Von Borneo nach Flores

Das Reiselogbuch des «Kepiting Batu» (auch bekannt als Robin Locher)
18.3. – 4.4.2026

Nach zehn erlebnisreichen Tagen an Land sind wir wieder auf See. Hinter uns wird die Südküste Borneos langsam blasser und verschwindet schlussendlich ganz. Gelegentlich umkreisen uns ein paar Möwen auf der Suche nach einem gemütlichen Rastplatz – ansonsten wird es ruhig auf der Lupina. Wir setzen Kurs auf eine Ansammlung kleiner, abgelegener Inselgruppen, entlang derer wir gegen Südosten segeln wollen. Strecke und gemütliches Inselhüpfen in einem, soweit der Plan.
Pulau Matasiri, der erste Inselstopp, hält nicht zurück mit Postkartenromantik. Zwei Nächte ankern wir in einer malerischen Bucht in der Nähe eines Fischerdorfes. Das Wasser aber ist sehr trüb, die Sicht beträgt etwa 3m. Ohne Erwartungen wage ich eine Schnorchelei und siehe da, das Glück ist mir hold! Direkt unter der Lupina kreist gemächlich ein riesiger Schwarm Fische mit Exemplaren bis zu 80cm. Ich denke, es ist ein Schwarm junger Gelbflossen-Barracudas. Sie scheinen sich im Schatten der Lupina auszuruhen. Entlang der Ankerkette klettere ich soweit mir möglich runter und lasse mich dann zurück an die Oberfläche treiben – mitten hindurch durch den Schwarm. In der Luft über uns kreisen zwei Seeadler.
Am dritten Tag verlegen wir den Anker an einen wunderschönen Flecken an der Nordspitze von Matasiri. Diesen abgeschiedenen Strand hatten wir bereits bei der Ankunft angesteuert, wurden aber von lokalen Fischern weiter in die Bucht gelotst. «Nicht gut» hatten sie signalisiert. Heute wollen wir es trotzdem versuchen. Das Ankern gelingt und wir schnorcheln ausgiebig die naheliegenden Korallenköpfe ab. Pia schwimmt unterdessen zum Strand. Dort entdeckt sie seltsame Schleifspuren, vom Wasser bis ins Unterholz, wo sie prompt einen etwa 1.5m langen Drachen erspäht: einen Waran!
Strandputz: Bewaffnet mit einer Kühltasche voll Bier setzen wir etwas später zum Strand über – in grösstmöglicher Distanz zum Drachen (der sich nicht mehr blicken lässt), versteht sich. Gelegentlich und an wirklich abgelegenen Orten machen Pia und Köbi ein Feuer am Strand und widmen sich dem grossen Elefanten im Raum, der auf Ferienfotos nie aufzutauchen scheint: dem schier endlos anwachsenden Berg aus Plastikmüll, der sich unaufhörlich über den ganzen Erdball verteilt. Auf einem Teilstück des Strandes sammeln wir das Schwemmgut ein und übergeben es unserem möglichst heissen Lagerfeuer. Es ist eine Art privates Ritual der Beiden und unweigerlich beginnen wir zu diskutieren. Was soll man tun? Welches ist besser, wilde Verbrennung oder Mikroplastik? Wo sind die grossen Hebel, Produktion oder Entsorgung? Bei wem liegt die Verantwortung?
Laut Wetterbericht sollte der Wind stimmen. Damit wir zu geeigneter Zeit an der nächsten Station ankommen, wird es erneut eine Nachtfahrt. Nach kurzer, guter Fahrt fällt der Wind aber arg zusammen. Gemeldet waren bis 13 Knoten Windstärke, bei uns kommt aber gerade mal ein laues Lüftchen mit 4 Knoten an. Mit knapp gefüllten und schlagenden Segeln schaukeln wir in die Nacht hinein. Aber es wird nicht besser. Zu allen Seiten reihen sich Gewitterzellen am Horizont und der Wind beginnt beliebig die Richtung zu wechseln. Der Regen hat uns eingeholt und die Windanzeige (der Verklickerer) dreht sich nun im Kreis, wie die Zeiger einer Uhr im Zeitraffer. Die Strömung treibt uns vom Kurs ab und wir haben zu wenig Fahrt um Gegensteuer zu geben: Die Lupina kommt ins Trudeln. Nach Mitternacht muss für ein paar Stunden der Motor ran.
Pulau Masalima erreichen wir gegen Mittag. Die flache Insel ist rundherum von flachgründigen Riffen umgeben und die Seekarte ist uns keine Hilfe. Köbi konsultiert die Satellitenbilder und findet einen traumhaften Ankerplatz auf einer knappen Sandbank. Jetzt erst mal ein Ankerbier mit gebratenen Reisplätzli à la Chabischopf.
Das Schnorcheln vor Masalima ist der helle Wahnsinn! Nach aussen hin steil abfallende, blendend weisse Sandbänke vor ausgedehnten Riffen. Wir sehen duzende bunter Fischarten, graue Rochen, Rochen gepunktet wie ein Gepard in schwarz-weiss, eine stattliche Moräne, Steinfische (sehr giftige Stacheln – Lebensgefahr!), einen farbwechselnden Tintenfisch und zum Abschluss noch eine Geigenroche (wie ein Haifisch, der den Kopf in den Sand steckt). Selbstverständlich haben wir heute keine GoPro dabei, also bekommt ihr hier eine spätere Aufnahme von diesen seltsamen farbigen «Meeressocken» serviert. Auch nicht übel, schliesslich sind wir hier nicht bei Netznatur!
Bis hier hin lief alles einigermassen nach Plan. Damit ist nun Schluss. Nach Masalima steuern wir Pulau Tobotobo an. Unterwegs kommen aber Zweifel auf und wir lassen die Insel links liegen: zu schwierig scheint der Ankergrund, zu gering die Windabdeckung durch die Insel (Stichwort Seegang).
Wir stellen uns auf eine weitere Nachtfahrt ein und gegen zehn Uhr morgens des Folgetages erreichen wir Pulau Jailamu, eine Mini-Insel am Nordende der Sabalana Inseln. Köbi führt das Logbuch nach, Pia lädt den aktuellen Wetterbericht runter und sucht nach geeigneten Ankerplätzen für die kommenden Tage. Rollende Planung.
Die Insel Jailamu erhebt sich steil aus der Javasee. Eine starke Meeresströmung umfliesst das Eiland und formt auf der abgewandten Seite eine lange Sandbank. Hinter dieser suchen wir Schutz vor dem Schwell. Erst einmal sieht alles rosig aus. Etwa 4.5 Meter über feinstem Sandboden lassen wir den Anker fallen. Dieser schlägt mit einer Staubwolke auf Grund auf, so klar ist das Wasser!
Aber zu früh gefreut. Gegen Abend steigt das Wasser mit der Flut und schwappt über unsere schützende Sandbank. Rechts im Bild sieht man die mittlerweile überspülte Sandbank. Die Strömung wird immer stärker und Gewitter mit Sturmböen ziehen auf. Die Ankerwache (ein Programm, das die Bewegung des Schiffes am Anker aufzeichnet) erzeugt Pirouetten um den Anker und gibt Alarm. Wir driften samt Anker. Fluchtartig verlassen wir Jailamu und setzen die Segel für eine dritte Nachtfahrt in Folge. Neues Ziel: Südsulawesi.
Langsam gehen die frischen Nahrungsmittel aus, höchste Zeit für die Angelrute. Tatsächlich beisst bald ein richtiger Brocken an – ein stattlicher Barracuda. Aufgrund des Risikos einer Ciguatera-Vergiftung durch Algentoxine, die sich in diesen Fischen am Ende der Nahrungskette anreichern, wird vom Verzehr grösserer, tropischer Barracudas abgeraten. Leider hat sich unser Fisch im Überlebenskampf aber den Kiefer derart verletzt, dass wir ihn dennoch mit Schnaps betäuben, töten und bei der Gelegenheit auch filetieren. Wir lesen, dass in Bali der Barracuda eine Delikatesse ist, sofern der Fisch nicht zu gross ist. Unser Fang ist sehr gross. Nach einigem Abwägen entscheiden wir uns gegen den Verzehr – eine allfällige Vergiftung weit abgeschieden auf hoher See käme höchst ungelegen.
Zwischen zwei bewaldeten Inseln vor der Westküste von Pulau Jampea (Selayar Inselgruppe) finden wir einen traumhaften Ankerplatz. Nach unserer Ankunft stoppt der Wind für mehrere Tage und das Meer wird spiegelglatt.
Allabendlich beschert uns die Sonne einen Untergang, bei dem kein Auge trocken bleibt. Wir rehydrieren mit dem obligaten «Sundowner» und Salznüsschen. Zeit um die Seele baumeln zu lassen.
Im Indonesischen Heidiland: Die hügeligen Inseln sind unwegsam und stark bewaldet. Hie und da nestelt sich ein Fischerdörfchen in eine Bucht. Im Uferbereich wechseln sich Mangroven mit felsigen Abschnitten ab, manchmal ist das Wasser trüb, manchmal klar. Auf unserer Entdeckungsfahrt mit dem Dingi halte ich heimlich nach Krokodilen Ausschau … würden diese bis zur Lupina hinausschwimmen und mir beim Schnorcheln zuschauen?
Bei den Anlegestellen zwischen den Mangroven sehen wir mehrmals Bambuszäune und im Unterholz finden wir sauber abgegraste Stellen: Waldweiden mit Bambuskoppeln zum Verladen von Kleinvieh – Weidwechsel per Boot! Später erspähen wir tatsächlich eine kleine Ziegenherde, samt Glöcklein. Das beruhigt mich: wohl keine Krokodile hier!
Bei glatter See verlegen wir den Anker weiter hinaus auf eine vorgelagerte Sandbank in etwa sechs Metern Tiefe.
Sozusagen auf offener See schnorcheln wir tagsüber ausgiebig die umliegenden Riffe ab. Abends geniessen wir das Lichtschauspiel am Horizont. Dabei funkeln erst einmal die Augen, dann die Sterne.
In den schönen Unterwasserlandschaften rund um die Lupina treffen wir auf Seegurken, Riffhaie, Papillionfische und viele bunte Korallen.
Wir erspähen einen riesigen Steinfisch von einem guten halben Meter Länge und hinter dem nächsten massiven Korallenkopf schwimmen wir beinahe in eine riesige Meeresschildkröte! Minutenlang beobachten wir sie aus nächster Nähe beim Arbeiten, bevor sie uns entdeckt und unverzüglich davonzischt. Leider, wie oft in solchen Momenten, ist die Kamera nicht dabei. Der geneigte Leser wird sich auch hier mit einer Roche zufriedengeben.
Das Brettspiel «Brändidog» gehört auf der Lupina seit Jahren fix zum Abendprogramm. Käpt’n Köbi und Herausforderer Kepiting Batu in verbissener Zuversicht. Aber gute Karten sind noch nicht alles!
Schön war’s in Sulawesi! Ein neuerlicher Abschied, morgen geht’s weiter.
Wieder unterwegs, diesmal von Sulawesi nach Flores. Im Gegensatz zur flachgründigen Javasee fällt die Floressee an den tiefsten Stellen bis zu 5’000 Meter ab. Hier könnte man «z Horu» (Matterhorn) komplett versenken und in der Hörnlihütte müssten die Lampen auch tagsüber brennen!
Die «Mattini» (Zermatter) im Publikum haben jetzt bestimmt grösste Mühe, sich etwas derartig blasphemisches bildlich vorzustellen. Voila, in etwa so würde das aussehen. Einfach immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel, wa’?!
Pünktlich zum Sonnenaufgang erreichen wir die Insel Flores. Köbi dreht bei und erst einmal gibt’s eine Tasse Kaffee. Wir haben es geschafft! Gemächlich tuckern wir die letzten Meilen entlang der Küste Richtung Labuan Bajo.
Labuan Bajo ist ein umtriebiges Städtchen an der Westküste von Flores. Der Tourismus hat Einzug gehalten. Im Hafenquartier reihen sich die Tauchschulen an Reisebüros, welche vorrangig Exkursionen ins famose Naturschutzgebiet Komodo organisieren. Entlang der Küstenpromenade bringen Fischer ihren Fang zu den Marktständen, welche zugleich auch immer Imbissbuden sind. Markt hinten, vorne zum Meer hin Tische und Bänke.
Ahoi Kammeraden …
Kepiting, der alte Pirat, hat Lupina’s Schiffsbauch regelrecht leergefuttert! Jetzt heisst es: Neues Futter bunkern! Dazu gibt es keinen besseren Ort als den lokalen Frischwarenmarkt.
«Das sollte doch reichen!» meint dieser Händler.
Wir verbringen unsere letzten gemeinsamen Tage vor Anker bei einem kleinen Resort, nördlich von Labuan Bajo.

In wenigen Tagen muss ich mir wieder Landbeine zulegen! Kepiting Batu verabschiedet sich vom Lupina-Blog und übergibt an die neuen Gäste aus der Schweiz. Ihr dürft euch also auf baldige Abenteuer aus Flores und Komodo freuen: Traumhafte Inseln, hinreissende Tauchplätze und urzeitliche Drachen mit der SY Lupina!

