Ia orana Fakarava – maururu!!

Am 30. Juni 2022, nach einem gemütlichen Frühstück vor Anker bei Punaruku am Ost Riff von Makemo gehen wir Anker auf und nehmen die rund 90 Seemeilen lange Überfahrt nordwestwärts nach Fakarava in Angriff. Die Passdurchfahrt im Norden von Makemo ist bei den jetzigen Gezeiten um die Mittagszeit ideal. Wir beabsichtigen, das nächste Atoll an seinem Südende anzusteuern. Dort ist die Einfahrt ebenfalls um die Mittagszeit am besten. Wir hätten also genügend Zeit für eine gemütliche Fahrt. Die Wettervorhersage präsentiert sich aber nicht so toll: starker Wind 20-25 Knoten (zum Glück eher von hinten) und 2-3 Meter hohe Kreuzsee, also Wellen vom Südwesten (Ausläufer eines Tiefdruckgebietes) überlagert mit Wellen von Osten. Die Fahrt dürfte also recht rollig werden. Wir wären lieber erst ein paar Tage später losgesegelt, aber wir haben der SY Maramalda versprochen, das ausgeliehene Werkzeug wieder zurückzubringen. Zuerst ist der Wind aber um einiges schwächer, wie angesagt. Wir setzen nach der Ausfahrt aus dem Makemo Atoll volles Tuch und machen trotzdem nur etwa 3 Knoten Fahrt. Stört uns wenig, wir haben ja Zeit. Gegen Abend legt der Wind kräftig zu und die Wellen treffen uns, nachdem wir aus der Abdeckung von Makemo raus sind, in voller Breite. Obwohl wir mittlerweile das Grosssegel komplett eingerollt haben und auch das Kuttersegel gerefft ist, schiebt uns der Wind mit 6 Knoten durch das Wasser. Wir sind viel zu schnell! Wir rechnen aus, dass wir noch vor Tagesanbruch beim Süd-Pass von Fakarava eintreffen werden. Dann müssten wir im Luv des Riffes warten, bis die Einfahrt möglich ist. Zudem sind Wind und Wellen genau auf die Einfahrt gerichtet. Das könnte bei der engen Einfahrt mit uns unbekannter Strömung gefährlich werden. Mit diesen schwierigen Rahmenbedingungen wollen wir kein Risiko eingehen und entscheiden uns, rund 30 Seemeilen weiter nördlich zu segeln und die viel breitere Einfahrt im Norden von Fakarava anzusteuern. Das hat auch den Vorteil, dass wir, falls wir zu früh sind, auf der Leeseite des Atolls beidrehen und abwarten können. Noch bevor Pia die erste Nachtschicht übernimmt, ändern wir den Kurs aufs neue Ziel, passen das noch verbleibende Kuttersegel dem neuen Kurs an und lassen uns vom heulenden Wind und den dröhnenden fast 4 Meter hohen Wellen in die Nacht rollen.

Kurz nach Sonnenaufgang erreichen wir die Nordküste von Fakarava, drehen bei und warten ab, bis die auslaufende Strömung im Nord-Pass nachlässt. Kurz vor 11 Uhr erscheinen die ersten Tauchboote. Ein klares Zeichen, dass nun die Strömung bald kippen wird – wir nehmen die Einfahrt unter den Kiel. Immer noch blasen 20-25 Knoten, jetzt genau auf die Nase. Die kurzen, 2-3 Meter hohen Wellen im Pass stemmen den Bug unserer Lupina steil in die Höhe um kurz danach, wenn sich der Bug krachend wieder ins Wellental gebohrt hat, meterhoch das Deck zu überspülen. Das ganze Deck ist bis zur Fussreeling mit Salzwasser gefüllt. Wir sind dankbar, dass wir ein starkes Schiff haben.
Fakarava, das zweitgrösste Atoll in Franz.-Polynesien, 60 km lang und 25 km breit, wurde erst 1820 entdeckt. Die späte Entdeckung erklärt sich dadurch, dass die Seefahrer zu Zeiten vor Satellitenbildern, elektronischen Karten und GPS um die Tuamotus wegen ihrer Gefährlichkeit einen riesigen Bogen gemacht haben. Die Inselfläche, also das begehbare Land, beträgt bloss 16km2, die Lagune hingegen 1’153km2. Fakarava ist ein UNESCO Biosphären Reservat. Biosphären Reservate sind ausserordentlich schützenswerte Landschaften oder Meeresgebiete mit ihrer darin vorkommenden Flora und Fauna. Die von der UNESCO lancierten Projekte haben zum Ziel, die Interessen der lokalen Bevölkerung (hier etwas mehr als 800 Einwohner), deren soziale und wirtschaftliche Entwicklung sowie den Naturschutz unter einen Hut zu bringen.
Rund eine Stunde nach der Durchfahrt durch den Nord-Pass werfen wir 6 Seemeilen weiter vor dem Dorf Rotoava den Anker. Ia orana Fakarava (= hallo Fakarava!), wir haben es geschafft! 😊
Wie meist bei einer Ankunft bleiben wir den Rest des Tages auf dem Schiff und beobachten, wie sich das Schiff am Anker verhält. Erst am nächsten Morgen machen wir unseren ersten Landgang und werden, kaum ist unser Dinghi befestigt, von weitem bei unseren Namen gerufen: Ulli und Kirsten (SY Easy), wir haben sie in Bonaire getroffen, erkennen uns sofort wieder. Ein unerwartetes und freudiges Wiedersehen!
Die Rückgabe des ausgeliehenen Werkzeuges (der Grund, wieso wir bei starkem Wind und ungemütlichen Wellen nach Fakarava gesegelt sind) ist rechtzeitig erfolgt. Wir geniessen zum Wiedersehen und gleichzeitigen Abschied von Rita und Daniel noch einmal die leckere Küche auf der Maramalda. Schon am nächsten Tag bricht die Maramalda auf nach Tahiti. Au revoir Maras!
Die grösste Strassenkreuzung, die wir in Fakarava finden können 😊
Das Dorf Rotoava ist etwa 2 Kilometer über das nordöstliche Riffe ausgebreitet. Eine gut gepflegte, geteerte Strasse führt durch das Dorf.
Einmal mehr erstaunt uns der Kinder-Reichtum (schon auf anderen Inseln ist uns das aufgefallen). Hier sind gerade Einige beim Spielen im kühlenden Nass.
Wie auf anderen Atollen werden auch auf Fakarava intensiv Perlen gezüchtet. Das scheint jedoch zumindest für den Moment etwas nachgelassen zu haben. Immer wieder treffen wir auf geschlossene Perlenfarmen, ihr für die Zucht von Perlen verwendeten Utensilien dekorativ aufgehängte.
Südsee Idylle
Nach ein paar Tagen des Ankommens auf Fakarava verlegen wir von Rotoava nach Hirifa an die Südostecke des Atolls. Es hat zwar viele gute Sandflächen für den Anker, aber auch hier brauchen wir Schwimmkörper (Bojen und Fender), um die Korallenblöcke (dunkler Flecken im Bild) vor unserer Ankerkette zu schützen.
Im Osten des Atolls ist das Riff schmaler als auf der westlichen Seite (auch gut ersichtlich auf dem Satellitenbild), beträgt aber immer noch gut 200 Meter oder mehr. Hier die Riffkante zum offenen Meer …
… und hier der Blick von der gleichen Stelle in Richtung Atoll

