Yasawa Island Cruise mit Angie und Ralf

5.7. – 23.7.2024 (Autoren: Angie und Ralf)

Endlich angekommen! Nach 30 Stunden Reise um die halbe Welt werden wir von der Lupina Crew am Flughafen Nadi herzlich in Empfang genommen und betreten kurze Zeit später die Lupina in der Vuda Marina auf Fiji. Wir, das sind Pias Tochter Angie und ihr Partner Ralf, nehmen die einmalige Gelegenheit wahr, uns 3 Wochen lang in ein Segelabenteuer in der Südsee zu stürzen. Auf Bonaire haben wir bereits Tagesauflüge mit der Lupina Crew gemacht, jedoch sind wir noch nie mehrere Tage auf einem Segelboot gewesen und freuen uns nun darauf, mal so richtig in das Seglerleben einzutauchen. Gut, dass wir bei warmen Temperaturen kaum Kleider benötigen, daher können wir einmal Surfgepäck mit Wingfoil Ausrüstung anstelle eines Koffers mitnehmen.

Flughafen Ankunft, Wiedersehen

Beim Koffer Auspacken übergeben wir der Crew all die Mitbringsel, die sie in den vergangenen Monaten bei uns bestellt haben. Unter anderem auch kleinere Ersatzteile, an die sie sich gar nicht mehr erinnern ;), daher es ist für die Beiden ein bisschen wie Weihnachten.

Als Erstes müssen wir uns mit Essen und Getränken für die nächsten 3 Wochen eindecken, da es auf der Yasawa Inselgruppe kaum Einkaufsmöglichkeiten gibt. Auf dem lokalen Markt in Lautoka gibt es ein riesiges Angebot an Früchten und Gemüse, wo wir gefühlt Unmengen einkaufen. Zum Glück hat Pia genügend Taschen dabei, um all diese frischen Köstlichkeiten mit zu nehmen. Dazu kaufen wir noch reichlich Kava ein, dies dient als Besuchergeschenk zum Einlass in die Dörfer.

Markt in Lautoka
Kava
Pia und Köbi haben für uns eine interessante Segelroute in Aussicht
Gleich am nächsten Tag heisst es: Leinen los! Wir fahren aus der Marina, setzen die Segel und beginnen mit Champagnersegeln. Bye-bye Mosquitos und Hitze, Hallo angenehme Brise mit Kurs zur Yasawa Inselgruppe.
Stetig nehmen Wind und Welle zu und die Schaukelei beginnt. Unsere Seetauglichkeit wird direkt auf die Probe gestellt. Wir Hochseeneulinge bestehen den Test nicht. Selbst eine Delfinschule, die uns begleitet und eine richtige Show bietet, kann Ralf nicht aus dem Rumpf des Schiffes locken.
Kaum erreichen wir ruhigere Gewässer, wird Unbehagen in Hunger getauscht, wie Pia aus jahrelanger Erfahrung prophezeit hat. Der Anker fällt nach der obligatorischen Umrundung des Schwingkreises vor dem Dorf Nalauwaki auf der Insel Waya.

Die Aussicht auf den Sandstrand, unzählige Palmen unterhalb von grün bewachsenen Bergen ist traumhaft. Kaum ist der Anker gesetzt und auf Halt geprüft, wird der obligatorische Ankertrunk serviert. Der Sonntag ist den Einheimischen heilig, daher relaxen wir auf der Lupina und gehen erst am Montag an Land.

Waya Strand

Kaum mit dem Dinghi an Land angekommen, werden wir von den Dorfbewohnern mit «Bula Bula!» begrüsst. Wir übergeben ihnen das Kava und dürfen uns nun frei auf der Insel bewegen. Als wir am Abend zurück an den Strand kommen, hat der Wind gedreht und kommt nun direkt auflandig auf den Strand. Sogleich wartet die nächste Challenge. Bei Wellen mit dem Dinghi übers Riff zurück zur Lupina. Auch das Hochziehen des Dinghis auf das Schiff ist nicht einfach. Das Heck des Segelbootes schwingt stark in den Wellen auf und ab. Nur mit grosser Mühe rettet Köbi das Dinghi, bevor es vom Segelboot ertränkt wird. Da wird uns bewusst, wie schnell man beim Segeln in heikle Situationen kommen kann. Wir hoffen, dass der Anker hält und halten beim Abendessen die Gläser gut fest, damit sie nicht umkippen. Die Nacht wird sehr schauklig und wir sind noch nicht sicher, ob man sich tatsächlich daran gewöhnen kann.