Überblick über die Strecke, die wir während den letzten drei Berichten zurückgelegt haben.
Liebe Pia, lieber Köbi. Tausend Dank für die unvergesslichen gemeinsamen Erlebnisse, die ihr mir geschenkt habt. Möget ihr noch unzählige Meilen mit der Lupina segeln, die Nase im Wind, den Versprechen neuer Kontinente entgegen. Hin zu weiteren Begegnungen mit unbekannten Gewässern und sicheren Ankerplätzen, die unser Leben bereichern. Merci!!

Nachtfahrten, Hominiden, gemeine Fischernetze und ein schwimmender Markt auf Borneo (Kalimantan)

Das Reiselogbuch des «Kepiting Batu» (auch bekannt unter Robin Locher)
7.3. – 17.3.2026

Die Insel Borneo hat es in sich. In zehn kurzen Tagen haben wir eine üppige Vielzahl unterschiedlichster Eindrücke eingesammelt. Ich hoffe nun, der Leser möge sich für unsere Erlebnisse in Kalimantan (indonesischer Teil von Borneo) ebenso begeistern wie wir, auch wenn dieser Bericht etwas länger ausgefallen ist.

Die Miniinsel Ayam, unser letzter Stopp in Küstennähe von Belitung. Hier beginnt die zweite Etappe meiner Reise auf der Segelyacht Lupina. Zwei Tage und zwei Nächte soll die nächste Fahrt dauern – meine erste Doppelnachtfahrt. Im Dämmerlicht verwandelt sich unsere liebliche Insel mit ihren hohen Kokospalmen in ein «Krokodil auf Stelzen», das uns den Weg in die Javasee weist, Richtung Borneo. Welch ein sinniger Abschied!
Die Javasee zeigt sich erst einmal von ihrer unruhigen Seite. Lange Zeit bläst der Wind mit über 20 Knoten, am Wind Kurs 60° aufs Schiff. Wir hissen das die Fock, das Segel für starke Winde. Bei Manövern auf Deck sichert sich Köbi mit Schwimmweste und Leine.
Am Tag darauf erreichen wir die Südküste Borneos. Die Windabdeckung durch die Landmasse im Norden schenkt uns eine total ruhige See. Beinahe ohne Wind sind nur noch kleine Kringel auf der Wasseroberfläche zu sehen. Ein Gefühl des Schwebens stellt sich ein, bei glattem Meer. Doldrums, Doldrums, Doldrums. Streckenweise gleiten wir unter Motor durch das diesige Licht, welches die Horizontlinie rund um uns verschwimmen lässt.
Unser erstes Ziel in Kalimantan ist die Stadt Kumai, von wo aus wir eine drei tägige Bootsexkursion in den Tanjung Puting Nationalpark unternehmen wollen. Von der Meeresmündung fahren wir etwa 15 Meilen den breiten Kumai-Fluss hinauf, vorbei an malerischen Frachtern, bis vor die Stadt.
Majid, unser Tourorganisator und Urheber dieses Bildes, offeriert uns ein Nachtessen in seinem Hotel. Wir nehmen gerne an, es mundet vorzüglich. Zum selber Googeln: Hotel Majid, Kumai.
Das Ankern im Fluss hat seine Tücken: Bei Flut ändert sich die Fliessrichtung und das Meerwasser drückt hoch in den Flusslauf und kurz nach unserer Ankunft rupft ein Gewitter mit 30 Knoten Wind an der Lupina. Nach einer ersten Nacht sind wir zuversichtlich, dass der Anker hält. Atman, hier im Bild, wird während unserer Abwesenheit auf der Lupina Wache halten, sollte doch etwas schiefgehen. Merci Adi, für den sagenhaften Tropenexkursionshut! 😉
Los geht der Spass! Eine Handvoll Flussboote verlässt heute mit uns den Kumai-Fluss und biegt in einen Zubringer, der uns zu den drei Orang-Utan-Futterstellen im Nationalpark bringen soll. Nördlich des Zubringers breiten sich weite Palmölplantagen aus, weiter oben am Fluss werden Goldminen betrieben und auf der Südseite erstreckt sich der Tanjung Puting Nationalpark bis hinunter ans Kapp. In unseren drei Tagen und zwei Nächten auf dem Fluss bekommen wir nur den nördlichsten Rand des Schutzgebietes zu Gesicht.
Ein paar erlesene Fakten zum Naturpark.
Die Flussboote (Klotoks) sehen je nach Tourenanbieter ein bisschen anders aus, der Service scheint aber bei allen derselbe zu sein. Unser Tourguide und Übersetzer Arya bemerkt, dass zu Spitzentagen bis zu 50 Boote auf die Stecke gehen. In der Nebensaison ist es wunderbar ruhig. Ab und zu winken wir einem vorbeiziehenden Boot. Unser Kapitän zeigt keine Eile.
Majid hat uns mit themengerechten T-Shirts ausgerüstet. Sie zeigen eine 500-Rupia-Note mit Orang-Utan-Emblem. Heutzutage ist die Note nicht mehr im Gebrauch – aufgrund der Entwertung ausgestorben, sozusagen. Wir freuen uns tierisch auf die Menschenaffen (Fachausdruck: Hominide)!
Und da sind sie, die Waldmenschen (Indonesisch: orang = Mann, hutan = Wald)! Sie kennen die Fütterungszeiten und erwarten uns. Zügig aber elegant wandern sie über unseren Köpfen von Ast zu Ast, von Baum zu Baum. Die Orang-Utans springen nicht, wie ihre kleineren Verwandten, sie schaukeln sich an einem Ast oder Baum solange hin und her, bis sie den Nächsten zu greifen bekommen.
Ein Weibchen mit Nachwuchs: Die Verbindung Mutter-Kind ist äusserst ausgeprägt. Das Junge bleibt die ersten beiden Lebensjahre stets bei seiner Mutter und lässt sich überallhin tragen. Für bis zu sieben Jahre wird es von der Mutter in den Lebenstechniken unterwiesen, sei es bei der Futterbeschaffung, der medizinalen Wirkung von Pflanzenteilen, bis hin zum Nestbau für die Nacht.
Das Alpha-Männchen, territorial, lebt meist solitär und kümmert sich nicht um die Kindererziehung. Die bezeichnenden Gesichtswülste und Halslappen entwickeln sich erst beim Erwachsenwerden, etwa ums 18. Lebensjahr. Mächtige Beisser haben sie auch!
Disclaimer: Jegliche Ähnlichkeit mit (euch) bekannten Personen, haben sich diese selbst zuzuschreiben.
Pondok Tanggui ist eine von mehreren Futterstationen.
Warum werden die Orang-Utans überhaupt gefüttert, und warum mit Bananen, Maiskolben oder anderen Kulturpflanzen? An diesen Stellen wurden zur Arterhaltung Orang-Utans aus Zoobeständen ausgewildert. Um ihnen den Einstieg in die Wildnis zu erleichtern und ihre Entwicklung zu beobachten, wurden sie anfänglich gefüttert. Die Population hat sich gut entwickelt und die Fütterungen wären nicht mehr nötig. Unser Tourführer Arya ergänzt, dass die tägliche Fütterung um 15 Uhr vor allem aus touristischen Gründen weitergeführt wird. Nicht von ungefähr ist der Tanjung Puting Nationalpark Kalimantans berühmteste Touristendestination (laut Lonely Planet).
Ein Alpha-Männchen besetzt das Buffet. Arya erklärt weiter, dass die spezifische Weise, wie die ausgewilderten Orang-Utans eine Banane zu vertilgen pflegen, in den Rehabilitierungszentren erlernt wurde. Seither lernen es die Jüngeren von der vorangehenden Generation.
Vorhang auf im Camp Leakey! Das Ganze hat etwas von einer Impro-Theater-Aufführung. Weder Schauspieler noch Zuschauer wissen, was noch alles passiert. Zu den Stars der Manege gesellt sich hier ein kleinerer, flinker Gibbon-Affe (er sitzt oben im Baum, leider schwerlich zu erkennen) und mischt die Szenerie auf!
Zurück auf dem Klotok geht’s weiter zum nächsten Posten. Unser Kapitän Yon ist der Stimmungsgarant auf dem Boot. Good vibes, Yon!
Das Küchenteam Rossi und Ruby: Sie zaubern uns 3x täglich ein Kunstwerk. Schnippeln direkt über dem Motor, wo es laut und heiss ist. Kein Zuckerschlecken!
Selbstverständlich geht es bei der Flussfahrt nicht nur um die Orang-Utans. Rudi hält Ausschau nach Krokodilen, Nasenaffen, Makaken, Kingfisher, Uhus, Wasserschlangen, Anlegestellen und Gewitterwolken.
Während unser Klotok weiter den Sekonyer-Fluss hinauftuckert, wird unter Deck gewerkelt und gekocht. Rudi und Arya machen das Boot mit zwei Leinen an einem Büschel Pandanus-Sträucher fest und wir werden zum Znacht mit Kerzenlicht gerufen.
Auf einer Nachtexkursion finden wir Fledermäuse, Insekten, Riesenameisen, Glühwürmchen und Baumpilze, deren Sporen wie dicke Rauchschwaden aus dem Dickicht aufsteigen. Hier ein Kingfisher, erstarrt zur Salzsäule im Blendelicht unserer Taschenlampen.
Am Morgen darauf ist Köbi wieder früh auf. Die Sonne ist noch mild, die Fauna auf allen Seiten aktiv und das Licht stimmt für das erste von tausend täglichen Fotos…
Unser Dschungeltour neigt sich dem Ende zu – leider viel zu schnell. Pia mit Rossi und Ruby auf dem unteren Deck. Die anfängliche Zurückhaltung ist einer Herzlichkeit gewichen. Am letzten Morgen hockt sich die Crew zu uns aufs Touristendeck und wir führen radebrechend Gespräche über die Arbeit, den Ramadan, das Leben in Kumai und den Schnee in der Schweiz, halt so gut wie’s geht. Endlich kann ich wieder jemandem mit meinen ach so spannenden Fotos meiner Trockenmauerprojekte zu Leibe rücken. Ich bin in Hochstimmung!
Von links nach rechts: Pia, Chef Ruby, Kapitän Yon, Assistenz Rudi, Köbi und Robin, Guide Arya. Vielen Dank für alles! Bei Interesse: Majid Hotel in Kumai
Zurück in Kumai: am späteren Nachmittag ist mächtig was los, die Leute erledigen ihre Besorgungen und die Warungs (kleine Restaurants) bereiten die Abendmahlzeiten vor. Es ist noch immer Ramadan, zwischen 4 Uhr morgens und 18 Uhr wird nicht gegessen!
Eine Momentaufnahme: der kleine Frachter wird beladen und ein heimgekehrter Fischer reinigt seine Utensilien.
Wir wollen uns für die nächste Doppelnachtfahrt mit dem Nötigsten eindecken. In der Nähe des Fährhafens finden wir den Lebensmittelmarkt. Eine Familie hat ihren eigenen, mobilen Stand vor der Markthalle aufgestellt.
In der Fischabteilung der Markthalle wird der heutige Fang ausgenommen und feilgeboten.
Pia und Köbi in der Fruchtabteilung. Zahlenbeträge werden mittels Taschenrechneranzeige kommuniziert. Ich freue mich aufs obligate Müesli morgen früh.
Handtasche von Gutschi oder Luis Wuiton? Indonesien mit seinen gut 285 Mio. Einwohnern (viert grösstes Land der Welt) verfügt über einen riesigen Binnenmarkt. Uns fällt auf, dass wir – ausser dem allgegenwärtigen Coca-Cola – selten ausländische Produkte sehen, vieles scheint in Eigenmarke produziert zu werden. Apropos: Hat jemand schon mal Zigaretten mit Colageschmack probiert? Gibt’s hier.
Am darauffolgenden Tag sind wir wieder unterwegs, den Kumai Fluss runter bei Ebbe, dann südwärts entlang der Küste des Nationalparkes. Eine starke Gewitterbildung über der Landmasse beschert uns einen Wind aus dem Südwesten, wir müssen aufkreuzen. Pia und Köbi beim Znacht vor dem Eindunkeln. Die Schichten für die Nachtwache sind eingeteilt und wir sind bereit für die erste von zwei Nächten unter Segeln.

Im Fischnetz gefangen

Mittlerweilen ist es dunkel geworden und plötzlich ist der südliche Horizont vor uns erleuchtet von den Bootslampen der lokalen Fischer. Das Meer ist hier viel flacher als auf der Seekarte vermerkt. Seit einer Weile messen wir nur noch 4.5 bis 5m Wassertiefe und unser Kiel braucht gut zwei Meter. Der Boden ist zwar topfeben und sandig, aber wir sind beunruhigt und behalten die Tiefenanzeige konstant im Auge.

Gegen 19:30 Uhr passiert’s! Ein schabendes Geräusch am Unterwasserschiff lässt uns aufschrecken. Wir verlieren an Fahrt und es ist sofort klar, dass wir etwas eingefangen haben. Schnellstmöglich nehmen wir die Segel runter!

