Es ist Montag, der 16. Januar 2023. Wir laden noch ein letztes Mal Wetterdaten herunter, kaufen noch 1 Kiste Bier ein (nicht für unterwegs! Da gibt’s keinen Alkohol! Aber fürs Ankerbier beim Ankommen 😉), und verabschieden uns von Mangareva Yacht Service (Tituan und Juliette, die uns immer sehr zuvorkommend unterstütz haben). Zurück auf der Lupina kommt die Limelight Crew noch kurz zu uns, um uns auf Wiedersehen zu sagen. Dann geht’s los. Ich am Anker, Pia am Steuer. Ehrenrunde um die Limelight, dann zirkeln wir die Lupina durch die Korallenbänke vor Rikitea. In tieferem Wasser werden sofort die Segel gesetzt. Wir sind anfänglich zwar sehr langsam, aber wir haben Wind und der schiebt uns von hinten gemächlich aus Gambier hinaus. Auch ausserhalb des Atolls sind die Wellen flach, und wir machen bei auffrischendem Wind gute Fahrt.
Der Wind ist zwar schwach (5-8 Knoten), aber er weht etwa aus 60 Grad von Steuerbord aufs Schiff. Zusammen mit der Fahrtgeschwindigkeit von 5-6 Knoten, beträgt der Wind, der schlussendlich auf die Segel wirkt, rund 10-12 Knoten. Ein schöner Segeltag! Wir versuchen mal etwas Neues, setzen vorne neben der Genua parallel auch das Kuttersegel (kleines Segel in der Bildmitte). Wir haben das noch nie gemacht, sind eigentlich gar nicht so sicher, ob das etwas bringt. Tatsächlich! Wenn wir die Segel schön parallel ausrichten, dann machen wir gut 0.5 bis 1 Knoten mehr Fahrt! 😊Die Überfahrt zur rund 800 Seemeilen entfernten Insel Hiva Oa auf den Marquesas verläuft sehr ruhig und fast erholsam. Je weiter wir nach Norden vorstossen, umso mehr dreht der Wind nach Osten, also mehr seitlich aufs Schiff, was auch von der Schräglage angenehmer ist.Etwa auf halber Strecke ein wunderschöner Sonnenuntergang. Noch ahnen wir nichts vom Wetterwechsel, der uns nach Mitternacht bei meiner Schicht überrascht.
Etwa um 2 Uhr in der Nacht nimmt der Wind deutlich zu, in Böen sogar bis fast 30kn. Da es mittlerweile rings um uns herum blitzt am Himmel und Gewitter drohen, rollen wir die Genua ein und setzen die Fock. Kurz darauf dreht der Wind nach nordnordost (also wieder mehr von vorne) und flaut ab. Schlussendlich schläft er ganz ein und kommt fast aus der Richtung, wo wir hin wollen. Für ein paar Stunden muss der Motor ran, bis wir wieder genügend Wind zum Segeln haben. Im Verlaufe des 2. Segeltages setzt konstanter Ostwind ein, und ab da tragen uns die wieder kräftig gefüllten Segel zügig über das Meer in Richtung Marquesas.