Alltag auf dem Schiff
Kürzlich hat uns eine Blog-Leserin gefragt, wie denn so der Alltag bei uns auf dem Schiff aussieht. Nun, wir haben keinen Terminplan, der unseren Tagesablauf bestimmt. Wir stehen auf, wenn uns die Sonne weckt, meist zwischen 7 und 8 Uhr. Während ich meine Morgengymnastik (zur Vorbeugung gegen Rückenprobleme) absolviere, bereitet Pia unser Frühstück zu: selber gebackenes Brot, Butter, Käse (was wir hier so kriegen können – leider nicht unsere Lieblingssorten) Kaffee und Birchermüesli mit selbst kultiviertem Joghurt. Meist noch irgendwelche Früchte, die hier in den Tuamotus aber Mangelware sind. Beim Frühstück unterhalten wir uns über die Tagesaktivitäten. Wir versuchen, immer ein bis zwei Dinge pro Tag zu unternehmen: Landausflug, Schnorcheln, Arbeit am Schiff, Backen, Besuche bei anderen Booten abstatten, Einkaufen und vieles mehr. So um 9 Uhr sind wir fertig mit dem Frühstück (ja, wir nehmen uns viel Zeit dafür 😉) und setzen dann den Plan in die Tat um. Viele der Aktivitäten dauern nicht den ganzen Tag und wir haben noch viel Zeit zum Lesen (vor allem Pia ist ein richtiger Bücherwurm geworden), E-Mails schreiben, im Cockpit sitzen und das Kommen und Gehen anderer Schiffe beobachten, Büroarbeiten erledigen. Büroarbeit? Ja, auch das gibt es! So wie du zu Hause Post kriegst (Rechnungen, Aufforderungen, irgendetwas zu tun, etc.) erhalten auch wir Post. Alles elektronisch nachgeschickt von zu Hause. Dazu müssen wir uns ein funktionierendes Internet organisieren. Das geht mit einer SIM-Karte des Landes, in dem wir uns gerade aufhalten, und/oder gratis per WiFi eines Ladens oder eines Restaurants. Das dauert meist alles viel länger, weil wir immer wieder herausfinden müssen, wie etwas funktioniert. Viel Zeit verbringen wir, uns über Leute und Land, wo wir uns befinden, oder wo wir als nächstes hinfahren wollen, einzulesen und vorzubereiten. Dazu müssen wir auch regelmässig die Wetterentwicklung studieren (per Internet) und die Fahrten planen. Überhaupt braucht alles viel mehr Aufwand als zu Hause. Es kann gut passieren, dass für die Erledigung einer kleinen Arbeit ein halber Tag vergeht. Einfach, weil alles unter erschwerten Bedingungen stattfindet: es wackelt, es ist eng, die Schraube, die ich brauche, habe ich gerade nicht – ich muss also irgendeine andere Lösung basteln, die Bürste, die ich benutzen will, liegt zuunterst in der Backs Kiste, und so weiter. Auch Kommissionen an Land dauern viel länger: zuerst Laden suchen, dann sich im Laden zurechtfinden, und dann Glück haben und das finden, was man braucht. Suchen ist eine häufige Tätigkeit geworden in unserem Leben 😉

Wir regeln unser Tageswerk so, dass wir vor Sonnenuntergang wieder zurück auf dem Schiff sind (oder auf einem anderen Schiff), um das Farbenspektakel am Himmel bei einem Sundowner auf Deck geniessen zu können. Ein schönes Ritual, das Seele und Gemüt so schön baumeln lässt. Wenn’s dann so langsam dunkel wird (hier aktuell kurz nach 6 Uhr) macht sich Pia daran, das Nachtessen zu kochen. Ich geniesse dann das Cockpit und den Abendhimmel für mich alleine (ja, ich gebe es zu: dann faulenze ich ein wenig 😉), bis Pia sich aus der Kombüse meldet: «Auftischen! Nachtessen ist fertig!». Dem aufmerksamen Leser ist nicht entgangen: bei uns gibt’s nur 2 Mahlzeiten: Frühstück und Nachtessen. Wenn wir Glück haben, gibt’s zwischendurch vielleicht mal ein feines Glacé (Eis) am frühen Nachmittag. Das hat sich einfach mit der Zeit so ergeben, und es geht prima so! Nach dem ausgiebigen Nachtessen spielen wir meistens. Seit einiger Zeit ist Brändi-Dog unser Favorit und wir haben eine Variante entwickelt, wie man dieses Spiel, das normalerweise 4 Personen benötigt, auch zu Zweit spielen kann. Das dauert dann meist so etwa 1-2 Stunden. Danach sitzen wir noch gemeinsam im Cockpit und philosophieren über Gott und die Welt. So ab 22 Uhr gewinnt bei Pia die Bettmüdigkeit, ich halte es noch 2-3 Stunden länger aus, dann ist auch bei mir der Tag zu Ende.