Mit unseren Lampen zünden wir ins mondlose Dunkel und entdecken eine nicht endende Reihe weisser Styropor-Schwimmer mit welchen die Netze der Fischer in der Schwebe gehalten werden. Offensichtlich hat sich das Netz im Ruder oder gar an der Schiffsschraube verhakt. Was kann passieren? Im schlimmsten Fall und bei hohem Seegang kann ein Netz das Ruder abreissen (beschädigen) oder das Heck des Schiffes wird vom Netz soweit hinuntergezogen, dass die Wellen aufs Boot und in den Schiffsbauch laufen können. Ich bemerke, dass ich plötzlich an die Erzählungen über Hunde denken muss, die angeblich bei Stress unverzüglich in einen tiefen Schlaf fallen, also in den «Freeze-Modus» wechseln… wie gern würde ich jetzt unter Deck in meiner Koje liegen und mich weit wegträumen! In geändertem Aggregatszustand hin zu Orten, wo mich keine unbekannten Netze in die dunklen Tiefen einer unruhigen See ziehen!

Zum guten Glück sind Wind und Wetter nicht allzu garstig. Als erstes: Schwimmwesten an! Wir versuchen das Netz mit dem Bootshaken zu greifen. Die tragenden Seile am Netz sind straff gespannt und die Strömung treibt uns weiterhin ins Netz. Einfach Motor an und rückwärts raus ist keine Option. Wir wissen nicht, ob die Schiffsschraube frei ist. Wir werfen den Anker. Die Dunkelheit, die Strömung, die fehlende Fahrt und der Zug des Netzes: Ich habe Mühe mich zu orientieren. Drehen wir uns? Verheddern wir uns weiter? Löst uns eine glückliche Welle oder Strömung aus dem Netz? Leider nicht.

Mit den Lampen versuchen wir uns bei den Schiffen in der Umgebung bemerkbar zu machen. Diese sind nur schwach beleuchtet und bei Nacht ist es schwierig, ihre Entfernung einzuschätzen. Ein Fischerboot antwortet und nimmt Kurs auf uns. Wir entscheiden zuzuwarten, bevor wir uns am Netz zu schaffen machen, schreiben eilig ein paar nützliche Wörter aus dem Indonesisch-Diktionäre heraus, um uns bestmöglich verständigen zu können (musste reichen: tolong = Hilfe, tali = Seil, di bawah = unten, lagi = noch immer und sauh = Anker). Langsam holt das Fischerboot sein Netz ein. Als wir in Rufdistanz sind, signalisieren sie uns, das Netz durchzuschneiden. Darauf haben wir gewartet! Köbi hat bereits alles vorbereitet – bei dem Wellengang ist es trotzdem eine Herausforderung. Das Netz und die Seile rupfen und ziehen, sind schwer zu bändigen. Schliesslich gelingt es uns, dass Netz zu kappen, aber immer noch hängt es ums Ruder fest.

Unterdessen ist ein junger Fischer über die Verbindungsleine zu uns herübergeklettert und hilft dabei, die verhedderten Resten loszuwerden. Am Heck hängend versucht er das Netz am Ruder entlang mit seinen Füssen runter zu strampeln. Das hilft, bald sind wir frei und wir können die verbleibenden Resten losschneiden. Köbi taucht zur Sichtkontrolle mit Schnorchel und Brille unters Schiff und ich zünde von oben her, damit er was sieht.
Ruder und Schraube sind endlich wieder frei und nach drei Stunden etwa um 22:30 Uhr haben wir die Segel wieder gehisst. Was für ein Glück, was für eine Erleichterung – aber nee, aus diesem Seemannsgarn knüpf’ ich mir bestimmt keinen Traumfänger!
Der folgende Tag sowie die zweite Nachfahrt ziehen – zu unserer Erleichterung – ereignislos an uns vorüber. Wir nähern uns der Mündung des Barito-Flusses und werden Zeugen eines Naturspektakels: kilometerweit strömen das dunkle Meerwasser und das braune Flusswasser einander entlang, ohne sich zu verwirbeln.
Ein Spektakel der etwas anderen Art erwartet uns wenig später, näher an der Mündung des Barito Rivers. Der Plotter am Pilotentisch zeigt eine wollknäuelartige Anhäufung grosser Frachter, Schlepper und Barges (nicht-motorisierter Lastkahn). Ein logistischer Knotenpunkt, der selbst den Gewässern vor Singapur Konkurrenz macht! Eine Skyline der Kohlefrachter, wie wir später herausfinden. Hier müssen wir durchzirkeln.
Banjarmasin, die Stadt am Barito, liegt wieder einige Meilen flussaufwärts. Wir biegen in die Mündung und reihen uns ein zwischen den Schleppern mit ihren leeren Bargen, die weiter oben am Fluss ihre neue Fracht abholen.
Wie überall bisher auf unserer Reise, werden wir von vielen freundlich winkenden Bootfahrern willkommen geheissen
Wir ankern auf Höhe des Hafens, wo die Kontainerfrachten gelöscht werden. Ein in der Flussmitte liegendes, halbversunkenes Schiffwrack dient uns als Schutz vor den grösseren, vorbeiziehenden Brummern.
Frühmorgens um viertel vor vier holt uns Tailah – unser Tourguide für den Tag – per Holzboot direkt bei der Lupina ab. Der alte Kahn hat schon unzählige Anstriche bekommen und wieder verloren. Er ist bunt wie die Schwanzfedern eines Hahnes und sein Motor knattert wie eine Royal Enfield auf Steroiden. Einzig Pia, als echter Reiseroutinier, denkt frühmorgens daran, die Ohrenstöpsel einzupacken. Nach indonesischer Manier geht’s ohne grosses Halli-Hallo gleich los, gut zwei Stunden durch die Kanäle des nächtliche Banjarmasin, hinaus ins Hinterland. Wir besuchen einen schwimmenden Markt.
Der schwimmende Markt von Pasar Terapung Lok Baintan: Täglich verkaufen Kleinbäuerinnen ihre Produkte direkt ab Kanu an Händler und Marktfahrer aus der Stadt. Die meisten Deals laufen noch vor Sonnenaufgang. Bei unserem Eintreffen ist die Stimmung unter den Verkäuferinnen entspannt.
Tanggui, der grosse Blätterhut mit Überzug, ist Sonnen- und Regenschutz in einem. Wir decken uns ein mit Eiern, Gemüse und Früchten für die kommenden Tage auf See.
Pia und ich kriegen je eine für Touristen obligate, persönliche Kanurundfahrt bei zwei der Marktfahrerinnen. «Jalan-jalan!» (spazieren gehen) und rein ins Gewimmel. Der spitze Bug des Kanus fädelt sich ein ins schaukelnde Gewebe aus Rufen in fremder Sprache, Gerüchen reifer Früchte und Feilschereien um Bananenchips. Am Ende war die kleine Spazierfahrt natürlich nicht ganz gratis.
Köbi übt sich unterdessen in Kommunikation mit der lokalen Jugend.
Mittlerweilen ist die Welt zum Leben erwacht. Ob die Landstrasse ebenso belebt ist wie der Fluss?
Zurück in Banjarmasin biegen wir ein ins «Venedig von Kalimantan».
Die meisten Häuser stehen auf Pfählen aus sogenanntem «Ironwood». Vorne grenzen sie meist an eine Strasse. Tailah meint, die reinen Baukosten für so ein Haus belaufen sich auf etwa 30 Mio. Rupiah (1’500 CHF!) – sofern ich ihn richtig verstanden habe. Die traditionelle und günstigere Variante ist das schwimmende Haus auf Bambusflossen. Die Bambusunterlage muss etwa alle 5 Jahre erneuert werden.
Viele Eindrücke nach wenigen Stunden Schlaf! Die beiden scheinen glücklich und zufrieden. Otto der Fuhrmann ebenso.
Zurück auf der Lupina reinigen wir unsere neuen Vorräte von Ameisen und sonstigem Gefläuche. Ich freue mich auf Kürbissuppe und das morgendliche Müesli mit Papaya und Banane! Der Blätterhut «Topi purun» wird zu meinem täglichen Begleiter. Entschuldige Adi.
Zum Abschluss bekommen unsere Tourguides noch eine Tour durch die Lupina. Otto kommt ins Schwärmen für die weichen Sofapolster. Von links: Fuhrmann Otto, Guide Tailah und Kollege Yusuf. Merci für den Einblick, das war spannend!
Mit der Gezeitenänderung ändert sich die Flussrichtung des Barito wieder zu unseren Gunsten. Unsere Zeit in Kalimantan kommt zu einem Ende und wir starten flussabwärts, vorbei an schwer beladenen Kohleschleppern. Der grösste Teil der indonesischen Kohle wird auf Borneo gescheffelt. Von den Minen im Landesinnern wird sie per Lastwagen zum Flussterminal gefahren, auf die Bargen umgeladen und zum Meer transportiert.

Wer sich zum Thema Kohleabbau im Einzugsgebiet des Barito schlau machen möchte: Public Eye, 2023, «Die schmutzigen Methoden einer Zuger Rohstoffgruppe auf Borneo».

Draussen vor der Flussmündung wird die Kohle auf die Frachter umgeladen. Dies geschieht mittels speziellen schwimmenden Kran-Plattformen (Bild) oder mit Kränen, die direkt auf den Frachtern montiert sind. Richtig grosse Bulldozer stossen das lose Frachtgut auf den Bargen immer wieder flott zusammen, damit ordentlich geräumt werden kann. Von hier aus geht die Kohle auf Weltreise, vor allem nach China, Indien und Thailand.

Wer sich für die Verbindungen der Schweiz mit Indonesien interessiert, findet einen guten Einstieg auf der Seite des CDE der Universität Bern. Stichwort: Handelsabkommen EFTA-Indonesien.

Grüsse an alle die es bis hierhin geschafft haben! Kepiting Batu schliesst sein Logbuch für heute. Die nächste Etappe führt uns weiter ‘gen Südosten: zu abgelegenen Inseln, bunten Unterwasserwelten, über die Javasee nach Südsulawesi und über die Flores-See bis nach Labuan Bajo auf der Insel Flores.

Ahoi Kameradis!

Einstieg ins Seglerleben – von Batam bis Belitung (Indonesien)

Das Reiselogbuch des «Kepiting Batu» / 18.2. – 6.3.2026

Ich war noch nie auf einem Segelboot. Als mich die positive Antwort von Pia & Köbi erreicht, freue ich mich riesig. Ich hatte über die letzten 8 Jahre ihrer Segelreise immer mal wieder etwas über die Beiden und ihre Reiseroute vernommen. Nun planen sie von Singapur zurück nach Labuan Bajo zu segeln und laden mich dazu ein – für einen Bergler eine Traumvorstellung! Ich soll in Batam, Indonesien an Bord.

Rasch versuche ich mein Büro auf den Stand zu bringen, verschiebe die betroffenen Aufträge und bin weg, hoch in den Lüften Richtung Osten. Winter und Schnee lasse ich hinter mir, tausche die Wollmütze gegen einen tropischen Exkursionshut.