Nach rund fünfeinhalb Tagen fällt das Eisen frühmorgens in der Bucht von Hanavave auf der Insel Fatu Hiva. Es liegen bereits 2 andere Boote vor Anker in dieser schmalen und windigen Bucht, aber wir haben genügend Platz (Lupina ganz links). Das Ankerbier vor dem Frühstück schmeckt herrlich 😉Für uns ist es ein Wiedersehen mit den spektakulären Felsen und den skurrilen Formen, welche die Natur geformt hat.Den Wanderpfad zum Wasserfall Vaieenui haben wir schon bei unserem ersten Besuch unter die Füsse genommen. Diesmal entscheiden wir uns für die anstrengendere Tour zum Aussichtspunkt über der Bucht. Die Wanderung verläuft etwa 5 Kilometer steil bergan auf der Strasse Richtung Omoa (die Füsse sind auf dem Bild abgeschnitten, stecken aber tatsächlich in Wanderschuhen! 😉)Fast 400 Höhenmeter über unserem Ankerplatz und dem kleinen Hafen von Hanavave – ein fantastischer Ausblick, für den sich die Mühe definitiv gelohnt hatEs ist die Saison der Pampelmusen (in der Schweiz auch Grapefruit genannt). Waren die Früchte in Gambier eher kleiner und noch nicht ganz reif, sind sie hier voll im Saft und laden ein, gegessen zu werden.Spontan spricht der Besitzer der Bäume (Jacques) uns an und schenkt uns ein paar dieser leckeren Früchte. Er erwartet keine Gegenleistung! Etwas dafür zu bezahlen wäre eine Beleidigung, denn in der Polynesischen Sichtweise würde das bedeuten, dass man Gastfreundschaft mit Geld abwimmelt.Als wir im März 2022 hier waren, war alles sehr trocken und braun. Die Bevölkerung erwartete sehnlichst Regen. Dieser ist in der Zwischenzeit eingetroffen und alles ist saftig grün, wie zum Beispiel der Pausenplatz der Schule von Hanavave …… oder die Hänge entlang des tief eingeschnittenen TalkesselsEin einheimischer Fischer und Bauer hat einem anderen Segler am Ankerplatz angeboten, einmal für uns alle ein Abendessen zuzubereiten. Schlussendlich sind wir die Crews von 4 Schiffen, welche die Einladung annehmen und ein typisches Marquesianisches Abendessen serviert bekommen.Es gibt Schweinefleisch in 2 Varianten, Hähnchen, Brotfrucht, Reis und Gemüse. Zum Nachtisch Pampelmusen und leckeren, selbstgebackenen Schokoladekuchen.
Anders als damals im März 2022 herrscht jetzt über Fatu Hiva die ganze Zeit kräftiger Wind und das Meer ist stark aufgewühlt. Immer wieder peitschen kurze, sehr heftige Böen das Tal hinunter und lassen die Lupina heftig am Anker zerren. Wir sind froh, haben wir die neue Kette und müssen keine Bedenken haben, dass diese vielleicht überlastet werden könnte. An das Rollen am Ankerplatz haben wir uns schnell gewohnt. Pia meint gar, so sei sie gut auf die nächste Etappe eingeschaukelt. Nach 3 Tagen lichten wir den Anker und machen uns auf zur rund 45 Seemeilen entfernten Insel Tahuata
Bei der Wegfahrt von Fatu Hiva läuft zuerst alles wie gewünscht. Etwa eine halbe Meile von der Insel weg setzen wir zuerst das Grosssegel, dann die Genua. Beim Festhalten des Manövers im Logbuch kommt plötzlich eine sehr starke Böe (Pia liest 30-35kn vom Wind-Anzeigegerät). Diese Böe lässt unsere Lupina nach vorne in den Wind schiessen und legt das Schiff hart auf die Backbordseite. Die Reeling ist tief im Wasser und das dort befestigte SUP wird von der überströmenden Flut angehoben. Ich eile zum Steuer, reisse es herum und vieren die Genua. Die Böe lässt schon wieder nach – Glück gehabt, vermeintlich. Ein Rundumblick zeigt dann: die Solar-Paneele ist abgerissen (das Bild zeigt den Rest davon). Ich ärgere mich sehr, denn hätte ich mich nicht durch das Logbuch abgelenkt, hätten wir die Böe besser abfangen können! Wieder etwas gelernt ☹! Der Rest der Fahrt nach Vaitahu auf der Insel Tahuata verläuft dann sehr zügig und ohne weitere unangenehme Vorkommnisse.
Auch über Tahuata bläst während der ganzen Dauer unseres Aufenthaltes ein kräftiger Wind (ca. 20 Knoten). Sogar auf der Leeseite der Insel ist der Schwell, den das Meer bei diesen Bedingungen ans Ufer zurückwirft, ungewöhnlich hoch. Das Anlanden mit dem Dinghi an der Hafenmauer von Vaitahu ist sehr ungemütlich, ja sogar gefährlich. Daher beschränken wir uns auf nur wenige Landgänge. Zum Glück treffen wir hier wieder auf Katrin und Hans (SY Esmeralda). Deren Dinghi ist um einiges leichter als unseres und wir können es auf die Hafenmauer ziehen. Da liegt es geschützt und ungefährdet von dem starken Sog, der um die Quai-Mauern herrscht.
