser treibt uns nicht nur vorwärts über die Wellen, sondern er stabilisiert auch unser Schiff, so dass das Herumschleudern einigermassen erträglich ist. Kurz vor dem Eindunkeln passieren wir das östliche Ende von Makemo, haben somit nur etwa 35 Meilen zu unserem Ziel geschafft. Eine Gruppe Buckelwale (rund 8 Tiere) will sich noch kurz erkundigen, welcher andere grosse Fisch sich da in ihrem Revier befindet und schwimmt auf uns zu. Ein Wal schwimmt sogar in einer Distanz von rund 20 Metern um unser Schiff herum, prustet dabei 2–3-mal laut aus und taucht dann wieder weg zu seinen Kameraden. «Gute Fahrt», winkt er uns mit seiner Fluke noch zu. Dann geht’s in die erste Nacht.
Die Windstärke mit 15 Knoten ist für unsere Segel perfekt, und wir machen zügig Fahrt. Die Schräglage ist etwas gewöhnungsbedürftig, aber mit der Zeit weiss man, wie man sich am besten verkeilt und wo man sich bequem festhalten kann. Bei 6-7 Knoten Fahrt hüpft die Lupina recht ordentlich über die Wellen
Leider dreht der Wind in den nächsten Tagen weniger nach Norden, wie angesagt und wir können unseren Zielkurs nicht ganz halten. Rund 30 Grad beträgt die Abweichung. Zudem bremsen uns in den nächsten 48 Stunden immer wieder heftige Regenschauer (sogenannte Squalls, Gewitter) ein. Wir müssen immer wieder die Segel reffen und nach dem Durchgang der Regenfront warten, bis sich der Wind stabil und neu aufgebaut hat.
Tagsüber sieht man die Squalls gut und kann sich entsprechend vorbereiten. In der Nacht ist es schwieriger. Da hilft uns dann das Radar oder bei Mondschein das Restlicht am HimmelDiese Phase der Reise verläuft sehr ruhig und ereignislos. Lupina zieht konstant mit rund 5-6 Knoten Richtung Südosten. Das Meer hat sich beruhigt und ich kann sogar auf dem Vorschiff im Schatten lesen
Zweimal herrscht für über 3 Stunden totale Windstille und wir brauchen den Motor. Bald mal wird uns klar, dass wir unser Ziel nicht bis Sonntag erreichen werden. Wir werden in die Wetterfront geraten, die wir vermeiden wollten. Der Wind wird uns mit 20-25 Knoten genau auf die Nase pfeifen. Um die zweite Hälfte der Reise genauer planen zu können, zeichne ich die neue Situation auf unsere Navigationskarte auf. Durch die Notwendigkeit, gegen das Ziel aufkreuzen zu müssen, wird die noch zu bewältigende Distanz fast doppelt so lang. Als ich Pia mitteile, dass wir 3 Tage länger als erwartet hart am Wind segeln müssen, ist die Moral eines Teils der Crew für einen kurzen Moment auf dem Tiefststand. Wie immer aber in solchen Situationen braucht es etwas Zeit und ein Ragusa (wer’s nicht kennt der verpasst etwas! 😊) und die Stimmung ist wieder gut.
Mit Ragusa (der weltbeste Schoko-Riegel!) ist die Welt immer in Ordnung
Ab Sonntagvormittag (ein Tag früher als in den Wetterberichten angesagt) nimmt dann der Wind stetig zu auf über 20 Knoten. Der starke Wind – und vor allem die sehr hohen Wellen – machen uns zu schaffen. Viel Schräglage und immer wieder viel Wasser über das Deck. Wir sind froh, haben wir in dieser Phase nur die Fock (kleines Vorsegel) draussen. So können wir auch Squalls problemlos abwettern.
Beim Setzen des Focksegels müssen wir den Mast mit den Kutter-Stagen (Drahtseil vom oberen Befestigungspunkt des Segels am Mast zu den Fixierpunkten links und rechts am Heck des Schiffes) gegen ein mögliches Ausbiegen absichern. Über einen Seilzug werden die Stage satt gespannt.
