Auge in Auge mit Zyklon Alfred

1. – 21.3.2025

Im letzten Beitrag haben wir vom drohenden Zyklon Alfred geschrieben und unserer Absicht, vom Ankerplatz auf der etwas vom Wind ungeschützteren Flussseite in die Yamba Marina gegenüber zu verlegen. Bevor wir das machen, geniessen wir aber noch eine halbtägige Wanderung durch tropischen Regenwald an den spannenden und wilden Strand beim «Iluka Bluff». Wir sind nicht die Einzigen. Die bei Ebbe zurückbleibenden Tümpeln auf den flachen Felsen werden von Einheimischen gerne als natürlicher Pools genutzt.
Die Felsformationen hier sind ganz speziell und der Boden gleicht einem künstlich verlegten Natursteinboden. In dieser Gegend gab es früher viele Steinbrüche, wo gutes Baumaterial für Häuser und Meerverbauungen mit relativ geringem Aufwand gewonnen werden konnte.
Auf der Suche nach dem Ursprung der Steine sind wir auf Interessantes gestossen: nach heutigem Kenntnisstand gab es früher eine riesige Erdplatte, Gondwana genannt (gestrichelt umrandetes Gebiet auf dem Bild). Diese umfasste im Wesentlichen Südamerika, Afrika, Antarktik, Australien, Indien und Saudi-Arabien. Vor rund 66 Millionen Jahren schlug im nördlichen Bereich des heutigen Mexiko ein Asteroid ein, der diese Erdplatte aufbrach, ähnlich einem Stein, den man auf eine dünne Eisschicht wirft. Man vermutet, dass zu diesem Zeitpunkt auch die meisten Dinosaurier die extremen klimatischen Veränderungen nicht überlebt haben. Nur eine grössere Gruppe dieser archaischen Tiere überlebte in der Gegend von Australien: bodenbrütende Vögel. In der Folge drifteten die Bruchstücke voneinander weg und entsprechend entwickelten sich die Tiere unterschiedlich (Beispiel: Strausse in Afrika – Emus in Australien). Während die Antarktik südlich driftete und überfror, bewegte sich Australien nördlich und blieb in der Folge isoliert, traf auf keine andere Erdplatten auf. Einher mit der Verschiebung der australischen Erdplatte gab es massive klimatische Veränderungen. Man geht davon aus, dass praktisch der ganze Kontinent früher von einem riesigen, zusammenhängenden Urwald bedeckt war. Heute ist der grösste Teil des Kontinents Wüste, und nur ein rund 200 Kilometer breiter Gürtel entlang der Küste ist grün geblieben.
Vom drohenden Zyklon merken wir noch nichts: Himmel und Meer im Wettstreit um das schönste Blau.
Schönes Wetter – und wir noch entspannt.
Auch dieser Kerl, den wir unterwegs antreffen, nimmt es total locker.
Der Regenwald zum «Iluka Bluff» ist bekannt für seinen Vogelreichtum und wir erhoffen uns, einige exotische Exemplare zu sichten. Aber es ist die falsche Tageszeit und es ist weitgehend stumm in den Baumkronen. Was uns aber fasziniert sind diese «doppelten» Bäume. Sie entstehen, wenn ein grosser Baumstamm von einem Feigenbaum langsam umwachsen wird. Der Name des Feigenbaums sagt alles: Würge-Feige. Der gesunde Baum wird langsam erdrosselt und stirbt ab. Nun würde man meinen, das sei schädlich für den Wald. Dem ist jedoch nicht so. Der Prozess ist sehr langsam und die Würge-Feige trägt dazu bei, dass es im Regenwald viel Totholz und entsprechend eine hohe Diversität an Lebensräumen gibt.
Am Sonntag, 2. März 2025, verlegen wir in die Yamba Marina
Die Yamba Marina ist ein perfekter Schutz für uns! Sie liegt in einem toten Arm des Clarence Rivers. In den 1950er Jahren wurde der Flusslauf durch einen Leitdamm (gelb gestrichelt markiert – bei Flut leicht überspült) kontrolliert. Dadurch wurde die Überschwemmungsgefahr für die südliche Uferseite und insbesondere Yamba gebannt. Über die Jahre hat sich sogar eine Sandinsel aufgebaut, die heute überwachsen ist. Die Marina bietet uns also perfekten Schutz vor Wellen, die sich bei Sturm und offenem Gewässer gefährlich hoch aufbauen könnten. Auch Hochwasser kann uns nicht viel anhaben, da das Gebiet um uns herum total flach ist.
Unsere Lupina ist in Sicherheit – der Zyklon kann kommen. Wir können es etwas entspannter angehen.
Es ist der 4. März. In der Distanz nordostwärts rasende Wolken, das Meer beginnt unruhig zu werden. Trotzdem können wir noch bedenkenlos auf den südlichen Schutzwall spazieren.
Auch oben vom Leuchtturm aus wirkt die Flusseinfahrt mittlerweile aufgewühlt. Noch ist der Himmel nur leicht bewölkt.
Der Wind pfeift mittlerweile mit konstant mehr als 20 Knoten. Trotzdem sind die Wellen noch nicht furchterregend.
Am 5. März sieht die Einfahrt schon gefährlicher aus. Der Wind lässt nicht mehr nach, nimmt eher weiter zu.
Die Flusseinfahrt am 6. März – jetzt würden wir nicht mehr durchfahren wollen. Nun sind es permanent 25 Knoten und mehr.
Die See staut sich am Ufer auf. Zum Glück ist das Ufer hier felsig. Später sehen wir im TV, dass an der etwas nördlich gelegenen Gold Coast der Sandstrand über mehrere Kilometer einfach weggespült wurde.
Wir bleiben ruhig, prüfen aber dauernd die letzten Meldungen zum Verlauf des Zyklons und die entsprechenden Wetterwarnungen.
Das Bild zeigt die Entwicklung der Situation. Oben links im Bild jeweils das Datum, an welchem das Wetter von uns abgerufen wurde. Bis Ende Februar sah es so aus, als ob der Zyklon weiter im Norden aufs Land trifft. Dann beginnt er sich aber südwärts zu bewegen, dreht wieder aufs Meer hinaus und kann dort neue Energie aufnehmen. Die Windvorhersachen für unseren Standort bewegen sich im Bereich um die 30-40 Knoten. An und für sich nichts Dramatisches, aber sehr ungemütlich, wenn dieser Wind über mehrere Tage permanent auf diesem Niveau bleibt!
Ab dem 6. März entschliesst sich der Zyklon endlich, in der Nähe von Gold Coast an Land zu gehen. Er bewegt sich aber sehr langsam und der Wind bleibt entsprechend über längere Zeit hoch. Erst in der Nacht zum Samstag, 8. März lässt das Heulen über uns nach und die Fender, die unsere Lupina die ganze Zeit vom harten Steg fernhalten mussten, können langsam aufatmen.
Der Starkwind ist vorbei, nun setzt aber ein 3-tägiger, heftiger Dauerregen ein.
Die lokale Bevölkerung hat sich für das Schlimmste vorbereitet. Zum Glück wird es dann aber in unserem Bereich des Clarence Rivers nicht so heftig. Aber immerhin: Yamba bleibt für fast 1 Woche wegen Überschwemmung der einzigen Zufahrtstrasse weiter flussaufwärts von der Umwelt abgeschnitten.
Auch 2 Tage nach dem heftigsten Wind rollen immer noch mehrere Meter hohe Wellen auf das Ufer zu. Ein Hinausfahren über die Barre immer noch unmöglich. Wollen wir auch nicht, denn der Fluss bringt sehr viel Treibholz, darunter zum Teil grosse Baumstämme.
Treue Begleiter in der schlimmsten Zeit: Rauchschwalben wettern auf dem Nachbarschiff ab.
Der Sturm ist vorbei – wir feiern mit einem feinen Frühstück im Café der Marina.
Nachdem die überflutete Strasse wieder frei ist, mieten wir uns ein Auto, fahren flussaufwärts und erkunden das Hinterland. Eine Woche nach dem Sturm sieht alles so schön idyllisch und harmlos aus.
Das Wahrzeichen des regionalen Hauptortes Grafton: der Glockenturm
Dieser mächtige Baum mitten in der Stadt hätte sicher viel zu erzählen. Die Gegend wurde erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts von europäischen Auswanderern besiedelt. Vorher teilten sich 2 Stämme von Ureinwohnern das Flachlandgebiet in diesem Bereich des Clarence Flusses. Die Entdeckung des «roten Goldes», wertvolles Zedernholz, durch einen entflohenen Sträfling 1831 brachte rasch viele Holzfäller in die Gegend. Grafton entwickelte sich in der Folge rasch zum wohlhabenden, florierenden Zentrum dieser Region des Clarence Flusses.
Grafton: das Clubhaus des lokalen Ruder Clubs bleibt auch 5 Tage nach dem heftigen Regen unzugänglich.
Grafton: die erste Polizeistation aus 1847 ist noch sehr gut erhalten.
Grafton: kurze Wege – gleich neben der Polizeistation das heute noch genutzte Gerichtsgebäude.
Wieder etwas flussabwärts der kleine, schmucke Ort Ulmarra mit einigen sehr gut erhaltenen, historischen Gebäuden.
Neben dem Ulmarra Hotel hat es ein paar alte grosse Bäume, aus deren Kronen ein mächtiger Lärm an unsere Ohren dringt. Was hängt da an den Zweigen??
Die Auflösung: hunderte von Flughunden, Vertreter der grössten Fledermausarten.
Von Ulmarra aus fahren wir rechtwinklig vom Fluss weg ins Hinterland. Das Land ist hier sehr flach und überall noch überschwemmt.
Letzte Station, bevor wir wieder nach Yamba zurückfahren: das von Schotten gegründete Städtchen Maclean. Die Telefonmasten im Örtchen sind von den einzelnen Familien in den Farben und im Muster des Familienwappens bemalt. Eine Tradition die bis heute stolz gepflegt wird.
Mitten in der Fussgängerzone von Maclean entdecken wir eine ungefähr 15 Zentimeter grosse Stabheuschrecke.
Dort, wo das Wasser das Land wieder hergibt, entdecken wir viele dieser rund 2-3 Zentimeter grossen Soldatenkrabben, die sich aus dem Schlamm buddeln.
Die ausschliesslich an der Ostküste Australiens vorkommenden Blauen Soldatenkrabben verdanken ihren Namen den grossen, zuweilen aus einigen tausend Tieren bestehenden Armeen, die sich meist in rasch veränderlichen Formationen im Uferbereich fortbewegen.
Fast verpassen wir die Mondfinsternis vom 14. März. Der Himmel wäre zwar absolut wolkenlos, aber wir entdecken das Phänomen erst kurz vor seinem Ende. Schade!

Wieder eine schöne Begebenheit: während der Zyklon Zeit werden wir von vielen befreundeten Segler kontaktiert, die uns mit Rat und moralischer Unterstützung zur Seite stehen. Der ungewöhnlichste Kontakt aber findet in Iluka statt. Im Verlauf einer Diskussion über den Zyklon in einer Facebook Gruppe wird Pia von einer uns unbekannten Frau angeschrieben. Sie schreibt, sie sehe uns vom Ufer aus und wir könnten uns gerne an sie wenden, falls wir irgendwelche Unterstützung brauchen. Hilfe brauchen wir glücklicherweise nicht, finden das Angebot aber sehr sympathisch und verabreden uns mit Ellen, wie die unbekannte Frau heisst, und ihrem Mann Michael zu einem Frühstücksbrunch.

Mit der kleinen Fähre, die pro Tag 4-mal zwischen Yamba und Iluka hin und her pendelt, fahren wir am Samstag vor unserer Weiterreise rüber nach Iluka zum Brunch bei Ellen und Michael.
Anlandestelle der Fähre in Iluka. Pia strahlt: für einmal braucht sie sich nicht um das Frühstück zu kümmern.
Es stellt sich heraus, dass Ellen und Michael ebenfalls leidenschaftliche Segler sind. Sie haben von 2018 bis 2022 sogar in einem selbst entworfenen und eigenhändig gebauten Katamaran die Welt umrundet. Logisch, dass es da nebst einem ausgedehnten Frühstücksbrunch auch viel zu erzählen gibt.
Ein Prosit auf das Seglerleben! Vielen Dank, Ellen und Michael, für eure Gastfreundschaft! Die Früchte auf dem Tisch sind übrigens alle aus dem eigenen Garten!!

Das Wetter ist einfach nicht normal in diesem Jahr. In dieser Gegend sollte sonst zu dieser Jahreszeit regelmässig immer wieder eine stabile Südostwind Lage herrschen. Nach dem Zyklon dauert es aber mehr als eine Woche, bis wir für gerade mal etwas mehr als einen Tag den Wind bekommen, der uns ohne mühsames Aufkreuzen nach Norden bringt. Unser nächstes Etappenziel ist die rund 100 Seemeilen entfernte Gold Coast – also da, wo der Zyklon auf Land getroffen ist. Für eine Tagesfahrt ist diese Distanz zu gross und wir entscheiden uns für eine Nachtfahrt. Am Dienstag, 18. März 2025, laufen wir zur Flutzeit bei leicht einlaufender Strömung aus der Marina aus und nehmen bei einer recht heftigen Kreuzsee die Fahrt nach Norden in Angriff. Der Wind kommt etwas mehr aus Süden, als angesagt. Daher bläst er mehr von hinten auf das Schiff als erwartet. Wir hätten lieber seitlichen Wind, weil das Schiff bei diesem Wellengang stabiler laufen würde. Aber wir machen gute Fahrt und erreichen kurz nach Tagesanbruch unser Ziel. Wir ankern direkt nach der Buchteinfahrt hinter einer Insel mit dem vielsagenden Namen «Wave Break Island». Die Insel wurde künstlich angelegt, um den Schwell, der durch die Einfahrt in die Bucht hineinläuft, zu stoppen. Und sie macht das tatsächlich sehr effizient: wir liegen absolut ruhig.

Welche Spuren Zyklon Alfred in Gold Coast hinterlassen hat und was wir weiter erleben, schildern wir in unserem nächsten Bericht. Es bleibt spannend! Folge der Lupina im Kielwasser!

Gewusst? Australien ist das einzige Land der Welt, das gleichzeitig auch ein Kontinent ist. Flächenmässig ist Australien das sechstgrösste Land. Die Flagge zeigt nebst dem Sternbild «Kreuz des Südens» den Union Jack, die Nationalflagge des Vereinigten Königreiches Grossbritanniens und Nordirland, dessen Kolonie Australien bis 1901 war und an das es weiterhin durch seine Mitgliedschaft im Commonwealth lose gebunden ist.

Australische Ostküste –Nelson Bay bis Yamba

9. – 28.2.2025

In diesem Bericht nehmen wir dich mit auf die Reise von Nelson Bay über Port Macquarie und Coffs Harbour nach Yamba. Den ersten Stopp planen wir auf der einsamen und unter Naturschutz stehenden Broughton Island.
Wir warten sehnlichst auf ein Wetterfenster mit stabilem Südwind. Im Moment bläst der Wind aber tüchtig von Norden und wir verlegen unseren Ankerplatz an die Nordküste der Nelson Bay, an Jimmys Beach. Hier liegen wir gut vom Wind geschützt und geniessen einen herrlichen Sonnenuntergang über der Bucht.
Nachdem Pia’s Missgeschick mit dem Fussbruch publik wurde, ist sie überhäuft worden mit Genesungswünschen von allen Seiten. Vielen Dank für die Anteilnahme! Wir können nun berichten: der Heilungsprozess verläuft sehr gut. Der medizinische Stützschuh funktioniert prima, die Schmerzen sind weg und schon Ende nächster Wochen darf sie erste Gehversuche ohne den Spezialschuh machen.

Über das Wochenende vom 16./17. Februar ist starker Südwind angesagt. Am Samstag dreht er ganz langsam von Nord über West nach Südwest, nimmt dann am späteren Nachmittag stark zu und bleibt dann so bis Sonntagabend. Eine fast perfekte Gelegenheit für die ungefähr 90 Seemeilen bis zum nächsten Ziel, Port Macquarie. Wir entscheiden uns, den Ankerplatz in der Nelson Bay zu verlassen und auf der vorgelagerten, einsamen Insel «Broughton Island» den Südwind abzuwarten.

Broughton Island. Zuerst suchen wir uns einen Ankerplatz im Süden. In der Esmeralda Cove sind wir sehr gut gegen Schwell und Wind aus Norden geschützt. Die Bucht ist sehr eng und der Ankerplatz ist durch Bojenfelder der lokalen Fischer eingeschränkt. Wir haben Glück und können auch für unser Schiff eine Boje ergattern.
Während Pia ihren Fuss schont, paddle ich mit dem SUP an Land, wandere quer über die Insel und begutachte den Ankerplatz im Norden, den wir am nächsten Tag aufsuchen wollen, um vom einsetzenden Südwind geschützt zu sein. In der Richtung, in der meine Hand zeigt, etwas links vom Felsen, soll eine Boje sein. Aus der Distanz sieht es eng aus, aber das Wasser ist flach.
Und das ist die im vorigen Bild beschriebene Stelle vom Schiff aus gesehen. Die Distanz zu den Felsen ist knapp, etwa 5 Meter, aber es reicht.
An dieser Stelle ein paar Worte zu den «Public Moorings». Vielerorts befinden sich in Australien öffentlich nutzbare Bojen. Damit soll verhindert werden, dass durch schweres Ankergeschirr schützenswerte Pflanzen oder Korallen beschädigt werden. Wir nutzen diese rosafarbenen Gratisbojen gerne, denn sie sind sehr gut gewartet, werden regelmässig kontrollier und sind stark genug ausgelegt. Das einzige Handicap: man darf sie nur für 24 Stunden belegen, nachher muss sie wieder frei gegeben werden.
Die Nacht auf Samstag verbringen wir an der Boje im Norden. Der Wind hat wie angesagt in der Nacht auf Süden gedreht und nimmt nun immer mehr zu. Unser Heck schwingt nun genau in Richtung der vorgelagerten Felsen. Es hat zwar noch ein paar Meter zwischen Schiff und Fels, aber die Vorstellung, dass die Reaktionszeit praktisch null ist, falls mit der Boje etwas passiert, macht uns immer nervöser. Wir wollen doch erst am späten Nachmittag die nächste Etappe in Angriff nehmen und in einer Nachtfahrt nach Port Macquarie segeln. Um unsere Nerven zu schonen, lösen wir uns von der Boje und verlagern 100 Meter weiter westwärts, weg von den Felsen. Wir verlassen uns lieber auf unseren eigenen Anker und liegen nun vor dem breiten Strand (Bild).