Besser erholt als gedacht lassen wir es uns nicht nehmen, einen der beiden auffälligen Berggipfel zu erklimmen. Ein lokaler Guide führt uns barfuss zielsicher zum Gipfel mit spektakulärer Aussicht auf die Bucht.
Fantastische Aussicht auf unsere Ankerbucht
Von einer hohen Palme erntet unser barfüssige Guide für uns Kokosnüsse und schenkt uns Papayas aus den Dorfeigenen Plantagen.

Im Anschluss segeln wir 2 Stunden weiter nordöstlich zu einer schmalen, flachen Insel. Dort sind wir gut vor den Wellen geschützt, der Wind bläst ablandig ist aber recht konstant. Das Lupina Wassersportcenter wird eröffnet! Die Wingfoil-Ausrüstung aufgebaut, die SUPs aufgepumpt und ins Wasser gelegt, um uns auszutoben. Nach einer Runde Wingen paddeln wir mit den SUPs zum einsamen Sandstrand, um Kokosnüsse zu sammeln.

Aufzeichnung der Wingfoil Session von Ralf
Den Wing legen wir zum Trocknen auf das Vordeck des Segelbootes.
Zubereitung der Snacks zum Sundowner: Kokosnuss
Gemäss Lupina Richtlinien gibt es jeden Abend einen Sundowner, bestehend aus einen erfrischenden Drink mit Snacks.
Auch nach dem Abendessen hat der Skipper strenge Richtlinien angeordnet. Pia befolgt die Anordnung mit Freude 😉
Die Lupina Richtlinie für nach dem Abendessen besagt, dass auf eine leckere Speise aus Pias Bordrestaurant immer noch Eiscreme zu folgen hat 🙂 🙂
An einem ruhigen Ankerplätzchen tauschen wir auch die Hülle vom Rettungsring, die wir aus Europa mitgebracht haben. Mit zwei handwerklich geschickten Ingenieuren ist das in kürzester Zeit erledigt. Auf einem Segelboot gibt es immer etwas zu tun.

Am Freitag den 12.7. segeln wir weiter nach Nakula Island zum Dorf Malakati. Wir setzen das Grosssegel und die Genua und rauschen unter vollen Segeln los. Der Wind frischt nach und nach auf, die Fahrt wird ruppiger und wir reffen die Segel. Schliesslich tauschen wir sogar die Genua gegen die kleinere Fock.

Das Wasser ist gespickt mit Korallenköpfen, die sich nur wenige Meter unterhalb der Wasseroberfläche befinden. Teilweise sind diese Untiefen nicht in den Seekarten eingetragen. Daher prüft Skipper Köbi parallel Satelliten Bild Aufnahmen und gleicht helle Stellen mit der Karte ab.
Um nicht auf Grund zu laufen, müssen wir geschickt navigieren – kein Problem für Ralf!
Bei einer Ausweichwende reisst die Fock an der oberen Lasche. Materialermüdung!
Köbi nimmt das Segel gekonnt runter und bindet es vorne am Schiff fest, damit es nicht wegfliegt. Zu diesem Aktion auf Deck starten wir den Motor. Auch danach fahren wir zur Sicherheit unter Maschine weiter, um zusätzliche Schäden bei dem vielen Wind zu vermeiden.

Wir ankern in einer tiefen Bucht, in dieser ist das Wasser richtig flach, was ruhige Nächte verspricht. Wie auch schon zuvor sind wir das einzige Boot vor Ort. In den nächsten Tagen gesellen sich weitere hinzu. Am folgenden Tag besuchen wir das Dorf und werden zum Sevusevu direkt in die Comunity Hall eingeladen und vom Chief des Dorfes persönlich begrüsst. Da Samstag ist, sitzen die Männer vom Dorf beim Kava Trinken zusammen. Das Getränk wird frisch zubereitet. Dazu werden die gemahlenen Wurzeln der Kava-Pflanze mit Wasser in einer grossen Schale von Hand gemischt. In Kokosnussschalen wird das Getränk im Kreis rumgereicht. Zuerst bekommen die Ranghöchsten. Wir trinken bis zu zwei Schalen je nach Wunsch High oder Low Tide für grosse bzw. kleine Portionen. Grössere Mengen Kava hat eine entspannende und schläfrig machende Wirkung. Vor allem Ralf, der eh schon tiefenentspannt ist, trifft die Wirkung. Auf dem nachfolgenden Spaziergang dem Ufer entlang trottet er gemächlich hinterher.