Nach 2 Tagen in Vaitahu verlegen wir 3 Seemeilen weiter in die idyllische Bucht von Iva Iva Iti. Hier können wir zwar ausgiebig schnorcheln, aber an das Anlanden mit dem Dinghi ist wegen der sich überschlagenden Wellen im Uferbereich nicht zu denken. Der Einheimische, der am Strand in einer Hütte wohnt, lässt sich jeweils ein paar Meter draussen abladen und schwimmt durch die Brandung ans Ufer.Trotz starkem Wind und Schwell erleben wir einige wunderschöne Sonnenuntergänge. Dieses schöne Bild von der Lupina hat Katrin von der SY Esmeralda aus geknipst.Am 2. Februar 2023, einen Tag früher als geplant, kommt Spannung auf: die Lupina kommt aus dem Wasser. Wir sind am Tag vorher von Tahuata nach Hiva Oa gefahren und haben mit dem Personal vom Yard den Ablauf besprochen. Weil das Wasser bei der Rampe nicht allzu tief ist, wird das Auswassern bei Hochwasser geplant. Hier sind wir bereits in Position und warten auf den Lift.Mit dieser Vorrichtung, eine Art fahrbare Hebebühne, und dem kräftigen Allrad-Zugfahrzeug wird unser Schiff aus dem Wasser gezogen und an Land geschoben. Die Hebebühne ist in der Höhe hydraulisch steuerbar, so dass unsere Lupina während des ganzen Prozesses immer schön in der Waagerechte steht.Die folgenden 2 Tage sind arbeitsintensiv. Alles, was nicht an Deck bleiben muss, wird vor dem gnadenlosen Sonnenlicht, das in diesen Breitengraden herrscht, unter Deck verstaut. Pia repariert das Bimini, dessen Stoff (an der Auflage bei den Eisenrohren) beim Aufenthalt im Spätsommer 2022 in der Marina von Papeete durch die Sonne an 2 Stellen fast durchgebrannt worden ist.Ich inspiziere gründlich alle Winschen, Rollen und Klampen. Bei der backbordseitigen Niederhole-Rolle für das Genua-Schot stelle ich einen gravierenden Defekt fest, der als gefährlich eingestuft werden muss: der Bolzen, der die Rolle fixiert, ist nicht mehr gesichert. Die nietenartige Verstemmung des Materiales ist abgebrochen, vermutlich durch Vibrationen. Der Stift kann sich so axial verschieben und die Rolle könnte sich lösen.Der Yard von Hiva Oa ist momentan randvoll. Viele Segler haben jetzt ihr Boot für die Zyklon-Zeit ausgewassert und sind nach Hause geflogen. Wir sind sehr glücklich, dass wir noch einen Platz bekommen haben.
Die Arbeiten, die wir dringend machen wollten, erledigen sich schnell und ohne negative Überraschungen: Unterwasserschiff abdampfen, Zustand des Antifoulings checken, Anoden am Bugstrahlruder und an Welle sowie Propeller ersetzen, Spiel von Ruder und Verstellmechanismus des Propellers prüfen, Seeventile überprüfen und gängig machen. Zudem gibt es hier einen Segelmacher mit gutem Ruf. Ihm übergeben wir unser Genua-Segel, damit er das ausgerissene Schot-Horn wieder einnähen kann. Es verläuft alles wie am Schnürchen. Wir sind froh, müssen wir nicht stressen mit der Arbeit, denn auf der an Land stehenden Lupina wird es tagsüber sehr heiss. Es weht kaum ein Wind und von unten kühlt kein Meerwasser.
Am Sonntagabend verabschieden uns Katrin und Hans (SY Esmeralda) noch mit einem feinen Nachtessen auf ihrem Schiff (vielen Dank euch Beiden für die vorzügliche Gastfreundschaft) und schon am Montag früh beginnt dann unsere lange Reise in die Schweiz.