Am späteren Nachmittag des Samstags, 16.2.2025, gehen wir Anker hoch und nehmen die rund 90 Seemeilen nach Port Macquarie unter den Kiel. Der Wind kommt mittlerweile mit 20 Knoten aus südsüdwestlicher Richtung. Für die ersten fast 10 Meilen passt das perfekt, unsere gut gerefften Segel werden von schräg hinten gefüllt und ziehen die Lupina mit ordentlicher Geschwindigkeit durch die Wellen. Nach dem Kurswechsel Richtung Norden haben wir den Wind fast platt von hinten. Er hat mittlerweile weiter aufgefrischt. Es sind schon fast 30 Knoten, die in die Wanten pfeifen. Die Genua rollen wir ganz weg und lassen nur das halbe Gross stehen.

Die Einfahrt nach Port Macquarie (Bild) ist eine der schwierigeren Einfahrten entlang der Küste. Hier mündet der Hastings River ins Meer. An seinem Auslauf hat sich eine sehr flache Barre aufgebaut, eine Sand- und Kiesbank, die sich in Höhe und Lage dauernd verändert. Idealerweise macht man die Durchfahrt bei stehendem, oder leicht einlaufendem Wasser. Das verändert sich mit den Gezeiten und hängt von vielen anderen Dingen wie Wind oder Regen (bei Regen fliesst mehr Wasser raus) ab. Sicherheitshalber rufen wir den lokalen Seerettungsdienst (Marine Rescue) an und erkunden uns über die besten Einfahrzeiten. Ebbe ist Sonntagmorgen früh um 6 Uhr 30. Wir erfahren, dass eine Durchfahrt 2-3 Stunden später ideal sei. Also müssen wir nun unser Tempo so kontrollieren, dass wir am Sonntagmorgen zwischen 8:30 und 9:30 Uhr die Einfahrt nach Port Macquarie bewerkstelligen können. Zwei Stunden nach Ebbe erreichen wir die Einfahrt zu Port Macquarie. Vom Meer aus gesehen laden die sich brechenden Wellen nicht zur Durchfahrt ein. Wir befolgen den Rat der lokalen Behörden, fahren zuerst an der Mündung vorbei, peilen dann schräg von Norden eine Lücke in den Wellen an und biegen schliesslich im Bereich der Schutzmauern in den Fluss ein (gelbe Strecke).
Die Einfahrt gelingt trotz Adrenalinschub locker. Schon eine halbe Stunde später ist die Lupina sicher an einer der 3 vor dem Hafen von Port Macquarie im Fluss gesetzten Bojen festgemacht. Die Strömung ist hier zwar beachtlich, aber Schwell hat es fast keinen.
Am Tag nach unserer Einfahrt schauen wir uns die Einfahrtstelle von Land aus an. Der Wind hat über Nacht stark nachgelassen, trotzdem brechen sich die Wellen auch heute im Bereich der Sand-Barre (ersichtlich im Hintergrund). Am Tag zuvor waren die Wellen noch 3-4 Meter hoch.
Mit diesem Leitsystem, welches man aus etwa 1 Kilometer Distanz gut erkennen kann, werden die Schiffe auf den richtigen Einfahrtsweg geleitet. Sieht man aus der Distanz das grüne Licht, befindet man sich zu weit rechts und sollte mehr nach links korrigieren. Rotes Licht bedeutet, dass man zu weit links liegt und nach Steuerbord halten soll. Weisses Licht signalisiert: optimaler Bereich.
Waren Dinghy-Stege in der Gegend von Sydney und Pittwater eher Mangelware, werden wir in Port Macquarie richtig verwöhnt.
Gleich am Kopf des Dinghy-Steges eine Infrastruktur für Fischer. Hier können die erfolgreichen Fischer ihren Fang ausnehmen und säubern. Wie es scheint bin ich nicht der einzige Zuschauer.
Crocket – ein Spiel, das vor vielen Jahren einmal auch bei uns Fuss fassen wollte. Damals noch mit Holzschlägern gespielt, jetzt offenbar mit einem Hightech-Gerät und auf perfekt kurz geschnittenem Rasen.
Nach vielen Tagen auf dem Schiff wollen unsere Füsse wieder mal bewegt werden. Es lockt ein fantastisch schöner Wanderweg der Küste entlang, der «Coastal Walk». Wir fahren mit dem Bus von Port Macquarie zum «Tacking Point Lighthouse» (Bild), dem Startpunkt
Tacking Point Lighthouse
Südlich vom Lighthouse: endlos lange Sandstrände
Der «Coastal Walk», ein 9 Kilometer langer Wanderweg entlang von Steilküste und wildromantischen Stränden.

Das Baden ist hier, was Haie anbelangt, einigermassen sicher. In regelmässigen Abständen werden in dieser Gegend rund 200 Meter vor der Küste täglich frische Köder ausgelegt. Ist ein Hai in der Nähe und beisst sich an einem Köder fest, löst dies einen Alarm aus. Der Hai wird dann mit einem Chip versehen und einige Meilen vor der Küste wieder frei gelassen. Als Strandbesucher kann man sich eine APP herunterladen, welche eine Warnung abgibt, falls sich ein solcher Hai wieder in der Nähe befindet.

Begegnung mit einem Buntwaran (Varanus varius), mit bis zu 2 Metern Länge die zweitgrösste Echse in Australien.
Das spontane Treffen mit dem Waran motiviert uns für einen Besuch des lokalen Zoos. Wir wollen doch endlich auch mal einen dieser drolligen Koalas zu sehen bekommen.
Koala bei der Lieblingstätigkeit: Schlafen
Känguru: der Zoo hat ein grosszügiges Freigehege, wo Tier und Mensch sich begegnen können.
Der Jabiru ist mit seinen rund 120cm der einzige Vertreter der Störche in Australien
Ein putziges Kerlchen, der Indische Mungo. Bisher noch nicht in Australien gesichtet, doch er ist mittlerweile in Indonesien angekommen. Er hätte durchaus das Potential, sich in Australien, wie die früher importierten Kaninchen, zur Plage zu entwickeln.
Die giftigste Schlange der Welt: der Inlandtaipan. Sie ist etwa 50-mal giftiger wie die Indische Kobra. Die bei einem Biss abgegebene Giftmenge reicht aus, um bis zu 250 erwachsene Menschen zu töten. Zum Glück ist sie sehr scheu und hält sich im unbewohnten Outback von Australien auf.
Was denkst du: welches ist das «tödlichste Tier» in Australien? (Antwort am Schluss des Berichtes)
Mach mal Pause!!
Die Weiterfahrt nordwärts von Port Macquarie aus gestaltet sich anspruchsvoll, da in diesem Bereich im Meer eine starke Strömung (bis zu 3 Knoten, Bild) Richtung Süden herrscht. Für uns bedeutet das: wir brauchen viel Wind und wir müssen uns nahe an der Küste halten. Unser Plan: wir machen eine Tagfahrt bis in die Gegend von South West Rocks, übernachten dort vor Anker in der einigermassen geschützten Trial Bay, und segeln am nächsten Tag nach Coffs Harbour.

Die beiden geplanten Etappen sind mit rund 30-35 Seemeilen etwa gleich lang und gut machbar in einem Tag. Denkste!! Der Wind lässt uns für einmal im Stich, füllt unsere Segel nur schwach. Ganz anders als angesagt. Trotz Motorunterstützung kommen wir infolge der Strömung nur langsam voran. Gegen Abend, mittlerweile in der Nähe von Soth West Rocks angelangt, nimmt der Wind zu. Wir entscheiden spontan, diesen Schub zu nutzen und gleich weiter zu segeln bis Coffs Harbour. Normalerweise würden wir, wenn immer möglich, vermeiden, in der Nacht irgendwo anzukommen. In diesem Fall kennen wir aber Coffs Harbour bereits und wissen, dass Einfahrt und Ankerplatz absolut frei und unproblematisch sind. Wir können nun etwas weiter zur Strömung raus und machen gute Fahrt. Eine Stunde vor Mitternacht fällt der Anker in Coffs Harbour an derselben Stelle, wo wir schon im Oktober 2024 geankert haben.

Lupina (Schiff links) in Coffs Harbour
Auf der Fahrt nach Coffs Harbour ist eine der 4 Winschen ausgefallen. Sie rastet nicht mehr ein und kann das Schot nicht fixieren. In Coffs haben wir Gelegenheit und Zeit, uns um das Problem zu kümmern.
Nach dem Zerlegen wird die Ursache des Problems klar: zu viel Fett. Die heisse Sonne hat das überschüssige Fett in der Winsch Trommel in den Bereich des Einrastmechanismus fliessen lassen. Nun bleiben die beiden Kippbügel (Pfeil) am anderen Teil kleben. Einfache Abhilfe: Teile vom Fett reinigen und nur Öl verwenden in diesem Bereich. Problem gelöst.
Für die nächste Strecke bis Yamba planen wir auch wieder 2 Etappen ein. Von einem anderen Segler (SY Coyote) haben wir den Tipp bekommen, dass es unterwegs eine kleine Insel gibt, die North Solitary Island, bei der die Reise an einer Boje sicher unterbrochen werden kann. Diesmal klappt es. Wir liegen zwar etwas rollig, aber die Kulisse ist sagenhaft! (Bildquelle: SY Coyote)
Am nächsten Tag geht es 30 Seemeilen weiter nach Yamba. Es herrscht wiederum herrliches Wetter und wir erreichen die Einfahrt zum Clarence River rund 2 Stunden nach Ebbe. Überraschenderweise treffen wir auf immer noch auslaufende Strömung. Aber der Motor schiebt unsere Lupina zuverlässig und sicher flussaufwärts zum super gut geschützten Ankerplatz (Bild). Einziges Problem: die vielen Untiefen vor allem am Ankerplatz und im Bereich der engen Einfahrt (gelber Pfeil). Aber auch diese umschiffen wir ohne Grundberührung und sicher.
Die Einfahrt zum Ankerplatz (vom Ankerplatz aus gesehen).
Ausgiebiger Erkundungsfahrt mit dem Dinghy auf dem Clarence River
Gestern Donnerstagabend sitzen wir gemütlich im Cockpit und geniessen den Sternenhimmel. Plötzlich nehmen wir am Ufer Scheinwerfer eines Autos wahr, die plötzlich komische Zuckungen machen, dann ein krachender Lärm gefolgt von absoluter Stille. Kurz darauf flackern ein paar Taschenlampen auf, nach ein paar Minuten ist wieder alles ruhig. Heute Morgen sehen wir den Grund der nächtlichen Unruhe. Angeblich hat eine Autolenkerin wegen eines medizinischen Problems die Kontrolle über ihr Auto verloren und ist geradeaus ins Wasser gefahren. Zum Glück ist das Ufer sehr flach – und wir mit der Lupina in sicherer Distanz!
Am Sonntag verlegen wir in die auf der anderen Flussseite gelegene Yamba Marina. Der Grund: es kommen heftige Winde auf uns zu. Das Bild zeigt die Windvorhersage in diesem Gebiet mitte der kommenden Woche. Es droht ein tropischer Sturm, der sich zu einem Zyklon entwickeln könnte. Er bewegt sich nur sehr langsam und es drohen mehrere Tage mit starken Winden. Im Moment ist noch nicht sicher, in welche Richtung er wandert, aber auch im besten Fall müssen wir mit Winden weit über 20 Knoten rechnen. Auch wenn der aktuelle Ankerplatz praktisch keinen Wellenaufbau zulässt, ist er doch sehr offen bezüglich des Windeinflusses. Unser Schwojkreis ist sehr eng, da es rundherum Untiefen von weniger als 2m gibt. Zudem füllt sich langsam das Ankerfeld mit mehr Schiffen, die sich in Sicherheit bringen wollen. Da fühlen wir uns in der Marina besser aufgehoben. Auch können wir einfacher an Land, was vor Anker bei Sturm fast unmöglich wäre.
Wir geniessen noch einen letzten Sonnenuntergang an unserem Ankerplatz. Am Sonntag geht’s dann in die Marina.
Ah ja – da war noch der Valentinstag! Ich habe Pia überrascht – mit einer Hiobsbotschaft: Solarstrom ist ausgefallen. Nach langem Hirnen und Nachdenken habe ich anfangs dieser Woche den Grund gefunden: beim Upgrade unserer Batterie auf Lithium wurde eines unserer 2 Solarsysteme anders verdrahtet und neu in Serie geschaltet (siehe Schema vorher und nachher). Das hatte nun zur Folge, dass die Zell Protektoren durchgebrannt sind. Wir haben jetzt die beiden Systeme wieder getrennt, und die Solarenergie der Paneelen an der Reeling steht wieder zur Verfügung. Für die Paneelen auf dem Dach müssen wir neue Zell Protektoren beschaffen.

Antwort: als das «tödlichste Tier» in Australien gilt das Pferd. Bei rund einem Drittel aller Todesfälle in Zusammenhang mit Tieren ist das Pferd involviert.

Es bleibt spannend! Folge der Lupina im Kielwasser!

Australische Ostküste – von Pittwater bis zur Nelson Bay

27.1. – 8.2.2025

Wir sind gespaltener Meinung über das Wetter hier an der Ostküste von Australien. Einerseits freuen wir uns über das schöne, sonnige Wetter mit angenehmen Temperaturen, andererseits warten wir sehnlichst auf anderen Wind. Wir wollen wieder nordwärts mit unserem Schiff. Dazu wäre Wind aus südlicher Richtung ideal. Dieser bringt dann kalte Polarluft begleitet mit dicker Wolkenschicht und nasskaltem Wetter. Meist weht aber ein angenehm warmer Nordwind, der uns das schöne Wetter beschert.

Wir sind noch in Pittwater (40km nördlich von Sydney) und warten auf den nächsten Schub Wind aus Süden, der uns nordwärts bringt. Unser nächstes Ziel ist der Lake Macquarie und später die Nelson Bay.
Mit Schwimmen und Baden ist leider nichts. Das Wasser wäre mit 24 Grad zwar warm genug, aber Quallen und aggressive Bullenhaie halten uns davon ab. Also nutzen wir die Zeit für weitere Unterhaltsarbeiten (ja, stimmt, die gehen nie aus!) am Schiff. Ein Vogel hat unsere Windfahne (das Teil, das ich in der Hand halte), die ganz oben im Mast montiert ist, beschädigt. Er war wohl zu schwer für das dünne Gerät. Dieses will ich heute durch ein Neues ersetzen.
Arbeit im Mast Spitz. Die spezielle Wolkenformation ist nur Pia von unten aufgefallen.
Immer wieder schön: Besuch bei Freunden. Hier sind es Elaine und Karl vom Segelschiff Salsa, ebenfalls eine Hallberg-Rassy, die uns zum Sundowner auf ihr Schiff eingeladen haben. Karl hat viele Jahre hier in Pittwater in der Marine-Branche gearbeitet und kennt sich prima aus in der Gegend. Er gibt uns viele Tipps.
Der Zufall will es: am nächsten Tag ist die Gasflasche leer. Prima! Pia freut es: Endlich ist das verrostete Ding leer und wir können die Flasche entsorgen. Stahl und Salzwasser vertragen sich nicht gut. Wir haben sie schon mehrmals abgeschliffen, mit Rostumwandler bearbeitet und neu gestrichen. Offensichtlich mit wenig Erfolg.
Von einem anderen australischen Schiff konnten wir 2 gebrauchte Composite (Fiberglas) Gasflaschen abkaufen. Pia säubert hier den Kasten für die Gasflasche vom Rost der alten Flasche, bevor die blaue, neue Flasche darin verstaut wird.
Nach ein paar Tagen ist er endlich da, der Südwind. Der Himmel ist trüb, aber das Meer ist noch relativ flach. Obwohl ein intensiver Nieselregen uns verfolgt, nutzen wir die Gelegenheit, um endlich etwas nordwärts zu kommen. Wir lassen Pittwater im Kielwasser zurück. Unser Ziel: der rund 48 Seemeilen entfernte Lake Macquarie.
Die Einfahrt vom Meer in einen Flusslauf oder einen See ist knifflig. Meist ist die freie Einfahrt in den Fluss durch eine flache Sandbank (eine sogenannte Barre), an der sich durch die Strömung eine gefährliche Welle aufbauen kann, eingeschränkt. Das heisst, man muss auf die Gezeiten achten, die Strömungen und den Wasserstand. Die Einfahrt in den Lake Macquarie ist besonders tückisch, weil nach der Barre noch eine knifflige Brücken Durchfahrt wartet. Es hat an der engsten Stelle heftige Turbulenzen und wir müssen aufpassen, dass der Mast keine der hochgeklappten Brückenteile berührt. 2 Stunden nach Ebbe fliesst das Wasser immer noch aus dem See, aber nun verlangsamt. Die Durchfahrt gelingt ohne Probleme.

Nach der Brücke wartet eine fast 1 Seemeile lange Schwemmlandschaft, die immer wieder ausgebaggert werden muss, damit die Strecke bis zum tieferen Wasser im See schiffbar bleibt. Der fahrbare Kanal ist gut markiert. Trotzdem berühren wir an 2 Stellen den Grund. Nicht so tragisch: der Grund ist weich (Schlamm/Sand) und wir wissen, dass der Pegelstand bald am Steigen ist. Darauf müssen wir aber nicht warten. Unser Propeller hat genügend Schub, um den Kiel wieder in tieferes Wasser zu schieben.