Kava Trinkzeremonie
Spaziergang am Strand von Nanuya Balavu
Angi steigt auf die Palme, Malakati

Spazieren wir durch ein Dorf werden wir von allen herzlich mit „Bula!“ begrüsst. Es ist ein ganz spezielles Erlebnis zu sehen wie freundlich, offen und vertrauensvoll diese Menschen auf all den Inseln gegenüber Besuchern sind. Wir werden sogar für den nächsten Tag zum gemeinsamen Dorfmittagessen nach der Kirche eingeladen, was wir natürlich gerne annehmen. Dies wird zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Am Sonntag tragen Frauen bunte Röcke und Männer einen schwarzen Sulu und dazu meist ein farbiges Hemd. Wir befolgen diese Tradition.
Die Töpfe sind für das sonntägliche Essen bereit.
Leckeres lokales Essen für das Dorf und Gäste wie wir.
Es ist richtig lecker!

Am nächsten Tag wollen wir uns etwas am Strand die Beine vertreten. Doch aus dem vermeintlich kurzen Spaziergang wird nach und nach eine Wanderung ins nächste Resort. Begleitet von zwei Hunden und angetrieben von Hunger, treffen wir 2 Stunden später im Blue Lagoon Resort ein. Auf den Tischen der Gäste stehen Köstlichkeiten und unsere Mägen knurren. Leider bekommen Segler hier nur etwas zu trinken. Um den Rückweg zu verkürzen, handeln wir mit der örtlichen Tauchschule einen Deal aus, der uns per Boot zurückbringt. Gesteuert vom Sohn des Chiefs vom Dorf, wo wir ankern, werden wir kurz später an der Lupina abgesetzt. An Bord stillen wir unseren Hunger mit selbstgemachten Pommes.

Zwei Tage später geht es weiter zum nördlichsten Ankerplatz der Yasawa Inseln. Nach einem entspannten Segeltörn erreichen wir die Bucht. Gefühlt ist jeder Ankerplatz schöner als der vorherige. So ist klar, dass dieser nun unser Lieblingsspot wird. Der Wind ist hier konstant, das Wasser klar und wir können Wingfoilen, bis wir abends todmüde in die Koje fallen.

An Land besuchen wir die Grundschule und bekommen eine spontane Aufführung der Schüler. Von einer Dorfbewohnerin kaufen wir üppig Obst ein, da die Vorräte langsam knapp werden. Hier bleiben wir noch ein paar Tage, geniessen die Ruhe und machen Ausflüge mit dem Dinghi zum Schnorcheln. Fiji ist einfach paradiesisch. Die Unterwasserwelt ist atemberaubend, unendlich viele bunte Korallen und Fische, wir sehen sogar einen Haifisch und Schildkröten.

Herrliche Unterwasserwelt mit vielen bunten Fischen und gesunden Korallen.
Beladen mit frischem Obst
An einem ruhigen Nachmittag wird Angie in den Bootsmannstuhl gesetzt und am Mast hochgezogen. Ihr Auftrag: das andere Ende der abgerissenen Focksegel Lasche runter holen. Natürlich wird dabei auch die einzigartige Aussicht genossen 🙂

Aufgrund der Windvorhersage für die nächsten Tage beschliessen wir, mit Wind aus Nordost in die Blue Lagoon weiter zu segeln. Von dort aus kann man in einem Tagestörn zurück in die Vuda Marina auf der Hauptinsel Viti Levu segeln. Zur Abwechslung kein einsamer Ort, es liegen bereits mehr als 10 Boote vor Anker. Dort gibt es auch ein Restaurant auf welches wir uns bereits seit ein paar Tagen freuen. Frisch geduscht und in Schale geworfen stehen wir pünktlich zur Happy Hour vor verschlossenen Türen. Der Besitzer teilt uns mit, dass die Stromversorgung der Insel zusammengebrochen ist. Enttäuscht fahren wir zurück zur Lupina und Pia zaubert schnell ein chinesisches Gericht auf den Tisch, was unsere Laune wieder deutlich bessert.