Durch den veränderten, heftigen Seegang fühlt sich Pia die nächsten 24 Stunden etwas mulmig, und wir beide hatten auch Kopfweh. Wir schonen die Köchin und der Skipper wärmt das Essen in dieser Phase jeweils auf. Bis Dienstag, 13. Dezember, pendelt sich der Wind wieder knapp unter 20 Knoten ein und die Genua (grosses Vorsegel) ist gesetzt. Schrecksekunde kurz vor 4 Uhr in der Früh. Ein Squall, wie vorher schon viele, trifft uns. Während ich die Windanzeige beobachte (es sind gerade 25kn), geht ein Ruck durch das Schiff (lautlos!) und der Vorschub fällt zusammen. Die Genua flattert unkontrolliert im Wind! Der Schothorn-Ring ist ausgerissen. Das Schothorn ist eine der am höchsten belasteten Zonen des Segels. Hier fliesst die ganze Kraft zusammen und wird mit einem eingenähten Ring aus Eisen in die Schot-Leine übertragen. Wir hatten öfters schon viel mehr Wind als jetzt, aber irgendeinmal ist das Material halt einfach ermüdet.
Ich muss die Genua einrollen, mit einem Seil umwickeln und sichern, damit es der Wind nicht wieder aufrollt Danach müssen wir die Fock wieder setzen. Das heisst für den letzten Teil der Strecke: stark reduzierte Segelfläche und damit langsamere Fahrt, vor allem bei leichteren Winden.
Genau diese leichteren Winde sind nun ab Dienstag auch angesagt. Da sie ideal aus südlicher Richtung kommen, können wir nun direkten Kurs auf Gambier anlegen. Obwohl nur schwach, machen wir trotzdem gute Fahrt, bis dann rund 60 Meilen vor Gambier der Wind nach einer grossen Regenzone komplett zusammenfällt.
Es muss nicht immer ruppig und mit grosser Schräglage zugehen. Es gibt auch ruhigere Momente, wo das Schiff gemütlich durch das Wasser zieht und sogar Pia lesen kann 😉
Über Kurzwellenfunk hole ich mir die aktuellsten Wetterdaten. Überraschenderweise sind sich für einmal alle Windprogramme einig: kein Wind die nächsten 2 Tage. Der Entscheid fällt schwer, aber schlussendlich schnell: Kari, unser Motor, muss für den Rest der Strecke ran. Innerhalb der nächsten 10 Stunden bringt er uns zuverlässig und leise brummend direkt vor das Ziel.
Es ist kurz nach Sonnenuntergang, als wir vor dem Gambier Archipel eintreffen. Wir waren zwar schon mal hier und kennen die Gewässer gut, entscheiden uns aber, auf dem offenen Meer beizudrehen und den nächsten Tagesanbruch abzuwarten. So bringen wir während des Ankermanövers weder uns noch andere Segler in Gefahr. Das Meer ist zwischenzeitlich fast spiegelglatt geworden, nur eine lange Dünung aus Südwest schaukelt uns sanft in einen herrlichen Schlaf. Ein wunderschönes «Lupina Drifting»
Am Donnerstag, 15. Dezember, 2 Stunden vor Sonnenaufgang starten wir den Motor erneut. Beim ersten Dämmerungslicht fahren wir in Rikitea auf Gambier ein. Rechtzeitig zum Sonnenaufgang fällt der Anker. Wir sind happy – wir sind da!! Ankern direkt neben der SY Limelight mit Anette und Michael, die einen Tag vor uns aus den Marquesas angekommen sind.
Der Ankerplatz vor Rikitea auf Gambier
So, der Bericht ist fertig und wir sind tagesaktuell. Wir fahren mit dem Dinghi an Land zu JoJo’s. JoJo’s ist ein lokaler Gemischtwarenladen, der einen kleiner Restaurationsbetrieb daran angeschlossen hat und in dem es WiFi gibt. Als wir im Januar2022 in Gambier waren, konnten wir von hier unsere Home Page aktualisieren. Geht diesmal aber nicht. Die Übertragungsgeschwindigkeiten sind viel zu schwach. Will einfach nicht. In den nächsten Tagen halt wieder probieren – irgendwann geht es dann schon.
Zeitsprung nach vorwärts: heute ist der 27.12.2022. Bisher ist es uns nicht gelungen, den Bericht der Überfahrt hochzuladen. Aber es ist in Zwischenzeit einiges passiert.