Pia & Köbi bereiten meine Ankunft vor, inklusive offizielle Anmeldung des neuen Crewmitglieds, und treffen mich am Fährhafen. Über Golfplätze und ramponierte Betonstege, entlang einer wildschönen Küste wandern wir zusammen zur Nongsa Point Marina, zur Lupina. Frisch angekommen, willkommen in Indonesien!
Die Marina liegt in unmittelbarer Nähe von zwei schicken Resorts. Diese werden vornehmlich von Gästen aus Malaysia oder Singapur besucht, bieten wunderschöne Jettys (ein Steg hinaus ins Meer) inkl. Bar, Schwimmbecken, Restaurants und jeweils eine eigene Band zur musikalischen Unterhaltung. Am Horizont kann man noch die riesenhaften Frachter vor Singapur ausmachen.
Der letzte Abend bevor wir in See stechen wird etwas länger als erwartet. Nach einem feinen Nachtessen im Restaurant lädt uns der Manager der Marina auf einen Schlummertrunk an die Bar: Jägermeister mit Redbull. Ganz im Sinne des kulturellen Austausches auf Augenhöhe versuche ich mich als Barmixer mit «Flämmli a la Orangenlikör». Abgerundet wird das Ganze in lokaler Manier mit einer mitternächtlichen Ochsenschwanzsuppe. Wer will es einem übel nehmen, dass der Frischling am ersten Morgen an Deck noch etwas «kopflos» im Mast rumhängt?
Pia und Köbi sind wunderbare Gastgeber auf der Lupina. Sie zeigen mir die grundlegenden Abläufe auf der Lupina, weisen mich in die ersten Seglerbegriffe und Kniffe ein, sind aufgestellt und machen lecker’ Frühstück! Ich freue mich, so herzlich willkommen geheissen zu werden.
Pia und Köbi äussern ihr dringliches Anliegen, dieses Bild in den Bericht zu nehmen. Jedes Gasti* auf der Lupina ist demnach sanftenst angehalten ein paar Stängel Ragusa mitzubringen – für die Nachtfahrten 😉
* dieser Abschnitt wurde entgendert nach Phettberg
Das Zusammenleben auf einer Yacht und in einer Alphütte ähnelt sich doch sehr. Man lebt und funktioniert zusammen, bringt sich ein und nimmt sich zurück, gibt von sich Preis und hört zu, formuliert Regeln und versucht, gemeinsam frei zu sein.
Singapur war ein gewichtiger Stopp für die SY Lupina. Feststoffhaltig war anscheinend auch die dortige Luft, denn die Tage in der Grossstadt hinterlassen eine dunkle Schicht auf allen Oberflächen, selbst auf den «Unterflächen»! Was mich betrifft: So wäscht man sich rein ins Vergnügen. Hand gegen Koje.
In Tagesetappen von rund 30 Seemeilen segeln wir die nächsten Tage in Richtung Südwesten. Wir ankern an vor Wind und Wellen geschützten Stellen und schlafen mit offenen Luken. Von den umliegenden Moscheen wehen lautsprecherverstärkte Abendgesänge zu uns herüber. Gelegentlich sind es bis zu einem halben Duzend gleichzeitig. Der Ramadan hat begonnen und das Wetter ist uns hold.
Die Seglersprache klingt für Laien wie Kauderwelsch mit sieben Siegeln. In diesen ersten Tagen muss ich oft die Ohren gut dicht nehmen, will ich nicht andauernd die Lernkurve reffen müssen. Jedenfalls zeigt mir Köbi hier, wie man das Genoa ausbaumt …
Gemäss ehrwürdiger Seemannstradition wird nicht einfach mir nichts dir nichts der Äquator überquert: der Neuling muss getauft werden. Hier sieht man «meine» Äquatorinsel mit dem klingenden Namen Belading. Ich schreibe sie künftig mit doppeltem L.
Die Äquatortaufe. Jedes Ritual kennt eine genaue Form. Bei dieser Zeremonie schlüpfen die erfahrenen Seeleute in die Rollen von Neptun und Tethis. Der Neuling – die Kaulquappe – wird von Neptun mit Reis bestreut und mit Wasser getauft. Aus einer Kaulquappe wird «die Steinkrabbe»!
Tethis kleidet den Frischgetauften neu ein. Das Piratentuch leistet mir seither wunderbare Dienste, besonders als Kopfbedeckung beim Schnorcheln. Die Augenklappe erlaubt es mir bei langen Überfahrten heimlich auf einer Seite zu dösen! Fertig ist der Pirat Kepiting Batu (Kepiting = Krabbe / Batu = Stein, in indonesischer Sprache)
Von der Insel Lingga machen wir eine Nachtfahrt bis Belitung. Die Distanz ist zu gross, als dass sie an einem Tag gefahren werden könnte. Pia macht die erste Schicht bis Mitternacht, Köbi die zweite bis zum Morgen. Die aufgehende Sonne taucht alles ringsum in weiches Licht.
Eine Nachtfahrt ist eine spannende Sache. Als Seglerneuling staune ich über die technischen Möglichkeiten der Lupina. Die menschliche Nachtblindheit wird kompensiert. Mit Hilfe von Segelkarten und Radar schauen wir meilenweit voraus und das AIS (Automatic Identification System) versorgt uns mit Informationen, unter anderem zu Position, Fahrtgeschwindigkeit, Typ und Namen der registrierten Schiffe im Umkreis. Schwierig wird es bei den kleinen, hölzernen Fischerbooten. Oftmals sind sie schwach beleuchtet und hier hilft uns nur das Auge. Die Nacht wird immer tiefer, ab und zu ändern wir kurzzeitig den Kurs, um einer möglichen Kollision vorzubeugen. Einmal funkt uns ein Schleppschiffkapitän netterweise gar an: «Lupina Lupina!! Passing starboard to starboard!» Wir bedanken uns und wünschen eine gute Fahrt. So geht das!
Belitung begrüsst uns am nordwestlichen Zipfel mit markanten Formationen verwitterter Steine, wie Fabelwesen aus einer imaginären Urzeit, welche sich in die Gegenwart retten konnten. Prominent positioniert sich dieser «Adlerstein» (Batu Garuda) am nordwestlichen Zipfel der Insel. Für mich sieht er eher nach einer «Spitznasenschildkröte» aus. Urteile selbst.
Steine ragen wie (etwas abgeschliffene) Haifischzähne aus dem Meer, als sollte jeder unachtsame Segler verschlungen werden. Der zugeneigte Leser möge mir eine etwas tierische Metaphorik nicht übelnehmen, denn als frischgetaufte Steinkrabbe steht mir dies sicherlich zu. Ist es nicht so, dass diese Felsen gleich den Zahnreihen eines Meeresjägers immer plötzlich, immer unerwartet auftauchen? Und in diesen Gewässern sogar oft ohne auf einer Seekarte vermerkt zu sein!
Wie jeder verwegene Seefahrer weiss, wird die Gefahr oft von einer äusserst anziehenden Ästhetik begleitet: die Strände sind weiss, das Wasser klar und die Riffe in Schnorcheldistanz! Unweit von unserem Ankerplatz, im Schutze der Steinschildkröte finden wir weitläufige Schnorchelplätze mit Korallen, Schwärmen kleiner bunter Fische, riesigen Seeigel, Anemonen mit drolligen Clownfischen in angenehm tauchbarer Tiefe. Am Dritten und letzten Tag erspähe ich sogar eine Roche, die flink unter den Korallen verschwindet.
Unsere Bucht beherbergt duzende bunter Holzschiffe mit Sonnendach, welche manchmal zum nächtlichen Fischen vor der Küste und manchmal bei Schnorchelausflügen oder sogenanntem Inselhüpfen für die meist inländischen Touristen verwendet werden.
Landgang: Die Bucht bietet malerische Ausblicke. Hier mit der geankerten Lupina.
Aber auch wir scheinen beliebte Fotosujets zu sein. Oft werden wir zu Gruppenfotos eingeladen. Auf diese Weise lernt man spielend von Drei rückwärts zu zählen, und zwar auf Indonesisch. In Sachen Fotos scheinen die Leute hier keine Scheu zu kennen. Gut für meinen Bericht!
Neben dem Anlegesteg entlang der Küste reihen sich etliche kleine Verschläge mit Restaurants und schattigen Sitzgelegenheiten. Aber sie warten auf Gäste. Zurzeit sind wir beinahe die einzigen Besucher, wahrscheinlich liegt das am Fastenmonat Ramadan. Keine Ahnung, was die beiden Frauen zubereiten. Aber sieht lecker aus.
Die typischen, hölzernen Fischerboote werden in Handarbeit vor Ort gebaut. Die Holzelemente werden genagelt, manchmal kommen auch Holzdübel zur Anwendung. Zwischen die Bretter des Schiffrumpfs wird zur Dichtung ein knautschbares Kunststoffband gelegt.
Für die Unterhaltsarbeiten werden die Boote trockengelegt. Hierfür wir das Boot mit jeweils zwei gebundenen Stämmen in der Waage gehalten – einer quer über das Deck und der andere parallel dazu unter dem Rumpf. Hier sehen wir eine Spielart ebendieser Methode.
Muss der Rumpf neu bepinselt werden, wird vorerst mit Gasfeuer abgeflammt und mit dem Spachtel die alte Farbe abgeschabt. Dieses Boot wird neben der Fischerei auch als Touristentaxi eingesetzt, man beachte das Sonnendach.
Anfänglich wollten wir von hier aus – dem Nordzipfel der Insel Belitung – mit zwei Nachtfahrten direkt nach Kalimantan übersetzen, doch das Wetter macht uns einen Strich durch die Rechnung. Wir beschliessen einen Umweg einzulegen, was uns erlaubt Belitungs West- und Südküste zu erkunden. Die Gewitterwolken auf Borneo sollen sich ohne uns ausregnen.
ROT: die Route von Singapur bis zur Insel Belitung. GELB: die anfänglich geplante Route bis Kumai auf Kalimantan. GRÜN: die angepasste Route entlang der Westküste von Belitung, inklusive Ankerplätze.
Nach mehreren Stationen entlang der West- und Südküste von Belitung rückt die Überfahrt nach Kalimantan immer näher. Wir nehmen Abschied von dieser schönen und wahrlich steinreichen Region. Beim Ankertrunk besprechen wir jeweils den vergangenen Segeltag, üben Manöverkritik, schmieden Pläne, studieren die Wetter- und Windvorhersagen und sammeln uns für den folgenden Tag.
Für den letzten Ankerplatz vor der Überfahrt finden Pia und Köbi einen idyllischen Ankerplatz neben der klitzekleinen Insel namens Ayam. Wir verweilen einen Tag und nutzen die Zeit zum Schreiben, Vorkochen, Putzen, Berichtschreiben, die Route zu planen, etc… Ich packe die Chance beim Schopf, meine Hängematte erstmals auf einer einsamen Insel zwischen Kokospalmen baumeln zu lassen.
Köbi zeigt mir, wie man eine Kokosnuss simpel und effizient schält, aufspaltet und das Fruchtfleisch löst. Der Keim, der sich bei reifen Nüssen aus dem Fruchtfleisch bilden kann, ist ein besonderer Schmaus: Fluffig in der Konsistenz, mit einem sanften Kokosaroma.
Der neue, alte Bootsjunge liegt mit vollem Pansen flach auf Deck und erträumt sich fantastische Abenteuer, welche in den nächsten knapp vier Wochen noch auf ihn zukommen mögen. Wie es uns Dreien auf Kalimantan ergeht, erfährt ihr im nächsten Bericht der SY Lupina!

Ahoi Kameraden!

Von Singapur zurück nach Indonesien

2. – 27.2.2026

Unser Schiff ist nun schon fast 2 Wochen in der Werft. Die Arbeiten machen gute Fortschritte. Wir sind mit dem Yard sehr zufrieden. Alles läuft nach Plan und wie vereinbart. Weniger Freude haben wir an der Volvo Vertretung «Pamarine», die uns falsche Teile liefert und viel zu hohe Arbeitskosten verrechnen will. So müssen wir kurzerhand umdisponieren und die Werft mit dem Ersatz der Wellendichtung und der Motorfundamente beauftragen. Diese macht dann auch einen ausgezeichneten Job in weniger als der halben Zeit, wie «Pamarine» veranschlagt hatte.

Singapur, Marina Bay Sands und Bayfront by Night. Der gute Service der Werft ermöglicht es uns, viel Zeit in der Stadt zu verbringen und Singapur weiter zu erkunden.
Mit den Silentblöcken (Motorfundamente, roter Kreis auf dem Bild), die extra von Volvo in Schweden bestellt werden mussten, haben wir Glück. In weniger als einer Woche erreichen sie die Werft und können von dieser umgehend eingebaut werden, noch vor den einwöchigen Betriebsferien anlässlich des chinesischen neuen Jahres am 17. Februar.
Wir nutzen die Gelegenheit, um Sachen zu reparieren oder zu ersetzen, die schon länger auf unserer Projektliste stehen. So haben wir zum Beispiel in Fiji wegen Mangels an Ersatzteilen die Endkappe unseres Auspuffwassersammlers (am Boden liegend), welche total verrostet war, reparieren müssen. Wir haben dann bei unserem nächsten Urlaub in der Schweiz einen neuen Wassersammler besorgt, und führen diesen seither auf dem Schiff mit. Nun wird der Neue eingebaut.
Die Reparatur der Endkappe in Fiji hat 2 Jahre gehalten. Dass es nun aber höchste Zeit wurde für den Austausch, zeigt dieses Bild: die Korrosion ist deutlich fortgeschritten.
Wir lassen uns von der Werft dazu überreden, unseren Propeller mit einem speziellen Lack zu beschichten, welcher den Bewuchs von Muscheln und anderen Lebewesen verhindern soll. Wäre super, wenn es funktioniert!
Seit wir unsere Lupina besitzen, hat die manuelle Bilgenpumpe nicht richtig funktioniert. Bisher haben wir diesem Problem kein grosses Augenmerk geschenkt, da sie einerseits sehr eng verbaut ist und andererseits ja noch eine automatische Pumpe vorhanden ist. Zudem ist unsere Bilge eigentlich immer trocken und die Pumpe kommt fast nie zum Einsatz. Das Problem mit der tropfenden Wellendichtung hat uns aber gezeigt, dass es schon noch gut wäre, wenn auch die Handpumpe funktionieren würde. Ich nutze also die Gelegenheit in der Werft, baue das Ding aus und zerlege es.
Eine kleine Überraschung: die Austrittsklappe der Pumpe ist verkehrt herum eingebaut. Ich drehe sie um, so dass die flache Seite richtig abdichten kann. Siehe da, das Teil funktioniert jetzt einwandfrei.
Eine Woche früher als geplant sind alle Arbeiten bis auf den hydraulischen Achterstag-Spanner in der Werft erledigt. Unsere Lupina wird in die Hebegurten des Liftes gehängt und für die Fahrt ins Wasser vorbereitet.
Das Einwassern des Schiffes ist immer ein kitzliger Moment: ist alles dicht? Der Chauffeur des Travel-Liftes scheint sehr zuversichtlich zu sein.
Lupina auf dem Weg ins Wasser. Alles dicht! Auch der darauffolgende Seatrial (Probefahrt) verläuft positiv. Lupina ist bis auf den oben erwähnten Achterstag-Spanner wieder reisefertig. Dieser braucht neue Dichtungen und ist von der Werft an eine auf hydraulische Geräte spezialisierte Firma vergeben worden. Kein Problem, wir haben ja die Marina noch für eine Woche gebucht, und das Teil kann auch eingebaut werden, wenn das Schiff am Steg schwimmt.
Das Einwassern der Lupina kommt gerade rechtzeitig zu Pia’s Geburtstag.

