Schiffsschicksale in Gold Coast, viel Regen in Brisbane und vorbeugender Unterhalt am Rigg

22.3. – 5.4.2025

Wir befinden uns in Gold Coast und ankern vor der Wave Break Insel. Sie ist ihrem Namen auch tatsächlich würdig. Ausser der unvermeidlichen Gezeitenströmung, die bis zu 3 Knoten betragen kann, dringt von der Zufahrt vom Meer kein Schwell an den Ankerplatz. Wir liegen sehr ruhig und sicher hier.
In der Ferne die Hochhäuser von Gold Coast. Davor liegen ein paar Hausboote auf dem Sand. Es ist gerade Ebbe. Bei Flut schwimmen sie dann wieder. Lustig die Bewohner zu beobachten, wie sie ihre Beiboote und Kanus entweder weit ins Wasser hinaus schleifen müssen, oder es aber weiter draussen verankern und dann an Land waten müssen. Je nach Wasserstand halt.
Opfer des kürzlichen Zyklons und traurige Schiffsschicksale. Überall sehen wir gestrandete Boote.
Vermutlich hat man einige Schiffe absichtlich auf den Sandstrand auflaufen lassen um sie vor dem Versinken zu retten.
Dieses Schiff hat es nicht geschafft und ist während des Sturmes gesunken. Möglicherweise haben die Wasserlenzpumpen nicht funktioniert und das eindringende Regenwasser nicht herausgepumpt. Für die Bergung wurde es von einem Bagger auf einer schwimmenden Plattform angehoben, und dann mit grossen Industriepumpen das Wasser aus dem Schiffsbauch gepumpt.
Das Gebiet um Gold Coast ist der Amerikanischen Stadt Fort Lauderdale nachempfunden: viele labyrinthartig verschlungene Kanäle, die von Häusern umrandet sind. Zum Kanal hin meist ein grosszügiger Schiffssteg mit einem Motorboot (Bild) – auf der anderen Seite des Hauses ein nicht billiges Auto auf schön angelegten Einfahrten.
Nachtstimmung am Ankerplatz. Es weht kein Lufthauch, das Wasser ist spiegelglatt.

Wir planen unsere Weiterfahrt nach Norden. Hier in Gold Coast sind wir ja, von Vanuatu herkommend, gelandet. Wir haben von anderen Seglern erfahren, dass es ein wenig nördlich von hier mehrere Marinas mit super guter Infrastruktur gibt mit Handwerkern, die etwas von ihrem Job verstehen. Das möchten wir nutzen und eine vorbeugende Reparatur an unserem Rigg ausführen lassen.

Die Verbindung vom Baum zum Mast überträgt grosse Kräfte, wenn das Hauptsegel gesetzt ist. Hat es bei dieser Verbindung Spiel, dann gibt es bei Lastwechseln laute Geräusche, die nervig sind und die einem bei einer Nachtfahrt den Schlaf rauben können. Je grösser dieses Spiel wird, umso schneller kann der Verschleiss fortschreiten. Es ist also wichtig, dieses Spiel zu reduzieren, bevor der Schaden so gross ist, dass er nicht mehr repariert werden kann, oder schlimmer: die Verbindung auf hoher See bricht. Bei unserem Beschlag haben wir Spiel am Bolzen, der den Lümmel Beschlag mit dem Mast verbindet (gelbe Pfeile) und am Bolzen, der den Lümmel Beschlag am Baum fixiert (roter Pfeil). Zudem ist die Nabe der Umlenkrolle für die blaue Hole-Leine (mit ihr wird das Grossegel aus dem Mast gezogen und nach hinten gestreckt) verschlissen (grüner Pfeil). Wir wollen all diese Verbindungen wieder in Ordnung bringen, bevor es zu spät für eine Reparatur ist.
Wir entscheiden uns, die Unterhaltsarbeiten am Baum in der Gold Coast City Marina (GCCM) ausführen zu lassen. Diese Marina liegt etwa 6 Seemeilen flussaufwärts am Fluss Coomera, der diesem Stadtteil von Gold Coast auch den Namen gegeben hat.
Nach ein paar Tagen vor Anker im Schutz der Wave Break Island gehen wir am Sonntag, 23. März 2025, Anker hoch und verlegen vorerst in die Nähe des Currigee Camps an die South Stradbroke Island. Diese dem Flussdelta vorgelagerte Insel ist aus einer Sanddüne entstanden, die nach und nach von Vegetation überwachsen wurde. Von unserem Ankerplatz führt ein Weg quer über die an dieser Stelle knapp 1 Kilometer breite Insel an die Küste des offenen Meeres. Der wildromantische, endlos lange und menschenleere Strand verzaubert uns.
Schwarze Schwäne auf der windgeschützten Flussseite der Stradbroke Island sind alles andere als menschenscheu.
Nach 2 Tagen kündet sich eine Front mit starkem Regen an. Wir haben in der Zwischenzeit mit einem Rigger, der seine Werkstatt auf dem Areal der GCCM hat, Kontakt aufgenommen und die vorgesehene Arbeit vereinbart. Wir beschliessen, noch vor dem starken Regen flussaufwärts zur Marina zu fahren. Kaum sind wir dort angekommen, öffnen sich die Schleusen und es regnet fast 3 Tage durch.