Der Grund für unseren Besuch im Lake Macquarie ist ein hier wohnender ehemaliger Arbeitskollege von Köbi. Steve Douglas (hier mit seiner Frau Debbie) hat über 30 Jahre für dieselbe Firma gearbeitet und die Filiale in Australien geleitet. Bei einem ausserordentlich fein zubereiteten Nachtessen im exquisiten Restaurant der Trinity Point Marina plaudern wir über die guten alten Zeiten.
Zwei ehemalige Arbeitskollegen: Steve Douglas und Köbi
Nach dem Treffen mit Steve und seiner Frau verlegen wir in den nördlichen Bereich des Lake Macquarie, nach Belmont. Im lokalen Segelclub besuchen wir das Clubrestaurant und sind überrascht über seine Grösse und die kantinenartige Infrastruktur.
Schnell wird uns klar, warum das Gebäude des Restaurants so riesig ist: nebst Restaurant und Bar beherbergt das Clubhaus ein riesiges Casino. Wir kommen uns fast vor, wie in Las Vegas.
Ein paar Tage später bläst der Wind wieder von Süden. Idealer Zeitpunkt, um den Lake Macquarie in Richtung Norden zu verlassen. Diesmal nähern wir uns der Brücke bei Hochwasser. Die Strömung (rund 3 Knoten einlaufend) ist gut am grünen Poller zu erkennen.
Nun heisst es: gut zielen, Augen zu – und durch! 😉
Der Wind ist schwächer als angesagt. Über einen weiten Teil der rund 40 Seemeilen bis zur Nelson Bay müssen wir die Segel mit dem Motor unterstützen. In einer kleinen, gut geschützten Bucht (Fingal Bay) direkt südlich der Einfahrt zur Nelson Bay werfen wir den Anker und geniessen einen wunderschönen Sonnenuntergang.
Trotz Pia’s Handicap (Mittelfussknochen gebrochen und Fuss im Stützschuh, Details siehe letzter Bericht), unternehmen wir in der wunderschönen Fingal Bay einen Landgang.
Unser Ziel: das Point Stephens Lighthouse. Als wir den Weg sehen, obsiegt die Vernunft: Pia bleibt im Schatten eines Baumes zurück und schont ihren havarierten Fuss.
Unterwegs immer wieder riesige Spinnennetze über den Weg. Den 8-beinigen Bewohnern, rund 4 Zentimeter gross, versuche ich so gut wie möglich aus dem Weg zu gehen.
Das Point Stephens Lighthouse, 1862 erbaut, diente als einer von vielen grösseren Leuchttürmen entlang der Ostküste Australiens für die Sicherheit der Schifffahrt. Nach mehreren tödlichen Unfällen mit Handelsschiffen, die entlang der Küste auf Grund liefen, begann die Regierung ab 1853 mit dem Bau von Leuchttürmen. Das Licht wurde ursprünglich mit Kerosenlampen erzeugt, ab 1922 mit drehenden Azethylenlampen. Ab 1960 erfolgte die Elektrifizierung vom Festland aus. Heute erfolgt die Stromversorgung mit vor Ort erzeugter Solarenergie.
Der schöne Sandstrand und die herrliche Bucht wären doch wunderschöne Sujets für unsere DJI Mavic Air2 Drohne. Ich mache sie auf dem Schiff bereit, werde aufgefordert einen neuen APP für die Steuerung herunter zu laden. Mache ich. Als nächstes kommt die Aufforderung, die Flugsoftware zu aktualisieren. Mache ich. Dann muss ich die Software der Steuerkonsole (Bild) erneuern. Mache ich. Es erfolgt ein langer Piepston – und seitdem macht die DJI Konsole keinen Wank mehr und ist tot. Es hilft alles nichts. Trotz verschiedenen Versuchen, den Batterien neuen Hauch einzuflössen oder die Elektronik zu deblockieren weigert sich das Gerät standhaft, zu arbeiten. Werde wohl versuchen müssen, das Gerät hier in Australien irgendwo repariert zu kriegen. Falls jemand von euch einen anderen Rat hat – sehr gerne!
Nach dem Ausfall der Drohne: Pia such andere Möglichkeiten zu filmen 🙂
Wir sind bei Port Stephens in der Nelson Bay vor Anker und statten der «Anchorage Marina» einen Besuch ab. Wir sind offenbar nicht die Einzigen. Frau Hase und Herr Hund begegnen uns in allen Varianten.
Der Anchorage Marina angeschlossen: ein luxuriöses Event Hotel mit allen erdenklichen Annehmlichkeiten.
Heute ist ein spezieller Tag und wir lassen uns in «The Galley Kitchen» mit einem aussergewöhnlichen Essen verwöhnen: Schlamm-Krabbe mit Schlangenbohnen und Krautsalat, dazu schwarzes Schwammbrot.
Die extrem köstlich zubereitete Krabbe
Der Grund für den speziellen Tag: Pia’s Geburtstag – wir geniessen ihn beide!

Nun warten wir wieder auf das nächste Windfenster. Gemäss aktuellen Prognosen bleibt der Wind für die nächsten 8 Tage von Norden. Erst zum kommenden Wochenende kommt Bewegung in der Windrichtung auf. Ob wir so lange Geduld haben und ob sich die Vorhersage so bewahrheitet??

Es bleibt spannend! Folge der Lupina im Kielwasser!

Upgrades für Lupina

10.1.-26.1.2025

Wir sind zurück im Fjordgebiet von Pittwater und liegen an einer der 3 öffentlichen Bojen in der Bucht «The Basin». Da es in dieser Gegend viele Unterwasserkabel gibt oder das Gebiet unter Naturschutz steht, ist das Ankern sehr genau geregelt. Auch in dieser Bay darf man nicht frei ankern. Dafür gibt es viele vom Staat verlegte Bojen, die regelmässig gewartet werden und in sehr gutem Zustand sind. Es gibt 3 Kategorien von Bojen, abgestimmt auf Schiffsgrössen. Wir dürfen die rosafarbenen Bojen belegen, die ideal für unser Schiff passen. Die Gelben sind für grössere Schiffe ausgelegt, aber auch diese können wir belegen, wenn keine Andere frei ist.
Am Ende der Bucht «The Basin» gibt es einen kleinen Campingplatz. Hier landen wir mit unserem Dinghy und unternehmen endlich wieder einmal eine ausgedehnte Wanderung in freier Natur. Diese führt uns steil den felsigen Fjordhang hinauf auf ein Hochplateau.
Auf dieser Hochebene zwischen 2 Fjordarmen finden sich sehr gut erhaltene Eingravierungen der Ureinwohner (Aborigines) Australiens.
Bei unserem Streifzug über die Hochebene aus Sand-Fels sehen wir nun auch, woher die schön gemusterten Felsblöcke kommen, die wir überall bei altem Mauerwerk antreffen.
Auf dem Rückweg zum Dinghy unsere erste Begegnung mit einem Wallaby, einer etwas kleineren Unterart aus der Känguru Familie.

Der Hauptgrund für unsere Rückkehr nach Pittwater ist das Upgrade unseres Navigations-Systems, das wir hier bei Andersen Marine, einer auf Schiffelektronik spezialisierten Firma in Auftrag gegeben haben, bevor wir in die Schweiz gereist sind. Der Arbeitsbeginn ist auf Montag, 13.1.2025, angesetzt. Als wir uns am Freitag bei der Marina nach unserem Liegeplatz erkunden, erfahren wir, dass unsere Reservation gelöscht wurde. In der gleichen Woche, in der wir die Arbeiten machen wollen, findet die Australische Meisterschaft einer bestimmten Segelschiff Kategorie (VX One) statt, und die gastgebende Royal Prince Alfred Yacht Marina hat uns einfach rausgekippt. Nicht die feine Art, finden wir. Nach einigen Diskussionen hin und her erhalten wir zumindest eine Boje, so dass die Arbeiten doch einigermassen problemlos in Angriff genommen werden können.

Wie frühzeitig im November 2024 vereinbart erscheint die Firma Andersen Marine pünktlich am Montagmorgen auf unserem Schiff und beginnt gleich mit den Arbeiten. Chris, der Sohn des Firmengründers Marty Andersen, macht zu Beginn eine Auslegeordnung und erklärt mir den geplanten Ablauf des Umbaus unseres Navigationssystems.

Wir waren sehr zufrieden mit unserem alten Navigationssystem der Marke Raymarine. Da sich im vergangenen Jahr zuerst der Bildschirm im Cockpit bereits zum 3. Mal verabschiedet hatte (immer fiel die Hintergrundbeleuchtung aus) und nun auch Bildzellen beim Hauptbildschirm am Navigationstisch auszufallen begannen, haben wir entschieden, das System zu erneuern. Die italienische Marke B&G hatte aber für ein neues Modell einen sehr guten Einführungsrabatt angeboten, dem wir nicht widerstehen konnten. Ja, ich weiss: Italien und elektronische Hightech-Produkte passen nicht so recht zusammen – aber ich habe nur viele gute Kommentare von Usern gelesen. Unsere Wahl bedingt aber auch, dass andere Nebengeräte, die noch funktionieren würden, auch ersetzt werden müssen. Das Aufwändigste dabei ist der Radar. Hier sind wir aber nicht unglücklich, denn auch diese Komponente hat schon fast 20 Jahre auf dem Buckel und ist natürlich auf einem veralteten technischen Stand.

In einem ersten Schritt wird geprüft, wo die neuen Komponenten ihren besten Platz haben könnten.
In einem zweiten Arbeitsschritt werden alle nicht mehr gebrauchten alten Kabelverbindungen gelöst. Im Bild die Arbeitsstelle im Cockpit.
Dort wo möglich werden die neuen Kabel direkt mit dem alten Kabel eingezogen. An einigen Stellen, wie hier unter dem Dachhimmel, ist der Kabelstrang aber mit Kabelbindern zusammengezurrt. In diesen Fällen muss der direkte Zugang zum Kabel gesucht werden, was nicht immer ganz einfach ist bei den engen Verhältnissen.
Quentin, ein Mitarbeiter von Andersen Marine, beginnt mit dem Einbau des neuen Verteilsystems (für Kenner: SeaTalk und NMEA2000 Backbone)
Unterdessen kümmert sich Logan, ein weiterer Mitarbeiter von Andersen Marine, um den Einbau des neuen Radargerätes im Mast. Vom Mast muss das Kabel in einem Stück durch den Mast hinunter auf Deck, von da durch einen engen, wasserdichten Schwanenhals ins Bootsinnere in sehr engen Kanälen zum NMEA2000 Backbone gebracht werden. Dieses schwierige Unterfangen verläuft ohne nennenswerte Probleme.
Der NMEA2000 Backbone (Verteilstück – die Schaltzentrale für die Signale der verschiedenen Sensoren) ist montiert.
Neuer Sicherungskasten (roter Kreis oben), neuer SeaTalk Converter (unterer rote Kreis) sind über die bestehenden Anschlussdosen (gelber Kreis) sauber verkabelt. Das bestehende AIS der Marke Raymarine (schwarzes Gerät) kann belassen werden. Das AIS (Automatic Identification System) sendet permanent ein Signal aus, das von anderen Schiffen erkannt werden kann. Umgekehrt empfängt das Gerät die Signale anderer Schiffe und macht sie für uns erkenntlich.

Die ganze Installation des neuen Systems dauert rund 3 Tage. Die Mitarbeiter der Firma Andersen Marine arbeiten sehr kompetent und sauber. Ich bin bei allen Arbeiten dabei und unterstütze, wo ich kann. Natürlich will ich auch lernen und das ganze System verstehen. Ich hoffe aber, dass ich all die Kabel und Verbindungen nie anrühren muss und mich auf den blossen Gebrauch der Geräte beschränken kann.

Wenn ich die Spezialisten schon mal auf dem Schiff habe, lass ich gleich alles, was mit Strom zu tun hat und im Argen liegt, beheben: seit dem Upgrade der Servicebatterie auf Lithium funktioniert das Bugstrahlruder nicht mehr. Es zieht beim Start zu viel Strom, was das Batterie Management System zum Not-Stopp treibt. Nicht gut! Die Lösung: Versorgung des Bugstrahlruders über die Starterbatterie, eine altehrwürdige Blei-Säure Batterie, die genau für hohe Stromspitzen ausgelegt ist. Aktuell sind die Kabel des Bugstrahlruders via Sicherungen (grüne Markierung, die Sicherungen befinden sich auf der hinteren Seite) mit der von der Servicebatterie versorgten Stromschiene im Kabelschrank verbunden. Chris von Andersen Marine findet eine einfache Lösung: Auftrennen der Stromschiene (gelbe Markierung) und Anschluss dieses Teilstückes direkt am Hauptschalter zur Batterie. Funktioniert!
Eine weitere Nachbesserung des Lithium-Upgrades. Der Regler für die Solarmodule schaltet zu früh von «Laden» auf «Halten der Ladung», weil er infolge des Spannungsverlustes in den Kabeln eine zu hohe Spannung misst. Einfache Lösung: ein kleines Spannungsmessgerät direkt an der Batterie angeschlossen sendet via Bluetooth die effektive Batteriespannung an den Regler.
Und wenn wir schon mal bei neuen Geräten sind: auch Pia bekommt endlich ihr Problem gelöst: der Wasserhahn in der Kombüse (Küche) konnten wir auch mit neuen Dichtungssätzen nicht mehr dicht kriegen. Hier in Pittwater können wir ihn ersetzen lassen (mir haben die Spezialwerkzeuge dazu gefehlt).
Die Arbeiten sind noch nicht ganz erledigt, zieht eine Schlechtwetterfront über uns hinweg. Zuerst starker Regen, dann 2 Tage lang heftiger Wind (im Durschnitt 25-30 Knoten, in Böen 45-50kn). Wir haben keine Lust, uns bei diesem Wetter zu verschieben und bleiben bis nach dem Wochenende an der sicheren, gut gewarteten Boje der Marina. Trotz dieses Lumpenwetters kommen die Leute von Andersen Marine am Freitag noch einmal auf das Schiff um eine defekte Positionslampe zu ersetzen. Respekt!!
Am Samstag und Sonntag dann, der Wind hat inzwischen etwas nachgelassen, bläst aber immer noch ordentlich, doch noch ein paar Rennen für die Australische Meisterschaft der X One Segler.
Am Sonntag ist auch die Sonne zurück. Gemeinsam mit Mel und Brian vom Segelschiff «Go», die wir in Bonaire zum ersten Mal getroffen haben, machen wir einen Ausflug zum «Barrenjoey Head» Leuchtturm, der am nördlichen Ende der Palm Beach Halbinsel die Einfahrt in die Broken Bay von Pittwater signalisiert.
Der Leuchtturm auf «Barrenjoey Head» wurde 1881 aus lokalem Sandstein gebaut. Bei einer sehr empfehlenswerten Führung erfahren wir viel über die Pflichten der damaligen Leuchtturmwächter, so zum Beispiel, dass er für seine einsame Arbeit im Turm kein Sofa oder Bett aufstellen durfte, sondern nur einen Stuhl.
Aussicht vom Turm südwärts über die Halbinsel von Palm Beach. Links das Tasmanische Meer (Pazifik), rechts die Gewässer von Pittwater.
Am Montag ist das schöne, warme Wetter zurück und wir verlegen an einen Ankerplatz etwa in der Mitte der Halbinsel von Palm Beach. Hier im ruhigen Wasser steige ich in den Mast hoch, um den von einem Vogel geklauten Windanzeiger zu ersetzen. Der Blick aus luftiger Höhe (rund 20 Meter) auf das Schiff ist immer fantastisch.
Ich nutze die Gelegenheit für einen ausführlichen Rigg-Check. Auch diesmal ist alles gut. Stellen, wo ich etwas skeptisch bin, halte ich mit der Kamera fest, so dass ich das nächste Mal einen Vergleich habe.
Aussicht von der Mastspitze über das Bojen Feld vor Clareville Beach (Halbinsel Palm Beach)
Es wird weiter gearbeitet auf der Lupina. In diesem Fall wurde das Expansionsgefäss der Wasserversorgung ausgebaut. Damit Wasser mit einem gleichmässigen Druck aus den Wasserhähnen an Bord strömen kann, wird das Wasser zuerst mit einer Pumpe vom tieferliegenden Wassertank in dieses Expansionsgefäss gepumpt. Das Wasser wird dazu in einen Gummibalg gedrückt, der sich im blauen Tank befindet. Der Gummibalg sorgt dafür, dass das Wasser nicht mit dem Eisen des Tanks in Kontakt kommt. Uns ist aufgefallen, dass unser Wasserfilter nach dem Expansionsgefäss seit einiger Zeit eine rostartige Verfärbung aufweist. Nun wissen wir warum: der Gummibalg ist geborsten. Warum? Keine Ahnung. Zum Glück haben wir ein Reserve-Expansionsgefäss an Bord.
Irgendeinmal sind dann auch die letzten Arbeiten erledigt, und wir können wieder auf Erkundung gehen. Schon schön, wie die Leute hier um die riesige Bucht von Pittwater leben: lichtdurchflutete Villen am Hang in unverbaubarer Lage mit Seesicht, am Ufer ein Bootshaus mit Anlegersteg, hinter dem Haus meist ein grosszügiger Parkplatz mit protzigen SUVs oder aufgemotzten Sportwagen.
Beim Einkaufen gesehen und für uns Fricktaler, die mit Kirschen gross geworden sind, ein etwas seltsamer und doch vertrauter Anblick: Kirschen in Australien! (19.99 Australische Dollar entsprechen etwa 11.25 Schweizer Franken)
Womit beschäftigen sich da die 2 Frauen??
Die Auflösung des Rätsels: wir waren am Vorabend bei Freunden, Elaine und Karl, auf dem Segelschiff Salsa eingeladen. Dieses nette australisch-neuseeländische Paar haben wir in Fiji kennen gelernt und Karl konnte uns viele Tipps für Australien mitgeben. Als wir bei aufkommendem Regen und Wind etwas hastig zur Heimfahrt aufgebrochen sind, hat Pia in der Hektik einen Fehltritt gemacht und sich bei der harten Landung einen Mittelfussknochen gebrochen. Für die nächsten 4-6 Wochen heisst das: Stützschuh tragen, wenig Belastung, keine Wanderungen! ☹
Dieses kleine Missgeschick hindert uns aber nicht daran, mit der Lupina ein paar schöne Buchten und Fjordarme anzufahren, und dort das süsse Nichtstun zu geniessen. Im Bild liegen wir in der Akuna Bay vor Anker.
In den Fjorden sind wir sehr gut geschützt. Das Wasser ist meist spiegelglatt. Der Nachteil: ohne Wind können wir nicht segeln, um uns zu verschieben brauchen wir den Motor.

Wir werden noch ein paar Tage in dieser schönen Gegend verweilen, beobachten aber jetzt schon das Wetter. Mit dem nächsten geeigneten Windfenster wollen wir unseren Weg nach Norden beginnen und planen einen Hüpfer in die Gegend des Lake Macquarie. Ob wir da bei der Brücke vorbeikommen, und ob die Einfahrt tief genug ist – mehr dazu im nächsten Bericht.

Es bleibt spannend! Folge der Lupina im Kielwasser!

Prosit auf den heutigen «Australian Day» (26.1.2025)

Neujahrsfeuerwerk in Sydney

29.12.2024 – 10.1.2025

Nach 11 Monaten bei Temperaturen meist über 20°C geniessen wir wieder einmal die herrliche Winterzeit in der Schweiz, hier in Arosa
Die richtige Kleidung und Pia lacht auch bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt

Die Zeit unseres Heimurlaubes verläuft immer wie im Flug. Unsere Agenden sind schnell gefüllt mit Besuchsterminen bei Freunden, Vereinen und Behörden. Auch fällt immer viel Büroarbeit an, wenn wir jeweils nach einem Jahr Abwesenheit unsere persönlichen Sachen regeln müssen. Die Post wird uns zwar immer von unserer Familie elektronisch weitergeleitet (vielen Dank Jan und «Poschtfraueli» Regina!), trotzdem lassen sich einige Sachen nur vor Ort in der Schweiz regeln. Am meisten Zeit widmen wir aber definitiv unseren Familien, und da vor allem unseren drei Grosskindern.

Wir geniessen die gemeinsame Zeit mit unseren Grosskindern sehr!
Der Opi macht das Pferd 😉
Auch ungewöhnliche Dinge, wie zum Beispiel ein Vortrag über unser Seglerleben vor prall gefülltem Zuhörersaal im Dorf Wölflinswil, beschäftigen uns.
Die Zeit vergeht wie im Flug – für uns fast wortwörtlich. Schon am 29. Dezember 2024 sind wir bereits wieder im Landeanflug über Sydney.