Nach einer gründlichen Reinigung des Schiffes zügeln wir vom Hotel wieder auf die Lupina. Kurz vor dem Wochenende wird auch der revidierte hydraulische Achterstag-Spanner angeliefert. Böse Überraschung: er funktioniert nicht mehr richtig, es kann kein Druck aufgebaut werden. Das Handbuch meint für diesen Fall: Luft im System oder zu wenig Öl. Kein Problem, meint der Spezialist und nimmt ihn wieder mit. Er verspricht, ihn Anfangs der folgenden Woche wieder zu bringen. Wir sind zuversichtlich.

Nach getaner Arbeit, das Vergnügen. Erneut fahren wir in die Stadt, diesmal zu den Gärten an der Bay, «Gardens by the Bay». Das Bild zeigt den Libellen Teich mit einer der vielen Skulpturen, im Hintergrund das Marina Bay Sands Gebäude
Ein weiteres Wahrzeichen von Singapur: die künstlichen Bäume. Im Wald der Super Bäume (Supertree Grove) steigen wir in die Baumkronen und besuchen das Observatorium.
Teil des Parks sind die beiden riesigen Gewächshäuser «Cloud Forest» und «Flower Dome». Wir entscheiden uns für den Ersten, insbesondere auch, weil hier kürzlich der Jurassic Park Einzug gehalten hat. Eine riesige, geschlossene Glaskuppel überspannt einen Berg, der von Pflanzen aus dem tropischen Regenwald bewachsen ist. Der Zugang auf den Berg und in sein Inneres erfolgt über kühn geschwungene Brücken und Rampen. Echte Wasserfälle, künstliche Wolken und sich bewegende Saurier versetzen einem in eine andere Welt.
Diverse Saurier entrücken uns mitten in den Jurassic Park. Wir sind froh, ist dieser T-Rex zwar naturgetreu, aber nicht echt.
Nach dem Bummel durch die Natur zieht es uns ins moderne Singapur. Die Hotel Lobby des Marina Bay Sands Hotel ist gewaltig.
Die «Helix Brücke» – eine Fussgängerbrücke – hat die Form einer DNA Doppelhelix, inspiriert von der genetischen Struktur des Lebens selbst.
Der Merlion – Singapurs Wahrzeichen. Die Statue mit dem Kopf eines Löwen und dem Körper eines Fisches steht an der Marina Bay und spritz Wasser aus ihrem Mund. Der Name Merlion kommt von Meerjungfrau (Mermaid) und Löwe (Lion). Der Löwe signalisiert Stärke und Mut und passt als Symbol perfekt zu Singapur, der Löwenstadt (Singha = Löwe, Pura = Stadt). Der Legende nach ist Singapur zu ihrem Namen gekommen, als ein indonesischer Prinz hier einen der seltenen Löwen gesehen haben will. Er sei von der Begegnung so beeindruckt gewesen, dass er in der Folge den Ort Singapur nannte.
Chinatown: Der Bazar wird dominiert vom chinesischen neuen Jahr. Ins Auge stechen einem dabei die Farbe Rot und der Mandarinenbaum. Rot ist die Glücksfarbe schlechthin im chinesischen Kulturkreis. Der Mandarinenbaum verkörpert Wohlstand und Reichtum. Die Früchte symbolisieren mit ihrer runden Form Vollkommenheit und Einheit in der Familie. Sie stehen für Frische und einen guten Start ins neue Jahr.
Chinatown: yummie!! Leckeres chinesisches Essen. Und schau dir mal die Preise an!! (1 Singapur Dollar entspricht etwa 0.6 Schweizer Franken)
Singapur – eine Stadt der Gegensätze: hier eine top moderne Shopping Mall mit allen namhaften Marken ….
… und direkt um die Ecke ein einfacher Schuhmacher, der mit Arbeit gut ausgelastet ist.
Hochzeit im «The Fullerton Bay Hotel». Ich geb’s ja zu: die Autos haben mich mehr beeindruckt als die Braut😊

Unsere Marina liegt am westlichen Rand von Singapur. Direkt vor dem Marina Gelände befindet sich die Endstation der Ost-West Bahn. Der öffentliche Verkehr ist effizient und sehr preiswert. Wir nehmen die rund einstündige Fahrt ins Stadtzentrum jeweils gerne in Kauf. Da unsere Pendenzen auf der Lupina bis auf den Achterstag-Spanner erledigt sind, können wir die Tage unbeschwert geniessen. Aber ….

… auch nach dem 5. Versuch, das Gerät richtig zu entlüften und mit Hydraulik Öl zu befüllen: es funktioniert nicht mehr. Beim 6. und letzten Versuch bin ich persönlich dabei und beobachte jeden Schritt. Wir bekommen es nicht hin! Ich vermute, irgendwo ist ein der neu eingesetzten Dichtungen falsch oder fehlerhaft.
Da unsere Visa ablaufen, beschliessen wir, das Achterstag mit Gewindestangen zu sichern. Zur Sicherheit kommt noch ein Spannset dazu. Das nun defekte Gerät nehmen wir an Bord und lassen es bei nächster Gelegenheit von einem anderen Fachspezialisten nochmals prüfen.
Letzter Ausflug in die City. Wunderbare Abendstimmung über das Business Center.
Den letzten Tag vor unserer Abreise sind wir mit Bunkern von Frischwaren (Gemüse / Früchte) beschäftigt. Den Sonnenuntergang über der malaysischen Stadt Kampung geniessen wir vom Pier der Raffles Marina.
Am Valentinstag (14. Februar) klarieren wir aus und verlassen Singapur in Richtung Indonesien. Dabei müssen wir eine der am dichtest befahrenen Seestrassen der Welt, die Singapur Strait, überqueren. Spannend! Alles läuft ohne Probleme. Der Blick in Richtung unseres Kielwassers zeigt einen regen Schiffsverkehr.
Wir sind glücklich! Nach rund 3 Monaten in Singapur sind wir endlich wieder unterwegs.
Am 16. Februar klarieren wir in der Nongsa Point Marina in Batam (Indonesien) ein. Wie immer übernimmt Pia die Aufgabe, Gastlandflagge und gelben Quarantänewimpel zu setzen.
Da der Marina Besitzer ein Chinese ist, wird auch hier das chinesische neue Jahr gefeiert. Ideales Timing für uns: am Vorabend des neuen Jahres findet bei uns auf der Marina Pier (Bild) ein grosses Fest mit Buffet statt …
… und am Neujahrestag, dem 17. Februar, findet ein ähnliches Fest mit traditionellem Löwentanz (Bild) in einem rund fünf Gehminuten entfernten Resort statt, das ebenfalls dem Besitzer der Marina gehört.
Einer unserer Lieblingsplätze in Batam: die Turi Island Bar verwöhnt uns mit ihren Happy Hour Drinks.
Am 18. Februar heissen wir Robin (rechts im Bild), den Sohn von guten Walliser Freunden, auf unserer Lupina willkommen. Er heuert für die nächsten rund 8 Wochen als Crewmitglied auf der Lupina an. Die ersten Fahrten hat er hinter sich und er scheint Freude daran zu haben.

Für die Weiterreise ab Batam haben wir einen Törn über Borneo (wir hoffen, dort eine Expedition zu den Orang-Utans machen zu können) und Sulawesi nach Flores vorgesehen. Unser neues Crewmitglied, Robin, scheint seetauglich zu sein. Die Fahrt südwärts durch die Chinese Sea bis zur Insel Belitung hat er bereits erfolgreich absolviert. Ist er auch seefest über die ungemütliche Java See? Wir werden es bald aus seiner eigenen Feder erfahren. Ich darf als Schreiberling nun für die nächsten Wochen Pause machen 😊

Es bleibt spannend! Folge der Lupina im Kielwasser!

Ausserplanmässig nach Singapore

25.10. – 26.11.2025

Bevor wir Nagar Ujong westwärts verlassen, erkundigen wir uns im Internet und auf einer WhatsApp Gruppe, wo wir unser Problem mit der undichten Wellenabdichtung gelöst bekommen können. Um die Dichtung zu ersetzen, muss das Schiff aus dem Wasser genommen werden. Bei dieser Gelegenheit wollen wir gleich noch andere periodische Unterhaltsarbeiten, wie etwa ein neues Antifouling (Anstrich des Unterwasserschiffes) und Ersatz einzelner in die Jahre gekommene Borddurchlässe ausführen. Wir schreiben 2 Volvo Vertreter in Jakarta und 2 in Singapore an. Volvo deshalb, weil es der Hersteller der Wellendichtung ist und auch der Motor mal wieder eine Wellnesskur verdient hat. Beide Vertretungen aus Singapore melden sich umgehend, von Jakarta niemand. Schlechte Referenz für Jakarta. Wir hoffen immer noch, dass es in Jakarta klappen könnte, und fahren in Nagar Ujong zusammen mit unserem befreundeten Boot SY Kama los entlang der Nordküste von Flores westwärts.