Bei diesem Wetter wird nicht am Schiff gearbeitet. Mit Regenschirmen bewaffnet fahren wir mit dem Zug am Samstag nach Brisbane, das rund 80 Kilometer nördlich von Coomera liegt. Im ganzen Staat Queensland sind die Tarife für die öffentlichen Verkehrsmittel unheimlich günstig. Die Fahrt kostet einheitlich 50 Cents (umgerechnet etwa 30 Rappen) – egal wie lange sie dauert. Beim Einsteigen meldet man sich mit der Kreditkarte an, beim Aussteigen meldet man sich wieder ab. Super einfach!

Auch in Brisbane herrscht Regenwetter. Der Fluss kommt bis zum Gehsteig hoch – überschwemmt diesen an einigen Stellen sogar.
Vergeblich versuchen die Obdachlosen ihre Kleider und Bettwäsche zu trocknen.
Dieser rund 50 Zentimeter lange Leguan scheint den Regen zu geniessen.
Brisbane „Treasury House“ – ein wunderschön erhaltenes Gebäude aus dem frühen 19. Jahrhundert, das sich bisher erfolgreich gegen die Stadterneuerung behauptet hat.
Der Regen lässt nicht nach. Wir entscheiden uns für eine «trockene» Aktivität, setzen uns in eine der Schnellfähren und fahren rund 3 Stunden den Brisbane River rauf und runter und geniessen die Aussicht auf die Stadt vom Fluss aus (wie weiter oben beschrieben: für 50 Cents pro Person!)
Am Sonntag ist (unglaublich, aber war!) schönes Wetter angesagt. Wir fahren ein zweites Mal nach Brisbane und werden gleich beim Anzac Square Memorial vor dem Zentralbahnhof gebührend von schottischen Dudelsackbläsern empfangen.
Der Anzac Square in herrlich sattem Grün und Hochhäuser mit vom Regen blitzblank abgespülten Fenstern unter wolkenfreiem, blauen Sonnenhimmel.
Immer spannend: alte (aus dem 19. Jahrhundert) und neue Gebäude nebeneinander.
In Brisbane faszinieren uns vor allem auch die modernen Bauten. Die altehrwürdige St. Johns Kathedrale zeigt sich im Spiegel.
Am Tag vorher haben wir den Fluss mit der Fähre abgefahren, heute erkunden wir das Flussufer zu Fuss auf der gut ausgebauten Fussgänger Promenade.
Kangoroo Point Green Bridge – eine Fussgängerbrücke – nur eine der vielen architektonisch interessanten Brücken über den Brisbane River.
Auf dem Gelände der Weltausstellung 1988, heute South Bank Parklands genannt, tummeln sich an schönen Tagen Tausende von Leuten. Die vielen verschiedenen Anlagen locken zum Verweilen, zum Flanieren oder zum Spielen an. Eine riesiger, öffentlich zugänglicher Wasserpark mit Bootsteich, Sanddünen, Beachlandschaft, Wildbächen und zahlreichen Wasserspielen lassen das Herz jeder Wasserratte, ob klein oder gross, höherschlagen.
Wir verzichten auf den Badespass und lassen uns stattdessen mit diesem Riesenrand in den Himmel katapultieren.