Nach 2 Tagen vor Hirifa verlegen wir an den Süd-Pass von Fakarava. Hier sind die Häuser und Bootsstege bis direkt an den Pass gebaut und sind somit der wechselnden Gezeitenströmung ausgesetzt, so wie wir das von einem Fluss kennen.
Der Süd-Pass ist eines der interessantesten Schnorchel und Tauchparadies der Welt und dementsprechend hat sich ein kleiner Tourismus mit Tauch-Zentren und Lodges (Bild) aufgebaut. Die Bungalows für die Gäste stehen direkt am Wasser.
Einfachste Bauweise: die Wände sind aus Palmblättern geflochten, anstelle von Fensterglas eine einfache Klappe, und statt einer Tür weht ein Tuch vor dem Eingang.
Hier lebt man mit Haifischen. Gemäss Zählungen halten sich im Pass regelmässig bis zu 700 Haifische auf. Die häufigste Art ist der Grau Hai, dann der Weissspitzen Riff-Hai und der Schwarzspitzen Riff-Hai (Bild)
Schwarzspitzen Riff-Haie inspizieren unser Dinghi.
Wir geniessen die Wasserwelt zuerst mal aus respektvoller Distanz von oben 😉
Zum Sundowner gesellen sich Chris und Ruedi (SY Pasito) zu uns. Sie sind ein paar Tage nach uns in Fakarava eingetroffen, aber direkt durch den Süd-Pass ins Atoll gefahren
Die Lodge-Anlage ist auf einzelne Motus (Inselchen) verteilt, wunderschön verbunden mit kleinen Stegen
Mitten in der Anlage befindet sich zu unserer grossen Überraschung ein Schweinestall. Wir sind verblüfft: absolut kein Geruch von den Schweinen. Ob es wohl daran liegt, dass der Stall teilweise übers Wasser gebaut ist und alles direkt frisch ab Schwein, sozusagen, ins Meer gelangt?
Nicht nur die Schweine, auch die Seemöwen haben sich hier an Menschen gewöhnt.
Ich unternehme mit dem lokalen Tauch-Zentrum zwei Drift-Tauchgänge im Süd-Pass, wo die Haifische in der bekannten Shark-Wall (Wand der Haifische) zu Hunderten in der Strömung schweben.
Auch mit Schnorcheln lässt sich die Unterwasserwelt geniessen. Dieses Bild ist beim Schnorcheln entstanden: Schwarzspitzen-Riffhai gefolgt von 2 Schiffshalterfischen (diese ernähren sich von Parasiten an den Haien und Fressens Resten).
Haifische wohin man blickt: Schwarzspitzen-Riffhai
Ein vom Aussterben bedrohter Fisch: der Napoleon. Mit einer Maximallänge von bis zu 2.30 Metern ist der Napoleon-Lippfisch mit grossem Abstand die grösste Art der Lippfische und zusammen mit einigen Zackenbarscharten einer der grössten Korallenfische. Das Maximalgewicht kann bis zu 190 kg betragen. Dieses Exemplar hier dürfte etwa 1.50 Meter gross sein.
Nach ausgiebigem Schnorcheln verlegen wir wieder zum Ankerplatz beim Motu Hirifa. Es ist starker Wind und aussergewöhnlich hoher Schwell vom offenen Meer angesagt. Es gibt einen Wetteralarm, welcher die Bewohner des Atolls vor Überschwemmungen warnt. Viele Schiffe suchen nun hinter einem Motu Schutz vor Wind und Wellen. Letztes Mal waren es gerade etwa 10 Schiffe, heute liegen über 30 vor Anker.
Bei Sonnenuntergang ziehen dunkle Wolken auf
Schon bald ist das Ankerfeld von regenschweren Wolken überzogen.
Aber wie heisst es so schön: nach dem Regen folgt der Sonnenschein 😊
Nicht nur Sonnenschein und Vergnügen, auch schwierige Arbeiten warten: das Expansionsgefäss, das wir auf den Galapagos Inseln reparieren mussten, hatte schon wieder eine Leckage. Diesmal musste ich es selber reparieren. Improvisation und Epoxi haben das Problem vorerst behoben. In Tahiti besorgen wir uns ein neues Gefäss.
Zurück in Rotoava unternehmen wir Velotouren. Die Fahrräder können wir für knapp 10 Dollar pro Rad von Fakarava Yacht Services ausleihen. Die eine Tour führt uns zum Nord-Pass von Fakarava (12km ein Weg)
Die zweite Tour bringt uns über 18km (ein Weg) südwärts über das Korallenriff
Die Fahrt in den Norden erweist sich definitiv als die interessantere, da abwechslungsreicher und kurzweiliger. Sie führt unter anderem an diesem alten Leuchtturm vorbei, der Anfang des 19. Jahrhunderts aus Korallensteinen und Mörtel aufgebaut wurde.
Katholische Kirche von Rotoava. Wunderschön das himmelblaue Gewölbe und die allesamt aus Muscheln gefertigten Lampen und Girlanden. Wir besuchen am Sonntag eine Messe, um den wunderschönen Gesängen der Polynesier zu lauschen. Ein sehr eindrückliches Gänsehauterlebnis.
Nach dem Gottesdienst geht’s mit den Freunden der SY Pasito zum Frühschoppen 😊

Du merkst es wohl aus unseren Berichten: es gefällt uns ausserordentlich gut in Franz.-Polynesien. Die Menschen sind so wunderbar lebensbejahend und stecken voller positiver Energie. Ihre Fröhlichkeit ist einfach ansteckend. Überall stehen die Türen offen – auch für uns Fremde. So eine Offenheit und Freigiebigkeit haben wir auf unserer Reise bisher nur sehr selten erlebt. Hier ist es die Normalität. Dazu kommt eine phantastische Natur! Steile Berge (wie in den Marquesas) und türkisblaue Lagunen (wie in den Tuamotus), dichter Urwald (wie in Gambier) und trockene Steinwüsten (Marquesas), hier trifft man einfach fast alles an.

Die Entscheidung ist gefallen: wir bleiben noch eine Saison in Franz.-Polynesien. Den neuen Wimpel des Gastlandes haben wir schon besorgt 😊
Du wirst weiter Bilder von der Südsee zu sehen bekommen 😊

Morgen Dienstag, 26.7.2022, verlassen wir Fakarava und verlegen auf das rund 15 Meilen weiter nordwestlich gelegene Atoll Toau. Die Fahrt will zeitlich gut geplant sein, denn es warten wieder gefährliche Aus- und Einfahrten durch die Lücke in den Riffen und wir sind darauf angewiesen, dass es mit der Strömung einigermassen passt. In Toau suchen wir im Südosten einen sichern Platz und wollen die Lupina gut verankern: es kommen ein paar Tage mit starkem Wind! Maururu (= vielen Dank) Fakarava!

Es bleibt spannend – folge der Lupina im Kielwasser!

