Viel Arbeit in Singapur

15.1. – 1.2.2026

Wie geplant steigen wir am 15. Januar 2026 spät abends ins Flugzeug, das uns, Zeitverschiebung von 7 Stunden eingerechnet, pünktlich am nächsten Abend in Singapur abliefert.

Damit auf der Reise alles gut klappt, und dass auch unser Gepäck gefüllt mit Ersatzteilen fürs Schiff heil ankommt, haben uns die Enkelkinder Glückskäfer aus Schokolade mit eingepackt. Sie haben perfekt geholfen: Reise gut, Gepäck gut.
In Singapur (hier eines seiner Wahrzeichen: Marina Bay Sands Hotel) erwartet uns das beste Wetter. Es herrscht zwar jetzt bis Anfangs April Monsunzeit mit viel Regen, aber wir haben Glück: tagsüber scheint meist die Sonne, erst am Abend oder in der Nacht regnet es kurz und heftig.
Kaum haben wir uns in der Raffles Marina wieder auf dem Schiff installiert und alle Systeme überprüft (alles in bester Ordnung vorgefunden – nur beim Probelauf des Generators haben wir festgestellt, dass dieser heiss läuft), wird die Lupina für diverse Arbeiten aus dem Wasser gehoben.

Wir sind ja im November des letzten Jahres in aller Eile nach Singapur gefahren, weil unsere Wellendichtung nicht mehr sauber abdichtete. Wir habe Singapur gewählt, weil dieser Stadtstaat ein Hauptknotenpunkt des internationalen Transportes darstellt. Teile zu beschaffen ist nirgends einfacher und schneller als hier. So unsere Annahme, die sich im Laufe der kommenden Wochen auch mehrfach bestätigen sollte. Für Segler unter euch, und auch fürs Schifffahrtsamt in Basel, das jeweils für die Erneuerung der Schiffspapiere genau wissen will, welchen Unterhalt wir in letzter Zeit vorgenommen haben, seien hier die wichtigsten Projekte aufgelistet:

  • Unterwasserschiff reinigen, prüfen, schleifen, neues Antifouling auftragen
  • Anoden ersetzen
  • Propeller inspizieren und warten
  • Ruder inspizieren und warten
  • Bugstrahlruder inspizieren und warten
  • Seeventile prüfen
  • Seeventil und Bedienungsventile WC vorne ersetzen
  • Durchgeschmortes Elektroteil der SOLARA-Solarzellen auf dem Dach ersetzen
  • Service am Hauptmotor Volvo-Penta, Austausch des Turboladers (zu grosses Lagerspiel, Ölleckage und abgenutzte Turbine und Verdichter)
  • Silentblöcke (Abstützung des Motors) ersetzen
  • Generator: Austausch der Wasserpumpe (Ursache für die Überhitzung)
  • Alle Diesel Filter ersetzen
  • Reparatur der Handbilgenpumpe
  • Wartung und Dichtungswechsel des hydraulischen Achterstag-Spanners
  • Kutter-Segel: Ersatz des verschlissenen Sonnenschutzes
  • …. und viele diverse kleinere Dinge auf der Pendenzen-Liste

Diese Liste ist zwar lang, aber wenn man bedenkt, dass das Schiff dieses Jahr 20 Jahre alt wird, und welchen Bedingungen wir es dauernd aussetzen, dann ist das eigentlich gar nicht so viel. Auch unsere Lupina hat ab und zu mal eine Spezialbehandlung verdient 🙂