Der erste Teil der Reise wird zum Tageshüpfen entlang von Flores. Wir freuen uns auf Komodo und Lombok. In Lombok hätten wir nach ursprünglicher Planung das Schiff über Weihnachte stehen lassen und wären in die Schweiz gereist. Wegen dem Wassereinbruch wird nun nichts daraus. Die neue Planung sieht nun vor, zügig in Richtung Jakarta, oder, wenn sich da niemand meldet, der uns helfen kann, direkt weiter nach Singapore zu fahren.
Uns fällt positiv auf, dass in vielen Teilen von Indonesien die Fischer ihr Handwerk nach alten Traditionen ausüben. Das war leider nicht immer so, denn es gab Zeiten, da wurde in Indonesien die Natur mit Dynamit und industrieller Grundfischerei systematisch zerstört. Das scheint nun aber Geschichte zu sein. Je nach Region sind die Boote anders gebaut. Dieses hier hat auf beiden Seiten Ausleger, die in der Schiffsachse an Stangen aufgehängt sind. Aus der Distanz könnte man meinen, es laufe eine Spinne übers Wasser.
Auf der kleinen, vorgelagerten Insel Bampa Barat ankern wir für eine Nacht und geniessen mal wieder einen Spaziergang an einem einsamen Strand mit anschliessendem Schnorcheln zurück auf das Schiff.
Anders als in Australien kann man hier gefahrenlos auch bei Sonnenuntergang um das Schiff schwimmen. Herrlich!
Die Nordküste von Flores ist touristisch praktisch nicht entwickelt. Einzig der westliche Bereich ist vor allem bei einheimischen Touristen als Ausgangspunkt für eine Tour zur benachbarten Komodo Insel sehr beliebt. Auch hier, im bekanntesten Ort der Gegend, Labuan Bajo, findet man aber keine protzigen Hotelbauten, sondern sanften Tourismus. Die Ausflugsschiffe, die zum Teil auch mehrtägige Touren unternehmen, sind praktisch alle noch aus Holz gebaut. Ein Werkstoff, der vor Ort wächst, und den die Einheimischen noch sehr gut zu verarbeiten wissen – ein seit Generationen überliefertes Handwerk.
In den Strassen von Labuan Bajo herrscht ein wuseliges Treiben. Wir erfahren, dass immer noch viel im Tauschhandel funktioniert. So zum Beispiel wird hinter diesen Fischständen in einem gemeinschaftlich betriebenen Restaurant direkt gegessen, was Fischer in der Nacht gefangen und Landwirte auf dem Feld geerntet haben. Jeder trägt auf diese Weise etwas zum üppigen Abendessen bei.
Hier fasziniert uns einerseits die Strassenbautechnik, aber am meisten bestaunen wir die Sonnenhüte der Bauarbeiter!
Nicht unsere Idee! Die Kinder sind uns nachgerannt und wollten, dass wir ein Bild machen von ihnen – fröhliche, unbeschwerte Jugend!
Natürlich geniessen wir auch immer wieder die leckere einheimische Kost: hier frittierte Calamari und Fisch.
Abendstimmung in Labuan Bajo. An vielen Orten ist dem Ufer ein Korallengarten vorgelagert. Damit trotzdem Schiffe anlanden können, haben Hotels und Resorts lange Landestege ins Meer hinaus gebaut. Dieser ist deutlich über hundert Meter lang und sehr robust gebaut.
Von Jakarta haben wir 1 Woche nach unserer letzten Anfrage immer noch keine Antwort erhalten. Wir beschliessen deshalb, von Labuan Bajo aus möglichst zügig durch die Flores See in Richtung Java See zu segeln. Es ist nun der 1. November, und es sind ab jetzt bereits die ersten Monsun Einflüsse zu erwarten. Würden wir länger hierbleiben und müssten dann tatsächlich direkt bis Singapore durchsegeln, hätten wir sowohl starke Winde wie grosse Strömung gegen uns. Die ersten Tage der Weiterfahrt sind sehr angenehm, da es fast keine Wellen hat und einigermassen genug Wind zum Segeln. Das Grosssegel bleibt immer auf Backbordseite, die Genua wechseln wir öfter hin und her zwischen ebenfalls Backbordseite oder dann Steuerbordseite mit Spi-Baum.
Nach ein paar Tagen kündet sich ein Wetterwechsel an. Der Wind dreht und kommt nun aus westlicher Richtung, am Horizont künden sich schwere Regenwolken an – typisches Monsun Wetter.
Es geht nicht lange und wir erleben die ersten Gewitter. Diese beginnen meist mit sich riesig auftürmenden, dunklen Wolken, dann mit einem raschen, heftigen Windanstieg. Am Tag ist das weniger ein Problem, da warnen einem die weissen Schaumkronen auf den Wellen und man kann rechtzeitig reffen. In der Nacht hilft uns das neue Radar, die Regenzellen zu erkennen und entsprechend zu reagieren. Kurz nachdem dann der Regen einsetzt, fällt der Wind zusammen und nach einer halben Stunde ist der ganze Zauber wieder vorbei. Leider sind die Unwetter in dieser Gegend immer öfter von heftigem Blitz und Donner begleitet. Da würden wir gerne unseren 20 Meter hohen Mast einziehen können. Leider geht das nicht, und es bleibt uns effektiv nicht viel anderes übrig, als auf unser Glück zu vertrauen. Blitzeinschläge sind von Seglern sehr gefürchtet, weil es keine nachweislich brauchbaren, zuverlässigen Blitzableiter gibt.
Mit dem Einsetzen der ersten Monsun Ausläufer beginnt eine anspruchsvolle Phase. Die Hauptströmung im Meer fliesst nun von Nordwest nach Südost. Das Bild vom Wetter App «Windy» zeigt die Strömung in der Java See. Der blaue Punkt stellt unsere aktuelle Position dar. In diesem Bereich haben wir mit rund 2 Knoten Gegenstrom zu rechnen.
Bei wenig Wind oder gar Gegenwind wird das Vorankommen in einer Gegenströmung schwer. Wir versuchen in die schwächere Strömung nahe der Küste entlang auszuweichen, um beim Aufkreuzen einigermassen gute Wendewinkel zu erzielen. Wir kommen nur langsam vorwärts. Zum Glück lässt die Strömung im 6 Stunden Takt jeweils nach oder dreht sogar um, das hilft uns mindestens zeitweise beim Vorwärtskommen.
Je näher wir uns im Küstenbereich aufhalten, umso häufiger treffen wir Fischerboote an. Diese sind vor allem nachts von den Seglern gefürchtet, weil sie auf Radar schlecht oder gar nicht zu erkennen sind, weil sie immer wieder unerwartete Richtungswechsel durchführen, und weil sie manchmal mehrere hundert Meter lange Netze hinter sich herziehen.
Dies Typen von Fischerbooten sind sehr schnell. Gefährlich sind sie vor allem, weil man sie auch bei Tageslicht nur schlecht sieht und sie lange Schleppleinen hinter sich herziehen.
Diese kleinen Fischerboote machen uns weniger Sorgen.
Im Kampf gegen Wind und Strom brauchen wir unseren Motor viel häufiger, als geplant. Das letzte Mal haben wir in Australien Diesel gebunkert. Ein Schiff aufzutanken ist in Indonesien recht schwierig. Zum Glück haben wir seit Australien nun auch Starlink an Bord und können vom Schiff aus ins Internet. Dort finden wir heraus, dass wir angeblich auf der Insel Bawean Treibstoff kriegen können. Am 8. November erreichen wir die kleine Insel in der Java See und ankern direkt neben diesen schön bunten Fischerbooten.
Bereits am nächsten Morgen liefert uns Bung Dj Gaul – kurz «Dj» genannt – mit seinen 3 Helfern 400 Liter Treibstoff. Es ist kein Diesel, wie wir ihn kennen, sondern ein aus alten Pneus durch chemische Zersetzung hergestellter Treibstoff, hier «Bio Solar» genannt. Wir waren sehr skeptisch und hatten uns vorher über Internet Foren erkundigt, ob dieser Brennstoff von unserem Motor verwertbar ist. Die Informationen waren durchwegs positiv, jedoch müsse man sehr auf die Sauberkeit achten. Nun, ich lache zwar auf dem Bild, aber 2 Kanister (insgesamt 75 Liter) muss ich schlussendlich zurückweisen, weil es nach meinem Dafürhalten zu viel Dreck und Wasser in der Flüssigkeit hat.
Bei Dj (Mann im Bild) buchen wir für den nächsten Tag eine eintägige Tour. Das Ganze kostet uns umgerechnet 35 Schweizer Franken und beinhaltet ihn als Führer, Auto, Fahrer, Mittag- und Abendessen. Dj ist auf Bawean aufgewachsen und weiss uns viel zu erklären. Es gibt viele Moscheen in Indonesien. Uns fällt aber auf, dass nicht überall der islamische Gebetsruf gleich oft und in der gleichen Intensität vom Minarett aus über die Dächer schallt. Dj erklärt uns, dass in einigen Gegenden die Gläubigen sehr viel Rücksicht nehmen aufeinander, andersgläubige Menschen respektieren. Hier in Bawean erinnern die Muezzins mit ihrem Aufruf zum Gebet nur bei Tageslicht, und nicht auch noch in späten Abendstunden und mitten in der Nacht. Ihr Gebetsgesang tönt auch viel schöner und harmonischer als andernorts.
Baugerüst auf indonesische Art. Bambus ist zwar sehr stabil und tragfähig, trotzdem scheint uns das etwas wackelig.
Das Leben auf dem Land ist sehr einfach.
Nicht ganz SUVA konform: Reparatur einer elektrischen Leitung über einem Bachbett.
Der Ausflug führt uns zu einem bei den Einheimischen als spiritueller Ort bekannten Wasserfall (Gherujhukan Laccar).
Mittagessen beim Wasserfall bestehend aus gebratenem Hühnchen, Reis und Gemüse. Gegessen wird traditionell auf einer Holzbühne, die man überall vor Häusern, in Parks und an Ausflugszielen antrifft. Auf dem Bild unser Fahrer (vorne rechts) und Dj.
Das Leben mag noch so einfach sein – die Indonesier sind sehr sauber.
Die Reisfelder werden sehr sorgsam gepflegt und unterhalten
Unser Abendessen (oder eigentlich ist es ein spätes Nachmittagsessen) hat Dj an unserem letzten Ausflugsziel, einem See, eingeplant. Ganz nach indonesischer Gepflogenheit besorgt er unser Essen in einem Restaurant am Strassenrand. Eigentlich ist es ein Imbissstand mit spartanischer Küche, aus der aber sehr schmackhafte Grillade (in unserem Fall Fisch) gezaubert wird.
Die Besitzerin des Restaurants möchte ein Bild machen mit uns – dafür zieht sie sich extra ein Kopftuch über.
Unser letztes Ausflugsziel, der Lake Danau Kastoba, ein über hundert Meter tiefer Kratersee.
Zum Abschluss möchte uns Dj noch sein Haus und seine Familie zeigen. Wir spüren förmlich, dass es ihm sehr wichtig ist, dass wir seiner Einladung Folge leisten. Sein aus Stein und Beton gebautes Haus ist relativ neu. Möbel gibt es noch keine, dazu hat das Geld bisher nicht gereicht. Die grüne Wolldecke wird extra für uns auf dem Boden ausgebreitet, denn nach indonesischer Sitte gebührt einem Besucher der beste Platz im Haus. Ein bewegender Moment: Dj’s Frau ergreift die Hand von Pia und sucht die Nähe zu ihr.

Noch auf Bawean entscheiden wir, dass wir die Reparatur der undichten Welle und die geplanten Unterhaltsarbeiten nicht in Jakarta, sondern definitiv in Singapur durchführen wollen. Jakarta wäre uns zwar lieber gewesen, da näher und wohl billiger, aber die fehlende Reaktion auf unsere Anfragen lässt uns daran zweifeln, dass es dort klappen würde. Das bedeutet für uns, statt nur noch 350 Seemeilen westwärts bis Jakarta mit einem gut segelbaren Am-Wind Kurs, doppelt so viele Seemeilen genau gegen Wind und Strömung. Also viel Motoren! Noch vor der Weiterfahrt wissen wir, dass wir unterwegs vermutlich nochmals einen Stopp einlegen müssen, um weiteren Treibstoff zu bunkern.

Proviant haben wir genügend an Bord – und dank flacher See fällt Pia auch das Brotbacken unterwegs nicht so schwer.
Für den zweiten Tankstopp auf der ungeplanten Reise nach Singapore wählen wir eine Insel direkt auf unserer Strecke aus: Belitung, eine für die Bewohner der Grossstädte auf Java beliebte Feriendestination.
Belitung ist bekannt für seine grossen Granitfelsen, die überall wie Skulpturen aus dem Meer ragen.
Findige und geschäftstüchtige Einheimische haben erkannt, dass viele ausländische Yachten auf ihrer Weltumsegelung hier vorbeikommen und einen Zwischenhalt einlegen. Kurzerhand haben sie eine Yacht-Club gegründet und bieten ihre Unterstützung und Dienste an. Für uns organisieren die beiden «Unternehmer» Erwan und Eddie zum Beispiel Diesel in bester Qualität, direkt aufs Schiff geliefert. Wir werden gebeten, uns auf ihrer Besucherwand zu verewigen, was wir gerne machen.
Eddie ist ganz stolz auf ein Bild mit Pia

Das Ausklarieren aus Indonesien nach Singapore haben wir in Batam, einer Nachbarinsel zu Singapore geplant. Bei einer Anfrage dort erfahren wir, dass die lokalen Behörden auf den Beizug von «Agenten» bestehen, die ihre «Unterstützung» anbieten zu einer unanständig hohen Geldsumme, die etwa 2 Monatslöhnen eines durchschnittlichen Arbeiters entspricht. Das ist reine Korruption, denn gemäss offiziellen Informationen der Regierung ist der Beizug von Agenten zum Ein- oder Ausklarieren nicht erforderlich. Wir lassen es die Behörden von Batam wissen, dass wir ihr Handeln als illegal betrachten. Wir entscheiden uns, bereits in Belitung auszuklarieren. Ein perfekter Entscheid!

Mit Hilfe eines von Eddie gemieteten Motorrollers klappern wir alle 4 erforderlichen Ämter (Gesundheit, Zoll, Immigration und Hafenmeister) ab.
Beim Zoll werden wir sogar mit einem frisch gebrühten indonesischen Kaffee verwöhnt, während wir auf die Dokumente warten.
Soeben sind wir zum Belitung Yachtclub zurückgekehrt, ausklariert und bereit für das letzte Teilstück nach Singapur. 350 anstrengende und anspruchsvolle Seemeilen warten auf uns – aber die Moral der Crew ist gut!
Die Strecke nach Singapore (schwarze Linie) verläuft entlang der Ostküste von Sumatra durch die Natuna See. Hier erwarten uns starke Strömungen und flaches Wasser mit vielen Untiefen und Inseln. Das Bild zeigt die Strömung in diesem Gebiet zu einer bestimmten Zeit, wobei Grün leichte Strömung, Gelb mittlere und Rot starke Strömung bedeuten. Mit Gezeiten und Windstärke verändern sich deren Richtung und Stärke. Wir wissen: die meiste Zeit ist die Strömung gegen uns, der Wind ist es in dieser Jahreszeit immer. Aber: da der Wind eher schwach ist dürften die Wellen nicht zu hoch sein. Immerhin etwas!
Je mehr wir uns Singapore nähern, umso intensiver wird der Schiffsverkehr. Die grossen Frachter bereiten uns keine Sorgen. Mühsamer sind da eher die Fischerboote aus Holz, die man auf dem Radar nicht erkennen kann, oder dann diese Schleppverbände: ein relativ kleiner Schlepper, der in einem Abstand von ungefähr 500 Metern ein riesiges Floss hinter sich herzieht. Geraten wir da mit unserem Segelboot dazwischen – dann wird’s lebensgefährlich.
Nebst den oben beschriebenen Herausforderungen plagen uns auch immer wieder heftige Gewitter, die für diese Region in dieser Jahreszeit ganz normal sind. Unsere Aufmerksamkeit wird stark beansprucht.
Ein kleiner Nebeneffekt unserer unplanmässigen Reise nach Singapore: wir haben keine Gastlandflagge an Bord. Kurzerhand schnappt sich Pia eine andere an Bord befindliche Flagge, schnippelt da den blauen Teil weg, so dass nur noch die rote und weisse Fläche übrigbleiben, und näht dann darauf aus weissen Stofffetzen Mond und Sterne, welche die Singapore Fahne zieren.
Am 27. November 2021 haben wir auf dem Weg von Panama nach Galapagos den Äquator von Norden nach Süden überquert. Seither haben wir uns auf der Südhalbkugel aufgehalten. Nach ziemlich genau 4 Jahren, am 18. November 2025, überfahren wir den Äquator erneut, diesmal von Süd nach Nord – wir sind zurück auf der Nordhalbkugel. Der Pfeil zeigt den Moment, wo wir bei 104 Grad und 12.656 Minuten östliche Länge über die Nulllinie fahren.
Letzter Sonnenuntergang, die letzte Nacht auf See beginnt. Die Fahrt von Belitung nach Singapore verläuft absolut problemfrei, und trotzdem wird sie eingehen in eine unserer unbeliebtesten Fahrten, denn praktisch die ganze Zeit brauchen wir den Motor. Ohne dessen eisernen Schub würden wir uns jetzt noch mit Aufkreuzen abmühen. Einmal mehr sind wir uns bewusst, welche enormen Leistungen die Segler vor der Motorisierung vollbracht haben.
Bei Tagesanbruch legen wir vor der Einfahrt in die sehr stark befahrenen Verkehrsgebiete von Singapore einen kurzen Zwischenstopp ein und lassen uns treiben: die Gastlandflagge von Singapore und die gelbe Q Flagge (Quarantäne) wollen gesetzt werden.
Am 19.11.2025, um 9 Uhr, erreichen wir nach fast 70 Stunden Motorfahrt den Hafen von Singapore. Das Bild zeigt den markanten Leuchtturm der Raffles Marina mit der malaysischen Stadt Johar im Hintergrund.
Während wir die Arbeiten für unsere Lupina und die Flüge für unsere Weihnachtspause in der Schweiz organisieren, bleibt uns genügend Zeit, die Infrastruktur einer der berühmtesten Marinas zu geniessen.

