
Bevor wir uns aber nach der fast 12 tägigen Überfahrt im angenehm warmen Wasser erfrischen können, müssen wir zuerst einklarieren und alle Formalitäten erledigen. Erst dann dürfen wir die gelbe «Q» Flagge entfernen und können uns frei bewegen. Wir werden vom Hafenmeister an den Zoll Pier beordert, wo wir seit der Abfahrt von Fogo erstmals wieder Landkontakt haben. Innerhalb von rund 2 Stunden hat Köbi (dies muss immer der Skipper erledigen) den ganzen Einklarierungsprozess erledigt und dabei nacheinander Gesundheitsbüro, Immigration, Zoll und nochmals Immigration durchlaufen. Alles läuft ruhig, gelassen, freundlich und sehr zuvorkommende ab.






Barbados ist als östlichste Insel der kleinen Antillen der erste mögliche Landfall nach einer Atlantiküberquerung. Die Infrastruktur für Segelschiffe ist sehr rudimentär, da ausser den paar Atlantiküberfahrern nur wenige Segelschiffe den mühsamen Weg gegen den Wind von den kleinen Antillen ostwärts nach Barbados auf sich nehmen. Barbados war über drei Jahrhunderte lang eine Britische Kolonie, bis es 1966 die Unabhängigkeit erlangte. Land und Leute sind aber auch heute noch «very Britisch». Heute leben rund 290’000 Einwohner hier. Die Bevölkerung setzt sich hauptsächlich aus Leuten afrikanischer (95%) und europäischer Herkunft (5%) zusammen.
Der erste Eindruck für uns, die wir von den Kapverden kommen, ist ein kleiner Kulturschock: mit Autos überfüllte Strassen, heruntergewirtschaftete Häuser und Umgebung, überall Abfall und Schmutz. Die ersten beiden Tage in Bridgetown, immerhin Hauptstadt der Insel, haben dieses Bild nicht verbessern können. Immerhin einige alte Kolonialgebäude versucht die heutige Regierung zu erhalten und diese touristisch zu nutzen. Ein eigentliches Stadtzentrum mit Park oder Einkaufsmeile, gemütliche Strassenbeizen oder Ähnliches, das zum Flanieren einlädt, haben wir nicht gefunden.










Entlang der schönen Strände hat es viele Hotelanlagen und Clubs. «Perfekt!» würde man denken. Nicht so für uns. Da wir keine «all inclusive» Hotelgäste sind und auch keinerlei Club-Mitgliedschaft vorweisen können, bleibt uns der Zutritt oder die Bedienung in den zum Teil wunderschön gelegenen Bars oder Restaurants verwehrt. Schade, aber macht nichts. So sind wir motiviert, uns vom Strand zu lösen, und uns mehr für Land und Leute zu interessieren.



Wir erleben die Leute von Barbados als sehr offen, freundlich und hilfsbereit. Pia empfindet ihre Offenheit anfänglich als ein wenig zu aufdringlich. Als sie aber merkt, dass ein «Nein» von einem Strassenverkäufer positiv quittiert wird und er nicht mehr nachdoppelt, kann auch sie das Bad in der Menschenmenge geniessen und sich auf ein spontanes Gespräch einlassen. Immer wieder erleben wir, dass Leute von sich aus auf uns zukommen, wenn sie sehen, dass wir auf der Suche sind. Oder als wir einmal, um unsere Strassenkarte zu studieren, mit einem Mietwagen am Strassenrand stehen, macht uns ein Fussgänger von sich aus darauf aufmerksam, dass wir gerade auf der falschen Strassenseite stehen (hier herrscht Linksverkehr wie in England) und bei der Weiterfahrt aufpassen sollen.
Obwohl die Strassen gerade in und um Bridgetown sehr überlastet sind, ist Autofahren hier ein Vergnügen. Es wird sehr ruhig und zuvorkommend gefahren. Man hat Zeit und schaut füreinander. Wenn man das Auto mal nicht ganz regelkonform parkiert hat, wird man sofort darauf aufmerksam gemacht mit dem freundlich gemeinten Hinweis, dass die Polizei hier sehr streng sei. Es wird generell grosszügig Rücksicht genommen aufeinander. Diese Rücksichtnahme aufeinander stellen wir in vielen Lebenssituationen fest und wir haben ein sehr positives Bild von den Bajanern, den Einwohnern hier, erhalten.


Während der Küstenbereich im Westen und Süden sehr dicht überbaut und bevölkert ist, gibt es im Osten und im Zentrum der Insel Landwirtschaft und viel urwaldähnliche Vegetation.



Es gibt in diesem Urwaldgebiet mehrere «Parks». Hier werden die All Inclusive Touristen und Kreuzfahrtschiff-Passagiere «busweise hingekarrt» und im Schnellverfahren durch den ihnen unbekannten Urwald geschleust. Eine einstündige Rundwanderung ist für 30 USD p.P. zu haben. Für das Lohnniveau eines einheimischen Angestellten ein kaum erschwingliches Erlebnis. Uns sind auch die verhältnismässig hohen Kosten für Lebensmittel im Supermarkt aufgefallen, und wir fragen uns echt, wie das die einfache Bevölkerung hier bezahlen kann

Barbados ist übrigens nicht vulkanisch, wie man erwarten könnte, sondern ist durch Erdverwerfungen aus dem Meer gehoben worden. Der Untergrund besteht hauptsächlich aus Karst-, Sediment- und Kalkgestein. Das reichlich vorhandene Regenwasser versickert leicht darin und sorgt als Grundwasser für eine gute Trinkwasserversorgung. Auf dem Weg durch den Boden spült sich das Wasser oftmals Kavernen und Höhlen frei. Einige davon sind in den letzten Jahren entdeckt und touristisch zugänglich gemacht. Hier besuchen wir das bekannteste Höhlensystem der Insel: den Harrison’s Cave



Heute Montag haben wir uns bei den Behörden von Barbados abgemeldet (in der Fachsprache: wir haben ausklariert), lichten den Anker und fahren am späten Nachmittag los in Richtung Saint Lucia, wo wir am Dienstagvormittag nach einer hoffentlich gemütlichen Nachtfahrt in der Rodney Bay ankommen sollten. Hier in Barbados haben wir uns absolut sicher gefühlt und wir haben auch nie von Diebstählen und Überfällen auf Yachten gelesen. Dies wird sich nun vermutlich ändern. Laut Internet und einschlägiger Fachliteratur gibt es gerade auf den nächsten Inseln, die wir anfahren werden, eine sehr hohe Rate an krimineller Aktivität. Das heisst für uns dann: immer alles unter Verschluss halten. Schade eigentlich!

Köbi bereitet sich auf’s Eidgenössische Turnfest in Aarau vor: hier beim Moosgummilauftraining, das ihm von Strihn aufgetragen wurde 😊
Ihr Lieben…. Weiter so…und hoffentlich keine bösen Überraschungen! Wünschen euch alles Gute… ♀️♂️
hoi zäme
wieder ein total interessanter bericht und so gut geschrieben! köbi, schreib doch ein buch. oder bist gar schon dran?
liebste hodelwättrigi grüess und keine unannehmlichkeiten!
morena