San Cristóbal (Galapagos) – mitten in den Zoo

Am 29 November 2021 fällt unser Anker in der Wreck Bay im Hafen von Baquerizo Moreno auf San Cristóbal. Wir sind das einzige Segelschiff

Kurz vor Mittag sind wir einklariert und fahren mit dem Vertreter unseres Agenten an Land. Uns wurde davon abgeraten, das eigene Dinghi zu verwenden. Das eigene Dinghi benutzt man hier besser nicht. Einerseits gibt es praktisch keine Landestellen, wo man anlegen darf, und andererseits willst du nicht, dass dein Dinghi von den Seelöwen als schön schaukelnde Badeplattform missbraucht wird. Das ist aber alles kein Problem, denn es gibt Wassertaxis, die uns für 1 Dollar pro Person an Land oder zurück bringen. Sehr bequem, schnell und zuverlässig. Vom Schiff aus rufen wir per Handzeichen oder über Funk (VHF Kanal 14) ein Taxi herbei, am Land stehen wir einfach an den Pier und winken eines herbei. Einfach!

Das Wassertaxi bringt uns für 1 Dollar pro Person an Land

Schon beim Setzen des Ankers, aber spätestens an Land realisieren wir: wir sind mitten im Zoo gelandet! Nicht auf der Zuschauerseite, nein, direkt im Gehege drin! Die Tiere, die hier vorkommen, haben vor den Menschen keine Scheu und leben mitten unter ihnen.

San Cristóbal ist die Insel der Seelöwen. Du triffst sie überall an: unter der Parkbank …
… auf der Parkbank …
… überall auf den Felsen am Ufer. Meistens schlafen sie tagsüber, denn in der Nacht schwimmen sie raus auf das offene Meer und schlagen sich an den grossen Fischschwärmen den Bauch voll

Die Tierwelt auf den Galapagos Inseln ist einzigartig. Das Galapagos Archipel liegt rund 1’000 Kilometer vor der Küste von Ecuador. Es besteht aus 13 grossen Inseln (mit mehr als 10 km2), neun mittleren Inseln (1-10 km2) und weiteren 107 kleineren Inselchen, die um den Äquator verteilt sind. Es wird geschätzt, dass die Entstehung der ersten Insel vor mehr als 5 Millionen Jahren als folge tektonischer Aktivitäten stattfand. Die jüngsten Inseln, Isabela und Fernandina genannt, befinden sich noch im Entstehungsprozess. Der jüngste Vulkanausbruch wurde 2020 registriert. Die tektonische Platte, auf der die Galapagos Inseln liegen, bewegt sich mit 3-9cm pro Jahr in Richtung Südamerikanischer Kontinent. Darunter liegt ein sogenannter «Hot Spot», eine heisse Stelle im Erdinnern, die immer wieder dafür sorgt, dass Lava an die Erdoberfläche gedrückt wird. Das erklärt, dass die ältesten Inseln im Osten liegen, und die jüngsten im Westen.

Alle Lebewesen, die sich auf den Inseln befinden, sind auf die Inseln geschwommen (z.B. Fische, Seelöwen, Pinguine), geflogen (z.B. Vögel, Samen von Pflanzen) oder geschwemmt worden (z.B. Reptilien, Insekten auf Treibgut). Einmal auf den Inseln angekommen haben sich die Lebewesen genau auf das vorherrschende Klima und die vorhandene Nahrung eingestellt. Das erklärt, warum es hier Arten gibt, die es sonst nirgends auf der Welt gibt. Das erkannte auch Charles Darwin, als er am 18. September 1835 anlässlich einer Expedition mit der HMS Beagle auf San Cristóbal landete und die spezielle Flora und Fauna hier antraf. Unter anderem auch diese Entdeckungen mündeten schlussendlich in der berühmten, damals revolutionären Evolutionstheorie von Charles Darwin.