Montag, 6.2.2023, die lange Reise in die Schweiz beginnt. Zuerst mit einem dreieinhalb stündigen Flug von Hiva Oa nach Papeete (Tahiti). Der Flughafen auf der Insel ist wohltuend klein und wunderschön eingebettet auf einem Hochplateau zwischen den steilen BergenDer Flug führt uns über die Atolle der Tuamotus. Einige davon haben wir schon besegelt, andere, wie das Atoll Apataki (Bild) werden wir dann auf unserer Weiterfahrt ansegeln.In Papeete müssen/dürfen wir 2 Tage auf den Anschlussflug nach Europa warten. Das ist, wie man sieht, offenbar nicht weiter schlimm: Pia lässt es sich an ihrem 66. Geburtstag gut gehen.
Am 8. Februar geht dann die Reise weiter und einen Tag später kommen wir sicher aber etwas müde in der Schweiz an. Wir wollen nun wieder einmal den Winter geniessen. Zudem wollen die Grosskinder wissen, ob sie bereits schneller sind beim Skifahren als ihr Opi. Ich werde mir alle Mühe geben 😉 Mitte März geht’s dann wieder zurück auf die Lupina. Bis dann macht auch der Schreiberling Pause.
Aber danach wird es wieder spannend – folge der Lupina im Kielwasser!
Fatu Hiva ist die südlichste Insel der Marquesas. Sie hat die Form einer Mondsichel, die nach Westen geöffnet ist. Sie ist rund 10 Kilometer lang und 4 Kilometer breit. Die Vulkaninsel ist gekennzeichnet durch steil abfallende Felswände, die hunderte von Metern in die Tiefe stürzen
Auf Fatu Hiva machen wir uns auf die Suche nach den Spuren von Thor Heyerdahl. Der berühmte Norweger träumte seit seiner Schulzeit davon, selbst auszuprobieren, ob der Mensch von heute im Stil des Steinzeitjägers überleben kann – ohne technische Hilfsmittel, ohne Medikamente. Nach längerem Suchen auf Landkarten, in geographischen Büchern und Reiseberichten früherer Expeditionen nach besonders schönen und einsamen Fleckchen Erde stiess er auf Fatu Hiva in den Marquesas.
Fatu Hiva ist reich an Vegetation, Nahrung und Trinkwasser. Die regelmässigen Niederschläge, meist kurz von Dauer aber tropenartig heftig, kurbeln das Wachstum der Pflanzen an
Im Jahr 1937 kommt der junge Zoologie Student Heyerdahl mit seiner Gattin Liv zuerst nach Tahiti, wo ein Häuptling die Beiden in die Kunst zu leben und überleben einweist. Kurz danach setzt ein alter Frachter das junge Paar am Zielort aus und verspricht, sie nach einem Jahr wieder abzuholen. Den beiden Zivilisationsflüchtlingen erschein Fatu Hiva paradiesisch: verschwenderische Vegetation, weisser Sandstrand und lauter temperamentvolle und offenbar im Einklang mit der Natur lebende Menschen. Den Fremden wird bereitwillig ein Stück Land auf einer ehemaligen Königsterrasse oberhalb des Dorfes Omoa verpachtet und schnell werden sie mit den Einheimischen vertraut. Ungewollt gerät dann das junge europäische Paar zwischen die Fronten zweier sich rivalisierender Missionare, die Zwietracht und Streit in der Bevölkerung sähen. Von Stechmücken geplagt, gepeinigt von schmerzhaften Geschwüren an den Beinen, müssen die beiden Norweger dann in einem offenen Boot auf dem stürmischen Meer wieder nach Tahiti fahren, um medizinische Hilfe zu suchen. Sie müssen feststellen, dass es für den modernen Menschen tatsächlich kein «Zurück in die Natur» mehr gibt.
Wir machen uns auf die Suche nach den Spuren von Thor Heyerdahl …… finden dann aber ausser wild wachsenden Pfefferschoten …… und einem ruhig dahin plätschernden aber hohen Wasserfall (hier mit Rita und Daniel, SY Maramalda) leider keine Hinterbleibsel von Heyerdahls Aufenthalt auf Fatu Hiva. Die Bevölkerung hat das Norwegische Paar leider vergessen
Eine andere Erkenntnis hat Thor Heyerdahl bei seinem Aufenthalt auf Fatu Hiva gewonnen: die Menschen, die hier leben, könnten durchaus von Indianern in Südamerika abstammen. Bisher hat man geglaubt, die Besiedlung von Polynesien habe von Asien aus stattgefunden. Hier fasste Thor den Entschluss, durch einen praktischen Versuch zu zeigen, dass man mit einem Floss von Südamerika nach Polynesien kommen kann. Diese erfolgreiche Flossfahrt hat ihn dann weltberühmt gemacht. Schade, dass sich hier in Fatu Hiva keine Spuren dieses praktisch veranlagten Zoologie-Studenten mehr finden lassen.