Zu unserem Erstaunen hat sich auch nach über 6 Wochen Liegezeit in der Marina nicht allzu viel Bewuchs an unser Schiff geheftet. An den weissen Stellen sieht man aber gut, dass der blaue Schutzanstrich nicht mehr überall vorhanden ist.
Als eine der ersten und für die Sicherheit des Schiffes sehr wichtigen Tätigkeiten, werden die Seeventile überprüft. Das machen wir auch unterwegs immer wieder. Deshalb haben wir auch vor dem Auswassern bereits entschieden, dass das Seeventil des vorderen WC’s ersetzt werden soll. Beim Ausbau ist es abgebrochen, und man sieht deutlich an der Bruchfläche, dass der Entscheid für den Ersatz genau richtig war.
Die Kombination von verschiedenen Metallen und aggressiven Medien (Salzwasser), denen ein Seeventil ausgesetzt ist, sorgt oft schnell für Korrosion, Materialveränderungen und Undichtheiten: das Bild zeigt das vergammelte, alte Seeventil und den steinhart gewordenen Verbindungsschlauch.
Das kritische Seeventil ersetzen wir mit einem Neuen aus Faserverbundwerkstoff (korrodiert nicht mehr), für die Bedienungs-Hähnen (Bild) wählen wir aus Gründen der Passung das bisherige Design für den Austausch.
Die erste Arbeitswoche vergeht äusserst schnell. Wir sind hauptsächlich damit beschäftigt, Teile, die ersetzt werden müssen aber noch nicht an Bord sind, zu beschaffen. Internet ist da Gold wert. Abends plumpsen wir müde ins Bett. Aber an den Wochenenden nehmen wir uns Zeit für Stadtbesichtigung und Ausflüge. Für einen schnellen Überblick gönnen wir uns ein Tagesticket für den Hop-on Hop-off Bus.
Dieser fährt an allen Sehenswürdigkeiten vorbei, und über Kopfhörer bekommt man die wichtigsten Informationen dazu. Hier fahren wir gerade durch «Little India»
Singapur: nicht nur ein Gewusel von vielen Menschen, sondern auch eine enorme Vielfalt von Kulturen und Religionen, die hier friedlich und entspannt nebeneinander leben.
Wir sind angetan von der grandiosen Architektur! Was da in den letzten Jahrzehnten auf dem neu gewonnen Land (viel Baufläche ist durch Aufschüttungen geschaffen worden) hochgezogen wurde, ist einfach fantastisch.
Ein weiteres Beispiel der spannenden Architektur: Parkroyal Collection Pickering, das «Hotel im Garten», ein revolutionäres Konzept. Das Gebäude weist über 15’000 Quadratmeter bepflanzte Fläche auf, mit hängenden Gärten, Wasserbecken und begrünten Wänden. Es wirkt wie ein tropischer Wald mitten in der Stadt.
Natürlich halten wir auch immer Ausschau nach anderen Seglern. Und siehe da, eines Tages weht da eine weitere Schweizer Fahne in der Marina. Caroline und Jean-Luc (nicht im Bild, musste leider weg und Ersatzteile besorgen – was denn sonst, schmunzel) aus der Westschweiz sind nun auch schon einige Jahre mit ihrem Katamaran «Droitdevan» auf Weltreise.
Bei der Durchführung des Services am Motor entdecken wir viel Öl im Ladeluftkühler. Auch haben wir in letzter Zeit bemerkt, dass unser Motor neuerdings Öl verbraucht. Untrügliche Zeichen, dass der Turbolader (Bild) eine Leckage aufweist. Da wir bereits vom letzten Service in Fiji wissen, dass sowohl Turbine als auch Verdichter deutliche Verschleissspuren zeigen, entscheiden wir uns für einen Ersatz. Volvo bietet uns als günstigste Variante einen revidierten Turbolader für sündhaft teure Preise an. Dank Internet können wir direkt vom lokalen Vertreter des Originalherstellers (IHI in Japan) einen fabrikneuen Lader zu einem mehr als 3 mal günstigeren Preis eruieren.