Nach dem einzigen verregneten Tag geht es dann zurück Richtung Ausgangspunkt unserer Reise. Auch auf dieser Fahrt müssen wir geschickt durch die engen felsigen Riffe cruisen (siehe Bild). Der Wind meint es gut mit uns. Für die knapp 50 Seemeilen benötigen wir gerade mal 6.5h, die Lupina ist ein schnelles Boot. Auch die Windrichtung passt perfekt und wir können bis vor die Einfahrt der Marina segeln.
Im «Boat Shed», dem Restaurant der Marina, stossen wir auf die schöne, gemeinsame Zeit an.

Vielen Dank Lupina Crew für all die tollen Eindrücke – wir kommen gerne wieder an Bord.
Angie und Ralf

Die Yasawa Inseln – Abschied von Fiji

Am Montag, 2. Oktober 2023, haben wir Nelly zum Flughafen von Nadi begleitet und sie verabschiedet. Jetzt ist die Pause für den Schreiberling zu Ende und ich muss wieder in die Tasten greifen. Ich beginne mit etwas, was wir bisher unterlassen haben, nämlich etwas Information über den faszinierenden Archipel von Fiji.

Der Archipel von Fiji und die Segelroute der SY Lupina

Fiji (auf Deutsch oft auch Fidschi geschrieben) ist ein Archipel von über 300 Inseln – angefangen von kleinen Korallen-Atollen bis hin zu grossen vulkanischen Inseln. Nur etwa 100 dieser Inseln sind bewohnt, während der Rest für Fischer als Stützpunkt dient oder für landwirtschaftliche Zwecke genutzt wird. Die beiden Hauptinseln heissen Viti Levu (meist einfach Fiji genannt) und Vanua Levu. Die internationale Datumsgrenze verläuft durch den östlichen Bereich von Vanua Levu und wer, wie wir in diesem Bereich herumsegelt, der hüpft immer wieder hin und her zwischen gestern und heute. Die Menschen hier pflegen den traditionellen Lebensstil mit Stolz und Ehre. Unbedachte Verhaltensweisen von Seglern haben in der Vergangenheit immer wieder zu Problemen und Ärgernissen geführt, weshalb es heute sehr strikte Auflagen und eine strenge Kontrolle bei der Vergabe von Cruising-Genehmigungen gibt.

Kava Wurzeln, wie man sie am Markt kaufen kann. Von einem Segler wird erwartet, dass er dem Oberhaupt (Chief) eines Dorfes einen Höflichkeitsbesuch abstattet und ein symbolisches Geschenk (das sogenannte Sevusevu, meist ein Bündel Kava Wurzeln) übergibt. Dieses Geschenk – wenn es vom Chief akzeptiert wird – öffnet einem Tür und Tor im Dorf. Man wird als Dorfbewohner angesehen.

Fidji wurde rund 5’000 v. Chr. zuerst von den aus Südostasien kommenden Melanesiern besiedelt, und um 1’500 v. Chr. kamen Polynesier aus dem Osten dazu. Lange war es für die Europäischen Entdecker wegen der unberechenbaren, gefährlichen Riffe ein gemiedenes Gebiet. Erst im frühen 19. Jahrhundert begannen nebst Missionaren und Spekulanten Europäische Händler auf ihrer Suche nach Sandelholz die Inseln zu besiedeln. Um dem Missbrauch durch Fremde (diese hetzten die sonst friedlichen Einwohner gegeneinander auf) Einhalt zu gebieten, entschieden sich die Chiefs der Inseln schliesslich dazu, sich unter den Schutz Grossbritanniens zu stellen. 1874 wurde Fiji britische Kronkolonie. Aufgrund mangelnder Arbeitskräfte holten die Briten in den folgenden Jahrzehnten indische Arbeiter nach Fiji, die auf den Zuckerrohrplantagen wertvolle Dienste leisteten.