Ecuador Krebs, nur auf Galapagos ist er so farbig
Galapagos Lava Eidechse, das am häufigsten gesichtete Reptil auf den Galapagos Inseln. Davon gibt es 7 verschieden Arten. Diese mit weissen Streifen an der Seite gibt es nur auf San Cristóbal
Meerechse, nur auf den Galapagos Inseln vorkommende Leguan Art, die bis zu 1.30m lang werden kann. Dieses Männchen ist gerade dabei, sich ein neues Kleid anzuziehen. Das alte (braun) weicht dem neuen (schwarz)
Die Meerechse ist unter den heute lebenden Echsen die einzige Art, die ihre Nahrung (hauptsächlich Algen) im Meer sucht. Dabei können sie bis zu einer halben Stunde unter Wasser bleiben und bis auf 15 Meter tief abtauchen. Das mit der Nahrung aufgenommen überschüssige Salz scheiden sie durch Chlorid-Zellen in Drüsen an den Nasenlöchern aus. Das wird dann mit einem kräftigen Schnauben entsorgt
Wanderung zu Bahia Darwin im Nordosten unseres Ankerplatzes. Die Wanderung beginnt in einem sehr interessanten und informativen Interpretations-Zentrum und führt dann auf gut ausgebautem Wanderweg durch die küstennahe Trockenzone
Blick über die Darwin Bay. Hier ist Charles Darwin mit der HMS Beagle im Jahr 1835 gelandet. Im Hintergrund ein Versorgungschiff, dessen Fracht auf offenem Meer umgeladen wird auf einen kleineren Frachter mit weniger Tiefgang
Die Vegetation auf den Inseln ist vielfältig. An der Küste wachsen besonders salztolerante Arten. Unmittelbar danach folgt eine Trockenzone, eine Halbwüste, weil es in diesem Bereich praktisch nie regnet (Bild). Je weiter man in die Höhe geht, umso feuchter wird das Klima
In der Trockenzone gibt es zwar keinen Regen, aber besonders in den Sommermonaten viel Feuchtigkeit in der Luft. Die Bäume und Sträucher sind entsprechend überdeckt mit Mies, welches das Wasser aus dem nebelartigen Niederschlag auffangen kann
Nach der Darwin Bay geht’s noch weiter der Küste entlang zum Playa Baquerizo. Ab hier ist der Wanderweg etwas beschwerlicher, dafür umso spannender
Monument von Charles Darwin an der Darwin Bay
Blaufuss Tölpel, diese gibt es nicht nur auf Galapagos. Das Wort «Tölpel» stammt übrigens vom Wort «Tollpatsch» ab. Die Tölpel sind zwar ausgezeichnete Flieger, aber ihre Fortbewegung an Land regen schon zum Schmunzeln an
Darwin Fink. Auf Galapagos gibt es insgesamt 13 Unterarten dieses Finkes. Für den Unterschied sorgt die Nahrung. Je nach Nahrung ist der Schnabel speziell dafür ausgebildet
Galapagos Fliegenschnäpper
Ohrwurm-Möve oder auch Galapagos-Möve genannt. Charakteristisch sind ihre roten Augenränder. Sie ist nur auf den Galapagos heimisch, fliegt aber bis weit runter in den Süden des Südamerikanischen Kontinentes
Galapagos brauner Pelikan. Auch diese Unterart der Pelikane gibt es nur auf Galapagos. Besonderes Merkmal ist der weisse Kopf und der braungraue Flaum an Hinterkopf und Hals
Obwohl die Wassertemperaturen zu dieser Jahreszeit recht frisch sind (20°C an der Oberfläche – ok, für Hartgesottene kein Problem, aber wir wurden die letzten 2 Jahre in der Karibik bei 26°C und mehr zu Weicheiern 😊) entscheiden wir uns für einen Tauch- und Schnorchel-Ausflug zum El Leon Dormido (auch Kickers Rock genannt). Diese Felsinsel ragt steil aus dem Meer empor und hier soll es vor allem auch grosse Tiefseefische haben
Zuerst fesseln uns beim Eintauchen ins Wasser die faszinierende Artenvielfalt der Korallen und ihre Farbenpracht
Dann wird es plötzlich dunkel um uns, und wir sind mitten in einem Riesenschwarm von Fischen. Sie suchen in der Nähe der Felswand Schutz vor Raubfischen
Die Felswand fällt fast senkrecht 50-100 Meter in die Tiefe. An dieser Wand wachsen Korallen und bieten Unterschlupf für viele Lebewesen. Diesen Fisch kenne ich leider nicht – falls du ihn kennst, lass es mich wissen!
Eine Schildkröte kommt zu Besuch und beobachtet uns Taucher und Schnorchler von knapp unter der Wasseroberfläche
Ein Seelöwe will mit mir spielen
Ein mächtiger Stachelrochen (sicher über 1.2m Durchmesser) duckt sich auf die Felsen
Ein nächstes Highlight der beiden Tauchgänge: ein Skorpion-Fisch, der sich nahezu perfekt der Umgebung anpasst
Und dann plötzlich Hektik in der Tauchgruppe. Das Wasser ist etwas eingetrübt und die Sicht nicht ganz gut. Aus etwa 10 Meter Distanz taucht aus dem trüben Wasser der erste Hai auf. Es ist ein harmloser Galapagos Riff Hai, etwa 3m gross
Ein paar Meter über uns zieht ein Hammerhai seine Kreise
Und zum Abschluss dieses unvergesslichen Schnorchel- und Tauchausfluges: ein Seepferdchen (ich sehe zum ersten Mal eines in freier Wildbahn)

Nach einem Faulenztag, den wir mit diversen Tätigkeiten auf dem Schiff verbringen juckt es uns wieder in den Beinen und wir wollen die Küste hinter dem Flugplatz von Puerto Baquerizo Moreno erkunden.

Die Wanderwege im Nationalpark sind überall immer gut markiert und beschildert, und gut unterhalten
Wir sind hier in einer Gegend der Insel, wo es im Sommer nie regnet und im Winter jeweils fast täglich kurz und heftig. Dieser Kaktus hat sich perfekt an diese Situation angepasst. Ein normaler Kaktus würde bei viel Wasser zu kopflastig und daher umknicken. Diese Kaktusart beginnt das Leben als einzelnes Blatt, das aus dem Boden wächst (Pfeil 1). Dann vermehren sich die Blätter in einer Reihe und verzweigen sich noch nicht (Pfeil 2). In der dritten Phase verdicken sich die unteren Blätter zu einem Stamm (Pfeil 3) und erst darüber verzweigen sich dann die Triebe.
Und so sieht der Kaktus in seiner ausgewachsenen Form aus – wie ein Baum – perfekt angepasst an die Rahmenbedingungen, in denen er gedeiht …
… und sogar schöne Blüten bringt dieser spezielle Kaktus hervor
Das Ende unserer Wanderung, die Barranco Klippe. Hier erkämpft sich das Meer zurück, was ihm vor Millionen von Jahren durch heisse Lava genommen wurde
Meist kocht Pia uns ein feines Nachtessen auf dem Schiff. Ab und zu, vor allem zur Belohnung nach einem körperlich anstrengenden Ausflugstag, gönnen wir uns ein schmackhaftes Essen in einem lokalen Restaurant. Hier ein leckeres «Arroz marisco»
Die Galapagos Inseln sind auch bekannt für ihre Riesenschildkröten. Der Mensch hatte sie bis zum Ende des letzten Jahrhunderts fast völlig ausgerottet. Zusätzlich führten Naturkatastrophen (Vulkanausbrüche) dazu, dass ganze Kolonien unter heisser Lava und Asche verschüttet wurden. Hier besuchen wir «La Galapagera», eine sehr naturnahe Aufzuchtstation, wo Riesenschildkröten unter geschützten Bedingungen aufgezogen und im Alter von 6 Jahren wieder in die Natur entlassen werden
Die Schildkröten auf San Cristóbal können bis zu 150 Jahre alt werden. Pro Jahr legen sie zwischen 8-14 Eiern, aus denen in freier Natur etwa 20% Junge schlüpfen. Ausgewachsen wiegen sie im Schnitt um die 90 Kilo, die mächtigeren Männchen können bis zu 250kg schwer werden
Diese riesigen Landschildkröten ernähren sich ausschliesslich vegetarisch. Der auf Galapagos einzigartige «Manzanillo» Baum, der einen für die menschliche Haut irritierenden Saft hat und dessen Früchte für alle bekannten Lebewesen giftig sind, ausser für die Riesenschildkröten, liefert ihnen reichlich Nahrung

Unglaublich, was wir in den paar Tagen auf San Cristóbal alles an Tieren sehen und erleben durften. Du bist hier mitten in einer phantastischen Natur und jeder Tag lässt dich wieder etwas Neues entdecken. Wunderbar, wir sind absolut begeistert! Wir könnten noch lange hier bleiben, aber es gibt noch viel mehr zu sehen auf Galapagos. Mit dem Segelboot dürfen wir diejenigen Inseln anfahren und dort auch ankern, welche bewohnt sind. Als nächstes laufen wir nun die Isla Isabela an. Es ist die grösste Insel auf Galapagos und noch vulkanisch aktiv. Sie liegt rund 85 Seemeilen von San Cristóbal entfernt.