Der Ausflug nach «Chinatown» ist eigentlich nichts Besonderes, denn rund 70% der Bevölkerung Singapurs hat chinesischen Hintergrund. Der Gegensatz von den eher kleinen Häusern dieses Viertels zu den Hochhäusern in der Marina Bay Gegend (Hintergrund) ist aber faszinierend.
Auf unserem Ausflug werden wir uns bewusst, dass bald das Chinesische Neue Jahr beginnt. Das Jahr des Feuer-Pferdes beginnt am 17. Februar 2026. Wir wissen, dass in dieser Woche – wie bei uns ja zu Hause auch über die Neujahrszeit – niemand arbeitet. Ups! Ein kleiner Schwierigkeitsgrad in unserer Arbeitsplanung.
Wer Goldschmuck kaufen will, der ist in Singapur genau richtig – insbesondere bei den Indern. Die Goldläden sind meist gut frequentiert, das Geschäft brummt. Das verwundert nicht. Die Preise hier sind ebenso gut wie in den Vereinigten Arabischen Emirate, und die Qualität der Schmuckstücke ist tadellos.
Vor der National Gallery finden viele Veranstaltungen statt. Es ist immer etwas los. Als wir vor den ehrwürdigen Gebäuden vorbeischlendern, führen gerade junge Trommler eine Kostprobe ihres Könnens vor …
… und auf einer Nebenstrasse findet gerade ein Wettbewerb im Schnellzeichnen statt.
Mittlerweile ist das Schiff gewaschen und die noch vorhandene Farbe angeschliffen. Damit es bei den Stützen nachher auch Farbe hat, werden direkt neben den Stützen bereits kleine Felder vorgemalt. Hier im Bild werden die Stützen nun neu auf diese bereits fertig bemalten Stellen verschoben.
Bei allen bisherigen Anstrichen wurde die Farbe mit einem Roller aufgebracht. In Singapur wird sie zum ersten Mal aufgespritzt. Die Mitarbeiter der Werft arbeiten sehr sauber und zügig. Hier decken sie die Partien des Schiffes ab, welche keine Farbe abbekommen sollen.
Die erste Lage besteht aus schwarzer Farbe. Die zweite Schicht wird dann dunkelblau, ebenso die dritte Schicht, die zusätzlich an den Stellen mit hohem Abrieb (Bug, Leitkanten von Kiel und Ruder, Wasserlinie) aufgetragen wird. Falls du dich fragst, warum wir unterschiedliche Farben verwenden, hier die Antwort: da beim Segeln durch das Wasser die Farbe abgenutzt wird, hilft es zu wissen, wieviel Farbe noch vorhanden ist. Sobald Schwarz erscheint, wissen wir, dass wir an einen neuen Anstrich denken müssen.
Natürlich ein Muss für jeden Besuch in Singapur: ein Besuch auf das oberste Deck des Marina Bay Sands Hotel, eines der weltberühmtesten Hotels. Es ist 57 Stockwerke (226 Meter) hoch. 2’561 Hotelzimmer, verteilt auf 3 Türme, die oben mit einem schiffsartigen Körper verbunden sind. Das Schiff soll an Singapurs Geschichte als wichtiger Handelshafen erinnern. Nebst der fantastischen Aussicht von ganz oben kann man ebenfalls einen Blick erhaschen auf das Highlight des Gebäudes: den riesigen, 150 Meter langen Infinity Pool auf der 57. Etage.
Über Internet beschaffen wir uns ein Ticket für die öffentlich zugängliche Aussichtsplattform des Sands Hotels. Um die Besucherströme zu steuern, erhalten wir eine vordefinierte Besuchszeit am Nachmittag. Perfekt, das gibt uns gerade Gelegenheit, einen der schönsten Parks der Welt, «Gardens by the Bay», zu besuchen. Der Park bedeckt eine Fläche von 101 Hektaren – riesig! Die 15 künstlichen Riesenbäume aus Stahl (Bild) sind das Wahrzeichen des Parks. Sie sind zwischen 25 bis 50 Meter hoch und bepflanzt mit echten Pflanzen und Blumen. Tagsüber sind sie grün und lebendig, nachts ein Lichterwunder erzeugt von bunten LEDs.