Der stark zunehmende Anteil der indischen Bevölkerung und deren Fähigkeit, den Einheimischen im Geschäfte Treiben und Handel rasch den Rang abzulaufen, führte bald zu Rassenkonflikten, die leider bis heute nicht beigelegt sind. Zwar ist Fiji seit 1970 ein staatlich eigenständiges Land innerhalb des Commonwealth, aber immer wieder kommt es zu innenpolitischen Unruhen. Das Land leidet bis heute am Unvermögen, zwischen den beiden Ethnischen Gruppen einen Kompromiss zu finden, so dass sie in Harmonie miteinander leben könnten.
Nachdem Nelly wieder abgereist ist, bleiben wir noch ein paar Tage in der Vuda Marina, um uns für die nächsten Wochen mit Proviant zu versorgen. Wir wollen noch ein paar Wochen die Yasawa Inseln im Nordwesten von Fiji besegeln, danach wieder zum Ausklarieren in die Vuda Marina zurückkommen und dann ein gutes Wetterfenster für die Fahrt nach Neuseeland abwarten.
Die Vuda Marina gilt als Zyklon sicher und wird von den namhaften Versicherungen als Zufluchtsort akzeptiert. Die Schiffe werden dabei mit dem Kiel in eine Grube gestellt und der Rumpf auf alte Pneus gelagert. Für Kielyachten eine sichere Lagerung. Katamarane liegen da meist etwas exponierter, aber auch diese werden mit Ketten und Geschirr fest auf den Boden verzurrt.
Der Wind pfeift immer noch recht steif und unser Aufenthalt in der Marina wird ein paar Tage länger. Kein Problem! Wir nutzen die Zeit mit Vorbereitungen für die auf Ende Oktober geplante Fahrt nach Neuseeland. Pia kocht Essen vor …
… und ich bastle schon mal einen Adapter für das Stromnetz in Neuseeland
Zwei Tage später packt uns dann doch wieder die Sehnsucht nach einem Ankerplatz und wir segeln rund 20 Meilen westwärts zum südlichen Rand des Yasawa Archipels, zur Kuata Insel
Seit langem wieder einmal dürfen wir einen herrlichen Sonnenuntergang geniessen.
Bei immer noch starken Winden kämpfen wir uns langsam weiter nordwärts. Meist können wir auf der Leeseite der Inseln bei reduziertem Wellengang segeln, müssen aber auf die heimtückischen Fallwinde aufpassen (wir wollen nicht noch einmal ein Solarpanel versenken!). Immer finden wir gegen Abend aber eine schöne Bucht zum Ankern. Hier die Narewa Bay im Norden der Insel Naviti.
Am Abend gesellt sich ein Katamaran zu uns. Am nächsten Tag, wir sind noch gemütlich am Frühstücken, kommt dessen Crew im Dinghi in voller Wanderausrüstung auf uns zu gebraust. «Kommt ihr auch mit? Wir suchen ein abgestürztes Flugzeug aus dem 2. Weltkrieg!». Schnell ist der letzte Kaffee im Bauch und wir mit unseren Wanderschuhen (Flip-Flops) bestückt ebenfalls im Dinghi unterwegs ans Land. Captain Karl der 4-köpfigen amerikanischen Crew kennt den Weg, der sonst nicht so einfach zu finden wäre.
Die Wanderung führt uns quer über den Nordausläufer der Insel Naviti zu deren Ostufer. Irgendwo hier im seichten Wasser soll ein Flugzeugwrack aus dem 2. Weltkrieg liegen.
Wir haben Glück und finden nach längerem Suchen tatsächlich einige Teile – hier der Propeller, der zur Hälfte im Sand steckt. Am 30. Mai 1943 musste ein US Air Force Pilot nach Motoraussetzern im seichten Wasser notlanden. Als die Einheimischen ihn fanden, soll er sich aus Angst vor den Kannibalen zuerst im Cockpit eingeschlossen haben. Dem Chief der lokalen Bevölkerung gelang es schliesslich, den unverletzten Mann zum Aussteigen zu bewegen. Er wurde nicht in den Topf geworfen, fand aber erst einige Jahre später als verschollen Geglaubter zurück in seine Heimat.
Wir segeln weiter nordwärts zur Yasawa Insel, die der ganzen Inselgruppe den Namen gibt. Obwohl es hier meist trockener ist als im Süden, sind die Hänge nach der längeren Regenperiode leuchtend grün.
Was vom Ankerplatz aus noch als weicher Grasteppich ausgesehen hat, entpuppt sich als strohartig verdorrtes Gras, das an unseren nackten Wanderbeinen kratzt und schneidet.
Die Aussicht von oben runter auf die Lupina ist aber herrlich
Lupina alleine vor Anker in der Vunindamanu Bucht auf Yasawa Island
Abkühlung nach der Bergwanderung