2 Tage nach unserer Landung in Gambier fahren wir mit der SY Limelight im Schlepptau durch die schwierige (weil sehr schmal, mit Korallen verseucht, sehr untief und mit Kurven drin) Passage zur Insel Taravai, wo wir bei Hervé und Valérie, die wir vom Januar sehr gut kennen, am Sonntagmorgen früh um 6 Uhr das Fussball WM Finale schauen können (Bild).Am Montag fahren wir (leider unter Motor) quer durch die Gambier Inselgruppe ans östliche Riff und verbringen 3 Tage herrliches Robinson Crusoe Leben auf dem kleinen Motu Kouaku. Rechts neben uns im Bild: Anette und Michael von der SY Limelight.Abendstimmung auf dem Motu KouakuAm 22. Dezember fahren wir, diesmal unter Segeln (wobei wir ja leider die Genua wegen dem gerissenen Schot-Horn nicht nutzen können) zurück nach Rikitea. Wir brauchen unbedingt Internet: wir erwarten am 26./27. Dezember unsere Kette, und wir sollten unbedingt die Frachtinformationen haben, um diese dann am Pier vom Versorgungsschiff abzuholen.Am Abend hören wir auf dem Pier lautes Trommeln, Singen und sehen auch Leute tanzen. Am nächsten Tag erfahren wir, wozu geübt wurde: Gambier erhält heute ein neues Schiff, das vorwiegend die Hauptstadt Rikitea mit dem Flughafen am Aussenriff verbindet. Ein Ereignis, das nicht oft vorkommt in einem Menschenleben. Das neue Schiff wird gebührend nach alten Traditionen willkommen geheissen.Den Ehrengästen wird ein Stuhl zur Verfügung gestellt, und sie werden sehr reich mit Blumenkränzen eingedeckt.Wir erleben ein Gesangs- und Tanz-Spektakel, das uns und die lokale Bevölkerung über eine Stunde in den Bann ziehtBegleitet wird alles durch lautes, aber rhythmische und mitreissendes TrommelnAh ja, falls ich es noch nicht erwähnt haben sollte: Gambier ist eines der wichtigsten Perlenzuchtgebiete auf der Welt. Hier werden vor allem die schwarzen Perlen gezüchtet. Ein Tag vor Weihnachten – Skipper wie immer noch nichts für seine Perle besorgt – in letzter Minute ist die Situation wieder gerettet 😊Weihnachtsmesse in der Kathedrale von Rikitea. Der Pfarrer trägt das Christkind hoch erhoben in die Kirche und legt es vorne neben dem Altar in eine Krippe. Die (katholische) Messe ist dann recht traditionell. Wunderschön hingegen sind Musik und Gesang, welche die Zeremonie begleiten. Damit alle mitsingen können, wird der Text der Lieder auf einer grossen Leinwand abgespielt.Weihnachtsessen auf der Lupina mit Gästen von der SY Esmeralda (Hans und Katrin, links im Bild) und der SY Limelight (Anette und Michael, oben im Bild). Die Lupina bereitet Vor- und Nachspeise zu, die Limelight einen saftigen Rindsbraten und die Esmeralda die köstlichen Beilagen.Und dann, endlich – traraaa!! Unsere neue Kette ist da!! Seit Anfang September aus Deutschland unterwegs findet sie uns am 26. Dezember in Gambier. Wahrlich keine Meisterleistung des Transportwesens. Aber wir sind glücklich – nun haben wir sie endlich 😊😊Noch ein Glücksmoment: seit dieser Saison gibt es einen Yacht Service hier auf Gambier. Ein junger, unternehmungsfreudiger und gewiefter Franzose (Tétouan) hat mit seiner Freundin (Juliette) ein eigenes Unternehmen gestartet und erleichtert mit seinem Angebot den Seglern das Leben. Etwas, was er sehr schnell kapiert hat: das Angebot an Brot ist erstens lausig und zweitens sehr oft gar nicht vorhanden. …… Also hat er sich aus 2 alten Fässern und einer Blechröhre seinen eigenen Holzbrot-Ofen gebaut und bäckt nun auf Vorbestellung Brot. Sensationell, kann ich euch sagen! Da ist nur noch Pia’s Brot besser, aber ab und zu soll sie doch auch mal eine Pause haben 😉Heute, also am 27.12.2022, haben wir die neue Ankerkette montiert (ich kann euch sagen: die Lupina zuckelt total glücklich daran!) und endlich die defekte Genua runtergeholt, zusammengefaltet und in ihren Sack verstaut. Diese muss nun zu einem guten Segelmacher. Der Eisenring des Schot-Hornes (das ist die hintere Ecke des Segels, an dem die Bedienungsleinen befestigt sind) ist ausgerissen und muss neu eingenäht werden. Hier in Gambier nicht machbar ☹ – wir hoffen auf die Marquesas.