Christian, ein guter Bekannter, den wir in Bonaire (also noch in der Karibik) zum ersten Mal getroffen haben und der sich nun ebenfalls in Pittwater, wo unsere Lupina an der Boje liegt, aufhält, holt uns mit dem Auto vom Flughafen ab. Es ist zwar Sonntag, aber unterwegs machen wir in Mona Vale, einer Kleinstadt in der Nähe des Hafens, Halt. Wir müssen uns mit Proviant für die nächsten Tage versorgen. Dann geht’s auf zur Lupina. Wir sind total happy! Wir finden unser Schiff genau so vor, wie wir es verlassen haben. Ich muss den Anlasser etwas länger drehen lassen, aber auch der Motor springt nach der langen Stillstandzeit willig an. Nun noch schnell die Koffer auspacken, und wir sind für den nächsten Tag reisefertig. Aber halt! Was riecht da so würzig? Beim Öffnen des Koffers, den wir in Zürich aufgegeben hatten und der nach Sydney durchgecheckt war, kommt uns eine intensive Duftwolke entgegen. Wir finden einen Zettel von der Flughafenpolizei von Zürich Airport. Darauf wird uns mittgeteilt, dass unser Koffer (obwohl mit Schloss versehen!) von ihnen aus Sicherheitsgründen geöffnet wurde, die Durchsuchung aber nichts Gefährliches oder Unerlaubtes gezeigt habe und deshalb nichts entfernt werden musste. Leider aber haben sie es unterlassen eine Gewürzdose, die sie ausgepackt und geöffnet hatten, wieder richtig zu verschliessen. Jetzt war der Deckel der Dose weg und das Gewürz im ganzen Koffer verteilt. Nach kurzem, intensiven Fluch-Gebet ist dann auch diese Sache schnell vergessen und wir können unsere erste Nacht auf der Lupina geniessen.

Schon am nächsten Tag, bei schönstem Segelwetter, sind wir unterwegs nach Sydney. Wir können es locker nehmen …
… denn für einmal haben wir kräftige Unterstützung: unser gute Bekannte Christian übernimmt das Steuer und segelt unsere Lupina gekonnt und sicher südwärts. Michael, ein Freund von Christian, der in der Pittwater Bucht wohnt, geniesst seinen ersten Segeltörn auf dem Pazifik.
Am frühen Nachmittag des 30.12.2024 erscheint die Sydney Harbour Bridge am Horizont.
Unser Hauptinteresse gilt dem weltberühmten Feuerwerk, das Sydney immer als erste Grossstadt der Welt zum Jahreswechsel veranstaltet. Deshalb wählen wir einen Ankerplatz, der uns quasi in die erste Reihe des Spektakels versetzt: die Farm Cove, direkt neben der Sydney Opera und vor der Harbour Bridge. Wir haben Glück: noch ist der Ankerplatz nicht überfüllt und wir ankern ganz vorne an der Ankerzone.
Sydney Harbour Bridge und Opera House bei Nacht, von unserem Ankerplatz aus gesehen.
Einheimische hatten uns vorher abgeraten, so nahe beim Geschehen zu Ankern, weil viele «Verrückte» in letzter Minute ihr Schiff in die leeren Lücken zwängen wollen. Wir haben deshalb gleich nach Ankunft unser Boot auf alle Seiten gut abgefendert. Auch haben wir keine Berührungsangst: die Lupina ist ein robustes Schiff. So kann ich am Silvester noch ein gemütliches Bad im warmen Wasser vor dem Opera House geniessen. (Wichtige Info: ich habe mich nur getraut, weil Einheimische vom Nachbarboot mir bestätigt haben, dass tagsüber das Baden gefahrlos sei. Vor allem bei Dämmerung oder nachts sei es aber nicht ratsam wegen der gefährlichen Bullenhaie, die auf Nahrungssuche weit in die Bucht hinein schwimmen).
Gegen Abend füllt sich die Bucht. Aber alle halten einen respektvollen Abstand zu uns bis auf diesen Katamaran. Er ankert direkt vor uns. Der Wind ist zum Glück nicht stark und bläst stabil aus der gleichen Richtung, sein Anker wird also wohl halten. Wir geben aber trotzdem noch 5 Meter Kette, um genügend Abstand zu haben. Der Kapitän des Katamarans merkt nichts davon: er ist mit Öffnen von Sektflaschen beschäftigt.
Um 21 Uhr Lokalzeit dann eine erste Serie von Feuerwerk. Von insgesamt 8 Flossen, die über die ganze Bucht von Sydney verteilt sind, wird elektronisch gesteuert synchron ein unglaublich vielfältiges Spektakel an den Himmel gezaubert. Bis heute haben wir nicht herausgefunden, warum es dieses vorgezogene Feuerwerk gibt. Einheimische, die wir gefragt haben, meinten, es sei für die Kinder.
Nach diesem ersten Feuerwerk, das etwas mehr als 12 Minuten gedauert hat (wie erwähnt an 8 Orten gleichzeitig – das ist, wie wenn das Feuerwerk vom Zürcher Seenachtsfest an 8 Orten gleichzeitig abgefeuert wird!), zirkulieren antike Schiffe und Schiffe, die in der Hafengeschichte von Sydney eine Rolle spielen, auf einer vorgegebenen Route durch die Bucht. Alle mit einer elektronisch gesteuerten Beleuchtung, die dafür sorgt, dass alle Schiffe gleichzeitig die identischen Farben aufweisen. Von der nahen Bühne vor dem Opera House unterhält mittlerweile Robbie Williams das Publikum, das schon seit dem frühen Nachmittag geduldig gewartet hat (übrigens: es herrscht an allen öffentlichen Plätzen striktes Alkoholverbot!)
Um genau 00:00 Uhr ist es soweit: das neue Jahr ist da! Start einer unheimlich schönen, märchenhaften, magischen und fabelhaften Lichtershow am dunklen Nachthimmel, mit Worten kaum zu beschreiben.
Fast 15 Minuten lang bestaunen unsere Augen das bunte Geschehen. Die lauten Böllerschüsse vom Abfeuern und Explodieren der Raketen lassen unsere Brust und den ganzen Körper vibrieren.
Zum Schluss des Feuerwerkes der Höhepunkt: der fast 500 Meter lange «Feuer»fall über die ganze Länge der Brücke.

Irgendeinmal auf unserer Reise wurde das Neujahrsfeuerwerk von Sydney zu meinem Reiseziel. Pia war anfänglich nicht so begeistert, hauptsächlich wegen der gefährlichen Tiere in den Gewässern von Australien, die das freie, unbeschwerte Bad vom Schiff aus stark einschränken. Nun, nachdem wir es erlebt haben, dürfen wir beide bestätigen: es hat sich definitiv gelohnt. Nicht nur das Feuerwerk selber, sondern das ganze Erlebnis. Es war perfekt, dass wir schon einen Tag früher angekommen sind und so das Treiben um den ganzen Anlass miterleben durften. Uns bleiben unheimlich schöne Erinnerungen.

Am 1. Januar 2025 schlafen wir erstmals an unserem Ankerplatz aus. Schon in der Nacht sind die meisten Schiffe weggefahren. Gegen Mittag heben auch wir den Anker und lassen das Opera House und die City hinter uns. Unser Ziel: Durchfahrt unter der Harbour Bridge, Sightseeing des inneren Teiles der Bucht und dann einen sicheren Ankerplatz für die nächsten Tage.
Beweisbild unserer Querung der Harbour Bridge durch eine lokale Webcam.
Wer kennt diese Flagge? Seit einigen Jahren weht sie gleichwertig neben der Australien Flagge auf der Brücke: die Flagge der Aborigines, der Urbevölkerung von Australien.
Einfahrt in die Pyrmont Bay und Darling Harbour. Von hier aus starten die meisten Fähren und Touristenschiffe.
Die HMS Endeavour, der massstabgetreue Nachbau des Schiffes, mit dem James Cook auf seiner ersten Südseereise im Jahr 1770 Australien (damals noch von seinen Entdeckern New-Holland bezeichnet) ansteuerte und am 28. April als erster Europäer betrat. Das Schiff liegt vor dem Maritimen Museum, das wir natürlich bei einem späteren Landgang auch besuchten.

Wir ankern etwas westlich des Stadtzentrums in der Balmain Bay vor der Iron Cove Bridge. Zu unserem Erstaunen sind die freien Ankerplätze im Sydney Harbour stark eingeschränkt. Es hat zwar viele gut geschützten Buchten, diese sind aber meistens mit privat genutzten Bojen Feldern belegt. Hat man einen brauchbaren Ankerplatz gefunden, fehlt meist ein guter Anlegeplatz für das Dinghi. Wir haben Glück: unser Ankerplatz vor den Bojen erlaubt viel Platz, und fürs Dinghi finden wir in naher Distanz einen perfekten kleinen Pier. Für die nächsten Tage können wir von hier aus unsere Tagesausflüge in die Stadt planen.

An Land begrüssen uns schmucke Vorstadthäuschen mit manchen lustigen Verzierungen
Typische Arbeiterhäuschen aus dem 19. Jahrhundert. Charakteristisches Merkmal sind die gusseisernen Geländer der Balkone und des Abschlusses an der Decke.
Einfachere Häuser wurden damals aus Backsteinen gebaut – so wie es die Einwanderer halt von zu Hause kannten.
Besuch des Fischmarktes. Alles direkt frisch von den Fischfängern in den Laden. Im Bild: Tasmanischer Lachs. Ein kleiner Teil des Angebotes wird direkt vor Ort in unzähligen Restaurants und Imbissbuden zum Verzehr zubereitet. Der grösste Teil des Fanges wird über eine von den Holländern übernommene elektronische Auktion versteigert.
Einen Fischmarkt gibt es in Sydney seit 1872. Um 1966 wurde er an den heutigen Platz verschoben. Er platzt mittlerweile aus allen Nähten. Deshalb wurde direkt nebenan im Jahr 2020 ein Neubau gestartet. Technische Leckerbissen unter anderen: das Gebäude steht auf ins Meer gerammten Pfählen, und sein Dach ist eine Holzverbund-Konstruktion von der Fläche grösser als ein Fussballfeld.
Natürlich machen wir ab und zu eine Pause.
Blick durch die Strassenschlucht zum 309 Meter hohen Sydney Tower.

Bei unseren Stadtrundgängen sind wir positiv überrascht. Wir erleben Sydney als eine hübsche, moderne Metropole mit einem gelungenen Mix aus alten, schön restaurierten historischen Gebäuden und modernen, zum Teil extravaganten Hochhäusern. Das öffentliche Verkehrssystem begeistert: «hop on – hop off» heisst das System, bei dem man sich mit der Kreditkarte beim Einsteigen registriert und beim Aussteigen wieder abmeldet. Abgebucht wird die gefahrene Strecke. Kein mühsames Suchen des richtigen Tickets. Die Tarife sind sehr günstig. Wir haben pro Fahrt nie mehr als umgerechnet 1 Schweizer Franken bezahlt.

Die riesige St. Mary’s Kathedrale
St. Mary’s Kathedrale
Auch beeindruckend: wir treffen auf unzählige Projekte, welche zum Ziel haben, die CO2 Bilanz zu verbessern und die Biodiversität zu erhalten. Eines dieser Projekte sind «grüne Hauswände», Hauswände, die von unten bis oben mit geeigneten Pflanzen bedeckt sind.
Die Sydney Town Hall. Das im Jahr 1869 aus dem lokalen, gelben Hawkesbury-Sandstein erbaute Rathaus.

Nicht nur bei diesem imposanten, ehrwürdigen Gebäude, auch bei vielen anderen Dingen fällt uns auf: die ersten Einwanderer von damals, verurteilte Verbrecher, Flüchtlinge, Staatsüberdrüssige und andere ungeliebte Zeitgenossen haben grossen Wert daraufgelegt, es ihrem Ursprungsland «zu zeigen», und haben ebenso schöne, prunkvolle, trotzdem zweckmässige und solide Gebäude errichtet. Auch heute, wir finden auf unseren Stadtbesuchen in der ganzen Stadt keine Elendsquartiere, wie man sie gut aus anderen Grossstädten kennt. Das hat weder London noch New York geschafft.

«The Rocks» ist Sydneys historisches Viertel. Es stammt aus der Zeit vor 1800. Im Vergleich zum Rest der Stadt weist es andere architektonische Merkmale auf, mit niedrigeren Gebäuden und engeren Straßen. In diesem Gebiet der Stadt trafen am 26. Januar 1788 die ersten elf Schiffe der «First Fleet» (Ersten Flotte) mit rund 1’000 Frauen und Männern, darunter gut drei Viertel Sträflinge ein.
Heute legen im Quartier «The Rocks» immer noch Schiffe an. Es sind aber andere Schiffe, die das Hafengebiet jeweils kurzzeitig mit ein paar Tausend Menschen überspülen.
Immer wieder ein spezieller Anblick: Sydney Opera House, das Wahrzeichen von Sydney.

Die Bauarbeiten zum Sydney Opera Hose begannen 1959. Die Skizzen dazu stammten vom bislang nur in Dänemark bekannten Architekten Jörn Utzon. Sämtliche statischen Berechnungen mussten von Hand durchgeführt werden, da es für die komplizierten Bauformen für die Lochkarten-Computer noch zu komplex war. Utzon musste mit den Bauarbeiten beginnen, bevor sämtliche Kostenanalysen und alle technischen Probleme gelöst waren. Die ursprünglich errechneten Baukosten stiegen laufend an und wurden schliesslich um das 15-fache überschritten. Der Architekt wurde fälschlicherweise für die Kostenexplosion verantwortlich gemacht und noch während der Bauphase entlassen. Er setzte nie wieder Fuss auf australischen Boden.

Stattdessen wurde eine Gruppe junger australischer Architekten mit der Fertigstellung der Innenräume beauftragt. Utzon war überzeugt, dass die getroffenen Kompromisse das Werk ruinieren würden, und bei der Eröffnung gaben ihm Kritiker und Künstler teilweise Recht. Am 20. Oktober 1973 wurde das Opernhaus offiziell von Königin Elisabeth II. dem formellen Staatsoberhaupt Australiens, seiner Bestimmung übergeben. Als ein Zeichen einer späten Wiedergutmachung wurde Jörn Utzon 1999 eingeladen, sich als Berater bei der Renovierung und Neuausstattung der Innenräume zu beteiligen.In seinem dänischen Studio gestaltete er einen Wandteppich für die Innenausstattung eines speziellen Raumes, der 2004 wiedereröffnet wurde.

Kunstwerke in der ganzen Stadt – hier vor dem Museum of Contemporary Art
Kein Kunstwerk aber auch Realität: Homeless People in einer Grossstadt. Der Umgang mit dieser Menschengruppe scheint in Sydney recht entspannt, und die Leute leben nach dem Motto: leben und leben lassen.
Ein weiteres Highlight unserer Stadtbesichtigung: die Harbour Bridge. Dieses Meisterwerk der Ingenieurskunst, eine Bogenbrücke, wurde nach nur 8-jähriger Bauzeit 1932 eröffnet und ist die Hauptverbindung zwischen Sydneys Nord- und Südküste über den Hafen von Sydney. Mit ihrer Breite von 50 Metern und einer freien Spannweite von 503 Metern ist sie die „Breiteste Brücke der Welt mit langer Spannweite“ (Guinness-Buch der Rekorde, 2004). Auf ihr befinden sich acht Fahrstreifen (davon ein Busfahrstreifen), zwei Bahngleise, ein Fahrradweg und ein Fussweg.
Wir geniessen die Aussicht vom südlichen Brückenpfeiler. Wir hätten auch, wie diese blauen Männchen auf der Brücke, die Brücke selber besteigen können. Aber die hohen Ticketpreise (180.- CHF und mehr pro Person) können uns nicht motivieren. Fotos machen darf man bei dieser geführten Besteigung aus Sicherheitsgründen nicht (die Kamera könnte auf den Verkehr runterfallen), ein Souvenirfoto kostet nochmals um die 45 CHF. In unseren Augen Abriss, also lassen wir es.
Aussicht vom Brückenpfeiler Süd auf das Hafengebiet «The Rocks» und das Opera House mit dem Stadtzentrum im Hintergrund.
Aussicht auf die Fahrbahnen der Brücke mit Stadtzentrum im Hintergrund.
Wir beide sind der Meinung: Sydney hat uns überzeugt!

Während der letzten 3 Tage hat der Wind gedreht und kommt nun wieder aus Süden. Er bringt kühle (18-20°C) und feuchte Luft aus der Antarktis. Nach einer Woche wolkenlosem Himmel hat es nun auch zu regnen begonnen. Gestern Donnerstag haben wir den letzten Tag dieser Windlage genutzt und sind wieder nordwärts ins Gebiet von Pittwater gesegelt. Auch diesmal hat Christian die Gelegenheit genutzt und uns als Crew auf der Fahrt begleitet.

Am Wochenende verlegen wir in die Marina des Royal Prince Alfred Yacht Club bei Newport, um dann im Verlaufe der kommenden Woche die vor unserer Heimreise geplanten Erneuerungsarbeiten ausführen zu lassen. Genaueres dazu im nächsten Bericht

Es bleibt spannend! Folge der Lupina im Kielwasser!

Von Gold Coast nach Pittwater – Australische Ostküste

16.10. – 8.11.2024

Nach dem Einklarieren am speziell dafür reservierten Steg in der Southport Yacht Club Marina in Gold Coast verholen wir das Schiff erstmal ins Innere der Marina, wo wir für die nächsten Tage sehr ruhig und sicher liegen.

Nach gut 2 Jahren Segeln und Leben in der Südsee wirkt die Infrastruktur und das Leben hier in Gold Coast, rund 70 Kilometer südlich von Brisbane, wie auf einem anderen Planeten. Fast ein kleiner Kulturschock für uns. Plötzlich wieder viel Verkehr, Stau, Lärm, Menschen, die achtlos an einem vorbei gehen, und natürlich modernste Gebäude.
Gold Coast verdient seinen Namen: kilometerlange, sehr breite Strände, flach abfallend mit goldgelbem Sand. Die Wassertemperaturen bewegen sich um die 22-24 Grad, aber die Luft ist noch empfindlich kühl (hier ist nun Frühling), wenn man dem Wind ausgesetzt ist.

Wir wollen zügig weiter in die Nähe von Sydney, um dann dort das Boot für ein paar Wochen festzumachen und über die Weihnachtstage in die Schweiz zu reisen. Aber zuerst müssen wir wieder Proviant besorgen. Beim Einreisen waren keine Frischwaren an Bord erlaubt. Auch viele andere Dinge wie etwa Reis, Fleisch, Bohnen, Haferflocken und vieles mehr musste vorher aufgebraucht sein, oder es wäre vom Mann der Biosecurity konfisziert worden. Pia hatte ein perfektes «Lebensmittel-Management» und wir kamen mit fast leerem Schiff an. Nur ein paar wenige, von Gesetz erlaubte Dinge, von denen wir uns im Notfall noch ein paar Tage hätten ernähren können, waren vorhanden. Also heisst es nun, ein paar Gänge zum Supermarkt und zurück zum Schiff. Auch wichtig: eine SIM-Karte, damit wir wieder mit dem Rest der Welt kommunizieren können.