Dieser Kerl will unbedingt mitreisen – mal schauen ob er seetüchtig ist 😊
Zur Sicherheit, dass kein Seelöwe ins Cockpit kommt, haben wir den Heckeingang mit Fendern versperrt.

Es bleibt spannend – folge der Lupina im Kielwasser

Grand Cayman – das Land der Steuerhinterzieher, der Superreichen, des Schmuckes und der Hühner

Die Cayman Islands sind unter den Karibikinseln etwas Exotisches. Sie schiessen steil aus dem bis zu knapp 8000 tiefen Cayman Graben, eine der tiefsten Stellen der Weltmeere) empor und überragen den Wasserspiegel gerade mal ein paar wenige Meter. Berge sucht man vergebens. Grand Cayman ist die grösste der Inseln. Es ist die Insel der Reichen, der Banken, des Schmuckes, der Steuerhinterzieher  – und der Hühner. Wie kommt das?

Die Insel wurde 1503 von Christopher Columbus auf seiner vierten Expedition in die Neue Welt entdeckt. Weil die Seefahrer eine riesige Menge von Schildkröten vorfanden, gaben sie ihr den Namen «Tortuga» (spanisch für Schildkröte). Das enorme Schildkrötenvorkommen hatte zur Folge, dass viele Schiffe hier einen Stopp einlegten, um für ihre langen Überfahrten «Frischfleisch» – lebendige Schildkröten – als wertvoller Proteinspender für die Crew, zu bunkern.

Bis 1660 blieb die Insel, abgesehen von Schildkröten, Echsen und Krokodilen, unbewohnt. Die Ersten, welche diese Insel als Basis nutzten, waren Piraten, die von hier aus die Galeonen angriffen, welche voll beladen von Zentral- und Südamerika aus Richtung Europa unterwegs waren. Einige der gefürchtetsten Piraten des 18. Jahrhunderts wie Blackbeard, Lowther oder Henry Morgan hatten hier ihren Unterschlupf. Um 1670 wurde die Insel England zugesprochen und unter die Verwaltung von Jamaica (damals Britische Kolonie) gestellt. Bis 1730 gab es keine permanenten Siedler. Es wird vermutet, dass die ersten festen Siedler Deserteure von Oliver Cromwells Armee auf Jamaica waren.

1794 fuhren 10 Britische Handelsschiffe am Riff im Osten von Grand Cayman auf Grund. Es gelang der lokalen Bevölkerung, mit dem Meer hier sehr gut vertraut, die meiste Ladung und den hintersten und letzten Schiffbrüchigen zu retten. Zum Dank für diese beherzigte und selbstlose Tat erhielt Grand Cayman von König George III ein ewig geltendes Recht auf Steuerfreiheit. Damals nicht wirklich ein grosses Geschenk, denn es gab praktisch keinen Handel auf Grand Cayman. Heute ist das ganz anders! In den 1960er Jahren erinnerte sich die lokale Regierung an dieses Recht und begann, Banken und andere internationale Geschäfte nach Grand Cayman zu locken. Plötzlich war die Insel auf der Karte, und bald hatte jede namhafte Firma (vor allem die Finanz lastigen) einen Geschäftssitz auf Grand Cayman, und konnte so, ganz legal, massiv Steuern sparen. Das ist auch heute noch so. Grand Cayman geniesst einen der höchsten Lebensstandards in der Karibik, und die Aussichten liegen gut, dass dies auch in den nächsten Jahrzehnten so bleibt. Und was hat das mit uns zu tun? Keine Angst, wir bezahlen ganz brav unsere Steuern in der Schweiz und geniessen einfach ein paar Wochen das unbeschwerte Seglerleben auf dieser einmaligen Insel.