Morgen werde ich nun erneut versuchen, den Bericht hochzuladen. Ich hoffe, es klappt diesmal. Wir werden dann das Neujahr in Taravai (dort wo wir Fussball geschaut haben) verbringen und dann bis Mitte Januar versuchen, noch neue, von uns unerforschte Winkel des Archipels zu entdecken. In der Zwischenzeit wünschen wir euch allen einen guten Rutsch, viel Glück und Gesundheit im kommenden Jahr.
Nachtrag am 3.1.2022: bisher hat es nicht geklappt mit dem Hochladen des Berichtes. Aber heute scheint mein Glückstag zu sein. Die Lupina Crew wünscht allen Lesern ein wunderschönes Neues Jahr!
Es bleibt spannend – folge der Lupina im Kielwasser!
Um es gleich vorweg zu nehmen: seit wir in Makemo angekommen sind pfeift der Wind uns kräftig um die Ohren. Pausenlos rüttelt er mit mindestens 15-20 Knoten an unserem Rigg, die Lupina tänzelt nervös an der Kette und pendelt wie ein Fähnlein hin und her. Zum Glück hält der Anker vor dem Dorf, wo wir die ersten Tage liegen, sehr gut. Er hat sich tief eingegraben und die Kette läuft gut 10 Meter im Sand, bevor die ersten Korallen kommen. Wir haben wie immer bei solchem Ankergrund Schwimmkörper (Bojen) in die Kette gehängt, damit sie über den Korallen schwebt, und nicht an diesen hängen bleibt und sie beschädigt.
Nach 2 Tagen nutzen wir eine kleine Flaute, wo es kurzzeitig «nur» knapp 10 Knoten bläst. Unter Motor fahren wir gegen den Wind ans Ost Riff von Makemo. Von unserem ersten Besuch im Sommer dieses Jahres haben wir noch den Track und fahren diesem nach. Trotzdem ist die Fahrt durch dieses Atoll immer noch sehr gefährlich und fordert vollste Aufmerksamkeit. Immer wieder ragen Korallenköpfe (unter Seglern «Bommy» genannt) aus einer Tiefe von über 20 Metern bis ganz knapp an die Wasseroberfläche. Die Pfeile im Bild zeigen ein paar davon. Man erkennt sie aus der Distanz an der Farbänderung im Wasser.Hier am östlichen Riff liegen wir gut geschützt von den Wellen, die der brausende Ostwind über das Atoll aufbaut. Das Atoll wird auch hier vom offenen Ozean über die Riffplatte mit glasklarem, frischem Meerwasser versorgt. Wir schon in Tahanea beobachten wir auch hier viele Vögel beim Nisten oder beim Fischfang.Es ist einfach traumhaft schön in diesen Atollen!! Wir sind viel im WasserAuch diesmal besuchen wir Hubert (siehe auch Bericht vom 21. Juni 2022). Er schimpft gerade mit seinen Hunden, die ihm zugelaufen sind und sein Reich nun auch als das ihrige verteidigen wollen. Er hat gerne Besucher und will nicht, dass sie von den Hunden vertrieben werden. Von unserem ersten Besuch wissen wir, dass er gerne schreibt. Wir haben ihm deshalb diverses Schreibmaterial und Briefpapier mitgebracht. Auch ein T-Shirt von mir und ein paar Captains-Zigarren wechseln den Besitzer. Hubert verköstigt uns im Gegenzug mit frischer Kokosmilch.Wir sind fasziniert, wie Hubert sein ganzes Motu mit Gegenständen verziert, die er am Ufer angespült findet. Hier hat er sich damit eine kleine Umzäunung errichtet.Ein leidiges Seglerschicksal: immer wieder müssen wir uns von herzensguten Menschen verabschieden, mit dem Wissen, dass wir uns nie mehr sehen werden.Unser Mitsegler auf Zeit, Nico, bleibt uns aber noch ein paar Tage erhalten. Er muss ja noch das Unterwasserschiff putzen 😊😊 (strenger Captain!!). Zuerst feiern wir aber mit ihm seinen Geburtstag.Nico geht sehr oft ans meerseitige Ufer des Riffes und sucht nach «Ambra». Bitte nach was?? Wissen wir auch erst von ihm. Ambra ist eine graue, wachsartige Substanz aus dem Verdauungstrakt von Pottwalen, die sie durch Erbrechen regelmässig ausstossen. Ambra ist sehr gesucht für die Parfümherstellung. Es entsteht durch nicht verdaubares