Nachdem wir die wichtigsten Dinge erledigt haben, lösen wir die Leinen und machen uns auf den Weg Richtung Süden, zum 160 Seemeilen entfernten Coffs Harbour. Die Ausfahrt durch die lange Bucht von Gold Coast ist rege befahren und verlangt von der Steuerfrau gute Aufmerksamkeit.
Gold Coast verschwindet am Horizont
Es herrscht Nordwind und das Meer ist flach. Bestes Segelwetter und ideal für den «Schmetterling». Beim Schmetterling wird ein Segel nach Backbord gesetzt (hier die ausgebaumte Genua) und das andere Segel nach Steuerbord (hier das Grosssegel). Wir machen gute Fahrt.
Tagsüber nimmt der Wind kontinuierlich zu. Waren es am Morgen noch gemütliche 15 Knoten, sind es am Mittag 20 Knoten und im Meer bauen sich Wellen auf. Gegen Abend sind es dann ungemütliche 30 Knoten, die uns südwärts peitschen. Auch ist empfindlich kühler geworden. Ich weiss, wir sind in der Südsee zu Warmduschern mutiert – es ist ja immer noch knapp 20 Grad – aber für uns ist das halt einfach kalt. Die Kuchenbude wird zum Schutz gegen den Wind hochgezogen.

Schon im Verlaufe des Nachmittages rollen wir das Grosssegel komplett weg und auch die Genua ist mehr als die Hälfte gerefft. Trotzdem machen wir immer noch gute Fahrt in die Nacht hinein. Kurz nach Mitternacht dann ein heftiges Gewitter, das sich schon früh mit heftigem Wetterleuchten und hellen Blitzen ins Meer hinein angekündigt hat. Alle greifbaren, mobilen elektronischen Instrumente sind sicher im Backofen verstaut, um sie bei einem allfälligen Blitzeinschlag vor Schaden zu schützen. Alles geht gut! Nach einer Stunde zieht das Unwetter ab und es baut sich ein normaler Wind auf. Leider nur kurz, bevor er sich ganz abmeldet. Die letzten 40 Seemeilen zum Ziel müssen wir leider mit Kari, unserem Dieselmotor, bewältigen. Kurz vor 9 Uhr morgens ist der Anker in Coffs Harbour eingefahren und der Motor abgestellt.

Coffs Harbour mit der Marina (rechts) und unserem Ankerplatz (links)
Im Verlaufe des Tages dreht der Wind nach Süden. Er kommt also genau von dort, wo wir hin wollen. Natürlich könnten wir versuchen, gegen an aufzukreuzen. Das tun wir uns aber nicht an. Das Wetter wird in den nächsten Tagen so bleiben und wir machen es uns für ein paar Tage in Coffs gemütlich. Wir unternehmen eine kurze, sehr schöne Wanderung ans östliche Ende der «Muttonbird» Insel, die heute über einen künstlichen Damm mit dem Festland verbunden ist. Am zerzausten Haar von Pia und an den weissen Schaumkronen der Wellen sieht man deutlich, dass sich ein ordentlicher Wind aufgebaut hat – aber die Sonne scheint warm.
Neuer Kontinent – neue Tiere! In der Folge ein paar Beispiele. Hier ein Australischer Weissibis
Maskenkiebitz
Austral Buschhuhn, etwas grösser als ein Huhn. Es durchwühlt mit seinen kräftigen Beinen Wald und Buschboden nach Nahrung (Würmer, Insekten, Samen und Körner)
The Jetty, das Wahrzeichen von Coffs Harbour. Der weit ins Meer hinausragende, fast 500 Meter lange und 12.5 Meter breite Pier («Jetty» genannt) wurde ursprünglich als Verladerampe für Holz gebaut. Das Besondere daran ist, dass wegen des grossen Schwells vom Meer die Schiffe immer mit einem gewissen Abstand zum Steg festgemacht wurden. Alles, auch Personen, mussten mit einem Kran hin und her transportiert werden. Heute wird der Jetty nicht mehr für die Schifffahrt genutzt. Der Holzabbau ist versiegt und die Fischerboote können heute ihre Fracht im geschützten Marina-Bereich löschen.
Wir befinden uns auf der südlich von unserem Ankerplatz gelegenen South Coffs Island. Auch das ist eigentlich keine Insel mehr, da sie mittlerweile mit einem breiten Erddamm, auf dem auch eine breite Autostrasse verläuft, mit dem Festland verbunden wird. Im Hintergrund die rollende Brandung des «Boambee» Strandes im Süden.
Der östliche Schutzwall zur Einfahrt (man fährt links vorbei) nach Coffs Harbour
Aussicht auf die Marina (Bildmitte) und unseren Ankerplatz (links)
Eigentlich wäre der Ankerplatz super. Aber bei der vorherrschenden Wetterlage (sehr heftige Winde – kurz mal ein paar Stunden von Norden, dann wieder von Süden) herrscht draussen eine fürchterliche Unruhe im Wasser. Die Wellen wissen gar nicht, wohin sie sollen. Sie scheinen sich im Hafengebiet ihre Ruhe zu suchen. Uns umgekehrt schütteln und rütteln sie dafür die nächsten Tage am Ankerplatz heftig durch. Wir fühlen uns manchmal wie auf hoher See.
Wir suchen unsere Ruhe an Land, hier bei einem wunderschönen Spaziergang dem Coffs Creek (Fluss) entlang zum Botanischen Garten.
Im sehr naturnahen und wirklich empfehlenswerten botanischen Garten bestaunen wir exotische Pflanzen aus vielen Teilen der Welt, hauptsächlich aber aus verschiedenen Gebieten Australiens. Hier: Goldene Engelstrompete, die Blüte ist gut 20 Zentimeter lang.
Dendrobium Orchidee. Diese schöne Blume lebt ausschliesslich auf anderen Pflanzen, vorwiegend auf Bäumen.
Nebst unzähligen Vogelarten sind auch viele andere exotische Tiere im botanischen Garten anzutreffen. Die aktuell 3 dort ansässigen Koalas haben wir trotz intensiver Suche mit Nackenstarre (wir haben unablässig in die Baumkronen gestarrt) nicht gefunden, dafür ist uns aber dieses schöne Reptil vor die Linse gekrochen: ein Riesen-Stachelskink, der nur an der Ostküste von Australien vorkommt.
Und natürlich muss ab und zu auch der Durst gestillt werden. In Australien gibt es heute sehr viele Mikro-Brauereien, die super schmackhaftes Bier brauen.

Das Warten in Coffs Harbour ist sehr kurzweilig, aber wie schon beschrieben, ist der Ankerplatz in den letzten Tagen sehr rollig. Deshalb sind wir froh, dass endlich ein Wetterfenster kommt, das und weiter südwärts bringen kann. Am frühen Morgen des 27. Oktobers 2024 lichten wir den Anker und nehmen die rund 165 Seemeilen lange Strecke nach Port Stephens, unser nächstes Ziel, in Angriff. Wir wissen, dass die ersten paar Stunden der Wind noch zu schwach ist für die Segel. Macht aber nichts, denn während der Motor läuft, können wir gleichzeitig den Wassermacher laufen lassen und unseren Frischwassertank wieder füllen. Eine Gruppe Buckelwale, die im flachen Wasser gut auszumachen ist und deren Männchen tolle Sprünge vorführen, sowie ab und zu mal neugierige Delphine unterhalten uns. Im Verlaufe des Vormittages nimmt der Wind allmählich zu, und wir können die Segel setzen. Den ganzen Nachmittag und durch die folgende Nacht weht eine gleichmässige kontinuierliche Briese, die uns gut voranbringt.

Aufregung dann kurz nach 3 Uhr in der Nacht. Über Funk hören wir eine Notfallmeldung eines anderen Segelschiffes. Es nimmt Wasser auf, nachdem es einen Felsen gerammt hat. Von der Beschreibung und den übermittelten Koordinaten realisieren wir, dass das Schiff nur ein paar Meilen hinter uns fährt. Wir haben kurz vorher ein Kap umrundet und der Havarist muss da offenbar zu nahe am Ufer gesegelt sein. Der lokale Seenotdienst übernimmt über Funk die Koordination der Hilfe und bittet uns und ein anderes Boot in der Nähe, das beschädigte Segelschiff zu begleiten, falls der Wassereinbruch nicht kontrolliert werden kann. Nach etwa einer halben Stunde meldet das beschädigte Boot, dass die 4-köpfige Crew mit den vorhandenen Pumpen und Eimern den Wasserstand im Boot stabil halten kann. Wir sind erleichtert. Sie sind nun unter Motor in voller Fahrt unterwegs zum Zielhafen. Kurz nach Morgengrauen kommt uns vom Land her ein Schiff der Seenotrettung entgegen und übernimmt an unserer Stelle die Begleitung zum nächstgelegenen Hafen.

Nach dem hektischen Tagesbeginn mit dem See-Notruf geniessen wir einen wunderschönen Sonnenaufgang am wolkenlosen Himmel.
In der Shoal Bay von Port Stephens fällt um 8 Uhr morgens des neuen Tages der Anker. Es liegen nur wenige Schiffe vor Anker, im Gegensatz aber zu Coffs Harbour liegen wir absolut ruhig.
Wir hatten sie unterwegs schon aus der Distanz gesehen, nun in Port Stephens: riesig grosse Pelikane, mit einer Flügelspannweite von über 3 Meter! Sie lauern wohl auf den Abfall der Fischerboote
In Port Stephens suchen wir im Yard nach dem Schiff, das uns die Nacht zum Tag gemacht hat. Wir werden schnell fündig: die «SY All for Nothing», eine Bavaria 43, hat am Bug einen massiven Schaden und der Rumpf aus Fiberglas ist im Bereich des Buges aufgerissen.
Diesmal schon nach 2 Tagen ist der Wind wieder günstig, um die nächste Etappe nach Süden unter den Bug zu nehmen. Es sind rund 80 Seemeilen bis zu unserem Endziel in Pittwater, einer riesigen Bucht mit vielen Seitenarmen, die etwas an den Vierwaldstättersee erinnern. Die Strecke ist bei gutem Wind in einer Tagesetappe machbar, wir müssen aber früh los. Kurz vor 7 Uhr in der Früh umrunden wir den Leuchtturm, der die Schiffe vor den schroffen Felsen des Mount Stephens warnt, und nehmen direkten Kurs auf zur Einfahrt in die Bucht von Pittwater.
Es wird ein wunderschöner Segeltag entlang der Küste. Unter Schmetterlingsegeln erreichen wir die Einfahrt zur Bucht bereits kurz vor 18 Uhr und können sogar bis kurz vor die Marina, wo wir eine Boje reserviert haben, mit den Segeln weiterfahren. Eine super spannende Fahrt, denn es findet gerade eine Abendregatta statt. Um zur Boje zu gelangen, durchfahren wir Regattastrecke und sind zum Teil parallel dazu. Richtig interessant! – so macht Segeln Spass.
Hatten wir bisher meist relativ wenig Boote um uns herum, liegen hier in Pittwater Tausende von Yachten! Freies Ankern ist fast nicht möglich und stark reguliert. Wir liegen an einer Boje des Königlichen Motorboot Clubs (Royal Motor Yacht Club). In der Marina des Clubs liegen auch wirklich schöne, sehr gut gepflegte Motoryachten. Segelschiffe sind eher Exoten, ausländische die gar den Atlantik und den Pazifik überquert haben praktisch keine. Die Lupina ist also etwas Besonderes 😉
Eine Besonderheit der Yacht-Clubs hier: einen sinnvollen Anlegesteg für Dinghis gibt es nicht. Dafür wird ein Boot-Taxi angeboten, das uns gratis an Land und wieder aufs Boot bringt. Falls mal jemand nach Arbeitsschluss um 17:30 Uhr zurück aufs Boot will, dem werden diese Ruderboote zur Verfügung gestellt.
Es ist definitiv zu kalt zum Baden, nachts fällt das Thermometer zurzeit bis auf 15 Grad runter. Schwimmen im Meer ist also im Moment nicht angesagt. Es gibt auch andere Gründe, wieso man fast niemanden im Wasser sieht: Quallen (Bild, diese sind aber nicht giftig) und Haifische (vor allem Bullenhaie), die auf Nahrungssuche weit in die Bucht hineinkommen. Unser Badeleiter bleibt oben.
Statt im Meer zu Baden besuchen wir die Holzboot-Ausstellung, die jedes Jahr in der Royal Motor Yacht Club Marina stattfindet. Es hat wunderschöne, sehr gut gepflegte Boote dabei. Die «Duyfken» ist ein Nachbau des ersten europäischen Schiffes, welches Australien angesteuert hat. Müsste sie vielleicht mal neue Segel haben?

Die letzten paar Tage waren wir mit kleineren Unterhaltsarbeiten und Organisieren von grösseren Arbeiten beschäftigt. Uns ist nämlich schon länger der Plotter (Computer für die Navigation) im Cockpit ausgestiegen. Wir haben ihn nun schon zweimal reparieren lassen, aber nun hat er sein Lebensende erreicht. Ein neues Ersatzgerät, welches das Alte eins zu eins ersetzen würde, gibt es nicht. Wir müssen in ein neues System investieren. Hier in Australien gibt es zum Glück ausgebildete Fachleute, die uns beraten und dann auch das System installieren und in Betrieb nehmen können. Aber bevor wir dieses Kapitel beginnen, machen wir nun erstmal Weihnachtsferien in der Schweiz.

Heute, Freitag 8. November 2024, reisen wir nun für ein paar Wochen in die Schweiz um nach fast einem Jahr Abwesenheit unsere Familien und Freunde wieder einmal zu sehen, und wir freuen uns sehr auf die Weihnachtstage mit den Grosskindern. Bei diesem Besuch wartet auch etwas ganz Besonderes auf uns: im Dezember (das genaue Datum ist leider bei Redaktionsschluss noch nicht festgelegt, wird aber rechtzeitig in der lokalen Presse publiziert) dürfen wir auf Einladung des Vereins Dorf Plus im Vereinslokal des Gemeindehauses einen Vortrag abhalten und den interessierten Besuchern unser Seglerleben näherbringen. Wir hoffen natürlich, du bist auch dabei!

Lupina wartet in guter Gesellschaft (nicht erkennbar, sie ist umringt von vielen schönen Booten) an einer Boje in der gut geschützten Bucht von Pittwater, bis es kurz vor Ende Jahr wieder weiter geht.

Bis wir wieder zum Schiff zurückkehren, macht der Schreiberling wieder Pause. Im nächsten Bericht wollen wir euch dann schöne Bilder vom Neujahrsfeuerwerk von Sydney präsentieren. Mitte Januar 2025 sollen wir dann auch die neuen Bordinstrumente erhalten. Ob alles klappt?

Es bleibt spannend! Folge der Lupina im Kielwasser!

Von Vanuatu nach Australien

8.-15.10.2024

Erster Tag auf See

Um 10:45 Uhr lokale Zeit heben wir in Luganville auf Vanuatu den Anker und los geht es nach Australien. Zielhafen sind Gold Coast oder das südlichere Coffs Harbour, unsere erste Präferenz.

Die Wind Verhältnisse am Ankerplatz sind gut, und wir können gleich die Segel setzen. In ruhiger Fahrt, manchmal kurz stärker angestossen von einer Böe, segeln wir dem Second Channel entlang westwärts. Nach rund einer Stunde haben wir das offene Meer erreicht. Keine weiteren Engpässe mehr. Der Tiefenmesser fällt schnell ins Bodenlose. Nachdem sich auch die Windrichtung stabilisiert hat (auf der Leeseite einer Insel hat es immer noch Turbulenzen), können wir Kurs zum ersten Wegpunkt aufnehmen und entsprechend die Segel ausrichten.

Das Meer ist flach und wir machen schnelle Fahrt.
Wir sind beide freudige gespannt, was diese Überfahrt uns alles bringen wird.
Im Verlaufe des Nachmittages wird die See ungemütlich krabbelig, die Wellen immer höher. Auch der Wind hat zugenommen bis auf 20 Knoten quer auf das Schiff. Immer wieder werfen uns die spitzen Wellen auf die Seite. Es ist nicht mehr angenehm.

Pia, der es bis zu diesem Zeitpunkt sehr gut ging, wird immer ruhiger. Konzentriert schaut sie zum Horizont. Ich weiss, was das bedeutet! Kurz darauf geht sie runter und legt sich flach hin. Eigentlich wäre nun Essenszeit, aber das winkt sie vehement ab. Ich geniesse eines der vorgekochten Menüs (Cho Men Nudeln) alleine. Pia ist nun definitiv ausser Gefecht. Mir bleibt nichts anderes übrig, als ihre Schicht der Wache (1. Nachthälfte) auch zu übernehmen. Ich bin froh, lässt mich die Seekrankheit in Ruhe. Noch bevor die Nacht anbricht, rollen wir die bereits kräftig gereffte Genua ganz ein, reduzieren unser Tempo, das für die immer dümmer werdenden Wellen eh zu schnell war, und fahren mit 6-7 Knoten in die Nacht. Wir haben Glück, der Wind verharrt in seiner Richtung und auch die Stärke bleibt meist unter 20 Knoten. So bleibt uns, ausser dem heftigen Geschaukel, eine unruhige Nacht erspart.

Gegen Morgen nehmen die Wellen in der Höhe leicht ab, und sie werden regelmässiger. Es wird angenehm. Nach den ersten 24 Stunden haben wir ein ETMAL (über 24 Stunden gefahrene Distanz) von 160 Seemeilen erreicht. Wir rechnen bei einer Distanzfahrt mit einem ETMAL von 144 Seemeilen, was einer Geschwindigkeit von 6 Knoten entspricht. Wir sind also sehr gut unterwegs!

Zweiter Tag auf See

Nach einem Tag hat sich die Bordroutine eingependelt. Eines von uns sitzt immer im Cockpit, beobachtet Wind und Wellen und schaut, ob sich kein Schiff in unsere Nähe verirrt. In diesen Gegenden wäre das eher ein besonderes Ereignis. Das Andere ist meist unten am Dösen, Lesen, oder Spiele Machen. Da Pia auch am 2. Tag unter der Seekrankheit leidet (der Magen hat sich zwar mittlerweile ans Schaukeln gewohnt, nun sind aber Kopfschmerzen und Schwindel dazu gekommen), verbringe ich die meiste Zeit auf Wache. Macht aber nichts, auch da kann ich ab und zu ein Nickerchen machen oder etwas lesen. Ich kann mich gut ausruhen.

Die Fahrt durch den Tag verläuft relativ ereignislos: der Wind hat auf angenehme 15 Knoten nachgelassen, kommt nach wie vor quer aufs Schiff und verleiht ihm so eine stabile Schräglage. Wir haben mittlerweile die Fock gesetzt (dieses Vorsegel ist deutlich kleiner als die Genua und lässt sich bei viel Wind ruhiger segeln) und es wird immer angenehmer.