Nach 2 Tagen im Norden drehen wir um und segeln wieder gegen Süden. Schon bei der Vorbeifahrt haben wir eine schöne Bucht mit einem Dorf gesehen. Malakati auf der Insel Nacula. Kaum haben wir in der breiten, flachen Bucht den Anker eingefahren, werden wir vom Schiff Sybo angefunkt. Sybille und Bo (deshalb der Schiffname) verfolgen uns schon länger im Blog und haben uns erstmals in Suva getroffen. Sie haben uns im Schiffstracking System (AIS) gesehen und teilen uns mit, dass sie auch in die Bucht von Malakati kommen. Wir freuen uns riesig, das sympathische deutsch-dänische Seglerpaar wieder zu sehen.

Malakati. Zusammen mit Sybille und Bo machen wir uns auf zum Chief zur Sevusevu Übergabe. Natürlich formell richtig gekleidet mit dem Sulu, dem traditionellen Beinkleid der Männer. Das Dorf scheint fast menschenleer.
Bald erfahren wir den Grund: vor 100 Tagen ist im Dorf ein kleines Kind verstorben. Zu seinem Andenken und um es nun endgültig auf seine Reise zu schicken, versammelt sich die Dorfbevölkerung mit dem Chief zu einem gemeinsamen Kava Trinken. Wir sind etwas verunsichert, wie wir uns verhalten sollen. Ganz unkompliziert winken uns die Leute herbei, zeigen uns, wer der Speaker ist, an den wir unser Sevusevu übergeben können, und bedeuten uns, sich zu ihnen zu setzen. Auch unser vorsichtiges Zeigen der Kamera quittieren sie mit einem zustimmenden Lächeln. Nach fast einer Stunde im Schneidersitz (die Beine sind mir schon längst eingeschlafen) und ein paar Schüsseln Kava im Bauch, flüstert eine Frau wohlwollend hinter uns, dass wir uns das doch nicht länger antun sollen. Wir dürfen ruhig aufstehen, dem Chief persönlich die Hand geben, und dann das Dorf besichtigen, meint sie. Genau das machen wir!
Auch in Malakati kraxeln wir wieder auf den Vulkan-Kamm. Der Aufstieg ist anfänglich recht steil …
… und das verdorrte Gras besonders hart und dicht …
… aber die Aussicht von oben auf das Dorf, die Bucht und unsere 2 Schiffe ist halt schon der Hammer!
Zurück auf der Lupina laden wir Sybille und Bo zu einer kleinen Schiffsbesichtigung ein, wie es unter Seglern üblich ist. Es wartet eine unangenehme Überraschung: beim Besichtigen des Motors erkenne ich, dass der an der Decke montierte Boiler schief hängt! Eine der Aufhängungen hat sich gelöst. Alleine das zu reparieren – unmöglich! Es fehlen mir die Hände dazu. Spontan stürzt sich Bo in die Helferrolle und assistiert mir bei der Reparatur. Ich versuche hier gerade, den Boiler mit einem Seil durch eine Luke vom Cockpit aus zu sichern.
Was mir trotz Bauch Einziehen und Verbiegung meiner Extremitäten nicht gelingt, das schafft Bo fast locker: durch die enge Lucke im Cockpit steigt er hinter den Boiler und kann ihn derart in Position bringen, dass wir die Halterungen wieder fixieren können. Mit Kontermuttern, Loctite und später noch mit Stopp-Muttern lösen wir das Problem nachhaltig. Danach gibt’s das verdiente Arbeiterbier.
Bevor wir am nächsten Tag weitersegeln, fahren wir nochmals ins Dorf. Die Leute hatten uns am Vortag nach Angelausrüstung und alten Seilen gefragt. Auf der Sybo gab’s noch diesen neuen Schwimmring, den Bo vor leuchtenden Kinderaugen aufbläst und einer Familie übergibt. Ein schöner Moment!
Auch hier gibt es zum Abschied Früchte so viel wir tragen können