Wir finden zwar nichts von Thor Heyerdahl – stossen aber immer wieder auf feine Früchte. Hier grosse, sehr süss-saftige Pampelmusen (Grapefruit), die uns ein Einheimischer in die Hand drückt. Im Gegensatz zur Bevölkerung von Gambier, die dank der Perlenzucht einen gewissen Reichtum erlangt hat, sind die Leute hier immer noch auf Tauschhandel angewiesen. Für ein altes Seil oder ein nicht mehr gebrauchtes Werkzeug kriegen wir Berge von frischen FrüchtenWir ankern vor dem kleinen Dorf Hanavave und werden bei unserem ersten Landgang von Serge (Bild Mitte) gefragt, ob wir einmal bei ihm Nachtessen wollen, alles einheimische, traditionelle Kost. Natürlich wollen wir! Zusammen mit der Crew von SY Maramalda geniessen wir ein üppiges Mahl: Mango Salat, gebratenes Wildhühnchen, Reis, Kochbananen, Brotfrucht Frites, in Kokosmilch und Zitronensaft eingelegter roher Fisch und ein Pampelmuse Fruchtteller zum Abschluss. Bis auf den Reis wächst hier alles in freier Natur. Lecker! Unsere Bäuche sind randvollVon Hanavave (500 Einwohner) wollen wir zum einzigen anderen «grossen» Dorf auf der Insel: Omoa (600 Einwohner). Es schlängelt sich eine steile, abenteuerliche Strasse (nur mit Geländefahrzeug befahrbar) von Hanavave nach Omoa, 17 Kilometer weit. Wir könnten den Hinweg zu Fuss machen und dann per Boot zurück. Die Bootsfahrt der Küste entlang dauert nur 15 Minuten. Aber wir wissen nicht, ob wir in Omoa jemanden finden, der uns zurückbringt. Wir erfahren, dass zweimal die Woche früh am Morgen eine Fähre von den Nachbarinseln nach Omoa und Hanavave fährt. Ganz selten steuert sie Hanavave als erstes an. Wir haben Glück! Wir sind noch in unserem Cockpit beim Frühstück, als wir die Fähre erspähen. Schnell Rita und Daniel auf der SY Maramalda angefunkt, Kaffee runter gestürzt und ins Dinghi gesprungen. Wir holen Rita von der Maramalda ab, Dani fährt uns mit unserem Dinghi zur inzwischen geankerten Fähre (rotes Schiff im Bild) und schon sind wir an BordTiki in Omoa. Ein Tiki ist eine meist aus Stein oder Holz gehauene Figur, die ein männliches oder weibliches Wesen darstellt. Die Figuren haben eine spirituelle Kraft und symbolisieren Dinge wie Zufriedenheit, Stärke, Zuversicht, Energie, positiven Geist, Ehrlichkeit, Reinheit, Weisheit, Ehre und vieles mehr. Bei ihnen haben sich früher die Menschen Rat und Hilfe gesucht. Das findet auch heute zum Teil noch statt, aber diese lange überlieferte Tradition wurde von den Missionaren leider fast gänzlich ausgelöscht. Mit dem Herstellen von Tikis für Touristen aus aller Welt verdienen aber viele Inselbewohner heute ihr Geld. Nach und nach kommen die Tikis wieder als Glücksbringer in die Häuser der Einheimischen zurück. Schön!Kirche von Omoa. Im Vergleich zu den monströsen aber zerfallenden Kirchen von Gambier sind die Kirchen hier eher klein, unscheinbar, aber sehr schön gebaut und gut unterhaltenAuf unserem 17 Kilometer langen Fussmarsch von Omoa zurück nach Hanavave werden wir von einem Wolkenbruch überrascht. Unter dem Blätterdach eines Baumes am Strassenrand bleibt das Gemüt trotzdem sonnig 😉Unterwegs zwischen Omoa nach Hanavave. Die eine Hälfte des Weges geht es steil aufwärts, die andere Hälfte wieder steil hinunterFatu Hiva – phantastische NaturlandschaftPia und Rita – wohlverdiente Rast. Es könnte irgendwo in den Schweizer Alpen seinAus luftiger Höhe Blick in