Kurz vor dem Eindunkeln ein kurzer Aufreger. Ein Tölpel (so heissen sie tatsächlich) wird seinem Namen gerecht. Er will unbedingt auf unserem Windgenerator ausruhen. Wir scheuchen ihn immer wieder weg. Er ist hartnäckiger als wir, und versucht es so lange, bis es ihm die Flügel stutzt. Schade für den schönen Vogel. Pia ist wieder einigermassen auf dem Damm (bis auf die heftigen Kopfschmerzen. Diesmal kann sie auch ihre Schicht machen und ich übernehme dann ab Mitternacht.

Auch diese Nachtfahrt verläuft ansonsten ereignislos, und wird durch einen wunderbar farbigen Sonnenaufgang abgeschlossen.

Unser heutiges ETMAL: 168 Seemeilen.

Dritter Tag auf See

Spannung ist angesagt. Heute durchfahren wir das erste von 3 Riffen. Es liegt nördlich von Neu Kaledonien und reicht teilweise knapp über die Wasseroberfläche. Es gibt eine Passage (Grand Passage, grüner Bereich), durch welche die Querung sicher ist.

So ist es dann auch: unser Tiefenmesser, der bis 140m tief messen kann, bleibt arbeitslos, und wir sehen weit und breit kein Anzeichen des Riffes, da die Passage mehrere Kilometer breit ist. In der Passage und danach: herrliches Segeln, da die Wellen sehr flach geworden sind. Wir sind immer noch schnell unterwegs.

Erstaunlicherweise hat sich Pia immer noch nicht erholt. Die Übelkeit ist zwar weg, aber heftige Kopfschmerzen und Schwindel plagen sie nach wie vor.

Der Skipper ist also immer noch gleichzeitig auch Smutje (Koch) und löst Pia eine Stunde früher ab auf der Wache in der Nacht zum 4. Tag. ETMAL: 160nm

Vierter Tag auf See

Der Tag beginnt mit einer sehr konfusen See. Irgendjemand muss den Wellen mal beibringen, dass sie nur aus einer Richtung kommen sollen.

Wir nähern uns dem 2. Riff auf unserer Fahrt, der «Banc de Landsdowne» (roter Kreis im Bild weiter oben). Auf der Seekarte sieht es zwar überall sehr tief aus, wenn man aber rein zoomt, erkennt man plötzlich Punktmarkierungen mit Angaben wie «12m» oder «Störung». Also irgendetwas ist da. Wir machen einen weiten Bogen um solche Stellen und halten immer ein Auge auf dem Tiefenmesser. Der bleibt die ganze Zeit im Endlosen.

Nach ein paar Stunden sind wir durch und können wieder etwas entspannen auf der Wache. Herrlichstes Segeln dann am Nachmittag, flaches Meer und guter Wind.
Das ändert sich am Abend schlagartig. Kurz vor dem Eindunkeln nimmt der Wind deutlich zu, kurz danach die Wellen. Unser kardanisch aufgehängter Kochherd/Ofen schaukelt bis zum Anschlag …
… und unsere Schiffsglocke baumelt heftig hin und her. Wer sich fragt, ob diese denn nicht dauernd bimmelt bei so schaukliger Fahrt? Nein – kein Ton! Grund: das Pendel bewegt sich im gleichen Rhythmus wie die Glocke und schlägt daher nie an.

Um es etwas spannender zu machen kommt diesmal auch Regen dazu. Um Mitternacht sind es dann 25-30kn, die heftig an den Segeln zerren. Unglaublich, was die aushalten müssen. Und erst noch der Autopilot, der bei der aufgewühlten See die Lupina schnurgerade auf Kurs hält. Ab und zu schleudert ihn eine grosse Welle etwas aus dem Ruder, schnell aber kaum spürbar korrigiert unser elektronischer Steuermann. Wir sind beide froh, als die Nacht vorbei ist und wir wieder sehen, was um uns herum passiert. Obwohl wir, um Material und Mensch zu schonen, die Segel stark gerefft hatten, liegt unser ETMAL nach den vierten 24 Stunden auf See bei 161 Seemeilen. Pia hat es geholfen: sie ist wieder auf dem Damm.

Fünfter Tag auf See

Anfänglich ist die See noch bockig und die Wellen der vergangenen Nacht werfen uns umher wie ein Rodeo Pferd seinen Reiter. Da der Wind etwas nachgelassen und stabil aus Südost weht, beruhigt sich das Meer und es wird wieder ein herrlicher Segel Tag. Auch Pia geht es wieder deutlich besser und sie kann ihre Schichten im Cockpit wieder übernehmen (bei guten Segelbedingungen kann man sich dabei gut erholen).

Wir queren das letzte Riff, die Nova Banc (gelber Bereich auf dem Bild weiter oben) südlich der Chesterfield Inseln, bei besten Verhältnissen. Von nun verläuft unsere Route bis an die Küste von Australien ohne weitere Hindernisse. Wir sind auf direkter Linie nach Coffs Harbour, das südlich des 30. Breitengrades liegt. Das ist wichtig für den Versicherungsschutz, denn nördlich davon sind Sturmschäden während der Zyklonzeit (1. November – 30. April) am Boot nicht gedeckt. Anfänglich hat alles gut ausgesehen, nun wird die Wetterlage vor Coffs immer etwas verworrener. Je nach Wettermodellen, die wir über SSB (Kurzwellen Funk) anfragen, oder die ich vom Seglerkollegen Beat der SY Kianga übermittelt erhalte, herrscht bei unserer vorgesehenen Annäherungszeit Sturm von Norden, gar kein Wind oder Gegenwind aus Süden. Kurz: eine sehr unsichere Wetterlage.

Eine dicke Wolkenbank über der untergehenden Sonne deutet einen Wetterwechsel an.

Der Wind scheint uns bei der Entscheidung helfen zu wollen: er dreht im Verlaufe der ersten Nachthälfte soweit nach Süden, dass wir mehr westwärts ausweichen müssen und praktisch genau Kurs nach Gold Coast fahren müssen. In der Nacht dann zum folgenden Tag lässt der Wind zuerst stark nach. Die Segel schlagen während fast einer Stunde lang immer wieder, weil sie nicht mit genügend Wind gefüllt sind. Dann nimmt er um ein paar Knoten zu und es wird eine herrliche Nachtfahrt. ETMAL 167 Seemeilen

Sechster Tag auf See

Wir halten immer noch Kurs auf Gold Coast, hoffen aber, die Wettersituation in Coffs ändert sich noch. Es wird ein wunderbarer Segel Tag.
Die Lupina gleitet mit rhythmischem Rauschen schnell und elegant Richtung Australien. Sie scheint sich darauf zu freuen. Auch Delphine werden durch diese Freude angesteckt. Fast eine Stunde lang springen und tauchen sie um uns herum. Ein schönes Tier!

Am Abend (wie kann es anders sein, immer wenn es in die Nacht geht!) nimmt der Wind schlagartig zu. Innerhalb weniger als 15 Minuten von gemächlichen 12 Knoten auf 20-25 Knoten. Und er bleibt dort fast die ganze Nacht. Wieder stark gerefft und bei gedrosseltem Tempo lassen wir uns durch die Nacht rollen und schütteln. Wer sagt denn, Segeln sei entspannend und bequem? Egal, auch diese Nacht geht zu Ende. Ab jetzt lässt der Wind nach und beginnt, wie vorhergesagt, von Südosten nach Nordosten zu drehen. Jetzt kommt für uns der Wind weiter achterlich, was die Stabilität des Schiffes nicht unbedingt verbessert. Der zwar abnehmende aber immer noch heftige Schwell der Nacht schüttelt uns in den siebten Tag. ETMAL 156 Seemeilen

Siebter Tag auf See

Die Wettersituation vor Coffs Harbour verdeutlicht sich. Es zeichnet sich ab, dass am Tag unserer Ankunft der Wind zusammenfallen würde und wir rund 36 Stunden motoren müssten. Das wollen wir nicht. Die Entscheidung ist gefallen, wir bleiben auf Kurs nach Gold Coast.

Die Tatsache, dass wir nun das näher gelegenen Gold Coast ansteuern und die schneller als geplante Fahrt haben Konsequenzen. Wir müssen die Essensvorräte, die nicht nach Australien eingeführt werden, einen Tag schneller auffuttern. Die Australier haben sehr strickte Auflagen, die auch kontrolliert und umgesetzt werden. Na gut, dann opfere ich mich halt und putze (nur leicht unterstützt von Pia) den restlichen Vorrat weg. Viel war aber nicht mehr vorhanden, Pia hatte das vorgängig sehr gut geplant.

Leider fällt dann auf der Fahrt nach Gold Coast der Wind rund 80 Seemeilen (etwa 12 Stunden Fahrt) vor dem Ziel aus. Als unsere Geschwindigkeit unter 2 Knoten fällt, rollen wir etwas widerwillig die Segel ein und starten den Motor. Um Mitternacht flackert dann kur noch einmal etwas Wind auf, was mich zum erneuten Setzen der Segel motiviert. Aber 2 Stunden später ist definitiv nur noch Flaute. Früh morgens bei Sonnenaufgang sehen wir Land. Die Lichter der Hochhäuser liessen sich schon von viel weiter draussen erkennen.

Kriegen wir da Unterstützung für die Navigation? Genau an der Stelle, wo grosse Schiffe ihren Lotsen aufnehmen, der dem Kapitän den sicheren Weg weist, da landet diese Möve auf unserer GPS-Antenne und macht es sich für die nächste Stunde gemütlich.
Die Möve verteidigt ihren Platz vehement. Ihre Kolleginnen und Kollegen müssen sich auf den viel instabileren Seilen ausbalancieren.
Anfahrt von Gold Coast. Weit im Hintergrund die imposante Skyline.
Nun ist es höchste Zeit die Gastlandflagge und den Quarantänewimpel zu hissen.

Genau nach 6 Tagen und 20 Stunden, um 07:45 Uhr Lokalzeit, wird Australien am 15. Oktober 2024 festgemacht an der Lupina. Dank leerem Kühlschrank und ausgeräumten Vorrats-Schapps verläuft auch die Inspektion der Biosecurity (die Behörde, welche kontrolliert, dass keine unliebsamen Lebewesen und Pflanzen in das Land gebracht werden) sehr speditiv und äusserst freundlich. Noch alle Fragen und Formulare der Zollbehörde durchgegangen, und schon sind wir legal in Australien willkommen. «Gday Mate!»

Es bleibt spannend! Folge der Lupina im Kielwasser!

Letzte Meilen In Vanuatu

29.9. – 8.10.2024

Wir sind nun seit einem Monat in Vanuatu und haben einen kleinen Eindruck von Land, Inseln und deren einzigartige Kulturen bekommen. Wir könnten gut und gerne länger bleiben, aber die Zyklon Saison, die offiziell am 1. November beginnt, rückt immer näher. Wir werden diese nicht nur für Schiffe gefährliche Jahreszeit in Australien, ausserhalb des Risikogebietes, verbringen.

Bevor es auf die 7–8-tägige Fahrt nach Australien geht, wollen wir noch unsere Rundreise in Vanuatu zu Ende bringen. In diesem Bericht nehmen wir dich mit auf die grüne Strecke: von Port Stanley im Norden der Insel Malekula zur Insel Vao an der Nordspitze und dann rüber auf Espiritu Santo nach Luganville.
Dass wir uns besser aus dem Staub machen, bevor die ersten Zyklone sich anbahnen, zeigt dieses Bild: Vanuatu ist ein Hochrisiko-Gebiet und wird fast jedes Jahr irgendwo heimgesucht von einem dieser Stürme. Hier, in der Nähe unseres Ankerplatzes in der Bucht von Port Stanley, wurde vor 5 Jahren ein ganzes Palmenfeld zerstört.
Auf der Insel Vao ganz im Norden von Malekula leben rund 1350 Menschen auf 8 Dörfer verteilt. Es sind alles «Kastom» Dörfer, Gemeinschaften also, wo die alten Traditionen noch ausgiebig gepflegt werden. Wir besuchen daher den Chief des ersten Dorfes und bitten um Erlaubnis, vor seinem Dorf ankern zu dürfen. Dabei übergeben wir ihm kleine Geschenke: ein schönes Hemd, ein Seil und ein Beutel, mit Toilettenartikeln. Er freut sich sehr darüber und erteilt uns die Erlaubnis, bleiben zu dürfen. Sich allein im Dorf oder auf der Insel bewegen geht aber nicht, es hat viele «Tabu» Zonen, die wir nicht alleine betreten dürfen. Der Chief stellt uns Lucy als Reiseleiterin ab, der diese Abwechslung im Alltag sichtlich Freude bereitet.
Gleich am Anfang unseres Spazierganges durch das Dorf nimmt Lucy mir die Kamera ab. Ich darf als Fremder keine Bilder machen. Sie aber schon! Die paar folgenden Bilder hat Lucy für uns geschossen. Hier sind es «Tamtams» am Eingang zur Schule. Die «Tamtams» befinden sich meist an wichtigen Örtlichkeiten und werden mit Holzknüppeln zum Tönen gebracht, wenn man sich treffen will.
Hier sind es vor allem die Frauen, die hart arbeiten. Die Familien haben ihre Gärten auf dem «Festland», wie sie die Mutterinsel Malekula nennen. Am frühen Morgen begeben sich die Frauen auf ihre Felder, arbeiten dort den ganzen Tag und tragen am Abend die Ernte zurück zu ihren Familien auf der kleinen Insel Vao.
Auf Schritt und Tritt begegnen wir «Tamtams», welche «natsaros», Kultstätten mit Steinmonolithen und Banyan-Bäumen, markieren.
Wir sind sehr froh um Lucy’s Erklärungen und Führung. Wir hätten uns alleine, unwissend wie wir sind, einige Male falsch benommen, wären durch Pfade gelaufen, die nur Frauen vorbehalten sind oder hätten nichtsahnend eine spirituelle Unterhaltung mit einem Ahnen, der hoch oben in den Zweigen eines Banyan Baumes sitzt, gestört. Auch für Lucy haben wir ein paar schöne Dinge dabei. Aber – moment! Irgendwie scheint sie sich nicht daran zu freuen. Erst als ich ihr noch einen kleinen Geldschein in die Hand drücke, strahlt sie wie eine Sonne. Wir erfahren, dass seit kurzem die Schule für die Kinder nicht mehr kostenfrei ist und nun die Eltern dafür aufkommen müssen. Mit Geld, das die Eigenversorger eigentlich gar nicht haben.
Während die Frauen hart arbeiten, nehmen es die Männer auf Vao etwas gemütlicher und treffen sich schon am frühen Nachmittag zum Kava-Trinken in dieser Kava-Bar am Strand.
Sogar «Kava am Meter» scheint hier erhältlich zu sein 😉
Es ist unsere letzte Station vor Luganville und wir geniessen nochmals ausgiebig das klare Wasser (über 40 Meter Sicht!!) und die Unterwasserwelt. Es wird die letzte Gelegenheit für lange Zeit sein: in Australien werden uns tödliche Salzwasserkrokodile, Giftquallen, gefährliche Hai-Arten und viel andere unbeliebte Lebewesen vom Wasser fern halten.
In einer gemütlichen Tagesetappe segeln wir von Vao direkt zum Ankerplatz bei Luganville auf der Insel Espiritu Santo. Wir tauchen ein in eine andere Welt: geteerte (trotzdem staubige) Strassen, viele Autos, Industrie und Läden empfangen uns. Weil heute gerade ein P&O Kreuzfahrtschiff in Luganville Halt macht, herrscht eine regelrechte Jahrmarktstimmung mit vielen Souvenir- und Imbissständen im Hafengebiet.
Die nächsten Tage verbringen wir mit Vorbereitungsarbeiten für die Fahrt nach Australien. Ganz zuoberst auf der Liste steht das Schiff: Überprüfung von Motor, Steueranlage und Ruder sowie gründlicher Check des Riggs (Bild).
Pia kümmert sich um die Lebensmittel. Alles was nicht nach Australien eingeführt werden darf, wird noch verbraucht, irgendwie eingekocht oder verbacken und landet dann im Tiefkühler. Nur ganz wenige Dinge müssen wir vor der Abreise noch entsorgen.
Ein ganz wichtiger Punkt ist die Streckenplanung und die Analyse der Wetterentwicklung. Wie sich das Wetter im Gebiet zwischen Vanuatu und Australien verändert, verfolgen wir nun schon seit ein paar Wochen und haben festgestellt, dass es immer wieder Phasen von mehreren Tagen gibt, wo der Wind stabil aus Südosten weht. Für die Planung der Strecke erfassen wir Wegpunkte aus Segelbüchern oder von anderen Segelschiffen auf unserer elektronischen Karte.
Dass die Planung der Strecke anspruchsvoll ist, sieht man auf diesem Bild. Erst wenn man weiter rein zoomt und ins Detail geht, zeigen sich Untiefen, die vorher nicht erkenntlich waren. Mit Hilfe der erfassten Wegpunkte sowie Satelliten Bildern von der Gegend wird es uns gelingen, uns sicher und unversehrt durch das gefährliche Gebiet zu manövrieren.
Wir nehmen uns auch die Zeit, nichts zu tun und zum Beispiel vom Restaurant der Ferienanlage, wo wir mit dem Dinghi anlanden dürfen, unsere Blicke übers Ankerfeld wandern zu lassen.
Heute melden wir uns aus Vanuatu ab und klarieren aus. Als Erstes müssen wir bei der Immigration unsere Pässe abstempeln lassen.
Selbstverständlich haben wir uns, wie von den jeweiligen Behörden verlangt, rechtzeitig fürs Ausklarieren aus Vanuatu und das Einklarieren in Australien angemeldet und die verlangten Formulare ausgefüllt eingereicht. Hier in Vanuatu ist aber im PC nichts auffindbar und wir füllen alle Formulare noch einmal aus. Ist nicht weiter schlimm: ausser in Kuba(!) hat das bisher noch nirgends funktioniert.
Nach rund 2 Stunden haben wir es geschafft. Alle erforderlichen Papiere sind ausgestellt und abgestempelt. Wir sind korrekt ausklariert. Nun haben wir 24 Stunden Zeit, das Land zu verlassen.
Wir sind so weit: heute geniessen wir noch den letzten Sonnenuntergang auf Vanuatu. Morgen Dienstag, 8. Oktober, heisst es: Anker hoch und Segel gesetzt nach Australien.

Vanuatu wird uns in guter Erinnerung bleiben. Nirgends auf unserer bisherigen Reise haben wir die Menschen so nah verbunden mit der Natur gesehen. Sie tragen Sorge dazu und versuchen, achtsam mit ihr umzugehen. Ausserhalb der beiden Städte Port Vila und Luganville leben die Leute in einfachsten Verhältnissen und versorgen sich grösstenteils selber. Über viele Generationen überlieferte Gewohnheiten, Verhaltensweisen und Traditionen werden gepflegt und aktiv gelebt. Für uns etwas gewöhnungsbedürftig war, dass vor allem in den «Kastom» Dörfern sehr viele «Tabus» existieren, die man als Besucher respektieren muss. Wie will man aber Regeln einhalten, wenn man sie nicht kennt? Nicht ganz einfach. Wir haben uns deshalb in Vanuatu sehr wenig auf eigene Faust bewegt.