Nebst den Riesenbäumen überrascht der Park mit verschiedenen Themengärten wie Kräutergarten, Blütengarten, Bauerngarten und vielen anderen, interessanten Themen. Im Kunstgarten scheint die Schwerkraft aufgehoben zu sein: die Baby-Statue aus Bronze und Stahl wiegt satte 7 Tonnen. Trotzdem wirkt sie leicht und schwerelos.
Am frühen Nachmittag ist es soweit: wir dürfen aufs Aussichtsdeck des Marina Bay Sands. Das Bankenviertel im Hintergrund strebt nach Grösse und Extravaganz
Aussicht auf den Park «Gardens by the Bay», im Hintergrund unzählige Frachtschiffe auf Reede.
Und hier ein Geheimtipp: mit korrekter Kleidung (geschlossene Schuhe, Hemd mit Kragen, lange Hosen) darf man gratis mit dem Hotellift in die Hotelbar im 57. Stock und kann sich direkt am Rand des Infinity Pools mit einem leckeren Drink verwöhnen.
Nur von der Hotelbar aus gelangt man in die Nähe des sagenhaften Pools, der ausschliesslich für Hotelgäste reserviert ist.
Unseren neuen Turbolader (ähnlich wie der im Bild) holen wir genau 4 Tage nach Bestellung persönlich beim Lieferanten ab. Ein perfekter Kundendienst.
Natürlich ist Singapur auch eine Stadt für Feinschmecker. Es gibt praktisch alles, was irgendwo sonst in der Welt auch als Spezialität angeboten wird. Wir lassen es uns gut gehen und kosten viele unterschiedliche asiatische Küchen. Hier gerade befinden wir uns in einer japanischen Sushi Bar: auf einem Förderband fahren unzählige Teller mit japanischen Köstlichkeiten vor dir durch. Du brauchst nur deine Hand auszustrecken und die Delikatesse auf dem Teller gehört dir.
Mitte dieser Woche ein Highlight für mich: Besuch meiner ehemaligen Arbeitskollegen in Singapur. Zu meiner Zeit hiess die Firma noch ABB Turbocharger. Neue Manager in der ABB waren aber der Meinung, dass so banales Geschäft mit Metallteilen nicht zu ihrem Portfolio passe. Der Geschäftsbereich der Turbolader kam an die Börse und wurde verkauft. Der neue Name der Firma: Accelleron (Beschleunigung). Der Aktienwert hat sich seit der Gründung mehr als verdreifacht und die Aussichten sind weiterhin fantastisch. Zurück zu meinen Kollegen von damals: Jonah Cheng (rechts), Chefassistentin, ist ein absolutes Organisationstalent – es gibt nichts, was sie nicht in die Gänge bringen könnte. Cheefai Wong – einer der besten Technical Advisor (Technischer Kundenberater), der für uns gearbeitet hat. Die Beiden heissen uns willkommen und zeigen uns den heutigen Betrieb.
Wie bei der Turbolader-Familie in Singapur üblich organisieren sie für uns Gäste einen traditionellen chinesischen Lunch. Nebst Jonah und Cheefai begleiten uns weitere ehemalige Arbeitskollegen zum Essen ein. Schön wars wieder mal zurück zu schauen.
Nick Yong, der Accelleron Chef in Singapur (ganz links), ist einer der vielen tollen Service Stellen Leiter, die durch ihre Kundennähe das Turbolader Geschäft vorangetrieben haben. Ihn kenne ich schon über 20 Jahre. Zur Feier des Wiedersehens lädt er uns am Abend in seinen Club ein, wo wir, wie man sieht ein paar Drinks kredenzen.

Wir sind weiter mitten in den Arbeiten. Die Temperaturen im Schiff sind heiss und der Schweiss rinnt literweise von unseren Körpern. Am Abend sind wir jeweils nudelfertig und wir fallen früh ins Bett, das wir für die Zeit der Arbeiten ins Hotel der Marina verlegt haben. In der kommenden Woche erwarten wir nun die letzten Teile. Wenn alles optimal läuft könnten wir Ende Woche wieder im Wasser sein.

Es bleibt spannend! Folge der Lupina im Kielwasser!