Am Freitag dem 13. geht’s dann weiter zur Blauen Lagune. Ein herrliches Segeln – und alles geht gut, trotz dem 13.
In alten Segelbüchern haben wir viel von der Blauen Lagune gelesen. Es soll ein herrliches Tauch- und Schnorchelgebiet sein. Das finden wir zwar auch in einigen Bereichen, aber …
… viele Korallenbänke sind tot, abgestorben, grau und farblos. Da die Nahrung fehlt, bleiben auch die vielen bunten Fische weg. Sehr enttäuschend und ernüchternd! Wenn sich das Meerwasser weiter in diesem Tempo aufheizt, können sich die Organismen nicht schnell genug dieser Veränderung anpassen und sterben aus.
Direkt wo wir jeweils bei Landgängen mit dem Dinghi anlanden steht ein kleines Haus mit einer jungen Familie. Sami, das Familienoberhaupt, organisiert für uns Segler ein Essen, das im Erdofen zubereitet wird. Diese Art des Kochens ist in ganz Polynesien sehr verbreitet. Hier heisst es «Lobo». Alles, was gegart werden muss, wird auf heisse Steine geschichtet, mit Bananen- und Palmblättern und schliesslich mit Sand zugedeckt. Hier öffnet Sami gerade seinen «Kochtopf».
Die Speisen selber sind noch einmal gut in Pflanzenblätter eingewickelt, so dass der Saft drinnen bleibt. Das Ausbuddeln verlangt etwas Vorsicht – einerseits, weil es sehr heiss ist und andererseits, weil man verhindern muss, dass Sand ans Essen gelangt.
Und so sieht das leckere «Lobo» angerichtet aus: Fisch, Hühner- und Rindfleisch, Taro, Yam, Reis und viele Arten von Gemüsen. Alles zu 100% Bio, vielfältig und sehr schmackhaft. Sybille und Pia bedienen sich mehrmals am reichhaltigen Buffet, der Captain natürlich auch.
Nach dem Essen werden wir noch mit einem Kava-Trinken überrascht. Nicht ganz traditionell zwar, aber eine Fischerboje aus Plastik anstatt einer ehrwürdigen Kava-Schüssel aus Holz erfüllt den Zweck auch.
Das Trinkgefäss (Kokosnuss-Schale) macht mehrmals die Runde. Auch Pia scheint das Getränk zu geniessen. Am nächsten Tag meldet sich dann leider unser Verdauungstrakt, auch bei den anderen Seglern. Offenbar war das verwendete Wasser oder die Hygiene allgemein nicht ganz zufriedenstellend. Nun, nach 2 Tagen ist es dann auch schon wieder vorbei und unsere Bäuche wieder zufrieden.
Wir sind immer noch vor Anker in der Blauen Lagune. Auf der anderen Inselseite soll es eine bekannte Imbissbude geben. Das ist doch ein schöner Anreiz für einen ausgedehnten Spaziergang. Der gut unterhaltene Pfad führt uns über einen Hügelzug, der erst kürzlich zu Rodungszwecken abgebrannt worden ist.
Auf der anderen Seite der Insel befindet sich ein kleines Dorf. Wie auf den anderen Yasawa Inseln gibt es auch hier keine Strassen, keine Fahrzeuge, nur Fusspfade führen durchs Dorf. Die Wiesen sind wie immer kurz geschnitten und gut gepflegt. Unrat findet man keinen.
Und das ist die berühmte Lo! «Lo’s Tea House» ist ein Geheimtipp unter Seglern. Mit viel Freude und Leidenschaft bekocht sie ihre Gäste mit ausschliesslich heimischer Kost. Wir geniessen bei einer feinen Tasse Tee ihre vorzüglichen, mit Schokolade übergossenen Donuts.
Für den Rückweg suchen wir uns – mit Hilfe des GPS-Signals auf dem Handy – einen anderen Weg. Auch dieser ist kurzweilig und führt uns quer durch den Tropenwald zurück in die Blaue Lagune.
Unser letzter Abend in der Blauen Lagune