Segeltechnisch würden wir Vanuatu einfacher einstufen als etwa Fiji, wo fast auf jeder Fahrt gefährliche Korallenriffe drohen. Die meist aus südöstlicher Richtung wehenden Passatwinde machen ein Cruisen entlang der vielen Inseln nordwärts zum Vergnügen. Vorgelagerte, nicht kartografierte Riffe sind eher selten. Einzig das Ankern ist nicht überall ganz einfach, da der Ankergrund oft rasch abfallend ist. Das dürfte mit ein Grund sein, dass das Wasser ausserordentlich klar ist. Nicht selten beträgt die Sichtweite mehr als 20 Meter.

Nun sind wir bereit für neue Abenteuer und freuen uns auf die rund 1’200 Seemeilen nach Australien. Unser Ziel ist Gold Coast oder Coffs Harbour an der Ostküste, je nachdem, wie der Wind bläst. Von Luganville aus werden wir einen Kurs absetzen, der uns via die «Grand Passage» durch die diversen Riffe nördlich von Neu Kaledonien führt. Ein Zwischenstopp in Neu Kaledonien ist nicht geplant, da dort immer noch bürgerkriegsähnliche, innere Unruhen herrschen. Haben wir Neu Kaledonien hinter uns, warten die Untiefen der «Banc de Landsdowne» und das «Chesterfield Riff» darauf, umschifft zu werden. Erst ab da haben wir freie Fahrt und können uns hoffentlich zurücklehnen.

Wir nehmen dich gerne mit auf die Fahrt und du kannst unseren Fortschritt live verfolgen unter diesem Link:  https://share.garmin.com/EPXFV.
Du kannst uns unterwegs auch über diese Plattform kontaktieren, wenn du uns etwas aufheitern möchtest, oder um uns zu warnen, wenn auf unserem Weg irgendwo ein Sturm droht oder sonst eine Gefahr auftaucht.

Es bleibt spannend! Folge der Lupina im Kielwasser!

Auf Wiedersehen in Australien

Cruisen in Vanuatu

7.-29. September 2024

In diesem Bericht nehmen wir dich mit auf unsere Reise durch Vanuatu. Wir starten in Port Resolution, im Südosten der Insel Tanna. Hier sind wir am 2. September 2024 angekommen und haben in Vanuatu einklariert. Von da geht es entlang der roten Strecke nordwärts bis Luganville, wo wir dann ausklarieren werden und die Segel nach Australien setzen wollen.
Das Wetter ist im Moment etwas schwierig. Es herrschen starke Wind und eine entsprechend hohe See. Bei diesen Bedingungen wollen wir nicht aus der gut geschützten Bucht aufbrechen. Wir erkunden das Dorf und die Umgebung. Die Leute hier leben unter einfachsten Bedingungen. Das Leben findet hauptsächlich draussen statt. Die Hütten mit einem Raum dienen zum Schlafen. Gekocht wird draussen unter freiem Himmel.
Im Gegensatz zu Fiji finden wir zu unserer Überraschung sehr schön gepflegte Gärten an. Meist sind sie mit einem Naturzaun aus trockenen Zweigen umgeben, welche Tiere wie Schweine, Hunde oder Hühner fernhalten sollen. Natürlich werden keine Dünger oder andere Chemikalien verwendet und die Qualität (vor allem der Geschmack) des kultivierten Gemüses ist fantastisch.
In Vanuatu spielt «Kastom» (das heisst «Kultur, Sitte» in der lokalen Sprache) eine grosse Rolle. Es gibt sehr viele Rituale und Gepflogenheiten, die man beachten muss, auch als Tourist. Es gibt zum Beispiel viele «Tabu» Zonen. Das sind meist Plätze, Strände, oder Bäume wie dieser riesige Banyan Baum, welche spirituelle Orte sind, die man nicht durch unbedachtes Verhalten entwerten darf. Der Banyan Baum ist ein bemerkenswerter Baum. Sein Leben beginnt auf anderen Bäumen, bis er selber mit seinen Luftwurzeln Fuss fassen kann. Ab da kann er sich praktisch endlos ausdehnen und bildet durch seine weit horizontal ausladenden Äste ein riesiges Dach. Er gilt als Lebensbaum, Haus für Götter oder Apotheke (es werden viele Heilmittel daraus gewonnen, zum Beispiel gegen Zuckerkrankheit, Durchfall, Sonnenbrand, Entzündungen, Haarausfall und vieles mehr) und wird entsprechend verehrt. Seine Luftwurzeln sind elastisch und «Bungee-Jumping» hat damit begonnen.
Die Landbevölkerung von Vanuatu lebt in und mit der Natur. Sie nehmen sehr viel mit ihren Augen war, beobachten alles genau und sehen darin Dinge, die Stadtmenschen nicht mehr wahrnehmen können. Auch wir beginnen mehr und mehr, die Natur mit anderen Augen anzusehen. Ein altes Stück Holz bekommt plötzlich etwas anderes. Was siehst du in diesem angeschwemmten Baumstrunk?
Beim Rundgang durch das Dorf zeigt uns diese Frau mit vollem Stolz eine Schiffsglocke, welche dem Dorf vor vielen Jahren von einem Schweizer Segelschiff geschenkt wurde. Sie dient heute als Kirchenglocke und wird vor jeder Messe tüchtig angeschlagen, wie es uns die Frau gleich vorführt.
Es ist Sonntag und wir besuchen die Messe der «Presbyterien Church», eine der Hauptkirchen in Vanuatu. Uns fällt auf, dass fast nur Frauen und Kinder anwesend sind. Die rechte Seite der Männer ist fast leer. Wir erfahren, dass im Nachbardorf jemand verstorben ist und die Männer dort mit der Beerdigung beschäftigt sind.
Während sich die Erwachsenen eher etwas zurückhaltend uns Fremden gegenüber zeigen, sind die Kinderaugen, wie überall, herrlich neugierig. Viele Menschen hier haben übrigens blonde Haare. Das ist nicht etwa ein Überbleibsel der europäischen Entdecker, sondern die Melanesier haben dieses entsprechende Gen im Blut. Der Unterschied von den Polynesiern zu den Melanesiern ist sofort erkennbar. Sie sind eher klein gewachsen, mit einer schlanken aber kräftigen Statur. Die Haut ist viel dunkler, der Bartwuchs kräftige und meistens ist die Nase sehr breiten. Sie sind eine eigenständige Rasse.
Das Warten auf freundlichere Winde versüssen wir uns mit Wanderungen in der Umgebung von Port Resolution. Dabei sind wir vorsichtig – wir wollen nicht in ein mit einem «Tabu» belegtes Gebiet eindringen. Wir fragen unterwegs also immer wieder, ob es OK sei, wenn wir diesen Weg entlang gehen.
Diesmal umrunden wir einen Süsswassersee direkt hinter der Küste, der von heissen Quellen gespiesen wird und entsprechend mit Schwefel angereichertes Wasser enthält.
Diese Kinder machen sich lustig über uns und meinen, wir hätten doch für die Umrundung des Sees besser ein Boot genommen.
Am letzten Tag unseres Aufenthaltes in Port Resolution lassen wir uns von Lea verwöhnen. Wir, das sind in diesem Fall die Crews von 3 verschiedenen Schiffen: SY Vagabond (Nelly und Philippe hinten links am Tisch), SY Griffin (Lauren und Brian, vorne am Tisch) und SY Lupina. Es ist ein ausgesprochen köstliches Essen, was uns Lea hier aus dem eigenen Garten (bis auf den Reis) auf den Tisch zaubert. Sehr empfehlenswert!
Nach einer Woche ist es dann soweit und wir verlassen am 9. September Port Resolution (Tanna) mit Ziel Erromango. Es erwarten uns 56 sehr rollige Seemeilen mit Wellen im 3 Meter Bereich.
Bei herrlichem Wetter verläuft die etwa 9-stündige Fahrt problemlos und vor allem zügig. Schon am frühen Nachmittag fällt der Anker in der Dillons Bay von Erromango.
Noch vor dem obligaten Sundowner kommt ein Ausleger-Kanu bei der Lupina vorbei. David bringt uns Früchte und fragt uns, ob er uns am nächsten Tag das Dorf und die Höhlen zeigen soll. Klar doch! Am nächsten Tag stehen wir zur verabredeten Zeit im von David gegründeten und unterhaltenen «Dillons Bay Yacht Club». Wir dürfen uns auch gleich ins Besucherbuch einschreiben.
Stolz zeigt uns David seine Sammlung von internationalen Flaggen – eine Schweizer Fahne hat er bereits.
Den Dorfrundgang schliessen wir am Nachmittag mit einer Dinghy-Fahrt zu Höhlen in der steilen Küste nahe beim Dorf ab. Der Aufstieg ist etwas abenteuerlich, aber die dicken Baumwurzeln, die sich netzartig über die Felsen legen, geben uns einen guten Halt.
Die Höhlen waren früher die Grabstätten der Dorfbevölkerung. In einer der Höhlen sind die Gebeine von David’s Vorfahren deponiert. Bevor wir die Höhle betreten dürfen, bittet David mit einem kurzen Gebet um die wohlwollende Erlaubnis seiner Vorfahren. In der etwas höher gelegenen Haupthöhle, wo wir uns jetzt befinden, werden die Knochen von 2 Chiefs, ihren beiden Frauen und einem Wächter aufbewahrt.

Die Art und Weise, wie David mit den Geistern der Vorfahren kommuniziert, und wie auch die Bevölkerung im allgemeinen immer wieder spirituelle Plätze, Pflanzen, Steine, Skulpturen als «Tabu» (also von Geistern bevorzugte und für Besucher wie uns verbotene Zonen) betrachten, beeindruckt uns sehr. Offensichtlich waren hier in den abgelegenen Inseln von Vanuatu die Missionare von damals nicht so erfolgreich wie in anderen Gegenden der Südsee. Die meisten Einwohner zählen sich heute zwar zum christlichen Glauben, aber es ist mehr ein soziales Bekenntnis als ein Bekenntnis der inneren Überzeugung. Die Kirche spielt definitiv eine eher untergeordnete Rolle im Vergleich zu etwa Tonga oder Fiji.

Im Jahre 1839, nur wenige Tage nachdem Sandelholz Händler in Erromango bei Preisverhandlungen und im Alkoholrausch Einheimische getötet hatten, setzte Reverend John Williams, unwissend der Mäuchelei, seinen Fuss an Land der Dillons Bay. Er und ein weiteres Besatzungsmitglied des Missionar Schiffs «Camden» wurden sofort von den Einheimischen angegriffen, niedergeknüppelt und mit Pfeilen getötet. Der Rest der Camden Besatzung konnte rechtzeitig fliehen. Kurz darauf kehrte ein Schiff der Royal Navy zur Insel zurück, um den Tötungsdelikt am Reverend und dem Matrosen zu sühnen. Die Einheimischen gaben ihre Tat unumwunden zu und erklärten dem verdutzten Kapitän, sie hätten die beiden Getöteten aus Rache aufgegessen. Ohne weiteres Blutvergiessen verliess das Navy Schiff die Insel wieder.
Im Jahr 2009 kam es auf Initiative der Dorfbevölkerung zu einem Versöhnungstreffen, bei dem die Nachfahren der «Mörder» des Reverends Williams seine Nachkommen um Vergebung baten. Damit war der Fluch gebannt, der nach Meinung der Einheimischen seit der Tötung des Missionars auf dem Dorf lastete. Die Bay wurde offiziell von Dillons Bay auf Williams Bay umgetauft.
Nach 3 Tagen auf Erromango segeln wir weiter zur nächsten Insel, der Hauptinsel Efate mit der Hauptstadt Port Vila. In ganz Vanuatu leben rund 300’000 Einwohner, fast ein Drittel davon in den beiden grössten Orten Port Vila und Luganville auf der Insel Spirito Santo. Verständlicherweise haben diese beiden «Städte» nur sehr wenig gemeinsam mit den traditionellen «kastom» Dörfern auf den Inseln. Port Vila ist eine kleine Industriestadt mit Handelshafen, Geschäften, Fabriken und einer Universität. Hier liegen wir vor der Stadt sicher und geschützt an einer Boje (zum Ankern wäre es zu tief).
Seit längerem wieder in der «Zivilisation» – wir geniessen einen Sundowner im Restaurant des Yacht Clubs.
Am nächsten Tag ist schon fertig mit Alkohol! In den Läden darf ab Samstag 12 Uhr bis Montagmorgen kein Alkohol verkauft werden. Die Regale werden deshalb über das Wochenende abgedeckt. Harte Sitten!
Wir machen eine Rundfahrt um die Insel Efate. Leider ist die Strasse mehrheitlich vom Ufer weg etwas versetzt im Hinterland (was sie deshalb wohl auch sicherer macht). Unterwegs entdecken wir diese Sitzbank. Sie wurde wohl mit der Absicht erstellt, dass man nicht nur kühlen Kopf bewahren soll, sondern auch kühle Füsse 😉
Nach kurzen, meist verregneten Zwischenstopps in der Mele Bucht von Efate und der gleich nördlich gelegenen Insel Moso segeln wir weiter zur Insel Emae (früher Shepard Island genannt). Die Insel ist aus 3 Vulkanen entstanden. Der «Makura» (Bild) ist mit 644 Metern der Höchste davon.
In der gut geschützten und nach Westen offenen Sulua Bay auf Emae geniessen wir nach den paar Regentagen wieder einmal einen spektakulären Sonnenuntergang …
… und im Rücken steigt gerade der Vollmond über dem Vulkan in den Abendhimmel hoch.
In einer gemütlichen aber zügigen Fahrt geht es dann weiter zur Insel Epi, wo wir in der Lamen Bay den Anker setzen. Wie schon an den vorhergehenden Ankerplätzen sind wir auch hier wieder das einzige Segelschiff.
Wie immer, wenn eine Ankerbucht bewohnt ist, besuchen wir das Dorf und bitten um Erlaubnis, in der Bucht ankern, schwimmen und schnorcheln zu dürfen. Auch erkundigen wir uns immer, ob es irgendein Gebiet gibt, das «tabu» ist, das also von Besucher wie uns nicht alleine betreten werden darf. Wir finden ein sehr schön gepflegtes Dorf vor in der Lamen Bay, aber es wirkt wie ausgestorben.
Schnell ist klar warum: das Versorgungsschiff hat gerade angelegt. Es kommt 2-mal in der Woche: einmal von Port Vila nach Luganville und einmal umgekehrt. Es herrscht ein emsiges Treiben. Die Einheimischen bringen ihre Ware (meist Gemüse und Kava für den Markt in Port Vila oder Luganville) an Bord und gleichzeitig werden Güter, wie Benzinfässer oder Baumeteralien, an Land gebracht. Die Passagiere warten zwischenzeitlich interessiert beobachtend auf dem zweiten Deck auf ihre Weiterfahrt.
Wir erkunden die Umgebung der Lamen Bay auf einem stellenweise gut befestigten Weg, der um die Bucht und dann weiter der Küste entlang südlich um die Insel führt. Kostensparend werden Bäche und kleine Flüsse mit einer Furt gequert.
Immer wieder werden wir unterwegs von neugierigen Kinderaugen verfolgt. Im Gegensatz zur polynesischen Bevölkerung erleben wir die Menschen in Vanuatu als eher zurückhaltend und scheu. Sie warten meist mal ab, was auf sie zukommt. Auf Fragen wird meist nur zögerlich geantwortet. Kinder sind da anders, da siegt die kindliche Neugier und der Spieltrieb über Vorsicht und Skepsis.
Transport von Baumaterial (Palmzweige für den Dachbau) im Lang Boot.
In einer gemütlichen Fahrt geht es nach 2 Tagen weiter von der Insel Epi zu den südöstlich vorgelagerten Inseln (Maskelyne Islands) vor Malekula.
Für die nächsten Tage ist wieder viel Regen und starker Wind angesagt. In kurzen Etappen verschieben wir uns von einem gut vor Wind und Wellen geschützten Ankerplatz zum nächsten. Wir benutzen zwar unsere Schnorchel-Ausrüstung (das Wasser wäre mit etwa 28 Grad angenehm warm), aber bei bedecktem Himmel und düsterem Licht ist die Unterwasserwelt ebenfalls farblos und öde. Hier liegen wir ganz am Ende der sehr gut geschützten Bucht von Port Sandwich. Über uns treibt der kräftige Wind die Regenwolken vor sich her, in der Bucht ist das Wasser spiegelglatt.
Der Regen stört uns nicht. Es ist warm. Wir unternehmen mit dem Dinghy eine Abenteuerfahrt in die Mangroven. Wir sind glücklich, dass es hier keine gefährlichen Wildtiere wie Krokodile oder Giftschlangen gibt.
Pflanzen, die immer im Wasser stehen. Wunderbare Natur!
Unseren nächsten Halt machen wir in der offenen Bucht von Banam, rund 10 Seemeilen nördlich von Port Sandwich. Bei unserem Begrüssungsbesuch im Dorf werden wir gleich von einer Schar neugieriger Kinder eskortiert.
Auch hier finden wir ein Dorf vor, wo wir deutlich spüren: hier ist die Welt noch stehen geblieben. Die Häuser sind wie üblich mit einfachsten Mitteln, welche die Natur liefert und keine Kosten erzeugen, von Hand aufgebaut. Hier kommen keine Touristen vorbei, also wird auch kein unnötiger Aufwand betrieben, die Häuser etwas fotogen herzurichten. Einzig und allein der Nutzen und der Zweck zählen.
Hier wird gerade ein neues Haus gebaut. Dünne, gerade Baumstämme bilden die Struktur. Das Dach, welches gerade mit vielen helfenden Händen erstellt wird, wird mit speziell bearbeiteten Palmblättern gedeckt. Zum Schluss werden die Wände aus Matten, kunstvoll geflochtenen mit Pandanus Blättern, aufgespannt. Interessant hier: es gibt «moderne» Baumaterialien (im Bild sind Betonsteine sichtbar), aber man traut dem Material noch nicht, und der Umgang damit ist den Leuten nicht vertraut.

Zur Schar Kinder, die uns begleiten, gesellt sich Jack, ein etwa 40-jähriger, leicht untersetzter Mann. Er begleitet uns die ganze Strecke durchs Dorf. Er will viel von uns wissen, wir von ihm umgekehrt auch. Auf die Frage, womit er seinen Lebensunterhalt «verdiene», schaut er uns verdutzt an, versteht die Frage nicht. Ich hake nach, ob er als Fischer arbeite oder ob er Gemüse anpflanze, um es dann verkaufen zu können. Er lacht und erklärt uns, total zufrieden und stolz; dass er einen Garten habe und damit seine Familie ernähre. Mehr brauche er nicht. Wenn er für etwas Hilfe braucht, kriegt er diese von anderen Familien im Dorf, oder er gibt seine Energie weiter, wenn sie irgendwo benötigt wird. So nahe und eng verbunden mit der Natur! In keinem anderen Land, das wir auf unserer nun halben Weltumrundung bisher besucht haben, leben die Leute noch so intensiv mit der Natur.