die Bucht von Hanavave mit Lupina vor Anker (Boot ganz links)Am Tag vor unserer Weiterfahrt werden wir von Lea und Sopi, einheimische Bauern, angefragt, ob wir für seinen Bruder auf der Nachbarinsel einen Bananentransport übernehmen würden. Natürlich willigen wir ein und hohlen am nächsten Morgen eine grosse Fracht an Bananen, gut verpackt in weissen, gewobenen Säcken, am Steg von Hanavave ab. Als Lohn für unseren Dienst erhalten wir eine grosse Menge an frischen Früchten und sogar AuberginenVor Anker in der Bucht von Vaitahu auf der Insel Tahuata (unser Schiff ist das 2. von rechts). Hier liefern wir die Bananen ab. Gerne hätte uns Sopi’s Bruder zum Essen bei sich zu Hause auf der anderen Inselseite eingeladen, aber der Schwell am Steg ist so heftig, dass wir unser Lupinchen nicht einen ganzen Tag lang dort leiden lassen wollen. Schweren Herzens lehnen wir die Einladung abDieser Stein vor dem Rathaus in Vaitahu zeugt davon, wie der Name der Marquesas Inseln ursprünglich war: „Fenua Enata“ (Terre des Hommes / Land der Menschen). Leider meinten die Eroberer im 16. Jahrhundert, einer der Sponsoren einer Expedition müsse mit seinem Namen hier verewigt werdenKirche von VaitahuKirche von Vaitahu. Die Seitenwände sind noch oben offen und erlauben eine gute Luftzirkulation. Es ist angenehm kühl in der KircheSonnenuntergang am Ankerplatz von VaitahuNach der Bananenlieferung gesellen wir uns wieder zur SY Maramalda, die aus Respekt vor dem Schwell in Vaitahu direkt zur nächsten Bucht Hanamoenoa weitergefahren istLetzter Ankerstopp auf der Insel Tahuata in der Bucht von Hapatoni. Hier liegen wir in ruhigem Wasser vor einem steil abfallenden Palmenhang. Die Abendsonne bringt die Farben zum Leuchten. In dieser Bucht lebt eine grosse Familie von Delfinen, die jeden Morgen im Schwarm auf Fischfang gehen. Ein tolles SpektakelAuf unserem Landgang in Hapatoni haben wir erstmals die Gelegenheit zu sehen, wie für die Copra Produktion (Kokosölproduktion) die Kokosnüsse gesammelt, geöffnet und das herausgebrochene Fleisch getrocknet wird. Im Bild eine typische Trocknungsanlage. Auf der Ablage unten werden die Kokosnussstücke ausgebreitet. Das Dach, das auf Schienen fahrbar montiert ist, kann je nach Bedarf zurückgeschoben (Sonne) oder geschlossen (Regen) werden. Nach dem Trocknen ist das Wasser aus der Nuss verdampft und zurück bleibt eine sehr ölhaltige, glasige Substanz. Diese wird dann in Säcke abgefüllt und verschifft zu einer grossen Copra Fabrik, wo die ölhaltigen Stücke gemahlen werden und das Öl daraus herausgepresst wird. Das so gewonnene Kokosöl findet Verwendung in der Lebensmittel- sowie Kosmetik IndustrieEin weiterer faszinierender Sonnenuntergang vor Hapatoni (Tahuata)Adrenalinstoss am Ankerplatz von Hapatoni. Es hat hier viele Steine und Felsen im Wasser. Wir haben die Gabe, solche Steinfelder immer perfekt zu finden. Und auch immer perfekt, wie sich unsere Kette jedes Mal die raffiniertesten Wege aussucht, wie sie sich um Felsen verknotet ☹ In diesem Fall (Verlauf der Kette ist auf dem Bild mit gelber Linie markiert, gestrichelt bedeutet, dass die Kette in diesem Bereich unter dem Felsen liegt) ist es besonders schlimm, weil ich diese auf etwa 14 Meter Tiefe nicht von Hand entwirren kann ohne Tauchgerät. Das Schiff hängt fest! Was tun? Nun, in diesem Fall kommt Hilfe von einem Dänischen