Am nächsten Tag heben wir frühmorgens den Anker und nehmen die rund 46 Seemeilen zurück in die Vuda Marina unter den Kiel. Der Wind ist uns gut gesinnt und auch die Sonne hilft uns, einen sicheren Weg durch die verschiedenen Riffe zu finden. Es ist der 18. Oktober, wir sind gut im Zeitplan für unsere nächste grosse Fahrt nach Neuseeland. Das Essen für unterwegs liegt bereits vorgekocht im Tiefkühler. Neuseeland ist sehr streng was die Einfuhr von Lebensmitteln anbelangt. Deshalb haben wir begonnen, unsere Vorräte aufzubrauchen. Wir wollen nichts an Bord haben, das uns beim Einklarieren Probleme machen könnte. Kopfschmerzen bereitet uns aber das Unterwasserschiff. Unser Antifouling ist schon alt und nicht mehr das Beste. Wir kriegen es kaum noch sauber. Auch in diesem Punkt ist Neuseeland sehr streng. In den Richtlinien wird verlangt, dass es absolut frei sein muss von Lebewesen und Bewuchs, so dass keine invasiven Arten eingeschleppt werden. Es wird empfohlen, das Schiff vor der Abreise nach Neuseeland auszuwassern und mit Hochdruckreiniger zu waschen.

Wir haben Glück und finden kurzfristig einen Termin für das Auswassern und Reinigen der Lupina.

Jetzt sind wir bereit für Neuseeland. Es fehlt nur noch das günstige Wetterfenster. Über Vanuatu zieht gerade der erste Zyklon auf, und bei Neuseeland dominieren starke Winde und hohe Wellen. Es vergeht ein Tag nach dem anderen. Obwohl wir intensiv die Wetterkarten konsultieren – es wird nicht besser. Im Gegenteil! Das Wetter um Neuseeland wird immer schlechter und es zeichnet sich ab, dass sich dort ein Tief festsetzen wird. Langsam läuft uns die Zeit davon. Wir möchten gegen Mitte November in die Schweiz reisen und die Festtage mit unseren Familien verbringen. Unter Zeitdruck nach Neuseeland zu segeln, das müssen wir vermeiden. Irgendeinmal meint Pia, wir könnten ja mal die Marina fragen, ob sie noch einen «Pit» (Zyklon-Grube) hätten für unser Schiff. Machen wir – und haben Glück: es hat genau noch 2 Plätze frei! Wir überlegen nicht lange und packen die Gelegenheit beim Schopf: wir segeln NICHT nach Neuseeland – wassern das Schiff hier auf Fiji aus und fliegen von hier in die Schweiz.

Jetzt heisst es: umplanen. Wir wollten einige Unterhaltsarbeiten in Neuseeland erledigen lassen. Ich habe mich schon auf erfahrene Facharbeiter gefreut. Nun heisst es, die Arbeiten, die anstehen, hier zu organisieren oder selber zu machen. Zum Glück können uns die Marina und andere Segler gute Tipps geben. Einer der Tipps betrifft den Schutz des Schiffes vor der brutalen Sonne. Am Anker bewegt sich das Schiff dauernd, an Land aber nicht. Die Sonne brennt da gnadenlos immer auf dieselben Stellen. Es braucht einen zusätzlichen Sonnenschutz um das Teak-Deck und heikle Schiffsaufbauten einigermassen zu schützen.

Mit dem lokalen Bus fahren wir rund 20 Kilometer in die nächst grössere Stadt Lautoka, um dort in einem Baumarkt einen Sonnenschutz zu besorgen
Wir werden fündig! Wir können ein Netzgewebe auftreiben, das man öfters als Staubschutz an Baugerüsten findet. Der Vorteil ist, dass das Gewebe Wind durchlässt und somit viel weniger Widerstand bietet als eine normale Blache – und es ist auch viel leichter (auch wenn es hier anders aussieht)

Am 3. November wird die Lupina ausgewassert und in eine Zyklon Grube gestellt. Bis dahin gibt es noch einiges zu tun: Flüge reservieren, Service an Wassermacher und Motor, Generator wieder zum Laufen bringen, Segel runternehmen und inspizieren, und, und, und …

Jetzt sind wir gut im Fahrplan, können die Marina noch etwas geniessen …
… und natürlich den einen oder anderen Sundowner

Es bleibt spannend – folge der Lupina im Kielwasser!