Bevor wir zum Schiff zurückkehren, will uns Jack (der Mann rechts im Bild) sein Haus und seine Familie zeigen. Von seiner Frau werden wir reichlich mit Bananen und absolut köstlichem Vanuatu-Spinat (viel grösser als unserer, die Blätter sind fast so gross wie Salatblätter) eingedeckt. Mit Geld darf so etwas nicht abgegolten werden, Geld bedeutet den Leuten hier nichts, weil sie wenig damit anfangen können. An Dingen des täglichen Lebens, das man direkt brauchen kann, daran besteht immer reges Tauschinteresse. Also sind wir entsprechend vorbereitet und haben ein Trägerkleid für die Frau und eine Sonnenbrille für den Mann dabei.
Jack’s Sohn freut sich riesig über die Sonnenbrille
Auch der Rest der Banam Bay wird noch abgewandert. Jetzt ohne Kinderbegleitung und in der Abgeschiedenheit des langen, einsamen Strandes. Einsam ist auch Lupina – ganz alleine wartet sie in der Bucht (knapp ersichtlich rechts im Bild) auf uns.
Gestern Samstag, 28.9.2024, haben wir dann den Anker gelichtet und sind rund 25 Seemeilen vor dem Wind nordwestlich der Küste von Malekula entlang weiter gesegelt.
Kurzes Fachsimpeln für Segler unten den Lesern: wir fahren hier unter Schmetterlingsegel. Das Grossegel ist voll auf die backbord Seite ausgefiert und mit Bullentaille über eine Rolle an der Bugklampe zurück ins Cockpit gesichert. Die Genua ist ausgebaumt. Zum Setzen des Baumes verwenden wir eine Vorspring, eine Rückspring und ein Hochholer. Alles nur leicht lose durchgesetzt. An der Genua verwenden wir eine Hilfs-Schot, die durch die Nocke am Baumende geführt und über eine Rolle an der Mittelklampe zur Winch geleitet wird. Die beiden Schot Leinen der Genua sind also frei und werden nicht beansprucht. Ist die Genua voll durchgesetzt sind der Hochholer, die Vorspring und das Hilfs-Schot gespannt, die beiden Schot Leinen und die Rückspring (blaues Seil) lose. Mit diesem System lässt sich der Baum sogar alleine setzen, und der Verschleiss an den Schoten ist komplett eliminiert.
Hier in der Bay von Port Stanley liegen wir nun seit gestern vor Anker. Nicht viel Schwingraum bis zu den Korallenblöcken (hell im Bild), aber es reicht. (Bild freundlicherweise von der SY PlanB zur Verfügung gestellt)

Die nächsten Tage segeln wir weiter der Küste von Malekula entlang nordwärts, bevor wir dann den Sprung rüber nach Luganville auf der Insel Espiritu Santo machen. Dort bereiten wir uns für die nicht ganz einfache, rund 1’200 Seemeilen (2200 Kilometer) lange Passage nach Australien vor. Vor der Abfahrt melden wir uns noch einmal.

Es bleibt spannend! Folge der Lupina im Kielwasser!

Von Fiji nach Vanuatu – weiter westwärts

19.8.-6.9.2024

Wir schreiben heute den 19. August 2024. Morgen reisen unsere Freunde Ursi und Martin aus unserem Heimatdorf wieder zurück in die Schweiz. Gut haben wir noch helfende Hände an Bord, denn es ist noch eine wichtige Sache zu erledigen: endlich kriegen wir unsere Rettungsinsel zurück auf die Lupina. Sie ist während unseres Segeltörns durch die Yasawa Inseln vom amerikanischen Segelschiff Diva von Neuseeland nach Fiji gebracht worden.

Mit vereinten Kräften wird die 38kg schwere Rettungsinsel in ihren Korb an der Heck-Reling bugsiert und festgezurrt.
Dann, am nächsten Morgen, heisst es leider Abschied nehmen von Martin und Ursi. Sie haben sich als perfekte Crew auf der Lupina ausgezeichnet und dabei richtige See Beine gekriegt.

Es ist wieder Ruhe eingekehrt auf der Lupina. Das Wetterfenster ist noch ungünstig für die rund 470 Seemeilen lange Strecke nach Vanuatu. Das gibt uns Zeit und Musse, noch ein paar Tage in der schönen Vuda Marina zu geniessen und die letzten Vorbereitungen in Ruhe zu treffen.

Nach dem Upgrade der Bordbatterien auf LiFePO4 (oder kurz «Lithium») Batterien funktioniert das Bugstrahlruder nicht mehr. Es zieht beim Anlaufen zu viel Strom, die Schutzregelung der Batterien wird aktiv und der Strom wird unterbrochen. Ich studiere hier die Kabelverbindungen im Stromschaltkasten mit dem Ziel, eine Verbindung zur konventionellen Starterbatterie zu schaffen. Ich finde da eine Möglichkeit, da mir aber das Material fehlt, belasse ich für den Moment alles so, wie es ist.
Es gibt weitere Kleinigkeiten zu erledigen: der Motorraum kriegt eine neue Beleuchtung.
Nebst den üblichen Einkäufen am Markt wird auch der «Keller» (Raum unter den Bodenbrettern) wieder mit Getränken gefüllt.
Am Abend ist «Brändi Dog Time»! Wir haben mit unseren Besuchern jeweils eifrig «Brändi Dog» (eine Art Eile mit Weile) gespielt. Das ziehen wir durch und spielen jetzt, wo wir auf den guten Wind warten, jeweils nach dem Nachtessen auch immer ein paar Partien.
Natürlich kommt beim Warten auch das Gesellschaftliche nicht zu kurz. Wir nutzen die Gelegenheit, um mit der einen oder anderen Crew (hier Jocelyne und Roland von der SY Croix de Sud) näher in Kontakt zu kommen.
Und dann ist da noch der Rollmechanismus (Furler genannt) des Genua Segels. Manchmal funktioniert er, manchmal nicht. Ich nutze die Zeit und baue die zwei Motoren aus. Ralf und Angi haben mir die benötigte Spezialzange, um die Sicherungsringe zu entfernen, mitgebracht.
Ein lokaler Elektriker revidiert uns die beiden Motoren in seiner open Air Werkstatt. Die Feuchtigkeit des Salzwassers, das in den Furler eingedrungen war, ist auch in die Motoren gelangt und hat dort zu Rost geführt. Dieser hat die freie Beweglichkeit der Bürsten der Elektromotoren verhindert und zum teilweisen Ausfall geführt.
Gegen Ende des Monates ist es so weit. Der Wind dreht in südöstliche Richtung – ideal für unsere Fahrt von Fiji nach Vanuatu. Die Strecke beträgt rund 470 Seemeilen. Sobald wir das Gebiet von Fiji verlassen, erwarten uns keine Hindernisse im Meer. Wir können die direkte Linie (rot) wählen. Wir planen konservativ mit 4 Tagen: Leinen los am Freitag, 30.8. gegen Mittag und Ankunft in Port Resolution auf der Insel Tanna (Vanuatu) am Dienstag 3.9. nach Tagesanbruch.
Letzter Sonnenuntergang in der Vuda Marina.
Wir freuen uns auf neue Abenteuer.
Am Tag der Abfahrt, 30. August 2024, legen wir zunächst an der Tankstelle an, um unseren Tank noch mit dem günstigen Treibstoff (der Liter kostet knapp 1 Franken) zu füllen.
Eine wunderschöne Tradition in Fiji: nach dem Ausklarieren und vor dem Verlassen des letzten Hafens wird ein Schiff mit einem gebundenen Blumenkranz an der Reeling und schönem Gesang (hier vorgetragen von der ganzen Marina-Crew) verabschiedet. Ein sehr emotionales Erlebnis.
Während der ersten 2 Stunden befinden wir uns noch in der Windabdeckung der Hauptinsel von Fiji und der Motor muss uns etwas helfen. Danach können wir die Segel setzen. Unter herrlichen Wetterbedingungen segeln wir in unsere erste Nacht hinein.
Wir erleben eine ruhige erste Nacht und machen dabei gute Fahrt. Der Eine auf Wache im Cockpit, die Andere friedlich träumend in der Koje.
Sonnenaufgang auf dem Meer. Da wir westwärts fahren, begrüsst uns jeweils die Sonne jeden Tag etwas später.
Wir machen deutlich mehr Fahrt als geplant. Schon nach der ersten Nacht und zu Beginn des 2. Tages auf See ändern wir unsere Ankunftszeit und beschliessen, unsere Geschwindigkeit so zu kontrollieren, dass wir bereits am Montag den 2. September, also schon nach 3 Tagen, unser Ziel erreichen. Kurz nach Sonnenaufgang kann Pia die Flagge von Vanuatu und die gelbe Quarantäne Fahne hissen.
Die letzten Seemeilen bis zur sicheren Ankerbucht werden noch etwas ruppig, die Wellen in Küstennähe schütteln uns noch einmal kräftig durch, dann haben wir es geschafft. Genau 72 Stunden nach der Abfahrt von Fiji rasselt die Kette und der Anker krallt sich im dunklen Sand fest.
Die Bucht von Port Resolution auf der Insel Tanna im Süden von Vanuatu empfängt uns bei besten Wetterverhältnissen.

Eigentlich ist Port Resolution kein Einklarierungshafen. Wir müssten zum Einklarieren mit dem Schiff auf die andere Seite der Insel zum Hauptort Lenaka segeln. Dort sind aber die Ankerbedingungen und der Schutz vor Wellen deutlich schlechter. Wenn man sich vorgängig bei den Behörden meldet und entsprechend um eine Bewilligung bittet, erhält man die Erlaubnis, in Port Resolution anzulanden. In einer rund zweistündigen Autofahrt begeben sich dann die Beamten von Zoll, Immigration und Gesundheitsamt nach Port Resolution. Fahrtkosten und Zeit müssen von der einklarierenden Yacht getragen werden.

Wir haben die Bewilligung, um in Port Resolution einklarieren zu dürfen, und haben nun auch noch Glück: von den 8 Yachten, die bei unserer Ankunft vor Anker liegen (Bild), müssen 5 ebenfalls noch einklariert werden. Die Kosten für die Beamten und ihre Fahrt (total rund 50 CHF) können somit auf 6 Schiffe verteilt werden.
«Yacht Club» von Port Resolution, wo uns die Behörden erwarten.
Open Air Büro der sehr freundlichen, zuvorkommenden und unbürokratischen Beamten.

Vanuatu, früher Neue Hebriden genannt, ist eine Gruppe von über 80 vulkanischen Inseln im Westpazifik. Weil Vanuatu im Vergleich zu anderen pazifischen Inselreichen das Interesse der Europäer erst viel später weckte, bedeutete die Begegnung mit dem modernen Zeitalter einen grossen Sprung für die Inseln. Auf Vanuatu wird die melanesische Kultur nach wie vor sehr gepflegt. Es lässt sich nicht genau sagen, woher die ersten Einwohner stammen, aber man nimmt an, dass die Melanesier vor Tausenden von Jahren aus Afrika hierher kamen. Sie breiteten sich von Papua bis Neukaledonien und Vanuatu über den Westpazifik aus (eben die Region, die heute Melanesien genannt wird).

Mehr als 150 Jahre nach der Erstentdeckung 1606 wurde das Gebiet von Vanuatu durch James Cook kartographiert und «Neue Hebriden» genannt, obschon die Inselgruppe nur wenig Ähnlichkeiten hatte mit den heimatlichen Hebriden. Wie auch in anderen Teilen des Pazifiks folgten Walfänger, Missionare, Sandelholz- und Sklavenhändler, jedoch gelang es diesen nie, die melanesische Kultur hier in Vanuatu auszurotten. Die Einheimischen machten oft kurzen Prozess mit unbeliebten Eindringlingen und steckten sie in den Kochtopf. Ab 1906 setzte eine Besiedelung durch Briten und Franzosen ein, was zur Folge hatte, dass es auf den Inseln zwei Arten von Gesetzen gab, zwei Schulsysteme und auch zwei Sprachen. Neben der offiziellen Landessprache «Bislama» spricht daher heute fast jeder auch Englisch oder Französisch.

Diese alte Kultur vereint mit der einmaligen, weitestgehend unberührten Natur übt eine magische Wirkung auf uns aus. Ein Entdeckungsgang durch das Dorf von Port Resolution lässt uns eine Zeitreise von 100 bis 150 Jahren machen. Elektrizität oder Wasserversorgung in den Häusern gibt es noch nicht.
Das Leben findet in einfachsten Verhältnissen statt. Aber überall, wo wir hinschauen, blicken wir in lachende und fröhliche Gesichter.
Johnson, der Bruder von Stanley, dem Leiter des Yacht Clubs (sämtliche Geldeinnahmen gehören dem Dorf), winkt uns zu sich und eines seiner Grosskinder reicht Pia eine grosse Papaya. Geschenke Überreichen ist eine Respektbezeugung. Zum Glück haben wir eine lange Schnur in unserem Rucksack, die wir gerne der Familie überlassen.
Einbaum mit Ausleger. Mit diesen zu hundert Prozent aus Naturprodukten gefertigten Booten rudern die Fischer seit hunderten von Jahren täglich auf das Meer hinaus. Das Boot selbst ist schlank und tief geschnitten, so dass die Männer beim Einholen des Netzes gut darin stehen können.
Familien Waschtag an einem Süsswasserteich.
Die Frau hütet ihre Grosskinder und besorgt die Wäsche für den ganzen Clan.
Port Resolution liegt auf einer Landzunge ganz im Osten der Insel Tanna. Die Verbindungsstrasse zum Rest der Insel ist in einem erbärmlichen Zustand und wird bei starken Regenfällen (was hier oft vorkommt) immer wieder unpassierbar. Ohne gutes 4×4 Offroad-Fahrzeug ist auch bei trockenem Wetter kein Durchkommen.

Die Hauptattraktion auf der Insel Tanna ist der aktive Vulkan Yasur. Hier kann man direkt auf dem Rand des 361 Meter hohen Kraters umherwandern und in den zischenden, blubbernden und manchmal heftig fauchenden Abgrund hinabschauen. Nirgends auf der Welt kommt man so nahe an einen aktiven Vulkan heran.

Eingang zum Vulkan Yasur Nationalpark
Skulptur aus Lavagestein am Wegrand zum Krater
Mit dem 4×4 Offroad-Truck fahren wir bis auf rund 300 Meter zum Kraterrand, die restlichen rund 50 Höhenmeter absolvieren wir zu Fuss auf gut ausgebautem Pfad. Führer Philipp sorgt für unsere Sicherheit. Er hat es einfach heute: wie schon im Truck sind wir auch hier die einzigen Touristen.
Oben auf dem Kraterrand eröffnet sich ostwärts ein herrlicher Ausblick über den darunter liegenden, sattgrünen Urwald. Weit im Hintergrund das Meer, über das wir vor einigen Tagen von Fiji her gesegelt sind.
Drehen wir uns um, eröffnet sich uns der tiefe Schlund des Vulkanes. Aus der Tiefe heraus steigen mächtige Wolken, manchmal braune aus dem heissen Lavaschlund, dann weisse Wasserdampfschwaden oder bläuliche Schwefelwolken aus einem der Nebenkrater.
Es raucht und qualmt, zischt, pfeift, faucht und brüllt aus der Tiefe. Ab und zu vibriert der Boden, und mit einem lauten Donnergrollen kommt es zu kleinen Eruptionen, bei denen dicke Rauchwolken und glühende Lavafetzen aus den feurigen Kaminen geschleudert werden. Ein tolles Spektakel im Gegenlicht der untergehenden Sonne!
Fast anderthalb Stunden lang streifen unsere Augen vom Kraterrand aus in die Tiefe, die aus dem Erdinnern kommt. Es ist Abend und die Sonne ist mittlerweile untergegangen. Je dunkler es am Himmel wird, umso spektakulärer leuchten die aktiven Kamine, du vom Kratergrund nochmals über 300 Meter in die Tiefe reichen.

Weil bei Grenzübertritten meist strikte Regeln bezüglich erlaubter Nahrungsmittel herrschen, versuchen wir, beim Einklarieren in ein neues Land so gut wie möglich nichts dabei zu haben, was Probleme machen könnte. Dazu zählt in der Regel auch frisches Gemüse. Also hatten wir nur wenig davon an Bord, als wir Fiji verlassen haben. Auch das wenige Vanuatu Bargeld, das wir in Fiji auftreiben konnten, geht langsam zur Neige und wir brauchen dringend Nachschub. Beides, frisches Gemüse und Bancomat, gibt es im Hauptort der Insel, in Lenaka.

Wir reservieren uns im Port Resolution Yacht Club für den Mittwochmorgen einen Platz im 4×4 Truck, der täglich meist um 7 Uhr von Port Resolution in den 50 Kilometer entfernten Hauptort fährt. Die Fahrt dauert rund 2 Stunden.
Die ersten fast 10 Kilometer führen über die sich in traurigem Zustand befindende Naturstrasse. Die restlichen 40 Kilometer der Strecke sind geteert, oder, wie hier auf dem Bild, betoniert. Dieser Teil der Strasse ist in sehr gutem Zustand, da noch sehr neu. Sie ist in den letzten Jahren durch ein chinesisches Generalunternehmen gebaut worden und soll schlussendlich bis Port Resolution verlängert werden. Insgeheim wünschen wir uns, dass das nie stattfindet und dass das fast unberührte Stück Natur bis Port Resolution noch lange so bleibt, wie es ist.
Marktplatz in Lenaka mit viel feinem, lokal produziertem Gemüse, das sich sehr farbenprächtig präsentiert. Erstaunlicherweise finden sich fast keine Früchte: ausser Bananen und ein paar Pampelmusen finden wir nichts Fruchtiges.
Die Köchin der Lupina kann aus dem Vollen schöpfen.
Uns fällt auf: die Frauen in Vanuatu tragen gerne bunte Kleider, sehr oft in den Farben der National-Flagge: rot, gelb, grün und schwarz.
Idylle an der Bushaltestelle: Frauen warten nach ihrem Einkauf auf dem Markt auf den Bus oder Truck, der sie wieder zurück in ihr Dorf fährt.

Im Moment weht ein starker Wind aus Südosten über die Inseln. Er soll bis und mit Sonntag anhalten und dann am Montag deutlich nachlassen. Spätestens dann wollen wir weiter nordwärts zu den Inseln Erromango und Efate mit der Hauptstadt Port Vila. In Erromango gab es die letzten Menschenfresser, aber «diese Zeiten sind schon lange vorbei», wurde uns versichert. Hoffen wir, es stimmt auch so!

Aussicht über das Ankerfeld in der Bucht von Port Resolution (Lupina ist das 3. Boot von links). Bald geht es weiter.

Es bleibt spannend! Folge der Lupina im Kielwasser!