Direkt auf der gegenüberliegenden Flussseite das Gebiet von Queens Wharf. Das riesige Erneuerungsprojekt dieses Geländes wurde erst kürzlich abgeschlossen und ist heute mit «The Star Grand» (eröffnet 2022) eine der wichtigsten touristischen Attraktionen von Brisbane. «The Star Grand» beherbergt neben vielen Appartements auch Hotels, Casinos, Vergnügungstempel, Erholungsräume, Shopping Malls und nebst unzähligen Uper-Class-Restaurants eine frei zugängliche Besucherterrasse mit einem fantastischen Rundumblick über Brisbane River und Stadt.
Eine der imposanten Eingangshallen im «The Star Grand»
Der Zugang zur öffentlich zugänglichen Aussichtsterrasse befindet sich im kleineren Mittelgebäude des «The Star Grand». Ein Boden aus Glas erlaubt einen senkrechten Blick nach unten auf die dem Ufer des Brisbane Rivers entlang führende Schnellstrasse.
Unsere letzte Station, bevor wir wieder mit dem Zug nach Hause zur Lupina fahren: die «Felons Brauerei» direkt unter der eisernen «Story Bridge». Bei einem kühlen Pale Ale geniessen wir die Aussicht über den Fluss, die Stadt und die in den Jahren 1935-40 erbaute Stahlbrücke. Die Gesamtlänge der Brücke beträgt 1’072 Meter. Die längste Stützweite der 6-spurige Strassen- und Fussgängerbrücke beträgt 282 Meter und die Durchfahrtshöhe für Schiffe beachtliche 30.4 Meter. Die «Story Bridge» ist nach der Sydney Harbour Bridge die bekannteste Brücke Australiens.
Zwei Tage Brisbane – einer davon total verregnet – eigentlich zu wenig. Uns hat die Stadt sehr gut gefallen.
Die Arbeit ruft, und endlich geht es am Montag los damit. Die Halteplatte am Mast wird abgeschraubt, die 8 Nieten zum Baum ausgebohrt. Die ganze Verbindung mit all ihren beweglichen Teilen geht zum Rigger in die Schlosserei.
Leider brechen beim Lösen der 12 Schrauben am Mast 5 davon ab. Mit einer Grip-Zange gelingt es mir, 4 dieser Schrauben aus dem Mast zu drehen. Die Letzte (Finger) bricht aber noch einmal. Der Rigger bohrt diese später aus und schneidet ein leicht grösseres Gewinde neu in den Mast. Liest sich nun einfach, wurde aber mit ein paar Fluchwörtern aus dem Munde des Riggers begleitet.
Sämtliche Verbindungen werden passgenau überarbeitet, so dass praktisch kein Spiel mehr in den beweglichen Teilen ist. So werden zum Beispiel bei der Mast-Halteplatte die Bohrungen etwas aufgebohrt. Aus einer vollen Edelstahlstange fertigt der Rigger auf seiner Drehbank Passbüchsen (gelbe Pfeile), die genau auf den Haltebolzen passen. Das weisse Material um die Passbüchsen auf dem Bild ist ein spezielles Fett (Tef-Gel), das Elektrokorrosion bei unterschiedlichen Materialien wirksam verhindert.