Nachbarschiff (SY Tao). Es liegt direkt neben uns und dürfte ähnliche Probleme bekommen. Auf meine Frage zuckt der Skipper Bent gelassen mit der Schulter und meint, er löse solche Probleme jeweils einfach mit «Geduld». Funktioniert perfekt auch bei uns! Kette langsam dichtholen, bis das Schiff direkt über dem Stein schwimmt – Geduld zeigen – das Schiff löst durch leichtes Schaukeln die Kette Glied um Glied – und nach ein paar Minuten ist die Kette frei. Ohne Schweiss oder nasse Füsse. Danke Bent – diesen Tipp werde ich mir merken!!Nächste Insel: Hiva Oa. Im Bild der Strand von Atuona mit Einfahrt zur engen und schwelligen Ankerbucht und HafenLupina (vorne im Bild) am rolligen Ankerplatz von Atuona. Am Tag nach unserer Ankunft fährt auch die MV Aranui, eine Kombination von Fracht- und Kreuzfahrtschiff, in den engen Hafen. Wir haben Glück, denn ein Frachtschiff bedeutet immer: frische Lebensmittel auf der Insel. Und Kreuzfahrtschiff heisst zusätzliche Unterhaltung für Touristen!In diesem Fall besteht die zusätzliche Unterhaltung für Touristen in der Präsentation der Schönheiten für die Miss Marquesas Wahl 2022…… Demonstrationen und praktische Kurse von traditionellen Handwerken …… Präsentation lokaler Kunst (hier traditionelle Tattoos) …… sehr wohlklingende mit Ukulele begleitete Gesänge eines lokalen Frauenchores …… und als Höhepunkt ein Tanzmarathon, bei dem die Polynesische Meisterin des traditionellen Tanzes die ausschliesslich weiblichen Teilnehmerinnen instruiert, ihnen vortanzt und sie dann minutenlang üben und schwitzen lässt. Ich verzichte auf die Beschreibung des schwindelerregenden Hüftschwunges der Meisterin. Den haben wir auf Video erfasst 😉 (meine Augen rollen immer noch 😊)Mit 4×4 Mietauto erkunden wir die wilde Nordküste der Insel Hiva Oa und wagen uns bis ans äusserste Ostende bei Puamau vor. Eine tolle Strecke die mittlerweile gut ausgebaut ist und sogar ohne 4×4 befahrbar wäreIn Puamau befindet sich eine der bedeutendsten archäologischen Fundstätten: Iipona. An dieser Kultstätte befinden sich mehrere gut erhaltene Tikis, unter anderem «Takaii» mit über 2 Metern der grösste Tiki der Welt. In Unkenntnis dieser besonderen Tatsache hat es der Photograph leider verpasst, diesen speziellen Tiki festzuhalten. Dafür hat er diese schöne Figur aus Holz, die aber neueren Datums sein dürfte und einen männlichen Krieger darstellt, abgelichtetAuf der Strecke zwischen unserem Ankerplatz in Atuona und dem kleinen Bergflughafen im Inneren der Insel soll es einen speziellen Tiki geben: Smiling Tiki (der lachende Tiki). Normalerweise zeigen die Tikis ein ernstes, ja gerade strenges Gesicht. Diese Ausnahme wollen wir sehen. Leider steht in keinem unserer Reiseführer, wo genau er zu finden ist. Wir fahren in die Gegend, wo wir ihn vermuten und treffen einen Reiseführer, der gerade mit einer Gruppe Touristen aus dem Auto steigt. Wir fragen ihn und er meint grinsend, dass er genau dorthin wolle. Wir dürfen uns der Gruppe anschliessen und erfahren viel über den TikiDer lachende Tiki (Smiling Tiki): deutlich erkennbar das Grinsen in seinem Antlitz. Die kleinen Hände vorne auf der Brust bedeuten Friede und Ehrlichkeit (keine Waffe, nichts zu verbergen). Der Smiling Tiki befindet sich an einer Kultstätte, wo früher die Medizinmänner, Häuptlinge und andere wichtige Menschen ihre Opfer brachten und Rat