Ursprünglich wollten wir das Schiff gleich nach unserer Ankunft aus dem Wasser holen. Die Leckage an der Welle hat sich aber in den letzten Tagen deutlich reduziert, und die automatische Bilgen Pumpe fördert das eindringende Wasser mühelos und zuverlässig aus dem Schiffsbauch. Hauptgrund für die Planänderung ist aber eine blockierte Bankzahlung. Verständlicherweise verlangen Unternehmen in der Schifffahrtsbranche eine Anzahlung, bevor sie mit ihrer Arbeit beginnen. Diese haben wir via Bankzahlung auch getätigt, aber das Geld ist nicht beim Unternehmen eingetroffen. Unsere Nachforschung ergibt, dass eine bankinterne KI-Software unsere Zahlung als mögliche Umgehung eines Embargos gegen Syrien identifiziert hat, da die Buchstaben SY nebst Segel Yacht auch als Abkürzung für Syrien stehen. Die Amerika hörige Grossbank UBS lässt grüssen – bis heute ist es uns nicht gelungen, die Zahlung frei zu bekommen.

Lupina bleibt bis zu unserer Rückkehr Mitte Januar 2026 in der Raffles Marina, Singapore. Erst dann wird sie aus dem Wasser geholt für die Reparatur der Wellendichtung und den geplanten Unterhalt.

An dieser Stelle schliessen wir das Segeljahr 2025 ab und freuen uns auf ein paar Wochen mit unseren Familien und Freunden in der Schweiz. Euch allen wünschen wir einen schönen Rest des Jahres und freuen uns darauf, euch auch im kommenden Jahr mit an Bord nehmen zu dürfen. Als kleines Geschenk an euch werden wir in der Festtagszeit das bisher nicht veröffentlichte Video unserer Landreise ins Herz von Australien hochschalten.

Es bleibt spannend! Folge der Lupina im Kielwasser!

Von Darwin nach Indonesien

4.10. – 25.10.2025

In diesem Bericht nehmen wir dich mit auf die Überfahrt von Darwin (Australien) nach Indonesien. Die Kleinstadt Kupang auf West Timor ist unsere erste Anlaufstelle, wo wir das Einklarieren vornehmen wollen. Danach segeln wir zunächst weiter nordwärts, schlängeln uns durch die Inseln östlich von Flores durch, um dann westwärts abzubiegen und der Nordküste von Flores zu folgen.
Aber alles der Reihe nach. Lupina freut sich über unsere Rückkehr vom Landausflug ins rote Zentrum des Australischen Kontinentes und liegt ruhig am Pier der Cullen Bay Marina in Darwin (Schiff links am Pier). Sie wartet allerdings mit einer Überraschung auf uns: der Kühlschrank kühlt nicht mehr. Kurzer Schock, denn wir haben unsere Ausklarierung mit den Behörden auf den kommenden Dienstag, 7.10.2025 festgelegt. Nur ein Woche Zeit um den Kühlschrank zu reparieren! Ob das reicht?
Über das Marina Büro erhalten wir eine Telefon Nummer, wo wir Hilfe bekommen können. Wir haben Glück! Noch am selben Tag unseres Anrufes kommt ein Service-Techniker vorbei. Schnell findet er heraus, dass unser Verdampfer (das rechteckige Kühlelement im Bild) eine Leckage hat und ersetzt werden muss. Der Hersteller hat eine Vertretung in Australien und der hat tatsächlich ein Ersatz an Lager. Per Express wird das Teil innerhalb weniger Tage nach Darwin geschickt und am Freitag vor unserer Abreise eingebaut.
Der Kühlschrank ist wirklich im richtigen Ort ausgestiegen. Der Techniker, der uns das Gerät repariert, ist ein absoluter Profi. Er hat von Angang an alles nötige Werkzeug dabei. Das Problem, das ihm der Hersteller gemacht hat, löst er nach kurzer Rücksprache meisterlich: die Anschlüsse des neuen Gerätes haben eine andere Dimension. Kurzerhand trennt es diese ab und lötet die Leitungen einfach zusammen. System neu befüllt und auf Druckverlust und Leckage getestet – alles gut. Am Samstagnachmittag ist unser Kühlschrank repariert – der Abreise steht nichts mehr im Wege.
Trotz der Hektik um den Kühlschrank können wir das Zusammensein mit anderen Seglern, die wir hier in der Marina treffen, geniessen. Marianne und Uwe sind wie wir mit ihrem Segelschiff «Pangaea» auf Weltreise. Über andere Segler sind sie auf uns aufmerksam geworden und haben uns angeschrieben. Nun treffen wir das sympathische Paar, das in der Schweiz lebt, in Darwin zum ersten Mal und verstehen uns gleich auf Anhieb.
Dann ist es soweit: der letzte Sonnenuntergang in der Cullen Bay Marina. Morgen, am 7.10.2025, geht es los!
Bei Sonnenaufgang werden bekanntlich die Fahnen gehisst. Ist auch bei uns so. Heute, am Tag der Abreise, wird aber die Alte, die uns über ein Jahr gedient hat, durch eine Neue ersetzt.

Pünktlich um 9 Uhr erscheinen die Behörden, aber das Ausklarieren in Darwin wird zur Tortur: über eine Stunde lang durchwühlen 4 Beamte der Australischen Zollbehörde unsere Lupina. Sie sind zwar sehr freundlich und erklären uns bereitwillig, warum sie jedes Schiff so genau untersuchen müssen. So richtig begreifen tun wir es bis heute nicht, denn beim Einklarieren in Gold Coast kam nur ein Beamte kurz an Bord und hat gar nichts angeschaut. Wie wenn wir etwas aus Australien illegal entführen wollten. Egal: nachdem wir gut eine Stunde auf dem Pier neben der Lupina gestanden sind (wir durften während der Wühlaktion nicht an Bord sein), geben uns die Beamten das Schiff zurück und wir dürfen endlich lossegeln. Unseren Freunden von der SY Kama, die direkt nach uns ausklarieren, ergeht es genau gleich: auch sie erleben eine einstündige, akribische Durchsuchung des Schiffes.

Kühlschrank läuft – gestempelte Ausklarierungspapiere in der Hand – 500 Seemeilen warten auf uns. Aber der Wind lässt uns im Stich! Die ersten Stunden können wir zwar segeln, jedoch kommt der Wind mehrheitlich auf die Nase und wir müssen aufkreuzen. Bei wenig Wind ist das aber nicht so schlimm. Kurz nach Mitternacht des ersten Tages fällt der Wind dann ganz zusammen und wir müssen unseren Kari, den Motor, starten. Auch bei Sonnenaufgang (Bild) zeigt sich kein Lüftchen, dafür ist das Meer absolut flach.
Wir wählen absichtlich eine nördliche Route, weil uns da die Wetterprogramme Wind versprechen. Fehlanzeige! Rund 32 Stunden lang brummt der Motor gemütlich vor sich hin. Ein Frust für einen Segler! Aber alles hat auch seine guten Seiten: in unserem Fall ist es eine fantastisch gute Rösti, die Pia bei ruhigem Seegang von der Bordküche auf den Tisch zaubert.
Dann endlich, gegen Abend des 2. Tages auf See kräuseln sich die Wellen, der Himmel klart auf und Wind setzt ein.
Von nun an geht die Reise unter Segeln weiter. Nicht schnell zwar, aber immerhin, wir können segeln. Im Morgengrauen des 4. Tages auf See erscheint Timor am Horizont.
Hatten wir bei den letzten längeren Überfahrten immer Glück und sind jeweils ohne Probleme und Ausfälle durchgekommen, gibt es bei dieser Überfahrt zwei bösere Überraschungen. Bei einer Routinekontrolle entdecke ich, dass die Wellendichtung defekt ist und ihre Aufgabe nicht mehr erfüllt: Wassereintritt!! (deutlich zu sehen im Bild). Nach kurzem Schock setzt das rationale Denken wieder ein. Das Schiff geht nicht gleich unter deswegen. Das Wasser läuft dem Boden entlang in die Bilge, dem tiefsten Punkt im Schiff. Dort ist eine elektrische Pumpe installiert, die sich automatisch einschaltet, wenn ein bestimmtes Niveau erreicht ist. Kurzer Check: ja, sie funktioniert. Somit können wir vorerst weiter Segeln, müssen die Entwicklung aber genau verfolgen.
Ich habe von zwei bösen Überraschungen gesprochen. Nun, die Zweite ist nicht so gefährlich wie die Erste, und wir können eine Lösung finden. Der «Mastervolt» Stromtransformer (montiert im Motorraum, markiert mit dem gelben Pfeil) gibt unterwegs mit einem lauten Knall den Geist auf. Das Gerät brauchen wir, um von 12 Volt der Batterie 220 Volt für unsere Verbraucher (zum Beispiel die Computer) zu bekommen. Ich finde eine Lösung bei unseren Ersatzteilen. Ich habe mal einen 110 Volt Transformer gekauft, den ich nun wieder aktiviere. Alle Geräte, die den Strom von 220 Volt mit Ladegeräten wieder runter auf 5 Volt, oder was auch immer sie brauchen, transformieren, funktionieren auch mit 110V.
Probleme vorerst umschifft und wir sind in der Zieleinfahrt – die gute Laune ist zurück.
Es ist Zeit, die Indonesische und die gelbe Quarantäne Flaggen zu hissen.
Beim ersten Kontakt mit Indonesiern merken wir: wir sind in einem anderen Land! So schön – hier winken einem die Leute wieder zu, lachen einem an. Etwas, was uns in Australien sehr gefehlt hat.
In Kupang angekommen werden wir von der Quarantäne-Behörde aufgefordert, sie am Land abzuholen und mit unserem Dinghi zum Schiff zu bringen. Es herrsch ein emsiges Treiben. Zwischen zwei trocken gefallenen Fischerbooten können wir an Land gehen. Wir treffen einen Service an, denn wir noch nie hatten: der Mann im roten Hemd nimmt uns gleich in Empfang, befestigt unser Dinghi an einem seiner Steine und bewacht es die ganze Zeit, in der wir an Land sind. Bei einem Tidenhub von rund zwei Metern eine sehr beruhigende und willkommene Dienstleistung.
Die zwei Männer der Quarantäne haben ihren Papierkram an Bord schnell erledigt, und wir tauschen sie mit unserem Dinghi gegen die Beamten vom Zoll aus. Im Gegensatz zu den ersten Besuchern erledigen diese ihren Auftrag sehr professionell.
Zum Abschuss der Kontrolle ein Gruppenbild. Selfies machen ist eine ausgeprägte Leidenschaft der Indonesier, wie wir schnell merken werden.

Die Kontrollen an Bord sind abgeschlossen, nun geht es weiter mit den Behördengängen an Land. Im Verlaufe der nächsten zwei Tage geht es der Reihe nach zum Zoll, zur Quarantäne, zur Immigration, zurück zum Zoll und zum Abschluss dann zum Hafenmeister. Jedes Amt stellt diverse Dokumente aus und macht sie mit Stempel und schwungvollen Unterschriften gültig. Auf allen Papieren, die wir einreichen, erwarten sie den Schiffsstempel und meine Unterschrift. Einen Schiffsstempel haben wir natürlich nicht, aber Pia hat mal einen privaten Stempel machen lassen. Damit sind die Behörden auch zufrieden.