Unser Segelplan auf Grand Cayman (als Referenz zum folgenden Text)
Nach unserem Arbeitsaufenthalt in der Harbour House Marina (Punkt 6 auf der Karte) verlegen wir unter Segel wieder an die Westküste vor George Town und machen an einer öffentlichen Boje fest (pinker Punkt auf der Karte). Lupina liegt rechts im Hintergrund, unser Dinghi am Steg. Das wird die nächsten Tage unsere Basis für Landausflüge
Innerhalb Fussdistanz von unserem Ankerplatz liegt Camana Bay, eine wunderschöne Anlage mit Shops, Restaurants, Entertainment und sogar einer kleinen Marina zum Nord Sound hin
Farbenprächtige Parkanlagen, immer gut gepflegt (typisch Britisch möchte man fast meinen 😉), laden zum Schlendern und Verweilen ein
Restaurants und Bars wie aus dem Reiseprospekt in Hülle und Fülle. Da es zurzeit keine Covid Fälle in der Bevölkerung gibt, ist alles offen. Aber: nicht nur Lage und Aussicht sind Spitz, auch die Preise sind oberes Niveau
Es gibt keine namhafte Schmuck- und Uhrenmarke, die nicht mit mindestens einem Verkaufsladen auf Grand Cayman vertreten ist. Zurzeit dürften die Umsätze aber im Keller liegen, denn die täglich 3-6 Kreuzfahrtschiffe fehlen, und auch sonst ist der Ferientourismus völlig am Boden. Niemand will zuerst 14 Tage seiner wohlverdienten Ferien in Quarantäne absitzen müssen, bevor er das Strand- und Inselleben geniessen darf
Hmm – soll ich? Soll ich nicht? – sie hat nicht 😉
Grand Cayman – das Land der Superreichen. Millionenvillen mit Anlegestegen für teure Yachten auf der Kanalseite und grosszügige Vorfahrten für Luxuslimousinen auf der Strassenseite sind hier Standard
Meist 2-3 Stockwerke und Balkone auf alle Seiten
Wie viele der Prunkvillen steht auch diese gerade leer – es ist ja bloss die Zweit- oder Drittwohnung eines Superreichen
Berge gibt es auf Grand Cayman keine. Die höchste Erhebung auf Grand Cayman ist eine Müllhalde (oder «Landfill», wie es auf English etwas freundlicher heisst), nicht gerade ein attraktives Wanderziel. Aber wir finden trotzdem einen wunderschönen und sehr interessanten Wanderweg – den «Mastic Trail». Dieser Pfad führt von Süden nach Norden quer über die Insel, hin und zurück 8km. Der Start beginnt in einer Sumpflandschaft …
… führt anschliessend über scharfkantige Kalksteinböden, die vor Millionen von Jahren einmal den Meeresgrund gebildet haben und immer wieder tiefe Spalten und Höhlen aufweisen. Ja, diesmal wollen wir unsere Wanderschuhe mitnehmen, sie bleiben aber auf der Lupina vergessen ☹, die Flip-Flops sind auf diesem Teil des Pfades sehr grenzwertig!
Magic Trail: der letzte Teil des Pfades im Norden führt über rote, sehr fruchtbare Erde
In Mittel- und Nordeuropa kennen wir die Birken mit ihren typisch weissen Baumrinden. Hier in der Karibik wächst die «Red Birch», die rote Birke. Sie ist leicht erkennbar an ihrer rötlichen Rinde, die sich papierstreifenartig ablöst und einen glatten, glänzenden Stamm zurücklässt. In der jetzigen Jahreszeit wechselt die Red Birch gerade ihr Laubwerk
An Stellen, wo kein Riff den Ozean in seine Schranken weist, (Stellenweise im Osten und im Süden) prallen die Wellen ungehindert auf die Ufer der Insel und schleifen unaufhaltsam Millimeter um Millimeter des harten Korallengesteines weg
Dort wo das Riff intakt ist und seine Schutzfunktion uneingeschränkt ausüben kann, bauen sich dahinter wunderschöne, kilometerlange Sandstrände auf. Hier der berühmte «Seven Mile Beach» an der Westküste nördlich von George Town
Einfach schön hier!
Auf der ganzen Insel, wirklich überall, sei es am Strand, in der Stadt, auf unserer Wanderung durch den Urwald, gibt es freilaufende, ausgewilderte Hühner – und natürlich ist auch immer ein stolzer Gockel (Hahn) dabei
Besuch in der für Grand Cayman wichtigen Turtle Farm. Hier werden Schildkröten aufgezogen, einerseits um sie zur Sicherstellung der Arterhaltung auszuwildern, andererseits aber auch für die Fleischproduktion zum Verzehr in den lokalen Restaurants. In Cayman ist der Konsum von Schildkrötenfleisch eine über 500 Jahre alte Tradition. Die Farm wurde ursprünglich für den Zweck gegründet, das erzeugte Fleisch als Nahrung an Schiffe zu verkaufen. Heute ist die Farm auch ein Zoo für Touristen und zeigt hautnah die lokale Tier- und Pflanzenwelt
«Smiley», das letzte gesichtete Krokodil auf Cayman. Wegen der vielen Schildkröten wurde die Insel zuerst «Las Tortugas» genannt. Der Englische Entdecker Sir Francis Drake fand dann 1586 in den Sumpflandschaften mehrere grosse Krokodile, und die Insel wurde neu Cayman (karibisches Wort für Krokodil) genannt. Das letzte Krokodil wurde in den späten 1950er Jahren geschossen, und seitdem galt das Reptil als ausgerottet. Im Dezember 2006 wurde aber ein knapp über 2 Meter langes Krokodil entdeckt, das im Ufergebiet der Nordküste im Meer schwamm. Um dieses Krokodil, Smiley, vor dem Erschiessungstod durch die verängstigte Bevölkerung zu retten, wurde es eingefangen und in die Turtle Farm gebracht. Ein DNA Gen-Test hat dann ergeben, dass es sich um einen Hybrid handelt: eine Kreuzung zwischen dem Amerikanischen Salzwasserkrokodil und dem Kubanischen Süsswasserkrokodil. Nun darf es hier sein weiteres Leben fristen – alleine, bis vielleicht erneut ein Exemplar in den Sümpfen gesichtet wird
Turtle Farm: Wunderschön und naturnah angelegtes Aquarium mit den grossen hier im Meer vorkommenden Tieren. Hier sehen wir gerade die Haifischfütterung. Ein Nurse Shark (Ammen Hai) erhält seine tägliche Ration Fisch aus der Hand des Wärters
Roter Ibis (Turtle Farm)
Papagei (Turtle Farm)
Anderes exotisches Wesen in der Fächerpalme (Turtle Farm) 😊
Viele Segler benutzen eine Drohne, um ihre Reise auch aus der Luft zu dokumentieren. So schafft sich auch Köbi ein solches Spielzeug an. Zuerst ein paar Probeflüge von Land aus, dann mutig vom schaukelnden und sich bewegenden Schiff. Es kommt wie es kommen muss: der erste Versuch vom Schiff endet im Wasser. «Kein Problem» denken wir. Die Drohne ist wassertauglich – gemäss Verkaufsbroschüre und Anwenderhandbuch kann man sogar im Wasser starten und landen. Genau deshalb haben wir dieses Modell gewählt! Unsere Überraschung dann: das Ding ist voller Wasser und da sich Elektronik und Salzwasser gar nicht gut mögen: kaputt!! Köbi ist bisher vergeblich daran, vom Hersteller einen Garantie Ersatz zu bekommen ☹☹
(Wen es interessiert: die Marke heisst: SwellPro und das Modell SPRY+ –> nicht kaufen!!)
Am 1. April (kein Scherz!) erhalten wir unsere 2. Pfizer Covid Schutzimpfung. Unglaublich! Wir kommen zur Impfstation, es hat eine lange Schlange, sicher fast eine Stunde Wartezeit. Ein Offizieller fragt uns, wie alt wir sind. Da wir beide die 60er überschritten haben, werden wir an der langen Schlange vorbei gewunken, direkt an die Impfstation für über 60-jährige Personen. 10 Minuten nach unserer Ankunft sind wir geimpft wieder draussen 😊 Wir sind froh, haben wir nun bereits die Impfung, denn sie wird uns in Zukunft das Einreisen in neue Länder einfacher machen
Vollmond um Mitternacht auf der Lupina
Köbi’s Geburtstag feiern wir bei einem ausgiebigen, exquisiten Nachtessen …
… und einem feinen Nespresso-Margarita zum Abschluss (hmm! Lecker! – fein aber sehr gefährlich 😉)
Noch einmal fahren wir, diesmal mit unserem eigenen Schiff, nach Stingray City (Kreis mit der Zielflagge auf der Karte). Wir verbringen die Nacht direkt hinter dem Riff mit seiner tosenden Brandung. Am nächsten Morgen fahren wir mit dem Dinghi zur Sandbank und schwimmen mit den Stingrays (dort wie die Schiffe im Hintergrund ankern)
Unser Dinghi am Anker auf der Stingray City Sandbank. Ganz klein im Hintergrund grüsst die Lupina
Kaum haben wir unser Dinghi geankert, werden wir von den Stachelrochen begrüsst. Diese edlen Tiere schweben in Flugformation scheinbar mühelos nur ein paar Zentimeter über dem Meeresboden ohne dabei Sand aufzuwirbeln. Am Schwanz und über das Rückgrat haben sie giftige Stacheln, die sie zum Selbstschutz einsetzen. Solange man sie nicht bedrängt oder aus Versehen auf sie tritt, sind sie völlig harmlos. Wir sind total fasziniert und schwimmen fast 2 Stunden mit ihnen im Wasser
Rum Point (in der Nähe des Kreises mit dem roten Pfeil auf der Karte), ein sehr bekanntes Ausflugsziel für Einheimische und Touristen. Jetzt nur an Wochenenden von den Einheimischen besucht, unter der Woche ist der Steg meist leer. Von hier aus gelangen wir mit dem Dinghi bequem ans Riff zum Schnorcheln
Beim Rum Point gibt es eine Bucht (hier die Einfahrt) die wegen ihrer Biolumineszenz sehr bekannt ist. Es gibt nur wenige weitere vergleichbare Plätze auf der Welt, wo dieses Phänomen der Biolumineszenz das ganze Jahr über sichtbar ist. Im Wasser schwebende Mikroorganismen, Plankton, sammeln tagsüber Sonnenenergie und leuchten in der Nacht mit einem blaugrünen Lichtschimmer, wenn das Wasser um sie herum bewegt wird
Wir Fahren mit unserem Dinghi bei Sonnenuntergang in die Bucht, lassen uns treiben und warten rund eine Stunde bei Sundowner und feinem Snack, bis es dunkel ist. Am intensivsten ist die Biolumineszenz angeblich etwa 3 Tage nach Vollmond. Wir stellen aber keinen grossen Unterschied fest, als wir auch bei Neumond noch einmal hinfahren. Es ist zauberhaft! Du streichst mit einem Finger durch das Wasser und ziehst einen langen, leuchtenden Schweif hinterher. Auch Fische, die sich unten im Wasser bewegen, erzeugen eine Lichtspur, die ihren Weg und ihre Position sofort verraten. Spannend! Leider ist unsere Kamera für solche Aufnahmen nicht eingerichtet, und wir können dieses Naturphänomen nur mit Worten beschreiben 😉
Lupina am Anker vor Kaibo Beach (Kreis mit dem roten Pfeil auf der Karte)
Zwischendurch wird auch immer etwas gewerkelt, so wie ihr es zu Hause ja wahrscheinlich auch macht. Pia schneidert hier mit den Plastikfenstern unseres alten Biminis (Dachverdeck) einen Regenschutz, den wir dann seitlich am neuen Bimini anbringen können, wenn es regnet. So bleibt künftig unser Cockpit auch bei seitlichen Winden trocken
Aus den Stoffteilen des alten Biminis zaubert unsere geübte Schneiderin einen Witterungsschutz für die verschiedenen Seile, die sonst ungeschützt am Mast baumeln. Der Skipper ist sehr zufrieden
Die Cayman Islands sind weltberühmt für ihre fantastische Korallen- und Rifflandschaft. Natürlich verbringen wir, vor allem Köbi, viel Zeit im Wasser, und lassen uns mit Tauchbrille und Schnorchel ausgerüstet im 27 Grad Celsius warmen Meer stundenlang von der Natur inspirieren
Riesige Fächerkorallen scheinen uns Schnorchlern langsam in der unaufhörlichen Strömung des Meeres zuzuwinken
Unter Wasser mit der GoPro Kamera beschäftigt und ruhig dahintreibend wird Köbi jäh durch aufgeregtes Schreien von Pia aufgeschreckt: «Hai!! Haiiiii!!». Köbi streckt den Kopf aus dem Wasser und sieht Pia’s heftiges Winken. Nicht dass sie Angst hat, nein! Es ist ihre Freude darüber, nun auch endlich selbst ein Exemplar in der freien Wildbahn entdeckt zu haben!! Und tatsächlich: direkt unter ihr duckt sich ein rund 2 Meter langer Nurse Shark in die Korallen. Zum Glück waren wir ein paar Tage vorher in der Turtle Farm und waren bereits mit dem Verhalten dieser Hai Art vertraut. Wir sind als Beute viel zu gross. Mit dieser Zuversicht im Hinterkopf nähern wir uns vorsichtig mit der Kamera und schiessen dieses schöne Bild