suchten. Es hat vermutlich noch viele weitere Tikis gehabt. Alle bis auf den Smiling Tikis sind aber von Archäologen und anderen Sammlern weggebracht worden. Warum der Smiling Tiki nicht? Der Grund dürfte an seiner Verankerung liegen. Er ist auf eine Steinplatte gemeisselt, die sehr tief (über 2 Meter) im Erdreich verankert ist. Vielleicht lacht er ja deshalb 😊Bei unserer Inseltour mit dem 4×4 Mietauto kommen wir in der Baie Hanaiapa vorbei und sehen diesen Felsen im Meer. Ein Einheimischer kommt auf uns zu und fragt uns: «seht ihr den schwimmenden Neger?». Klar sehen wir ihn. Siehst du ihn auch? Siehst du auch die beiden anderen Gesichter? Auflösung ganz am Schluss des Berichtes 😉Die Insel Hiva Oa ist die Ruhestätte zweier sehr bekannter Künstler der jüngeren Vergangenheit. Der eine ist der berühmte Belgische Sänger Jacques Brel, der leider viel zu früh vor seinem 50. Geburtstag aus dem irdischen Dasein gerissen wurdeDer andere hier begrabene Künstler ist der weltberühmte Paul Gauguin, der auf Hiva Oa Natur und Menschen vorfand, die ihn zu seinen fantastischen Meisterwerken inspirierten. Schon zu Lebzeiten verhalfen ihm seine farbenreichen Bilder von Menschen (vor allem Frauen) und Situationen aus der Südsee zu Ansehen in der Kunstszene und, eher unüblich für einen Künstler, auch zu WohlhabenDieser Schreiberling (hier gerade am Reisebericht schreiben in der Lounge der Schiffswerft in Hiva Oa) wird es wohl nie zu Weltruhm bringen, auch wenn er eine sehr interessierte Mitleserin hat 😊😊
Wir haben nun die 3 südöstlichen Inseln der Marquesas (Fatu Hiva / Tahuata / Hiva Oa) bereist. Vor allem Fatu Hiva, die kaum je Segelboote sieht, weil sie schwierig anzusegeln ist (Boote, die den Pazifik queren, sind verpflichtet, zuerst auf den weiter westlich liegenden Inseln Hiva Oa oder Nuku Hiva einzuklarieren, und müssten dann gegen Wind und Wellen zurücksegeln) hat uns sehr gut gefallen. Die Marquesas sind ein sehr anspruchsvolles Segelgebiet. Die Vulkaninseln ragen alle steil und schroff aus dem Meer und es hat keine Riffe, welche Wellen und Brandung einbremsen würden. Die einigermassen geschützten Ankerplätze liegen meist auf der Westseite der Inseln. Hier aber gibt es starke und unberechenbare Fall-Böen, die wie eine Ohrfeige auf dich einschlagen können. Der Ankergrund ist meist sehr tief, 15-20 Meter, und es braucht immer viel Kette. Finden wir endlich einen guten Halt, kommt sicher ein nervender Schwell um die Landzunge und macht den Ankerplatz rollig. Gerade das Letztere stört uns aber wenig, wir schlafen herrlich, wenn die Wellen uns so ins Land der Träume befördern. Solange der Anker hält, sind wir glücklich 😉
Als nächstes Ziel nehmen wir uns die 3 nordwestlichen Inseln (Ua Pou / Nuku Hiva / Ua Huka) vor den Bug, bevor wir dann in etwa 4 Wochen wieder nach Hiva Oa zurücksegeln. Dort wollen wir den defekten Motor des Grosssegel Rollmechanismus durch einen temporären Handmechanismus ersetzen, der uns aus der Schweiz zugeschickt wird. Hoffentlich klappt das!
Es bleibt spannend – folge der Lupina im Kielwasser
Auflösung des Rätsels: 1. Das Gesicht des «Neger-Kopfes» ist rot eingerahmt. Er schwimmt ins Meer hinaus 2. Das Gesicht der Frau mit dem üppigen Haar ist grün markiert. Sie schaut gegen links 3. Über der Frau ist gut ein Kindergesicht (blau markiert), ebenfalls nach links blickend, erkennbar