Die Büros der Behörden liegen mehrere Kilometer auseinander, befinden sich am Flughafen oder im Handelshafen. Wir liegen irgendwo dazwischen. Zu weit und zu heiss, um die Behördengänge zu Fuss zu absolvieren. Wir mieten uns ein Taxi und geniessen es, entspannt die Strassenszenen zu beobachten.
Darauf haben wir uns gefreut: die Frucht- und Gemüsehändler. Direkt bei der Anlegestelle für unser Dinghi finden wir auch gleich die von uns heiss geliebten Mangos – frisch vom Baum.
Wasser und andere Getränke? Nein – aufgepasst! Hier handelt es sich um Benzin für die Mopeds.
Für den Personentransport und zum Fischen werden Langboote von unterschiedlicher Grösse verwendet. Alle sind aus Holz gebaut und verlangen entsprechenden Unterhalt. Das Bild zeigt eine typische Werft für solche Boote. Das Schiff in der Mitte erhält gerade einen neuen Aufbau. Andere Schiffe warten auf die Ausschlachtung und die Wiederverwendung noch brauchbarer Teile.
Etwas mehr als zwei Tage nach dem Besuch der Quarantänebeamten erhalten wir den letzten Stempel mit Unterschrift. Mit seinem Papier bestätigt der Hafenmeister, dass wir von allen Behörden geprüft und als gut befundet worden sind. Somit sind wir offiziell einklariert und dürfen uns nun frei in indonesischen Gewässern bewegen. Ein fast feierlicher Moment 😉
Gleich am nächsten Tag nutzen wir unsere wieder erlangte Freiheit. Bei herrlichem Wetter, leichtem Wind und flachem Meer lichten wir den Anker und segeln weiter. Unser Ziel ist die Nordküste der Insel Flores. Dazu müssen wir von Kupang aus zuerst nordwärts über die Savu See und durch eine von vier möglichen Passagen durch eine Zeile von Vulkaninseln hindurch in die Flores See. Weil wir starke Strömungen erwarten, wählen wir den breiten Durchgang von «Selat Boleng». Die Fahrt führt uns an typischen Vulkankegeln vorbei.
Die ganze Strecke beträgt etwas mehr als 130 Seemeilen. Es ist eine Nachtfahrt erforderlich. Obwohl wir uns vorgenommen haben, dass wir in Indonesien keine Nachtfahrt machen wollen (viele unbeleuchtete Schiffe, Fischnetze und andere in der Nacht unsichtbaren Hindernisse), geht es nicht anders. Wir planen die Fahrt aber so, dass wir während der Nacht das Durchfahrtsgebiet der grossen Frachtschiffe passieren. Hier erwarten wir keine dieser von Seglern gefürchteten Hindernisse anzutreffen. Alles geht gut und wir erreichen nach rund 35 Stunden Fahrt unseren Ankerplatz auf der Insel Adonara.
Am nächsten Tag verholen wir 5 Meilen westwärts in die grosse Bucht von Sagu. Hier gibt es ein kleines Dorf und wir freuen uns auf einen Landgang.
Wir wandern auf einem Fussweg dem Ufer entlang. Bei einem kleinen Fluss hören wir schon von Weitem Stimmen und Kindergeschrei. Wir kommen näher und bevor wir die Waschfrauen im Fluss richtig sehen können, rufen sie uns zu: «Hello Mister! Come, come!». Ach, was für ein fröhlicher Empfang. Die Frauen unterbrechen ihre Tätigkeit und umringen uns. Sie freuen sich sichtlich über dieses aussergewöhnliche Ereignis und an einer willkommenen Pause. Eine junge Frau reicht uns unbekannte, rote Früchte und bedeutet uns, dass wir sie essen sollen. Die süss-saure Frucht schmeckt ausserordentlich erfrischend.
Wir brauchen nicht darum zu bitten – sie fordern uns selber auf, doch bitte Fotos zu schiessen. Ein der Frauen schnappt meine Sonnenbrille und wirft sich neben Pia in Pose. Nach meinem Bild wollen auch alle anderen noch ein Selfie von der Gruppe schiessen. So herrlich!
Typische Langboote. Diese hier werden als Fähren benutzt. Das Knattern der Motoren (vermutlich grossvolumige Einzylinder-Maschinen) erinnert an einen Presslufthammer oder an die alten Einachser der Bauern in unserem Dorf vor 60 Jahren.
Wir sind definitiv eine Attraktion im Dorf. Die Kinder folgen uns auf Schritt und Tritt. Unterhalten können wir uns – der Technologie sei gedankt – mit einem Übersetzungsprogramm auf unseren Handys. Unsere ins Gerät diktierte Frage «spielt ihr gerne Fussball?» wird über Lautsprecher in für uns unverständlichen Worten wider gegeben, worauf die Jungs mit einem lautem Bestätigungsgeschrei antworten: «Messi! Messi! – Ronaldo! Ronaldo!». Die Welt ist hier noch in Ordnung.
Leider bedeutet Segeln auch immer wieder Abschied nehmen. Am Tag nach unserem Besuch im Dorf geht’s schon wieder weiter westwärts. Auf dieser Fahrt bestätigt sich auch, was wir schon öfters gelesen hatten. Überall schwimmen solche rund ein Kubikmeter grosse Klötze im Wasser. Manchmal sind es auch zwei Meter grosse Flosse aus Bambus. Alle haben denselben Zweck: durch ihren Schatten kleine Fische anziehen. Diese wiederum locken grössere Raubfische an, die dann, so hoffen die Fischer, in ihren Netzen hängen bleiben. Schon tagsüber schlecht sichtbar, sind solche FAD («Fisch Attracting Devices») in der Nacht gefährliche Hindernisse, die Schäden am Rumpf oder Ruder verursachen können.
Die Fischer in ihren kleinen Kanus beobachten das Wasser sehr intensiv. Wellen, Vögel und Geräusche verraten ihnen, wo sie das Netz auslegen sollen.
Am 19. Oktober setzen wir über auf die Insel Flores. Die ersten eineinhalb Stunden der 55 Seemeilen langen Fahrt herrscht absolute Windstille. Die Wolken über den Bergen deuten aber bereits an, dass bald ein Küstenwind einsetzen wird.
Der Wind bläst mittlerweile querab und wir machen nun unter Segeln gute Fahrt. Kurz vor Sonnenuntergang erreichen wir unseren Ankerplatz.
Gut ausgeschlafen geht es am nächsten Tag bereits wieder weiter. Diesmal sind es «nur» 40 Seemeilen. Auch heute wieder: am Morgen früh noch kein Wind, aber sobald die Thermik an der Küste entlang zu funktionieren beginnt, können wir segeln. Am neuen Ankerplatz, in der Batu Boga West Bucht, leben Fischer mit ihren Familien. Die besuchen uns auch gleich mit dem Kanu und fragen uns nach Taucherbrillen und T-Shirts. Im Gegenzug kommen frische Kokosnüsse auf die Lupina.
In einem kurzen Hüpfer geht es weiter zum nächsten Ankerplatz, nach Nagar Ujong. Eigentlich hat es seit mehreren Tagen keinen Wind, aber das hohe Vulkangebirge hilft uns. Dank der Thermik weht am Morgen ein Wind vom Land zum Meer. Im Verlaufe des Tages dreht dieser und bläst vom Meer zum Land. Für uns bedeutet dies wunderbare Segelbedingungen mit leichten Winden querab und flache See. Bei solchen Verhältnissen macht es auch nichts, wenn ein Ankerplatz, wie derjenige von Nagar Ujong, einem auflandigen Wind ausgesetzt ist. Der Schwell bleibt flach und der schwache Wind reisst nicht an der Kette.
Eine Fähre rauscht an unserem Ankerplatz vorbei. Der Anker liegt bereits bereit und die Kinder freuen sich auf einen Sprung ins kühlende Nass.
Den Ankerplatz von Nagar Ujong haben wir gezielt angesteuert, weil sich von hier aus gut ein Ausflug zum Kelimutu Nationalpark organisieren lässt. Auf der Insel Flores gibt es 14 aktive Vulkane. Obwohl letztmals 1968 ausgebrochen zählt auch der Vulkan Mount Kelimutu dazu. Das Spezielle hier sind die drei Kraterseen, welche ständig ihre Farbe wechseln.
Der Aufstieg zum Rande des Hauptkraters auf rund 1’600 Metern über Meer ist kurz und einfach.
Der Gipfel des Kelimutu ist erreicht. Leo, der Fahrer, der uns für umgerechnet 75 Schweizer-Franken einen ganzen Tag lang mit seinem Auto über die Insel fährt und uns verschiedene Sehenswürdigkeiten zeigt, hält den Moment für unser Album fest.
Auf dem Gipfel des Kelimutu. Unter uns 2 der 3 Kraterseen. Der eine blau, der andere leicht gelblich. Die unterschiedlichen Farben ergeben sich aus verschiedenen Mineralien und Schwebstoffen, unterschiedlichen Temperaturen und Mikroben, die das Licht unterschiedlich reflektieren. Die Farben wechseln über die Jahre, je nachdem, wie sich das Wasser zusammensetzt. Die Seen können weiss, blau, grün, rot oder schwarz sein.
Bei unserem Besuch ist die Farbe des 3. Kratersees gerade schwarz.
Nach dem Nationalpark fahren wir zu einem Wasserfall. Der Wasserfall selbst ist zwar nicht so spektakulär, aber der Weg dorthin entpuppt sich als kleiner Geschicklichkeitsparcours. Pia schafft es locker – auch meine Füsse bleiben trocken.
Geschicklichkeitsparcours überwunden: Pia und Margrit von der SY Kama, die mit ihrem Mann Ernst unseren Ausflug mitmacht, sind sichtlich erleichtert.
Sattgrüne Reisfelder unterwegs im Landesinnern.
Die Strassen und vor allem die Fahrzeuge und deren Zustand darf man ruhig als abenteuerlich bezeichnen. Einmal sehen wir unterwegs einen Kleinbus, der vom Chauffeur absichtlich in den Strassengraben gesteuert wurde. Die Bremsen hatten versagt und nur so konnte er sein Fahrzeug stoppen. Der LKW auf dem Bild hatte einen so stark abgelaufenen Reifen, dass dieser einfach geplatzt ist.
Der Besuch eines traditionellen Dorfes wird zum Highlight unseres Landausfluges. Im Dorf Wologai halten die Einwohner an ihren seit Generationen überlieferten Bräuchen und Gepflogenheiten fest. Zum Zeitpunkt unseres Besuches bereiten die Männer gerade ein Fest vor.
Die Häuser sind komplett aus Holz gebaut, vorwiegend Bambus und Zedernholz. Jeder Clan besitzt ein eigenes Haus, das jeweils nach dem Tod des Oberhauptes der nächsten Generation weitergegeben wird. Die Gebeine des Oberhauptes werden am Fuss der Eingangstreppe vergraben. So kann es auch nach dem Tode dafür sorgen, dass es dem Clan gut geht.
Die Wickelröcke von Mann und Frau haben unterschiedliche Farben. Auch die Aufgaben sind klar geregelt: während die Männer das Fest, an dem nur Männer teilnehmen dürfen, vorbereiten, sorgen die Frauen für das leibliche Wohl.
Leo, der Sprecher des Dorfes und in der Hierarchie nach dem Chief die Nummer Zwei im Dorf, spricht zu unserem Erstaunen recht gut Englisch. Er kann uns viel über die Geschichte des Dorfes und seine Einwohner erzählen. Die Verzierungen und Schnitzereien auf den Holzbalken sagen etwas über den Clan aus, der in diesem Haus lebt.
Interessiert werden wir Fremdlinge auf Schritt und Tritt beobachtet.
Zum Abschluss der Dorfbesichtigung lädt uns Sprecher Leo sogar in sein Haus ein. Ein traditionelles Haus besteht im Grunde aus einem einzigen Raum, der durch Tücher und Holztafeln flexibel unterteilt werden kann. Auch die Küche, eine einfache Feuerstelle (Bild) befindet sich in diesem Raum. Die hohe Dachform erlaubt es dem Rauch, nach oben zu entweichen.
Auch im traditionellen Dorf reagieren die Leute sehr positiv, wenn man um ein Foto bittet. Sprecher Leo, unser Dorfführer, setzt sich jedenfalls ohne zu Zögern bereitwillig zu uns für ein Gruppenbild (Margrit und Ernst, SY Kama; Sprecher Leo und wir).

Nach dem sehr interessanten und lehrreichen Landausflug geht es nun wieder weiter der Nordküste von Flores entlang. Die Wasserleckage an der Wellendichtung haben wir vorläufig im Griff, versuchen aber intensiv, eine Möglichkeit zu finden, wo wir das Schiff aus dem Wasser holen können für eine Reparatur. In diesem Teil von Indonesien findet sich jedoch nichts. Also geht es mit diesem Handicap vorläufig weiter westwärts.

Es bleibt spannend! Folge der Lupina im Kielwasser!