Grand Cayman ist eine gut überschaubare, sehr einfach zu bereisende Insel. Öffentliche Busse (rund 2.50 USD pro Fahrt), Mietauto, Schiff oder Füsse bringen einem in kurzer Zeit zum Reiseziel. Es gibt nicht wirklich viele Sehenswürdigkeiten, aber das, was sie hat, ist wirklich schön und ein Besuch wert. Für Taucher und Schnorchler ist Grand Cayman eines der schönsten Reviere, die wir bisher besucht haben. Die beiden anderen Inseln der Gruppe, Cayman Brac und Little Cayman, segeln wir mit unserer Lupina nicht an. Die 70 Seemeilen ostwärts wären zwar eine gut machbare Strecke, aber für ein Schiffe mit unserem Tiefgang gibt es nur sehr wenige, eher schlecht geschützte Ankerplätze. Die Windverhältnisse erlauben es uns nicht – schade, wir wären gerne hingesegelt!

Wir verlegen nun am Montag wieder zurück zur Westküste an eine Boje vor George Town (pink farbiger Punkt auf der Karte), und bereiten uns auf die Weiterreise nach Panama vor. Sobald der Wind günstig ist (im Moment scheint es ab Donnerstag, 22. April, soweit zu sein), legen wir ab. Pia hat unseren nächsten YouTube Film bald fertig und wenn alles klappt, stellen wir ihn noch vor unserer Abfahrt ins Netz. Der Link dazu wird hier auf der Homepage unter Menu «Videos» zu sehen sein.

Es bleibt spannend – folge der Lupina im Kielwasser!