Krustenmaterial von Muscheln oder Polypen, das im Magen des Wales eingekapselt wird in einer wachsartigen Substanz. Für 1kg Ambra konnte früher bis zu 80’000 USD gelöst werden. Heute ist es etwas weniger, da es nun auch synthetisch hergestellt werden kann. Bisher hat Nico leider noch nie Ambra gefunden, dafür viel anderes Interessantes.Herrlicher Sonnenuntergang am Ost Riff von MakemoZum Glück hat es keine Haifische am Ankerplatz und Nico kann endlich sein Versprechen einlösen und den Bauch der Lupina putzen. Eine Hälfte erledigt er nach am Ost Riff, die zweite Hälfte dann zurück am Ankerplatz beim Dorf. Aller seiner Pflichten entledigt verlässt er uns nach etwas mehr als 3 Wochen am 30. November und fliegt zurück nach Moorea. Nico, es war sehr kurzweilig und schön mit dir (sogar Brändi-Dog hat er mit uns gespielt – und manchmal gewonnen!! 😉)
Seit Angang November befinden wir uns in der Zyklon-Zeit. In den Tuamotus, wo wir uns befinden, sind diese Wirbelstürme zwar selten, aber sie kommen immer wieder vor. Deshalb sind wir auf dem Weg weiter nach Südosten, wo die Wahrscheinlichkeit immer geringer wird. In Gambier werden wir einen sichern Platz finden. Bis dahin sind es noch rund 650 Seemeilen in einer Richtung von 130 Grad auf dem Kompass. Der Wind bläst zurzeit sehr stark aus Osten oder sogar leicht aus südlicher Richtung. Für unsere Strecke brauchen wir Winde eher aus nördlicher Richtung. Im Moment ist es also ungünstig. Auch ist er mit nahezu permanent 20 Knoten fast zu stark, um gegen an aufzukreuzen. Wir warten also ab, bis wir den richtigen Wind bekommen.
Das Warten ist eigentlich nicht so schlimm: wir lesen viel, haben schöne Schnorchel Plätze oder können mit dem Dinghi an Land, um uns dort die Beine zu vertreten. Ah ja, falls du dich erinnerst: Pia’s Fuss geht es mittlerweile (nach über 6 Wochen) wieder einigermassen gut, und sie kann fast schmerzlos gehen In Zeiten von Energieknappheit (das ist zwar in Franz.-Polynesien kein Thema) hier noch ein trauriges Beispiel. Das Bild zeigt einen Park von Windrädern, die alle ausser Betrieb sind. Um bei extremen Winden die Räder vor Zerstörung zu schützen, können sie über einen Seilzug abgeklappt werden. Das ist scheinbar vor einigen Jahren nicht getan worden und der Wind hat die Flügel zerstört. Seitdem liegt die Anlage still und der Strom wird wieder wie vorher mit Dieselgeneratoren produziert. Schade!Bevor der Wind dann endlich etwas nach Norden dreht, kommt er zuerst noch etwas mehr von Süden. Der Ankerplatz vor dem Dorf ist gegen Wellen aus dieser Richtung wenig geschützt. Da im Moment kein Versorgungsschiff angesagt ist, dürfen wir mit unserer Lupina direkt am Pier von Makemo festmachen und liegen nun in den letzten Tagen absolut ruhig. Der Wind ist zwar immer noch so stark, dass unsere Batterien trotz weggeklappten Solarpaneelen immer zu 100% voll sind, aber es kommt keine Welle ins Hafenbecken. Die Lupina liegt perfekt hier! 😊
Heute Morgen haben wir wie immer in den letzten Tagen neugierig die neuesten Wetterdaten hochgeladen. Endlich ist er da, der Wetterwechsel, der den Wind etwas beruhigt und in nördliche Richtung dreht. Morgen Mittwoch, 7.12.2022, setzen wir Segel in Richtung Gambier. Von den Marquesas hat sich vor ein paar Tagen die SY Limelight (Annette und Michael, die wir seit Grenada kennen und immer wieder getroffen haben) ebenfalls in Richtung Gambier aufgemacht. Wer wird zuerst in Gambier eintreffen? Kommt der Wind auch so, wie angesagt? Können wir direkt durchziehen, oder müssen wir in Hao mit seiner sehr berüchtigten Einfahrt einen Zwischenstopp einlegen?
Es bleibt spannend – folge der Lupina im Kielwasser!