Die Reparaturarbeiten werden sehr kompetent und exakt ausgeführt. Wären die Arbeiten am Schiff nicht durch Regen aufgehalten worden, wären sie früher beendet worden. Macht nichts – wir haben ja Zeit! Da wir mit Vorgehen und Arbeitsqualität bei der Reparatur der Baumfixierung sehr zufrieden sind, lassen wir gleich auch die Fixierungen des hydraulischen Baumniederholers überarbeiten und spielfrei machen. Am Dienstagabend sind sämtliche Arbeiten beendet, alles wieder an seinem Platz und wir bereit, die Marina am Mittwoch zu verlassen. Unter (rate mal!) strömendem Regen legen wir kurz vor Mittag bei Flut ab und fahren unter Motor flussabwärts. Bei der South Stradbroke Island biegen wir nach Norden ab und suchen uns dann etwa 4 Meilen weiter beim «Tipplers» Camp Ground einen ruhigen Ankerplatz. Das Wasser ist hier sehr seicht, nur knapp 3 Meter tief. Aber der Ankergrund ist gut haltender Sand und Schlamm. Auch hält sich die wechselnde Gezeitenströmung in gut verträglichen Grenzen.

Auf der South Stradbroke Island locken verschiedene Wanderwege. Mit dem Dinghy finden wir mehrere gute Anlandungsstellen und unternehmen einige Ausflüge auf die Insel. Das Zentrum der an dieser Stelle knapp einen Kilometer breiten Sandinsel ist locker bewaldet. Was uns etwas amüsiert sind die Verkehrszeichen mitten im Urwald. Wehr um Himmels Willen braucht hier eine Geschwindigkeitsbeschränkung!?!
Wir werden auf Schritt und Tritt genau beobachtet. Überall hüpfen uns die putzigen Wallabys (kleine Känguru Art) vor die Kamera. Hier sind es bei genauerem Hinsehen sogar zwei!
Und wieder zieht es uns an die wilde Ostküste (im Hintergrund die Skyline von Gold Coast)
Auch 30 Kilometer nördlich von Gold Coast, wo der Zyklon auf Land getroffen ist, haben die Sturmwellen viel Sandstrand weggespült. Was vorher sanft auslaufend war, ist heute eine fast nicht überwindbare, 2-3 Meter hohe Mauer aus Sand.
Pia will es versuchen – ohne die helfende Hand eines wahren Gentlemans würde sie es aber nicht alleine schaffen! 😉
Schon liegen wir wieder ein paar Tage an diesem Ankerplatz vor «Tippler». Wir wollen weiter nordwärts in die Moreton Bucht. Nur wie? Ein Blick auf die Karte zeigt ein Wirrwarr von Wasserläufen. Guckt man genauer hin, erkennt man rasch, dass es immer wieder Flachstellen gibt, die für unser Schiff nicht befahrbar sind. Die nächste erkennbare Ausfahrt ins offene Meer am Ende der South Stradbroke Island ist gespickt von Untiefen, die jetzt nach dem Zyklon sicher noch weiter aufgebaut wurden. Eine Durchfahrt hier wäre zu gefährlich. Von anderen Seglern haben wir gehört, dass eine Passage via Jacobs Well für ein Schiff von zwei Metern Tiefgang möglich sei. Auf der Karte gibt’s bei dieser einzig möglichen Route zwei Untiefen, die uns Schwierigkeiten machen könnten. Eine vor Jacobs Well, die andere kurz danach. Bei Flut sollten sie Beide aber passierbar sein für uns – ausser der Zyklon hat die Untiefen negativ verändert. Wir werden sehen – heute Nachmittag um drei Uhr ist Flut, und da wollen wir es zumindest mal bis Jacobs Well versuchen.
Klappt unsere Fahrt nach Jacobs Well – oder muss Pia mit dem SUP probieren? Bald wissen wir es!

Willst du uns live verfolgen, und sehen ob die Durchfahrt klappt? Guck auf www.noforeignland.com und such da nach dem Schiff «Lupina»

Es bleibt spannend! Folge der Lupina im Kielwasser!

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